Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 99 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 99. U. XII 19*36 Die Frühgeschichte der Baumspende Böden des KKL, die der Aufforstung harren Die Siedlung Scheel* Ahrek im Emek Jisrael, wo ein Teil der Jugend-Alijah aus Deutschland untergebracht ist. Die Hügel im (Untergrund sollen aus Mitteln der Baumspende aufgeforslet werden. — Das andere Bild zeigt Chawerim der Jugend-Ali!'ah bei der Arbeit Foun: kkj. Pi-lfW. ,, י* ti. rw ׳ L 'ädfäiSSt■ y Von Professor Otto Warbnrg, Berlin Der Keren Kajemeth Le jisrael führt zu Channhkah eine Baum-Aktion für die Wiederaufforstung der verbrannten Wälder von Mischmar Haemek und für die Anpflanzung eines Waldes in Scheich Ahrek auf Boden des KKL durch. Dort wird sich eine Gruppe der Jugend-Alifah, die jetzt ihre Ausbildung in Ein Cherod beendet hat, ansiedeln. Diese Gruppe soll sich einem Teil der Ansiedlungskosten durch ihre Aujfarstungsarbviten beschaffen. Aus Anlaß dieser Aktion haben wir den Begründer der Baumspende und früheren Präsidenten der zionistischen Weltorganisation gebeten, sich über diesen Teil der Arbeit des KKL zu äußern. (Red.) Wie wohl nicht jedem der jüngeren Zionisten bekannt sein mag, bedeutete das Jahr 1003, d. h. der letzte Kongreß, den Herzl leitete, der sogenannte Uganda-Kongreß, insofern den Beginn einer neuer! Periode des Zionismus, als damals der Wunsch der Kongreßmitglieder, besonders der russischen Zionisten, endlicli auch mit einer Arbeit für Palästina anzüfangen, zum Durchbruch gelangte, wenn auch nur in bescheidenstem Mali!: und in der Form eines Kam promiss cs. Die Formel, auf die sich das Akticms-Comite schon vorher mit Herzl geeinigt batte, lautete, man dürfe zwar ohne Charter oder andere rechtliche Grundlagen nicht mit praktischer Arbeit in Palästina beginnen, wohl aber müsse man die Bedingungen und Voraussetzungen schaffen, um sofort beginnen zu können, falls die politischen und rechtliehen Grundlagen geschaffen sein sollten. Um diese Vorbereitungen zu treffen, wurde von dem Kongreß die sogenannte Palästina-Kommission mit einem vorläufig äußerst bescheidenen Budget geschaffen, Mitglieder dieser Palästina-Kommission waren der bekannte Soziologe l)r. Franz Oppenheimer, der Agronom Dr. S. Soskin und der Unterzeichnete. Bald nach dem Kongreß machte' sich diese Kommission, deren Sitz in Berlin war, ans Werk und schut sich in der .Monatsschrift ״A 1 t 11 c u I a n d“ ein Organ, das unter diesem Namen drei Jahre bestand, um dann unter dem Namen ״Palästina“ fortgesetzt zu werden, zuerst in Rerliri IW unter der Redaktion von I)r. Jacob Thon, dann, nach Beendigung der Tätigkeit der Kommission, zwei Jahre lang! in München unter Dr. Felix A. Theilhaber als ״Zentralorgan der jüdischen Kolouisationsbewcgung in! Orient“. Alsdann erhielt diese Zeitschrift wieder ihren alten Namen ״Palästina“ und wird heute von Adolt Böhm geleitet. Uns interessiert hier nur der erste Jahrgang von ״AHneuland“. Schon im 3. Monatsheft (März PXH) machte die ״Kommission zur Erforschung Palästinas“ einen Vorschlag, ״Volksdomänen in Palästina“ zu errichten. Diese sollten auf den laut Beschluß des VI. Kongresses mit den Mitteln des Nationalfonds angekauften und noch anzukaufenden Ländereien Palästinas geschaffen werden. Unter dem Namen ״Oelbaumspend c“ wurde eine allgemeine Gddsaminiung für den Volksdoinanenfonds beschlossen, ״zu dem Zwecke, die Volksdomanet! mit Olivenbriumcn zu bepflanzen und derart für die ideellen Zwecke des jüdischen Volkes nutzbar zu machen“. Als Mindestspende wurde für die Pflanzung und Pflege eines Oe Iba um es bis zu seiner Selbsterhaltung die Summe von 6 RM. festgesetzt Die Namen der Spender sollten in ein Spendcribuch mit der Nummer des von ihm gespendeten Baumes eingetragen werden. Spender von 10 Bäuinen, d. h. einer Ciartenparzclle von 1 Dunam, sollten in ein Donatoren buch, solche von 100 Bäumen, d, h. einem Oelbaumgarten vor! 10 Dunam — 1 Hektar, in das Goldene Buch des Nationalfonds eingetragen werden. 1000 Bäume 10 Hektar sollten einen Olivenhain bilden und den Namen des Stifters oder einer von ihm benannten Person tragen. Die Idee war, die Erträge, die freilich erst in 8—10 Jahren nach der Pflanzung zu erwarten waren, zur Gründung und Unterhaltung von Hochschulen in Palästina zu verwenden. Da der Ertrag pro Hektar auf mindestens 300 fres. angenommen wurde, so wurden 3000 Hektar — soviel betrugen damals die Ländereien des Nationalfonds — OOOOOOfrs. ergeben. Auch würde durch die Bearbeitung jüdischen Arbeitelosen und Erbpächter״ Arbeit verschafft und auch neue jüdische Industrien (Oclpressereien, Seifenfabriken usw.) würden dadurch geschaffen werden können. Der Vorschlag der Kommission fand Beifall, und es liefen jährlich recht beträchtliche Oelbaumspenden ein. Es wurden dann aut dem Boden des KKL in Judäa, in Ben Schemen und Hulda zwei größere Pflanzungen von Oelbaumen angelegt, die sich mit der Zeit recht gut entwickelten, besser in Hulda als in Ben Schemen, wo inan die Bäume an manchen Stellen auf zu schwerem Boden gepflanzt hatte. Die Idee, Oelbäurae zu pflanzen, war und ist gewiß richtig, aber nur unter gewissen Bedingungen. Der Oclbaum eignet sich nicht für die leichten Böden der Küste, wo siel! die meisten jüdischen Siedlungen befinden und die Orangen- Pflanzungen so trefflich gedeihen und auch nicht für die schweren Böden, wie sie den Emck allgemein auszeiclmen. Also gerade die Gebiete, wo der Nationalfonds seine hauptsächlichen Käufe gemacht hat, sind für diese Art ״Volksdomänen“ ungeeignet. Ferner sind solche Oelbaumpflanzungen be? Jüdischer Arbeit nur dann rentabel, wenn sie io Verbindung mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben stehen, also einen Nebenverdienst für Kleinbauern und Siedlern abwerfen oder sicherstellen sollen. Die Pflanzungen, besonders?n Ben Schemen, haben während des Weltkrieges sehr gelitten, da dieser Ort zeitweise kn Mittelpunkt der Kämpfe stand. Im Laufe der Zeit begannen auch Zweifel laut zu werden, daß bei der teuren jüdischen Arbeit auch nur annähernd Nettogewinne von .300 fres. pro Hektar zu erzielen sein werden, obgleich auch jetzt noch wirkliche, auf Tatsachen gestützte Berechnungen fehlen. Solange solche Zahlen nicht eindeutig vorliegen, ist es unberechtigt zu sagen, der Oel bäum eigne sich nicht für Pflanzungen des KKL. Vielmehr hängt es ausschließlich von den näheren Umständen ab, wo die Siedlungen auf KKL- Boden liegen, welchen Boden sie haben, una wie der Besiedlungsplan aussieht. Gerade erst vor einigen Wochen wurde wieder bekannt, welchen Wert die Palästina-Regierung aut die Ausdehnung der Oelbaumkultur lege. Und wenn man bedenkt, welche enorme Bedeutung diese Kultur in Italien und Südfrankreich besitzt, obgleich dort die Arbeitsverliältnisse doch nichts weniger als primitiv sind und sich mit den arabischen gar nicht vergleichen lassen, so kommt man zu dem Schluß, daß die Tage dieser Kultur für die jüdische Landwirtschaft durchaus noch nicht gezählt sind. Maßgeblich für den Entschluß des KKL, von der Weiter- Pflanzung von Oelbaumen Abstand zu nehmen, war eine mehr psychologische Erwägung, daß nämlich das Wachstum der Oelbäuine für die Ungeduld des großen jüdischen Ptiblikuins zu langsam vor sich geht. Immer kamen Touristen heim, die erklärten, sie hätten Palästina durchstreift, aber von den Baumpflanzungen nichts gesehen. Sie sagten dies sogar noch, als sich der aus schnellwüchsigen Akazien und Aleppokiefern bestehende Herzlwald bei Ben _Schemen schon recht stattlich entwickelt hatte, und obsebon die verschiedenen Eukalyptushaine in der Ebene Scharon und im Emek durchaus schon nutzbar waren. Gewöhnlich machen sich die Touristen nicht die Mühe, den Pflanzungen nachzugehen und bleiben in den Dörfern, und da auch die Bäume keime Neigung spüren, spazieren zu gehen, so finden sie sich gegenseitig nicht. Ich habe schon einige Male den Vorschlag gemacht, an einigen begünstigten Plätzen, z. B. im Herzlwald bei Ben Schemen und auch im Balfourwald nahe _ der Chaussee Haifa—Nazareth, kleine Waldkaffees cinzurichten, mit kurzen Spazierwegen im Wald, besonders nach Aussichtspunkten. Das würde, wie ich glaube, sehr zur Popularisierung der Baumspende beitragen. Doch ich bin von dem Thema abgekommen. Nachdem der Weltkrieg die Tätigkeit der üelbaumspende lahmgclegt hatte, begann bald eine rege Pflanztätigkeit. Zuerst warf man sich auf den äußerst schnell wachsenden Eukalyptus, der auf dem sandigen tiefgründigen Boden der Küstenzone vortreff* lieh, im Emek mäßig, im Gebirge schlecht gedeiht. In da* Küstenzone wurden hauptsächlich Hügel aufgeforstet, doch hörte man damit auf, als sich hcrausstcllte, daß auch diese für Pflanzungen wertvoller Bäume, wie Zitrns, skh nach den neueren Systemen eigneten. In den früheren Eichenwäldern zwischen Nazareth und Nahalal begann man, die Eichenstiimpfe gegen Ziegenfraß zu schützen, um wieder volle Bäume zu erzielen. Jedoch ist das eine Aufgabe, die viel Aufsicht verlangt und eigentlich mit Erfolg nur von der Regierung geleistet werden kann. Gleichzeitig begann man aber mit der Aufforstung durch' die ziemlich schnell wachsende Aleppokiefer, die sich ganz vorzüglich für die Aufforstung der Gebirge eignet. Schon nach 20 Jahren sind es sehr stattliche Bäume und nach 30 Jahren bilden sieh Wähler, die sich mit schönen Nadelhol*- Wählern Europas durchaus vergleichen lassen und sogar eine Grasnarbe und etwas Humus unter sich bilden. Diese Kiefernwälder sind trotz der schönen Formen der einzelnen Bäume, die dann unsere nordische Kiefer weit übertreffen, zwar etwas einförmig, jedoch kann man durch dazwischengesetzte Horste von Akazien oder durch malerische Zypressen, Tercbinthcn, Kasuarinen und Nußbmime, sowie etwas Unterholz (z. B. schöne Erdbcerbäume, ludasbäume, evtl. Lorbeer) eine große Mannigfaltigkeit hervororingen, ohne das landschaftliche Bild eines Forstes dadurch zu zerstören. Auch die sehr schöne kanarische Kiefer eignet sich vorzüglich zur Aufforstung und wird noch eine größere Rolle in Palästina spielen. Leider eignen sich die in Palästina heimischen zwei sehr schönen Eichen, eine immergrüne Steineiche, und eine Iaitbabwerfende, die früher eine große Rolle in der Bewaldung des Landes gespielt haben und, wie gesagt, in ihren Resten unter dem Schutz der Regierung sich gut entwickelten, wenig für die Aufforstung des Keren Kajemeth, da sie sehr langsam wachsen una einer größeren Pflege bedürfen. Immerhin genügen die angeführten Baumarten, um die Waldungen des KKL zu ragenden Wahrzeichen seiner Tätigkeil zu machen und um den Palästinensern und Freunden ein Bild davon zu vermitteln, wie schön bewaldet das Land früher gewesen ist, und wie es auch später wieder aussehen wird. Daß der Wald dermaleinst auch ökonomisch eine Rolle spielen wird durch Lieferung von Holzprodukten, sowie daß er auch klimatisch von Bedeutung sein wird, durch Abkiihlung־ und Fernhahen der winterlichen Regen und als Schutz gegen Abspülung der den Boden bedeckenden Erde! mag liier nur kurz erwähnt werden. Hoffen wir, daß die Baumspende der Juden nicht erlahmen möge und dem Keren Kajemeth dadurch die Möglichkeit gegeben werde, auch weiterhin immer neue Forstpflanzungen anzulegen. Der Iwrith ־־Teufel Von Marcelie Blank Das Erlebnis, von dem ich erzählen will, begann mit einer paradoxen Verbundenheit von Profanem und Erhabenem: Mitten im Freitagabend-Gottesdienst, unter Menschen, die in Andacht versunken waren, kamen, tückisch und hinterlistig, die Gehilfen Samaels aus meinem Gebetbuch und versuchten mich. Zuerst bemerkte ich sie nicht, diese als Engel getarnte Teufelchen mit ihren schwarzen Druckfüßchen auf vergilbtem Papier, sie hielten sich verborgen unter heiligen Worten: ..• נ^ירןי ה־׳ $ת י1ם וזשגיןינןיזןש א1ת1 .• . Doch plötzlich, mit kobakihafter List, überfielen sie mich. Sie duldeten cs nicht, daß ich wie sonst verständnislos di« hebräischen Buchstaben herunterlas. Sie postierten sich wie kleine Befehlshaber vor mir auf und examinierten mich: ״Was ist der Schoresch von ׳וי^ו״ך und ist es Piei oder Kal?!“ Darauf war ach nicht gefaßt. Was ist der Schoresch, großer Gott! stammelte ich, ohne zu bedenken, wie sündig cs ist, in dem von Rabbi Atnram sei. Angedenkens geordnetem Gebet den Ewigen und Allerhöchsten um die grammatikali- 6che Wurzel eines Worts anzurufen. Aber Saniael hilft mir: Seine Aleph-Beth-Teufdchen krüm- «nen und winden sich, sie zerren das Wort auseinander, streichen das ר und das ,am Anfang wieder ab, und klar und deutlich treten sie hervor, die drei Stamm huchstaben! Haielujah, ich habe sie erkannt! Mein Herz klopft vor Freude! Erfolg ebnet wie oft im Leben dem Bösen die Bahn. Jetzt kann ich meinen Versuchern schon gar nicht mehr widerstehen, ich möchte weiter zagen, was ich kann. Aber nun entpuppen sie sich erst richtig als Sendboten des Oehinnotn. Sie ducken und verstecken sich hinter abgeleiteten Vokalen, verbundenen Formen, nur dann und wann streckt mal einer von ihnen seinen kleinen schwarzen Druckkratzfuß heraus. Ich packe ihn und halte ihn dran fest: ״He! Hab ich dich? Du bist Atid von ,״* Er leugnet. Ich aber sage triumphierend: ״Kaliko, Lektion Nr. ..." ״Stimmt flicht“, antwortet ex beharrlich, ״steht im OoM• mann.“ Ich aber bleibe bei meiner Behauptung. Wir tuscheln miteinander, diskutieren, zanken uns, bis ich mich durch den Anblick des Synagogendieners, der lautlos in den Gängen patrouilliert, zur Ordnung gerufen fühle. ״Hier ist nicht der Ort, Iwrith m üben“, fliistre ich meinem Widersacher zu. ״Faule Ausrede, du hast wieder nicht gelernt, die Grammatik sitzt wieder nicht, das ist es!!״ zischelt er gebieterisch. ״Du bringst mich noch um den Verstand“, klage ich, ״seit ich ■dich kennengelernt habe, verfolgst du midi wohin ich gehe und wo ich stehe. Auf der Straße, in der U-Bahn kann ich kein Reklameschiid mehr ansehen, ohne den Versuch zu machen, den Text ins Hebräische zu übersetzen. Deutsche Bücher will ich jedesmal verkehrt nun lesen, Er- Zählungen kann ich schon gar nicht mehr sdireibcn, da ich immer beim Ende anfangen will und deshalb gar nicht zum Anlangen komme, — — — und das Schlimmste von allem: meine gute teure SchrciJmiaschine habe ich kaputt geinacht, weil ich, seit ich auch auf einer hebräischen übe, die Walze nach der entgegengesetzten Richtung führen wollte! Und neulieh hätte ich um ein Haar meine Steuererklärung falsch angegeben, weil ich die Zahlen, wie auf der hebräischen Maschine in Spiegelschrift setzen wollte. Jetzt verfolgst du mich auch noch hier! An diesem heiligen Ort glaubte ich wenigstens vor dir sicher zu sein!“ ״Sooo?!“ sagt er entrüstet und kratzbuckelt dergestalt, daß ich nicht erkennen kann, ob er ein T oder ר vontcllen soll. ״Du bist es ja selbst gewesen, die du mich und meine Kollegen hierhergewünscht hast, gerade hierher, ins Gotteshaus.“ ״fc!1??l!“ , , ״Ja, du selbst, es!st schon lange her, mehr als 20 Jahre. Wie er das gesagt hatte, flimmerte es vor meinen Augen, meine Ohren sausten, mein Herzschlag setzte einen Augenblkk aus, die Synagoge, in der ich mich befand, versank, — — — tiefe Dunkelheit um mich ... ״ Da-allmählich dämmert es aus der Tiefe, ich fühle mich wie aus einer Versenkung emporgehoben und befinde mich wieder in einem Gotteshaus, einem anderen, sehr großen, hohen. Das Betpult türmt sich wie ein Wall vor meinai Augen auf. Wenn ich den Rabbiner und den Vorbet« sehen will, muß ich auf stehen, so klein bin ich noch: etwa 8 oder 9 Jahre alt. Das Empfangs!!«! für den Sehabbat ritferf durch den Raum. Ich kann dm Inhalt nicht verstehe», der Klang des unsichtbaren Chors schlägt über mir zusammen; mir Ist, als steige er vergeblich zu einem verschlossenen Himmel und sinke schwer und niederdrückend auf mich herab. Ich schaue ins Gebetbuch, doch ich kann nicht lesert was darin geschrieben steht. Die heiligen Zeichen, Schrift und Sprache, in der der Ewige seinem Propheten die Gesetze gegeben hatte, kann ich nicht entziffern. Ich suche Gott, ich sehne midi danach, zu Ihm zu beten, aber ich kann die Sprache nicht, in der man sich mit Ihm verständigt. — Gestern noch hatte ich, aus der Schule kommend, zu meinem Papa gesagt: ״Unser Religionslehrer gibt einmal in der Woche in seiner Wohnung Unterricht im Hebräisch-Lesen. Man muß nicht kommen, aber man darf es und es kostet nichts, leb möchte mitmachen.“ — Aber Papa hatte gemeint, es gäbe soviel Dringlicheres, womit ich meinen Kleinen Kopf belasten müsse. Diese Sprache spräche niemand mehr. Aetalich wie Latein diene sie nur noch einem kleinen Fachkreis von Rabbinern und anderen Gelehrten. Man nenne solche Sprachen ״tot“. ״Tot!“ dachte ich und besah die schwarzen Lettern in .Mamas Gebetbuch. Die Sprache war gestorben und ihre Zeichen trugen Trauerkleider. Wie ein Netz bespannten sie die Seiten, undurchdringlich, unentwirrbar. Wenn ich länger hinsah, wurde dieses Netz zum Gitter, zum Gefängnlsgitfa! das mich vor meinem Gott verschlossen hielt. Als ich zur Gegenwart zurückgefunden, war das gleiche Gitterwerk der Schrift über die Seifen meines Gebetbuchs ausgebreitet. Doch da und dort, bei diesem und bei jenem Wort, mitunter selbst in Reihenfolgen ganzer Sätze, regten sich die Lebensgeister und öffneten das Netzwerk, ich fand Worte, die ich aus Anekdoten meines Iwrithlelirbudis kannte, Redewendungen, wie man sie in Palästina im Alltag ge* braucht. Als es mir gelungen war, einen kleine» Abschnitt zu übersetzen, war ich ganz beglückt. Ich habe mich mit meinem Iwrith-Teufel ausgesöhnt. ״Na, bin ich nicht ein kleiner Engel?1“ Die Buchstaben sahen jetzt 80 milde aus, daß Ich eä beinah zugegeben hätte. Aber da fiel mir die große Mübd des Iwrithlcrucns wieder ein: ״Und du bist doch aus dem Oehinnotn!* ״Aber du gibst zu, daß ich dich zu deinem Oott und ta deinem Volk zurückführe?!“ ״ Ich lächelte dankbar. ״Du hist ein Teil von fester Kr•»*» von der der große deutsche Dichter sagt ...* Aber das Zitat kannte er schon. Eh ich « zu Enae sagen konnte, war er in der Tief« ntdncs Gebetbuch•. er entstiegen war, entschwunden.