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Jüdische Rundschau · 1936-12-11 · Heft 99 (11.12.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 99 (11.12.1936)
Date
1936-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 99,11. DEZEMBER 1936 LITE Der jüdische Riese Sslman Schnüur: Noah Pandre. Roman. Brandussche Verlagsbuchhandlung, Berlin W 50. Die Wiederholung der Lektüre ist die beste Kraftprobe, die ein Buch bestehen kann, und der Roman ״Noah Pandre“ besteht sie, man möchte sagen, mit Pauken und Trompeten. Mit glänzendem Behagen und manchmal wildern Vergnügen hat man ihn hier in der ״Jüdischen Rundschau“ in Fort- Setzungen Zug um Zug gelesen, und wenn man nun das Buch vor sich und, viel zu schnell, auf einen Zug, hinter sich hat, ist man diesen (ollen, großartigen Burschen, diesen Saft- und Kraftkerl Noah Pandre nicht etwa los, im Gegenteil, man ist ihm erst recht verfallen, man entdeckt ihn noch einmal, man ist von neuen Schönheiten gepackt, man kriegt ihn ganz anders zu packen, man weiß ganz genau, was im nächsten Kapitel kommen und wie es ausgehen muß, und man liest es doch mit der gleichen Spannung und überlicst kein Wort. Aber was ist das auch für eine Welt! Ein jüdisches Stadtchen im Osten mit Rabbi und allem jüdischen Drum und Dran und doch kein Ghettojammer, keine Probleme, kein ״jüdischer Hamlet“, keine Hiobstragik und keine Mamme-Sentimentalität, kein Kampf zwischen religiösen, politischen Parteien oder Generationen, sondern einfach Menschen, die essen (und wje!) und trinken und was vertragen können und gut sind und böse wie eben Naturwesen, und Tiere, eine Kuh, ein Bär, Wölfe und Pferde, Pferde — im schneidigsten Rcnnstallroman, im mustang-donnerndsten Wildwestroman habe ich noch keinen Jockey oder Cowboy mit solchem Pferdeverstand und Pferdeherz erlebt wie Sender, Pandrcs Schwiegervater und Fuhrherrn! Natürlich wird man einwenden, das ist kein ״jüdischer“ Roman; gewiß, wird man zugeben, Noah geht ztun Rabbi, bevor er das Fleischhauen aufgibt und den frömmeren Beruf eines Fuhrmanns ergreift, aber was ist sonst ״Jüdisches“ an ihm? Gewiß, Sender ist ein Chassid, aber die Pferde? Und gar erst Noalis Liebeleien mit drallen Weibern, seine Wolfsgeschichte, seine Schlägerei mit dem bestialischen Tschurillo und Ssimehc Ttirerus Bosheiten und Brandstiftung und Scheffels Tricks! Dazu ist nur zu sagen: alle unsere Ideale In Ehren, aber ein jüdischer Roman ist keine Heiligerliegende. Wir sollen und wollen hier unsere Leut« sehen, wie sie sind, und es gibt nun Gott sei Dank jüdisch« Fleischer und Fuhrleute (wie wäre es denn möglich, ohne sic auszukommen?), und die Fuhrmannsgilde una das Schlachthaus sind keine Mädchenpensionate, wo zartzimperliche Charaktere mit rosa Moralschleifchen geschmückt werden. Nun stelle man sich aber einmal vor, wie dieser riesige Noah Pandre zu Haus vor dem Brand heim Neuen Millionär mit seiner schwangeren Frau umginge oder dann im Gefängnis beim Latrinenreinigen geworden wäre, wenn er nicht dennoch ein Jude, ein junger, einfacher Balaboß wäre! Oder man vergleiche doch einmal die beiden Prototypen der Gefängniswelt miteinander, den Juden Scheffel mit Tscluirilio. Ist es nun ein ״jüdischer“ Roman oder nicht? Aber ist es denn ein wirklicher Roman, eine Dar- ,Stellung der Wirklichkeit, des dagewesenen oder daseinsmögliehen uebens, ist Noah Pandre ein Mensch oder ein Phanta- ,*»egebilde, ein Wunschtraum? Das könnte jedem gleichgültig fitia außer uns, die wir ja mehr wollen als nur gute, schöne, effektvolle Romane. Wir müßten ja leider unter der Vor- Stellung, daß etwa unser Herkules, unser Apoll nur erdichtet wäre, erdichtet, nur weil sein Erträumer ein armseliger Krüppel, ein Tliersites wäre. Die Esther-Geschichte, die Golem- Sage nur Dichtung, um wenigstens in der Phantasie einen Ausgleich, im Wunsche einen überkühnen Maehttraum gegen die allzu kraftlose Wirklichkeit zu gewinnen, der jede Kraft und Hoffnung auf kühne Bewährung verwehrt wäre? Aber man sehe sich unsere echten Kraftkcrle von Simson bis zu diesem Noah Pandre nur einmal genauer an: sie sind durchaus keine Idealgestalieri im Sinne jener edlen Fchlerlosigkeit, sondern eben ihren Fehlern, ihren Schwächen, ihrer Menschhaftigkeit und Wirklichkeit entspringt ihr Schicksal. Noah Pandres Schicksal ist nicht einmal tragisch, sondern während bei sonstigen Krafthclden wie Achilleus, Siegfried, Simson die Alternative immer Sieg oder Untergang heißen muß, wird er, das Buch schließt vorher, bestimmt weiter leben wie irgendein braver Jude, Kinder haben, sich ums tägliche Brot schin« den usw. Alles in allem besteht sein Vorzug, seine Wahr* scheinlichkeit, darin, daß er zwar körperlich mächtig, aber seelisch und geistig eben mir ein offener, gerader, anständiger, gesunder, froher Mann ist, beileibe kein Uebermensch, keine Volksfigur, auf die sich die Wunschträumc der Erniedrigten und Beleidigten projizieren, nichts Golernhaftes und nichts Messianisches. Es ist bezeichnend, daß gerade dergleichen seinem Dichter Salman Schneur zuzutraucn gewesen wäre, erstens weil Schneur ja ein jüdischer Dichter ist, weil also ein Wunschtraum, die Erfindung und Aiisdichtung eines ״großen Bruders“ als Antwort ״an Edom“ und an die eigene jüdische Machtarmut gewissermaßen auf der Hand liegt, und zweitens, weil auch außerhalb des jüdischen Bereiches der Uebermensch der Schneurschen Generation gemäß war. Aber erstens ist schon Schneiirs (wie Tsehernichowskis) früheres Dichten und Trachten in anderem Sinne reaktiv, als Antwort auf den Ghettogeist, Asketismus, Nazarenismus aufzufassen, und zweitens ist auch hei ihm eine Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist Nietzschescher und Bcrgsonschcr Prägung auch in theoretischen Versuchen vorausgegangen. Uebrigcns wäre es mindestens so ergiebig, ihn mit nichtjüdischen Zeitgenossen von Gorki bis Jack London zu vergleichen, wie mit hebräischen und jiddischen Autoren. Jack London, dessen erste Lebenskurven denen Sclineurs etwa entsprechen, glaubte im ״Seewolf“ den Uebermenschen ad absurdum zu dichten und tat es jedenfalls amerikanisch, mit trübem, letalem und dementialeni Ausgang; betrachtet man den ״Noah [5andre“ von dieser Seite, so erscheint er um so jüdischer, da er nicht minder konsequent eben untragisch den Helden ins allgemeine, tätige Leben heimführen muß. Die Hauptsache: es ist eine Dichtung. Dieses Saft- Und Kraftstrotzende ist nicht der einen Figur aufgetüncht, es durchblutet alle Figuren des Romans, es sprüht und sproßt aus jedem Satz. Die Sprache Schnellrs ist hier so unkünstlich und künstlerisch dicht, so bildhaft wie nie zuvor. Es ist nicht zu verkennen, daß es die jiddische Sprache ist, die ja in ihrer sprechenden Lebendigkeit auch Schneur zwingt, konkreter denn je zu sein, aber es ist auch zu betonen, daß er nicht nur die Sprache für sich dichten läßt, sondern ihr immer neue Ausdruckskräfte abgewinnt. Er lebt wahrhaftig in jedem Wort, und das Erstaunlichste ist, daß er mit dem Wort, mit der Realität der Metapher lebt, also ohne jeder» ״Dreh“, ohne Wendung ins übermäßig Bewußte, Subjektive, Paradoxe, Groteske. Nicht aus solcher Wendung jedes Themas also entsteht die Wirkung (wie 2. B. in Chaplins reinster Wendung beim Brötchen- Jüdische Volksgesdiiditen aus hundert Jahren Jakob Picard: ״De» Gezeichnete“. Jüd. Buch-Vereinigung, Berlin 1936. ״Nichts ist mir zu klein, und ich lieb es trotzdem und mal es auf Goldgrund und groß — und halte es hoch, und ich weiß nicht —« wem löst es die Seele los.“ Alt Rilkes nur scheinbar fernliegenden Leitspruch muß man ■denken, um den Reiz zu verstehen, der in unseren Tagen und schon in den Tagen unserer Väter von der Ghettoeschichte ausgeht. Nicht umsonst feierte man vor zwei ensclienaltern Leopold Kompert und druckt heute mit Vorliebe Jugenderinnerungeii und Bilder aus dem ostjüdischen ״Städtel“ aufs neue. Da enthüllt sich eine geschlossene jüdische Welt, in der auch das Kleinste nicht nur klein ist, sondern auf dem Goldgrund eines uralten volksfürnlich-religiösen Ergebnisses gemalt ist; da brennen im Winter die Chanukkahiichter an allen Fenstern, und im Herbst stehen vor allen Türen die grünen Laubhütten.... Reiz und Gefahr zugleich lag in dieser Atmosphäre, die Gefahr der Verklärung und Vcrsiißlichung, der Dichter wie etwa Bernstein und Kompert nicht immer widerstanden. — Aber wenn wir gewohnt waren, diese geschlossene jüdische Welt im ostjüdisehen Städtel, in den windschiefen Häusern und winkligen Gäßcheti, die Budko malte und die Bialik uns darstellte, zu suchen, so ist dies neue Buch von Jakob Picard eine völlige Ueberraschung: Unter den Bäumen des Schwarzwaldes, in den grauen Basaltblöcken der Rhön, in den Dörfern, die etwa zur Hälfte von Juden bewohnt waren, enthüllt sich uns dasselbe merkwürdige Leben in zwei Welten, wie wir es etwa in Schman'a Levins Kindlicitserinnerungen kannten. Das ist eine von Grund aus neue Welt für den Juden aus der westliehen Großstadt, sei er auch aus einer ״jüdischen Kinderstube“ hervorgegangen; und sie tritt uns jetzt fast zum ersten Male mit plastischer Eindringlichkeit entgegen, weil ein Künstler sic sah, der mit dem offenen Auge und dem warmen Herzen des Menschen, der in die eigene Jugend herniedersteigt, auch die sehr bewußte Kunst sprachlicher Darstellung verbindet .... eine Kunst, deren größter Reiz es ist, daß sie sich manchmal unsichtbar zu machen versteht.... So treten alle diese jüdischen Menschen aus dem Volke ohne Schminke und ohne Sentimentalität vor Uns hin — nein, auch das ist fast noch zu viel gesagt: sie sind so beschäffigf mit ihrem schweren Leben, daß wir eher das Gefühl haben, sie dabei zu belauschen und fast den Künstler vergessen, der uns ihre Bekanntschaft vermittelt — bis er sich dann am Schluß der Geschichtchen wieder von selbst meldet und, wie es das Recht des ehrlichen ״Boten“ ist, sein Musar- Sprüchlein daran längt, wie es sich gebührt. Alle diese Mensehen wurzeln ebenso sehr im Leben der Umwelt, in den toten oder den lebendigen Dingen um sie herum, wie irn Leben ihrer altgeheiligten Bräuche an Schabbat und Alltag. Kaum ein Spätsommertag erscheint ihnen, ohne die schwere lastende Stimmung der ״Drei Wochen“ zwischen dem 17. Tammus und dem 9. At» wieder hervorzurufen; kaum ein fruchtschwerer Herbst, ohne daß die Früchte des Ostens, daß Lulow und Esrog ihnen ihren Duft senden. Mit den Menschen der Umwelt verstehen sie sich gut, obwohl oder vielmehr gerade weil sie so fest gründen in ihrer eigenen Welt: prachtvoll ist der Scliabbos im Schnee geschildert, den der fromme Hirsch Bernstein in der Bauernstube des Kromers verbringt und wo er fastend und betend die ״Awcre“ sühnt, _ am Schabbos nicht daheim schulen gehen zu können, neugierig und achtungsvoll beobachtet von den guten Menschen, die er lange kennt und die ilnn Obdach gewährt haben. Wie der fromme Mann hinterher durch ein scheinbar unbrauchbares Lottericlos, das ihm übrig blich, zum ״bctuchtesten“ Mann in der Kehillah wird, das .... ist fast eine Kalendergeschichte, so schön und freundlich löst sich alles. Aber nicht immer sieht das Leben für die armen Juden dieser Gegenden so freundlich aus. Zwar ist ihnen das Lachen niemals allzu weit, wenn der Maire des Ortes dem stolzen Parues die Lehre gibt, daß auch der Anne einmal in Schul ״zu Scheini“ aufgerufen werden soll . lind sich daran dann eine fromme Sitte für Kinder und Enkel anschlicßt. Und wenn’s auf die Brautschau geht, um den schüchternen Jüngling und großen ״Acbelnefer“ unter die I taube zu bringen, dann entsteht fast ein Schwank daraus — und es zeigt sich, daß die Juden am Bodensee von guter Küche sicher ebenso viel verstehen wie R ii f* h ti «•? Buchhandlung Martin Salomon * B«rll#1N0 4a, H*u* KSnlB«l17 £«־* / T«l#pho׳r. *3 2635 etwa Rabbi Gezi, der Pächter, in Bialiks Kurzem Freitag oder der Kindsvater in Tscbenmhowskis Idylle. — Aber daneben steht das Grauen, das den von (iewissensqualeii gepeinigten Rafael zu dem ״Ob!11 u I I laschem“ treibt, das Licht des Lebens selbst aus/ulo-chcn .... und die Unbill der Menschen, die den armen Sender, dem von Jugend an die schlimme Rolle zufiel, am Schabbos Heciitikaussaij die Tauehochoh, die Verfluchung anzuhoren, die (10tt der Herr dem sündigen Volke androhte, in die l erne treibt, als er sich dieser Last entziehen will . Freilich: auch (lern ״Gezeichneten" wird nicht alle Hoffnung in Lwigkeit geraubt; ist er ein Rabbi geworden im Osten? oder ein Millionär in Amerika? oder ist er verdorben — gestuibcn? ■ - Es ist eine der Besonderheiten dieser eigentümlich weltoffenen Kunst, daß sie keine Hoffnungslosigkeit kennt - dürfen wir das nicht vielleicht als ein jüdisches Erbteil 1u!s( In•״ V - Und am tiefsten erscheint sic uns dann, wenn sie, wie sie es gern tut, .,das Kleine auf Goldgrund malt und einporhait . . . .׳• So dort etwa in der knappen Meistcriiovclle ״Der Ruf" der armselige Mendele aus dem Spottruf der Kinder ״,Mendele, wo bist du?“ innerste Beglückung schöpfen, indem seine alten Ohren Gottes Anruf zu vernehmen glauben. ״So hat (iott den alten Mendele Weil, den für die andern elendesten Menschen der Gemeinde, für den Rest seiner Tage doch noch zum Glücklichen gemacht, so daß er liorttnigehen konnte unter den Leuten mit dem großen seligen Geheimnis in sich, er sei auserwülilt unter allen und vor allen durch IHN da oben fur die ewige Zeit.“ Bertha B a d t ־ S t r a u s 3 —MAGISTER KIRSCH- Der flute Llic&r Magisfer-Lfkörfabrik, Manchen VII tanz im Goldrausch), sondern aus der einfachen, aber bis zum □rund gehenden, objektiven Erfassung des Gegenstandes (prachtvolles Beispiel: wie Noah Pandre Selters trinkt). Der Wald, das Wasser, die Mühle, das Feuer, alles Nebensächliebste selbst ist so bunt, konturhaft und eigen gesehen, so knapp, erregend und klar dagestellt, wie es kein Maler bildhafter könnte. Und vielleicht ist das der schätzbarste Gewinn für uns, der Beweis, daß Pandres Kraft und scheinbar 1!njüdische, nämlich unghettoliafte Naturhaftigkeit ganz und gar und wirklich Natur ist. Leo Hirsch Ein Zitaten-Lexikon Das vor mehr als einem Jahr im Philo-Verlag erschiencne kleine jüdische Lexikon war ein außerordentlicher hi'.chhändierischer Erfolg; denn es stellte den ersten Versuch dar, die Arbeit der großen Lexika in einem billigen und im allgemeinen recht gut durchgearheiteten Bändchen der breiteren Masse zugänglich zu machen. Nunmehr hat der Verlag diesem Lexikon eine Art jüdischen ״Biichmanns“ folgen lassen, ein Zitatcn-Lexikon, das von der Bibel bis in die Neuzeit eine gedrängte Uebersicht über bekannte (oft aber auch unbekannte) Aussprüche aus jüdischen Schriften geben will. Der verstorbene Eugen Tannenbaum hat dieses Werk projektiert und angefangen, aber leider nicht mehr zu Ende führen können. An seine Stelle ist Ernst Fraenke! getreten, dem wir gerne zugestehen, daß er mit der Bearbeitung dieses äußerst schwierigen und viele Kenntnisse erfordernden Gebietes sich viel Mühe gemacht hat und nach einem Ganzen strebte, dessen wir gern teilhaftig geworden wären. Zweifellos ist vieles Anerkennende zu diesem Buche zu sagen. Nicht mir, daß die Idee als solche reizvoll ist — auch die Möglichkeit, ein solches Nachschlagewerk jüdischen Mensehen in die Hand geben zu können, denen das jüdische Schrifttum nicht so vertraut ist, wie es wünschenswert wäre, ist von Bedeutung. Andererseits ist es unmöglich, an den schwerwiegenden Fehlern vorüberzugehen, die sich vor allem im hebräischen Teil dieses Werkes finden und leider nicht einmal nur Nachlässigkeiten beim Korrekturlesen sind, sondern aus wirklicher Unkenntnis stammen. So wird uns etwa aus der Hatikwah zitiert: ,נפש יהודי הופיד ... und die Umschritt wiederholt auch ״holija“ anstatt ״homija“. Ein so bekanntes Gebet wie das Kaddischgebet, das doch kaum ein Jude falsch spricht, enthält den Ausdruck וישקדש anstatt ויתקדש• Gabirols ״Keter malchut“ wird sinnwidrig mit 0 geschrieben. Und was sich der Verfasser unter einem ״baalbajich“ vorstelli, würden wir gerne wissen. Wir sehen davon ab, noch eingehender zu konstatieren, daß Jecheskel hier mit D geschrieben wird; wir sehen auch davon ab, die zahllosen falsch gesetzten Dageschpunkte aufzuzählen; und auch in eine Diskussion über den Geschmack der Abteilung ״Neuzeit“ möchten wir nicht einfrctdi, wo man z. B. das Stichwort ״Abfütterung“ findet, nur weil es Julius Stettenheim irgendwo einmal gebraucht hat Bei einem so kleinen Werk konnte die Auswahl nur von Zufälligkeiten bestimmt sein, und man darf in dieser Be- Ziehung den Verfassern mildernde Umslände zubilligcit; manchmal hat man den Eindruck, daß sie einzelnen jüdischen Personen in Deutschland durch ein ״Zitat“ Reverenz erweisen wollten. Man könnte natürlich aus Reden und Schriften unzählige mindestens gleichwertige Sätze anftihrerr. Was 1ms an diesem Lexikon bedenklich erscheint, ist die Sorg- I o s i g k e i t, mit der es zusammrngestellt und redigiert worden ist. Für eine solche wichtige Arbeit wäre ein maßgebender Fachmann n״:ig gewesen, der im jüdischen Schrifttum bewandert ist und ein sicheres Werturteil besitzt. Auch können wir das prinzipielle Bedenken nicht unterdrücken, daß solche Werke einer getahriiehen I!,־llbbiklung den Weg bereiten, deren Gefahr 1ms sowieso schon durch das ständige Absinken des Bildungsniveaus täglich stärker bedroht. Gerade in dieser Situation w.!t c ein Nachschlagewerk angebracht, das in jeder Beziehung hieb- und stichfest ist und die selbsfverständlichen Voraussetzungen der Korrektheit erfüllt. Dr. N. Leichtes ücpädk ״Heiteres, Besinnliches, Nachdenkliches. Geschichten neben dem Alltag.“ Hernu-:.׳v׳.!cben von Hans Martin Schwarz; Verlag Robert Alter, Berlin NW 6$. Fünf Autoren sind in diesem anspruchslosen Büchleins mit Geschichten vertre'cn, die gewiß nicht den Anspruch machen, zur großen Kumt gerechnet zu werden, die aber in ihrer nachdenklich-satn 1-.h-trohen Art doch vielen Lesern ein Schmunzeln ablocke!1 werden. Nicht alles ist dern Erlebnis unserer Zeit entspnmgt.11: die Geschichten, die ßcn-Gav* riel Und Jakob Picard beisteuern, sind zwar amüsant, lassen aber im Ict/icn doch unbefriedigt. Auch die gut und spannend erzählten Geschichten von Georg Hirschfeld haben irgendwie einen gestrigen Charakter. Zeitloser schon und dennoch aus dem Erlebnis des heutigen jüdischen Menschen geboren sind die Skizzen von Leo Hirsch, die mit einem gewissen Ab.-tand von den Dingen bereits jene tiefe Ironie aufbringen, die zur philosophischen Wahrheit wird. Besonders ansprechend sind drei Arbeiten von Stefan Kayser, die nicht nur i!11 Inhalt jüdisch sind, sondern darüber hinaus in einer ganz eigenartigen Weise, die in der Journalistik der letzten drei Jahre ziemlich einzig dasteht, sowohl dem Stil als auch dem Gednnkcngchalt nach den Leser über das unausbleibliche Schmunzeln zum Nachdenken und sogar zu einer gewissen Erkenntnis unserer Lage hinführen. Insofern ist die Sammlung also doch kein leichtes Gepäck ־— aber auch kein zu schweres: eine gute Mischung für denienigen, der eine halbe Stunde lang auf andere Gedanken kommen will. Dem jungen Herausgeber Hans Martin Schwarz gilt unser Dank. -nn. Als Band 70 der Schockcn-Büchcrei erschien soeben das bekannte jüdische Kapitel aus dem fünften Band aus Mo mmsens Römischer Geschichte unter dem Titel ״Judäa und die Juden“ mit einem Nachwort von Eugen Tä übler, der erklärt, daß dieses Stück als das bestgeformte Stück jüdi« scher Geschichte gelten könne, freilich vom römischen Standpunkt gesehen, was für den jüdischen Betrachter eine gewisse Korrektur notwendig macht ► Schmuck *Uhren* Gold* Silber Jahren ZJuwelier Uetmüntei

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