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Jüdische Rundschau · 1936-12-11 · Heft 99 (11.12.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 99 (11.12.1936)
Date
1936-12-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 99, 11. XII. 1963 IN ALLER KURZE Auf der Friedenskonferenz der Länder des amerikanischen Kontinents in Buenos Aires hielt der argentinische Außenminister, de Lamas, eine Rede, in der er sich auch mit dem Einwanderungsnroblem befaßte. Der Minister erklärte, es sei notwendig, daß eine gewisse Zahl von Einwanderern in den südainerikanischen Ländern zugelassen werde, doch müßten die Einwanderer ein gewisses kulturelles Niveau besitzen und keine Analphabet cn sein, auch dürfe es sich nicht um Menschen handeln, die mit destruktiven Ideen infiziert sind. Am 7. Dezember wurde in New York in Anwesenheit von 1200 Delegierten die 7. Tagung des Council der Hias (Hebrcw Sheltering and Immigration Aid Society) abgehalten. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der von den Vereinigten Staaten gefordert wird, die Einwanderung von Refugecs zu erleichtern. Letzten Sonntag starb in London Lord Islington, der früher Gouverneur von Neuseeland war und auch eine längere Karriere im englischen Koionialdienst hinter sich hat. Während des Krieges war er Unterstaatssekretär für Indien. Lord Islington ist der jüdischen Oeffentlichkeit bekannt als F ü h r e r d e r anti/ionistischen Gruppe im englischen Oberhaus. Die Resolution, die das Hortse of Lords im Juni 1022 gegen die Politik der Balfour-Deklaration annahm, ist rnit seinem Namen verbunden. Auch später ist er noch mehrmals im Oberhaus mit scharfen Angriffen und Anträgen gegen die Palästina-Politik der Regierung hervorgetreten. Bei der Wahl in die Kommissionen des polnischen Sejm wurden der jüdische Abgeordnete Minzberg in die Budget- und in die Han.delskommission, Abg. I)r. Emil Sommerstein in die Verwalfungs- und in die Juristische Kommission, Rabbiner Rubinstein in die Bildungs- und in die Gesimdiieitskomniissioii, i)r. Johoschua üottlieb in die Finanz.- kommission gewählt. Der Verband der ungarischenjiiden in Amerika hat eine Resolution gefallt, in der gegen den Numerus clausus im höheren Schulwesen Ungarns Protest erhoben und für die Juden in Ungarn politische und wirtschaftliche Sicherheit gefordert wird. Die Resolution wurde dem ungarisdu’11 Ministerpräsidenten Daranyi übersandt. In einer zweiten Resolution wurde gefordert, daß England die jüdische Einwanderung nach Palästina nicht cinschränke. Das Nationalinstifut für Außenhandel in Athen hat die baldige Errichtung einer ständigen Ausstellung g r i e - c h i s c 11 e r Erzeugnisse i 1t Palästina zwecks Fürdcrung des griechisch-palästinensischen Exports augeküiidigt. Das Kreisgericht in Storozinetz (Bukowina) hat drei cu/istische Agitatoren, die anläßlich des im August abgehaltenen Cuzisten-Kongrosses in dem Städtchen Berometz judenfeindliche Ausschreitungen organisiert hatten, zu sechs bzw. ftinf und zwei Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Malcolms Rundreise Wie uns aus verschiedenen Ländern Europas berichtet wird, hat der Oberkommissar des Völkerbundes für die Emigranten aus Deutschland, Sir Neill Malcolm, kürzlieh eine Reihe von Ländern besucht, um mit den dortigen Regierungen wegen Beitritts zu der Internationalen Konventioa zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Ausgewanderten zu verhandeln. Sir Neill nahm an den einzelnen Orten, so in Prag, Belgrad, Wien, auch Gelegenheit, mit den jüdischen Vertretern zusammen zukommen und sich über den Stand der Flüchtlingsfiirsorge und über die Möglichkeit der Unterbringung von Emigranten zu informieren. In Prag wurde Malcolm von dem Präsidenten der Republik, Dr. Benesch, und vom Außenminister empfangen, dagegen hat er in Belgrad, wie ausdrücklich festgestellt wird, den Ministerpräsidenten nicht sprechen können, weil dieser verhindert war. 500. Geburtstag Isaac Abarbanels Unter dem Vorsitz des stellvertretenden Rektors der Lissa• boner Technischen Universität und Mitglieds der Portugiesischeu Akademie, Professor Amzalak, wurde in Lissabon ein Komitee gebildet, das eine würdige Feier des 500. Gcburtstages des berühmten jüdischen Philosophen und Schatzmeisters des Königs Alfons V. von Portugal, Issak Abarbanel, vorbereiten soll. Issak Abarbanel, der 1473 geboren wurde, starb 150S in Venedig, König Johann 11. hatte ihn verbannt und sein großes Vermögen eingezogen. Bei der Feier sollen Vorträge von Professor Amzalak über ״Das Lebet! Abarbanels", von Dr. Attgusfo d'Esaguy über ״Abarbanel als Schriftsteller‘1, von Dr. S. 1). Scquerra über ״Abarbanel als großer Staatsmann“, von M. i)iesendruck über ״Abarbanel als Philosoph und Theologe“ und von Adolfo Benams über ״die Familie Abarbanel lind das Judentum“ gehalten werden. Man erwartet, daß die Feier ebenso glanzvoll verlaufen wird wie die Maiinonidesfeicrn in Cordova. Bombenanschlag in Zürich Der Berliner ,,A »griff“ vom 9. d. M. berichtet aus Zürich; ״Am Dienstagabend gegen 10.30 Uhr wurde im Gesims eines Parterre-i ensters der Synagoge in der Löwenstraßc ein in einem Karton verpackter Kanonenschlag zur Explosion gebracht. Durch die Explosion wurden die Füllungen zweier Fenster zerstört und auch in dein umliegenden Häuserblock gingen die Fensterscheiben bis zum zweiten Stockwerk in Trümmer. Die Ueberreste des Kanonen- Schlags konnten gefunden werden, wobei sich herausstellte, daß cs sich nicht mn einen massiven Sprengkörper aus Metall handelte, lieber die Täter ist bis jetzt noch nichts bekannt.“ Der ״Angriff“ überschreibt den Bericht ״Jüdische Bomben In Zürich“ und bemerkt dazu u. a.: . Auch der Kanonenschlag auf dem Fenstersims der Züricher Synagoge beweist wieder einmal die geradezu grenzenlose Verdummung des sogenannten auserwählten Volkes. Ausgerechnet am Vorabehd des großen Prozesses gegen den blutbefleckten Juden Frankfurter explodiert vor der Züricher Synagoge ein in Karton verpackter Kanonenschlag, den irgendwelche Judenjungen mit ihren schmutzigen Fingern dahingelegt haben, um hinterher in den Straßen ausschreien zu können: Habt ihr schon gehört, die Nazis haben die Synagoge in die Luft gesprengt!“ Der Begriff der Mildtätigkeit. Durch § 29 des EinführungsGesetzes zu den Realsteuergesetzen vom 1. Dezember ist der 18 des Steueranpassungsgesetzes vom 16. Oktober 1934 geändert worden. Bisher lautete Absatz 1 des § 18: ״Mildtätig sind solche Zwecke, die ausschließlich und Unmittelbar darauf gerichtet sind, bedürftige, im Inland befindliche Personen oder bedürftige deutsche Volksgenossen im Auslande zu unterstützen.“ — Dieser Absatz 1 des ■f 18 hat nunmehr folgende Fassung erhalten: ״Mildtätig sind solche Zwecke, die ausschließlich und unmittelbar darauf gerichtet sind, bedürftige deutsche Voll{sgenössen zu unterstützen.** Reden englischer Politiker Amery: ״Kraft eignen Rechts*1 London, 6. Dezember. (JTA.) Der früher« Kolonienminister L. S. Amery eröffnete in Leeds den Palästina- Bazar mit einer Ansprache, in der er erklärte, es würde, was immer die Kgl. Kommission beschließen sollte, keine Abkehr van dem Grundsatz geben, daß die Juden nach Palästina kraft Rechts und nicht durch Duldung kommen. Amery wies darauf hin, daß er seit fast zwanzig Jahren mit der Palästina-Arbeit verbunden sei. An der Palästinafront habe er sehen können, was das Land unter türkischer Herrschaft war. Spater habe er als Kolonienminister die Verantwortung für die Durchführung des Mandats getragen und hierbei reichlich Gelegenheit gehabt, die Kompliziertheit und Schwierigkeit der Probleme zu erkennen, die sich aus der Politik ergeben, auf die die englische Regierung verpflichtet ist. Er habe sich auch davon überzeugt, daß diese Politik in ihrem Wesen weise und erecht sei. Die Regierung, fuhr Amery fort, dürfe keinen weifel daran lassen, daß sie an den Grundprinzipien des in dem Mandat verankerten Versprechens treu festhält. Die jüdische Einwanderung habe der arabischen Bevölkerung Palästinas wirtschaftliche Prosperität gebracht, es stehe ihr aber noch die Aufgabe bevor, auch eine geistige Versöhnung mit den Arabern herbeizuführen. Der Leiter des politischen Departements der Jcwish Agency in London, Prof. Brodetsky, snrach dem früheren Kolonienminister den Dank für seine Worte aus. Es sprach noch •der Bürgermeister von Leeds, Tom Coombs, der seine volle Sympathie für die Ziele der Veranstalter des Bazars aussprach und erklärte, die Juden von Leeds hätten sich in den letzten vierzig Jahren als ein verantwortungsbewußter und ordnungsliebender Teil der Bevölkerung erwiesen, als musterhafte Bürger hätten sie eine hervorragende Rolle bei der Entwicklung des Handels der Stadt gespielt. Lord Cecils ״Kein Zweifel am Enderfolg“ London, 8. Dezember. (JTA.) Anläßlich der Einweilumg des neuen Heims des Anglo-Palestinian Club in der Great Windmil! Street hielt Viscount Cecil of Chelwood eine Ansprache, in der er seiner Zuversicht auf den endgültigen Erfolg der zionistischen Bewegung Ausdruck gab. Der Eröffnungsfeier wohnte die Mehrzahl der 600 Mitglieder des Klubs bei. Den Vorsitz, führte der Präsident, Unterhausmitglied James A. de Rothschild. Außer Lord Cecil sprachen noch Colonel Jos iah Wedgwood, die Nichte Lord Balfours, Mrs. Edgar Dugdale, der Leiter des Londoner politischen Departments der Jewish Agency, Prof. S. Brodetsky, und H. Salem im Namen der dem Klub angehörigen Palästinenser. Nach Einführungsworten von James de Rothschild erklärte Lord Cecil das Klubheim als eröffnet. Am Ende des Weltkrieges, führte Lord Cecil aus, seien zwei konstrukfive Ergebnisse hervorragend in Erscheinung getreten, mit denen Lord Balfour eng verknüpft war: der Völkerbund und die große Sache des Zionismus. Er stimme, sagte der Redner, den Prophezeiungen zu, nach denen der Weltfrieden mit der Wiedererstehung hebrä« ischen Lebens verknüpft sein soll. Unter Hinweis auf die Leistungen in Palästina erklärte Lord Cecil, «r'ftafa niemals an dem Enderfolg der beiden Bewegungen gezweifelt. Es habe Leute gegeben, die über den Völkerbund gelacht und erklärt hätten, er sei tot; niemand aber habe die Kühnheit besessen, zu behaupten, der Zionismus sei tot. Was diesen betrifft, so sei sein Enderfolg klarer als jetnals. Er sei vollkommen gesichert, besitze eine hingebungsvolle Anhängerschaft und habe die ernste und bewunderungswürdige Sehnsucht des jüdischen Volkes in einer Weise erfüllt, daß seine Vernichtung, Beseitigung oder sein Mißerfolg undenkbar seien. Gegner, erklärte Lord Cecil zum Schluß, mögen euren Erfolg hindern und das Gedeihen der Bewegung mindern können, sie werden aber ihr Ziel nicht erreichen können, wenn ihr euren Idealen und euren nationalen Aspirationen treu bleibt. Sir Ronald Storrs: ״Fehler von eilen Selten“ London, 2. Dezember. (JTA.) In einer Versammlung der Konservativen Partei befaßte sich Sir Ronald Storrs, der neun Jahre in Palästina, zuerst als Militärgouverneur in Jerusalem und später als Zivilgouverneur von Jerusalem und Judäa, gelebt hat, mit der gegenwärtigen Lage in Palä» s 11 n a. Er bczeichnete das Land als ein ״ständiges Pulver־ faß“. Von äußerster Wichtigkeit sei es, daß die Vorschläge der Kgl. Kommission, welcher Ar(, immer sie sein sollten, von der Regierung berücksichtigt werden. Es würde zu bedauerliehen Folgen fuhren, wenn diese Vorschläge von der englischen Regierung oder vom Völkerbund unter den Tisch fallen gelassen werden sollten. Sollte dies geschehen, dann werde man vom Regen in die Traufe kommen. Sir Ronald legte den jüdischen und den arabischen Oesichtspunkt dar und erklärte, er glaube, es seien bei der Behandlung der Stellung der Araber Fehler von allen Seiten gemacht worden. Die Araber hätten, als sie das Vertrauen zu verlieren begannen, zweifellos verseniedene Verbrechen, ja Greuel, begangen. Man habe angenommen, daß der Streik von fremden Mächten finanziert wurde. Es könne kein Zweifel daran bestehen, daß die Streikenden bei maneben Regierungen Unterstützung fanden. Aus den Nachbarländern und vielleicht auch aus einem etwas entfernteren Lande sei viel Geld nach Palästina gekommen. Der Redner ging auf die Stimmungen ein, die zwischen uden und Arabern herrschen und erklärte, die Regierung abe angesichts des Vorwurfs der Parteilichkeit, der ihr bald von den Zionisten, bald von den Arabern gemacht werde und angesichts der in England geübten Kritik einen schweren Stand. Welche Haltung solle man demgegenüber einnehmen? Es sei offenbar, daß das Mandat nicht aufgegeben werden könne. In ihm sei die Balfour-Dekiaration verankert, von der die Einwanderung abhängt. Seiner Meinung nach solle der Kurs fortgesetzt werden, ohne daß man sich von denjenigen drängen läßt, die «Sie Regierung veranlassen wollen, Einwanderer schneller, als sie es wünscht, in das Land einströmen zu lassen. m Im Unterhaus hat Außenminister Eden am 7. Dezember auf eine Anfrage des Abgeordneten Johnson erklärt, es sei ihm nicht bekannt, daß drei fremde Regierungen die Aufrührer in Palästina unterstützt hätten. Der Minister ■erklärte sich bereit, die diesbezüglichen Behauptungen zu untersuchen. Um eist arisches Adoptivkind Entziehung des Sorgerechts des jüdischen Adoptivvaters Ein im ״Zentralblatt für Jugnidrecht und Jugendwohlfahrt“ (November 1936) veröffentlichter Beschluß des Amtsgerichts Berlin vom 12. August 1936 hat das Sorge recht einem jüdischen Adoptivvater entzogen, weil er sich geweigert hatte, sein arisches Adoptivkind zwecks Erziehung im nationalsozialistischen Sinne in eine arische Pflegefaniilie zu geben. In den Gründen dieser Entscheidung heißt es u. a.: ״Das geistige Wohl des Kindes ist gefährdet. Zwischen der detitsehrn und jüdischen Weltanschauung herrscht eine umiberbriiekbare Kluft. Die deutsche Gesetzgebung ist daher bestrebt, so weit wie möglich zu verhindern, daß die sich aus der Kassenverschiedenheit ergebenden Gegensätze vermischt werden. Es muß — ohne daß dabei ein Werturteil über die jüdischen Anschauungen auszusprechen ist — eine klare Scheidung nach beiden Seiten hin erreicht werden. Das deutsche Vormundschaftsgerirht hat mithin dafür zu .sorgen» daß — ebenso wie ein jüdisches Kind einen Vormund oder Pfleger jüdischer Abstammung erhält alle Volksgenossen arischer Abstammung auch in deutschem Geist erzogen werden. Insofern wird das geistige W'ohl eines arischen Kindes gefährdet, wenn es in einem jüdischen Haushalt aufwächst, da dort eine Erziehung im deutschen, d. h. nationalsozialistischen Sinne nicht gewährleistet wird. Der Adoptivvater kann dem nicht entgegensetzen, daß er das Kind auf eine deutsche Schule schicke. Die Schule kann niemals die häusliehe Erziehung im entscheidenden Sinne ersetzen. ... — Weiter, hin ist zu berücksichtigen, daß späterhin der Junge Sch wierigheiten bei der Berufserziehung haben wird. Arische Finnen werden .sich weigern, den im jüdischen Geist erzogenen Menschen zu beschäftigen, während jüdische Arbeitgeber eine Bescliäft igung ablehnen werden, weil Lothar nicht jüdischer Abs tarnmung ist.“ Der Adoptionsvertrag war itn Jahre 1930 gerichtlich' bestätigt worden. Das Gericht sah das Verschulden des Adoptivvaters darin, daß er in Kenntnis der Rassengegensätze auch weiter an dem Kind festhält In diesem Zusammenhänge führen die Entscheidung(« gründe weiter u. a. aus: ״Es mag anerkannt werden, daß eine Auflösung des Adoptiv- Verhältnisses — auch nur in tatsächlicher Hinsicht — mit einem Opfer verbunden ist. Da die Eltern aber deutsche Staatsangehörige sind, haben sie den deutschen Anschauungen Rechnung zu tragen. Ihre Handlungen müssen so beschaffen *ein, daß aus ihnen die Achtung vor den deutschen Gesetzen zu entnehmen ist. I n s b e sondere gilt auch für die deutschen Staatsangehörigen jüdischer Abstammung der Hauptgrundsatz: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Wenn aber der Gemeinnutz hier dringend erfordert, daß das arische Kind im rein nationalsozialistischen Sinne erzogen wird, so haben die persönlichen Wünsche der Eltern keine Geltung.“ Der Grundsatz ״Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ hat hier also eine über das Materielle hin«!«!gehende, die persönlichen Beziehungen erfassende Interpretation gefunden. Schalom Atejchems ״Schwer zu sefrt eh Jude*1 wurde, wie uns aus Wien berichtet wird, von Dr. Jakob Rosen* thal (Wien) aus dem Jiddischen ins Deutsche übertragen. Die Komödie, eines der bühnenwirksamsten Stücke des modernen jiddischen Theaterrcpertoirs, gelangt in der Rosenthalschen Bearbeitung am Wiener ,Jüdischen Kulturtheater״ k der zweiten Dezemberhälfte zur Uraufführung. Die Juden In der deutschen Wirtschaft Unter der Ueberschrift ״Ist den Juden ln der deutschen Wirtschaft ,Unrecht‘ geschehen?“ veröffentlicht der ״Vö!• kisehe Beobachter“ vom 9. Dezember einen Aufsatz, in dem es u. a. heißt: ״Es erscheint, besonders im Hinblick auf die Haltung mancher ausländischen Kreise, angebracht, ztiru Beginn des Mordpro« zesses Fra nk furter die Auseinandersetzung zwischen dem Deutschtum und dem Judentum auf allen ihren Abschnitten einer harten, nüchternen Prüfung zu unterziehen. Dabei kann gerade der wichtige und schwierige Abschnitt der Wirtschaft rächt übersehen werden. , Wir wollen unsere Wirtschaft in deutschem Geiste gestalten. Das heißt, daß wir diese Wirtschaft ehrlich, frei, wahr und sauber haben wollen. Das heißt, daß wir unsere Wirtschaft nicht irgendeiner mehr oder minder großen Gruppe von Kapitalisten, Börsenjobbern und Geldhyänen, sondern dem Volke in seiner ganzen Vielfalt und Gemcinschaft dienstbar machen wollen. Das heißt nicht, daß wir die Juden in der Wirtschaft nun enteignen, berauben, kurzerhand zum Lande hinausjagen oder gar totschlagen wollen; aber es heißt, daß wir von den Juden, die wir als Fremdstämmige empfinden, die Achtung und Einhaltung der deinentaren Verpflichtungen erwarten, die sie als Gäste unseres Volkes auf deutschem Boden ganz selbstverständlich auf sich zu nehmen haben. Das heißt in der Wirtschaft, daß sie sich unseren Anschauungen von Anständigkeit, Ehrenhaftigkeit und Sauberkeit unterzuordnen haben — selbst auf die Gefahr hin, daß es manchem von ihnen lebenslänglich schwer fällt. W’cm diese Anschauungen unbequem sind, der kann gehen und sich anderswo genehmere suchen. Wir sind ehrlich genug, zuzugestehen, daß wir darüber kein Bedauern empfinden. Aber wir üben keinen Zwang aus. Und wenn das deutsche Volk aus Instinkt und völkischem Willen allmählich lieber beim Deutschen als beim Juden kauft, dann wird es keinem einfallen, von Zwang zu reden. Wäre dieser vorhanden, dann würden die großen Umsätze der jüdischen Warenhäuser und auch tausend sonstiger jüdischer Geschäfte schon heute andere sein.“ Vergehen gegen Nürnberger Gesetze ln Breslau wurde laut ״Schlesische Zeitung“ vom26.November ein 23jähriger Jude wegen Rassenschande zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft verurteilt. — Gleichfalls in Breslau wurde 1L ״Schlesische Tageszeitung“ ein 45jähriger Jude wegen Rassenschand« zu zwei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. — Die Große Strafkammer in Dessau verurteilte 1t. ״Magdeburger General-Anzeigcr“ einen jüdischen Augenarzt wegen Beleidigung eines arischen Mädchens, das bei ihm in ärztlicher Behänd- Jung war, zu fünf Monaten Gefängnis unter voller Anrechnung der Untersuchungshaft. Die Anklage hatte außerdem auf den Versuch unsittlicher Handlungen unter Anwendung von Gewalt und auf versuchte Rassenschande gelautet. — In Leipzig wurde gemäß ״Leipziger Tageszeitung" ein 18jähriger Jude wegen Rassenschande zu'eincin Jahr Gefängnis verurteilt; sein jugendliches Alter galt als Milderungsgrund. — Die Dortmunder Strafkammer ver* urteilte lt. ״Rheinisch« Landeszeitung“, Düsseldorf, einen 36jährigen Juden aus Berlin-Zehlendorf, der zwar evangelischer Konfession, aber blutmäßig Volljude Ist, wegen fortgesetzter Rassenschande zu zwei Jahren Zucht* haus. — Lt. ,.Bremer Zeitung“ vom 20. November verurteilte die Große Strafkammer des Hamburger Landgerichts einen 45 Jahre alten Juden wegen Rasserfschande zu einem Jahr aicben Monaten Zaclithaua, i

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