Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 99 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Die Juden-Not in Polen Reden der jüdischen Abgeordneten im Sejm In der allgemeinen Aussprache, die auf die Erklärungen des Ministerpräsidenten Skladkowski und des Vize- Premiers Kwiatkowuki im polnischen Sejm folgten, ergriffen auch die jüdischen Abgeordneten L. Minzberg, Rabbiner Rubinstcin und Dr. Sommerstein das Wort, um die Not der jüdischen Bevölkerung Polens zu schildern. Abg. Minzberg führte u. a. aus: Der Herr Ministerpräsident hat erklärt, ca sei das Bestreben der Regierung, soziale Gerechtigkeit herbeizuführen. Spricht man von Gerechtigkeit, dann fehlen einem Worte, um die Tragik der jüdischen Bevölkerung zu schildern. Sie ist zum Gegenstand brutaler Verfolgungen geworden. Schon im vergangenen Jahr habe ich im Sejm erklärt, daß gewisse Leute die Judenfrage als ein Mittel gebrauchen, 11m die Macht zu erobern. Blockade auf den Hochschulen, Zertrümiriern von Fensterscheiben, Uebcrfällc auf Juden — all dies ist nur ein Vorspiel zu einem Messen der Kräfte mit der Regierung, ist ein Stein, der gegen die Regierung geschleudert wird. — Der Redner zitierte verschiedene Presseäußerungen, u. a. «ine Mitteilung, wonach eän Priester in der Rcligionsstundc erklärte, inan müsse mit den Juden in Polen so verfahren wie einst Pharao in Aegypten: die Erwachsenen müsse man zu schwerer Fronarbeit hcranzichen, die Kinder töten. Selbst die nationaldemokratischen Wirtsehaftler geben zu, daß die Wirtschaftslage nicht dadurch gelöst wird, daß man die Marktstände beherrscht und auch nicht durch Judenauswanderung aus Polen. Die Juden seien loyale Bürger und wollen solche «ein. Man könne die Juden nicht zwingen, das Land zu verlassen. Abg. Rubinstein gab einleitend seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß die Abgeordneten aus Wilna, die bisher in der Debatte gesprochen haben, mit keinem Worte die Ausschreitungen erwähnten, zu denen es dort vor kurzem gekommen ist. Wir gedenken, sagte Abg. Rubinstein, der romantischen Zeiten Wilnas, ais man hoffte, Wilna werde auf!dichten ais Zentrum friedlichen Zusammenlebens der Völker und zu einer Art ״Schweiz des Ostens“ werden. Die Juden Wilnas denken jetzt beklommenen Herzens an jene Zeit. Noch nie hat man in Wilna eine so erregte Menge gesehen, wie am 22. und 2J. November. 96 körperikh Geschädigte Juden haben sich an die Jüdische Gemeinde ewandt, darunter 46, die von der Polizei mißhandelt woren sind. Unter dem Vorwand, die Menge zu zerstreuen, hat die Polizei Juden mit dem Gummiknüppel mißhandelt. Am 22. November haben Gruppen von Schüler» Fensterscheiben jüdischer Häuser zertrümmert. Der Minister- Präsident hat von den beiden judenfeindlicheit Losungen ״Stecken und Boykott“ anscheinend nur den Stecken verurteilt. Es läßt sich aber der Stecken von dem Boykott nicht trennen. Rubinstein schloß mit der Feststellung, daß Polen eine Politik der ..Gewalttaten nicht dulden könne. Haß könne nur zerstören, auf bauen könne man nur auf der Grundlage von Liebe und Frieden. Der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Dr. Emil Sommerstein, beschäftigte sich ausführlich mit den Vor• gangen in Wilna und den Argumenten der Antisemiten und fuhr dann fort: Es gibt kein einziges stichhaltiges Argument für die Angriffe auf die Juden, für die Ueberfälle, die auf schutzlose Menschen, auf Frauen und Kinder mit Messern, Revolvern, Petarden und Bomben verübt werden. Ich glaube an die Aufrichtigkeit der Worte des Ministerpräsidenten über die Verwirklichung des Prinzips der sozialen Gerechtigkeit Aber mit tiefem Bedauern stelle ich fest, daß der Minister- Präsident das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit gegenüber der jüdischen Bevölkerung nicht richtig kommen, tiert bat. Er versprach Bestrafung der Schuldigen an antijüdischen Exzessen. Aber mit keinem Wort berührte er die Frage des wirtschaftlichen Ruins des jüdischen städtsclien Elements in Polen. Im Gegenteil, er begrüßte mit Genugtuung die Tatsache, daß die Dorf eie mente in die Städte ziehen, um dort Handel und Handwerk zu erobern. Das ist Ermutigung zu dem wirtschaftlichen Boykott, der viele hunderttausende jüdische Existenzen vernichtet hat. Aber gibt es für die Juden, abgesehen von der sozialen Gereclitigkeit, auch nur eine Gerechtigkeit und Gleichheit vor dem Gericht? In Radom und später in Lublin wurden Mörder von Juden freigesprochen und angegriffene Juden zu mehrjährigen Kcrkerstrafcn verurteilt. Die Gerichtssäle widerhallten von ludenhetzerisehen Reden. Die Motive zum Gerichtsurteil wurden in hundertausenden Exemplaren als Material fiir antijiidische Agitation verbreitet. Die Geschichte, die es nicht z!!gelassen hat, daß Polen aus der Landkarte weggewischt wird, sondern uns die Wiederaufrichtung Polens hat erleben lassen, wird uns auch die Rückkehr des ewigen Volkes in seine Heimat erleben lassen. (Rufe: Wir wünschen Ihnen Erfolg!) Wir werden unser Recht als Bürger in Polen unbeschadet aller Konsequenzen verteidigen. Dennoch ist auch das, was noch da ist, erschütternd tfiurlg. Unter den vielen Bauten, die im neuen Jerutalent aufgeführt worden sind — auch jetzt Ist die Bautätigkeit ln den Hauptstraßen rege —fallen einige Hochhäuser an der King Qeorge Street auf. Es ist grauenvoll, was die Bodenpreise hier bewirkt haben. Riesige Haustürine, mit sechs Stockwerken, verhältnismäßig schmale Straßen, und zwischen den Häusern bilden sich schon enge, schachtartige Höfe. Wie das in späterer Zeit einmal aussehen wird, wenn der Reiz des Neuen von den Häusern gewichen ist, kann man sich vorstdien. Eines aber bieten diese allerhöchsten Hauser von ihren flachen Dächern aus: einen herrlichen Rundblick. So sahen wir die Stadt noch nie, und über sie hinweg kurz vor Sonnenuntergang auf die alpinen Wände des Jordangraben* und darüber hinaus auf die Hochebene Trans- Jordaniens. * Man lebt heute als Tourist — und auch als ״Eingeborener“ — sehr bequem und komfortabel in Jerusalem (wenn man cs will und kann). Besonders Rechawjah, das jetzt schon bis ״Gimmel" gezahlt wird, hat sich sehr entwickelt. Dort trifft man alles, was man aus Deutschland kennt, wenn man sich in das — viel umstrittene — Ca 16 setzt oder an einer der wichtigeren Autobushaltestellen steht. In fünf oder zehn Jahren, wenn die Bäume in den Gärten groll sein werden, wird es ein sehr schönes Bild geben. Dennoch: das ist nicht eigentlich das, was uns an dieser Stadt bezaubert. An diesem so ruhigen Ort, wo es wenig Vergnügungen gibt, dessen Straßen abends wie ausgestorben sind. Die ״historischen Stätten“ sind cs auch nicht, die diesen Reiz ausüben. Es ist vielmehr die wirkende Kraft der Erde und des Himmels, die zu uns sprechen. Auch heute in der Zeit der politischen Sorgen, der europäischen Technik, die hier überallhin vorstößt. Ja, auch des Himmels! — ln ruhigeren Zeiten ging man den Weg um die Mauer, wenn der Mond voll war. Das ist heute nicht ratsam. Aber der glasblaue Himmel mit den ungezählten Sternfünkchen daran überwölbt uns wie mit einer magischen Kuppel. Verzaubert liegt die Mauer der Stadt, verzaubert die Silhouetten der Häuser und Bäume, durchsichtig erscheint die Welt, und wir in ihrer Mitte gehen wie im Mantel des Lichtes, das ein wenig unwirklich ist. Was wären die Tage Jerusalems ohne diese Nächte! ♦ Hier stellt sich uns erneut und voller Schärfe die Frage nach dem Sinn unseres Hierseins, der jüdischen Arbeit Im Lande. Es ist trotz allem, was es schon gibt, nicht bequem, hier zu leben. Für die meisten jedenfalls nicht. Ein Ausruhen ist es nicht, keine ״Heimstätte“ in der Art eines Altersheimes nach den Stnrmjahren in der Golah. Im Gegenteil: Hier sind Jugendkräftc auch für die notwendig, die dem Alter nach darüber hinaus sind. Was bleibt also wirklich? — Die Erlösung der Seele? Vielleicht auch dies nicht, noch nicht. Aber ein Anfang davon mag doch zu spüren sein, er mag geahnt werden von den vielen, «Ile im Tageskampf stehen und ihn bestehen, weil ein Funke in ihnen glimmt. Er mag hier in Jerusalem schon leichter erahn bar sein als anderswo im Lande. Das Herz dieser Erde schlägt vielleicht ein wenig lauter... Fern ist von hier die Golah. Es ist hier schwer zu empfinden, daß Juden an manchen Punkten in der Welt nicht als solche anerkannt werden. Hier sind wir selbstverständlich da. Nur von ferne dringt der Lärm jenes Lebens, jener Sorgen in den ländern Europas herüber. Das ist eine seelische Gefahr besonders für die Jugend, die hier aufwächst und vielleicht einst nicht mehr wissen wird, was Golah wirklich bedeutet. Für die aber, die sie erlebt haben, ist es ein neues Atmen, eine neue Lust, ein neues Hoffen! Der Raum in diesem Lande ist eng für uns, und man stößt sich oft aneinander. Aber man ist zu Recht hier, nicht als Gedu Id et er! Das ist’s, was di« Leiden erträglich macht, die das Volk und der einzelne hier in diesem Lande durchzumachen hat. * ln der Morgenfrühe wurde — so eilt die Kunde durch die Stadt — wieder ein Jude in der Altstadt angeschossen. Schwer ist unser Dasein in diesen Tagen. Werden die Opfer sinnlos sein? Der Lebenswille des Jiscliuw, der geschichtliche Atem auch dieser Stadt sagen: Nein! Sie brauchen und wollen die Fortsetzung des großen Werkes, das hier begonnen hat, dessen erste Zuckungen wir miterleben. Die Haltung der Nlchtrloniaten. Im letzten ״Gemeindeblatt“ der Jüdischen Gemeinde Berlin äußert sich der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Heinrich Stahl, zu den politischen Problemen Palästinas. Der Verfasser betont, daß er als Nichtzionist, der auch aus eigener An- Behauung von einer Reise her Palästina kennt, zu dieser Frage Stellung nimmt und spricht einen herzlichen Dank an Dr. Weizmann für dessen mutige Vertretung der jüdischen Sache vor der Kommission aus. Heinrich Stahl erklärt dann weiter, daß nach seiner Meinung das Prinzip der politische« Parität von Juden und Arabern von jüdischer Seite verlochten werden müsse und erkürt, er habe auf *einer Reise nirgends Anzeichen einer Feindschaft zwischen Juden und Arabern gesehen. Im weiteren Verlauf der Darlegungen drückt Stahl die Meinung aus, daß die Nichtzionisten innerhalb der Jewish Agency ihre Meinung stärker zw Geltung bringen *eilten, als dick bkher der Fall war. Zum Prozeß In Chur Die furchtbare Tat des jüdischen Studenten David Frankfurter aus Jugoslawien, da im Februar den Landesgrtippenleitcr der NSDAP, für die Schweiz, Wilhelm Guatloff, erschossen hat, findet jetzt in Chur ihr gerichtliches Nachspiel. Die Verhandlungen des Gerichtshofes, der die schwer« Aufgäbe hat, diesen Kritninalfall zu untersuchen und abzuurteilen, werden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, und, insbesandere die deutschen Tageszeitungen bringen täglich ausführliche Prozeßberiyhte. Die Verhandlung enthüllt das Bild einer mcnschliehen und sittlichen Tragödie, aber sie gibt u. E. auch Einblick in eine schwere Verwirrung aller Begriffe, die jüdisch zu bewerten sind. In manchen Berichten wird dieser Mörder mit dem ״Weltjudentum“ in Verbindung gebracht. Diese Anschauung beruht auf der Tatsache, daß Frankfurter, der den ermordeten Gustloff gar nicht kannte, bei seiner Vernehmung ausgesagt hat, er habe als Jude für die Judengesetzgebung in Deutschland Rache nehmen wollen. Wir Juden empfinden, daß nichts unsinniger sein kann als diese Motivierung der Untat: Ein Mensch, der als Jude empfindet, durfte niemals eine so grauenerregende Tat begehen, die dem sittlichen Empfinden des Judentums, das jeden Mord verdammt, ins Oesicht schlägt. Mit Recht haben verantwortliche jüdische Stellen, Insbesondere auch sämtliche zuständigen jüdischen Instanzen und Organe in Deutschland, sofort nach der Tat ihren Absehen mm Ausdruck gebracht und den verhängnisvollen Irrtum zurückgewiesen, einen £usammenhang zwischen einem solchen Mord und der Judenfrage zu konstruieren. Die Judenfrage ist eine ungeheuer ko mplizierte Wirklichkeit, an deren Entwirrung sehr viele Mühe und Geisteskraft gesetzt werden muß. Von einem verantwörtlichen jüdischen Standpunkt aus kann es nur als Wahnsinn bezeichnet werden, wenn jemand meint, durch einen Palästina-Tag« in Saloniki Saloniki, 8. Dezember. (JTA.) Am 7. Dezember ist ln Saloniki der Keren Hajessod-Film ״Land der Verheißung“ unter dem Protektorat des Minister-Gouverneurs von Mazedonien, N. Tsipouras, vor Vertretern der Zivil-, Militär- und geistlichen Behörden sowie zahlreichen Konsuln, unter ihnen dem Konsul und dein Vizekonsul Großbritanniens, vorgeführt worden. Als Vertreter des Hauptbüros des Keren Hajessod in Jerusalem erklärte Dr. Israel Auerbach, die Juden empfinden tiefe Dankbarkeit für Ministerpräsident Metaxas und seine nationale Regierung, die wiederholt Sympathie-Erklärungen fair die jüdische Bevölkerung erlassen und positive Maßnahmen getroffen hätte, um die Lage der griechischen Juden zu festigen. Der Gouverneur hat Dr. Auerbach empfangen und sich mit ihm angelegentlich über Palästina und den Zionismus unterhalten. Der Minister sprach seine herzliche Sympathie für die jüdischen Bemühungen beim Aufbau Palästinas aus. Dr. Auerbach betuchte in Saloniki auch den Leiter der politischen Abteilung des Generalgouvernements für Mazedonien, Letcos» den Leiter des Presseamtes für Mazedonien und Thrazien, Leondärides, und den britischen Generaikonsul. Die Besuche Dr. Auerbachs wurden von dem Minister-Gouverneur und den übrigen hohen Regierung«- Beamten erwidert. _ ״Land der Verheißung“. Aus London wird tms geschrieben: Im ״Regal Cinema״ fand hier die englische Premiere des Palästinatonfilms ,,Lund der Verheißung“ statt. Die Veranstaltung ging von dem Keren-Hajessod-Komitee der Jewish Agency for Palcstine, und der Zionist Federation 01 Great Britain and Ireland au*. Lady Reading forderte das zahlreich erschienene Publikum zu verstärktem Einsatz für den Palästinaaufbau auf. Der Film selbst, deT ja in Deutschland Schon bekannt ist, fand eine begeisterte Aufnähme und wurde oft von •türmfcchcm Applaus unterkoch«. s. Ellern solchen Mord einen Beitrag zur Lösung der Judenfrage zu leisten. Nach dem vom ״Völkischen Beobachter“ wieder• gegebenen Gutachten des medizinischen Sachverständigen wird darin u. a. gesagt, Frankfurter habe sich immer wieder vor die Tragik seines jüdischen Volkes gestellt gesehen, und dieses Judenproblem habe schwer auf ihm gelastet; unter seinem Einfluß sei er in die Depression verfallen, die ihn erst auf Selbstmordgedanken gebracht und dann zu dem Mord getrieben habe. Das ist eine persönliche Charakteristik, die den Einzrifall betreffen mag und das Gericht angdit. Vom jüdischen Standpunkt aber müssen wir sagen, dkfl die Erkenntnis der Judenfrage nach unserem Willen nicht zu Depressionen dieser oder ähnlicher Art führen darf, sondern, zu der Entschlossenheit, ohne Haß gegen andere und ohne jede Rachsucht ein neu es jüdisches Leben aufzubaum, das für die kommenden Geschlechter unseres Volkes eine physisch und psychisch gesündere Existenz vorbereitet. Abgesehen von dem Kriminalvcrbrechen, dessen Sühne der Ge• richtshof zu finden hat, ist dies für uns Juden die dringendste׳ und wichtigste Erkenntnis aus diesem traurigen Fall. Wir׳ haben alles aufzubicten, daß unsere jungen Menschen trotz schwerster Lebensbedingungcn nicht seelisch entgleisen, sondem eine Aufgabe des Aufbaues bekommen, für die sich der Einsatz des Lebens lohnt. Denn die entscheidende Frage für uns Juden im heutigen Augenblick ist — wie auch Dr. Weizmann in seiner Rede vor der Kommission ausgesprochen hat — die, daß wir alle destruktiven Tendenzen, die sich in einem Zustand der Verzweiflung einer Menschengruppe zu bemächtigen drohen, überwinden, und den konstruktiven Auf bauwillen, der sich im wirklichen Leben bewähren kann, in der Jugend unseres Volkes wecken. Wer so die Judenfrage versteht, der wird die unsinnige Tat eines Frank* furter vom jüdischen Standpunkt besonders nachdrücklich verdämmen müssen. Das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität Anfragen Abg. Goldsterns an tschechische Minister Prag, 4. Dezember. (JTA.) Der Abgeordnete der Jüdischen Partei, Dr. Angelo Goldstein, hat sich an den Schulminister und an den Nationalverteidigungs-Minister mit fol• genden Fragen gewendet: 1. Von verschiedenen Seiten wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß beim Austüllen der Personaldateh an tschcchi• sehen und slowakischen Schulen von seiten der Lehrerschaft auf jene jüdischen Schüler, die sich zur jüdischen Nationalität bekennen, ein gewisser Druck ausgeübt wird, dies nicht zu tun. Ich frage den Herrn Minister für Schulwesen und Volkskultur, ob ihm dieses Vorgehen bekannt ist, und was der Herr Minister zu tun gedenkt, daß im gegebenen Falle Abhilfe geschaffen wird und daß sich in Zukunft solche Fälle nicht mehr wiederholen. 2. In den Formularen, welche dem Militär zum Ausfüllen gegeben werden, sind bloß Rubriken für tschechische, deutsch-polnische und ungarische Nationalität, aber kein« für die jüdische. Die jüdischen Soldaten können sich also nicht zur jüdischen Nationalität bekennen. Ich frage den Herrn Minister, ob ihm dieses Vorgehen bekannt ist und was der Herr Minister zu unternehmen gedenkt, daß i;n gegebenen Fall Abhilfe geschaffen wird und daß sich in Zukunft solche Fälle nicht wiederholen. Htnaptfchriftleitari Dr. Robert Weltsch, Berlin - Cbarlottenbmg * (*ach verantwortlich für die Aufnahme vom Bildern). Stellvertreter! Kan Loewenstci n, Beilin W 15 Ameijenlciter und verantwort• tirti für den Inhalt der Anzeigen! Hermann F t n n. Berlin W 15• CiliWg Anzeigen Pr«si19te B vom 1. April 163*■ Verlag und An• zeigen*« Weitung! )Qdtache Rundechau, Berlin W15, Metnekestr. 0. A. November 35 US. — Dreck! Siegfried Scholem, Bln.-Schöaebe»g 4■ <