Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 98 (8.12.1936)
- Date
- 1936-12-08
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. n kinder-rundsChaö Seife 3 Buntes Bilderbuch aus einer Hachleharah Von ERNST ISA ACSON 4 Fortsetzung O Fanni, du ungetreues Tier! Zwei Pferde hatte der Bauer gehabt, bis Floh starb. Ihre Namen waren Floh und Fanni. Fanni war ein wunderschönes Pferd, von edler Gestalt und einem weichen, seidig glänzenden braun ־schwarzen Fell. Benno hatte Fanni sehr gerne, und deshalb erhielt sie oft zu viel Hafer. Davon bekam sie, was ihre Schönheit nur noch erhöhte, dunkle Ringe am Bauch und Hinterteil, die man ״Haferflecke" nennt. Eines Tages nun kam Benno um die Mittagszeit in den Stall. Er gab Fanni etwas zu fressen — Floh war längst .IBMWI1B1 ■ ■#׳׳׳ ׳ . . , dann bog sie ihren schmalen Hals herab Die sterbende Floh Ihr wirklfcher Name war Florence, aber da der Name im Laufe der Jahre nicht mehr zu ihr paßte, nannte man sie kurz: Floh. Sie war wohl noch nie eine Schönheit gewesen, aber wie es so richtig Winter wurde, konnte man sie gar nicht mehr ansehen. Ihr Kopf wurde immer länger und hagerer, mehr und mehr magerte sie ab, immer lahmer wurde sie bei der Arbeit, ״Wenn es Frühjahr wird und es Grünfutter gibt, dann erholt sie sich schnell", pflegte der Bauer zu sagen. Aber bis dahin war es noch lang, und eines Tages ließ er doch einen Tierarzt kommen. ״Die Lunge ist kaputt", sagte der. Damit war aber des Bauer nicht zufrieden und er ließ noch einen Tierarzt kommen. ״Die Leber ist kaputt", sagte der. Auch hier* mit war der Bauer nicht einverstanden. ״Sie hat es an den Nieren", sagte der Bauer, ״und wenn das Grünfutter kommt . ״ , ." Wenn man die Nieren untersuchen will, muß man erst etwas Urin haben. Und da machte Floh nicht mehr mit״ Sie ließ einfach kein Wasser ab. Benno bekam den Befehl, acht zu geben, bis . . . Benno nahm ein Gefäß und setzte sich in den Stall, von morgens 5 Uhr bis mittags um 2 Uhr. Ohne Erfolg. Dann kam Ablösung. Der Bauer kam selbst. ״Wenn man pfeift" sagte *fy gestorben — und setzte sich auf einen Melkstuhl direkt vor den Roßstand. Benno fühlte sich, wie so oft, recht einsam und verlassen, Er hatte keine Freunde, war allein in der Fremde, und , . , hatte Heimweh. Er stützte seinen Kopf in beide Hände und war recht niedergedrückt und traurig. Auf einmal geschah etwas sehr Schönes. Fanni hatte aufgehört zu fressen, sah eine Weile auf Benno herab, und dann, ja und dann bog sie ihren schmalen Hals herab und be* rührte fast mit ihrem Kopf Bennos Gesicht. Benno wurde es ganz warm ums Herz, und er wollte Fanni streicheln. Doch sie warf ihren Kopf scheu zurück. ״Ja, du bist scheu, du gutes Tier", dachte Benno ganz gerührt. Fanni senkte ihren Kopf noch ein paarmal, warf ihn aber immer wieder zurück, wenn sich Benno bewegte. ״Ich will midi einmal ganz ruhig verhalten", dachte Benno• ״Nein, was Fanni doch für ein Prachttier ist! Die ver* steht mich, viel besser als die Menschen!" Als ihm dies durch den Kopf ging, senkte Fanni wieder ihren Kopf, immer tiefer und tiefer, Benno saß ganz still, jetzt spürte er schon ihren Atem, und jetzt, jetzt, ja was war denn das? Benno drehte sich jäh um. Also deshalb! Neben ihm stand ein Wassereimer, das erklärte alles! Empört sprang Benno auf, und sagte: ״O Fanni, du ungetreues Tier!" ... und mehr und mehr magerte sie ab «*■*er p'yy.'■ ״lassen Pferde Wasser ab, nur muß man richtig pfeifen** Und der Bauer pfiff. Erst setzte er sich dabei, dann ging er, die Hände auf dem Rücken gefaltet, im Gang auf und ab, immer pfeilend, bis ihm der Mund trocken werden wollte* Da endlich, nach vier Stunden, hatte das Pfeifen Erfolg. Das Wasser wurde untersucht, der Bauer triumphierte! ״Sie hat es an den Nieren!" Das Pferd wurde verkauft. Der Roßsdilächter stellte fest! Die Lunge kaputt, die Leber kaputt, die Nieren kaputt. (Fortsetzung folgt) Wir gratulieren zur Bar-Mizwah Herbert Jakob Born, Meerane (Sa.). — Hermann Brecher-Laubefj Bochum. — Hans Cohn, Bad Polzin. — Rolf Ermann, Wittlich (Rheinland). — Erwin Gelber, Trier. — Rolf Hankel, Nürnberg, mm Bernd Keßler, Berlin. —- Alfred Krämer, Frankfurt an der Oder. *יי■ Theodor Pelz, Haifa. — Fred Rothschild, Bad Mergentheim, mm David Wolf Herschberg, Hamborn.