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Jüdische Rundschau · 1936-12-08 · Heft 98 (8.12.1936) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 98 (8.12.1936)
Date
1936-12-08
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 4 KINDE«.RUNDSCHAU Nr. 23 Alif der Wüstenmaler Viele Jahre lang hatten die arabischen Männer gearbeitet, bis sie sich ihre Frauen kaufen konnten. Nun arbeiteten die Frauen zu Haus, und sie saßen im Cafe, sich auszuruhen bei unzähligen kleinen Täßchen mit schwarzem Kaffee und der Nargileh (Wasserpfeife). Die einzige Bewegung in ihre langsame Unterhaltung brachte der kleine Mohammed, wenn er wieder eine brennende Kohle auf eine Nargileh legte, damit sie nie ausgehen konnte. Heute sprach er von Ali mit den schwarzen, träumenden Augen Da kam Ahmed herbei. Ahmed, die lebende Zeitung, der Märchenerzähler, der alles wußte und kannte. Er hatte den Beinamen ״Tor“, weil alle Zeiten und Menschen, mit ihren Abenteuern und Kriegen, mit ihren Wünschen und Hoff- Xiungen durch ihn hindurchzogen wie durch ein Tor. Und in dem Auf und Nieder seiner Rede erklang der schaukelnde Rhythmus der Kamele, tönte das Brausen des Windes und der Meereswogen und prasselte auf die Zuhörer wie schwere iWinterregen nieder. Heute sprach er von A 1 i mit den schwärzen träumenden Augen, den noch viele aus dem Dorfe gekannt hatten. Früher hatte er mit seiner Familie in dem großen Steinhaus gelebt, das jetzt verlassen war und langsam zerfiel, dort vorn an der Autostraße. An einem Morgen war er fortgegangen, um nie zurückzukommen; wohin wußte niemanch Seine Frauen und Kinder weinten tagelang um ihn« Allein ging er hinaus in die Wüste, um sie zu malen«!Wie sie erwachte im Sonnenaufgang, sich dehnte unter der Mittagsglut, wenn hinten der grüne Streifen Uebergang in den Himmel blendete und glitzerte, und der Himmel lang- 6am in der Ferne dunkelte und anschwoll zu tiefem, sattem Blau. Wie die Sandwellen hart und fest wurden, steinerne Konturen bekamen im Abenddunkel, und wie der Sand blutgetränkt die sterbende Sonne in sich aufsog« Ali grub sich ein in den Sand, um in ihm unterzugehen; sein ganzes Wesen klang ein in das Tönen der endlosen Melodie im auf- und abgehenden Takt der Wellenbewegung unendlicher Hügelketten. Doch Al- Iah lebte auch im All der Wüste, und sein Atem wurde zum Chamssin,zum heißen sandtragen• den Winde, der langsam und unaufhörlkh, fast unmerklich, seine feinen Körnchen niederrieseln ließ, herab auf Ali, der dort liingestreckt lag, und der Sand bedeckte ihn immer mehr, bis er darin unterging. Bis Ali, der Mensch, selbst eine Welle bildend, sich verlor in der Weite des wogenden Sandes. Allahs Atem durchwehte ihn und zehrte ihn auf, nahm ihm sein Wesen, bis er erwachte und zum göttlichen Sohne Allahs wurde. Da malte er eine Wüste, hohe, aufstrebende Wellenberge, deren Umrisse sich manchmal überschnitten, oft gleichmäßig hinfließend sich in der Unendlichkeit verloren. Schatten wechselten mit Licht und belebten die Massen des Sandes, über denen das tiefe Blau des Himmels sich ausdehnte. Pinsel und Farben brachten Form und Leben in die ruhende Fläche. Da wollte Ali aus seinen Träumen zurückkehren in das Leben. Abends gelangte er an den See Tiberias, aber er erkannte ihn nicht. Denn hell stand der riesige Vollmond am Himmel und tauchte Land und: Wasser in weiches, silbernes Licht, in dem alle festen Dinge sich wie Nebel auflösten. Irgendwo er« tönte auf einer Flöte .ein eintöniges, schwermütiges Hir« tenlied und umfing Alis Seele mit seiner Trauer. Wie verzaubert ging er weiter durch das weiche Silberlicbt, ging gerade in das Wasser hinein. Einige Tage danach wurde bei Zemach die Leiche eines jungen Arabers ans Land gespült, den niemand kannte. Das war Ali, der Träumer und Maler, dessen Sehnsucht endlich zur Ruhe gekommen war, und dessen Haus jetzt langsam zerfällt. Mirjam Jochai, Jerusalem Hell stand der riesige Vollmond arri Himmel Allein ging er in die Wüste, um sie zu malen Vergnügliches Lernen Ein neues Quartettspiel Ihr alle wißt doch, was Quartett spielen ist, nicht wahr? Wir brauchen euch das also nicht zu erklären. Welch eine Freude, wenn da einer nicht aufgepaßt hat und zum Schluß ,die wenigsten Quartette hat. Wenn man aber bei diesem Vergnügen auch noch zugleich etwas Neues über Palästina und Zionismus hinzulernen kann, so werdet ihr sicher mit doppeltem Eifer zu einem solchen Quartettspiel greifen, wie es soeben der Verlag Jakob Br and eis, Breslau, zum Preise von 1,40 RM. herausgebracht hat. 12 Serien werden euch in diesem Spiel geboten, deren jede euch etwas von führenden zionistischen Männern oder aus Erez Israel und aus dem Leben der Chaluzim bringt. Nehmt die Karten zur Hand, und ihr werdet euch wundern, wie vergnüglich das Lernen ist! Die nächste Mtuiei-JluHdscktui' erscheint am Mittwoch, dem 23. Dezember. Redaktionsschluß hierfür am Dienstag, dem 15. Dezember, Heute beginnt ('liamikkah! Auf den Gabentisch eines jeden von euch, der eg noch nicht besitzt, gehört f.;11141 der Jagend Das Buch der KJnder-Rundsdiau das schönste Jugendbuch für die jüdische Jugend, an dem viele Jungen und Mädchen selbst mitgearbeitet haben. Halbleinenband mit 112 Seiten, 79 Textabbildungen und mehrfarbigem Titelbild. Preis nur Reichsmark 2.85 Zu beziehen durch die Buchhändler oder direkt beim VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU GMBH Berlin W15, Meinekestrafie 10 gegen Voreinsendung des Betrages zuzüglich 30 Rpf. Porto auf das Postscheckkonto der Verlags-Abteilung Berlin 715 76 >#♦♦»»»»♦»#♦♦»♦»#»»♦ »♦»»et»»»»»•»♦♦»♦« »♦»»•♦»*

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