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Jüdische Rundschau · 1936-12-08 · Heft 98 (8.12.1936) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 98 (8.12.1936)
Date
1936-12-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 8. XII, 1936 Ueber Juden in der Wie gestalte ich den Schabbat? Für Schabbat, 12. Dezember Wochenabschnitt ״Mikez" (I. B. M. Kap. 41, 1—44, 18) Arn ״Schabbat Clianukkah“ werden wir uns über das Wesen dieses Festes klar werden. Man wird die historische Situation der Makkabäer schildern, dabei möglichst direkt aus dein Buch der Makkabäer die entscheidenden Stellen Vorleser!, und dann vielleicht e i 11 Problem in den Mittetpunkt der Unterhaltung steilen: Welchen Sinn mag cs haben, daß der Sieg der Ilasmonäer in der Liturgie und dem Ritual des Festes fast vollständig zurücktritt gegenüber dem Wunder des Lichtes? — Wenn man den Gruudton der Haftarah beachtet und einige Hinweise berücksichtigt, die sich in der ״Jüdischen Enzyklopädie“ finden, wird inan eine Antwort finden, die eine aktuelle Bedeutung hat. Interessant ist ein Midrasch, den Nachmanides zitiert, in welchem in der Thora eine Anspielung auf das Clianukkahfest gesehen wird. Er zitiert ihn in seinem Kommentar zum Beginn des Wodieriabschnitts ״B’haalotcha“, um den Zusammenhang des dort ausgesprochenen Oebois, durch den Priester täglich das Licht der Mcnorah entzünden zu lassen, mit dem Schluß des vorhergehenden Kapitels zu erklären, wo von der ersten ״Clianukkah“, der Einweihung der Stiftshütte, die Rede ist. An dieser Einweihung waren alle Stämme, mit Ausnahme des Stammes Levi, beteiligt. Der erwähnte Midrasch lautet: ״Als die 12 Stämme ihre Opfer gebracht hatten, der Stamm Levi jedoch nicht, sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu Mosche: ״Sag Abaron, es gibt eine andere Einweihungsfeier, die mit Lieh tan zünden verbunden ist, und zu dieser Feier werde ich Israel durch deine Kinder (die Ilasmonäer waren Nachkommen Aharons) Hilfe zuteil werden lassen und Wunder für sie tun.“ Als Literatur empfehlen wir das Buch von T h i e b e rger und Ra 11 in: ״Jüdisches Fest, Jüdischer Brauch“, den Schocken-Baml von Zobel: ,,Das Jahr des Juden“ und für einen ״Üncg-Sclinbbat“ der Jüngsten, das C.hanukkah-Büchlein von Paul Ha 11 nein an n und Heinz Walleubcrg. (Verlagsbuchhandlung Jastrow, Berlin W 15.) I, E. Die Weiterentwicklung der HaiachaH (II) An der Weiterentwicklung der mündlichen Lehre sowie an der Ausgestaltung des Gesetzes arbeiteten neben den Akademien in Babylonien diejenigen in Palästina. Das hier entstandene Werk nannte man den ״Palästinensischen Talmud“ (.,Talmtid Erez Israel״) oder auch den ״Talmud des Westens“ (״Talmud cl’tnaarawa“), während die Arbeit der babylonischen Amorüer ihren Niederschlag im ״Babylonischen Talmud“ (״Talmud d’bawiT־) fand. Der palästinensische Talmud nahm seinen Ausgangspunkt in! 3. Jahrhundert von der Schule in Tiberias, an deren Spitze R. Joch a n a n b. N appa c h a stand. Als sein Zeitgenosse und Gegner in der halaehischem Kontroverse ist uns R. Schimon b. L a k i s c h (Resch Lakiseh) bekannt. Die eigentliehen Schöpfer des babylonischen Talmuds und die Begründer der ruhmvollen Akademien in Babylonien sind Abba Areka (Rab) und Schm ueI Jarchinai (Mar Samuel), die in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts zu großem Ruhm gelangten. Beide kamen von Babylonien nach Palästina, wo sie Schüler R. Jcbitda ha-Nassis waren und später die Forschungsmethode nach ihrer Heimat hinüberpflanzten. Während Schmuel in Nchardea lehrte, begründete Rah seine zu hoher Berühmtheit gelangte Akademie (״Mefibta“) im Jahre 219 n. dir. in Sura. Beide, Rab und Schmuel, haben eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer Entschließungen getroffen, von denen die Rabs 1m Talmud unter dem Narnen ״Mcrrira“ bekannt sind. Wie war die Lelir- und Vortragsmethode, besonders an den babylonischen Schulen und wie deren Aulbau? Aus den talmudisdieri Quellen wissen wir, daß an der Spitze einer Akademie ein Resch Sidra (ein Rektor) stand, der einen Assistenten (״Melurgomnn“) hatte. Den Posten eines Mcturgeman hatte Rab eine Zolllang inne, bevor er seine eigene Akademie begründete. Der Andrang zu den Schulen, die aramäisch Metibtai (auch Sidra) hießen, war sehr groll. Die Schüler kamen nicht mir aus den versrh iedencii Orten des Landes, sondern auch aus dem Ausland. Der Andrang zu den Vorträgen Rabs war derart groß, daß er sich genötigt sah, wie es in den Quellen heißt, den Unterricht auf den sein Haus umgebenden Garten aus/udelmeii. Unter den Sdiülcrn waren viele bedürftig und wurden aus öffentlichen Geldern oder aus Privatmifteln der Lt-Iuer unterhalten. — Neben der! regelmäßigen Akademie-Vorträgen wurden noch solche in den frühen Morgen- sowie in den späten Abendstunden für die Landleute der Umgebung gehalten, — Sogenannte akademische Versammhingen ‘{״Kalla“, wörtlich: allgemeine, etwa soviel wie ״Universitäfen1') wurden am Ende des Sommer- und Winter- Semesters, jeweils vor den großen Jahresfeiertagen, nbgehalten. Diese für das Volk gehaltenen poptilär-haladiischen Vorlesunpen zogen oft große Massen von Zuhörern an. Mit der Zuspitzung der politischen Lage im jüdischen Lande zur Zeit der christlichen Herrschaft, besonders seitens Byzanz, im 1. Jahrhundert, durcli die Pinenginig der natiotialvn Selh'fverwaltiing schrumpften die talmudischen Schulen Palästinas mehr und mehr zusammen. Nun ging man daran, die Frucht jahrhundertelanger Arbeit zu sammeln und niederzuschreiben, u!11 sie einer etwaigen Vergessenheit zu entreißen. Die palästinensischen Amoräer der letzten Generation, die etwa zwischen 350—400 gewirkt haben, waren kollektiv an dieser grandiosen Arbeit beteiligt. Im Gegensatz zürn babylonischen Talmud ist der palästinensische kein einlieblich redigiertes Werk, sondern hat häufige Wiederholungen, oft eine fragmentarische Behandlung des Stoffes aufzuweisen. Neben dem agadischen Element ist der palästinensische Talmud reich an religiös-erbaulichen Stoffen und ge- Schichthöhen Ergänzungen. J. M. Vom Breslauer Rabbinerseminar. Am Beginn des Wintersemesters traten acht neue Vollhörer ein. Neben den Dozcnten Prof. Dr. Ucincmann und Dr. Lewkowitz gehören nunmehr endgültig Seminarrabbiner Dr. Ochs (an Stelle von Dr. Rabin) und I>r. Urbach (an Stelle von Dr. Speyer s. A.) dem Dozentenköllegi'um an. Rabbiner Dr. Wahrmann setzt seine Vorlesungen und Uebungert fort. Den Lehrauftrag für Wohlfahrt, Fürsorge usw. nimmt Bürodircktor Glaser wahr. Den Talmudkurs für Anfänger gibt Dr. Hoff m a n n. Die Israelitische Gemeinde Bremen hat beschlossen, den ihr vom Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden vorgeschlagenen An s c h I u ß vert r a g anzunchmen. Sie hat nunmehr dadurch ihren Anschluß an den Preußischen Landesverband vollzogen. Mit dem Anschluß Bremens, der unmitte!- bar nach dem Anschluß Anhalts erfolgte, sind alle Gemeinden in Norddeutschla nd mit Ausnahme Hamburgs in dem Preußisehen Landesverband vereinigt. Daneben besteht nur noch die aus den süddeutschen Landesverbänden und Sachsen zusammengesetzte Süddeutsche Arbeitsgemeinschaft. Das ״Berliner Tageblatt“ vom 4, Dezember berichtet von einer Veranstaltung des NSDStB. und des Studentenrings des NSKQ. im Aulagebäude der Berliner Universität, bei der Professor Tomascheck aus Leipzig über ״Naturforschung und Weltanschauung“ sprach. Der Bericht ist für uns insofern wichtig, als er grundlegende Urteile über die Rolle der Juden in der Naturwissenschaft und in der modernen Physik enthält. Das ״Bert. Tagebl.“ teilt darüber mit: ״Professor Tomasclieck legte allen wissenschaftlichen Verhalten den Begriff des Rassischen zugrunde. Wie die Kunst in ihren Leistungen von der Rasse ihrer Träger abhänge, so sei es auch in der Wissenschaft; das sei auch auf die Naturwissenschaften zu übertragen. Leider lehnten diesen Standpunkt heute noch die meisten großen Forscher ab. Ein Nobel-Preisträger hätte noch 1934 bei der Jahres versammlung der Deutschen Naturforscher in der Festrede die Einst ei ns che Relativitätstheorie als die unuinstrittene Grundlage der heutigen und zukünftigen Physik gefeiert. Dagegen führte Tomascheck Worte von Führern an, die das Gegenteil besagten, indem sic den schädlichen Einfluß der jüdischen Rasse auf die Kunst feststellten. Namen wie Kepler, Galilei, Newton, die Tomaseheek Vertreter germanischer Forschung nannte, zeigten den Einfluß der Naturwissenschaft auf die Weltanschauung der Zeit. Entsprechend sei im 19. Jahrhundert ein artfremder Einbruch in Naturwissenschaft und Weltanschauung erfolgt. In der Wissenschaft könne bewiesen werden, in der Kunst gäbe es nur Anschauung. Doch müsse man Anschauung auch in der Wissenschaft haben: man könne sich ein Gefühl dafür erwerben, ob eine wissenschaftliche Arbeit artgemäß sei oder nicht. Das Besondere der exakten Naturwissenschaft sei ihre Gesetzmäßigkeit, die durch die Art des Denkens geformt sei. Die europäische Wissenschaft sei die Frucht arischen, besser noch: germanischen Denkens. Diese Wissenschaftsauffassung müsse wiederhergestellt werden. Menschliche Anschauung und Natur seien nicht zur Deckung zu bringen, man könne nicht die Natur erkennen, wohl aber sie durch das Experiment sprechen lassen. Das sei germanische Geisteshaltung. Schon Kant habe erklärt, man könne nicht das Ding an sich erkennen. Die Wissenschaft könne niemals erklären, sondern nur systematisch ordnen. Germanische Wissenschaft sei mit Chamberlain dadurch bezeichnet, daß ״der Germane mit ungeheu- Adolph Donath Za seinem 60. Geburtstag am 9. Dezember ״Freunde rieten mir, jetzt, da ich aus dem Kriege heim* kehrte, meine ,Judenlicder‘ zu sammeln. Es ist lange her, seit ich die ersten schrieb: im Herbst des Jahres 1895, meines ersten Wiener Universitätsjahres. Und 1897 hat sie Theodor Herzt gelesen. Mir bleibt die Stunde lebendig, in der mein unvergeßlicher Freund und Gönner mir sein urteil sagte.“ Mit diesen Sätzen beginnt Adolph Donath, im Dezember 1918, die Vorrede zu seinen ״Judenlicdcrn“, die erst nach dem Kriege gesammelt erschienen, als sie längst populär waren, so populär, daß er einige singen hören konnte, als er im Krieg als österreichischer Soldat in Feindesland kam, nach Lublin, wo man ihn nicht kannte und kaum seinen Namen wußte. Denn die ״Judenlicder“ waren damals bereits in mehrere Sprachen übersetzt und von mehreren Komponisten vertont. Das war durchaus nicht erstaunlich, denn es waren eigentlich die ersten Verse in einer europäischen Sprache, in denen ein Jude sich stolz zu seinem Volk bekannte, zu der von anderen erst so viel später aus Not begriffenen Parole; ״Aber bleib auch Mensch im Leide, Trage deinen Schmerz mit Stolz —״ Darüber hinaus sind in diesen poetischen Vorboten des Zionismus bereits mancherlei Motive angeschlagen, die später von anderen Dichtern, auch in anderen Sprachen, von Morris Rosenfeld bis zu den Jüngsten kultiviert wurden, die salbatliehe, zionistische' Idylle (war ein kleines, stilles Haus), die soziale Judennot (Mirjam, Mutier betet in der Kammer; Seht um dieses Stückchen Brot; Nirgends ruhen u. a.) und die Ghetto-Ballade und -Romanze (Rabbi Anmon; Die Jüdin; Der Prophet; Die Mär). In allen diesen Versen ist der dichterische Ausdruck schlicht, musikalisch, stimmungsvoll und klar, ohne ״Kunst“, man spürt hinter jedem Wort das Menschliche, das Gemüt, das jüdische Herz. Als den Sprecher des jüdischen Herzens finden wir Donath in der Literaturgeschichte der Jahrhundertwende wie in den repräsentativen Anthologien ״moderner deutsciier Lyrik“ der Zeit. Seinem ersten Gedichtband ״Tage und Nächte“, der 1898 erschien, hat kein Geringerer als Georg Brandes ■einen Geleitbrief mitgegeben, 1901 folgten neue Gedichte unter dem Kleine Nachrichten Die Kgl, Physikalische Gesellschaft in Lund (Schweden) hat den holländisch-jüdischen Physiker Prof. Dr. L. S. Ornstein, der bekanntlich auch in der zionistischen Bewegung und an der Hebräischen Universität Jerusalem eine bedeutende Rolle spielt, in Anerkennung seiner hervorragenden Beiträge zur Entwicklung der Experimentalphysik zum korrespondierenden Mitglied ernannt. Zu Ehren von Prof. Dr. Eugen Mittwoch, der am 4. Dezember seinen 60. Gehurtstag beging, gab die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, deren Vorsitzender der Jubilar seit mehreren Jahren ist, im Rahmen der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentu ms eine Festschrift heraus, in der eine größere Anzahl von Fachgenossen des Jubilars mit Beiträgen vertreten sind. Der Generaldirektor der Außenhandels-Abteilung im holländischen Handelsministerium, Dr. H. M. Hir schfcld, ist vom polnischen Staatspräsidenten zum Großoffizier des Ordens Poloitia Restituta ernannt worden, Die 15jährige Spitzentänzerin Irma Rosenberg gastierte kürzlich mit großem Erfolg in Danzig. Sie wurde für eine sechsmonatige Ballettrevue-Tournee nach Italien und der Schweiz verpflichtet. Frau Ilse Bl u m en th af-Weiß las auf Einladung der West London Synagogue Association mit großem Erfolg aus eigenen Werken. Der Jüdische Arzt Dr. Salvator Sciaky, der der griechischen Armee als Offizier angehört, ist zum wissenschaftlichen Leiter des Instituts für Nervenkrankheiten in Lember bei Saloniki ernannt worden. Am 25. November starb In Edinburgh Sir Leon Levi« son im Alter von 55 Jahren. Er war ein Sohn des verstorbenen Rabbiners Nahttm Levison aus Safed, war zum Christentum übergetreten und hatte sich sehr aktiv dem sozialen und religiösen Arbeitskreis gewidmet. Er war einer Naturwissenschaft rem Wissensdurst nach den weitesten Grenzen des Erkennbaren“ strebt. ״Die Beobachtung ist das Gewissen der jgermanischen Naturwissenschaft“. Auch die Phantasie sei für die Wissenschaft unerläßlich. Die Behauptung, die Wissenschaft sei international, da das Fallgesetz überall gelte, stimme nicht. Das zeige sich schon innerhalb des arischen Bereichs; die Griechen z. B. hätten das Fallgesetz entdecken können, dock sie taten es nicht. Sie strebten vielmehr möglichst schnell nach Theorie um deren Schönheit wißen. Anderthalb Jahrtausende hätte es iin germanischen Lebensraum keine Wissenschaft gegeben. Der Grund sei ein nicht artgemäßes Weltbild gewesen, das nicht germanisch gewesen sei. Das Papier habe erst Verbreitung bekommen, als es in germanische Hände gelangt sei. Das sei germanische Wissenschaftlichkeit. So sei auch die Physik eine Schöpfung des germanischen Geistes. Das Auftauchen der ״modernen Physik“ beruhe nicht auf neuen Tatsachen, sondern auf neuen Denkformen. Die Grundhaltung der germanischen Wissenschaft in der klassischen Physik hätte für die Erklärung aller Naturerscheinungen, die durch die moderne Physik erfolgt seien, ausgereicht. In diesem Sinne habe Lenard seine ״Deutsche Physik“ geschrieben. Die artfremde Denkmethode der Relativität stheorie entspreche der des Talmuds. Germanisch sei der Begriff des Mechanismus, das heiße die Anwendung mathematisch formulierbarcr, quantitativ verwertbarer Gesetzmäßigkeiten, die durch Anschauung gewonnen seien. In der Relativitätstheorie hingegen spiele die Erfahrung nur eine geringe Rolle. Das artfremde Denken habe den Aether abgeschafft, doch bringe die alte Aethervorsteüung viel weiterf~. ״ Wissenschaft beseitigt werden solle. Auch die statistischen Gesetze In der Physik müßten rassisch verstanden werden. Also auch in der Naturforschung, so schloß Prof. Tomascheck, sei die Idcenbildung bedingt von der rassischen Zusammen- Setzung der Geister. Nach Lenard komme es auf die Pflege der Kräfte an, die im einfachen Denken liegen. In einer sich daran anschließenden Anssprache wurden Professor Tomascheck Fragen gestellt, auf die er Antworten gab. Manche der Fragen ließen erkennen, daß die neue Auffassung noch nicht ganz bei allen Studenten durchgedrungen ist.“ Titel ״Mensch und Liebe“, und 1904 gab Donath das schone Sammelwerk österreichischer Dichter zum 60. Geburtstag seines Freundes Detlev von Liliencron heraus. Trotz so verheißungsvollen Anfängen und erstaunlich frühen Erfolgen hat der junge Lyriker sich einem anderen Gebiet zugewandt und ebenfalls darin mancherlei geleistet und Anerkennung gefunden. Schon vor dem Kriege war er ein geachteter Kunstkenner und Kunstschriftstellerj der Fachreterent der ״B.Z.“, schließlich des ״Berliner Tageblatt“. Aut dem Spezialgebiet des Kunst.sammelns war er bald die anerkannte Autorität, und sein Ruf als einer der vorziigliebsten Kenner des internationalen Kunstmarktes ist mit den Jahren noch gewachsen. Seine ״Psychologie des Kunstsammelns“ ist das Standardwerk des Faches, es hat seit seineT ersten Ausgabe 1911 immer neue Auflagen und Uebersctzungen erlebt. Es war nicht nur das erste, das die Materie des KunstsammeLns und des Kunstmarktes literarisch in ein System brachte, es ist bis auf den heutigen Tag das maßgebliche. 1905 kam Donath nach Berlin und war seitdem Wilhelm von Bodes Freund und Helfer, der unbedingte Verfechter und Verteidiger von Bodes musealen Bestrebungen in der Oeffentlichkcit, was nicht immer ganz leicht war. Wie Donath in dieser Zeit auch für bestimmte jüdische Künstler gewirkt hat, ist ein Kapitel für sich. Er hatte auf Lesser Ury entscheidenden Einfluß, und ohne ihn ist die Entwicklung dieses Künstlers, sein ״Reifwerden für die Kunstgeschichte“ schwerlich denkbar. Ebenso verdankt Hermann Strucks Graphik Donath ihren Weg in die Oeffentlichkcit. Nach dem Kriege gründete Donath die Zeitschrift ״Der Kunstwanderer“, die unter seiner Leitung upd unter Mitarbeit der namhaftesten Fachmänner vierzehn Jahre monatlich erschien. Es war ein neuer Zeitschriftentypus, und die ״Internationale Kunstwelt“, die seit Donaths Uebersicdlung nach Prag dort erscheint, setzt diese Linie fort. Ebenfalls neu in seiner Art war Donaths ״Jahrbuch für Kunstsammler“ (fünf Bände, 1921 bis 1925), dessen Aufgabe es war, Museen und Kunsthändler über die Inflationsjahre zu ״führen“. Zur Zeit arbeitet Donath an einem Buch über Kunstfälschungen; er beabsichtigt, später seine Memoiren zu schreiben, die sicherlich auch über viele seiner jüdischen Zeitgenossen von Herz! an Neues, Persönliches und Interessantes enthalten werden. Wir warten gern darauf und wünschen dem Jubilar mittlerweile noch recht viele Jahre voller Gesundheit, Lebensfreude und Schaffenskraft- L. H. der ersten Anreger zur Gründung von christlichen Hilfsfonds für die russischen und palästinensischen Juden und wurde der erste Präsident der ״International Hebrew-Chrlstinn Alliance“. Auch veröffentlichte er u. a. sehr bedeutende Stildien zürn Alten Testament. Viele Jahre hindurch war er Beauftragter der schottischen Judenmissian in Edinburgh. Die neugeschaffene Lehrkanzel für Psychologie an der Universität Stockholm ist Professor David Kat z: verliehen worden, der früher am psychologischen Institut der Universität Göttingen und an der Universität Rostock tätig war. Der französische Tennismeister Henri Cochetj der soeben nach Aegypten abreiste, wird einer Einladung nach Palästina Folge leisten, wo er einige Demonstration• spiele durchführen und auch gegen den jungen palästinensisehen Tennisnachwuchs antreten will- In Chicago ist im Alter von 43 Jahren der hebrl- Ische Dichter und Herausgeber der Monatsschrift ״Dorenu“» Abraham S o I o d a r, gestorben. Der Preußische Landesverband teilt mit, daß die für Ende November vorgesehene, den Fragen des hebräischen Unterrichts gewidmete pädagogische Arbeitstagung in Berlin auf Wunsch der Lehrerschaft erst Anfang Januar stattfinden wird. Rabbiner In Baden. Nachdem Rabbiner Dr. Zimes in Fre i b ur g i. B. in den Ruhestand getreten ist, ist da5 Rabbinat mit Rabbiner Dr. Sch euerm ann, der bisher dos hinterpommersche Bezirksrabbinat des Preußischen Landesverbandes in Schivelbein verwaltet hat, besetzt worden. Von den in Baden gelegenen Rabbinaten sind noch zwei unbesetzt: das durch Weggang von Bczirksrabbincr Dr. Ucko freigewordene Offenburger und das durch Pensionierung des nach Palästina übersiedeinden Rabbiners Dr. Chone freigewordene Rabbinat Konstanz. Das zweite Rabbinat in Karlsruhe, das der nach Heidelberg berufene Rabbiner Dr. Steuer innebatte, wird voraussichtlich nicht wieder besetzt werden.

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