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Jüdische Rundschau · 1936-12-08 · Heft 98 (8.12.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 98 (8.12.1936)
Date
1936-12-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 8 XII, 1936 Theater und Musik in Tel-Awiw Jerusalemer Kunstbericht Die Reihe der hebräischen und deutschen Autoren-Abcnde, die die Buchhandlung ״Hcatid“ für diesen Winter ankündigte, wurde unter überaus starker Beteiligung am 25. Nor cmher mit einem Leseabend von Ludwig Strauß eröffnet. Der Dichter, der sich als feiner Interpret seiner Schöpfungen erwies, las zuerst eine schlicht-ergreifende Jerusalemer Elijahu- Legende ״Der alte Krug“ aus seinem soeben im Schocken* Verlag erschienenen Märchenbuch ״Die Zauberdrachenschnur“. Einige in Büchern noch unveröffentlichte Verse, darunter das seiicrne (iedicht ״Vom First“, das zuerst in diesen Spalten erschien, führten in das Zentrum von Strauß' Schaffen. Die zuchtvolle Reinheit seiner Sprache, die edle Harmonie seiner Rhythmen und die Schwere des Gesagten hinterließen bei allen Hörern tiefen Eindruck. Den letzten Teil bildete ein bitter-süßer Spruch-Zyklus, der ״Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ des Jerusalemer Alltags gab. Auf Nacht- ■wachen in Zeiten der Unruhen sind diese zuweilen stark an Christian Morgensterns ״Galgenliedcr“ anklingenden, überaus liebenswerten Reime entstanden. Sie vermitteln in scheinbar anspruchsloser, aber oft bis an die Wurzeln der Dinge reichender Bildhaftigkeit das Erlebnis jüngster Palästina- Historie. Eilte kleine Ausstellung der Bücher des Autors gab eine tJebersicht über das vielseitige Schaffen Ludwig Strauß’, der sowohl als Lyriker, wie Novellist und Dramatiker wie auch als Uebersetzcr jiddischer Dichtung (Perez, Bialik, Ostjüd Liebeslieder, Maasse-Buch), wie auch als Herausgeber und Literaturforscher (Das Problem der Gemeinschaft in Hölderlins Hyperion) sich erfolgreich betätigte. — Der Abend war zugleich ein Abschied des!Dichters von seinen Jerusalemer Freunden, da er nach J o k n a m in den K i b F u z der ״W e r k 1 c u t c“ ü b e r s i e d e 11. P1 der ״Har-Har P o 11 c r v“ zeigt der junge Jcrusaferner .Maler Rafael Mohr eine Reihe von Aquarellen, die erfreuliche _ Ansätze, vor allem in der Farbgebung verraten. Ernst cs zeichnerisches Studium und du Sichvertiefen in die Probleme des Ramus wären Mohr aii/uraten, dessen Blatter noch der I iefciiw irkungen entbehren. All/uski/zenliaftcs scheint oft zu Auaslelliings/weeken noch nicht ganz geeignet, hingegen /eigen ein technisch besonders reizvoll behandelter Studien köpf um! eine Jerusalemer Landschaft starke Begaluing, die allerdings noch der Schulung bedarf, um sich ganz entfalten zu können. Bei Steimatzky hat soeben die KiinsfkT gruppe ״Cli ewer O in a n i in“, der die bedeutendsten Maler und Plastiker Palästinas aiigehören, ihre erste Ausstellung eröffnet. Für Palästina ist eine solche Künstler-Kollektivausstellung etwas Neues und der große Besuch zeigt, daß cs ein glücklieber I: in fall war, einmal als Künstlergruppe vor das palästincnsische Publikum zu treten. Acht Maler und zwei Bild- Bauer geben eine Auslese ihrer Werke: das Niveau ist äußerst erfreulich und durchaus mit europäischen ,Maßstaben zu messen. A. Allweils Synagogen-Interieur erfreut Besonders durch die souveräne Farbgebung und Licht- Verteilung, Fronst ein zeigt 11. a, ein FrauenhiMnis, das mit zmn allcrschömten der Ausstellung gehört. Seine ],inseifuhrtmg erinnert oft au die des Pariser jüdischen Malers Menkes und mit ihm teilt er auch die Reschv, ingtheit der Bonn und den Duft der f ärbe. A. Gutman n erweist sich als feiner Bluiiiemnaler, wahrend er in der Landschaft oft noch zu sehr im Experiment veriiarrt. S, Holznianns Zitnrncrbüdern fehlt Licht und Farbe, wiewohl sie durch die Hingabe ans Detail oft zu überzeugen vermögen. Mo- 1a d v, noch in bester Erinnerung aus seiner Ausstellung in der Divan-(ialiery, wirkt wieder dämonisch, unheimlich durch die verhaltene Dunkelheit seiner Bilder. Sein ״Bcthlehem“, über dem sich ein unheilkündender Gewitterhimmel ballt, zählt zu den besten Arbeiten des Künstlers, dessen Stärke in der Landschaft zu liegen scheint. Ein feiner Beobachter ist Miro n Sima, der als Porträtist von Rang hervortritt. Rubin zeigt Olivenbäume, diesmal rote Chrysanthemen. Bei aller Meisterschaft, die wir Rubin zuerkennen, liegt hier die Gefahr des Manierismus nahe, allein das Selbstbildnis des Malers mit seiner Gattin zeigt, daß Rubin durchaus auch im großen Format und im anderen Sujet Meister ist. Drei Bilder aus der Jerusalemer Altstadt von Jacob Steinhardt, dem bekannten Graphiker, beschließen die Reihe der ,Maler. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Bilder Steinhardts in die Nähe Hermann Strucks stellt. Hier wie dort ein überwiegend graphisches Talent, das ausgereifte, von zarter Farbtönung getragene Arbeiten zeitigt. Fine Begabung ist der Tel-Awiwer Bildhauer Scev Ben- Z w 1. Ben-Zwi versieht es mit grollen Flächen und fast ardiilrktonNcher I.inirnfuhrung größte Wirkungen zu erzielen. Sein i'orlrät des Habimah-Schauspiders Meskin ist ein Meisterwerk von höchstem Rang. In traditionelleren Bahnen bewegt sich .Moses Ziffer, dessen stärkste Arbeit eine anmutige weibliche Torso-Uips-Skulptur ist. S c!1 a I o m B e n - C 11 0 r i n Die Stadtgemeindc T el-Awiw und Bürgermeister Israel Rokach haiien an den <)berrahhiner von Irland, IJr, Isaac Herzog, anläßlich seiner Wald zum Oberrabbincr von Palästina eine herzliche liegriißtingskundgebung gerichtet. £%4ie^ Ueym in 74i~Awiw Am Vorabend des ersten Herbstregens lagen die Tel- Awiv.mr mit sich wicl der Weit im Streif. In der darauffolgenden Nacht wnrliten sie dann durch!nächtige Donnerschlüge auf, sahen es wild blitzen, und hörten endlich den ersten Regen niederprasseln. Am midisten Morgen duftete die Erde, und die Pflanzen in den kleinen Vorgärten waren reingewaschen vom Staub des Sommers und strotzten von neuer Kraft. Im Laufe des Tages begann es wieder zu regnen, und das Wart ״geschein“ war in aller Mund, und die es aussprachcn, lächelten beglückt. In der zweiten Gewittemacht begann das Meer noch wilder zu stürmen, und die Wellen schlugen über den Strand1 hinweg bis auf den Herbert-Samuel-Kai, rissen groß« Steine mit und bohrten Löcher in den Weg. Den nächsten Abend lief ich dann den schmalen, nassen Streifen entlang, den das Meer vom Strand gelassen hatte. Es regnete nicht mehr, und dis schweren Wolken wurden vorn Wind geteilt, so daß der Halbmond ־zeitweilig das graue, schäumende Meer und dm Strand erhellte. Ich lief rasch, in der Richtung des Tel-Awiwer Hafens, und sang «in Marschlied vor mich hin. Einmal stolperte ich bei einer Lurche, die das Meer in den Sand gegraben hatte. Rechts vor mir, schwarz auf dem grauen Hintergrund, hoben sich die Häuser ab und sahen aus wie riesige, faulende Ruinen. Ich drehte mich um, und ein warmer Wind schlug mir entgegen. Links nun die Lichter der StrandcaKs wurden ged.unpft durch starken Nebel; Nebel schien über der ganzen Stadt zu liegen, und Jaffa war nur als dunkler Landstrich erkennbar, lieber mir die großen Wolken, der Mond; rechts das Meer und einige große, verankerte Schiffe; links und vor mir Nebel und gedämpfte Lichter. Langsamer als ich hinaus gelaufen war, schritt ich zurück. Es schien mir schade, die romantische Landschaft so schnell wieder für die laute Stadt dnzutaasdien. cri Tel-Awiw, im November 1936 Matate-Premiere Die rührigen Matate-Leute nehmen in ihrer neuen Revue ״Olim w’Jordim“ (״Sie steigen auf und nieder“) die palästinensischen Unruhen zum Thema. Der Revuc-Himmel hat ein Einsehen und entsendet einen Boten, der die Ursachen des Aufruhrs feststellen und Abhilfe schaffen soll. Dem Zuschauer sind die traurigen Eindrücke der letzten Monate noch in allzu frischer Erinnerung, als daß er sich mit der vorliegenden Behandlung des Stoffes durch Herrn J. Heiblum einverstanden erklären könnte. Wenn man sich mit treffender Satire gegen Mißstände im eigenen Lager wendet, so ist dagegen gewiß nichts einzuwenden. Hier liegt der Fall jedoch anders. Man versucht die komischen Seiten einer ernsten, ja lebensbedrohenden Erscheinung aufzuzeigen und unterliegt der Versuchung, in eine seichte Bagateliisieriing der Dinge abzugleiten. Das betrifft besonders das Bild, «las den arabischen Streik ironisieren will. 9/* 100״ Tnuva“ kann das Publikum eher davon ab 11 alten, Erzeug* nisse, die als ״Tozereth Haarez“ deklariert sind, zu kaufen, als hierzu ermuntern. Die Vorbereitungen für eine Autofahrt von Haifa nach Tel-Awiw reizen zwar im Moment mit ihren Sicherheitsmaßnahmen gegen arabische Kugeln zum Lachen, wenn der Vorhang aber gefallen ist, stellt sich sofort der Aerger über die Billigkeit solcher Witzeleien ein. Ganz schwach der ״Baum der Erkenntnis“, der, in Vcrwcchslung mit einem Apfelsinenbaum, über Nacht gefällt wird. In der Anlage gut, aber viel zu breit ausgewalzt ״Ausnahmezustand“ (mit den diesmal dürftigen Chansons von Altermann) und das Hafenbild. Auch die Musik ist ein Konglomerat von alten Schlagern und mäßiger Neuschaffung■ mehrerer palästinensischer Komponisten. Im übrigen macht sich bedauerlicherweise eine Schematisierung in der Wahl der Themen und der Witze bemerkbar, vor der man sich in Zukunft zu hüten haben wird, wenn man das immerhin beachtliche Niveau zu halten gewillt ist, das gerade im ״Matate“ oft mit Freude konstatiert wurde. Das Ganze konnte nur mit Mühe gerettet werden durch die wieder überaus reizvollen Bühnenbilder von Luftglas und durch die schauspielerische Leistung des Ensembles, in dessen vorderste Reihe sich diesmal der Schauspieler Lavitish spielt, mit der Figur des verschlafenen ״unwirschen“ Friedensengcls fast Shawschcr Prägung, und des Pessimisten im Tel-Awiwer Hafen. Aba als Engel auf Dienstreise hat ein paar hübsche Momente. London, Timan und Rudenski können nicht übersehen werden, haben jedoch in schwachen Rollen größtenteils Typen zu verkörpern, die man schon wiederholt von ihnen sah, und die weder ihren starken Begabungen die Möglichkeit der Entfaltung, noch größere Variationsmöglichkeiten bieten. Palästinensisches Trio In jedem Jahr konnte Erez Israel den Besuch einiger weltberühmter Musikgrößen verzeichnen, die vorwiegend eigene Konzerte gaben, gelegentlich auch im Rahmen «Ict bis jetzt bestellenden Orchester gastierten, In dieser kommen• den Saison, die naturgemäß stark im Zeichen des ״Huberman-Orchcsters“ (wie man es hier allgemein nennt) und der dort gastierenden Solisten stehen wird, verschiebt auch Kunstausstellungen in Tel-Awiw Als erste Veranstaltung dieses Winters wurde im Mus e u m Tel-Awiw eine Ausstellung der Vereinigung der palästinensischen Maler und Bildhauer cröHnet, die dem Andenken ihres Ehrenpräsidenten Dizengoff gewidmet ist. Die Vereinigung der palästinensischen Künstler, die vor kurzem den Maler Rubin zum Vorsitzenden gewählt hat und unter seiner Leitung nunmehr aus ihrem jahrelangen Dornröschenschlaf zu erwachen verspricht, will durch diese Ausstellung ihrem Förderer und Freunde ihren Tribut zahlen, indem jeder Künstler 30 0,״ der erzielten Verkäufe dein Dizengoff-Fonds des Museums zur Verfügung stellt. 61 Kunstler sind mit je einem Werke vertreten, und zwar 54 Maler und 7 Bildhauer. Unter den plastischen Werken ist vor allem die Monumentalbüste Dizengoffs von Ben Zwi hervorzuheben. Die Eröffnung der Ausstellung gestaltete sich rn An- Wesenheit eines zahlreich erschienenen geladenen Publikums zu einem feierlichen Akt. Dr. Douchan, der neue Präsident des Museums-Kom itces, erklärte in seiner Ansprache, daß im Sinne des Begründers des Museums als erste Vcranstaltung nach seinem Tode die palästinensischen Künstler in diesen Räumen zu Worte kämen, um damit zu doktinientieren, daß das Museum, dem Wunsche Dizengoffs entsprechend, nicht nur eine internationale, sondern in weitgehendem Maße eine palästinensische Sammlung werde. Bürgermeister Rokach gedachte der Gattin Dizengoffs, deren feiner Kunstsinn den Verstorbenen zur Kunst geführt und so zur Gründung des Museums veranlaßt habe. Rokach gab ferner der Hoffnung Ausdruck, daß die Stadtverwaltung dem Museum größere Mittel zur Verfügung stellen und auf diese Weise auch zur Förderung der palästinensischen Ki'mstler beitragen können werde. Schließlich gedachte der Distrikt- Commissioner Croesbie seines letzten Besuches an dieser Stätte, wo er an der Bahre Dizengoffs von dem Oberhaupt der Stadt Abschied genommen, und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß das Werls des Verstorbenen in seinem Geiste fortgesetzt werde. * Im Kunstsalon Masskit in Tel-Awiw hat Emmy Roth eine neue Ausstellung eröffnet, in der sie die Erzeugnisse ihrer Jerusalemer Werkstatt vorführt. Als die bekannte Silberschmiedin sich vor Jahresfrist erstmalig dem hiesigen Publikum präsentierte, brachte sie viel bemerkenswertes Material aus Europa mit, das ihre hohe Künstlersehaft erkennen ließ. Emmy Roth hat in Jerusalem eine Werkstatt eingerichtet, in der sie Ihre Erzeugnisse herstellt. Diese unterscheiden sich insofern von den früheren, als die Künstlerin darauf bedacht ist, mit einfacheren und bescheideneren Mitteln eine Kunst zu schaffen, die den Ansprüchen dieses Landes und dieser Menschen entspricht, ohne dabei aber das Niveau herabzumindern, Waren es früher hauptsächlich Gegenstände in Silber u. a. Edelmetall, so verwendet Emmy Roth heute vorzüglich Neusilber, Kupfer, Messing und Eisen und gelangt bei der materialgerechten Verarbeitung dieser Stoffe zu künstlerisch hochwertigen Produkten. Es ist alles auf klare, der Funktion dienende Form abgestellt. Dabei ergeben sich neue Oestaltungen. die auch Anklänge m gewisse orientalische Tradition erkennen lassen. Die Hauptsache bleibt hierbei die moderne Linie und der in dem Ebenmaß der Struktur liegende Wohlklang. Dasselbe Prinzip waltet bei den Schmuckstücken, den Ringen, Ketten, Armbändern, Anhängern, Vorstecknadeln usw., die oftmals mit schönen Edel- und Halbedelsteinen geziert sind. Diese in einfachen, soliden Fassungen gearbeiteten Bijouterien erfreue» sich bereits einer besonderen Be• das Bild, wie schon jetzt aus den Voranzeigen der hiesigen Konzertagenturen ersichtlich ist. Es soll uns freuen, wenn die in Palästina ansässigen Künstler von dieser Sachlage profitieren. Das MKBL.-Biiro stellt uns in seiner ersten Veranstaltung ein neugegründetes ״Palestinc-Trio“ vor, das mit Ben-Haim Frankenburger (Piano), Frau Glikson-Herz (Vk>- linc) und H. Son (Cello) besetzt ist. Das Programm brachte Brahms: Trio op. 8; H-Dur, 3 Nocturnes von Ernest Bloch, und Beethoven: op. 97; B-Dur. Das äußerst korrekte Zusammenspicl der drei bewährten Musiker fand bei dem gut besuchten Hause eine warme Aufnahme. Da* Trio soll sich in Kürze auf Tournee begeben. EUy Kurz Im Jascha-Heifez-Saal gab EHy Kurz — von Ben-Halm begleitet — einen Lieder-Abend, der mit der Arie aus Haydns ״Schöpfung“ eingeleitet wurde. ״Drei biblischen Gesängen“ von Dvorak folgten Lieder von Strauß und Schumann — mit sehr fein durchgehaltenem Piano: ״Die Lotosblume“. —״ Mozart (Arie aus der ״Entführung“), D’ell Aqua (L'Hirondelle) und der ״Paria-Walzer“ von Arditti bildeten den Ab- Schluß des Abends. Das Organ ist gepflegt und auch in tieferen Lagen überaus klangvoll. Der Vortrag zeugt von feiner Musikalität und Technik. Gelegentlich wäre etwas mehl dramatische Kraft am Platze gewesen. Medbanisdie Musik Die von den Herren Schlesinger und Springer neuerdings in Tel-Awiw veranstalteten Schallplatten-Konzerte finden beim Publikum großen Anklang. Allwöchentlich füllen Hunderte den Saal des ״Hatai“, auf dessen, durch eine Fußranipe schwach erleuchteter Bühne nichts sichtbar ist als ein in der Mitte des Vorhangs angebrachter Lautsprecher. Zunächst denkt man: Ausdruck eines mechanisierten Zeitalters. Es fehlt die Inspiration, die von dem Takfstock eines Dirienten auch auf das Publikum überströmt, die Sichtbarkeit iinstlerischen Schaffens, die vorbereitenden und erregenden Akkorde des Stimmen® von Instrumenten. Aber allmählich beginnt die Komposition noch in dieser Wiedergabe ״aus dritter Hand“ ihren Bann auszuüben, man überhört die — nur noch sehr geringen — technischen Mängel. Jehuda Menuhin spielt mit dem Pariser Symphonie-Orchester das E-Dur-Violinkonzert von Bach. Weingartner dirigiert Beethovens ״Achte Symphonie“, das Lencr-Quartctt bringt beste Kammermusik. Kipnis, Schlusnus, Schmidt, Tauber, Gigli und Caruso, die Gailä-Curci und die Giannini, Frieda Hempel, die Onegin, Gitta Alpar und Martha Eggerth sind die Solisten eines Vokalkonzerts. Ein Tschaikowsky-Abend gelingt technisch völlig einwandfrei, bringt unter Mengelberg die 5. Symplionie, unter Stokowsky die ״Nußknacker-Suite“ und di« ״Ouvertüre 1812“. Eine Konkurrenz für unsere ausübenden Künstler!st von hier aus nicht zu befürchten, fm Gegenteil, diese Schallplatten-Konzerte werden anregend wirken, zum Vergleich erziehen, vielleicht sogar seminarartigen Charakter bekommen. Ihre Fortsetzung kann daher nur begrüßt werden. Manfred Geis liebtheit. Schließlich sind auch einige ganz neue Kult gerät« zu nennen, deren eigenartige Gestaltung einen beachtenswerten Fortschritt bedeuten. Auf diesem Gebiete eröffnen sich noch ganz neue Möglichkeiten, da gerade das .Suchen nach modernen Ausdrucksformen kultischen Gerätes ein interessantes Problem für Palästina bedeutet. Dr. Karl Schwarz, Schulen und Verständigung Wie uns aus Tel-Awiw berichtet wird, schreibt D. Kum• m elfe Id im ,,Dawar“: fn der ganzen Weit ist es üblich, daß die Landessprache und Heimatkunde die erste Rolle im Unterricht spielen. Diese Regel beruht auf dem Axiom, daß cs das vornehmste Ziel der Erziehung ist, die Schüler zu nützliehen Staatsbürgern heranzubilden. In Palästina haben wir politisch d r e i Landessprachen, ethnisch aber kommen nur zwei von ihnen: hebräisch und arabisch, 111 Betracht, und der Begriff der ״Heimatkunde“ müßte die Bräuche der Juden und Araber umfassen. Die palästinensische Regierung aber weicht von der allgemeinen Uebung ab: sie verlangt von den Schulen weder den Unterricht in den Landessprachen, noch den in der Heimatkunde. Wir Juden haben versucht, dem auf eigene Faust abzuhelfen, und so wird an unseren Mittelschulen Arabisch gelehrt, und die meisten Lesebücher enthalfen Lesestikkc zur Geschichte der Araber und über ihre Sitten. Aber die Araber gingen diesen Weg nicht. In ihrem Erziehungswesen weht ein anderer Geist, und so darf es uns nicht wunder nehmen, daß vom Erlernen der hebräischen Sprache bei ihnen nicht die Rede ist, und daß die Volkskunde der Juden in ihren Lehrbüchern keinen Raum hat. Kann die Regierung auch jetzt noch diesem Zustand gegenüber gleichgültig bleiben? Hat sie nichts aus den vergangenen Ereignissen gelernt? Kann sie die Roll« übersehen, die die arabische Schule bei diesen Vorgängen gespielt hat? Sie erklärt immer wieder, daß sie hier Frieden schaffen wolle. Gibt es dazu einen besseren Weg als die Einflußnahme auf die Erziehung? Hier hat die Regierung völlig freie Hand, denn sie ist der Hauntgeldgeber des Erziehungswerkes der Araber, und es ist nicht anzunehmen, daß die Einführung eines Pflichtfaches ernsthaften dauernden Widerstand finden wird. Wäre nur der Wille da! Die ״Rassco“ (Rural and Suburban Settlement Company) ist unseren Lesern aus mehrfachen Veröffentlichungen der letzten Zeit bekannt. Die Tatsache, daß die Rassco soeben anläßlich des Beginns des Auf haus der Zone 3 Ihrer landwirtschaftlichen Siedlung Herz I iah einen Prospekt herausgibt, gibt Veranlassung, wieder auf die Tätigkeit dieser Institution hinzuweisen, die die Aufgabe hat, für Einwanderer, denen eigene Mittel zur Verfügung stehen, landwirtschaftliche und städtische Siedlungen zu errichten, und deren Arbeit unter öffentlicher Kontrolle steht. Die Rassco besitzt in Herzüah ca. 600 Duuam, auf denen etwa 50 Familien angesiedelt werden sollen. Die Vorarbeiten sind sow eit vorgeschritten, daß sehr bald die Siedlungsstellen zum Vcrkauf angeboten werden können. Neben der voll-landwirtschaftliehen Ansiedlung werden dort auch eine Reih« von Hilfswirtschaften und Wohnparzellen errichtet. Die Gesellschaft besitzt ferner eine größere Fläche in Afule ttnd in Jokneam. Ferner bereitet sie im Anschluß an das bestehende Wohnviertel Kirjath Bialik in der Haifa Bay ein neues Wohnviertel vor, auf dem etwa 150 Häuser eirichtet werden sollen. Die soeben erschienenen, in hebräischer, englischer und deutscher Sprache abgefaßten und reichlich mit Bildern und Grundrissen aus gestatteten Prospekte geben genaue Auskunft über die Ziele und Bedingungen. (Da* Büro der Rassco befindet sich Tel-Awiw, 100, Alienbystreet.) (Schluß de« Pallstina-Teils)

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