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Jüdische Rundschau · 1936-12-08 · Heft 98 (8.12.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 98 (8.12.1936)
Date
1936-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9» 8. XII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Der Einwanderer, der hierher kommt, hat nur das eine Ziel im Auge: nicht nur sich selbst einzuordnen, sondern auch Möglichkeiten zur Einwanderung anderer Menschen zu schaffen. Ich möchte der Kommission ergebenst anheimstellen, einen Siedler in den Kolonien oder einen Arbeiter in der Fabrik zu fragen, und möchte behaupten, daß in neunhundert von tausend Fällen eine befriedigende Antwort erteilt werden wird. Sie alle werden eine Frage stellen: ob weitere Menschen nach ihnen kommen werden. Und diese Einwanderer haben nicht nur sich selbst eingeordnet, sondern haben auch Möglichkeiten für die Einordnung anderer ih größerem Maßsiabe geschaffen. Ich behaupte nicht, und könnte es auch nicht beweisen, daß sie dies unbegrenzt weiter tun können; wenn man jedoch von <ier Situation ausgeht, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat, so bieten die Aussichten in der Landwirtschaft, in Industrie, Handel und Gewerbe immer noch große Möglichkeiten für die Aufnahme der geeigneten Menschen. Und es ist unmöglich zu begreifen, wie man behaupten kann, daß die Baltour-Deklaration bedeutet haben soll, daß die iuden nur so weit und in solcher Anzahl nach Palästina ineingeiassen werden sollen, daß ihre Zahl die der Araber nicht überschreite. Sie sollen nach Palästina gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes hineingclasscn werden. Ich möchte hier feststellen, daß wir das Weißbuch von 1922 akzeptiert haben, obwohl es eine große Enttäuschung war, und daß wir unsere Tätigkeit in seinem Sinne geführt haben. Wir haben niemals Schritte getan, di« der in ihm niedergelegten politischen Linie zuwiderlaufen. Ich spreche natürlich von denjenigen, die für die Jewish Agency verantwortlich sind. Wir haben sogar das Prinzip der Aufnahme• Fähigkeit akzeptiert, das unserer Urundanschauung widersprach, denn Heimat ist etwas, wohin jeder zurückkehren darf. England kann z. B. voll besetzt sein, Belgien kann voll besetzt sein. Wenn aber ein Belgier vom Auslande nach seiner Heimat zurückkehrt, so wird man nicht fragen, ob er noch in den Rahmen der Aufnahmefähigkeit des Landes fällt oder nicht. Jedoch, wie ich schon sagte, wollen wir nicht über dieses Prinzip streiten. Wir akzeptieren das Prinzip der Aufnahmefähigkeit. Dieses Prinzip muß jedoch in gebührender Weise nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten interpretiert werden, wobei stets in Betracht zu ziehen ist, daß nichts, was wir tun, die Situation der Bevölkerung dieses Landes schädigen würde. Hinsichtlich der Qualität der Einwanderer, die wir ins Land gebracht haben, ist zu bemerken, daß sie Ln gewissen Kreisen Englands als der ״Abschaum Europas“ dargestellt werden. Es steht mir nicht an, die Menschen, die wir ins Land bringen, anzupreisen; die Kommission _ hat das von ihnen Geleistete gesehen und wird es weiterhin noch sehen und in der Lage sein, selbst darüber zu urteilen. Ich möchte aber nur das eine sagen: Wenn diese jungen Leut« der Abschaum Europas sind, dann will auch ich mich dazu zählen lassen. Und bevor ich zum Schluß komme... Lord Peel: Sie haben reichlich Zeit. Das arabische Problem Dr. Welzmann: Ich würde gerne für einen Augenblick zur arabischen Frage zurückkehren: Wir sind uns dessen bewußt, daß die Araber durch die Ergebnisse des Krieges vielleicht wirklich nicht zu 10Q Prozent befriedigt wurden, aber wenn ich es richtig verstehe, betrafen die Regelungen bei Kriegsausgang das arabische Problem a I s 1 a n z e s und nicht gerade diesen oder jenen Ort, und die arabische Nation ging aus diesem Kriege mit dem Besitz von drei Königreichen hervor: Hedschas, Irak und Transjordanien: das ist vielleicht nicht alles, was Menschen wünscheu mögen, aber wer in dieser Weit erhält all seine Wünsche befriedigt! Wir haben nur dieses Land zur Arbeit, nicht einmal das ganze. Ich dachte, die alte Tradition einer Zusammenarbeit von Juden und Ara• bern, die Europa soviel in Spanien gegeben hat, als die Juden gemeinsam mit den Arabern arbeiteten, und diese Zusammenarbeit es ihnen ermöglicht hat, in den dunklen Zeiten des Mittelalters Wissenschaft, Kunst und Philosophie nach Europa zu bringen — ich dachte, daß jene alte Tradition der Zusammenarbeit weiter dauern und uns helfen könnte, einen Ausweg zu finden. Bis jetzt hatten wir damit keinen Erfolg. Aber ich bekenne, daß ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe. Ich habe Transjordanien erwähnt. Ich möchte dazu nur eine Bemerkung machen, wobei ich darauf hinweise, daß weder ich noch ein verantwortungsbewußter Jude in eine Diskussion über den gegenwärtigen politischen Status Transjordaniens eiuzutreten beabsichtige. Niemand denkt im Moment daran, irgendeine Aenderuug zu verlangen. Ich muß jedoch die Kommission darauf aufmerksam machen, daß zur Zeit, als die Balfour-Deklaration gegeben wurde und noch fast fünf Jahre danach, als wir tatsächlich mit der Arbeit begannen, Transjordanien ein Teil von Palästina war. Aus Gründen, auf die ich nicht näher einzugelien brauche und die nicht zu meiner Sache gehören, hielt mail es für klug, es abzutrennen. Es ist etwas bitter für 11ns, daß man das nun gegen uns aus spielt und sagt, Palästina sei ein kleines Land und Wir schaffen ihm eine weitere Ueberbevölkerung. Eniwic klungs-Maglichkeiten Ich gestatte mir, Ew. Lordschaft und die Mitglieder der Kommission darauf hinzuweisen, daß die Möglichkeiten einer weiteren Entwicklung meiner Ansicht nach sehr bedeutend sind. Alles hängt davon ab, wie man eine Sache misieht. Ich habe eine Definition des Begriffes ״kultivierbares Land“ gelesen. Ich brauche nicht näher auf sie einzugehen, da ich gesehen habe, daß die Kommission gestern ziemlich ausführ- Reh darüber verhandelt hat. Sanddünen sind kultivierbares Land, wenn man dort Wasser bohren kann. Kann man es nicht, dann bleiben sie unkultivierbar. Durch unsere Erfahrangen sind wir imstande, auf zwei Landstrecke 11 hinzuweisen, die noch kultivierbar gemacht werden könnten, stets ohne Beeinträchtigung der Interessen der bereits vor der jüdischen Kolonisation ansässig gewesenen Bevölkerung. Der Hule-Sumpf, seit 1800 Jahren liegt er wüst da — ein Seuchenherd Palästinas. Heute ist er ein ״kultivierbares Gebiet“. Ich hoffe, wenn in ein oder zwei Jabren einige Mitglieder der Kommission zu einem gewöhnlichen Besuch nach Palästina kommen, werden sie die Verlndernng sehen können, die dann in diesem Gebiet durchgeführt sein wird. Wir hoffen, dort Raum für mindestens 201p Familien zu schaffen. Wir müssen Neuland schaffen. Es ist nicht wie in Kanada oder in Südafrika, wo es weite Räume gibt. Hier muß man sie erst schaffen. Ich denke, es ist vielleicht gut für uns, daß wir sie weiterhin schaffen müssen, und ich glaube, es ist möglich. Die genauen Tatsachen und Zahlen hierzu werden Ihnen vorgelegt werden, einige von ihnen besitzen Sie bereits. Ich glaube, alles hängt hier von einer dynamischen Entwicklungs- Politik ab, die durch die Palästina-Regierung eingeschlagen werden sollte. Ich bin der Kommission wolil eine Antwort darüber sciuldig, weshalb wir eine verhältnismäßig kleine Zahl von Siedlungen auf dem Lande haben. Von der jüdischen Gesamtbevölkerung gibt es rund 55 000 Siedler, d. h. Juden, die mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt sind. Die Zain der Juden, die von der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency auf dem Lande angesiedelt wurden, beträgt 4200 Familien. Der Prozentsatz ist in den letzten paar Jahren geringer geworden, weil die Immigrationswelle mehr in die Städte floß. Landwirtschaftliche Siedlung ist ihrer Natur nach eine schwierige und langsame Sache, aus ökonomischen Gründen. Sie erfordert, um erfolgreich zu sein, beträchtliche Mittel und, wie ich bereits sagte, «ine staatliche Organisation. Die Regierung sollte zur Förderung dichter Ansiedlungen auf dem Land eine dynamische und positive Politik «inschlagen; ich sage dies, ohne die Palästina-Yerwaltung kritisieren zu wollen. Alle kolonisatorische Arbeit geht natürlicherweise langsam vor sich. Eigene Arbeit Ein Wort zur Arbeiterfrage. Wir haben uns bei unserer Arbeit von dem Prinzip leiten lassen, daß alles,, was wir tun und schaffen, durch unsere eigenen Hände getan wird. Wir haben das Gefühl, daß man eine Sache nur besitzt, wenn man sie mit eigener Hand aufbaut. Hier in Palästina war dazu eine Gelegenheit, wie sie uns niemals in irgendeinem anderen Land geboten wurde. Durch historische Entwicklung kamen wir von Land zu Land, immer kamen wir in ein Land erst, wenn es bereits aufgebaut war. Wir mußten uns in die Poren eines Organismus eindrängen, der bereits geschaffen war. Das zwang uns, eine Existenz zu führen, die man als ״parasitär“ bczeichnetc, da wir kamen, wenn alles bereits fertig war. Hier haben wir eine Gelegenheit, von den ersten Anfängen an neu zu schaffen. Da waren Sandwüsten, die wir in Kulturland umformen mußten. Es gab keine Häuser. Wir hatten sie zu bauen. Es gab keine Straßen. Wir mußten unsere eigenen Straßen bauen. Wir mußten alles mit unseren eigenen Händen bauen, und deshalb messen wir das größte moralische Gewicht der Tatsache zu, daß Juden die ganze Arbeit selbst tim und nicht wie Aufseher herrschen, um die Handarbeit dem Araber zu überlassen. Ich bin dankbar dafür, daß all das getan wurde, daß alles, was Sie sehen werden, durch die Arbeit von Juden ausgeführt wurde. Im Zusammenhang damit möchte ich gern einem Vorwurf entgegentreten, der uns sehr oft ins Gesicht geschleudert wird, nämlich, daß wir in den zionistischen Siedlungen keine arabischen Arbeiter beschäftigen, ich möchte darauf zunächst antworten, daß wir überhaupt keine Arbeiter beschäftigen. In unseren Siedlungen herrscht zumeist Selbstarbeit. Lohnarbeit wird nur in sehr geringem Maße verwendet. Der Siedler hat ein Stück Land, das er mit seinen eigenen Händen und denen seiner Familie bearbeiten muß. Betrachtet man die Arbeit in Palästina als Ganzes, so kann man drei verschiedene Sektoren unterscheiden; den arabischen, den jüdischen und den Regierungssektor, der zwischen ihnen steht. Im arabischen Sektor gibt cs keine Juden. In dem Regierungssektor gibt es eine gewisse Anzahl von Juden — eine sehr kleine Anzahl, wie ich leider sagen muß; die Zahl der darin beschäftigten Arbeiter ist zwar im Ansteigen, bleibt aber immer noch hinter dem zurück, was uns auch nur gemäß unserer Bevölkerungszahl in diesem Lande zukommt. Lord Peel: Was meinen Sie mit ״gemäß unserer Bevölkerungszahl“? Dr. Welzmann: Bei öffentlichen Arbeiten sollten etwa 30 0/0 jüdische Arbeiter beschäftigt werden, d. h. bei öffentliehen Arbeiten, die durch die Regierung durchgcführt werden. Lord Peel: Worauf basiert dieser Prozentsatz? Dr. Welzmann: Er basiert auf unserer Bevölkerungszahl In diesem Lande. Ich spreche nicht davon, was wir zu den Einnahmen der Regierung beisteuern, sondern nur von unserer Einwohnerzahl. Unser Anteil an den Steuereinkünften ist •weit größer als cs unserer Zahl entspricht. Aber das will ich nicht in Anspruch nehmen, Unser Anteil an den Regierungsarbeiten ist geringer als das Verhältnis unserer Einwohnerzahl zur Gesamtbevölkerung, er ist im Anstieg, aber dieser Anstieg vollzieht sich unter beträchtlichen Kämpfen. Im Regieruiigssehtor erhalten wir also nicht Beschäftigung gemäß unserer zahlenmäßigen Stärke. Der einzige Sektor, der für uns bleibt, ist also unser eigener. Nun kann man diesen auch wieder in zwei einteilen. Wenn ein Jude kommt und eine Möbelfabrik oder eine Zementfabrik errichtet, oder wenn ein Jude eine Orangcnpflanzung anlegt, so wird dabei eine beträchtliche Anzahl von Arabern beschäftigt. Vor den Unruhen betrug die Zahl dieser Araber, wenn ich nicht irre, 6000 bis 7000. In der Zementfabrik, den Potashwerkcn, wie auch in anderen Unternehmungen werden Araber in beträchtlicher Anzahl beschäftigt. Der einzige Teil unserer Wirt- Schaft, in dem keine Araber beschäftigt werden, sind die jiidisehen Kolonien, die wir seit dem Kriege geschaffen haben. Wir befinden uns dabei in einer sehr schwierigen Lage. Wenn wir keine arabischen Arbeiter beschäftigen, wirft man uns vor: ״ihr kommt in ein Land und verwendet nicht die Arbeiter des Landes.“ Beschäftigen wir arabische Arbeiter, so sagt man uns — und das stand in der arabischen Presse —: ״So sind sie! Sie kommen hierher, und die wirklich schwere Arbeit wird von uns getan. Sie sind einfach unsere Oberherren.“ Unseren eigenen Aufbau müssen wir selbst vollbringen. Ich erwähnte noch nicht, daß diese verschiedenen Sektoren, insbesondere der jüdische und der arabische, wie hermetisch voneinander abgeschlossen sind. Das hängt von der allgemeinen politischen Situation ab, welche die Kommissian jetzt untersucht, Fallen die Scheidewände zwischen diesen getrennten Teilen, so werden wir, hoffe ich, auch Araber finden, die Juden in größerer Anzahl beschäftigen werden, Lord Peel: Könnten Sie uns vielleicht s.\gen, wie lange Sie noch ungefähr zu Ihren Ausführungen brauchen? Dr. Weizmann: Ich bin tatsächlich am Ende meiner Ausführungen in öffentlicher Sitzung, aber ich werde sie in einer geschlossenen Sitzung ergänzen. Jüdische Beschwerden Zu meinem Leidwesen muß ich der Kommission gestehen, daß wir eine lang« Liste von Beschwerden haben. Wir bringen diese Beschwerden nicht etwa vor, weil wir Kritik um der Kritik üben wollen. Wir wissen, daß die Regierung etwas für uns getan hat. Wir wissen, daß wir überhaupt in diesem Lande sind dank der britischen Regierung und ihrer Organisation hier im Lande. Trotz der Kritik, die wir von Zeit zu Zeit hören, glaube ich, daß tief im Herzen jedes Juden ein Gefühl der Dankbarkeit vorhanden ist, daß es eine Nation gibt, die uns die Möglichkeit geschaffen hat, unser Werk zu vollbringen; wir können jedoch unsere Augen nicht verschließen vor einer großen Anzahl von Unterlassungen, — einer großen Anzahl von Dingen, die hätten getan werden können zugleich im Geiste des Mandats uad, wie ich glaube, für das allgemeine Wohl Palästinas. Von Zeit zu Zeit haben wir der Mandatskammission von uns vorbereitete Berichte unterbreitet, — Jahresberichte. Unser letzter Jahresbericht gibt mehr oder weniger eine Liste unserer Beschwerden. Unsere Hauptbeschwerde Ist jedoch, daß die Regierung bisher keine aktive dynamische Politik zur Förderung des jüdischen Nationalheims eingeleitet hat. Ich glaube sagen zu können, daß die Regierung nicht genug für die Araber getan hat, und ich möchte dabei klar unterscheiden zwischen der Periode der letzten vier Jahre und den zwölf Jahren, die vorhergingen. Ich meine, eine zufriedene arabische Bevölkerung — ich weiß nicht, ob wir jemals einen idealen Zustand dieser Art erreichen können — sollte imstande sein, zu sagen, daß etwas für sie getan worden ist, und das würde auch die allgemeine Sicherheit im Lande erheblich bessern. Die Regierung hat einen Plan für die Einführung der S e 1 b s t v e r w a 11 u n g in Vorschlag gebracht, den Anfang von Selbstverwaltung in diesem Lande. Sie wollte einen Legislative Council errichten. Wir erhielten die Möglichkeit, das Wesen dieses Planes keniienzulernen, und wir haben ihn abgelehnt. Wir waren zur Ablehnung gezwungen, weil wir den Vorschlag für vorzeitig hielten. Er würde riatürlicher gekommen sein, nachdem das Land in der munizipalen Selbstverwaltung genügend erzogen worden wäre. Wir glaubten, daß in der Form, die er annehmen würde, die arabische Bevölkerung (die früher einen ähnlichen Vorschlag abgelehnt hatte), ihn dazu verwenden würde, um dem Aufbau des Nationalheims weitere Hindernisse in den Weg zu legen. Aber ich möchte sagen, daß vielleicht die Hoffnung besteht, daß es der Royal Commission gelingen wird, Bedingungen zu formu- Iieren — ich weiß, daß das eine große Zumutung ist — unter denen Selbstverwaltungskörper und insbesondere ein Gesetzgebender Rat geschaffen werden können. Eine schwierige Aufgabe liegt vor der Roval Commission. Sic ist zu einer Zeit gekommen, zu der die Aussichten für die Juden dunkler sind, als sie es je gewesen. Meine Hoffnung und meine Wünsche gehen dahin, daß es ihnen gegeben sein möge, den Ausweg zu finden. Lord Peel: Eine der Fragen, die wir gern an Sie richten möchten, ist, was Sic für die tiefer liegenden Ur- Sachen der Unruhen halten. Dr. Weizmann: Ich mochte dar öfter lieber in geschlosscner Sitzung sprechen. Lord Peel: Wir haben erst jetzt dieses Buch (gemeint ist die als öraubuch von etwa 300 Seiten gedruckte 1 )cnkschrift der Jewish Agency. — A. d. Red. ״J, R.“) erhalten, und ich denke, es ist besser, wenn wir erst die Gelegenheit halten, es durchzuarbeiicn. Dr. Weizmann: ich fürchte, wir werden Sie mit noch mehr Material belasten, Lord Peel: Wird es noch ein Buch wie dieses sein? Dr. Weizmann: Nein. Lord Peel: Ich würde gern noch Fragen an Sie richten, ich fürchte, sehr viele Fragen, aber wir möchten zuerst dieses Buch durcharbeiten. Es könnte nicht vor Montag sein. Dr. Weizmann: Ich stehe Ihnen jederz.cit zur Verfügung. Lord Peel: Ich danke ihnen sehr, (Damit war die öffentliche Sitzung beendet. Am 26. November machte Weizmnnn bekanntlich noch weitere Aussagen in einer geschlossenen Sitzung der Kommission.) Zur Lage In Polen Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, sprach in New York in einer Pressekonferenz über die schwere Notlage der Juden in Polen. Man müsse mit der Tatsache rechnen, daß eine Million Juden in Polen der Gefahr der Aushungerung ausgesetzt sind. In Lemberg ist es am letzten Freitag abermals zu judenfeindlichen Ausschreitungen nationalistischer Studenten . Hörer aus den Vortragssalcn hinausgeworfen. Im Anatomischen Institut wurden* fünfzehn jüdische Studenten erhe bl ich verletzt; einer wurde in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Der Stadtrat von Wilna hat einen Antrag der jüdisehen Stadtverordneten, eine Summe von 00:K) Zloty zur Unterstützung der Opfer der letzten Judenfeindliehen Ausschreitungen zu bewilligen, ahgdehnt. — Der antisemitische Student Sergej Levred ist wegen Teiliiahme an judenfeindlichen Ausschreitungen zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden. hbnbschmj ,M . * i

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