Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 98 (8.12.1936)
- Date
- 1936-12-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 SfPjjpSlp ״» ■י! JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 98 8. XII. 1936 Weizmann vor der Kommission (Fortsetzung von Seite 2) Dr. Weizmann: Balfour wollte, als ich das Vergnügen hatte, seine Bekanntschaft zu machen, den Grund unserer damaligen Ablehnung verstehen. Als ich ihm sagte, daß cs nicht Palästina ist und es nie werden kann, da begriff er. Hfer sind wir. Das ist unser Schicksal. Sir Morris Carter: Sie sagten, das jüdische Problem sei in zwei Teile geteilt. Der erste Teil umfaßte «las Problem der Heimatlosigkeit. Dr. Weizmann: Das erste ist das Problem der Landlosigkeit, das zweite das der Bedeutung der Juden der Welt gegenüber. Lord Peel schlügt eine Pause von fünf Minuten vor, Sir Morris Carter: Nur eine Frage möchte ich zuvor stellen. Sie erwähnten den I. Zionistcnkongrcß. War das im Jahre 1887? Die Baifour-Deklaration Dr. Weizmann: Nein. 1897. Die Balfour-Deklaration wurde von S. M. Regierung am 2. November 1917 erlassen. Ich habe bereits versucht, die Oriinde zu erklären, die zur Baifour-Deklaration geführt haben: die Lage der Juden in der Welt und ihre Verbundenheit mit Palästina, von der, wie ich glaube, die britischen Staatsmänner zur Zeit der Abgabe der Deklaration sehr wohl Fcnntnis hatten. Es wird manchmal behauptet, sie sei ein Dokument von etwas einseitiger Natur, irr Kriegszeiten erlassen, eine Kriegsmaßregcl. Ich habe eine zu hohe Meinung von britischen Staatsmännern, als daß ich ihnen eine derartige Maßnahme Zutrauen könnte. Es war ein feierlicher Akt, eine Zusicherung an ein altes Volk, das sich in einer Lage befand, wie ich sie bereits dargestellt habe; ein solcher Akt sollte nicht als eine Kriegsmalhiahine angesehen werden, die nur für eine begrenzte Zeit dienen mag׳, und die nach Beendigung׳ des Krieges ihren Wert verlieren soll. Ich bin nicht dieser Meinung, und niemand kann wirklich so denken. Auf englischer Seite wußte man, daß cs sich um eine E r k 1 ä r 11 11 g v o n g r ״ ß ז e r T r a g w eite handelte. Es gab Schwierigkeiten, und dennoch entschloß man sich zur Abgabe dieser Erklärung. Sie wurde — ich glaube, daß ich aus einiger Kenntnis der Dinge davon sprechen kann — nicht leichtherzig abgegeben. Sie wurde diskutiert. Der endgültige Wortlaut wurde von dem Kabinett, obwohl cs damals außerordentlich beschäftigt und von den Sorgen des Krieges geplagt war, sehr ernsthaft beraten, und cs wurde ihm erhebliche Zeit gewidmet. Es bedeutet eine sehr flache Auffassung, wenn man meint, tlaß S. M, Regierung diesen Schritt nur getan habe, um sich die S_v inpathien der reichen Jude!! in Amerika und England während des Krieges zu sichern. Nach allem, was ich weiß, mag dies eine Nebenwirkung dieses Dokumentes gewesen sein; es wird jedoch die Kommission interessieren, fest/.ustellen, daß ■die reichen Juden, b/w. das, was man die reichen Juden nennt, damals in ihrer überwältigenden Mehrheit sich der Baifour-Deklaration widerset/ten. Lord Peel: In England? Dr. Weizmann: Jawohl, in England und in Amerika. Zum Beweis möchte ich erwähnen, daß im Juni 1917, einige Monate vor der Veröffentlichung ■der Deklaration, in der ״Times“ ein Brief erschien, der die Unterschriften der füllrenden englischen Juden, alles ehrwürdige Namen, trug, und in dem diese ihre Abneigung gegen jeden derartigen Schritt in entschiedener Weise zum Ausdruck brachten. Ich war damals von England abwesend; die Regierung hatte mich mit irgendeinem Aufträge nach Gibraltar gesandt, und in Dover bekam ich die ״Times“ 11! die Hand und sah dort den Brief. Und gerade dieser Brief war es, der zu einer neuerliehen, sehr langwierigen Diskussion führte. Die Deklaration wäre bei normalem Verlauf der Dinge zweifellos bereits im Juni herausgekonimen. Dieser Widerstand der führenden engfischen Juden jedoch gab die Veranlassung, daß die Kab i n « 11 s m i t g 1 i e d e r das Grundprinzip der Dek 1 a r a t i o n n o c h einmal prinzipiell i n E r w ä - gung zogen und tatsächlich den Wortlaut des Dokumentes selbst veränderten. Aus dieser Diskussion ging schließlieh die Deklaration in ihrer heutigen Form hervor. Es kann also in keiner Weise behauptet werden, daß sie nur ein Akt der Kriegspropaganda gewesen sei; sie war vielmehr ein wohlbedachter und, ich glaube, der langen Tradition würdiger Schritt, ein Schritt, hinter dem der teils romantische, teils religiös bestimmte Wunsch des britischen Volkes stand,, zu seinem Teil bei der Lösung eines sehr dornigen Probleme« zu helfen. Dies •war zu einer Zeit, als wir alle hofften, aus dieser Welt von Blutvergießen und Kummer werde eine bessere Welt erstehen -- eine Welt des Friedens, der Glückseligkeit und des Schutzes auch für dem Schwachen, eine Weit, die auch dem Volke einen Gedanken widmen wurde, das zwar reiche Volksgenossen besitzen mag, das jedoch zu den schwächsten und aniwten unter den Völkern Europas gehört. Was bedeutete die B a i f o 11 r - D e k 1 a r a t i o n? Sic bedeutete etwas ganz Einfach.es in damaliger Zeit — ich sage dies mit Bedacht. Sie bedeutete; ״Judäa für die Juden.“ Ich könnte der Kommission eine Reihe von Aeuflertmgen verantwortlicher Staatsmänner sowie von Menscheu in allen Lebenslagen in England vorlegen, die sämtlich dieses Dokument als eine ״Magna Charta“ für das jüdische Volk bezeichneten. Kerner wurde es in einem gewissen Sinne mit einem anderen Dokument verglichen, das vor Tausenden von Jahren ausgestellt wurde, als Cyrus einer bestimmten Zahl dieses Volkes, nämlich den Juden von Babylon, die Erlaubnis gab, zurück/ukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Wir veranstalteten eine große feierliche Versammlung im Opernhaus in London, bei der Lord Ce eil die Erklärung abgab: ״Arabien den Arabern, Judäa den Juden, und Armenien den Armeniern.“ Obwohl nun diese Voraussage nicht in allen Teilen verwirklicht worden ist, haben wir dennoch unser Vertrauen auf das gesetzt, was Großbritanniens Staatsmänner uns über ihre Bedeutung sagten. Sie bedeutet ein Nationafhefm, wobei ״National“ bedeutet, daß die Juden die Möglichkeit haben sollen, als ״Nation“ in Palästina zu leben, während ״Heim“ bedeutet, daß sie nicht in der Fremde leben und leiden müssen. Ich brauche Engländern wohl nicht zu erklären, was das Wort ״Heimat“ bedeutet, und was es — für uns wie für die Welt — nicht bedeutet. Die Bedeutung der Deklaration war klar, und die Juden in der ganzen Welt, in den Schützengraben, in den von Pogromen verheerten Teilen Rußlands, ubcltcn ihr zu. Zehntatisendc von Juden setzten sich vom lause des Konsuls in Ödes s a aus in Marsch, sie schilttoten vor dem einen Vertreter der britischen Regierung, den sie niemals gesellen hatten, von dem sie niemals hörten, dessen Sprache sie nicht sprechen konnten, ihr Herz aus. Sie spürten, daß hier etwas geschehen war, womit uns nach zweitausend Jahren endlich einmal ein Ruheplatz gegeben wurde. Ich kann die Kommission lediglich verweisen auf alle die unzähligen Zeitungsartikel in England und Ainorika, während andererseits die deutsche Regierung, wie wir später erfahren haben, sich bemühte, unseren Vertretern in Deutschland klar zu machen, daß sie selbst die jüdischen Palästiriabestrebungen fördern wolle. Weder «las englische Volk noch irgendeine andere Nation haben darin eine Art billiger Kriegspropaganda gesehen, denn für die reichen Juden, von denen man Hilfe erwarten konnte, war die Deklaration bedeutungslos, und die armen Juden hatten nichts zu geben. Die Deklaration bedeutete, wie ich damals sagte, einen jüdischen Staat, und als ich ganz unvermutet auf der Friedenskonferenz gefragt wurde: ״Was verstehen Sie unter einem ״lüdischen N'ationalhcim“, habe ich dieses folgendermaßen definiert: ״In Palästina soll etwas geschaffen werden, was so jüdisch ist, wie England englisch.“ Selbstverständlich haben wir dabei in Betracht gezogen — und unsere Lehrer und Wegweiser in jener Zeit, die britischen Staatsmänner, haben uns dies wiederholt gesagt —, daß in der Baifour-Deklaration eine gewisse Tendenz enthalten sei, nämlich, daß nichts geschehen solle, was zu einer Verletzung der Interessen ■der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina führen würde. Nun, ich muß es der Kommission überlassen, nachzuforschen, und zu versuchen herauszufinden, ob wir im Verlaufe der letzten 60 Jahre irgendetwas getan haben, wodurch in irgendeiner Weise die Lage der nichtjüdischen Bevölkerung beeinträchtigt worden wäre. Ich gehe sogar noch weiter: Die Baifour-Deklaration bestimmt, daß die bürgerliehen und religiösen Rechte der nichtjüdtschen Bevölkerunß nicht angetastet werden dürfen. Ich bitte die Kommission, diesem Satze die denkbar weitestgehende Interpretation zu geben — also nicht nur die eingeschränkte Interpretation bürgerlicher und religiöser Rechte, sondern eine Interpretation, so weitgehend wie die Kommission es nur wünscht — und ich glaube, ich kann vor der Kommission, vor Gott und der Welt erklären, daß mit Absicht oder unbewußt nichts getan wurde, die Lage der nichtjüdischen Bevölkerung zu beeinträchtigen. Im Gegenteil, wir haben indirekt der Bevölkerung des Landes Vorteile gebracht. Ich möchte sehr offen sein: wir sind nicht tim derentwillen ins Land gekommen. Wie kamen mit «ler Absicht, ein Nationalheim für das jüdische Volk aufzubauen, wir sind aber auch stolz und glücklich darüber, «lab wir die Möglichkeit hatten, dem Lande als Ganzem bedeutsame Vorteile zu bringen. Die praktische Aufbauarbeit Es verstrich, Mylord, nach dieser Deklaration eine gewisse Zeit, bis wieder Frieden in der Welt herrschte, unsicherer Frieden, und bis wir die Möglichkeit erhielten, aut Grund der Bestimmungen der Deklaration mit unserer Arbeit zu beginnen. Ich möchte der Kommission in Kürze schildern, wie die Bedingungen aussahen, unter denen wir dieses unser Werk anfangen mußten. Ich glaube, nachdem die Kommission Gelegenheit hatte, das Land in seinen Teilen kennenzulernen, wird man zngeben müssen, tlaß wahrschein• lieh niemals in der Geschichte der Z i v i I i s a - tion ein derartiges Werk von einer sozusagen privaten Körperschaft geschaffen worden ist. Eine Körperschaft, die keinen Staatsschatz, keine staatliche Regierung hinter sich hat — so begannen wir unser Werk, während unsere Rechte gefesselt war. Die russische Judenheit, die diesem unserem Ideal und unserer Tradition von Natur aus am meisten angepaßt war, war gebrochen, existierte nicht. Wie ich bereits erwähnt habe, waren die reichen Juden, insbesondere die des europäischen Westens, mit wenigen Ausnahmen diesem Ideal gegenüber entweder gleichgültig oder feindlich gesinnt. Von einer dieser Ausnahmen werden Sie wahrscheinlich gehört haben — Baron Edmond von Rothschild, der bereits unter der türkischen Herrschaft mit seiner Tätigkeit in Palästina begonnen hat. Mit der Ausnahme des Barons und ganz weniger weiterer Personen waren die mächtigen Juden entweder gleichgültig oder gegnerisch gesinnt. Um die Mittel für Einwanderung, Kolonisation, Bodenerwerb zu bekommen, mußten wir mit dem Sammelteller in der Hand zu den Juden der ganzen Welt, zu den armen Juden gehen, um von ihnen Beiträge zu erhalten. Es ist 1 r r e f ü h r e 11 d, wenn man meint, daß das, was in Palästina aufgebaut worden ist, das Werk der reichen Juden sei. Wenn wir von ״Juden“ sprechen, so stellt immer das Bild vor Augen, das man sich, wenn auch in ganz vulgärer Weise, von dem Juden macht — mächtig, krampfhaft, alles erraffend, was er erreichen kann. Diese Meinung ist meines Erachtens falsch, sogar in bezug aut die reichen Juden, feil kann vielleicht sagen, daß ich bei der Aufbringung eines guten Teiles der Kapitalien, die in dieses Land hineingesteckt worden sind, mitbeteiligt gewesen bin. Vom Jahre 1920 an bis zum heutigen Tage war ich oftmals in Amerika, einmal in Südafrika, unzählige Male in verschiedenen Teilen Europas, und ich weiß, daß diese Geldmittel von den armen und dem Mittelstände angehöiigcn Juden gegeben worden sind, und wir dürfen nicht vergessen, daß der arme Jude sehr a r m ist. Erst vom Jahre lc)29 an, seit der Bildung der Jewish Agency, ist Palästina etwas wie eine praktische Angelegenheit geworden; denn wenn der gewöhnliche Mensch von ״praktischen“ Dingen redet, so versteht er darunter Geld; Geld aber ist etwas weit Geringeres als das Ideal, die Opfer der Tausende und Abertausende, die bereit sind, auf den ersten Ruf zu kommen. Aber seitdem Palästina eine praktische Sache geworden ist, begann auch die Unterstützung von seiten des sogenannten praktischen Menschen. Anfangs jedoch hatten wir in einem Kleinen Lande zu arbeiten, das nach dem Kriege und vierhundertjähriger Mißwirtschaft verarmt, und zerrissen war. Oft sehen mich britische Beamte an, als möchten sie sagen: ״Der Dr. Weizmann ist gar nicht so übel; aber was hat er nur im Kopfe? Was kann man aus diesem kleinen Lande machen?“ im Jahre 1930 sagte Lord Passfield zu mir: ״Sehen Sie denn nicht ein, daß Sie dort nicht einmal für eine Katze Raum finden können?“ Nun, ich möchte nicht humoristisch werden, aber es hat seitdem so manche Katze hier Raum gefunden. Die Bevölkerung Palästinas hat seitdem um etwa 200 000 zugenommen. Dies waren die Bedingungen, unter denen wir beginnen mußten: keine Staatskasse, keine Geldmittel, leine Erfahrung, keine Berufsausbildung, nur ein zerbrochenes Volk, ein Volk, das jahrhundertelang entfernt von der Landwirtschaft gelebt hatte, fern von dem, was man in England unter Piomertum versteht. Wir hatten Kleinkrämer, Intellektuelle usw., und mit diesen begannen wir. Und nach Verlauf von 15 Jahren hatten wir den Anfang gemacht mit einer Leistung, auf die man, wie ich glaube, mit einem gewissen Respekt schauen kann. Aus dem Material, das ihnen von uns vorgelegt wurde, und dem Sic gewiß sorgfältige Aufmerksamkeit widmen werden, werden Sie unsere Leistungen in Tatsachen und Ziffern wirk, lieh ersehen können. Die jüdische Bevölkerung hat sich von einer Ziffer lim 55 000 gegen Ende des Weltkrieges auf eine Ziffer — wenn wir die amtlichen Angaben verwenden — vm! rund 400 000 in der Gegenwart vermehrt. Ich bin während des Krieges in Palästina gewesen. Ich hatte die Ehre, Lord Allenby attacliicrt zu sein. Ich habe die Sorte von Menschen gesehen, die hier meistens als alte Leute lebten, die hierher gekommen waren, um zu beten, zu sterben und den Vorzug zu genießen, im Heiligen Lande begraben zu werden. Unsere neuen Siedler jedoch sind zumeist Leute eines anderen Schlages. Wir haben eine gewisse Fläche Bodens erworben. Unsere arabischen Freunde sagen uns immer: ״Gewiß, was ihr bisher an Hoden erworben habt, mag noch nicht so viel sein —- aber was werdet ihr in der Zukunft noch erwerben?״ Heutzutage bilden die Basis des Nationallieimcs 400 000 Acres, in England, Amerika oder Kanada gibt es private Güter von beinahe ebensolchem Umfange. Die gesamte Bodenfläche, die im Laufe der letzten 60 Jahre von Juden erworben wurde, beträgt 1200 000 Dunatn. Sir Harold Morris: Wird sie nicht gewöhnlich mit 1600000 Dunatn angenommen? Dr. Weizmann: Ja, 1 600000 Dunam. Es wird auch behauptet, dal) aller guter Boden in den Besitz der Juden übergegangen sei. Ja, heute ist es guter Boden, und zwar deshalb, weil Schweiß und Blut unserer PiotüeTe und ein gutes Stück Geld in diesen Boden hineingesteckt worden sind. Vorher war es kein guter Boden. Es war eben der Boden, von dem die britischen Beamten im Jahre 1919 mir gegenüber sagten, daß man mit ihm nichts anfangen könne. Wenn man zu irgend jemandem früher von dem Boden gesprochen hätte, auf dem heute Tel-Awiw und Rischon-Ie-Zion gebaut sind, so hätte er gesagt: ״Nein, der Boden ist nicht gut; auf ihm kann sich kein Mensch ansiedeln.“ Nun, wir sind allen diesen Schwierigkeiten begegnet. Verhandlungen mit Arabern Bald nach der Veröffentlichung der Balfour-Deklaratioq und schon vorher kamen britische Staatsmänner mit Ver« tretern der Araber zusammen und versuchten, ihnen unsere Stellung klarzumachen. Die Schwierigkeit, der man damals zu begegnen hatte, und unglücklicherweise auch jetzt noch begegnet, besteht darin, daß es sehr wenig Araber gibt, die wirklich mit votier Autorität im Namen des arabischen Volkes sprechen können. Damals gab es «ine hervorragende Persönlichkeit, Emir Feis a 1, den Obcrkoinmandicrcnden der arabischen Streitkräfte, die die rechte Flanke der Truppen Allenbys unterstützten. Aut Anregung von Lord Allenby begab ich mich in sein Lager. Ich setzte ihm freimütig unsere Bestrebungen, unsere Hoffnungen, Wünsche und Absichten auseinander. Ich kann nur eines sagen — und könnte es bezeugen, wenn nur ein Eid von mir meine arabischen Gegner überzeugen würde —: wir haben uns beide in vollkommener Uebereinstimmung gefunden. Dieses erste Zusammentreffen war nur der Beginn einer lebenslänglichen Freundschaft, die in der Folgezeit ihren Ausdruck irti Abschluß eines Vertrages fand. Genau genommen, war ich keine vertragschließende Partei; dennoch Unterzeichneten wir ein Dokument, welches die Grundzüge für die allgemeinen Beziehungen zwischen den Juden Palästinas und den Arabern Palä• lästinas festsetzte. Ich möchte hier vor der Kommission feststellen, daß sich diese Beziehungen, soweit wir in Frage kommen, nicht geändert haben. Dieser Vertragsabschluß erhält einen besonderen Charakter durch die Tatsache, daß die Rolle des Vermittlers, der die Verhandlungen führte und aktiv bei der Formulierung des Vertrages mitwirkte, der verstorbene Oberst Lawrence spielte, der gleichzeitig als Dolmetscher fungierte. Ich habe dem Auswärtigen Amt und anderen mit der Frage befaßten Behörden vollständige Kenntnis von allem gegeben. Es mag sein, daß wir in dieses Land als Menschen kommen, die man als Okzi dentalen ansicht. Wir waren eben zu stark und zu tief von unserem Werk in Anspruch genommen, das auf uns allen lastete. Und so mag es sein, daß wir nicht alles, was wir hätten tun können, getan haben, um hier unseren wirklichen Platz zu finden. Dies werden Sie beurteilen müssen; jedenfalls aber wurden bei allen Gelegenheiten Versuche von uns unternommen, sowohl hier wie in Damaskus, Kairo und Beirut, die Araber zum Verständnis unseres Standpunktes zu bringen, sie zu bitten, mit uns mitzuarbeiten, uns zu helfen. Dies« Hand wurde wiederholt ausgestreckt, und ist stets zurückgewiesen worden. Sie werden die von mir vertretene Organisation, sowie mich selbst und unsere Freunde stets freudig bereit finden, alles zu tun, wodurch wir der Royal Commission —• sofern sie unserer. Unterstützung bedarf — dabei zu helfen, eine Lik sung für diese dornigen Probleme zu finden. Aufnahmefähigkeit des Landes Ich habe nun meine einleitenden Ausführungen beendet und werde versuchen, unsere Absichten in prakt i s c h c r Hinsicht kurz zusammenzufassen. Die hauptsächlichsten praktischen Probleme sind für uns die der Einwanderung, der Bodenfrage und der Selbstverwaltung. Ich habe versucht, den Sinn in der Baifour-Deklaration zur damaligen Zeit zu erläutern und zu zeigen, wie sie in der Folgezeit in den verschiedenen Dokumenten gedeutet wurde, um eine angemessene Interpretation der Deklaration im Mandat und dem Weißbuch vom Jahre 1922 zu finden, welch letzteres eine Interpretation des Begriffes Aufnahmefähigkeit festlegte. Und es ist für jeden Juden unfaßbar, daß diese etwas anderes bedeuten könnte, als daß Juden so lange nach Palästina hineinkommeit könnten, als Palästina imstande sei, sie in sich aufzunehmen. Das tatsächliche Maß der Auf- 11 a h m e 1 a h i g k e i t kann von Zeit zu Zeit durch Stichproben, mit wissenschaftlicher Methode durch geführt, fest־ gestellt werden. Ich glaube jedoch, sagen zu können, daß diese Aufnahmefähigkeit in keiner Weise der Erschöpfung nahe ist. Es gibt, möchte ich sagen, in der Welt zwei Arten von Einwanderern, und ich habe festgestellt, daß gerade die Juden eine erhebliche Zahl von Einwanderern der ganzen Welt stellen. Es gibt einen Einwanderer, der dem Nächsten den Weg versperrt, und einen zweiten, der dem Nächsten den Weg freigibt. Den einen Typus findet man unter den Einwanderern, die z. B. nach Amerika wanderten, das waren Leute, die nicht allzu eifrig sich dafür cinsetztcn, daß weitere Personen der gleichen Kategorie riachkäincn. Sie schreckten vor der Möglichkeit zurück, daß das ungünstige Wirkungen haben würde. In Palästina ist das anders.