Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 98 (8.12.1936)
- Date
- 1936-12-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 8. XII. 1936 Ausstellung des Haschomer Hazair Praß, im De/cinbcr. (JTA.) In Mähriseh-Ostrau ist die erste ״Weltausstellung“ des Jüdischen Pfadfinder-Verbandes ״Haschomer Ha/air“ eröffnet worden. An der Eröffnungsfeier nahmen Dr. Pra/ak als Vertreter des Regierungsrates, F. Studnar von der Be/irksluuptinannsehaft, der Bürgerm cistcr der Stadt Mähriseh-Ostrau, Senator J. Chalupnik, Ahg. Dr. Chaim Kugel und Vertreter der Israelitischen Kultusgtmcincle sowie sämtlicher jüdischen Organisationen teil. Major Edmund K 1 i m e k verlas ein Begrüßungsschreiben, Elieser Reich (Mechawia) den Oruß der Wdtleitung. Dr. Josef R uf eisen wies im Namen des Zionistischen Zentralverbände« und des Ehrcnkomitces auf die erzieherische Aufgäbe des Haschomer Ha/air hin und forderte die Schomrim zu verstärkter Arbeit auf. A11 die Feier schloß sich eine Führung durch die Aus- Stellung, die anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Kibbuz Arzi des Haschomer Hazair in Palästina, des fünfzehnjährigen Bestehens der Bewegung in der Tschechoslowakei und tier Ansiedlung des ersten Kibbuz, der aus der Tschechoslowakei hervorgegangen ist, im Jordantal veranstaltet wurde. Der erste Teil der Ausstellung gilt der Geschichte der Bewegung, die 60 000 Mitglieder in 22 Ländern umfaßt, ln der Tschecho- Slowakei befinden sich 00 Gruppen mit 2300 Mitgliedern. Der zweite Teil zeigt die Arbeit der nach Palästina ausgewanderten Mitglieder im Rahmen des Kibbuz Arzi. Eine besondere Abteilung ist dem ersten slowakischen Kibbuz ״Ejn Hakorc“ gewidmet. Der Wiener Herzl-Forscher Dr. Tulo Nussenhlatt hat eine Herzl-Ecke arrangiert. Louis Lipsky, der bekannte Führer der amerikanischen Zionisten, feiert dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Lipsky ist einer der bekanntesten und bewährtesten Zionistenführcr, einer der wenigen, die schon in der Vorkriegszeit in engem Kontakt mit dem europäischen Zionismus standen. Er ist der unermüdliche Propagandist und Organisator innerhalb dos cngliscli-predietitien Teils der amerikanischen Judenhcit gewesen zu einer Zeit, als die Masse der amerikanischen Zionisten aus juklFrii^preehendcn Einwanderern bestand. Nach dem Kriege war Louis Lipsky als Vertreter der amerikanisehen Zionisten viele Jahre Mitglied der Exekutive der Zionistiseheii W eltorganisation. Er hat in den schweren Jahren nach ■dein Kriege die zionistische Bewegung Amerikas geführt und war stets ein treuer Anhänger der Politik Dr. V vi/mainis. Lipsky ist nicht nur zionistischer Organisator und jüdischer VolkMiiann, sondern auch ein ausgezeichneter Schriitstellcr. Viele Jahre war er der Leitartikler des amerikanisch-zionistisclun Organs ״The New Palcstine“, das unter seiner i eit 11!1״ eine große redaktionelle Entwicklung nahm. Seine schneidige und pointierte Art zu schreiben, vermochte die englNchsprcchendc amerikanische Judenhcit stark zu beeinflussen. Daneben aber ist Lipsky, dem man auf den ersten Blick seine musischen Liebhabereien gar nicht ansehen wurde, auch literarisch t.ätig, und als zu seinem 50. Geburtstag seine Freunde Lipskys gesammelt« Werke in drei dicker! Bunden herauspaben, erfuhr die weitere Oeffentlichkeit, daß dieser Mann auch Dramen und Gedichte geschrieben hat. Steht nun Lipsky an der Schwelle des siebenten Jahrzehnts, so hat er nichts an Popularität und Beliebtheit ein gebüßt, und zu seinem 60. Geburtstage werden ihm zweifellos nicht nur die Glückwünsche der amerikanischen Juden zuteil werden, sondern auch Wünsche und Sympathien aus allen Teilen der Diaspora, und imbesondere von seinen zionistischen Freunden. Dr. Kanowifz in Kopenhagen Empfang beim Ministerpräsidenten Von unserem Berichterstatter Kopenhagen, Ende November Der nach Skandinavien aus Palästina entsandte Dr. S. Kanowitz hat dieser Tage auch Kopenhagen besucht, wo anläßlich seiner Anwesenheit eine Reihe von zionistischen Aktionen unternommen wurden, deren Resultate auf propagaullistischem, kulturellem und nicht zuletzt auch auf dem finanziellen Gebiete überaus wirkungsvoll waren. Dr. Kanowitz gab den dänischen Zeitungen ein Interview, in dem er ein Bild von den Zuständen in Palästina nach den Unruhen entwarf, wobei die allgcmeinpolitischcn Aspekte voll zur Gelfunp kamen. Die meisten Zeitungen brachten die Informationen i!1 wirksamer Aufmachung. Dr. Kanowitz wurde zusammen mit dem Vorsitzenden des Zionistischen Einheitsverbandes Skandinaviens, B. S1 o r, von dem Ministerpräsidenten Th. Staun ing empfangen. Im Verlaufe der Audienz hatten die Herren dem Ministerpräsidenten einige Denkschriften überreicht und ihn über die zionistische Arbeit unterrichtet. Die Unterhaltung verlief sehr freundlich und lebhaft. ln einer geschlossenen Sitzung berichtete Dr. Kanowitz den Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde ausführlich über die wirtschaftlich-politische Situation in Palästina. Ein Vortrag in Verbindung mit der Vorführung des Films ״Das Land der Verheißung“ gewann weitere Schichten der dänischen Juden für die Sache des jüdischen Volkes in Erez Israel. Die Hauptvorträge hielt Dr. Kanowitz in der Loge und in einer öffentliehen Versammlung, die von der Zionistischen Vereinigung, dem Verein ״Misrachi“ und dem Jugendverein veranstaltet wurde. Die bildhafte Art des Vortrages von Dr. Kanowitz und seine suggestive Kraft, verbunden mit einer bestechenden Wärme des Herzens, jedoch realistisch, ohne Pathos und Phrasen, haben es vermocht, eine Brücke zu den Schichten zu schlagen, die bis dahin dem jüdischen Aufbauwerk fernstanden. So blich'der Erfolg nicht aus. Es wird nunmehr unternommen, von Dänemark aus in Palästina ein fertiges Maschinen werk zu installieren, etwa eine Mo'kereieinrichtung im Werte von etwa 50000 bis 60 000 Kr. Eine so groß angelegte Wirtschaftsaktion wird nicht verfehlen, auf die weitere Ausgestaltung der Handelsbeziehungen zwischen den beider! Ländern «inen guten Einfluß auszuüben. Dr. W. W. K.-K. Die Lage der algerischen Juden. In der rechtsstehenden französischen Zeitung ״L’Ordre“ entwirft Georges Zvaco ein düsteres Bild von der Lage der algerischen Juden. ״Seit 1870, dem Jahr, in dem die Juden die bürgerliche und politisehe Gleichberechtigung mit den Franzosen erhielten, während für die Mohammedaner ein Sonderregime geschaffen wurde, hat jeder Aufruhr in Algerien mit dem Ruf: ״Tod den Juden“ begonnen. Die Juden wurden als die Vorposten der französischen Eroberer angesehen. Um so leichter ist jetzt die Arbeit der politischen Agitatoren, die die Rankünen der Araher für ihre Zwecke ausnutzen wollen, und es ist ihnen ge- Iungcn, die heutige Pogromstimmung zu schaffen. Man hetzt dauernd zur Plünderung der reichen Juden, aber in Wirklichkeit lebt die Masse der algerischen Juden in tiefstem Elend. Das einzige erfreuliche Zeichen für die Zukunft sei die beginnende Annäherung zwischen der arabischen und der israelitischcn Jugend. Es entwickelt sich hier ein algerisches Nationalbcwußtscin; man erstrebt einen Zusammenschluß aller algerischen Bcvolkcrungsschichten, um eine Beteiligung aller Kreise am politischen Lehen durchzudrücken. Diesen Berichten sind noch die Mitteilungen über die Agitation hinzuzufügen, die zur Zeit von den radikalen französischen Rechtsparteien in Nordafrika durchgeführt wird. Diese Parteien, insbesondere die Parti Social Frangais (Ex Croix de Feu) und die Parti Populaire Franyais (Jacques Doriot) haben seit einiger Zeit Algerien zu einem der Hauptzcntrcn ihrer Agitation gemacht, was wesentlich zur Verschärfung der Span, nun gen zwischen den Bevölkcrungsklassen beigetragen hat. Die Rechtfertigung Prof. Gerlachs. Die ״Frankf. Ztg.“ vom 2. Dezember teilt die Gründe mit, mit denen die Schweizer Disziplinarinstanz die Entlassung Prof. G eplachs von der Universität Basel wieder auf hob. Dabei heißt es u. a.: ״An einem Uebungslager in Ucberlingeti habe Prof. •Gerlach nach seiner Bekundung lediglich Vorhaltungsmaßregcln schweizerischen, nicht nationalsozialistisehen und vor allem jüdischen Studenten gegenüber im Sinne der in der Schweiz üblichen Toleranz gegeben.... Eine Stellung zur Juden frage würde nach Ansicht des Gerichts erst dann problematisch, wenn Gerlach seinen jiidischen Schülern gegenüber sich unkorrekt verhalten hätte; ein solcher Fall sei aber nicht bekannt geworden.“ — Prof. Gerlach ist inzwischen a!1 eine rcichsdeutsche Hochschule berufen worden. Ein Mißverständnis. Die Zeitschrift ״N o r d 1 a n d“, Mag- •deburg, vom 1. Dezember 1936 bringt unter der Ueberschrift ״Sie werden ■deutlicher“ einen Artikel, der sich mit einem in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 59 abgedruckten Aufruf des ״Hcchaltiz“ befaßt. Die Zeitschrift ,,Nordland“ bezeichnet diesen Aufruf als einen Aufruf zum Kampf, und zwar zum ״Kampf um Alljuda“. In Wahrheit ist in dem Aufruf die Rede von dem ״Kampf um Ali jah“. Das Wort ״Alijah“ ist die hebräische Bezeichnung für die Einwanderung nach Palästina, und der ganze Inhalt des Aufrufes eine Aufforderung, angesichts der jüdischen Not gegen die von der englischen Regierung damals geplanten Beschränkungen einer Einwanderung nach Palästina zu kämpfen. Die Zeit- Schrift ״Nordland“ jedoch liest aus dem Aufruf heraus, daß die Unterzeichner ״um jeden Preis in Deutschland bleiben“ wollen und sich gegen den Wegzug nach Palästina wehren. Brand im Werkdorf im Wieringer Meer-Polder. In dem jüdischen Werkdorf im Wicringer Meer-Polder, in dem Jugendliche aus Deutschland landwirtschaftlich und handwerklich für ihre spätere Niederlassung in Palästina oder Ucbersee geschult werden, ist in dieser Woche ein Brand ausgebrochen. Das Verwaltungsgebäude wurde vollständig vernichtet. Dank dem raschen Eingreifen der Feuerwehr konnte es verhütet werden, daß der Brand auch die übrigen hölzernen Gebäude erfaßte. Der erhebliche Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Kreis-Seminar des Zionistischen Gruppenverbandes für Bayern. Am 28.-29. November versammelte sich in Re gensburg ein Kreis von ca. 40 Zionisten zu einem zionistisehen Seminar. Zunächst gab Dr. Richard Eisen einen Ueberblick über ״Grundfragen des nationalen Aufbaus Pa• lästinas“, an den sich eine lebhafte Aussprache anschloß. In einer Arbeitsgemeinschaft über ״Das Budget der Jewish Agency als Spiegel des gegenwärtigen Standes der zio• nistisehen Kolonisation“ wurden an den einzelnen Posten die Grundbegriffe und Grundfragen des Palästina-Aufbaus geklärt. Dr. J. Bamberg« r (Nürnberg) stellte das Pro׳■ blem ״Juden — Engländer —- Araber“ in seiner Entwicklung und gegenwärtigen Problematik dar. Fritz Oberndorfer (Nürnberg) behandelte in einer Arbeitsgemeinschaft die ״Pan• islamische und panarabischc Bewegung“. Das Seminar wurde durch eine Kundgebung ״Nach den Unruhen — neuer Aufbau“ mit dem neuen KKL-Bildstreifen abgeschlossen. VerkaufnurBerlin CI MOSSULl HERIS SCHIRASlSCHimHl HAMED&N K?Mfk1<sli52,|7״Z|l79Jy 89JI98.I AF6H1N 235״.-SCHIMS9*11־345* ־*», Winter-Ulster in fescher ausliihrunp 65-, 75.- Anzug aus guten, modernen MaßatOff&n angefertigt RM 108.— Anfertigung auch bei Stoffzugabe Frankenstein & Sohn, Herrenschneider W15, KurfUrstendamm 54-55 Verkauf von Herrenstoffen Siehe umstehende Seite/ Voru. Zuname Ort u. Bestellpostamt Straße u. Nr. Der Betrag von RM.. wird von mir auf das Konto . überwiesen. Nach Eingang soll die lieferung erfolgen, und zwar an: Voru. Zuname Ort u. Bestellpostamt Straße u. Nr. Von der Reise Jurfick: Dr. Heinrich Oppenheim Augenarzt Berlin, See.traBe 44 Dt 7123 Aerztl. Vertreter kassenzugelassen und Führerschein für Undpraxis, Januar 4—5 Wochent gesucht. Off. unter P 628 an die Anzeigen - Abt. der Jüd. Rundschau. 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