Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 97 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 97, 4. XII. 193» im allgemeinen trotz allen Schwierigkeiten, die man erkennt, im Prinzip durchaus positiv. Mit der gesamten jüdischen Wirtschaft hat sich die Industrie dem Angriff gegenüber, der in diesem Jahre zu bestehen war, als fest erwiesen. Mag auch das Tempo der Entwicklung etwas verlangsamt sein, die Entfaltung der Industrie erscheint auch für die nächste Zukunft dank der in ihr angesammelten Energien gesichert. Der arabische Boykott Für die jüdische Industrie wie für viele andere Zweige der Wirtschaft steht im Moment die Frage des von arabischer Seite proklamierten Boykotts im Vordergrund des Interesses. \X'as die Industrie selbst betrifft, so muß man bedenken, ilaii der niedrige Lebensstandard der arabischen Bevolkerung sie als Konsumenten stark einschränkt. Dazu kommt, daß die Verluste, die die Araber in den Monaten des Streiks erlitten liahen, sehr große sind, so daß dadurch eine weitere Schwächung ihrer Kaufkraft eingetreten ist, die sich einige Zeitlang auswirkt. Dennoch sind die Araber Palästinas und der umliegenden Länder als Abnehmer jüdischer Industrie- Produkte auch beute nicht völlig ausgefallen, zumal sie wichtige Erzeugnisse kaum anderswoher beziehen können. Dies gilt z. B. auch für Baumaterialien; allerdings ist die arabische Bautätigkeit sehr eingeschränkt. lieber die Haltung der Araber zum jüdischen Einzel- 11 a n d e I wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Man schätzt, daß in normalen Zeiten etwa 28 0'״ des Gesanitumsatzes des jüdischen Iletailhandels auf Araber entfiel. Diese blieben in der Unrulie/eit aus. Ein gewisser Ausgleich erfolgt;!Undings dadurch, daß englische Käufer, die sonst vorwiegend zu Arabern gingen, lüii/nkamen. Jetzt sind die Araber / um großen Teile noch nicht als Käufer wiedergekehrt, ohne daI) man diese Erscheinung mit der Boykottparole in Zusammenhang bringen muß. Ls dauert aber eine Weile, bis das Wi!־tschaftsleheii wieder in Gang kommt. Die Wirkung des Boykotts ist überhaupt sehr verschieden. So soll er 7, B. in S a f e d streng durchgeiulirt werden, während er in Jenmnlcm viel weniger spürbar ist. Stark leiden unter ihm die judiwhen Kim», teils weil der bastenmonat Ramadan die arabischen Besucher ternhult, teils weil diese sich furchten, die Kinos aut/usudien. Erhebliche Befund!Hingen bestanden im Ausland bei den am Import nach Palästina interessierten rinnen, daß die jüdischen Importfirmen den arabischen Markt nicht mehr erreichen konnten, so dal! dadurch der Umsatz mit Palästina zuriiekgcht. Ls wurden daher Projekte erwogen, das Ge- Schaft linier Juden und Araber zu teilen und arabische f innen mit tler Vertretung für den arabischen Wirtscliaftssektor zu beauftragen. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, da II von seiten der Araber eine entsprechende Agit a t i o n b c i ei e n;ו t! s 1 a n d i s c h e n Kons u! n durchgeführt wurde. Bisher scheinen bedeutendere Ergebnisse auf diesem Gebiete von ihnen nicht erzielt worden zu sein, und es ist zu hoffen, daß eine Beeinträchtigung der jüdischen Importcure nicht erfolgen wird. Geselliges Beisammensein mit englischen Polizisten Im ״Haare/" schildert M. Migd al einen Abend in einem Pavillon des Ausstellungsgelandes in Tel-Awiw unter englisthen Polizisten und ihren jüdischen Gastgebern: Die Polizisten erschienen alle in Zivil, es waren etwa 70 an der Zahl. Sie saßen etwas verlegen beieinander. Außer den wenigen anwesenden Polizeioffi/ieren war keiner über 30 Jahre alt. Lauter junge, frische sonnverbrannte Gesichter. Die jüdischen Gastgeber, etwa 30 Herren und Damen, wirkten älter und müder. Die meisten stammen aus England oder Amerika, einige aber auch aus Osteuropa. Auch sie saßen gesondert und waren etwas verlegen. Die Annäherung schien etwas schwierig. Der Tonfilm wirkte befreiend. Ls war ein einfacher heiterer L1I111, der den englischen Polizisten gefiel. Danach kam du.: Bewirtung, der die Gäste mit gutem Appetit /!!sprachen. Wahrend des IM.cns fiel die Scheidewand, und beide Teile versuchten miteinander ins (iespraclt zu kommen, f rcilich war das nicht, leicht, und ein Teil der Gastgeber fiel noch dazu aus, weil viele Damen mit der Bedienung bcscli.ift igt waren; denn es war kein Bedienungspersonal da. Man wurde doch warnt, tun! die Poliri.'teii forderten die anwesenden, Damen /um Tan/, auf, allerdings zu einem sehr steifen mit! förmliche 11 1 an/. I )ie Uespr.u he wurden fortgesetzt. Die <Liste schienen geradezu ein Verlangen zu haben, über sieh selbst zu erzählen. Augenscheinlich vermißten sie die Begegnung mit Menschen, mit denen sie in ihrer eigenen Sprache sprechen konnten. Die meisten v11״ ihnen sind erst seit kurzem im Lande. Viele können schon einige hebräische Brocke«, aber in den poli/eiktitseit in Jerusalem ist nur arabisch Pflichtfach, 1 ine merkwürdige Politik der Regierung, die auf solche Weise Polizisten für Jerusalem, Haifa, Tet-Awiw und die Kolonien aiisbiklet! Einige lernen privat von ihm! jüdischen Kollege!! 1!ebraiseli. Der Dienst in Tel- Awiw gilt hei den Polizisten als sehe. er. Hie Stadt ist zu lärmend und tempern ment voll. Man Kami liier schlecht mit englisch allem durchkonunen von arabisch nicht zu reden. Dafür gibt cs keinen angenehmeren Ort für die Freizeit als Tel-Awiw. Man findet nur schwer Anschluß an die Juden und noch schwerer an Jüdinnen. Die Juden schließen sielt Fremden gegenüber sehr ab und laden sie nicht ins Haus. Sie gleichen darin beinahe den Engländern seihst lieber Politik wurde nicht gesprochen. Wir konnten festste![en, daß die Bildungsstufe der englischen Polizisten nicht niedriger ist als die ihrer jüdischen Kollegen, manchmal sogar höher. Einige hatten Universitäten absolviert, andere hatten bei großen Firmen als Angestellte gearbeitet. Der Dienst bei der Polizei, besonders der gut bezahlte im Ausland, steht in England im Ansehen. Es gibt sicher auch Abentenrernaturen unter ihnen, aber im ganzen sind sie durchschnittliche Engländer, aufrichtige und höfliche Menschen mit festen Begriffen von gut und böse. ״Wir wollen gern mit Juden Zusammenkommen“, sagt einer, ״aber sie betrachten uns mit Mißtrauen. Das ist ein schwerer Fehler. Natürlich tragen die Verschiedenheit von Sprache und Sitten auch zur Entfremdung bei. Ich bin mehr als ein Jahr in Palästina und heute rum ersten Male unter Juden.‘* Beim Abschied sagte ein .Engländer zu mir: ״Wenn Sie einen englischen Polizisten treffen, so denken Sie daran, daß er nur ein einfacher junger Mensch ist, der sich in der Fremde befindet und sich nach einem guten Wort sehnt. Und kargt nicht damit.“ Solche Dinge sind im politischen Kampfe keine schlechtere Waffe als Artikel in der ״Times״. __ Ein Dementi Die arabische Zeitung ״Al-Liwa“ behauptet, Wdzmann habe in einer geschlossenen Sitzung der Kommission erklärt, die Regierung würde nur solche Empfehlungen der Kommission durchführen, die für die Juden günstig seien. Diese Behauptung entbehrt nach ״Palcor“ selbstvciständlich jeder Grundlage. Städtische Siedlungsfragen K.L. Jerusalem, im November Di« Entwicklung der Städte Palästinas ist in viel größerem Maße als die der Landwirtschaft ein Werk privater Initiative. Dies mag in der Natur der Sache liegen, ist aber auch von gewissen ideologischen Vorstellungen beeinflußt, die der Zionismus nach Palästina mitbrachte, und die die Städte zunächst etwas vernachlässigte. Dennoch darf der Einfluß der öffentlichen und halböffentliehen jüdischen Instanzen auf die städtische Entwicklung nicht übersehen werden. Sie haben hier — im Prinzip ähnlich wie auf dem Lande -- die Aufgabe der Erschließung und der Pioniertätigkeit auf Gebieten, für die die privaten Kräfte nicht ausreiclien oder die ihnen nicht lohnend genug erscheinen, obwohl sie im Interesse der Gesamtentwicklung erforderlich sind. Mit dem Beginn der abcssinischen Krise im vergangenen Jahre ist das Tempo der Stadtentwicklung, das sich besonders in der Bautätigkeit manifestiert, herabgesetzt worden. Die Kreditrestriktion seitens der Banken gab hierzu den Anstoß. Von dieser Entwicklung wurde nicht nur die rein private Bautätigkeit betroffen, sondern z. B. auch die Siedler in der Haifa-llay, die dort auf Boden des Keren Kajcmcth bauen. Allerdings hat dies eine Nebenfolge gehabt, die im Interesse der zukünftigen Arbeit durchaus erwünscht ist: Es hat sich ein Prozeß der Ausmerzung der Schwachen angebahnt, und an ihre Stelle beginnen kräftigere und damit gesichertere Elemente zu treten. Dieser Vorgang bedeutet zwar für Einzelfälle Schweres, muß jedoch vorn Standpunkt der Ge- Samtentwicklung aus positiv gemerkt werden. Die Unruhen selbst haben zu einer neuen Welle der Konzentration der Juden in ihren Stadtvierteln geführt. So ist z. B. in Haifa ein erheblicher Zuzug in die vorstädtischen Siedlungen der Haifa-Bay zu konstatieren, der sich besonders auch auf Kleinbetriebe erstreckt, die bisher in arabischen Vierteln waren. Dieser Prozeß der Umsiedlung von Betrieben, der auch in den anderen Städten Palästinas zu spüren ist, hat naturgemäß die Investierung gewisser Kapitalien erforderlich gemacht, und die jüdischen Kreditinstitute des Landes haben diesen Vorgang durch Bereitstellung von Krediten ihrerseits ermöglicht. Die Bautätigkeit hat dadurch einen Antrieb erfahren. Der Keren Kajcmeth hat in den ihm zur Verfügung stehenden städtischen Siedlungsgebieten eine Reihe von öffentliehen Arbeiten durchgeführt bzw. eingeleitet, die sowohl der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wie der Erweiterung der städtischen Siedlung selbst dienen. Hierbei kooperiert er z. T. mit Bizzur. Zu erwähnen ist besonders die Applanierung eines großen Dünenterrains in der Haifa-Bay. Auch int Industriegebiet der liay sind solche Arbeiten sowie Straßenbauten im Gesamtwerte von etwa 5600 Pfund durchgeführt worden. Dadurch werden die Voraussetzungen für eine Ver• Pachtung des Geländes an industrielle Kleinbetriebe geschaffen. In Tel-Awiw ist infolge der Unruhen das Problem der Wiederansiedlung der Jaffaer Flüchtlinge vordringlich geworden. Zu diesem Zwecke hat der KKL Gelände auf den Sanddünen bei Nachlath Jehuda zur Verfügung gestellt. Dort soll eine industrielle Siedlung entstehen, für die die Vorbereitungsarbeiten demnächst eingeleitet werden. Zunächst ist der Bau von 150 Häusern vorgesehen, ln den umliegenden Pardessim und in der Industriezone dieses Gebietes werden Arbeitsmöglichkeiten für die Bewohner gegeben sein. Diese Siedlung wird in Zukunft mit Tel-Awiw durch eine direkte Straße verbunden sein und soll mit der Darom-Siedlung im Süden von Jaffa (Agrobank-Vierte! und Kirjath Awodah)zu* summen die neue große städtische Siedlung des Landes bil« den, die als breiter Streifen ein einheitliches jüdisches Arbeitsgebiet darstellen wird. Der KKL besitzt dort 1000—1400 Dunam, von denen 300—400 Dunani als Industriegelände vorgesehen sind. Weitere 200 Dunani sind für die Seßhaftmachung von Einwanderern aus Deutschland bestimmt. Was die Frage der städtischen Bodenreserve des KKL anbelangt, so kann diese für Haifa mit dem Hinweis auf die Böden der Haifa-Bay positiv beantwortet werden. In der Gegend von Tel-Awiw bedeutet der Besitz bei Nachlath Jehudah ein wichtiges Aktivum auf diesem Gebiet. Dagegen sind in Jerusalem keine nennenswerten Reserven vorhanden und zu den gegenwärtigen Bodenpreisen auch kaum zu erwerben. Dies ist deshalb besonders bedauerlieh, weil es in Jerusalem, das keine größere Industrie hat, zahlreiche kleine Werkstätten gibt, die eigenen Boden zu ihrer Entwicklung haben müßten. Besonders wichtig wäre dies für die orientalischen Juden, die auf dem Gebiete des Kunsthandwerkes und aller auf Handarbeit abgestellten Produktionszweige (z. B. Konfektion) ein besonders gutes Arbeitermateria! darstellen könnten. Um eine solche Industrie zu entwickeln, ist jedoch das Vorhandensein einer geeigneten, nicht zu abgelegenen Bodenfläche erforderlich. In der Lösung dieses Problems liegt fine wichtige Aufgabe der Zukunft. Mietrückgänge in Tel-Awiw Von Dr.-Itig. W. Lesser, Tel-Awiw (f! über Sachverständiger für Grundstücke und Mieten an den Berliner Gerichten) Die Mieten in Tel-Awiw weisen gegenwärtig eine stark abw ärts gerichtete Tendenz, auf. Die Folgen der Unruhen, nicht minder die Ungewißheit der Zukunft wirken sich aus. Gerade Kaufleute und Vertreter des Handels, in Tel-Awiw besonders zahlreich vertreten, Ladenbesitzer usw. spüren den Rückzug der Konjunktur und müssen sich danach einrichten. Aehnlich wie vor etwa acht Jahren in Deutschland die Aufgabe der Großwohnungen zugunsten der Mittel- und Kleinwohnungen einsetzte, so sticht man sich auch hier jetzt zu verkleinern. Naturgemäß ist das Angebot der großen Wohnungen von 'vier und fünf Zimmern am stärksten, deren Mieten mit Steuern, Abgaben, Unlerhalt.mg usw. vielen Familien nicht mehr tragbar erscheinen. Die Tendenz wird verstärkt erstens durch den jetzt offenbar ziemlich starken Fortzug auf das Land: Manche Bewohner, besonders mit Kindern, machen sich ihr früher erworbenes Stückchen Land zunutze, um Kleinwirtschaft zu treiben und die teure Großstadt zu meiden; zweitens spricht mit — ein sehr wesentliches Moment —, daß Untervermietungen heute keinen wesentlichen Ertrag mehr abwerlen. Bei dein großen Angebot an Zimmern, leeren und möblierten, müssen die meisten Wohnungsinhaber sich damit begnügen, die auf das leere Zimmer entfallende anteilige Miete der ganzen Wohnung wieder herauszubekommen, wobei die Abnutzung der Möbel und sonstigen Gebrauchsgegenstände — hier unter dem Einfluß des Klimas und bei der verhältnismäßig großen Belegungszahl der Zimmer stärker als in Deutschland — noch unberücksichtigt bleiben. Viele Familien, die ihre großen Möbel miigebracht haben — welche in Palästina wegen der Kleinheit der Zimmer, der ganz anders gearteten Licht- und Luftverhältnisse und der völlig verschiedenen gesellschaftlichen Formen des Verkehrs meist unangebracht sind —-, sind fast zu Sklaven ihrer Möbel geworden, da sie dadurch zur Innchaltung größerer Wohnungen als ihrem Bedarf entsprechend oder zu ungünstigen Verkäufen unter den heutigen Verhältnissen genötigt werden. Selbst ein elegant und modern «eingerichtetes Zimmer erbringt, wenn überhaupt verkäuflich, kaum mehr als LP 35—40 — etwa 400 — 500 RM,, d. h. nur etwa 25—30 «0 des investierter! Wertes. Die erwähnten Erscheinungen erklären auch die Differenzicrung innerhalb der Mietrückgänge. Große Wohnungen von fünf Zimmern weisen die stärksten Rückgänge von ca. 25—30 »,0 auf, Vierzimmerwoliiumgcn ca. _ 20—25 ",0, normale Dreizimmerwohnungen 15—20 »״, zwei Zimmer nur etwa 10—15״■׳. So erbringen Dreizimmerwohnungen in guten Wohngegenden der Stadt noch TP 6 2,'6־ monatlich gegen vorher ca. 71״, in entfernteren Lagen £P 5(3-6. Die größeren Rückgänge innerhalb der gleichen Wohnungsklasse beziehen sich auf ältere Häuser, die niedrigeren Prozentsätze auf Komfortwohnungen, die naturgemäß bevorzugt werden. — Ucbrigens bringen es die erwähnten Bewegungen mit sich, daß die absoluten Mietunterschiede zwischen den großen und mittleren und zwischen diesen und den Kleinwohnungen geringer geworden sind. So kostet eine Vierzimmerwohnung jetzt nicht viel mehr als eine Dreizimmerwohnung. Bis Mucharint, dem großen Umzugstcrmip, Ende März, wird die Bewegung gewiß nicht abebben und sich eher noch verstärken. Die Micten-Höchstsätze für Wohnungen, Läden und untervcrmietele Zimmer, durch die Höchstmieten-Verordnungen gesetzlich festgelegt1), werden sich allmählich zum Vermieter-Schutz ausbilden, sofern nicht ihre Aufhebung vorgenommen wird. Scharf sind auch die Mictriickgänge bei Läden, besonders natürlich in den Hauptstraßen, die, wie schon mehrfach dargelegt, einen bei Betrachtung der gesamten Verhältnisse unverhältnismäßig hohen Mietstand aufweisen, so daß auch schon mehrfach nach Anruf die Mietkammern der Gerichte einen gerechten Ausgleich schaffen mußten. Daß am meisten von der schleppenden Geschäftslage die Luxusgeschäfte betroffen sind, leuchtet ein. Naturgemäß Italien durch die allgemeinen Mietrüclgänge auch die Häuser entsprechende Werteinbußen erfanrcn. Ein Haus z. B. mit drei normalen Dreizimmerwohnungen in jedem der drei Stockwerke, also mit 27 Zimmern, noeh vor 1 2 lahmt mit ca. CP 6000 umgesetzt, ist heute nicht höher als mit TP 4500— 5000 einzuschätzen. Eine erfreuliche Er- 1) Vgl. Lesser; ״Wohmtngssorgen und Mieterschutz“, J. R.“ Nr. 22, v. 15. März 1935. scheinung bei diesen Vorgängen ist es, daß die Sicherheit der Hypotheken bisher in keiner Weise beeinflußt worden ist. Die vorsichtige, von den maßgeblichen Instituten bei der Hergabe von Hypothckengcldern eingeschlagene Politik hat die jetzigen Rückgänge bereits eskomptiert. Dies gilt natürlich nur für erste Hypotheken. Demgemäß haben auch die Pfandbriefe und Shares der führenden Hypothekenbanken ihren alten Stand bisher behauptet, vereinzelt sogar noch erhöht. Bei weiteren Mietrückgängen, die keineswegs ausgeschlossen erscheinen, würde die Verzinsung des vom Hausbcsitzer investierten Kapitals gleichfalls zurückgehen und bald die Zinsquoten erreichen, die die Hausbesitzer den Hypothekcndarleihern zu zahlen haben. Damit würde sich ein Wendepunkt ergeben; denn es ist allgemein üblich, dem Hausbesitzer für Mühe und Risiko einen höheren Zins als dem Hypothekenbesitzer zuzubilligen; sonst wird der Zustand in sielt ungesund. Daraus folgt wieder, daß auch der Hypo• thekenzinsfuß, zur Zeit mit 8—9 ״/<> noch sehr hoch, sich Rcduktionen gefallen lassen muß, die itti Interesse des Landes liegen und bei der Menge des in den Banken gehorteten Geldes der Natur der Sache entsprechen. Um die Kommission Der Kgl. Kommission ist eine Denkschrift mit Forderungen der religiösen Juden heit Palästinas überreicht worden. Eine Abordnung religiöser Juden, bestehend aus Vertretern des Misrachi und verschiedener religiöser Körperschaften, soll vor der Kommission erscheinen, um Aussagen zu machen. Der Delegation werden Rabbi Meir Berlin, der Oberrabbiner von Tel-Awiw, Rabbi Amic!, Rabbi Uziel, Rabbi Katz aus Petach Tikwah, Rabbi Gold, Rabbi Neufeld und der frühere Sejm-Abgeordnete H. Farbstein angehören. I>ie Meldung der arabischen Zeitung ״Felestin״, daß Emir Abdullah und sein Sohn vor der Kgl. Kommission Zeugn i s a b 1 c g e 11 werden, wird aus offiziellen Kreisen in Trans jordanien dementiert. Siehe umstehende Seite! Voru. 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