Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 97 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 97. 4 XII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Einwanderung^-Fragen Schertok und Senator sagen aus / Tel. Bericht der ״Paicor“ In der öffentlichen Sitzung der Kgl. Kommission vom letzten Montag, die unter Vorsitz des nunmehr wicderhergestellten Lord Peel stattfand, begann die Vernehmung der Herren Schertok, Dr. Senator und Do bk in als Vertreter der Einwanderungs-Abteilung der Jewish Agency. Schertoks Verhör angeführt habe, uni sich namens der Jewisfi Agency za b 0* schweren, sondern um Kritik zu über!. Er beabsichtige nicht, eine Aenderung der Art und Weise der Schedulv- Gewährung vorzuschlagcn, möchte aber an die Royal Commission die Bitte richten, die er bereits an den High Commissioncr gerichtet hatte, dal! den Schätzungen der Ageney mehr Vertrauen entgegengebracht werden möge. Mosche Schertok erklärte die Arbeitsweise der verschie׳ denen Departements der Agency und machte dann die folgende allgemeine Feststellung: ,,Wir betrachten die Scheduie als die Quelle, die den Zufluß jüdischer Arbeiter für jüdische Entwicklimgstätigkeit in Palästina sichert. Die Juden sind in Palästina auf Grund von Recht; der natürliche Folgesatz, davon ist, daß sie auf Beschäftigung in jedem Arbeitszweig Anrecht haben müssen. Die Rückkehr nach Palästina bedeutet gleichzeitig die Rückkehr zur Landwirtschaft und zur manuellen Arbeit. Was für andere eine selbstverständliche Bedingung ist, muß von 1111s erst durch bcwußte Bemühung erkämpft werden. Die Gewährung jeder einzelnen Scheduie bildet ein Ereignis im jüdischen Leben, das Aufmerksamkeit erregt und Leidenschaften entfacht; nichtsdestoweniger wird die jeweilige Schätzung der Absorption«־ möglichkeiten des Landes leidenschaftslos und kühl vorge־ nommen.“ Schertok Die Entstehung der Scheduie Der Zeuge schilderte die Weise, in der die Jewish Agency zwecks Feststellung der Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ihre halbjährlichen Zählungen der Land- Wirtschaft, der Industrie und der Bautätigkeit vornimmt. Die Agency besitzt eine vollständige Kartothek sämtlicher in den Zitruspflanzungen beschäftigten Juden. Eine Anzahl sachverständiger Beamten, die von der Agency angestellt sind, macht die notwendigen Erhebungen mit tatkräftiger Unterstützung des Landwirtverbandes, des lndustriellenverbandes und der Histadruth, und stellt die auf diese Weise erhaltenen Informationen zusarrtmen, um im Endergebnis die Anzahl der in jedem Arbeitszweig vorhandenen Arbeitsplätze festzustellen. Dis Jewish Agency berücksichtige bei ihren Schätzungen den den Juden gebührenden Anteil an Arbeitsplatzen bei öffentlichen Arbeiten, die Regierung aber ignoriere dieses Anrecht der Juden scheinbar, ohne die Reduzierung der von der Agency angegebenen Ziffern zu begründen. Lord Peel bemerkte hierzu, daß Regierungen nur selten ihre Handiungen voll begründen, worauf Schertok unter allgemeinem Gelächter erwiderte: ״Besonders die Palästina-Regierung!“ Die Jewish Agency habe die Regierung wiederholt auf die Dringlichkeit der Gewährung von Zertifikaten angesichts der großen Not der jüdischen Massen hingewiesen, jedoch ohne eine Erhöhung der Zertifikatezahl durchzusetzen. Schertok behandelte sodann die Frage der angebliehen Arbeitslosigkeit unter den Arabern. Er stellte fest, daß es keine arabische Arbeitslosigkeit gebe, was aus der Tatsache ersichtlich sei, daß große Massen von Arabern aus den Nachbarländern nach Palästina strömen; er führte eine arabische Zeitung an, in der erklärt worden sei, daß H a u r a n e r benötigt werden, uni die vorhandenen Arbeitsplätze in Palästina auszufüilen. An dieser Stelle wurde Schertok vom Vorsitzenden Lord Peel mit der Bemerkung unterbrochen, daß diese Tatsachen von den Arab e r n vorgebracht werden müssen, wenn sie vor der Kornmission erscheinen. Schertok stellte fest, daß der Zweck der jüdischen Tätigkeit nicht darin bestelle, die Araber zu verdrängen, sondern darin, etwas Neues zu schaffen. Die Araber profitieren sowohl direkt, indem sic bei Juden Beschäftigung finden, als auch indirekt; als Beispiel führte Schertok an, daß die Araber ihren Besitz an Zitruspflanzungen in beträchtlichem Maße vergrößert hätten, und zwar mit den Geldern, die sie von jüdischen Bodenkäufern e^ alten hatten. Die jüdische Arbeiterbewegung, führte Schertok weiter aus, sei nicht nur daran interessiert, den Lebenssta nj J/(u xJzü TtU״ i ALLIGATOR^' davsind gute lederwarun UNSERE VE R KA Berlin, Taucntzien&trnße 16 Hamburg, Jung-fernslicR 43 Köln a. Rh., Hohe Straße 115 Essen, Limbeclcerstraße 10 Wuppertul-Elberf FSGESCHAFTE: Essen, Am Haupthnhnhof lö Bochum, Kortumstraße 67 Frankfurt.M., Roßmarkt 15 Zentrale: Offenbach a, M, eld, Herzogstraße 36 d a r d nicht unter ein bestimmtes Niveau sinken zu lassen, sondern betrachte cs als ihre lebenswichtige Aufgabe, Möglichkeiten für neue Einwanderer zu schaffen. Die jüdischen Industriellen seien sich darüber klar, daß sie ohne jüdische Arbeiter den Bedürfnissen des Marktes nicht genügen könnten. Die Beschäftigung jüdischer Arbeiter sei eine Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Landes, die indirekt auch den Arabern zugute komme. Sodann behandelte Schertok den Unterschied, der zwisehen den Schätzungen der Jewish Agency und den von der Regierung jeweils bewilligten Zertifikaten, die den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes keineswegs entsprochen haben, besteht. In Beantwortung einer Frage von Lord Peel erklärte Schertok, daß er diese Tatsachen nicht Um die illegale Einwanderung Der nächste Punkt, mit dem sich Schertok beschäftigte, war die illegale Einwanderung. Er erklärte, daß die Jewish Agency diese Art von Einwanderung nie gebilligt, sondern im Gegenteil stets verurteilt habe; sie habe alles getan, was in ihrer Macht gelegen war, um davor zu warnen. Gleichzeitig aber müsse die Agency das Bestehen objek« tiver Gründe für diese unglückliche Erscheinung anerkennen. Sie wisse, daß die illegalen Einwanderer nicht aus Freude an der Umgehung des Gesetzes, sondern in der Hoffnung auf Erlösung aus unerträgliehet Lage ins Land kommen. Trotz ununterbrochenem Einströmens von Arabern und der jüdischen Touristen, die illegal im Lande verbleiben, sei der Arbeitsmarkt nicht überfüllt, was ein klarer Beweis dafür sei, daß die Schedules die Aufnahmefähigkeit Palästinas nicht erschöpfen. Lord Peel erklärte darauf, es habe den Anschein, als ob die Jewish Agency, eine wichtige offizielle Organisation, die unter den Bedingungen des Mandats eine besondere Stellung einnehrne und der die Pflicht obliege, die Regierung zu unterstützen und mit ihr zusammenzuarbeiten, die illegale Einwanderung rechtfertige, Indem sie die Polizei in der Anwendung des Gesetzes gegen illegale Einwanderer nicht unterstütze. Er hob hervor, daß es sich hier um eine schwerwiegende Frage handle, die eine klare Antwort erfordere. Schertok führte in seiner Antwort aus, daß die Jewish Agency durch die Palästina-Acmtcr im Auslände Warnwn gen gegen illegale Einwanderung erlassen habe, worauf Lord Peel die Bemerkung einwarf, daß die Jewish Agency keinerlei Maßnahmen ergreife, um derartige Verstoße gegen das Gesetz zu verhindern. Schertok erwiderte darauf, daß die Regierung niemals darauf verfallen sei, sich an die Jewish Agency um Unterstützung in dieser Richtung zu wenden. Die Jewish Agency habe verschiedentlich über diese Frage mit der Regierung verhandelt, die für die Lage volles Verständnis gezeigt habe. Schertok legte besonderes Gewicht auf die menschliche Seite dieses Problems; er yo׳ {,ntmuMak TÜrkiscHB ZIGABETrEN,4•^ wies darauf hin, daß diese Menschen, obwohl sie ihren Lebensunterhalt gewinnen konnten, sich in einer vom juristischen Standpunkt aus unhaltbaren Lage befänden und stark unter der Trennung von ihren Familien litten. Er unterstrich, dab er keineswegs eine Rechtfertigung der illegalen Einwanderung beabsichtige, sondern lediglich klar machen wolle, daß es für Juden ganz undenkbar sei, Informationen zu geben, die zur Landesverweisung dieser bedrängten Menschen führen würde. Lord Peel und Sir Laurie Halbmond schienen jedoch von dieser Antwort nicht befriedigt, und Lord Peel Wies darauf hin, daß es die erste Pflicht eines Bürgers sei, die Regierung in der Ausübung des Gesetzes zu unterstützen. Schertok hob darauf das stark ausgeprägte Solidaritätsgefühl der palästinensischen Juden mit den Juden anderer Länder, z. B. Polens hervor, die Palästina als ihre Heimat betrachten. Lord Peel dagegen wies nochmals auf die Sonderstellung hin, die die Jewish Agency unter dem Mandat einnimmt, und bestand auf einer definitiven Antwort, ob die Jewish Agency die Regierung bei der Festnahme von Rechtsverletzern unterstütze. In seiner Antwort erklärte Schertok, daß dies unter den obwaltenden Umständen nicht in frage kommen könne, und wandte sich an Lord Peel mit den Worten: ״Darf Ich Sic bitten, sich fti unsere Lage zu versetzen?“, was Lord Peel lächelnd bejahte mit der Bemerkung, es stehe Herrn Schertok frei Zusagen, was er wünsche. Auf verschiedene Fragen bezüglich illegaler Einwanderung von Frauen und den liehen Prozentsatz von Scheidimdüngen (Auflösung von Scheinheiraten, die zum Zweck der Einwanderung geschlossen sind), gab Schertok zu, daß der Prozentsatz hoch sei, betonte jedoch, daß die Jewish Agency die schärfsten Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Tat- Sache ergreife. Sir Horace Rum hold fragte dann, wie hoch die Zahl der illegalen Einwanderer sei, außer solchen Touristen, die ohne Erlaubnis im Laude bleiben und dann später als Einwanderer eingetragen werden. Schertok gab an, daß es im Laufe einer Anzahl von Jahren einige Tausende gegeben habe, konnte jedoch keine genauen Zahlen anführen. Die Tätigkeit des Hechaluz In der Dienstag-Sitzung der Kommission schilderte M. Schertok die Tätigkeit des W c 11 -11 e c h a 1 u z. Er sagte aus, daß diese Organisation, welche 250 0(10 Mitglieder zählt, 365 Hachscharah-Punkte in 24 Ländern unterhält, in denen 24 000 junge Menschen körperlich und geistig für ihr künftiges Arbeitsleben in Palästina vorbereitet werden. In Rußland ist der Heclialin verboten, weil seine Tätigkeit von der russischen Regierung als contra-rcvolutionär angesehen wird. Schertok erklärte ferner, daß die meisten Hachscharah- Punkte sich selbst erhalten, daß die Agency aber jährlich für die Aufrcchterhaltung der Hachscharah 10 000 Pfund beisteuere. Er wies insbesondere auf die Ausbildung von Hafenarbeitern in den Häfen von Gdynia, Riga und Alexandria, sowie auf die Ausbildung von Mitgliedern des Hechaluz als Eisenbahnarbeiter hin. Senator über das Zertifikats - System Als nächster Zeuge trat Dr. Wern er Senator vor die Kommission. Er erklärte die Art und Weise der Zertifikate- Verteilung und stellte fest, daß diese nach Kategorien und nach den Ländern erfolge. So erhalte Polen, mit seiner jü- Der Träumer (Aus dem Wodienabsdinitt für Sdiabbat, 5. Dezember) Jossef träumte einen Traum und vermeldele ihn seinen Brüdern — Seitdem hafeien sie Ihn nodi mehr er sprodi zu ihnen: Hört dodi diesen Traum, den Ith träumte: Da, wir binden Garbenböndel inmlfler» des Felds, und da, meine Garbe richtet sich aut und steht auch schon, und da, eure Garben umringen sie und bücken sich vor met* ner Garbe Seine Brüder sprachen zu ihm: König sein möchtest gar, König Über uns oder walten gern, wallen du bei uns 7 Und seitdem ha6ien sie ihn noch mehr, für seine .Träume, für seine Reden. I. Bud1 Mose, Kap. 37, S— <S Verdeutscht von Martin Bubet dischen Bevölkerung von 3 200 000, stets ein Drittel der zur Verfügung stehenden Zertifikate; Deutschland habe in den letzten drei Jahren den vierten Teil der verfügbaren Zertifikate zugewiesen bekommen. Dr. Senator erwähnte insbesondere Saloniki, von wo geschulte Hafenarbeiter einwandern; die jemenitischen Juden be/ciclniete er als den anpassungsfähigsten und überaus wertvollen Teil der jüdischen W. Senator F״tu». a״!;״» mMMfSl fn den Jahren 1030 bis 1032 den Jahren 1033 bis 1035 dag Land gekommen, d. 11. 0 Prozc samteinvvanderung. Die Anzahl verzehren, sei minimal; die gr< auf produktive Weise au! Einwanderung, Die Kommissionsmitglicder zeigten lebhaftes Interesse für die Lage der J ud en i >11 J e m e n. Schertok schilderte ihre Existenz iin dortigen Ghetto. hont Peel erkundigte sielt nach dem Malistal) der Verteilung der Zertifikate unter die P ,1׳ r t e i e n. Dr. Senator erklärte, daß ein gewisser Prozentsatz, für die Agudath Jisroel reserviert sei, während der Rest an die I kudischarabpunkte nach dem Malistab ihrer zahlenmäßigen Starke, und nicht parteimäßig, verteilt werde. Dr. Senator hob die Beileutung der Einwanderer ih r lv ,! p i t a 1 i s t e 11 k ate* geiric hervor, die neue Arbi itsinoglichkcifeii schaffe, seien U3S Kapitalisten, in ־egen 14 6S3 Kapitalislen ins :nt bz\v. 11 Prozent der Gederjenigen, die ihr Kapital die Mehrheit habe ihr Geld ,׳eiegt. Dr. Senator erwähnte, Professor Mittwoch 60 Jahre Professor Eugen ,Mittwoch, der am 4. Dezember das 60. Lebensjahr vollendet, ist eine der markantesten Persönlichkeiten des Judentums in Deutschland. Früher ürdentlieber Professor für semitische Sprachen an der Universität Berlin, jetzt im Ruhestand, war er jahrelang Direktor des Seminars für orientalische Sprachen und des später unabhängig davon gegründeten Instituts fiir Scinitistik. ,Mittwoch ist einer der hervomgemlsten der wenigen in Europa lebenden Aethio* pisten und Kenner der 1110• dernen abessmischen Spraeben; er ist auch eine von seinen Fachkollegeri in der ganzen Welt anerkannte Autorität für ar.'tbischa Sprache und Kultur. Sein Interesse galt auch den anderen semitischen Sprachen, den jüdi-eli - aramäischen Dialektiken sowohl, als auch dein Syrischen der Christliehen Kirche des Orients. I);1(1 das Hebräische in allen seinen Sprachstadien bis: auf das moderne zum Wis-> sen-sgebiet und zur Studien-• doinime Mittwochs gehört, sei nur nebenbei erwähnt, ebenso wie cs als Selbst« verstandiielikeit gelten muß, daß er auch Kenner der niclitscmitisehen Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients ist, wie z. B. des Pcr-i-chcu und 'Türkischen. Als Lehrer hat l'rof. Millwoch mehrere Generationen׳ Gelehrter ausgebildet, die in Verehrung zu ihm aufhlicken. Zu seinen Schülern gehören sowohl Orientalen aller Nationen als auch West- und Osteuropäer aller Sprachen und Religionen. Sicherlich wird heule mancher des Geburtstages seines Lehrers in Dankbarkeit gedenken, der ihm auch als Mensch und Berater immer, nicht mir in seinen wissenschaftlichen Nöten, treu zur Seite gestanden hat. Mittwoch ist Mitglied zahlreicher Gesellschaften wissenschaftlichen und sozialen Charakters, kr ist seit je führendes Vorstandsmitglied des Hilfsvereins und gehört auch <10111 Komitee der Jewish Agency und der Hebräischen Universität Jerusalem an. Seit dem Tode Prof. Sobernheims, mit dem er sowohl persönlich als wissenschaftlich eng verbunden war, ist Mittwoch Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Wissensehaft des Judentums. Daß er gerade in diesen Tagen auch in die Rcpräsentanteii-Versammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin ein zog, ist cm weiterer Beweis dafür, daß dieser Gelehrte über seine wissenschaftliche Arbeit hinaus zur prak״ tischen Betätigung ini Dienste des Judentums strebt. Mögen sein großes Wissen und die Wärme, die von seiner Persönlichkeit ausgeht, noch für lange Zeiten dem Judentum und der W issenschaft erhalten bleiben. l)r. M. Goldmana Prof. Mut IVO ch ■ ■■ I ז n׳. NC B lf II B K IC Bk W IC Briefmarkenhandelsges. m. b. H. Berlin W 15, Kurfürstendamm 26 A. Auswahlsandungen — Kostenlos — -Illustrierte Sonderangebote 1Timki'TZE י■;ך־■ «"nJ»?; a.TAfli ll~