Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-12-01 · Heft 96 (1.12.1936) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 96 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2654012--29931-2691482
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, 1. XII. 1936 Das Oberrabbinat koopieren könnte. Eine Regelung der Ausverkäufe und Sondcrveranstaltimgcn bestellt nicht und kann höchstens durch grivate Vereinbarungen der einzelnen wichtigsten hinnen einer Branche erzielt werden. Hierin Besserung zu schaffen, wird nicht leicht sein, zumal cs eine Unzahl kleiner und kleinster Geschäfte gibt, die organisatorisch nur schwer zu erfassen sind — abgesehen von dem Problem der * jüdischen und arabischen Unternehmungen, Die G esc h ä f t s I a g e ist gegenwärtig nicht einfach. Der Rückgang der Umsätze, den wir im Durch* schnitt (abgesehen von Lebensmitteln) mit etwa 40 <־׳.-> gegen* über dem Vorjahre angegeben haben, führte zu einer gewaltigen Steigerung der Spesen. Man bemüht sich zwar zu sparen, und die Zahl der abgebauten Einzelhandels• Angestellten ist nicht gering, doch sind diesem Versuch Grenzen gesetzt, die in den Faktoren dieses Erwerbszweiges selbst liegen. Dennoch dürfte; die Zahl der geschäftlichen Zusammenbrüche relativ klein sein, und man sucht durch gegenseitige Rücksichtnahme über diese Zeit hinwegzukainmen. Ein erheblicher Teil der Lieferanten des Einzelhandels befindet sich ja im Auslande, und von dort aus sind rigorose Maßnahmen gegen schleppende Zahler kaum durchzuführen. Dar arabische Boykott Im Augenblick steht für wichtige Branchen das Problem des arabischen Boykotts im Vordergrund des Interesscs. Die Schärfe des Boykotts ist an den einzelnen Orten sehr verschieden. Dasselbe gilt von der Beurteilung dieser Maßnahme auf jüdischer Seite. Selbstverständlich kann der Boykott die Unternehmungen, die auf arabische Kundschaft stark angewiesen sind, auch im Verlaufe relativ kurzer Zeit sehr schädigen. Andererseits darf man nicht vergessen, daß Boykottmaßnahmen gegen die wirtschaftliche Vernunft ge* richtet sind und sehr oft auch diejenigen schädigen, die Träger dieses Kampfes sind. So wird schon jetzt berichtet, daß arabische Kauflctite zu Preiserhöhungen übergegangen sind. Dazu kommt, daß es bestimmte Waren bzw. Quali* täten in arabischen Geschäften überhaupt nicht gibt, so dal] die Bcdarfsdeekung nach einer gewissen Zeit doch bei ‘üdischen 1 innen vorgcnoiumcn werden muß. Mau kann auch ltute jedenfalls beobachten, wie arabische Käufer (mehr oder weniger versteckt) bei Juden kaufen, und man kann so manche Aeußerung des Unwillens über die Boykolt-Proklamation von ihnen hören. Dennoch soll man natürlich den Ernst dieser Paroli■ nicht verkennen und darf auch nicht übersehen, dal» der innere Druck im arabischen Lager noch immer sehr stark ist. Aus diesem Grunde wird von der Ent- Wicklung der politischen Verhältnisse auch für das geschahliehe Leben sehr viel abluitigen. Von der Woche Mosche Schertok hatte letzten Freitag eine einstundige Unterredung mit dem High Commissioner. Sir Michael McDontiel, der in den Ruhestand tretende Oberrichter, verließ Sonnabend Palästina. Am Sonntag morgen ist in der Altstadt von Jerusalem ein läjähriger Jude, der Milchhändler Josef Hamburger, sch w e r v e r w u ri d e t worden. Die S t a d t g e m e i!1 d c T e I - A w i w hat vor einigen Tagen daletzte Rückzahlung auf die ihr 1929 von der Barclay’s Hank gewährte A tu e i h e von 41 503 Pfund geleistet. Arabischen Pressemeldungen zufolge soll nach vollständiger Wiederkehr der Ruhe und Ordnung und nach der Rückkehr des High Coinmissioners von einem Urlaub in Eng- I a n d ein Teil der Verhafteten und Verurteilten aus der Zeit der Unruhen auf Urund einer Amnestie auf freien Fuß gesetzt werden. Irn englischen Unterhaus stellte auf eine entsprechende Anfrage des Abgeordneten Colonel Wedgwood Kolonienminister Ormsbv-C'iore fest, dal! der High Com miss ioner bei einer Abwesenheit von Palästina von dem Chefsekretär der Palästina-Regierung und nicht von dem Oberkommandierenden der in Palästina befindlichen englischen Streitkräfte, Generalleutnant Dill, vertreten werden wird. Der kürzlich ernannte Oberste Richter Palästinas, H. H, T r u s t e d, wird am 1. Dezember sein Amt antreten. Der neue üeneralsta.itsanwalt Palästinas, VC׳. J. Fitzgerald, wird in den ci-teii Tagen des Januar in Palästina ciiitreffen. Aus Meldungen in der arabischen Presse geht hervor, daß die 15t;nnliungcn des Emir Abdullah, während seines Aufenthaltes 111 Jerusalem den /Abbruch des Boykotts der Kgl. Kommission licrbei/nfiiliren, gescheitert sind. Es heißt jedoch, daß der Emir vor der Kommission er* scheinen wi! d. Meldungen der arabischen Pressezufolge hat Emir Ad ui hi 11 an den Voiot /enden der Kgl. Kommission, I ord Peel, ein Sein eiben gerichtet, in dem er seine Meinung über die Lage in Palästina /um Ausdruck bringt. Emir Abdullah soll in diesem Schreiben die Kommission Ungeladen haben, T r a n s j <a r d a n i e 11 zu besuchen. Was an diesen Mehlungen Wahres i-t. laßt sieh nielit fcststellen. Von dem V e r b and der arabischen Arbeiter in Jaffa wird eine Zählung arabischer Arbeitsloser sowie solcher Arbeiter durchgdührt, die weniger als 3 Pfund monatlich verdienen. Diese Zählung soll als Material für die Kgl. Kommission und zur Widerlegung der Erklärung des Kolonienniinisters benutzt werden, dafl es wirtschaftliche Gründe für eine Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht gebe. Amtlich w ird bekanntgegeben, daß der High Commissioner mit Rücksicht auf die Dürre, die im vergangenen Jahr in verschicdcncn Landesteilen herrschte, unter den armen Fellachen 34 000 Pfund als Darlehen zum Einkauf von W'inter-Saatgut verteilen ließ. Der Gesetzgebende Rat von T r a n s j 0 r d a n i e n hat mit Stimmenmehrheit beschlossen, in einer Denkschrift an die Regierung den Erlaß eines Gesetzes zu fordern, durch das es Ausländern verboten werden soll, die vor kurzem in Transjordanien entdeckten Erzvorkommen auszubeutcn. Es heißt, daß sich bereits zahlreiche Ausländer um Schürfrechte bei der Regierung beworben haben. Arabischen Pressemeldungen zufolge sollen die Militärbehörden Palästinas beschlossen haben, den Flughafen von Gaza ausschließlich Heeresflugzeugen vorzubehalten. Verkehrsflugzeuge sollen den Flughafen von Lydda benutzen. Die heftigen Regenfällc der vorigen Woche haben auch Todesopfer gefordert. So wurde in Tel-Awiw ein neunjähriges jüdisches Mädchen getötet, als eine Betonmauer infolge des starken Regens einstürzte und das Kind unter den Trümmern begrub. Drei Araber, darunter eine Frau, fanden den Tod durch Ifcberschwemmungen in verschiedenen Teilen des Landes. Die Häfen von Jaffa und Tel-Awiw sind völlig lahmgelegt infolge des stürmischen Seegangs; die Bauarbeiten an der Tel-Awiwer Mole werden jedoch fortgeführt. Vor den Wahlen Von Oskar Wolfsberg Als Kandidaten für die Nachfolge des verstorbenen Raw Kuk stehen einander bekanntlich zwei Kandidaten gegenüber, Raw Charlap und Dr. Herzog. Ich habe in der palästinensischen Tageszeitung ״Haarez“ zu Beginn des Jahres in einer Artikelserie meinen Standpunkt zum Ausdruck gebracht. Ohne einen der beiden Kandidaten mit Namen zu nennen, habe ich die Aufgaben in einer Weise umschrieben, daß an meinem Eintreten für Dr. Herzog kein Zweifel bleiben konnte. Ich will nur einige grundsätzliche Worte hinzufügen. Man hat viel davon gesprochen, daß Raw Charlap als geistiger Erbe des verstorbenen Raw Kuk den ersten Anspruch habe. Ich kann die ganze Argumentation vom geistigen Erbe nicht anerkennen. Der verstorbene Oberrabbincr war einer der größten Talmudisten, ein gewaltiger Kenner der gesamten Literatur, mit starker Neigung zur Kabbalah und wachsender Vertiefung in sie. Aber das sind alles Qualitäten, die viele Große unserer Rabbiner auszcichncten, natürlich mit vielfachen Variationen. Als« liegt auf diesem Gebiete nichts so Spezifisches vor, daß inan von einer Schulgrfmdung durch ihn sprechen könnte. Alles Wesentliche und Bewundernswerte lag bei ihm in dem Einmaligen, Unverwechsclbaren, eben i« dem Persönlichkeitswert seiner Gestalt beschlossen, und solche Qualitäten lassen sich weder vererben noch übertragen. Es kommt also alles darauf an, einen Mann zu finden, der wiederum als Gestalt, als lndividualität, als Meister der Lehre und des Gesetzes hervorragt. Solche Menschen reifen unabhängig von Schulen. Die Bevorzugung von Schülern großer Meister schließt die Gefahr der Wahl von Epigonen ein. Lehrbar ist doch nur das Wißbare, das Besondere, der Zauber ist nicht nachalimbar und nicht übertragbar. Die seelische Schönheit von Rabbi Kuk wird in der heutigen Generation von keinem erreicht werden, weder von seinen Schülern, noch von anderen, und auch die Weite und Originalität seines Geistes ist z. Zt. ohne Nachfolge. So kommt es darauf an, daß eine ernste, charaktervolle Gestalt mit soliden! halacbischen Wissen, denkerischer Kraft und wissenschaftlicher Begabung «an seine Stelle tritt. Ich glaube, daß ein Mann, der die rabbinisclier! Voraussetzungen wie nur wenige erfüllt, durch seine halachischen und wissen- Um die ״Politische Parität“ In der Zeitschrift ״Great B r i t .ר i 11 and the East“ vom 26. November veröffentlicht Norman B ent wich einen Aufsatz über das Thema ״Politische Parität in Palästina“, mit dem die Redaktion des Blattes sich nicht identifiziert, wie sie in einer Vorbemerkung schreibt. Die Frage der politischen Herrschaft ist nach Bentwichs ■Ansicht nicht das ganze Problem Palästinas, aber ein wichtiger Teil; und die künftige Verfassungsform wird eine der Aufgaben sein, mit denen sich die Königliche Kommission zu befassen hat. Die Araber haben die Forderung einer arabischen Nationalregierung aufgestellt. Die jüdischen Führer haben wiederholt erklärt, daß sic weder zu herrschen wünschen noch beherrscht werden wollen. Sie verlangen Rarität der politischen Rechte, während die Araber in der numerischen Uebcrzalil sind, und gestehen den Arabern zu, daß sic sich der gleichen Parität erfreuen sollen, wenn jemals die Juden die Majorität werden sollten. Die Vertretung auf Grund der Kopfzahl ist nicht das letzte Wort politischer Weisheit. Und sie ist auch keine geeignete Form in einem Lande, wo die Bevölkerung nicht homogen ist. Bentwich erinnert «־in den offiziellen englischen Sachvcrständigcn-Bcricht (Hilton Young-Bcrieht) über Östafiika und daran, daß auch in den Vereinigten Staaten alle Staaten im Senat ohne Rücksicht auf die Bevölkerungszahl gleich stark vertreten sind. Zwei Vorschläge zur Verwirklichung politischer Parität gäbe es; der eine sieht für Juden und Araber die zahlenmäßig gleiche Vertretung im Rate vor, ohne Rücksicht auf die Kopfzahl der Bevölkerungsteile; der andere will den Vertretungen der beiden Völker gleiches Stimmrecht geben, jeden* falls in grundsätzlichen Fragen, so daß in solchen Fragen keine gesetzliche Maßnahme gegen den Willen der Vertreter beider üerneinschaften erfolgen könnte. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erörtert Beutwich die Frage 11 es Wahlsystems, insbesondere ob getrennte Wahlkataster für die zwei Wahlen bestehen sollen. Die Garantie für das System politischer Parität sei dadurch zu gehen, daß die Verfassung nur durch königliche Verordnung oder durch ein vom englischen Parlament heschlossenes Gesetz geändert werden kann. Ferner soll hierfür eine Mehrheit von zwei Dritteln der Abgeordneten jeder Gemeinschaft erforderlich sein. Das 7. i e I müsse sein, die Verwaltung des Landes den palästinensischen Bürgern zu übertragen. Beim Uebcrg.ing der Exekutive auf Palästinenser könnte festgelegt werden, daß der Grundsatz der gleichen Interessen der beiden Völker in der Verwaltung sowohl wie in der Gesetzgebung respektiert werden muß. Und da die Zusammenarbeit der beiden Völker durch die gemeinsame Teilnahme an der Regierung gestärkt würde, ebenso, wie auch zu hoffen, im ökonomischen und sozialen Leben, so würde es schrittweise möglich sein, die Selbstregierung bei Aufrechtcrhaltung des Grundsatzes der Parität auszudelmen, bis die volle Autonomie erreicht ist. Die Arbeit des ,,Emergency-Fonds“ Die Leistungen des nach den Unruhen von 1929 geschaffend! Paläslina-Notfoiicls (״Erncrgcncy-Fonds“) werden in einem Bericht dargelegt, der soeben in Jerusalem erschienen ist. Laut dem bis zum 33. Juni 1936 abgeschlossenen Finanzbericht betrug das Gesamteinkommen des Fonds 710 505 Pfund; davon sind 589 768 Pfund durch Sammlungen aufgebracht worden. Für Hilfszwecke wurden 317 488, für Wiederauf bau'zwecke 322 748 Pfund verausgabt. Die Verwaltungskosten betrugen 16 490 Pfund, etwas mehr als 2»/« und weniger als die Bankzinsen, so daß von dem tatsächlich esammelten Betrag nichts für Verwaltung ausgegeben weren mußte. ln einem von dem Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Maurice B. Hexter, Unterzeichneten Begleitschreiben an den Vorstand der ״Etnica“ Association wird der Inhalt des Berichts zusammengefaßt. Es wird darauf l׳:n e vielen, daß damals im Laufe von drei Monaten c'.wa 603 030 Pfund zusammeiigciti ömt sind, die von Julei ■־׳! ' ■ e ■•'ernieslen Winkeln der Diaspora zur Verfügung ge.«'c!! —:!rden. Die Funktionen des Notfonds, so v.'r.t in dem Begleitsclireiben ausgeführt, zerfielen in zwei Teile; der erste schaftlichcn Veröffentlichungen (Dr. Herzog hat den ersten Band eines umfassenden Werkes ״The Jewish Law“ erscheinen lassen) den Beweis erbracht hat, daß er legitimiert ist, dazu eine Reihe europäischer Sprachen wirklich beherrscht und überhaupt im besten Sinn ein geistiger Jude ist, ganz dem Studium ergehen, ohne dem Leben entfremdet zu sein, dem Rabbinatssitz in Jerusalem zur Ehre gereichen wird. Dr. Herzog, der diese zahlreichen Eigenschaften auf hoher Ebene hat, ist dadurch nicht disqualifiziert, daß er auch akademische Grade besitzt. Ich habe meine Bemerkungen hier gebracht, ohne damit eine Beeinflussung der Wahl üben zu wollen. Auch wenn die Wahl gegen meine Auffassung ausfallen sollte, würde sie beachtlich bleiben; keine Spitze gegen den zweiten Kandidaten liegt hier vor, der alle Verehrung verdient und eine sympathische, durchaus bedeutende rabbinische Gestalt ist. Aber ich wehre mich dagegen, wenn man die Kandidatur eines akademisch gebildeten Rabbiners als eine Tendenz zum Kronrabbinat, nach russischen! Vorbild, verdächtig machen will. Der Oberrabbincr von Palästina hat repräsentative Pflichten, die freilich nicht unbedingt an die Kenntnis des Englischen geknüpft sind. Aber cs ist grotesk, ihm die Eignung für sein Amt abzusprechen, weil er dieser Sprache!nächtig ist, ohne als Halachist anderen nachzustehen. Noch eine Bemerkung gehört hierher, ln dem jjroßen Gremium von 50 Männern, das die Wahl vollzieht, befinden sich alle möglichen Rabbiner und Laien, ist aber nicht ein einziger Vertreter der Al!ja 11 aus Deutschland, die doch fast ein Zehntel des Jischuw ausmacht. Wenn man dieser Tatsache den außerordentlich starken, völlig unbegründeten Anteil der Scfardirn entgegenstcllt, so steht man wiederum vor einer der nicht wenigen Paradoxien in unserem Lande. Daß man nicht bemüht war, uns Sitz und Stimme zu verschaffen, auch für den Fall, daß es schwer war, das Gremium so zusammenzusetzen, ist ein bedauerliches Zeichen dafür, wie wenig man den objektiven Notwendigkeiten Rechnung trägt. Es ist übrigens nur ein Beispiel für die Vernachlässigung unserer Aüjah. Ich glaube, daß die Zahl der Juden aus Deutschland im Lande und eine nicht kleine Gruppe von Männern unter ihnen, auf deren Urteil und. Meinung man in keinem anderen Lande hätte verzichten wollen, den Anspruch auf Mitwirkung bei dieser und anderen wichtigen Fragen begründen. umfaßte die Not- und Hilfsarbeit, der zweite die Projekte wirtschaftlichen Wiederaufbaus, Aufbauarbeiten in Stadt und Land und neue Kolonisation. Ueber diesen letzteren Punkt wird u. a. dargelegt; 111 den Städten Jerusalem, Haifa und Safed waren viele Gebäude beschädigt oder zerstört. Wo cs möglich und zweckmäßig war, wurden beschädigte Gebäude wiederhergestellt und in einigen Fällen zu Wohn-, Industrie-, Handels- und Landwirtschaftszwecken erweitert. Fünf Vorstädte von Jerusalem wurden durch Errichtung von Ein- und Zweifamilienhäusern erweitert und in einem Außenviertel wurde ein Mehrfamilienhaus gebaut. Den Käufern der Häuser wurden langfristige Hypothekarkrediie zu mäßigen» Zinsfuß gewährt. Was die ländlichen Gebiete betrifft, so galt es hier als leitender Grundsatz, bestehende Siedlungen zu stärken und neue Kolonisation zu fördern. Zahlreichen Ein/cllaiidwirtcn und Siedlungen wurden Darlehen und Zu- Schüsse gewährt, um die durch erzwungene Unterbrechung der Arbeit und des Verkehrs entstandenen ״indirekten“ Verluste wettzumachen. Im Sommer 1932, so heißt es in dem Begleitschreiben zum Schluß, wurden Verhandlungen mit der Jewish Colonisation Association (ICA) eingeieitet, mit dem Ziele, diese Organisation zu aktiver Teilnahme an der landwirtschaftlichen Kolonisation Palästinas heranzuziehen. Es wurde ein« neue Institution unter dem Namen ״Emica“ *Association geschaffen. Die ICA und der Notfonds (Emergency Fond) haben vereinbart, je 82 500 Pfund für einen Zeitraum von drei Jahren zum Erwerb von Boden in Palästina und seiner Besiedlung beizusteuern. Vorschlag zur Vernunft Im ״Bustenai“ schreibt J. Sc hör: Der arabisch-jüdische Gegensatz ist jetzt so weit gediehen, daß die Araber mit dem Gedanken einer Judenvertreibung liebäugeln. Die Be- Ziehungen zwischen den beiden Nationen sind völlig erstarrt. Alle Vermittlungsversuche, die nur Palästina in Betracht ziehen uml die Gründe der Einwanderung außer acht lassen, sind zum Scheitern verurteilt. Die Juden sind gezwungen, aus den anderen Ländern auszuwandern und sie bringen Geld, Erfahrung und Energien nach den Ländern, in die sie‘ einwandern. Wo aber sind die Länder, die vor großen Ent- Wicklungsmöglichkeiten stehen? Es sind vor allem 1m vorderen Asien die Palästina benachbarten Länder; Irak, Syrien, Jemen, Aden. Sie brauchen Geld und Erfahrung, .um ihre Möglichkeiten auszunützen. Niemand ist besser als die Juden dazu geeignet, diesen Ländern den nötigen Auftrieb zu geben. Ich schlage also vor: Das ganze arabische Volk schließt mit den 17 Millionen Juden der Welt ein Freundschafts■׳ bündnis. Es öffnet den Juden die Tore aller von ihm bewohnten Länder. Das jüdische Volk übernimmt es dagegen in all diesen L«ändern, die Industrie, den Handel, die Landwirtschaft, das Gesundheilswesen, das Bankwesen und das Bildungswesen zu entwickeln, kurz alles zu unternehmen, um dem arabischen Volke ein blühendes Gemeinwesen ei» schaffen. Ihr Araber wollt euer Volk in einem Reich vereinigen, wir Juden verstehen das und werden euch darin unterstützen. Wenn ihr mit uns in Freundschaft!eben wollt, könnt ihr von uns wichtige Hilfe erlangen. Für die Großmachte aber werdet ihr immer nur Schachfiguren in einem dunkeln Spiel bleiben. Was aber unseren Streit um Palästina angeht; ihr fürchtet, daß wir euch majorisieren könnten? Nun, wir wollen, daß in allen arabischen Ländern Juden leben sollen, die dort doch gewiß Minderheiten bleiben werden. Ist das Vorhandensein jüdischer Minderheiten in all diesen Ländern nicht Bürgschaft genug, daß wir eine eventuelle Majorität in Palästina nicht mißbrauchen werden? Religiöse Gegensätze bestehen zwischen uns nicht. Die körnmunistische Gefahr bedroht uns beide in gleichet Weise. Aber vielleicht fürchtet ihr den europäischen Materialismus? Auch unsere Traditionsgüter werden durch ihn bedroht. Gemeinsam können wir auch diesen Kampf aufnehmen. Wo sind also die großen Gegensätze der Völker? Ich sehe nur ein Feld zu fruchtbarer gemeinsamer Arbeit. Nehmt also die ausgestreckte Hand und laßt uns gemeinsain den Orient entwickeln, in einer Form, wie sie der Wiege der Kultur würdig ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.