Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-12-01 · Heft 96 (1.12.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 96 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2654012--29923-2691474
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seit« 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, 1. XII. 1936 aus der Not heraus ihre Eheschließung verschoben; bei bes• »ernder Konjunktur schnellte dementsprechend die Heirat*• und damit die Geburtenziffer wieder empor — dn letztes Aufflackern vor dem großen Absturz. Ein Rückgang der Bevölkerung aber, verbunden mit einer ״Vergreisung", wird das Gesicht der Völker merkwürdig verändern, ob es sich um wirtschaftliche, kulturelle oder politische Züge handelt. Die häufig geäußerte Verniutung, daß kinderreichere Völker an die Stelle der älteren treten werden, ist deshalb unsicher, weil man dabei gewöhn• lieh Statten im Auge hat, die entweder durchaus ungenügende Statistik besitzen oder aber neuerdings auch von jener Welterscheinurig ergriffen sind. Hierher gehört z. B. Japan. Und Rufiland mit seinem früher märchenhaften Kinderreichtum hat vcrblüffemlerweise vor Jahren die Veröffentlichung seiner Bevöikerungsbewegung eingestellt. Das und ein dort eifrig begoiinencr Feldzug gegen die ״Birth Control‘‘ läßt vermuten, daß auch das russische Reich in den Strudel der Geburten- Beschränkung hineingeraten ist. in China und Indien aber wiegt vorerst die hohe Sterblichkeit den Kinderreichtum auf. Für uns Juden ist von besonderem Interesse die völlig einzigartige Geburtenziffer der palästinensischen in o - h a m m e d a n i s c h e 11 Araber von über 50 11 ״'׳ >. ♦ Wie aber steht es rnit den Juden selbst? Wir haben uns im Laufe der letzten 10!) bis 200 Jahre ungewöhnlich rasch vermehrt; wenn auch die nachfolgenden Angaben vielleicht keine untrügliche Grundlage für Ihre Vermehrung Meten. Denn es ist sehr leicht möglich, dal! allmählich die Schätzungen vollständiger wurden und dadurch die Zunahme noch stärker erscheint als sic wirklich war. Nach den mverlässigsten Angaben betrug der jährliche Zuwachs bei den Juden der Welt; 1850 bis 1380 : 75 000; IS«) bis 1<H)0: 150 000; 1000 bis 101025;180000 :25־ bis 1013: 105 000!015: 05 000; 1036: 00 (XX). Ob die Ziffern genau sind oder nicht, so dar[ wob! kein Zweifel ln׳-tehen, daß die Juden an der überaus raschen Vermehrung der weilkm Bevölkerung im 10. Jahrhundert mehr als ihren vollen Anteil hatten: denn sie genossen eine Periode relativer Kühe, das bewahrte sie vor hoher Sterblichkeit, und sie!liehen noch lange an dem traditionellen Kinderreiditum fest; wir alle wissen ja, wieviel Geschwister unsere Oroßcherii noch hatten, ln der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundirts fing das in West- und Mitteleuropa an abzubröekelit; dort waren ja die Juden die Schrittmacher in der tiebiirieneiiischräiiku 11 g. l ange schien tler Osten unter dem Schutze der Ge setz es! reue ein Bollwerk gegen diese Tendcnz zu bilden. Aber auch liier ist seit dem Kriege eine grundlegende Aeiielerung zu bemerken. Und so ergibt sich heute ungefähr folgendes Bild für die Wcltjudenheit, wobei sich deutlich fünf charakteristische große Gebiete im jüdisehen Bevölkerung-, sektor unterscheiden lassen: 1. Hoher Geburtenüberschuß von etwa 2°;« im Jahr; Palästina und seine arabischen Nachbarländer, 2. ״Normaler“ Geburtenüberschuß von etwa I <p> im Jahr: Polen (und vermutlich Rußland), 3. Bescheidener Geburtenüberschuß von etwa Igtapp V*״,a im Jahr: Nordamerika, Rumänien und Baltische Stauten, 4. Annäherndes Gleichgewicht zwischen Geburt und Tod: Westeuropa, große Teile des Britischen Weltrcichs, 5. Schnell steigender Sterbeüberschuß in Mitteleitropa einschließlich Böhmen, Mähren, Oesterreich, Ungarn usw. Ziffernmäßig mag das für 1015 ungefähr wie folgt ausausschen: Juden Geburten- Kiffer St erbe- Überschuß Gc buft b s w. Sie ü 11 c r « relativ et: - (d ) rbe-(״) rhuß nlisolut I. Grupp« 1 Miüiu« J. , . 6 1 . . 6 4. . . 1 5, . . 1'/. . fiind 30 0׳ui . W . H »/,״ . )0 , f> ״M rund 10 1',/ס*■■. . 10 ■Vc ,.,׳' 10 . . 10 'Im ״ '״ 17 ״ T t;/w k 10 «״׳ 44 ־ % — 6 0׳,:, 000 סב •4 60000 24000 ¬ו¬ סיס 9 — ZuMmmM» 15Dj MiHtonenl rund 16^-,0 (i*JU 1 Splittt׳rs?eh>Tt* 0,1 m ן rund 1Q2 °/0J ¬1 ,6,17 ¬ו + M0QQ! Diese Splittergebide umfassen so heterogene Bestandteile wie etwa das ׳überaus kinderreiche Karpatlitmißlaild, das ziemlich kiiiderarme Holland, ferner Indien, China usw., sie trüben das Gesamtergebnis kaum. Mau wird deshalb der Wuhrin it ziemlich nahe kommen, wenn man für die Gegenwart noch mit einem Jaiiresübersdiuß von 9O0ÜO bis 05 000 Juden rechnet. Aber dieser natürliche Bevölkerung-Überschuß (etwa halb so groß wie zu Beginn des Jahrhunderts) würde selbst dann rasch verschwinden, venu die Geburtenkontrolle erlahmen würde (was wohl niemand an nimmt). Denn dieser Uebcrschuß ist ja nur erzielt worden durch jene schon erwähnte anormale Alterszusammensetzung. Eine Sterblichkeitsziffer von rund 10 %0 kann nicht bleiben; sie wird sehr bald ansteigen; wiederum, wie schon so oft in ihrer langen Geschichte, steht auch für die Juden ein Bevölkerung*• rückgang bevor. Was wird diese Wendung für uns bedeuten? Zunächst könnte bei dem augenblicklichen furchtbaren Druck «In Bevölkerungsrückgang in manchen Gebieten eine gewisse Erleichterung bringen. Man denkt hier unwillkürlich an Polen; dort war bis vor kurzem die Auswanderung durch den Geburtenüberschuß mehr als ausgeglichen worden. Das scheint allmählich anders zu werden; so zeigten bereits die allerletzten Jahre ein annäherndes Gleichgewicht zwischen beiden; wenn die Weltkonjunktur und vor allem die Ein- Wanderungsmöglichkeit nach Palästina anhllt, 80 Ist für Polen ein langsamer Rückgang der Juden zu erwarte«. Freilich wird dann dort jener allgemeine Ueberalterungsprozeß doppelt rasch fühlbar werden, weil die Jugend In erster Linie abwandert. Die jetzt In der Judenschaft Deutschlands vor sich gehende Vergreisung wird sich mit allen Begleiterscheinungen auch jenseits der deutsche« Grenzen zeigen. Die Einwanticrungserschwerungen aber, die ein so furchtbares Problem für die Juden bilden, werden unter Umständen unter den Wirkungen des internationalen Geburtenstreiks gelindert werden, Wenn nämlich der eigene Nachwuchs immer spärlicher wird, so kann sehr wohl der Die Kgl. Kommission Welsmanns Einvernahme Wfe schon kurz gemeldet, fand vorigen Donnerstag eine geschlossene Sitzung der Kommission statt, m *1er Dr. Weizmann, der von den Herren Schertok und Stein begleitet war, seine Aussagen fort setzte. Ein Telegramm der Palcor meldet, daß Weizmanns Aussagen in dieser ge* schlossenen Sitzung der Kommission ebenfalls über 2• ״ Stunden gedauert haben. Aus seinen früheren Ausführungen, so heißt es weiter, darf der Schluß gezogen werden, daß er Donnerstag die fundamentalen Ursachen der Unruhen und die Stellungnahme der Pallstina-Verwaltung behandelte. Ferner wird an genommen, daß Dr. Weltmann die Beschwerden der Juden darlegte. Die hebräische Presse bringt einstimmig die Mcinung zum Ausdruck, daß der 25. November als großer Tag in die jüdische Geschichte eingelieti werde. ״Haaret“ vergleicht Weizmanns Erscheinen vor der Kommission mit seinem Erscheinen vor der Friedenskonferenz. und erklärt, ״das Gewissen des jüdischen Volkes sprach zur Kommission und durcli diese zur ganzen Welt“. — ״Dawar“ schreibt: ״Die Kommissionsniitglicdcr lauschten Weizmanns historischer Erklärung mit Ehrfurcht; er sprach sowohl dramatisch als tief. Seine Worte waren von nationalem Stolz, Mut und tiefem Glauben an die Gerechtigkeit unserer Sache beseelt.״II a b o k e r“ erklärt, daß Weizmann der Ehre des Zionismus neuen Glanz verliehen hat, ״Seine Worte ließen erkennen, daß ein stolzer und würdiger Führer von Millionen die Sache seines Volkes vertrat. Es war ein frotier Tag für die jüdische Geschickte, ein Tag des riuniplies für Weizmann.“ — Die englisch geschriebene ״Palest ine Post“ erklärt, daß Weizmann nicht nur die katastrophale Lage der Juden in der Wh eindrucksvoll geschildert, sondern auch klargemaclit habe, daß die Junen nie aufhören, Frieden und Kooperation mit den Arabern anzustreben. Aus allen Teilen des Landes, sowie auch aus dem Aus-!and empfängt Dr. Weizmann Gratulationen zu seiner glänzenden Verteidigung des Zionismus vor der Kgl. Koinmission, Ussischkin stattete Weizmann einen Besuch ab, um ihm persönlich zu gratulieren, Die arabische [,resse äußert sich voller Zorn über Dr. Weizmanns Aussagen und bemerkt dazu, daß die Araber sich niemals damit einverstanden erklären werden, daß 6 Millionen heimatloser Juden aus Europa nach Palästina kommen, und daß ״Palästina jüdisch ist, so wie England englisch ist“. Fragen der Landwirtschaft Jerusalem, 27. November. (Palcor.) Die heutige Sitzung der Kgi. Komiiiission, die unter dem Vorsitz des Vizevorsitzenden Sir Horaee Ru 111 hold stattfand, da der Vorsitzende Lord Peel von einem leichten Unwohlsein befallen wurde, war den Fragen der Landwirtschaft gewidmet. Mr. Dawe, Leiter des Lnnclwirtschafts-Deparicmeuts der Regierung, war als Zeuge erschienen. Mr. Dawe sagte aus, daß die Juden 153 000 Dunam Zitrus, die Araber 147 000 Dunam gepflanzt haben. Eine Familie benötige zu ihrem Lebensunterhalt 10 Dunam Zitruspflanzung oder 130 Dunam Getreideboden. Der Absatz der 25 000 000 Kisten, die die bereits bestellenden Pfanzungen hervorbringen, sei zwar nicht leicht, jedoch nicht urutiöglieh. Mr. Dawe unterstrich die Notwendigkeit einer Verbessemng der Absatzbedingungen, wobei er insbesondere auf die Frage der Einbeziehung Palästinas in die Reiiie der Länder, die bevorzugte zollpolitische Behandlung innerhalb des Britischen Reiches (״Imperial Preference“) genießen, liinwies. Mr. Dawe bemerkte, daß eine beträchtliche Bodenfläche, die bisher nocli für Zitrusbau ungenützt sei, sich für diesen Zweck eigne. Was Oliven anbetrifft, so seien 475 000 Dunam mit Olivenbäumen bepflanzt, und die Regierung habe Pläne zur Erweiterung dieses Zweiges der Landwirtschaft entworfen, die jedoch infolge der Unruhen noch nicht zur Durchführung gelangen konnten. In! weiteren Verfolg seiner Aussagen beschäftigte sich Mr. Dawe mit dem L a n d w i r t s c n a f t s - A u s s c 11 u ß, dem, wie er angab, sowohl Juden als auch Araber und englischc Rcgicrungsbcamtc angehörten, die alle in vollster Harmoiiie zusammenarbeiieten. Die Kommissionsmitglieder zeigten Interesse für die Anbaumöglichkeiten in Beer Scheba, vorausgesetzt, daß Wasser gefunden würde. Mr. Dawe erkürte dazu, daß diese Möglichkeiten von der Meiyje de« gefundenen Wassers und von der sorgfältig zu studierenden Bodcnform abhängig seien. Ueber die wichtige Frage des Forstwesens wird erst nach Wiederherstellung von Lord Peel verhandelt werden. Erziehungsfragen Nach Dawa trat Mr. B o w m a n, der Leiter des Er* ziehungs-Departemcnts, vor die Kommission. Er wurde von Prof, Reginald Coupland verhört, der gründliche Sachkenntnis an den Tag legte und besonders betonte, wie wichtig es für die Entwicklung des Landes sei, daß die Mandatarrnacht der Pflege der Erziehung Aufmerksamkeit z.uwende; Professor Coupland wies in diesem Zusammenhänge darauf hin, daß Palästina das einzige Land unter den englischen Kolonien und Mandatsgebieten sei, wo Englisch nicht die Unterrichtssprache ist. Bowman gab einen Ueberblick über das palästinensische Erziehungswesen, wobei er zugeben mußte, daß die Regierung für das jüdische Erzichu 11 gs wesen sehr wenig leistet. Der Beitrag der Regierung macht nur einen sehr kleinen Teil des jüdischen Scliulhudgets aus. Die Arbeit der jüdischen Volksschulen erziele sehr gute Erfolge. Bowman erklärte, daß 5 % des Ocsamtbudgets der Regierung für Erziehungszwecke verwendet werden, was außerordentlich wenig ist, selbst wenn man in Betracht zieht, daß die Regierung große Summen ihres Ausgabenbudgets für die Aufrechterlialtung der Sicherheit anwcmlcn muß. Die Sub* ventionimmg des jüdischen und arabischen Erziehung*- wesens seitens der Regierung erfolge proportioneil, gemessen an der Anzahl schulpflichtiger Kinder in den beiden BcvÖlkerungsteilen. Prof. Reginald C o u p I a n d fragte, was die Palästina- Regierung tue, um eine Annäherung zwischen i ü - di sc 11 cn und arabischen Schulkindern herbei- Zufuhren? Mr. Browinan antwortete, cs werde von der Regierung in dieser Richtung nichts unternommen, einerseit* wegen des Widerstandes der niclitjüdischen Eltern und andererseits mit Rücksicht auf den Rcligionsunterschied. Nur von Missionaren und einigen anderen Personen werde der Versuch gemacht, die Jugend der beiden Völker einander näherzuliringen. Prof. Coupland fragte, warum in den Regierungs- Schulen Palästinas nicht Hebräisch gelehrt werde, das doch die offizielle Sprache Palästinas sei. Mr. Browman: Eine der offiziellen Sprachen. Auf Fragen über das höhere Schulwesen gab Mr. Browinan schließlich bekannt, daß es in Palästina nur die Hebräische Universität in Jerusalem gibt, die 600 bis 700 Studenten die Möglichkeit des Studiums im Lande selbst bietet, während 700 bis 800 jüdische junge Leute im Ausland, hauptsächlich in England, studieren, Die Regierung sorge für die Erhaltung von sieben arabischen St udeuten an der Universität Beirut. Den Unterschied des jüdischen und des arabischen Bildungsniveaus kennzeichliefe Direktor Bowman durcli die Feststellung, dati die jüdischen Kinder zu vollen 100 Prozent die Schule besuchen, während dies nur bei 2S Prozent der arabischen Rinder, *utrifft. Infolge •der gründlichen Art der Fragestellung Professor Couplands waren ergänzende Fragen seitens der anderer! Kommissionsmitgiieder nicht notwendig. * Di« Kommission verhörte am Montag, 30. November, die Mitglieder der Exekutive Mosche Schertok und Dr. Werner Senator über fragen der jüdischen Elnw*nd e r u n g. Nach einer stürmischen Debatte beschloß das Oberste Arabische Komitee, Nashashibi die Erlaubnis zu erteilen, inoffiziell vor der Kommission zu erscheinen, una zwar in Amman, das die Kommission in 14 Tagen besuchen wird und wo Nashashibi dann als Privatperson die arabischen Forderungen Vorbringen soll. Drei Mitglieder der Kommission besuchten Ataroth, wo sie sich mit verschiedenen Siedlern, die unter den Unruhen sehr stark gelitten haben, unterhielten. Die Besucher erkundigten sich nach ihrer Arbeit und stellten Frage« über die zionistische Bewegung im allgemeinen, die von den Siedlern ausführlich beantwortet würden. Wasserstrahl und Tränengas Wir berichteten in der vorigen Nummer über die Be- Setzung und Blockade der Warschauer Universität durch die iiationaidemokratisclicn Studenten, deren Hauptforderung die A 11s o 11 d e r u 11 g d c r Juden ist. Am Mittwoch nachmittag fuhr die Polizei Motorspritzen vor der Universität auf und zwang die Studenten, sich in das Innere der Gebäude zurückzuziclien. Gegen Mitternacht erfolgte dann eine große Polizeiaktion, durcli die sämtliche Gebäude der Universität gewaltsam geräumt wurden. Die Studenten cröffneten gegen die Polizei ein Trommelfeuer mit Steinen und anderen Wurfgeschossen. Die Polizei ging gegen sie mit Tränengasbomben und Feuerspritzen vor. "Bei der Aktion wurde die Einrichtung vieler Hörsale zerstört. 150 Studenten wurden in Haft genommen. Die jüdischen Advokaten in Polen Warschau, 20. November. (JTA.) Die General-Ver- Sammlung der Warschauer Advokatenkammer hat mit 1000 gegen 400 Stimmen den von den Nationaldemokraien eingebrachten Antrag auf Einführung des Arierparagrap 11 en a b g e I c h n t, Dem nationaldemokratisclien Antrag zufolge sollten in Zukunft nur noch Advokaten zur Berufsausübung zugelnsseu werden, die drei Gene* rationen hinauf nichtjüdische Abstammung nachweisen. Ein ähnlicher Antrag wurde auch auf de!־ Oeneral-Ver- Sammlung der Advokatenkammer von Krakau abgelehnt. Nachdem 40 Nationaldemokratcn den Saal verlassen hatten, wurde eine voll Dr. Feldblum beantragte Resolution einstimmig angenommen, die sich dagegen wendet, daß Konfükte in die Advokatenkammer hineingetragen werden. so lange schon verstummte Ruf nach Einwanderung wieder laut •werden. Unsere Generation hat vergessen, daß einstmals die neuen Länder Sendboten für Immigranten ausschickten. Selbst in der Nachkriegszeit, für welche die Ab- Schließung von fremden Waren und fremden Menschen so bezeichnend ist, hat das kleine Frankreich eine runde Million Einwanderer aufgesogen. Und das war kein Zufall; denn Frankreich war das erste Volk mit einer Bevölkerung*- Stagnation. Wenn aber die anderen Länder in eine ähnliche Lage kommen werden, so werden sie vielleicht in ihren alten Rekrutierungsgebieten Schwierigkeiten finden, da dort in der Zwischenzeit selbst der Nachwuchs stocken wird. Uni ein Beispiel zu geben: das klassische Einwandcrerland Amerika erwartet in längstens 20 Jahren den Schnittpunkt Itauptsetirli! leitet: Dr. Robert Welt sch, Berlin * Charlott«nburg 9 (auch »*rantworttirh für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter« Kurt Loewtnitain, Berlin W 15. Atueigeiüeiter und verantwort* lieh für den Inhalt der Anreigen! Hermann Finn, Berlin W 16• Güllig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenvciwaliung: Iii lischc Rundschau. Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.-A. Oktober 35 084. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schünebcrg. zwischen Geburten- und Sterbekurvc. Seine alten und bevorzugten Meiischenlieferanten, England, Deutschland, Skandinaviere werden sich vermutlich energisch gegen Abgabe ihrer Jungmaimschaft sperren. Man wird dann wohl gezwungen sein, auf andere Gruppen zurückzugreiferi, um nicht die Lücken von der anderen Seite des Pazifik fühlen zu müssen. * Diese höchst lückenhaften Spekulationen über eine sehr folgenschwere Erscheinung vom jüdischen Standpunkt werden für den Geschmack mancher Leser zu weitschauend sein; mag sein — aber in unserer furchtbaren Lage sind solche Ausblicke erlaubt, falls sie eine gewisse Unterlage haben. Vielleicht darf daran erinnert werden, wie man Jenen miß* traute, die vor 31,4 Jahren Auswanderern gsmöglichkeiten für Hunderttausende deutscher Juden sahen. Auch damals schien kein Ausweg. Wie damals wird auch heute Und stets eine gewisse Phantasie ihr Gutes haben. Wir haben hier für heute nur einen einzigen Gesichtspunkt herausgearbeitet, unter dem der Geburtenrückgang Innerhalb und außerhalb der Judenheit betrachtet werden kann. Aber «r ist vielleicht wichtig genug. i t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.