Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 95 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 95, 27. XI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sette TS UMSCHAU Arbeiterbewegung / Fritz Na!י hta 1i Die Vereinigung der Kibbuz-Bewegung Anläßlich des Jubiläums von Deganiah hat Berl Katznelson durch einen Aufsatz, von dem an dieser Stelle berichtet wurde, die Diskussion über die Gefahren der immer stärker werdenden Trennung zwischen den verschiedenen Gruppen der Kibbuz-Bewegung (Kibbuz Meuchad, Cliewer ha-Kwuzoth lind Kibbuz arzi des Haschomer Hazair) und über das Streben nach einer Vereinigung, die er der früheren Vereinigung der Arbeiterparteien in Ercz Israel an Bedeutung gleichschätzt, eröffnet, ln der Zwischenzeit sind auch im Zusammenhang mit der Aufnahme von Einwanderern aus Deutschland (mit den sogenannten ״Samuel- Zertifikaten“) die Schattenseiten des Konkurrenzverhältnisses der Bruder-Bewegungen erneut in Erscheinung getreten und man hat deshalb der Tagung des Kibbuz Meuchad, des stärksten der drei Zweige, die sich auch mit der Einigungsfragc beschäftigte, mit Spannung entgegengesehen. Die Tagung, die vom 2. fcis 7. Oktober in Jagur stattfand, gab ein eindrucksvolles Bild von der Entwicklung und der großen Leistung des Kibbuz gerade in der Periode der Unruhen. Aber in der Behandlung der Einigungsfrage hat sie manche Enttäuschung hervorgerufen. Das Referat von Ben Ahron bejahte zwar grundsätzlich den Wunsch nach der Vereinigung der kibbuzisehen Bewegungen, es unterstrich aber praktisch alle Schwierigkeiten so stark, daß es im Verein mit der angenommenen Entschließung auf die anderen Zweige der Bewegung wie eine Ablehnung des Gedankens gewirkt hat. Ben Ahron ging davon aus, daß bei den Kibbuz-Bewegungen die LJnterschiede der Auffassungen tief in das Leben der Wirtschaften und die Lebensgesialtinig der Menschen eingreifen. Es sei nicht möglich, zur Einheit zu gelangen durch eine Verwischung der im wirkliehen Leben bestehenden grundsätzlichen Verschiedcnheiten. Er unterstrich die Grundsätze des Kibbuz Meuchad, von denen nichts aufgegeben werden könne, und die — so verstanden es die anderen Gruppen — allgemein anerkannt werden müßten als Voraussetzung für eine Vereinigung: vor allem steht die Ablehnung jeder Autonomie der einzelnen Siedlungspunkte und der Zentralismus der Führung im Vordergrund. Daneben spielten die Betonung der Zusammenfassung von Landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben in den Sicdlungspunkten, die unbegrenzte Ausdehnung der Zahl in den einzelnen Punkten, die Einbe/iehurig der Lohnarbeit außerhalb der Wirtschäften als ständige Einrichtung eine wesentliehe Rolle. Die Entschließung, die bei grundsätzlicher Anerkennung der Einigungstendenz den besonderen Standpunkt des Kibbuz Mcvchad so in den Vordergrund rückt, daß eigent-!ich nur der Vorschlag zu gemeinsamer *Kultur- und Erziehungsarbeit übrigbleibt, wurde mit einer Mehrheit von zwei Dritteln an genommen. Der Merkas des Chewer ha-Kwuzoth und Gordoniah, der kurz danach in Raniat- David tagte, veröffentlichte «ine Erklärung, in der er die Entschließung von Jagur bedauert, in der er als Bedingung der Einigung die Annahme der Prinzipien des Kibbuz Meuchad erblickt und in der die Geringschätzung der Auffassungen der anderen Gruppen zum Ausdruck kommt. Der Widerhall von seiten des Haschomer Hazair ist ebenfalls ablehnend. Die erste Etappe der Diskussion ist leider negativ verlaufen. Der Außenstehende, der die großen positiven Leistungen aller drei Gruppen für den Aufbau von Erez Israel zu würdigen weiß und dem der ideologisch unterbaute Partikularismus verschiedener nebeneinarider berechtigter Arbeitsformen als eine Gefahr für die Bewegung, vor allem auch für die chaluzische Jugend, erscheint, die zu Entsclieidüngen gedrängt wird, für die ihr die Voraus- Setzungen fehlen müssen, darf die Hoffnung aussprechcn, daß die Einigungsbestrebungen von allen Seiten fortgesetzt werden. Die lernende Jugend Die zur Arbeiterbewegung gehörige, aus verschiedenen Gruppen entstandene chaluzische Organisation der auf den Mittelschulen in Erez Israel lernenden Jugend (״Ha-Noar 11a-owe<l“), die Machanot ha-Olim, haben den Tag ilires zehnjährigen Bestehens gefeiert. Wie die Erwachsener! in Erez Israel keineswegs alle 2ionisten sind, so sind die Jungen und Mädchen, die hier aufwachsen, keineswegs von selbst Chaluziin und Chaluzofh. Ja, vielleicht ist die Erfassung dieser Jugend, der das Erlebnis der Galuth mit ihrem Antisemitismus fehlt, in maneher Beziehung schwerer, als die Erfassung der jüdischen Jugend in der Galuth, der das Ziel der Alijah vor Augen stellt. So ist es auch nur ein begrenzter Kreis der auf den Mittelschulen und Gymnasien lernenden Jugend, die zum groBen Teil aus bürgerlichen Schichten stammt, der sich organisatorisch mit der Arbeiterbewegung und der Kibbuz-Bewegung im besonderen verbunden hat. Aber diesem Kreis des Nachwuchses im Lande kommt eine große Bedeutung zu. Die Machanot ha-Olim gehören zum Kibbuz Meuchad. Daneben haben Haschomer Hazair und Gordoniah auch ihre Ju■ gendgruppen in Stadt und Land. Die Entsclieidüng Ser Schüler für die eine oder andere Gruppe hängt in vielen, wahrscheinlich in dem meisten Fällen, im fast kindlichen Alter von zufälligen persönlichen Einflüssen ab und hier ist das Problem, das man in einem Alter, in dem ein bewußtes Bekenntnis zum chaluzischen Gedanken und zum Gedanken der Selbstarbeit schon möglich ist, eine unmögliche Entscheidüng für bestimmte Organisationsprinzipien fordert, besonders illustrativ für das vorher erörterte Einigungsproblem. Die Machanot ha-Olim haben neben ihren Erzichungs- und Vorbereitungsgruppen in den Städten bereits Gruppen, die in Raananah und im alten Ejn Charod (Kwuzath Hachugiin) auf dem Lande arbeiten und sie sind im Begriff, in Schaftah, im Eniek Jesreel, einen neuen Siedlungspunkt aufziibauen. 100 Menschen sind dort bereits an der Arbeit. 3200 Dunam Keren- Kajemeth-Boden stehen zur Verfügung. Ferner haben sie eine Gruppe für die sciiwcre Eroberungsarbeit am Südcndc des Toten Meeres estellt. Enge freundschaftliche Beziehungen cstchen zwischen der Organisation der lernenden Jugend und der Organisation der arbeitenden Jugend (Noar owed), und es mag erwähnt werden, dal! über die Schulen schon eine gewisse Zahl der aus Deutschland eingewanderten Jugend deti Anschluß an diese Bewegung geflinden hat, die sie von der Stadt auf das Land, in den Kibbuz und in die Arbeiterbewegung hineinführt. Lohnrüdestände Die mannigfachen Schwierigkeiten, mit denen Teile der jüdischen Industrie in der letzten Zeit zu kämpfen haben, haben innerhalb der stijdtisehen Arbeiterschaft das Problem der rückständigen Lohnzahlungen, das in der Orangenpflanzungswirtschaft schon lange eine unerfreuliehe Erscheinung war, zu einem brennenden gemacht. Die Schätzung der erarbeiteten, aber nicht bezahlten Löhne geht auf eine Zahl von vielen tausend Pfunden. Das bedeutet in vielen Fällen Not im Haushalt auch des besebäftigten Arbeiters, es bedeutet Zwang zur weiteren Ausdehnung einer ungesunden Borg- Wirtschaft beim Kleinhändler und nicht selten endgültige Verluste auf den schwächsten Schultern. Nicht vereinzelt sind die Fälle, in denen die Histadruth von Arbeitgebern um die Vermittlung von Darlehen für Lohnzahlung und Aufrechterhaltung der Beschäftigung angegangen wird. Man kann es aus den besonderen Verhältnissen des Landes, in dem der Kampf mit der Arbeitslosigkeit und ihren Folgen fast ausschließlich die Funktion der Allgemeinen Arbeiterorganisation ist, verstehen, dal! diese ungesunden Methoden der Hilfe für schwache, zur Lohnzahlung unfähige Betriebe nicht immer unbedingt abgelehnt wird. Man muß aber auf die Unmöglichkeit dieser Methoden hinweisen und betonen, daß es zu den ersten gewerkschaftlichen Aufgaben, für die es in fortgesehrittenen Ländern Hilfe durch das Gesetz gibt, gehört, die Auszahlung des erarbeiteten Lohnes zu sichern. Der Arbeitgeber muß durch die öffentliche Meinung und die Gewerkschaft zu dem Bewußtsein gebracht werden, daß Rückstände im Lohn gleichbedeutend sind mit Bankerott und daß die Zahlung der Löhne die dringendste seiner Verpflichtungen ist. Dem Kenner westeuropäischer Verhältnisse scheint das selbstverständlicher, als hier vielen Arbeitgebern und Arbeitern, denen aus osteuropäischen Ländern die schlechte Sitte der 11npünktlichen Lohnzahlung nicht fremd ist. Daß dieser Kampf gegen eine frühkapitalistische Unsitte in Erez Israel eine erhebliche aktuelle Bedeutung hat, zeigt einerseits die elementaren gewerkschaftlichen Aufgaben der Histadruth lind andererseits beleuchtet es die oft von ihren Gegnern ausgesprochenen maßlosen Ucbertreibnngcii von der Machtstellung der Histadruth gegenüber den privaten Unternchmern. ,,Chug Ariosoroff“ Die Erfahrung, daß das Einleben der Ein- Wanderer aus Westeuropa und Deutschland, im besonderen in das politische Leben des Landes, mit Schwierigkeiten, verbunden ist, die vielleicht in erster Linie, aber nicht nur auf mangelnder Sprachgewandtheit beruhen, hat im Rahmen der Arbeiterpartei (Mapai) zu einem neuen Versuch des Findcus einer Form der engeren Zusammenarbeit zwischen neueingewanderten und alteingesessenen Gesimiungsgenossen geführt. Es wurde — zunächst in Tel-Awiw — ein ״Chug Ariosoroff“ gegründet, der durch Versammlungen, Diskussionen, U11terriehtsveranstaltungen und Publikationen einen Kreis von Menschen mit verschieden langer Vergangenheit im Lande zur Beschäftigung mit politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen ziisatnmenfassen soll. Der Name Ariosoroff dient als Kennzeichen der politischen und kulturellen Richtung, die die Gruppe pflegen will. Die Sprache des ״Chug Ariosoroff“ ist hebräisch. Zur Erleichterung für die neuen Einwanderer wird eine dem ״Hapoel Hazair“, der Wochenschrift der Arbeiter- Partei, an711 gliedernde Beilage des ״Cluig Arlosoroff“ punktiert erscheinen. Die ersten Veranstalümgen zeigten, daß cs gelungen ist, eine Reihe von Menschen, die dem regulären Parteileben bisher fernstehen, aber schon im Ausland der palästinensischen Arbeiterbewegung nahestaiidcn, zu interessieren und mit Cliavvcrim, die in der Bewegung erfahren sind und die Besonderheit der Aufgabe der Eingliedcrung der westeuropäischen Einwanderer erkennen, zusammenzubringen. In der Eröffnungssitzung am 14. Oktober sprachen Meir Grabowski und Mosche Brachmann einleitend Und das Hauptreferat über die gegenwärtige politische Lage hielt l)r. Georg Landauer. Der zweite Abend war den aktuellen Fragen der Kommunalpolitik in Tel-Awiw gewidmet, mit einem Referat des Mitgliedes des Stadtrates, Gurfinkei. Ein ״Joman“ des ״Chug Ariosoroff“ soll vor allem dazu dienen, den Inhalt von Referaten und Diskussionen für die Mitglieder des Kreises festzuhalten. Es ist natürlich verfrüht, über dieses Experiment heute schon zu urteilen, aber es ist erfreulich, daß es gemacht wird, denn die Bewegung hat einen zu großen Bedarf an geschulten Menschen, als daß sie nicht alles versuchen müßte, um keine Kräfte in dem schwierigen Einordnungsprozeß in das Leben des Landes verlorengehcri zu lasser». Geistiges Leben/Escha Bergman» Kulturkongreß Der vor kurzem von dem Dezernenten des Kulturdepartements der Knesscth Jisrael Dr. Juda Kaufmann nach Tel-Awiw cinbentfette Kultur kongreß bot wohl mehr das Bild einer Demonstration als das einer geordneten Verhandlung über geschlossene Themata. Hätte man eine solche Verhandlung gewünscht, so würde es einer viel längeren und systematischeren Vorbereitung in der Presse bedurft haben, um das Interesse für bestimmte Probleme nicht nur zu erwecken, sondern auch zu beleben, und auch die Teilnehmer hätten auf gewisse zentrale Themen vorbereitet sein müssen. So aber griffen die Reden und Vorschläge nicht ineinander, und die Endbeschlösse haben ein weit geringeres Gewicht als der Auftakt der Zusammenkunft, die große Rede Juda Kaufmanns, es erwarten ließ. Diese Beschlüsse, die zur Gründung eines Kulturfonds und zur Förderung des Hebräischen aufriefen, waren zweifellos richtig und wichtig, aber sie waren keine Antwort auf Kaufmanns einleitende Worte, die Schwierigkeiten aufdeckten, die durch Organisator! sehe Maßnahme keineswegs behoben oder auch nur gelindert werden können. Diese Rede war eine Klage über den Abfall und die innere Entfremdung von dein Erbe unserer Religion, die durch Jahrtausende der große Gegenstand unserer Kultur gewesen ist, sie war der Ausdruck des Schncns und Strebcns nach Wiedcraufrichtung der geistigen Kontinuität, nach einer Wende der Herzen zu dem Lebensgrunde der Väter. Sie zeigte die Danaidenarbeit für die h c b r ä - ische Sprache in Palästina auf, den Antagonismus zwischen den Forderungen ״Ein- Wanderung“ und ״Hebräisch“, das schwere Los des Einwanderers, der von seiner Mutterspräche abgetrennt wird und die furchtbare Gefahr, die der dauernde Zustrom von Siammelnden und Analphabeten für die hebräische Sprache bedeutet. Es ist wahr, der Widerbali dieser Worte war in der Versammlung selbst nicht sehr stark, aber sie wurden doch an hervorragender Stelle und von dem offiziellen Leiter unserer Kulturarbeit gesagt und erschienen am folgenden Tage in der Tagespresse. Und so ist es schwer begreiflich, wie der Misrachi so wenig Gefühl für Zeit und Ort seiner Aufgabe haben konnte, daß er dieser Versammlung offiziell fernblieb. Es war zwar eben nur ein ,,offizielles“ Fernbleiben, denn namhafte Mitglieder des Misrachi haben sich an der Versammlung beteiligt, aber, was schwerer wiegt, es war kein Fernbleiben aus Prestigegründen wie bei den Revisionisten, sondern es wurde weltanschaulich begründet mit dem Prinzip des Misrachi, keine jüdische Kultur anzuerkennen, die nicht auf der Thora fußt. Diese Haltung ist ein verhängnisvolles Erbe aus langen Jahren ״zionistischen Kultur- Kampfes“ und ein Widerspruch zu der wahren historischen Aufgabe des Misrachi. Fortbildungskursus für Hebräisdtlehrer Dr, Juda Kaufmann hat auch das Verdienst, kurz nach Uebernabme seines Amtes einen Anfang gemacht zu haben, um dem anarchisehen Zustand des Hebräischlernens in Palästina ein Ende zu bereiten. Er arbeitet darauf* bin, ein Berechtig ungswesen einzuführen, das alle von öffentlichen Institutionen angestcllten oder subventionierten Hebräisch- Lehrer erfassen soll. Sein Ausgangspunkt war, daß man die Aufgabe des Lehrers dem Ein- Wanderer gegenüber völlig verkennen würde, wenn man sich für den Unterrichtenden mit einer bloßen Kenntnis der hebräischen Sprache begnügte. Im Vordergrund aller Forderungen, die man an den Lehrer stellen muß, der dem Einwanderer die Tür zum hebräischen kulturellcn Leben öffnen soll, steht die J 11 <1 c ntumskunde. So wurde in diesem Sommer in Jerusalem der erste Kursus für Sprachlehrer eröffnet, der sechs Wochen bei täglich achtstündiger Arbeit dauerte und neben Vervollkomnuiung in hebräischer Sprachwissenschaft Belehrung in allen Zweigen der Judentums- und Palnstinnkunde gab. Mehr als hundert Teilnehmer fand dieser Kursus trotz der gespannten Atmosphäre und der schweren politischen Lage. Natürlich ist ein solches auf kurze Zeit beschränktes Seminar trotz der inicnsiven Arbeit mehr als eine Anregung zu weiterer Seihstarbeit denn als eine Ausbildüng zu werten. Trotzdem unterzogen sich ungefähr 50 Teilnehmer der anschließenden Prüfung, und mehr als vierzig bestanden sie auch. Dieses Seminar soll zu einer ständigen Einrichtung werden. Radio Die Chance des hebräischen Radios tu Palästina ist sicher noch nicht voll ausgenutzt. Noch fehlt für alle gewichtigeren jüdischen Zentren der Diaspora die technische Möglichkeit, die hebräische Sendung zu hören. Das ist um so mehr zu bedauern, als das hebräischc Radio deutliche Tendenzen zeigt, die es über die lokalen palästinensischen Angelegenheiten hinausheben und eine Wirkung auf das ganze Volk in all seinen Schichten anstreben. In letzter Zeit ist mehrfach Kritik gegen das Radio laut geworden, daß der Kreis der Mitarbeiter beschränkt und die Darbietungen eintönig seien. Das mag für manche und nicht unwichtige Gebiete, wie die Kinderstunde, zutreffen. Aber im ganzen ist die Herauskristallisierung bestimmter Themen und Veranstaltungen mehr zu begrüßen als zu bedauern. Nicht alles ist dabei in gleicher Weise geglückt. So ist der tägliche ״Kalender“, in dem die Biographien entsprechend den Jahrestagen berühmter Toter verlesen werden — so sachkundig die Stoffwahl gctroffen und so interessant das Material oft ist — allzu sehr Chronologie und wenig lebendig. Eine glückliche Einrichtung hiigegen ist die Verlesung der Haftarah, die zuweilen auch durch andere Bibclausschnitte ersetzt oder von ihnen begleitet wird, an jedem Freitagabend. Häufig schließt sich an die Verlesung noch ein Vortrag über ein historisches oder folklorisches Thema an. So fand in letzter Zeit ein interessanter anzichender Schallplatten-Vortrag über jüdische Vorbeterkunst statt, der allwöchentlich manche schöne und berühmte Beispiele auf diesem Gebiete brachte. Dankbar hervorzuheben ist auch die Ausgestaltung der Feste. Am Abend des Festtages finden ein oder zwei kurze (je cinviertelstündige) Vorträge über die gc- Schichthöhe Bedeutung des Festes und seine Bräuche statt. Danach erfolgt die Verlesung eines charakteristischen Abschnittes aus der Liturgie des betreffenden Tages, Es kann nicht ausblcihcn, daß das lebendige Wort der Tradition, nahegcbracht und erläutert in das 11cbräischc Heim gesandt, dort stark für die Bereitschaft der Geister und Herzen, sich den Duellen des Judentums zu öffnen, wirken wird. - Das Gelingen dieses Programm- Teiles ist um so mehr anzuerkennen, als hervorgehoben werden muß, daß das Radio als Werkzeug der Volksbildung bisher versagt hat. Die Ansätze zu einer ״Erweiterung der Liren zen“ über Judentum und Palästina hinaus sind schwach: es sind wenig Vorträge über allgemeine Themen, und es scheint sogar, daß ihre Zahl mehr und mehr zurückgeht. Freilich darf man hier nicht die großen Schwierigkeiten vergessen, die sich allein aus dem engen Zeitrahmen ergeben, in den das hebräische Radio gespannt ist, und der sich nicht so lei eilt wird sprengen lassen, da dann auch der arabische und englische Teil eine entsprechende Erweiterung erfahren müßte. Die Sache ist aber von allergrößter Wichtigkeit für die werdende palästinensische Gcmeinschaft, und cs lohnt sich, für sie gegen alle technischen und politischen Schwierigkeiten zu. kämpfen. Hebräische Literatur / Israel Kohn ״Leilot bamcjzar‘‘ Im Verlage ״Bamaalah* (dem Verlage des ״Hanoar haoved“) erschien eine kleine Sammhing von Ged lebten unter dem Titel ״Lejlot batnej/ar‘‘ (Nachte der Bedrängnis). Die Gedichte wurden in verschiedenen Perioden von Unruhen 1111 Laude Israel in den Jahren 1921, HF.*) und 10 50 geschrieben. Es gibt unter ihnen (1c1־lichte, für die bereits Melodien verfaßt und die dadurch zu Chalu/im- und Volksliedcrn geworden sind. Der Dichter Levi ben Aniitai, der Verfasser der Sammlung, ist ein alter Genosse der Kwuzah ״Dagania B“. Er veröffentlicht von Zeit zu Zeit flammend« Gedichte über Landschaft, Arbeit und Menschenlekkr« lind gebürt zur Gruppe der junge« hebräischen Dichter, die während der Arbeit dichten und die arbeiten, während sie nach einem Ausdruck ihrer Seele im Liede ringen. Im Jahre 5(VH erschien i m Verlage Stichel unter dein Titel ״Haschiholim pnima“ (Die Aehren (Irinnen) die erste Sammlung und erweckte Aufsehen. Die gegenwärtige Sammlung enthält ein svmbotisches Titelblatt und im Innern noch eine Zeichnung von der Hand N a h u in G uttmans. ״Merdtavia“ Im Verlage ״Omanuth“ ■erschien in der Bi* bliothck ״l.anoar“ ein Heft unter dem Titel ״Merdtavia“ von Josef kabinovitz. Das Heft, geschrieben in anziehender Sprache und klarem, schönem Stil, erzählt in Kurze die Geschichte von ״Merdtavia", die Periode ihrer Entstehung und die Sch« icrigkeiten ihrer Versuche. Ein besonderer Teil ist dem bekanntet! Versuche des Soziologen E r a n z O pp e n h e i in e r, den Gedanken der Siedliingsgerio-sensdiait zu verwirklichen, gewidmet. Auch die ersten, im Buche ״Iskor" erwähnten. Schomrim (Vi'äcbter), insbesondere Ghasanovitz, der, auf Posten stehend, ermordet wurde, finden im Buche ihre Wertung. Dem Hefte beug fugte Bilder aus jenen Tagen' beleben das-elbe und ergänzen Er/ielningswert und Anziehungskraft der Dan« Stellung. ״Mada populari“ (Populäre Wissenschaft) Im Verlage von Ruhen .Maß in Jerusalem begann ei ne Bibliothek für populäre Wissen- Schaft zu erscheinen. Augenblicklich erschienen zwei kleine, schön gedruckte, Bücher, das eine unter dem Titel 1״ horat haradio" (Die Lehre vom Radio) von I>r. N a t a n R o b i n soll n, das zweite unter dem Titel ״< iilgulej haenergia bateva“ (Wandlungen der Energie in der Na« tur) von Dr. A. Giern! avski. ln der Einleitung /um ersten Buche schreibt der Verlag unter and er0tn: ״Diese Bibliothek befaßt sich in erster Reihe mit allen Zweigen des allgemeinen Wissens ... Mit dem Laufe der Zeit wird auch eine Abteilung für die Wissenschaft des Judentums, nach ihren Zweigen geordnet, eingeschaltet werden. Die Bücher werden in gediegenster Schönheit herausgegeben werden, jedes geschrieben von einem Kenner des betreffenden Zweiges ... Die richtige Antwort an die, ■welche in diesem Augenblicke unseren Frieden stören, ist der Weiterbau des Landes und der Ausbau seines Schrifttums — mit gröberer Energie und mit mehr Ergebenheit.“ ״Ascher ssiparii lejaldati“ Im Verlage ״Jahne“ erschien m Form eines großen und herrlichen Albums ein Buch für Kinder von 11, c!1 a k Schweiger unter dem Titel ״Ascher ssiparti lejaldati“ (Was ich meinem Kinde erzählte). Es enthält fünf Erzähjungen und vielfarbige Bilder. (Schluß des Palästinafeils) Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktlon zu adressieren.