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Jüdische Rundschau · 1936-11-27 · Heft 95 (27.11.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 95 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 95, 27. XI. 1936 Die Beschlüsse der Revisionisten -Tagung Die Resolutionen der Wiener Tagung: der Revisionisten, über die wir bereits in Nr. 94 berichtet haben, werden jetzt von der JTA. verüf(entlieht. Es wird darin zunächst gegen die Politik der Mandatarmacht in Palastina Stellung genommen und erklärt, daß das Vertrauen des jüdischen Volkes zur Mandatarmacht erschüttert sei. Aus diesem Giunde müsse zwar die politische Arbeit in Grollbritanmeji fortgesetzt werden, die Hauptaufgabe der zio* nistischen Außenpolitik beruhe aber darauf, das Problem des jüdischen Palästina wieder in eine internationale Angelegenheit zu verwandeln. In diesem Sinne begrüßt die Beratung die Aktion der revisionistischen Leitung und fordert sie auf, ״ihre Bemühungen ini Sinne einer int ernationalen Bündnispolitik ini Interesse des Juden- Staates fortzuset/en und auszubauen“. Es heißt in der Resolution dann weiter; ״Die Beratung ist tief überzeugt, daß Regierungen und Volker der zivilisierten Staaten der Welt der h u m a 11 it ä r e n Aufgabe, ein in seiner Existenz aufs schwerste bedrohtes Volk zu retten und ihm die Möglichkeit zu geben, in einen! eigenen Staatswesen Sicherheit zu finden. Verständnis entgegenbringen und Unterstützung gewahren werden. Insbesondere ist die aktive Zusammenarbeit mit denjenigen Ländern ati/ustrcben, für deren jüdische Bevölkcnmg die Massunnus Wanderung zu einer Lebensnotwcmligkeit geworden ist und welche unter strikter Wahrung der Gleichberechtigung ihrer jüdischen Bürger an der Erweiterung und Sicherung von entsprechenden Einwanc leruMgsi11׳">gl1111kciten lebhaft interessiert sind. Gleichzeitig ist die Mitwirkung der M.ichle allzustreben, die fe 0 g r a ק h 1 s c h!• ji n d wirts c b a f t s p o 1 i t i 5 c h e nteressen nn Nahen Osten und besonders im Mitt e I in trr lusit/en.“ Eine Resolution bezuglich der Kgl. Kommission in Palastina wurde als vertraulich erklärt, jedoch nochmals betont, daß die Kommission kein entscheidendes Wort sprechen dürfe, vielmehr das Problem vor ein internationales Forum gebracht werden musse. I!11 weiterer Teil der Resolutionen bezieht sich au! die von der jewish Agency und der 210• nistischen l)rgjnN;t1i1>11 abgegebenen programmatischen Erklarnngen in bezug auf ״p o I i t i s c 11 e P a r i t ä t“ zwischen Juden und Arnhem m Pai.i-tma. Zu diesem Thema erklären die Rwoiomsteii: ״I lie Beratung der NZo. in Wien betont, dal), falls irgendeine jüdische Kurpcrschaft oder Gruppe ihre Zu- Stimmung zu e׳ner hclimalerung der judisclien Rechte und Interessen in bezug auf Palästina, sei es in der Tonn des sogenannten P a r 11 a t s p r <> j e k t e s oder in anderer Weise, erteilt, sic am jüdischen Volk einen Verrat begehen wurde und keinen Anspruch darauf erheben dürfte, das jüdische Volk zu vertreten oder durch ihre Zustimmung zu binden.“ Aus den weiteren Beschlüssen der Tagung ist hervorzuheben, daß die Zentrale nach Warschau verlegt wird und daß der Präsident (Jabotinsky) seinen Wohnsitz abwechselnd in Warschau und in London haben werde. Die Leitung des Presse- und Propaganda-Departements hat Abba A c 111111 c 1 r übernommen, dessen Name der weiteren Oeffcntlichkeit aus dem Arlosoroff-Mordprozeß und dem Prozeß gegen die jüdische aktivistische Gruppe ״Britlt Habirjonim“ in Palästina bekannt ist. Achimcir wurde damals (1034) wegen terroristischer Propaganda zu einer Gefängnisstrafe von IS Monaten verurteilt. Vergehen gegen die Nürnberger Gesetze. Die Kölner fjroße Strafkammer verhandelte It. ״Berl. Tageblatt“ vom 26. November gegen einen 31 jährigen Arier, der seit 1934 Beziehungen zu einer Jüdin unterhielt und diese auch nach Erlaß der Nürnberger Gesetze nicht abgebrochen hatte. Das Urteil lautete dem Antrag des Staatsanwaltes entsprechend auf eine Zuchthausstrafe von 2'.'! Jahren. Außerdem wurden dein Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Die wegen Bcgünstigung mitangeklagte J 11 11 i n wurde zu sechs Monaten Gefangt! 1v verurteilt, — Ei neu 66jährigen Juden verurteilte (It. ,,Volksgemeinschaft״, Heidelberg, vom 20. November) die Große Strafkammer des Landgerichts Landau wegen Vergehens gegen das Blubdiut/gesetz zu 11 - Jahren Zuchthaus. Eine ״Nansen - Schule“ Von unserem Korrespondenten Oslo, 23. November Die norwegische Oeffcntlichkeit hat sich in der letzten Zeit sehr intensiv mit den Bestrebungen beschäftigt, die die Gründung einer Humanistischen Akademie zum Ziele Hanen. Die Akademie soll den Namen ״Nansen- Schule“ tragen und im Geiste dieses großen Humanisten ihre Zöglinge bilden. Bei einer repräsentativen Vortragsvcranstaltung in der Aula der Universität, wo die führenden Persönlichkeiten aus den Kreisen der Kunst und Literatur, der (,resse und des politischen Lebens anwesend waren, legten Universitätsprofessor L>r. Eredrik Paasche und Dr. thcol. K. Schjeldcrun den Plan der neuen nordischen Kultur- Institution dar und ernteten die wärmste Sympathie der Erschienenen. Wie ein Kommentar dazu wirkt die Nachricht über das Testament des kürzlich verstorbenen jüdischen Großhändlers Moritz Hirse hfcld und die daran geknüpften Bemerkungen der Presse aller Richtungen. Hirschfeld hat zwei Legate im Werte von P i Millionen norw. Kronen errichtet. Davon soll der Ertrag von 100 000 Kr. alljährlich demjenigen norwegischen Journalisten Zufällen, der im vergangenen Jahre Hervorragendes zur Förderung von Verständnis und Verträgiiehkeit zwischen den Menschen geleistet hat. Das zweite Legat in der Höhe von 1 150 000 Kr. ist der Förderung unbemittelter elternloser Kinder aus dem Handelsstande gewidmet. lin Aufträge der Kommission für zwischenstaatliche Zusammenarbeit auf dem Gebiete von Kunst und Kultur gab die englisch-jüdische Pianistin Myra Heß zwei sehr erfolgreiche Konzerte. — Nathan M i I s t e i n s Konzertabend brachte ihm und auch seinem Begleiter, dem hochbegabten Pianisten Leonold M itt m a n n, stürmischen Erfolg. — Im Rundfunk spielte Ernst Glaser, der erste Konzertmeister des hiesigen Philharmonischen Orchester«, die Suite ״Baal Schein“ von Ernest Bloch (Widdui — Nigtin — Simchas — Thora). — Von Professor Issay Dobrowen werden demnächst einige Kompositionen für Klavier bei einem Solistenkonzert zu Gehör gebracht werden. Julius Samuel Jüdische Schüler in Frankreich Der ״Westdeutsche Beobachter״ (Köln) wendet sieb gegen eine Veröffentlichung der ״Kölnischen Illustrierten Zeitung“, die in einer Reportage über das Leben der Kinder in Frankreich auch eine Auszeiehnungsliste des L.ycec Moliere veröffentlicht hat, durch die, wie der ״Westdeutsche Beobachter“ bemerkt, ״der erstaunte Leser zur Kenntnis nimmt, daß von den 41 angeführten Namen ausgezeichneter Schüler immerhin einige 20 von echt jüdischem Klang sind“. Der ״W. B.“ sagt hierzu weiter: ״Namen wie Blumrnfcld, Keigcnbcrj, Klang, Jleycr. U u 1 i f. Riech, Morgen und Bernstein mögen <13• belegen, wobei wir in unserer Annahme kaum fehl gehen, daß sich unter diesen einstmals auch bei uns nicht, unbekannten Namen so mancher jüdische Sprüliiing befindet, der im nichtnatkmalsoziuli- .-.tischen Deutschland eine dcu'srhc Schulbank gedrückt hätte. Sollte dic-c immerhin berechtigt erscheinende Annahme ztitreffen, so heneiden wir die franzii-äschc Jugend und ihre Schulen nicht um den Zuwachs dieser fraglichen Intelligenz, auf deren Früchte für die Allgemeinheit man vergeblich warten wird. Wir wundern uns auch nicht, bei einem Schulsystem, das dem t v p i s c h jüdischen Streben nach intellektuellem G 1 a n 1 «ntgegenkonunt, Namen, wie sie (dien angchilirt, in der vordersten Keilte der ,Aus. erwählten* zu finden.'‘ Der ״Westdeutsche Beobachter“ spricht von eitlem schweren Mißgriff der ״Kölnischen Illustrierten Zeitung“, die ״sich ■.—..—.— ——. Bet duutdus Berlin W50 DER ERFOLGREICHE PALÄSTINA-ROMAN Margaret e Moses ״DIESEN UND AUCH JENEN HAT GOTT GEMACHT' (g־b.M3.-) ’,An zwei wichtige Probleme des neuen großen Aufbauwerkes ist eine mutige Frau hier mit offenen Augen herangetreten“ tliid. Rundschau) In den jildiichen Buchhandlungen erhältlich Bei 34totdus Berlin WSQ Nach um■ O idal JÜDISCHE KINDER IN EREZ - ISRAEL Ein Fotobuch mit 30 Aufnahmen M 1.60 — (Ausland M 1.80) . . . man sieht, wie etwas Neues wird, wie das Land bereits *n Gesicht und Haltung des £ indes zu formen beginnt, In den jüdischen Buchhandlungen erhältlich anscheinend berufen fühlt, durch eine leichtfertige Heraus. Stellung dieser Namen das Märchen von der jüdisehen GeistcsvorHerrschaft erneut aufzutischen, was die Säuberung deutscher Schulen von jüdischen Elementen in ein zweifelhaftes Lieht rücken könnte“. Jüdische Tagungen in Ungarn Von unserem Berichterstatter Budapest, 24. November 1111 Laufe der letzten Woche haben die Spitzenorgane aller drei ungarländischen jüdischen Konfessionen Lanaesver- Sammlungen abgehalten. Ini ״Rat der FHstriktspräsiden« ten“ referierte Vorsitzender Hofrat S. Stern über die mit dem Ministerium gepflogenen Verhandlungen über die von dem diesjährigen Landeskongreß geschaffenen neuen Organisationsstatuten. Die Versammlung gab ihrer Hoffnung Ausdruck, daß diese Satzungen, von denen die ncologe Judcnhcit eine Erneuerung ilues religiösen und kulturellen Lebens erwartet, in Bälde ins Leben treten werden. Nach Schluß der Sitzung machten die Distriktspräsideriten beim politischen Staatssekretär des Kultusministeriums, Andreas Nagy Tas« n a d i, ihre Aufwartung, der sie des Wohlwollens der Regierung versicherte. — Der ״orthodoxe Zentralausschuß“ unter Vorsitz des Kariz.leipräsidenten Samuel Kalian-Frankl befaßte sich mit der Frage der Waid zur durch das Ableben R. Adolf Frankls verwaisten Ohcrhausmitglicdscliaft fiirdas orthodoxe Judentum, deren Erledigung einer nächsten Sitzung Vorbehalten blieb. — Auch der Landesverband der Status-quo -Gemeinden tagte in Budapest. Symptoinatisch wichtig scheint der einstimmige Beschluß zu sein, daß der Verband in allen die Gesamtheit betreffenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen stets mit den beiden Schwesternorganisationen in Einklang vorzugehen wünsehe. Dr. A. F. Eine Ergänzung. In Nr. 94 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. November finden sich in einem Bericht über eine Betar-Tagung in Berlin zwei Mitteilungen, die die Beziehungen des Makkabi und des Palästina-Amtes zu der Staatszionistisehen Organisation betreffen. Dazu wird uns von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mitgeteilt, daß es sich liier nicht um eine Neuregelung handelt, vielmehr konnten 1. im Makkabi auch bisher die Mitglieder des Betar grundsätzlich am Spiel- und Sport betrieb als gleichberechtigte Mitglieder teilnehmen; 2. auch bisher wurde bei der Ent- Scheidung übet Zertifikate für Mitglieder der Staatszionistischen Organisation ein Vertreter dieser Organisation zugezogen. Hebräische Briefe aus Palästina während der Unruhen. Dr. M. Ehrenkranz, der Leiter der hebräischen Sprach• schule in München, bittet uns um folgende Veröffentlichung; ״Ais Denkmal der Verbundenheit Erez. Israels mit den Juden in Deutschland in den abgelaufenen Monaten des arabischen Streiks beabsichtige ich, eine Reihe charakteristischer, liebräisch geschriebener Briefe ans Palästina mit einer deutschen Uebersetzung und einem Wärter-Verzeichnis im Umfange von 50 bis 80 Druckseiten zu veröffentlichen. Ich bitte, mir geeignete Originale oder Abschriften zu diesem Zweck zu überlassen und an mich zu schicken. Nach Entnahme der einschlägigen Stellen, die allgemeines Interesse beanspruclien, also unter Weglassung aller persönlichen und privaten Angelegenheiten, werden die Briefe an die Adressaten zurückgegeben. Am besten werden Angaben über die Person des Briefschreibers und die Briefempfänger sowie besondere Wünsche über die Veröffentlichung der Sendung beigefügt.“ Anschrift: München 8, Schumannstr. 6/2, bei Braunschweig. Pandre ihre Kuh gerettet halte und dafür im Gefängnis saß. Also gah sie Meri jedesmal etwas mit nach Hause; einen Topf voll Milch oder eine Schüssel Sauerkraut. — Und sobald Meri den Rücken kehrte, schnitt sie eine Grimasse und!nauifc: ,,Alles zu wenig für das Bctlclvolk. Kannst sie nicht loswerden. Kleben wie die Kielten!“ Einmal hatte das Meri gehört, als sie eher! die 'Für hinter sich sclilictkn wollte. Sie hatte sofort die Schüssel mit Sauerkraut aufs Fensterbrett gestellt und war heimgegan* gen, um sich nuszuwviucn. Den ganzen Tug finite sie geweint, und der bloße Gedanke, je wieder in das Haus des Neuen Millionärs zu gehen, war ihr schrecklich. Sie riß den Umschlag auf -- und, Wunder! — der Brief war jiddisch geschrieben! In der liehen, vertrauten Schrift! Zwar konnte sie auch die nicht lesen. Aber sie kannte die Zeichen, und war mIuhi glücklich, denn jiddisch lesen konnte fast jeder im Ort. Sie mußte nicht tun Neuen Millionär und dort sich begönnern lassen. Gott segne Noah! ״Da, schau!“ rief sie ihrem kleinen Jungen zu. ״Ein Brief von deinem Tata!“ Sie beugte sich über das Kind und küßte es hinter das Ohr, auf das kleine Feucrmal. Ihro Mutter sagte, es käme von dem Schreck bei dom Brande im Hause des Neuen Millionärs. Nun, so hatte sogar das Kind ein Andenken nn die böse Nacht. Meri überließ das Kind der Mutter und ging zur Nachbarin. Tante Feige dachte, Meri käme, um sich Geld zu borgen, also zog sie ihre Geldtasche und fragte gleich: ״Wieviel?‘ ״Nein, nein! Das nicht!“ antwortete Meri und winkte mit dem Zipfel ihres Tuches wie ein Storch mit einem gebrächenen Flügel. Und sie zog den Brief heraus. ״Schau!“ sagte sie. ״Ich hab einen Brief von Pandre! Bitte, lies ihn mir vor!" Tante Feige wiegte den Kopf über den Kummer einer jungen Frau, die die Briefe ihres Mannes nicht selber lesen kann, und dankte ihrem Herrgott, daß sie lesen ge* lernt hatte. » Nach dem Abendgottesdienst ging Voitek zu Senders Haus, tun mit Meri und ihrer Mutter Tee zu trinken, wie er es versprochen hatte. Er kannte Senders Tochter und wußte, daß es sie kränken würde, wenn er nicht käme. Sie würde sich eiabilden, er hätte ihr doch übelgenommen, daß sie di« drei Kopeken für den Brief nicht bezahlen konnte. Der matte Schein einer Oellampe beleuchtete die Armut des Hauses, das um Senders Tod und Pandre» Gefangen* sehaft trauerte. Armut schaute aus allen Winkeln. Die Uhr an der Wand, die, solange Sender lebte, so fleißig auf ihrem einen Bein gegangen war und Senders Herz mit Zu• friedenheit füllte mit ihrem emsigen Ticken, ■war stehen ge• blieben. In diesen vier Wänden war die Zeit stehen ge• blieben. Was sollten sic hier die Minuten und Stunden zählen, wie kleine Münze? Welche Zeit es auch war, es waren schlechte Zeiten. Im Winkel neben dem Ofen saß Senders Witwe und stopfte Strümpfe, der grünliche Lampenschein fiel auf ihr Gesicht. Meri kam und brachte aus der Küche zwei Glas Teo und eine Untertasse mit ein paar Stückchen Kandis• zucker, den man lange lutschen kann, so daß ein Stück auch für drei Glas Tee aasreicht. Und überdies äst er gut gegen Husten. Das Kind in seinem Korb weinte auf, Meri nahm es heraus und legte es unbefangen an die Brust, mit der Selbst- Verständlichkeit der Mutter aus dem Volke. Das Kind saugt« gierig. Der alte Voitek schaut« zu und dachte an »ein längst verstorbenes Weib. Gesunde» junges Weib, dachte ©r, Sen• ders Tochter! Meri fand es nötig, sich zu entschuldigen, nicht wegen der offenen Bluse, sondern wegen des Feuermals auf des Kindes Hals, das Voitek eben bemerkt zu hoben schien. ״Das kommt vom Brande!“ sagte sie. ״All unser Unglück hat mit dem Feuer angefangen!“ Voitek kratzte sich hinterm Ohr und versucht« sie zu trösten. ״Das macht nichts“, sagte er. ״Schadet ihm nichts! Nu, wenn’» ein Mädchen wir«! Aber ein Junge... Er wird Vaters Wagen genau so fahren, wenn er erst groß ist!“ Das Kind trank und Meri» Mutter saß In ihrem Winkel und murmelte sorgenvoll vor sich hin. Sie machte sich schrecklichen Kummer, weil der Stand auf dem Schklower Markt so wenig erbrachte. ״Schon gut, Mutter! TrinkTee!“ sagte Merl. Und sie er• zählte von Panares Brief, den Tante Feige ihr vorgclesen hatte. Es war ein herrlicher Brief! Schon gleich am Anfang — er redete sie mit dem geliebten Namen an, der nie in» Russische übersetzt werden konnte — und dann gebraucht« er ihn noch einige Male. Und er schrieb, daß Simche und er von ihrer üblen, niedrigen Arbeit befreit worden wären. Nun sägten sie Holz Im Wolde, und die Arbeit gefiel ihm. Er konnte frei atmen. Sie hatten den sclieußliehen Gestank von sich abgewaschen, der ihnen anliing, die anderen Gefangenen wichen ihnen nicht mehr aus, Und von Tschurlllo hatte man nicht wieder gehört. Wenn Tschurillo im gleichen Gefängnis geblieben wäre, hätte sich Pandre nachts nicht sicher gefühlt Er hatte keine Angst vor ihm, wenn er wach war. Aber man hätte nie wissen können, was er tun konnte, wenn man schlief. Ihn kränkte jetzt nur noch eins, schrieb Pandre, das war, daß Simche einen Kalfakter gefunden hatte, der ilun Schnaps besorgte. Jede Kopeke, die er erarbeitet hatte, gab er dafür aus. Heines Gift war das. Immer betrank er sich und fing Streit an und stieß Drohungen aus. Mit allen Leuten zankte er sich und niit jedem fing er an, sich zu prügeln, und immer mußte ihn Noah aus der Suppe ziehen. Noah schrieb auch, Meri sollte zu dem Neuen Millionär hingehen. Sie sollte von ihm verlangen, daß er ihr half. Hatte Pandre nicht seine Kuh gerettet und war nur seinetwegen ins Gefängnis gekommen? Meri sagte, sie könne gar nicht begreifen, was in Noah gefahren war! Wie konnte er so etwas schreiben! Wie konnte er ihr zumuten, zum Neuen MilHonür zu gehen und etwas von ihm zu verlangen, wo man sie schon schief anschaute, wenn sie nur bat, man sollte ihr einen Brief vor* lesen — als ob sie nichts da zu suchen hätte! Hatte sie nicht neulich erst die Schüssel mit Sauerkraut deswegen aufs Fensterbrett gestellt, die inan ihr mitgegeben hatte? Aber Noah hatte noch etwas geschrieben. Seine Strafzeit wäre nun bald vorüber. Und er käme heim! — ״Nu, nun“, sagte Voitek, als er all diese Neuigkeiten gehört halte, ־und paffte seine Pfeife. ״Siehst du, Meri! Ich habe dir immer gesagt, es kommt noch alles in Ordnung•“ Das Kind, das sein Bäuchlein voll hatte, schaute auf und nieste. Mutter und Großmutter segneten es liastig, und das Kind wendete Voitek ein paar runde, neugierige Augen zu. Voitek, um es zu unterhalten, miaute wie eine Katze. Und Pandres Kind antwortete ihm mit einem zutraulichen Lächeln. ENDE ■.. Bei Biandu* Berlin W50 DER NEUE GROSSE ROMAN Sa/man Schncur iHoal! ^Danüte «7-'l Die Kritik: ״Oie««atemrftubfnde.bezauberndeGeschichte“,״genau, wie der jung« Dickem geschrieben hätte, wenn er Juds gewesen wäre“, *Schnöeir überströmt von Dingen, die er uns 5tu sagen hat־״ In den jüdischen Buchhandlungen erhältlich

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