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Jüdische Rundschau · 1936-11-27 · Heft 95 (27.11.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 95 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 95, 27. NOVEMBER 1936 Der Vater der Ghettogesdiidite Zum 50. Todestage von Leopold Konpnrt (23.11.1936) Vor fünfzig Jahren endete das Lehen eines der seltenen Wahrhaft glücklichen Menschen, die das kampfreiche 10. Jahrhundert im Widerstreit der alten und der neuen Welt für ein jüdisches Herz überhaupt hcrvor/ubriiigen die Kraft hatte. Leopold Korapert war Lnndes-Schiilrat und sogar Ehrendoldor der Universität Jena geworden; zum Präsidenten der Schiller-Stiftung in Wien hatte man ihn erwählt und ihm damit die Möglichkeit gegeben, manchem deutschen Dichter, wie etwa Otto Ludwig und Ferdinand von Saar, aus der Not zu helfen. Aber den Anfang und das Ende seines eigenen von Glück und Erfolg gekrönten dichterischen Schaffens bildeten die ״Geschichten aus der Judengasse“, aus der er stammte und die er niemals vergessen hat. Kann sein, daß alle diese einst in jedem jüdischen Hause gelesenen Geschichten 11ns heute ein wenig verstaubt und altmodisch Vorkommen. Aber diesen Ruhm kann ihm auch der spätere Leser nicht muhen; er bleibt der Erste (oder einer der Fr«*״!!), der die Judengasse für das Schrifttum in deutscher Sprache entdeckt hat und ihren eigentümlichen, heute verschollenen Reiz zu schildern wußte. Gewiß hatte schon Aron Bernstein etliche prächtige Ghetto-Idyllen in seiner ״Vögele“ und im ״Mendel Gibbor“ festgehaltcn. Aber er war rasch zu anderen Arbeiten übergegangen und hatte die Schöpfungen seiner Jugendjahre spater selbst fast ver- § essen. Kompert dagegen, der Sohn der Judengasse in dem öhmischen Städtchen Münchengrälz, war dieser Heimat seines Herzens immer treu geblieben. Noch Josef Nadler in seiner Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschäften stellt ihm das Zeugnis aus: daß in Kompert seit Menscliengedcnken der erste Jude wieder offen ZU seinem Volks turn Ja gesagt habe. Freilich sieht das böhmische Ghetto, die Judengasse, ein wenig anders aus als das Ghetto im ostjüdischen ״Städtel“, das uns in den letzten Jahrzehnten oft — manchmal von größeren Dichtern als Kompert! — geschildert worden ist. Gewiß sind auch hei ihm die Häuschen windschief und verfallen wie etwa in Btidkos Bildern; aber das graue Elend, die trostlose Not, wie sie uns in Bialiks frühen und späten Ghetto-Gedichten entgegentritt — die hat, wie cs scheint, bei diesen lebensfrohen und lebenstüchtigen Mensehen keinen Einlaß gefunden. Selbst der blutarme Leser Collin ist nicht so arin, daß er nicht einen ״Gast“ am Freitagabend noch satt machen kann .., noch dazu mit ״Fischen in Pfeffertunke“! — Darin liegt der große Unterschied zwischen dieser freundlichen Judcriwelt und der diisteren Gasse der Ostjuden: Hier ist der Jude nicht nur Händler oder ״Liiftmensch“ wie dort; hier ist er durch mannigfache Berufe mit der Natur verbunden, die alleweil in die Gasse herein schaut, herein grünt und duftet. Jüdische Bauern kennt Kompert wie seine tüchtige Bäuerin Gitcl, die uns fast vorkornmt, als sei sie in einem Dorf in Ercz Israel zu Hause; jüdische Handwerker kennt er und möchte er gern noch mehr kennen. Selbst Kompcrts Judenkinder im Glieder stöhnen nicht so arg unter der Fron wie die ostjüdiseben Kinder; sie freuen sich am Freudenfeuer, das am Erew Pcßach das fetzte Cliomcz verbrennt und am grünen Laubdach, das Ihnen Ihre ״Herzensfreunde“, die Bauern, zu Sukkoth nur allzugern ins Haus bringen. Jüdische Bauern, die sich, wenn auch im Oolus, doch daheim fühlen; in unseren Tagen hat sie mit härterem Griff noch einmal etwa Jakob Picard zu gestalten gewußt. ... Aber auch Komperts Juden in der Gasse, so stark sie sich am Korn und am Wein freuen, wissen, woher sie kommen: ״Einst pflügten meine Almen im Lande Kanaan ...“ Und schon bei ihm gibt es Menschen, die, wie jener Mendel Wilna, nach Jeruschalajim gehen — aber nicht, wie cs früher die Frommen taten, 11m dort zu sterben, sondern ״um Jeruschalajim aufzubaucn ...“ Bertha Badt-Strauß Eine ansprechende, ־wenn auch allzu sparsame Auswahl aus Kompms Schriften gab kürzlich K. Gut Itcraus (Jiid. Lc'thcftc Nr. 12, Schocken Verlag 1936). Mombcrts Lyrik Alfred Mombert: ״Sfaira der Alte“! Mythos. Schocken Verlag Berlin). Mombcrts dichterisches Werk umfaßt die Sage der Erde, die Sage des Menschen, die Sage der Welt. Von Werk zu Werk sank er selber unter in sein Innengesicht, überströmt von der Gewalt seiner Schöpfung, aus der uns Aeon entgegentritt, der Held der Erde, und Sfaira, der Held des Kosmos. Sfaira kam aus der Sage, wohnte im Menschen und kehrt wieder heim in die Sage. Er hat erfahren, daß Chaos und Kosmos ausgewogen von den ewigen Gesetzen sich die Waage halten und durch beide nur Harmonie herrscht. Was dieses ewigen Prinzips ״Sage“, also Gedanke und Rede, war, das trat als tat- und geistgehendes Element in die Welt ein: verwandelt in menschliche Tat, geistiges Wirken, dessen Ablauf in der Zeit Geschichte, Sage wird. Mombert ist Seher und Sänger. Seine Werke nehmen sich Zeit zu ihrem Reifen wie auch zu ihrer Wirkung. Sie harren derer, die da kommen werden. Mombcrts ״Unverständlichkeit“ erklärt sich aus dem Ueberzeitlichen und Unendlichen, das seinen Dichtungen Inhalt gibt. Noch niemals war Dichtung so sehr ״Tongebürt“. Wie die Musik wendet sie sich eben gar nicht an den Verstand. Mit ihren scheinbar willkürlichen, nur logisch wirken* den Verknüpfungen der Sinncscrscheiniingen will sie, wie die Musik, Spannungen des Gemüts, Bewegungen des Geistes und metaphysische Harmonien hervorbringen. Sie entwickelt Gesichtsvorstellungen nach Analogie von uehörsvorstelliingen aus dem Geiste der Freiheit, Sie folgt musikalischen Bildung«• Besetzen und schafft Symphonien, mit thematischer und motivischer Durchführung, mit Kontrastierung von Tonarten und Satzeharaktcren. Die einzelnen Gedichte sind Takte oder Takt- Perioden einer Partitur. Mombert kennt kein begriffliches, nur ein bildhaftes Denken. Man stellt sich ihn vor wie einen Sin״ ger über Raum und Zeit, in Wolken gelagert, dessen unaufnörliehe Schau Wort wird, um uns die Größe unseres Daseins zu künden. In seinen Visionen ist ihm die Synthese aller Werdüngen und Kulturen gelungen. Es ist immer wieder überwältigend, wie Mombert mit einem Satze, einer Verkettung von Bildern, Geschichte, Sage, Mythen beschwört, ein alltrunkener Schauer ferner und kommender Zeit. Hier ist in dichterischer Vision eine Definition der Geschichte wie des Ewig-Göttlichen gegeben, die der Auffassung Hegels von der Produktivität des Geistes verwandt erscheint. Das Leben ist Geist. Ist man zu dieser Schau des Wesentlichen in Mombert« Werk einmal vorgedrungen, dann ist Mombert nicht mehr ß«r ״Unverständliche“. ״Singt er Vergangenes? Kündet Lauschenden klingt es — als ein er Zukünftiges? Ewiges.“ Hans Meyerowltz Stefan Zweig als Erzähler Die Gesamtausgabe des erzählerischen Werkes von Stefan Zweig in den Bänden: ״Die Kette“ und ״Katcidos k o p“ (Herbert Rcichner Verlag, Wien) deutet bereits in diesen Titeln seinen Entwicklungsweg von innerer Gebundenheit und seelischer Begrenzung des Lyrikers zur Weltweite des Epikers an, der in einem Vorspruch zu den Geschichten aus Kinderland mit der Ueherlcgcnhcit eines Rc’b :ii' crvInders bekennt, daß ״verfrühte Wünsche“ sein Blut durchzitterten und daß sich ״das verbreiterte Gefühl“ in hundert heißen Schauern verlor. Immer fahndet dieser Seelencrgriinder nach neuen Geheimnissen im Blut und in der Jahrtauseiidgeschichte der Menschheit, wie gejagt von dem Bewußtsein der Unwiedcrbringlielikeit jeder Sekunde. Welche Fülle von Gestalten, Städten, Landschaften, Erlebnissen und welch erregende Versinnlichungen von heimlicher Intensität zitternder Atmosphären I Ein erstaunlich hellsichtiger Späher sucht unter äußerem Glanz stets den inneren, ein hellhöriger Lauscher in chaotischem Braus immer die wesentliche Stimme und verliert bei der Führung durch labvrinlhische Irrgänge und durch unsere ״Verwirrung der Gefühle“ nie die Zielsicherheit. Der Wettlauf von Spannungen und Leidenschaften vorwärts getriebener Sätze gewinnt oft so furioses Tempo und so dramatische Kraft, daß man über die Entwicklung dieses ursprünglich mondscheinzarten Lyrikers, Gefiihlszerfaserers und seelischen Sonatenspiclers zu eintm so großen Epiker unserer Sinne, Brünste und Inbrünste immer wieder lebhaft aufstaunt. Die Gesamtausgabe veranschaulicht 1ms den Entwicklungsweg vom persönlichen Ich zum sachlichen Fs, von Einsiedlertum zu schrankenloser Hingabe an Menschhcitsschicksale und Ge• schichte. Und mit wie gestufter Meisterschaft erhellt hier ein Sch.ittierungskünstlcr seiner Urteile dunkle Hintergründe! Denn ein scharfer Deuter folgt stets einem ebenbürtigen Beol». achter, und manche Betrachtung weitet sich durch den Standpunkt und Blickwinkel des Betrachters zur Weltanschauung eines Harmonienfreundes. Der glanzvolle Schriftsteller bei Schilderungen äußerer Erscheinungen aber wandelt sich bei allen Gefülilsbcgegnun« gen mit Israels Geschichte sowie auf seinen Phantasiereisen zur Uebcrwclt zu einem warmherzigen Dichter. Er nähert sich in der Legende: ״R a h e I rechtet mit G o 11“ biblischer Sprach- und Bildkraft. 111 diesem posaunenstarken Gewissensaufruf tun Gnade für das abtrünnige Volk beschwört Labans Tochter den Allmächtige» in seinen Zorngewittern, sich nicht von ihrer Selbstüberwindung beschämen zu lassen und erinnert ihn an die schwerste Stunde ihres Lebens: an die Begleitung ihrer Schwester Lea auf dem Opfergang zu Jakob. ״Der b e g r a b e 1! e Leuchter“ heißt die Schicksaisgesclüchie der aus dein Allcrhciligstcn von Sehelomos Tempel geraubten M e 11 0 r a 11 auf ihren abenteuerlichen Wanderungen ans der Schatzkammer des Vandalenkunigs Geiseriell zu einer Prunktrtihe von Kaiser Justinian, Benjamin, schon als Kind göttlicher Gesandter zur Rettung des Laichters, vermag erst als Greis die Menorah in seinen Besitz zu bringen, überführt sie in einem Sarg zum Erzväterland und versenkt sie hier in einer Gruft, auf daß sie an ihrem Auferstehnngstag abermals ,,den Befriedeten leuchte iniTenuael des Friedens“. Die Verschmelzung von Bericht und Gedicht in der Art psalmmliereiuler Prosa, von geschichtlichen Begrenzungen und schrankenloser Phantasie schenkt dem Leser das Gefühl zauberhafter Schwebe zwischen Erde und Acther. Die mystische Tiefe״ religiöser Empfindungen wird hier so bezwingend, daß man ihn Jeremias-Dichter nach seiner Wiederheimkchr zu I rzvätcrgefiklen aus Kulturcuropäertum um ein neues biblisi lies Drama bitten möchte. Der stets unermüdliche׳ V cewciw'r /:ihlreielier nuisischer Begabungen möge 1 t-n Hinweis auf jene Fährte nicht als Vordringlichkeit miiideuten! Gerade durch die Utiabweisbarkeit des seben-ehen FTenu-uls, das als schöpferische Urkraft seit der Jercn!UM1׳ Weckung allzulang im Dichter schlummerte, bedeutet diese (loannatogabe selbst für seine Freunde eine neue Ueberrasdiung und — eine neue Hoff- Illing. A r 11111 r S i 1 b e r g 1 e i t Soziologische Geschichtsschreibung? Ar je Berger, ״Gemeinschaft und Gesellschaft in der Geistesgeschiclite des Judentums. Beitrag zu einer Kulturpsycho logie des Judentums“. Berner Dissertation 1030. Der Religionssoziologe Berger unternimmt in seiner Dissertation den Versuch,, die Kategorien jüdischer Geschichtsschreibung vom soziologischen Gesichtspunkt aus neu zu bestimmen. Nach einer kurzen Darstellung der theoretischen Grundlagen der Geschichtsschreibung der biblischen Zeit, der talmudischen Epoche, Krochmals, Geigers, Gractz׳ lind Dubnows kommt er zu dem Ergebnis, daß ihre Art, ein ״objektives Judentum“ dem Oescliichtsprozeß zugrunde zu legen, unhaltbar ist, sondern daß Geschichte in jeder Epoche Ne u Schöpfung und ״Ueberwindung des Vergangenen bei traditionaler Kontinuität“ ist, daß also jede Epoche aus den ihr eigenen und sie bestimmenden sozialpsychologischen Kategorien zu erklären ist. Iin Anschluß an die Formalsoziologic von Tönnies, Vierkandt und Freyer gibt die Arbeit einen zwar nicht erschöpfenden, aber doch manche interessanten Perspektiven öffnenden Ucberblick über die Möglichkeit einer Anwendung der Begriffe ״Gemeinschaft“ und ״Gesellschaft“ auf die Geschichtsschreibung. Ob allerdings der zweite Teil der Arbeit, m dem der praktische Versuch unternommen wird, an bestimmten Epoeben des Judentums die Stileinheit zwischen Soziaiform und Kultur darzulegen, gelungen ist, scheint uns zweifelhaft. Beiger nimmt als den Idealtypus einer Gemcinschaftsepoclic im Judentum das Zeitalter der Tanaiten (10 v. bis 220 n.) und als den Idealtvpus einer Gesellschaftsenoche die Zeit von Anfang der babylonischen Hegemonie bis zum Niedergang der Araberherrschaft in Spanien (J. bis 12. Jahrhundert). Es wird aus der Darstellung aber keineswegs deutlich, daß die fanailisdie Epoche wirklich so gemeinscliafts-struktiiriert ist, wie es die Vorauscel/im;!: hesagt, wahrend der gesell« schaftlichc Charakter der /weiten Epoche durchaus klar ist. Grundsätzlich findet man in der Kulturgeschichte keine reine Gemcinschaftscpoclie, selbst nicht im Mittelalter, geschweige denn in cier chaotischen lanuitPehcti Epoche, in der zahlreiche Bindungen aufgelöst werden. Ein Versuch, die jiidi♦ sehe Geschichtsschreibung auf diesen Kategorien zu basieren, scheint demnach nicht zum Ziele zu führen. Es ist schon sehr schwer, bei den verhältnismäßig abgeschlossenen Natur- Völkern die Stileinheit zwischen ihrer Sozialform und ihrem kulturellen Lehen deutlich zu machen; es wird um so schwerer, je differenzierter eine Kultur ist. Abgesehen von diesen Einwänden erscheint es uns fraglieh, 00 man die Geschichte künstlich noch mehr relativieren soll, als sic es ohnehin schon ist. Wohl ist cs richtig, daß jede Epoche einen eigenen Ausdruck hat, und es ist ja gerade die Kunst des Historikers, dieses Eigene jeder Zeit darzustellen. Aber darüber hinaus nuiß es doch wohl das Ziel allen historisdien Denkens sein, eine e i n 11 e i t - liehe Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart za ziehen. Wenn also die liergcrsche Arbeit, die eine Fülle wertvoller Anregungen enthält, in diesem Sinne weitergeführt werden könnte, daß sic neben der Ilerausarbcitung der Charaktere der einzelnen Zeitabschnitte zu einer Gesamthaltung käme, die zu einem einheitlichen jüdischen Geschichtsbild verliilft, dann wäre sic ein wichtiger Beitrag zur jüdischen Geschichtsschreibung. Dr, Gerhardt Neu mann Ein Gottsudier-Roman Alberto Albertlni, ״Zwei Jahre“, Herbert Reiehner Verlag, W’ien 1937. Was tut ein Mensch, der nur noch zwei lahre zu leben hat und überdies erst 22 Jahre alt ist? Diese frage sucht der italienische Schriftsteller Albertim in seinem Roman zu beant- Worten, dessen Thema sich an ein altes Motiv anlehnt, das schon hei Hcrodot vorkommt und von Kirchenvätern wieder anfgenommen wird: die Sage von dem jungen, todkranken Menschen, dem ein frommer Mann einen Gnadenaufschub erwirkt und der nun vor der Aufgabe steht, während der Frist etwas Sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Maximus, der Held unseres Romans, schwankt zwischen irdischen Wünschen und religiöser Abgeschlossenheit hin und her, er sucht das Leben zu genießen, wendet sich aber wieder ab und hofft, nach einem vergeblichen Versuch, Mönch zu werden, durch praktische Nächstenliebe seinen Seelenfrieden herzustellen; nur nach schweren Kämpfen gelangt er kurz vor seinem Tode zu diesem Ziel. Die Darstellungskunst Alberlinis vermag die mystische Geschichte psychologisch verständlich zu machen, und der Leser wird dies Buch als starken Ausdruck ehrlichen Gottsuehens mir mit Nachdenklichkeit und Erschütterung aus der Hand legen. —nn. Ein Chanukkah-Bilderbucfi. In der Verlagsbuchhandlung Joseph Jastrow, Berlin W15, ist ein sehr hübsches Chanukkah-Biichlein für Kinder erschienen, für das Paul Hannemann und Heinz Wallenberg die Makkabäcrgeschiclrte in Verse und in Bilder gebracht haben. Ucberdies hat Elijaliu Isch Horwitz diese Verse ins Hebräische übertragen, das in der punktierten Wiedergabe den Kindern mit Leichtigkeit verständlich sein wird. Die farbigen Zeichnungen verdienen besondere Hervorhebung; das nette Büchlein wird ein will- *ommenes Chanukkah-Üeschenk sein. E. St. Im Verlag Atfd Berlin erscheint zu Chanukkah ״Das jüdische Sportouch“. Es ist das erste umfassende Werk über dieses Gebiet, das außer einer Geschichte des Makkabi und einer des ״Schild“ eine ktirzgefaßte Geschichte des jüdischen Sportes überhaupt bringt. Einleitung und Redalition: Dr. Martha Wertheimer. Der Roman ״Noah Pandre״ von Saftnan S c h n ü u r, der in der ״Jüdischen Rundschau“ In Fortsetzungen erschienen ist, wurde soeben von der Brandusschen Verlagsbuchhandlung, Berlin W 50, in Buchform herausgebraelit. Wir nehmen an, daß die vielen Leser, die anläßlich des Abdrucks des Romans in der ״Jüdischen Rundschau“ ihre Bewunderung und Begeisterung über diese Dichtung zum Ausdruck gebracht haben, diese Buchausgabe begrüßen werden und daß sich das Werk in dieser Form noch viele neue Freunde erwerben wird. Das antike Aegypten Adolt Ermann; ״Die Welt am Nil“, Bilder aus dem altert Aegypten. J. C. Hinnch-sche Huchhnmllim״, Leipzig 1036. Der große Berliner Aegvplologe Adolf Ermann hat ein Buch erscheinen lassen, das in einer ganz vorzüglichen Weise geeignet ist, den I ai 1:11 in den Geist des aller! Aegypten und in die ITfornclning seiner Altertümer ein- Zufuhren. In einer von zahlreichen Illustrationen unterstützte!! Ucbcrsiclit finden wir hier einen Ucberblick •über die altägyptische Geschichte, über die Dokumente, die sie hinterlassen hat, bis zur Prubcriing Aegyptens durch die Perser und auch über die Geschichte der Aepvpf <״>!ogie. Zahlreiche Leser, die au diesem Kapitel der Geschichte besonders interessiert sind, ,werden dm-es Buch begrünen, das von einer profunden Kenntnis des Tatsachenmaterials, zeugt. Selbstverständlich werden auch die fiir die jüdische Geschichte wichtigen Zusammenhänge in diesem Buch in entsprechender Weise dargcstcllt. oe. Wächter der Gläubigen -- Der arabische Lehenskreis und seine Aerzte. Von Waller Görlitz, Sieben Stäbe Verlag, Hamburg. Von Walter Görlitz ist diese Geschichte des Arzttuins im arabischen Kulturkreis des Mittelalters erschienen, die über das engere Thema hinaus vielfältigen Einblick in die Blütezeit der arabischen Kultur gibt. Die Kette der herühmten arabischen Aerzte, Ucberlieferer und Erneuerer der antiken medizinischen Tradition wird von 800 bis i!1 die: Mitte des 13. Jahrhunderts geführt, und der Bogen der Darstellung wird von Persien bis Spanien über den ganzen Bezirk der arabischen Kultur gespannt. Bei der Eigenart des Themas kann cs nicht fehlgehen, daß an vielen Stellen des Buches auch jüdische Aerzte bzw. jüdische Be/iehungen erwähnt werden. So finden wir einen berühmten, wenn auch zum Islam übergetretenen jüdischen llofarzt aus der Schule von Gondcschapur in Persien mit Namen Ihn Zein At Tabari. Auch Juden als Uebersetzer berühmter arabischer medizinischer Werke werden mehrfach erwähnt. Auf Maimonides wird hei der Schilderung der spanischen Periode als Arzt und Philosoph hingewiesen. Ferner begegnet uns der spanische Jude Avenerzel, der ein Werk über Astromedizin verfaßt hat. _ —a, ״Staßt der Paläste“, ein Band jiddischer Gedichte von lizchak Berliner, ist in Mexiko erschienen. Der Autor schildert den Prunk der Bauten, die aus der grausamen Konquisfadorcnzeit stammen, und die Verlorenheit der Armen von heute, zu deren Leben das äußere Bild der mexikanisehen Hauptstadt in seltsam grellen Kontrast gebracht wird, 1

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