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Jüdische Rundschau · 1936-11-24 · Heft 94 (24.11.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 94 (24.11.1936)
Date
1936-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 94 24. XI. 1936. JODISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Künstlerisches und geistiges Leben Breslau. Im zweiten Abomienienfskonzert des Jüdischen Musikvereins gastierte das May er-Mahr-Trio (Prof. Mayer-Mahr, Klavier, Wladislaw Waghalter, Violine, Leo Rostal, Cello). Die pointiert gestaltete, mit großem Beifall angenommene Wiedergabe des B-l>ur-Trios (op. 70, Nr. 1) von Beethoven und des C-Dur-Trios (op. 87) von Brahms war etwas durch den großen, für Kammermusik ungeeigneten Raum getrübt, und doch verspürte man die innige Verbindung der Künstler mit den Werken. Sabine 11 ey man 11 (Alt) sang Lieder von Mendelssohn und Maliler mit gepflegter, disziplinierter Stimme. Kurt H a v e 11 a n d begleitete umsichtig. — Bei einer Kon/.ertveranstaltung in der Neuen Synagoge leitete Werner Sander Chor und Orchester des Jüdischen Musikvereins (außer in Rustsis 128. Psalm und Bach» 8(1. Psalm) in Leo Lows ״U’waschofar gadol‘־, einer interessant gesetzten, Traditionelles und Harmonisches verbindenden Komposition des modernen jüdischen Kornponisten und in den mit hebräischem Text gesungenen Psalmen Jo>p. 3'ih) von W. A. Mozart, bei denen Kate Borowicz den Solopart übernommen hatte, Oberkantor Karl Ne Um an •י, Berlin, sang neben dem Tenorpart bei Low liturgische Lieder traditioneller Prägung in der ihm eigenen chasonischen Gestaltungskraft. Erieii Schäfer (Orgel) leitete das Konzert mit einer Toccata von Froscobaldi ein und erwies in den Begleitungen sowie besonders in dein machtvollen D-Moll-Koiuert von Vivaldi-ßadi sein oft gerühmtes Konnen. Fritz Günter Nathan Halle. Der Jüdische Kulturbund brachte mit seiner Ok• tober-Veranstaltung seinen Mitgliedern eine freudige Ucber• raschung: ein Konzert des jugendlichen Geigers Oskar Reis (Ossy RernmJv), Wien. Sein künstlerisch vollendetes Spiel und seine erstaunlich ausgcleilte Technik rissen da» Publikum zu stürmischer Begeisterung hin. Am Flügel begleitete Kapellmeister Leo Schön hach, Halle, sicher und formgerccht. Köln. Die Vortragsreihe im Jüdischen Lehrliaus über Palast iriakundc wurde durch Vorträge von Dr. Fritz l k e n - berg: über ,,Die Geschichte der Alijotli“ sowie von Assessor üeorg Outhmann, Düsseldorf, über ,,Handel und Industrie in Palästina“ fortgesetzt. Am 11. November sprach i1״ Lehrhaus Georg ü u 111 in a 11 11 über ״Handel und Industrie 111 Palästina“. Leipzig, fm Kulturbund sprach Dr. Joachim P r i n z über ״Jüllistne Geschichtsauffassung“. Er entwickelte die Not wendigkeit einer Geschichtsauffassung, die sich von Ideologien fernzuhaltcn habe, vielmehr das Leben der Juden schlechthin als jüdische Oescfiichte ansicht, das Jakoblum und das Esantum. Er schloß mit dem trostreichen Ausblick, daB die großen Katastrophen unserer Geschichte stets neue schöpferische Kräfte des Judentums ausgelöst ltabeif. — Beatrice F r e tt d e n t h a 1 - W a g 11 a 11 e r (Kleine bunte Lieder aus der großen Welt) vermochte nicht restlos zu befriedigen; besonders der jüdische Teil ihres Programms, der jiddische und hebräische Lieder in oft unpassender Form brachte, erregte Befremden. — Dagegen ernteten Isa Krtmern zwei Gastspiele uneingeschränkte Anerkennung. Sie gestaltet jede Nuni 111er von innen heraus mit sparsamen Mitteln, und ihre jiddischen Lieder sind echt und herrlich, miverkitscht. Die Bee(eiter der Damen, Leo Schönbach (Waghalter) und Werner Seelig-Baß (Kremcr) waren untadelig. — Hermann;:11 ev erschien mit einem vorwiegend lyrischen Programm m Schubert, Schumann, Mendelssohn und Mahler. Er v«r* mitteltu die Bekanntschaft mit Max Kowalskis ״Lied an fiott׳', einem sehr interessanten und wall!gelungenen Experlment, das bekannte jiddische ״Dudele“ auf deutschen Text musnalisch neu einzukleiden. Erna Klein war eine vorzügliehe Begleiterin. — Das M e!1 d e I s s o 1111 - T r i o (Hella ( liitrik -- Klavier, Leo Schwarz — Violine, Paul Blumenfeld — Cello) brachte ein schönes Schubert-Programm: da» B-D11r-Trio und, unter Zuziehung von Alfred Schlesinger (Viola) und Rudolf Lewy (Kontrabaß), das ewig-junge f'orelleii-Quintett, dessen Variationen-Satz das mitgerissciie Publikum zur Wiederholung erzwang. Dr. K a b i 11 o w i t z Mannheim. Das jüdische. Lehrhaus veranstaltete für •die Jugendlichen eine Freitag-Abendfeier, die einen sehr stimmiuigsvollcn Verlauf nahm; Lehrer Translateur behandelte den Inhalt des Wochenahsrhnittes, der Leiter des Lehrhauses, Prof. B i 11 i g h e i m er, verband die Idee des Oneg Schabbat mit der Freitag-AIiendfeier in prägnanter Weise. Es werden alle vier Wochen jetzt solche Feiern veranstaltet werden. Df. O. S. München. Im Sitzungssaal der Münchener Gemeinde fand vor einer reichen Zahl geladener Gäste die Eröffnung des neuen Lehrhauses staft. Der Vorsitzende der Gemeinde, I MIFAL B1ZZARON ÜW1TACHCN | Kundgebungen des Keren Hafetsod I und der JewUh Agency for Palestinc! MIFAL B1ZZARON UW1TACHCN DRESDEN Donnerstag, 20. November, 20,1 S Uhr tn der Synagoge Begrüßungsansprachen t ff. Schocken, Vorsihendet d. Jüd. Gemeinde Rabbiner Dr, Wolff Dr. Hans Friedenthal ■ Berlin Dr. Joachim Prim-Berlin Die König! Kommission iagi Vor großen Entscheidungen in Palästina Jüdische Gemeinde, Orfsfcomllcc der Jevvlsh Agency Hermann Schocken CHEMNITZ Sonnabend, 28. November, 20 Uhr in der Synagoge Begrüßungsansprachen: Josef Kahn, VarsHiender der Gemeinde Karl Goeritz Dr. Friedr ich Brodnitz - Berlin I Dr. Hans PometanZFrankfariaM. I Palästina —! — Augenblick und Zukunft | Wirtschaftliche und politische Prognose j j Jüdische Gemeinde, hsef Kahn j j Orlskomttce der Jcrvish Agency j j Dr. üerendasi. Karl Goetfiz j Dr. Neumeyer, schilderte die grundlegende Bedeutung, die von Kultusgemeinde und Landesverbänden der Festigung unserer kulturellen Güter zugemessen wird. Rabbiner Dr. Ba er wald erinnerte an die elementare Bedeutung des Lehren» und Lernens im Judentum. In der Festrede über Franz Rosen/.weigs Auffassungen von jüdischen Bildung»- wegen schilderte Dr. Eduard Strauß (Frankfurt) den Weg der Lehrhaus-Idcc und die Etappen und Wandlungen seiner Entwicklung. I)r. Grünbaum und Dr. Bettsack hatten die Feier musikalisch künstlerisch eindrucksstark umrahmt.. H. L. Zionistisches und Gemeindeleben Ahlen (Westfalen). Dir Zi<>nist־Rfhe Artttit-^emc insrhaft veran- .-.ultete tünrn Werbt jbrnd für den KKB. Dr. Hüte׳ reftfriarte übur <ias Thema: JCnt-Hindcr, .\13ber, Juden“. Auch aus der Umgegend waitn zahlreiche UäMe und (icsinnuiigsireunde erschienen- Bamberg. Am IC. November *.p1a1!־׳ in der 7,OD. Käthe IT e i 1hrunn über da* Thema: ״Von Hcr2D Tod bis zur DaHour-DekU• ralkm‘*. Dresden, ln der Gem־ralver*a1n1»11mg der ZOG. am 10. Oktober wurde der Vorhand neu gewählt. Wiedcrgewählt wurde der Vor¬ *tuende! AUftid fischl, Ferner gehören dom Vorstandan die Herren J. Badm*r, Je M. Ärecher, fraii Filrstcrtfeld, Fr.fu Dr. llaiulrd, die IIerrett 5*. Karfjf, Hrrnu.ini! Mukus J. Reinhold, M. Ko^nbaum, L. Ro>1*r»krauz. A. Rothh-dz, j. SDi-mer. S. WVi^rr, M. Wittmar!n. — Am 1$", (*)fcfrdW h׳ ivdf DT ve'i. -Berlin, vinc:!1 Vortni(. * ul >!jr d.n Thema: ,, I1!׳!r u — \hd k und L. u־rt•■. Essen. Diu jüd i-rlnu! Ih.'düniektlfrtC der t',cn 1׳ in-Jt ivuideJi in il finem Hin.•!■; .ms mit Insuvb um VurUratf. d!eil Rabl. tiner Dr. Ba e 1■ k über: ״Ahr abarfi,׳ <W Wa n« lerer‘'' ^D;1« i'u'.m der B,du! ) luell. eincteleiiei. S1־ine Rt :du!li! duh' den AuMa' kr ri י י!,:1 \׳<nlr ,ul-xvkbn r׳׳!> . Urtier der Thumufi^ ubfinü: h i n n reb״ : 1t n £ j Ü r< : a r h e f 1׳ I x i - dy ־'2 יו 0 s t 1n'hj|eführ f \vt:rf!<;! v״ti. AI, zweit et R דיזח׳!־׳•) ־ >D1,ich R.1I1- Tiner Dr. l!oüm?1 fl l!, F!.! 1 ik'iiiT*׳ arn M. n 1). über: VFoa-, (Kr Volk.-Anünfk ■r•* (Def Sinh di■-־ jüdmdicn V. יי0:ן׳!. F! 1 klarer # rr] - dAnkcnlillirilnc rtc!!; er ti. t■■ l:<n1׳ndvre d ET-, jüiiu•■ h:*n Vi ־!k-tum -» rm Oegrn ■■־all Zll tk’fl dk! 1D־. •iVrum Form- :׳!! cn <11 « \ Ifl! «n.ilrtimiv rftr rmnieflTi-ti / teilen f!e rai!־*. Au'iVnkm werden . de ד! rtf;׳־'r\. -rn -ור. ichaften tlufchceiulir f: 1) f. Kurt Fl vrz. r>״ Di. uff. r:rhf־־i. ü her: .,Cfficlii(. hie lind •־Dt .•«hb'b f-aonb;>ani.n.׳n־':; K1 <Teek for i . R. M. A!1- 1iorn FfhanduH JD I\ü:3iM Tnüi'C zur wbt -henrlirl'H■ ■n bi dra. Rai. 1h inet Dr. Halm *cltt >ci neu f: D ndlUrm־» über ־ <!, i 5. fkiu h Afa^e, rfv-r bereit.-, im 4. Sudm-m lt-r brt uh',- h׳rt־. Aut ,.ufdc nn :• prp'h! ׳ er fmie rhalb de», Truiüi^ ubuml-Du D ׳י■׳!!! :; 'ir•. iib׳-r <i;n Tlu •i'iia: ״;/, mdlim-n judi- *chef lifliM Ihr errbnrhen n!!d : rt>;rni.-e h«<־n Spraeh-, insbesondere auch die l u! t׳״b ■ Km -e >ind narh wir vor gm hr.-umr. E* bat sieh töne Arb.-i! <m:uei;1 whul־t Ter irmi nrrfrtzion-m iM-iien Mitglieder <!<••’ Km«•״ lta]V--o<l nntrr Fei am״ dr״־, Ort.- komiiccr der JewRh Agrmy m-lüM!׳?, in der FYoblermde י faLmrina- Aufbau» in gemein -an.er Au ,.j.iFarbe bei!an!!eh Verden יי(Frifun־- halb dieses Kleines •»pM'h (iy mnadaMireka!r Dr. K 1 i h a n 5 k y über: ,Jhu jtuiBJiM St hnlwe-ni in Palä miiu“. Gera. Am 25. OkuD-ur .-י* ן"* U vor dk׳r U-'t vol’xuhlD versanniTKdfeh (iemuinds und \irion au■ ■■<\v.u-1 Dm UftUeii Dr- Jo.idiim Prinz über: ,,Diu FoliHk de.!mh ■her! Volk. r. - Am 27. OUfoMr hielt die ZOG. ihre m U< he CenmalvrmaimnbmO M. Die .Aon״ wähl ergab die WjerhrWähl da׳■■, V״r s,m׳b ru;־ Auaralunc d«׳r durch T( >r!züg Fdrnt.n MarLr'''!e D.1׳■; ־..׳. An mrer Strile wurde: Herr Frediger D. ft!!n /■tr«! rr-ien V..! itYidmi ״r* thb. Neu in der! Voi-fand srat^iv ein De!: rr 1;! : r h 4!:!! md fhldu Sie rncit'ld. D*׳r (b* -vh׳ .t! .:u, l'r*■ b •1-r <■ ,olvn, Jiiko♦» Spk'geb li. l'.i^ Ur.nky, Abr Gr .•O-.nm», W. be׳f!1!׳:d, Jber׳־ mann und 1׳rau SbeMifUr}■!. Magdebtfrg. Am Tj. Oi.ssbu ׳, d.114 1!׳» t׳i׳!b!> orfhnd -\e Bet״ lokal die WVthe einrr ,*Obe a:,;׳ r; -־ס,,-- ן;•,?׳,?׳•; Pnoi.i vor. 1 lerm Fincha-■ Jn-t fih Ffiedirr-, Fi•!־.׳1*; •־ i-l die 11• ׳h.Hlunp der Mittel 7.11 v(׳n hinken. Stuttgart. AU V.r■'■b'uu:,;: T r Wb:׳!!•,־ t md ,!m Ok e>Or eine Mitgü, dt-rvu .11:!!ור 'm 4 / '־ •־ d- ■‘!׳- I f־־’r< ה I׳׳ •.’׳ •׳ ■r. f >u״.d und Dr. Kaufmann ׳!. 1׳ k* \! 1.'’. r m! h \ ■■■־<..:b■ r Adler über: ״Die ‘ K, ipp יי -־ i י m I >-״.׳•1 '־ Wilhelmshaven. Am b'b uk■ /.! ■m׳!■.,־« iu d-׳׳ ZnD. Dr. Fle st.il über: ״Dm /iiG.1׳!• ■'::׳e bei; ><׳• -\ 1; ׳ F .:•tu Fv.trnpi. um cDi JfHliM be Na:»1.11:1;׳ ׳■ Wuppertal. Am ti. Novr-nber .»(!רז■ h 1 b׳!;. D a m 1 d u iGftrMdort» 111 der /״Uli, u'U-r: ״l:... u• , e ־׳ m m Fh־'~1״ .! n.c'A!deendigung de.-. SireiO'־. Ankündigungen Breslau: Zion. Vcrcmiguhm Am 25. N--־ >.־*:;! r, 245.י'י F’hr, r.nrtefclt. 25, nebräimbc S t!:u nb-r: ״D, rt .ul• dem pdmrhm StädteI*־. Retcrcnt: j. R> ׳v. — Darmstadf: ) -r.mbu.-rhn HO;- gionsMcnieinde. V״rU;p׳ jtuka I.t־vs ■Sn.an 27. \5jvi 111b1.,r, 20.45 t'hr, in der Jüsl. Ik-zirk-v!»׳'1ו\ bAi־׳h-1r. 15. ■iber: ״JüiU.o'he Jn^end — vubinr" ־— Duftnniifid: W Am 25. b'votArr X'orfrn״ Adolf Foll-tk.. jeriualein, üIkt'* fJD: Aib! :׳ der Atz..! in FDlm-biut‘1. —- Lübeck: ZOG. Vortrug am 22. Y.vember. S.'lämon RrDh: ״Frrz UiacL in der Prüiuug, Zu Tegliin der Arbvben der (V:f<־rsurhungs״ kümmission'־'. Familien - Nachrichten Frau Siegfried K 1 0 eh, bi :•*־,c. ׳5 .5־;׳.m r, K >!;u jcf7l F-e-cn, borf.?ängstr. 11, brgeht am 10.!)ezemher dun 80. 12:וי:1;י;!זוו Herr Jo«ef N o 111 m a ח n, Bits!.!!), Run urAenur. 8, begebt rmi 15. Dezember den 75. hbbuo GenH.־indev(.>r8־tdier btidv!.׳ R u ■!: :1!! c , 1׳ r.mki n-n i־; ir״! Seliles.g begeht am 30. Novcniber den 05. Geb;mu -g. Bar Mlzwah-Termine Am 5. Dezember (21. Ki.lew;:!1 S i m ..!־.. S■וז :־ von Philipp Simon, Memel, ko!Wnr׳rn-fr. 12(,. Ilausrn mit den Gefangeiien halicn — für sie sind das keine \ erlirccher, sondern Ünglütkliche. So etwas konnte jedem )).issieren. Als d ie Bauern weilergegangen waren, gah Panrlre lachend den Speck den Soldaten und Behielt die Gurke für■ sieh und Simclie. Und da saßen sie nun alle vier und hissen ein und aßen, was Gott und die Bauern ihnen hesiliert hatten. Soldaten wie Gefangene genossen ihr Essen, und auch der angeschfrrlc Gaul, zwischen den Deichseln de.» Karrens, auf dem das Jauchelaß »fand, fraß zufiicden aus seinem Futtersnck. * Der Wald beiderseits der Straße war hcrhstlich, n.xli* denklich und bußfertig, nach all der sommerlichen, sprossen״ dem Lust. Er bereitete sich ernst für das Gericht (los Winters vor, für die ersten Frflste. Die vollen Kronen der Iliiume sahen aus wie Frauen in zimlfnrbenen Krirro- Liren, mit gelben Hauben und ziehorienbraunen Spitzenschlelem, mit dichten lirustttlchem aus tabakbraunen Diitlfern mit zitronenfarbenen Bürten und Korallenfransen. Neben ihnen standen ihre Milnner, große magere junge Birken und Hellen, mit safrangelben Bürten, blefch-wachsgelben Kitteln und goldenen Kronen. Jeder Baum trug sein besonderes llerbstkleid, in der Farbe, die er gewählt hatte. Mittendrin s|aud eine große kräftige Rotbuche und sah aus, als wäre sic ganz mit geronnenem Blut bedeckt und schien zu schreien: ״Schaut, wie mich der Herbst zugerichtet hat!“ und dazu zu lachen. Zwischen allen waren die Fichten da, in Gruppen und m Reihen. Grün und kühl, und erhüben über das farbige Uetämmel. Wie aufgeklärte, grüne Ketzer, die nicht» von 'ler großen Buße im Wald halten und sich nicht an den Vorbereitungen beteiligen. Sie hatten keine Angst vor dem Winter, sie blieben auch grün, trotz, Winter», Aus den angefaulten Blütterhaufen im Lfnterholz kam dn Duft von Pilzen. Zerrissene seidene Flocken schwebten jn (ler Luft und klebten an den grünen Zweigen und braunen Zapfen, schimmernd, wie zerrupfte rohe Seide auf der Kratz- Maschine. ״Was meinst du wohl“, sagte Pandre, und wischte »ich '!et Gurkensaft von den Uppen, ״wie oft Ich mit Scbmarwoz diesen Weg gefahren bin? Die Peitsche hat geknallt und (L1s Herz war leicht!“ Aber Simche war ein bitterer Jung, ein Feind von *ftlkm Beden. Er liebt« einen Schnaps und Vergessen, keine Erinnerungen. Also antwortete er spöttisch: ״Der Segen »oll dir vom Himmel kommen!“ Das brachte Pandre auf andere Gedanken. Er wies auf die Schalen der uufgegessenen geschenkten Gurke. ״Gute Kerle, die Bauern“, meinte er. ״Sehr gut“, sagte Simche. ,,Wenn ...“ ״Aufstehen!“ schrien die Soldaten plötzlich, grob mehr aus Gewohnheit als aus Bosheit. Und sie kamen alle zusammen auf die Beine. Pandre löste dem Gaul den Futtersack ab mit erfahrener Hand und ging, die Zügel führend, Tritt für Tritt neben ihm 11er. Simche ging auf der anderen Seite des Karrens. Hinterher die beiden Soldaten der Wache, zignruttcnrnuchend — Pandres und Simche» Tabak. Es war gut, denn solange die Soldaten rauchten, trieben aie sie nicht zum schnelleren Gellen an, trotzdem die M ache wußte, daß die Gefangenen den Gang durch den Wald gerne so lang wie möglich ausdehnten. Also *chleppte sieh die Prozession langsam die Straße entlang — der Wogen mit dem Jauchefaß, die Wache und die Gefangenen, Unter den libcrhilngendcn vergilbten Zweigen der Biirime zu beiden Seiten wie unter einem Triumphbogen. Pandre erinnerte »ich: Als er ein kleiner Junge war, hatte man der Gutsherrin, die zum erstenmal nach Schklow kam, einen solchen Ehrenbogen aus Blumen und Flitter und buntem Papier errichtet, und nun fuhr er hier unter einem viel herrlicheren Hundgewölbe, das der Herbst gelber geputzt hatte. Aber Pandre in seinem Schmutz und seiner Verstoßenheit schien es jetzt wie ein böser Witz: Macht Platz für die Latrinenreiniger! Putzt die Tore für die Schmutzfinken! Und die Düume schaukelten über ihm, wehend mit langen Armen in ihren Paf&dekleidern wie beim Räuchern mit XVeihrauchfitsscrn. Und Pandre dachte, es wäre am Ende hinter den Zweigen einer versteckt Uttel lauerte, bis sie voröberkämen, um sie mit einem Kübel Schmutzwasser zu überschütten. Die Straße machte eine Biegung, und eine ganze Gesellschaft von jungen Birken mit dünnen Stämmen und vergilbten Blatterkronen wehte ihnen entgegen, wie;junge Mädel in weißen Kleiden! mit blonden Zöpfen, und verstellte lachend den Weg. Der lange Karren mit den! Faß drehte sich knarrend ln diu Kehre, ließ die Birken hinter sich, und vor Pandres Augen, wie aus der Erde gewachsen, näherte sieh ein zweiter Zug, wieder zwei Soldaten mit blanken Säbeln und zwischen ihnen ein ungeschlachter Arrestant. \V ar das nicht der geschlagene Goliath? — Ja! Es war Tschurillo, der an Stelle aer Nase einen zerquetscht«!! Klumpen mitten im Gesicht trug. Und die Fratze 1 »churilloa kam gerade auf ihn los. Wahrscheinlich wurde Tsrhurillo;10» dem Hnspitiil in ein andere» Gefängnis gebracht, um zu verhindern, daß er und Pandre nrx-11 einmal zuKmiincnkaincn und einander umbrach(cn, wie Kater in einem Sack. Und nun traten sich die beiden hier, mitten im W.11J! Tschurillo erkannte Pandre umh sofort den Mann, der ihm die Nase zerschlugen, der ihn vor allen Gehmgcnen erniedrigt und ihn seiner Macht über das Gefängnis 1 «׳rauht hatte. Seine Augen flackerten auf, und er trat jäh auf ihn zu. Die Begegnung und der lUrehllmre Bin k waren so 1merwartet, daß Pandre der kalte Schreck übern Rücken lief. Er spürte, ein Berg von Ilaß bewegte sich auf ihn zu, eine tierische hemmungslose Krall, einer, der nichts zu verlieren hat Natürlich war die Wache du, aber es war z.wcifclhafl, ob die Wache »tark genug war, gegen eine Bestie, die luseml wird. Scheffels Warnung fuhr Pandre durch den Kopf: ״Gib acht, wenn du dem je w ieder in den Weg läufst!“ Kr war weiclnnütig geworden im herbstlichen. Mahl. Aber er faßte sich und schritt gelassen weiter, die Zügel des Gauls in der Hand. In diesem Augenblick bückte sieh Tschurillo, so schnell, daß es aussah, als bräche der große Körper in der Hälfte durch. Er packle einen der großen Steine, die weißgelüneht die Vicrtelmcile fcczeichnetcn, und riß ihn aus dem Boden wir eine Rübe. Aufspringend, streckte er sieh wie ein stählerner Bogen, und der schwere Stein flog aus seiner Hand. Er war gut gezielt und sauste wie eine Kartonenkugel auf Pandres Kopf zu. Die ganze Reihe von Bewegungen hatte der große Körper so schnell abgerollt, daß die Wachen auf beiden Seiten verblüfft und hilflos dnstanden. Aber Noah hatte den Kopf nicht verloren. Er hatte Tschurillo scharf ins Auge gefaßt, und so schnell Tschurillo gehandelt hatte, Pandre war schneller. Er duckte sich, und der zwanzigpfündige Stein sauste pfeifend an ihm vorbei und zerschmetterte das leere Faß auf dem Kanron. Er prallte hinein wie ein Geschoß, mit dumpfem Knall und flog auf der lindern Seite! wieder hinaus, in den Wald. Das Pferd überschlug sich beinahe vor Schreck, und Pandre, wieder aufgcrichtet, konnte es kaum am Scheuen hindern. Simche hatte sieh schreekbetliubt, auf die Erde gesetzt. Die Soldaten beider Transporte schrillten auf ihren Pfeifen und ti’ieben Tschurillo mit vorgehultenon Revolvern zurück und von Pandre weg. ״Dich hat Gott beschützt!“ sagten sie dabei zu Fandre. (Schluß folgt)

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