Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 94 (24.11.1936)
- Date
- 1936-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 24. XI. 1936 w kk •־״«*»iiilit* ifli den!*ichaK»I»al? Für Schabbat, 28. November Wochenabschnitt ״Wajischlach“ (1. B. M. Kap. 32, •i — 36,43) Der Vers Kap. '36, 31 wurde von vielen Ribelkrilikern — auch von jtnloeher Seite — aufgegriffen lind zuin Anlaß kritischer Bemerkungen gemai'fit. [:inen dieser Konunentatoren — ji/d’.aki zitiert Ihn E s r a in seinem Kommentar zum erwähnten Vers und polemisiert gegen ihn iiuläerst bissig, indem er sich tiber seinen Kamen lustig macht: Deswegen nannte man Semen Namen Ji/chak (vom Stamme צחק :■ laehen), weil jeder, der ilui hört, über ihn lacht! Als Ji/chaki behauptet, un-er \’ers sei zur Zeit des Königs Josaphat ge.'dinebeii, sdireibt Ihn Esra: ״Fern sei es, fern, daß es so ist, wie jener (Ji/chaki) es gesagt hat... und sein Werk muß verbrannt werden . Diese und ähnliche Bemerkungen (vgl. seinen Kommentar zum Vers I. B. M. Kap. 2b, 17) haben Ihn Esra doch nicht davor bewahrt, von den Bibelkritikern als einer der ihren beansprucht zu werden. Sie stützen sielt dabei auf Aeulicrungen Ihn Ibras zu den Versen I- B. M. Kap. 12, 6 und V. B. Al. 3, II. Spinoza nimmt in seinem ״Theologischpolitischen Traktat“ ausdrücklich auf diese Stellen Bezug. Es ist jedoch nicht anz miehmen, <1.1 (i lim Esra Auffassungen veitiaf, die der Hihelkritik im modernen Sinne entsprechen wurden, Sem Kommentar hatte sich dann nicht im jiidi'dien Volk so dincligi-ctzt, wie er es getan hat. Auch seine über,um scharfe Bob-nnk :.;egen die Kommentatoren aus dem Lager der Kaiuei ist s״ast kaum verständlich. Seine 1k lieiitiieit \ n dankt de-er Kommentar vor allem seiner l’r ,1g!1.111/, wobei er M.-ii ,!;::uu streu!! an das I ormalc und In'ii.ilibdie der Bibel halt. In --e m. 1׳ b.iiileitung zu seinem Kommer1i.il ndt er die Bibel-I rki.uvr :11 vier Gruppen: Die erste ln :!1:,t p h 1 i ״ - o p!1 1 » e h e An ■ichtea zum Ausdruck. Die zwiile ,he K'iiuer hat in ihrem Bestreben, die immdheln l.elue zu leugne!!, die \ exte entstellt. Die 111:111• tnurgie 1-t da dei V, 1 s t 1 k e r, ilie m dm Text Dinge llinemgi he: :11:1. -■ eu. Die Meute ( huppe eml lieh wendet sich nur dem .Midi.0,31 zu. Ihn, 11 *.:egcmibcr verti itt Ihn Esra den klau 11 ,,I's,'11,11 “ de- Versio, Km I s|,1 eg iilicr.uis reuvolle l’ersönlichkeit, die t ine heuL'gic ( u •>, im. 11t׳.■ hatte. I I mreic hciid 1 Literatur enthaben dm I 11/\klop.alieu 11111I das Jüdische Lexikon“. I. 1'-. Die Haiacha bis zum Abschluß der Mischna (IV) Wir ha 1k״ 1111/ 1!׳JK o:,1;e Aligemeinheg! i Ife zu klaren. Im Z.usamm! iiluiig mit de;1: 1 ׳; wicidung der I lahicha und der Interpret 111 n:1 11! > sch! 11 ז I!׳, In.׳;! wie miiin Hieben < iesctzes spreclieii wir \״n dm I.ein ern als den ״ bann a im" und ״Am urjini". Das Wert 1 .11111,11 (תנא von תנא׳ חני das aramaische Ae,!!:!va'cnt!tir dahebräische JUt‘׳ was zugleich vviedei holen, ü ,!<111 1 eil, hdiieü lind leriieil Imdmtet) bezeichnet gewöhnlich diejenigen (ic-ct/eslchrcr und Trailcntcn, die bis zum Ahs< hltil) der MisTuia tamiaitische Lehrsätze überliefert haben, Bein zeitlich erstreckt sich ihre Wirkung etwa von 10 bis 2_׳ü n. t ihr., beginnt also mit der Generation der Junger Hilleis und Schammais und endet mit dem Lode R. Jehuda ha-N'assis. Die Amoraim (אמורא — Spreche, und Interpret), die sich zur Aufgabe gestellt haben, den Text der Mischna aus/ylegen und die dort getroffenen Entscheidungen zu erlautern, wirkten vom Abschluß der Mischna zu Beginn des 3. Jahrhunderts bis zum l’mle des 5. Jahrhunderts n. (dir., als der Talmud als solcher abgeschlossen wurde. Das Werk der Tamiaim ist also die Mischna, wahrend das der Amoraim Talmud allgemein oder (iemara heißt und das Gelernte oder den erlernten Wissensstoff bezeichnet. R. Jehuda ha-Nassi. Die Persönlichkeit R. Jelmdas und das von ihm vollhiachte Werk verdient eine besondere Würdigung', Vor allen! 111!NM׳n wir uns die Zeit seiner Wirkling ve! gegenw ariigeii. Kuin, die Beherrsch er m Palästinas, war!111 letzten Drittel des /weiten naclii 11׳ östlichen Jahr- Iiiimlcits in einem der häufigen Kiicge gegen die Partlier, die einzige!111! Koni 1!vnh״w r!aide Großmacht im Vorderasiatiselten (jii'w׳> \ ,!׳rw!ekelt. immer Krieg wccUc im jüdischen Lande gewi-'e i lut!!1 uiigMi;1af Befreiung, hatte aber stärkere Repressivmaßnahmen zur Folge. Als der Krieg zu Ende und die Parther geschlagen waren, wurden die Unterdrückung!(• dekretc unter Marc Aupel aufgehoben. Der Philosoph aut dem römischen Thron rar kein Freund einer Unterdrückimgspolitik. Die spätere Zeit wußte sogar von der großen Freundschaft R. Jelmdas zu einem der römischen Cäsaren, einem Antonius, zu berichten, den man mit Marcus Aureiius /Antonius identifiziert. Der Ruhm R. Jelmdas war nicht nur unter seinen Zeitgenossen, sondern noch Jahrhunderte später sehr groß. Das Volk sah in ihm Gelehrsamkeit und (iröße 711 einer glückliehen Synthese vereinigt. Als Patriarch und Vorsitzender im Synhcdrioii zeigte er auch hohe staatsniannisehc Qualitäten und entledigte sich seiner Aufgaben mit viel Geschick und Verständnis für die Lage des Volkes. Zu seiner Zeit war das bis dahin mündlich überlieferte halaehische Material so sehr angewarbsen, daß die Gefahr hestand, es könnte ohne Systematisierung und Sammlung im Gedächtnis nicht mehr aufhewahrt werden. Er unterzog sich datier der mühevollen und schwierigen Aufgabe, den angehäuften Stoff zu s i c 111 e n 1111 d zu o r d n e n. Auf diese Weise entstand die Mischna als der Kodex, der die schriftliche Lehre ergänzen sollte, 111n bald zur Quelle der Gesetzgebung, zu einer sozusagen ״zweiten Thora‘* emporgehoben zu werden. Die Mischna selbst mit ihrem knappen und lakonischen Stil will nicht etwa eine halaehische Quellen- Sammlung sein, sondern im eigentlichen Sinne Halachoth lehren, die weiterhin noch bearbeitet werden sollten. Neben den geltenden Reclitsbesiimrnungen weist die Mischna noch eine Reihe von Vorschriften fiir Kult, Tempeldieiist usw. auf, die eigentlich infolge der veränderten Umstände außer Kraft gesetzt waren. Ihrer inneren Struktur entspricht sie mehr einer protokollartigen Sammlung, wobei die Meinungs- Verschiedenheiten der einzelnen Schulen sowie der Lehrer besonders hervorgehoben und berücksichtigt werden. R. Jehuda klassifizierte die Miscluia in sechs I lauptordnungeil (סדרים), jie in einzelne Traktate (׳(מסכת die wiederum in Kapitel (פרק) und die let/lieh in Parngraphe oder Lehrsätze (והלכה׳ משנה zerfallen. — Das biblisch-klassische Hebräisch hat sich liier zu einem N'euhebräiscli, das häufig in Anleltnuiig an das damals gesprochene Aramäisch viele grieehische und lateinische Lehnwörter auf/mveisen hat, weiter entwickelt. Von hier aus werden wir die Lntwickhuigslinic des Hehräischen über die späteren Jahrhunderte, über die spanisch-jüdische Blütezeit bis zur Haskala und heutigen Zeit aufzuzeigen haben. _ J. M. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 24. November: Wien (5Qü). 17.25: Meder von Mdlder.—־ Odo (11541, 19.30: MemieKsoim: Llrd ohne Wolle. -. KnL’ltnd (1500h 21.30: Fun/. O-dinm ־-|urh SrluiU 1!, Kudd, Mendel-*,ohn. —־ ICalun<l!>0!'£ (1250). 22.15: Oüenhneh; AVull: Aus der 1 )rriLOTw'lienoppi‘*. -.- Ile <10 Frunre (219), 23.15: 1 . a. י <»hi!t'! 1: \vi 11 -airni. Mittwoch, 25. November: Pra<sr-Tjldiiz (470), 15: llalew: A!ie aus ,.IHe Jüdin“. -- HudajHM (550), 17.25: (i ai [emnudk: Mendels- '111״!: Venr/iahi-elies < lon<lei 1 ied. —״ SlUübure (349), 18.30: i - a. Me!Me!-״oli!t: ,,SrhOne Melu-dsud'. — Po-ie 1312) 11־91! ■ןו>י), 19: Jüdi-eli-RfdiDÜöse — Paris Pd’T, (431), 22.15: Sonadne hir Vitunx'n und Klavier (KooTithal). Donnerstag, 26. November: Paris (1648), 13.15: F. a. Mendelssohn: ,.A1 haUt 15.30; “־: St hurzo aus ,.Somme! nuehi - Iran in‘־. — Kal undb<u£ (1250). 20.lr0 F. a. MumU׳l*-.fshn: Srho(nwht׳ Sinfonie Nr. 3 A -Moll. — lliKer-uni II. (302). 20.50: Konzen das AmsterdcHuer , (.'o:u־er״d)0uw-Or1:he'(ers (I.-dtun^: Willem M,1 Iher^), SoÜ-t: Hermann Subcy: u. a. Mahler mal McixluF sohn. — Reval (410). 20.SO: U. a. Mt.-yeibeor: Morse!! aus ,.Dt1!־ Prophet*‘. -— Ivnjband National (1500). 23.20: K. a. Milliand: Foneeidno. Freitag, 27. November: Ruda|>e־o I (550). 12.05: K. a, MVverbrer. — Paris (1648), 12.45: JiiiWhc Sendun״. — Ililveronn H (302), 1.4.10: F, a. Mcia leb sohn: Sinfonie Ar. 4 A*Dur, — Oslo (1154), 17: K. a. ()lUmbaeh: Potpourii aus ,.Pariser!,eben‘*. — War-uhuu (1339), 17.30: Kl.n־ie!mu-bk von MVnfU׳P-ohn: Piiiludium und Fu!>e C-Mol!, \'a ria!i! me n, Fieder ohne Worte. — Wien (506), 19,.30: l. a. Mcveiheer: Faebeltuuz Nr. 2: 20.30: Sinfonie- Konzert der Wiener Sinfoniker, Diii^ent: Jhnno Walter. — Mittel- Italien (421), 20,40: W n. Mendelssohn: HcK’hzeitsma iseh, Sonnabend, 28. November: I.uxemhurq (1304). 13.45: V. a. Offenhach: Fanta-ic au ״ י I loffin.inns Fr/.u Idun^en“. -.- \\\1!1339)!131!0י.־), 17: t . a. Munde1! wohn: Lied ohne Worte F Dur. •—׳ Klgn (515), 19.15: ( fl feu! »aeli*4 > jjeri't י e. — 1040־ Pailden (312), 19.10: Marrel Moy,c >pieH Konvoi. — Sotteris (443), 20.30: V. ü. Mendels eohn: 11ehu iden•( >11 vertii!e. Postschlüsse nach Uebersee vom 24. November bis 1. Dezember (Abkürzungen: PA. Postamt; BPA. Bahnpostamt; Fl 11. ־=־ Flughafen) Palästina. Schiff: 2t. 11. Frankfurt a. NE (BPA. 10) 10 Uhr; 25. 11. München (BPA. 1) 0 Uhr; 27. II. Hamburg (PA. 1) 15 Uhr; 20. 11. München (BPA.,1) 0 Uhr. — Bahn: 26. 11,; 2S. 11.; 30. 11. München (BPA. 1) 0 Uhr (Leitvermerk: ״via Belgrad -Aleppo•־). -- Luft: 24. 11.; 26. 11.; 27. 11.; 2$. II.; 1. 12. München (BPA.!) IS Uhr; 25. 11.; 28. II. Berlin (PA. C 2) 6 Uhr; 26. IE; 20. 11. Berlin (PA. C 2) 10 Uhr. Vereinigte Staaten von Mordamerika. Schiff: 26. 11. Hamburg (PA. 1) 10 Uhr; 27. 11. Berlin (PA C 2) 8 Uhr zu ״Europa“ 28. 11. Cherbourg. — 30. 11. Hamburg (PA. 1) 10 Uhr; 1. 12. Berlin (PA. C 2) 8 Uhr zu ״Monnaiidie“ 2. 12. Le Havre. — Luft: Fährte 11 des Luftschiffes ״I lindenburg“ und Nachbringcfliige von Köln zum Dampfer finden bis auf weiteres nicht statt. Südamerika. Schiff: 24. 11. Berlin (PA. € 2) 18 Uhr; 25. 11. Hamburg (PA. 1) S Uhr zu ״Cap Arcona“ 25. 11. Hamburg. — 26. n. Berlin (PA. C 2) 20 Uhr; 27. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 10) 8 Uhr zu ״Arlanza“ 28. 11. Cherbourg. — 26. 11. Berlin (PA. C 2) 23 Uhr; 27. 11. Ilnmhurg (PA. 1) 13 Uhr zu ״Monte Olivia“ 27. 11. Hamburg. —- Luft: 25. 11. Berlin (PA. C 2) II Uhr; 25. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 10 oder F1I1.) IS Uhr zu Luftschiff ״!lindenburg“ (Leitver* merk: ״Mit Luftschiff nach Südamerika“). — 28. 11. Berlin (PA. C 2) 0 Uhr; 28. 11. 1 ratikfurl a. M. (BPA. 10 oder Elh.) 13 Uhr Air France. Südafrika. Schiff: 25. II. Hamburg (PA. 1) 10 Uhr; 25. 11. Kiilii (BPA. 10) 21 Uhr zu ״Atiilonc Castle“ 27. 11. Southampton nach Kapstadt, Johannesburg lind Pretoria. — 1. 12. Berlin (PA. C 2) 21 Uhr; 2. 12. Frankfurt a. M. (BPA. 10) 10 Uhr zu .,Diiilio״ I. 12 Marseiile nach Kapsfadt, Johannesburg und Pretoria. — Luft: 24. 11.; 27. 11.; I. 12. Berlin (PA. C 2) 22 Uhr und München (BPA. 1) 21 Uhr. Persönliches. Am 2. Dezember begeht Dr. Siegbert Feu cht ivangcr, der bis zu seiner vor wenigen Wochen erfolgten Uebcrsicdhmg nach Tel-Awiw stcllvcrtetcndcr Vorsitzender der Kultusgcineüule München war, seinen 50. Geburtstag. Ueber drei Jahrzehnte stand er in der zionistischen Bewegung Deutschlands lind gehörte deren Gemeindeausschuß, sowie dem Vorstand der ,Münchener ZOG. au. Er ist durch mehrere wissenschaftliche Publikationen zur Judentrage hervorgetreten. PALÄSTINA IN LICHTBILDERN Die aktuellsten Bilder Juli — Oktober Mit ausführlichem BegtleitvoHrag von Dr. E. Mechner, Tel-Aviv Unruhen und Verteidigung — Aufbau in den Städten — Aufbau in den Siedlungen — Neue Anstrengungen Bildbericht Nr. 5697 /1. 50 Bilder RM 4.— Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages durch den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Berlin W 15, Meinekestr. 10. Postscheckk. Berlin 28247 Die palästinensische Pianistin Nadia Eitingen wird am 1. Dezember erstmalig in P a r i s 1111 Saal Chopin spielen. U. a. wird sie auch — erstmalig in Paris — Werke palästinensischer Komponisten vorführen. — Einen Tag später wird der ungarisch-jüdische Virtuose Andor Foeldes einen Klavicrabend geben. Der Geiger Stefan Frenkel ist an die Metropolitan Opera in New York als 1. Konzertmeister berufen worden. Prof. Leon Algazi von der Ecolc Rabbiniquc de France in Paris hält an der katholischer! ״Schola Cantoruin“ einen Kursus über jüdische Musik ab. Das Ballett der Pariser Grand Opera bereitet unter der Regie von Ballettmeister l.lfar eine choreographische Bearbeitung des ״H oben Lied e s“ vor. Am!׳״ n u-1'te L’ehersftziing von (! r e t « Fischer 25. Fortspfzun .׳ M'.tDiruck verboten!,andre heimle sich bekümmert über den Freund. ״Was fehlt dir r" ״Spuck mir ins Ctsii ht!“ schluchzte Simche, ״spuck mich an! leb sapA dir! Wie du noch im Schlachthaus warst, Inili ich gemeint, ich hin deinesgleichen. Du und ich. Wie du eon der 1'ltiM herci weg bist, hab ich erst gemerkt, was du für mich gewesen hist, und ich hab mich selber gehaßt. - - Kaiin g's auch wissen! Wie ich hier gelegen hab, besoffen wie ein Hund, und du bist in die Zelle gc'komnien, und alle luibcn sieh mit dir gefreut und wuren um dich herum - Scheftcl wür für dich durchs Feuer gegangen! Ich wollte immer, du solltest meinesgleichen sein. Säulen, raufen. — Aber dir hat cs nie etwas gemacht. Ich kriech heraus wie eine nasse Katze» und du trittst hervor wie der große Held! Sogar, wenn du dich prügelst, macht es dich zum Helden! Sogar im Gefiingnis! Ich war froh, wie sie dich geholt haben, mit mir Latrinen zu putz.cn! Nur, dir schadet das nicht. Keine Sach... aber ich ... ich . ..“ ln dieser Nacht schlief Pandrc spät und schwer ein. Und er träumte vom Schlächterläden, seines Vaters Laden, den er verkauft hatte. Er erschien ihm in Gestalt einer großen, wuchtigen SchUiihlersfrau, mit vielen behaarten Warzen im Gesicht und auf der Stirn, wie sprossende Kalbshörner, sie trug Männerstiefel an den plumpen Füßen «ml eine riesige, hlulhesprit/.tc Schürze Ober dem breiten Leih. Sie hatte den Mund voll großer flacher Zähne wie «in Ochs, und ihre Augen waren schwarz und vorstehend wie bei einer geschlachteten Kuh. Ihre groben Arme waren voll Blut und Fett, blutiger Dampf und Schaum ging ihr vom Munde, So stand sie da und hackte Knochen auf seinem ererbten Hauklotz., und redete mit sich selber im Takt dazu: ״Das Schlachthaus rechnet ab. — Das Schlachthaus rechnet ab!“ VIERÜNDZWANZIGSTES KAPITEL DER MOIIILEWER WEG Ungefähr eine Woche danach saßen Pandre und Siinehe ein paar Meilen außerhalb der Stadt unter ein paar Büschen und frühstückten. Sie hatten seit sechs Uhr trüb hart gearbeitet. Ein Stückchen weiter stand das große Jauchefaß, das sie hergebracht, ausgeleert und dessen Inhalt sie vorgraben hatten, unter der Aufsicht, einer bewaffneten Wache. Die beiden Soldaten, die die Wache bildeten, mit ihren Säbeln und gedudener! Revolvern und Trillerpfeifen, die von ihrer Brust herahhingen, für den Notfall, satSen in der Nähe und aßen ebenfalls. Die Soldaten wußten, daß die Häftlinge aus der Stadt kamen, daß sie keine Vagabunden waren und kaum davonluufen würden. Und die Gefangenen kannten die Soldaten so weit, daß sie wußten, sie wflrdcn sie nicht ohne Grund schlagen, anbrüllen oder Verstärkung heranpfeifen, geschweige denn schießen oder stechen. So saßen die beiden Paare in friedlicher Nähe, und dabei weit genug, daß einer den andern nicht beim Essen störte. Die Soldaten aßen Speck und Kommißbrot. Sie aßen mit Genuß, gründlich, wie sie früher zu Haus in ihrem Dorf gegessen halten. Vorsichtig und mit geiziger Geschicklichkeit schnitten sie die Huppen Brot zurecht, legten dünne Scheibchen von dem weißen, glänzenden, rotgeüderten Speck darauf, warfen den Bissen appetitlich in die Mäuler und schmatzten kräftig. Die beiden Gefangenen aßen unruhiger, versorgter, ohne die gelassen« Methode — wie Juden essen. Ein hastiger Bissen, zu rasch, der nächste zu langsam und umsichtig. Sie aßen eins gleiche schwarze Brot wie die Soldaten, aber dazu eine große, gelbliche Gurke, die sie in zwei gerechte Hälften geteilt hatten, einen Span zum Schneiden benutzend, denn sie waren Gefangene und durften kein Messer haben. Die Gurke war mächtig groß, mit einer Kartoffelnase und vielen überreifen Samen, schon herbstlich sauer in der Mitte. Sie schmeckte herrlich. Der Duft und Saft machte ihnen den Mund wässerig, erquickend gab es ihnen den letzten Segen von Erde und Sommer. Denn im Gefängnis bekamen sie nur den Brei aus dem Kessel, und wenn ihnen nicht mal ein Leckerbissen zugesteckt wurde, gab es nie etwas Frisches, Grünzeug, Rettich oder eine Zwiebel. Weder Simche noch Pandre bekamen Geld von zu Hause. Meri und die Mutter schlugen sich knapp durch. Das Stehen hinterm Marktsland brachte sehr wenig ein. Sie hatten das letzte Stück Geschirr verkauft. Und die drei Kopeken täglich, die Pandre für seine schwere, üble Arbeit bekam, gingen für Tabak drauf. Seit er die Strafarbeit machen mußte, rauchte Pandre — er hatte das früher nie getan. Nun lelirtc ihn Simche, Zigaretten aus Zeilungspapier zu drehen. Der giftig bittere Geschmack machte ihm anfangs übel, und noch lange bekam er Kopfschmerzen, Aber cs vertrieb den Gestank oder machte doch eine Wand zwischen ilini und seiner unreinen /Arbeit. Die drei Kopeken reichten nicht weit, denn er und Simche mußten den Tabak mit der Wache teilen. Ein Soldat verkauft die Seele seiner Mutter fiir Zigaretten. Und die Gefangenen bekamen dafür ein Lächeln oder ein gutes Wort. ■Also arbeitete Pandre tagein tagaus für ein bißchen bitteren Rauch, den er durch die Nasenlöcher schickte, und für das Futter aus dem Blechnapf. Aber Simche, seit er sich ausgesehimpft und ausgcflennt hatte, war wieder besser. Pandre hatte auf Schritt und Tritt gezeigt, daß er noch sein Freund war. Wenn Simche zu schwach war, kam Fandrcs starker Arm ihm zu Hilfe, wie in den alten Tagen im Schlachthaus, wenn er die Knochen durchhieb, die Simche zu Zäh waren. Sie hatten sich beide an die Schmutzarbeit gewöhnt und waren sogar zufrieden, weil sie dabei doch für ein paar Stunden ins Freie kamen, an den Mohilewer Weg, der nach Hause führte. Sie konnten doch ihre Lungen mit VValdluft füllen, ehe sie für die Nacht wieder eingeschlossen wurden. ״Ist alles nicht so schlimm, Simche“, munterte Pandre auf. ״Andere haben es machen müssen, ehe w׳ir da ■waren. Jetzt sind wir dran! Werden nicht davon sterben!“ Simche knurrte, paffte seine ,/Zigarette“ und spuckte aus. Aber Pandre konnte merken, aus der Art, wie er knurrte und wie er spuckte, daß «r nicht böse wur, und nur seine Zustimmung! ausdrücken wollte. Sic hatten heilt einen glücklichen Tag gehabt. Ein paar Bauern waren auf dem Woge an ihnen vorbeigekommen, und nls sie die Gelungenen sahen, die zur Arbeit geführt wurden, hatten sie sieh bekreuzt und waren stehen geblieben. F.in Alter in einer Schnffelljacke halte die Gurke aus einem Sack gezogen und sie den Häftlingen gegeben• Und sein« Frau, die um das frische, Iiürbisrunde Gesicht ein brandneues, blaurote.1» Kopftuch trug, gab ihnen ein in sauberes Leinen gewickeltes Stück Speck. ״Da, nehmt, meine Lieben“, sagte sie freundlich, und ihre guten blauen Augen sahen Pandre an. Noah nahm die Gabe und dankte dem Bauern und seiner Frau herzlich. Sie arbeiteten nun schon die zweite Woche an dem Wege und hatten die Gutherzigkeit der Bauern kennen gelernt. Sie wußten, es wäre kränkend gewesen, abzulehnen. Sie wußten auch, wieviel Mitleid die Üt