Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 94 (24.11.1936)
- Date
- 1936-11-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 JÖDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 24. X«. 1Y36 Wissenschaft und Judenfrage Von der Tagung des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland \Xic schon in der vorigen Nummer der ״J. R.“ kurz berichtet, wurde am 1<J. November die n ciicForscluin g sabteilung zur Judenfrage im Rahmen des Reichsinsfituts für Ueschiehfe des neuen Deutseliland in der Aula der Münchener Universität durch den Präsidenten des Reichs- Instituts für Geschichte des neuen Deutschland, Professor Walter Frank, feierlich eröffnet. Der Feier, deren festlieber Charakter durch die Anwesenheit des Stellvertreters des Führers der NSDAP., Reichsminister Rudolf Heft, und vieler führender Persönlichkeiten des Staates, der NSDAP, und der Wehrmacht unterstrichen wurde, wohnten, außer den Vertreten! sämtlicher Ministerien, Abgeordnete des Dozentenburides und des Studcntenbuiides, außerdem die Münchener Professomischaft vollzählig bei. Nach einem musikalischen Auftakt sprach als erster Professor Karl Alexander von Müller. Die Errichtung der neuen Abteilung Judenfrage innerhalb des Reichsinstituts, sagte er (der ״Frankf. Zig.“ ־zufolge), sei mehr als ein organisatorischer Akt der Wissenschaftspflege. Sie sei ein Akt der Revolution. Zum ersten Male nehme sich die Wissenschaft eines Gegen- Standes an, den sic bisher. nicht behandelt habe. Die Tore seien aufgestoßen. Das Reiehsinsfitut solle die Wissenschaftliehen Pioniere rüsten zu Fahrten in ein neues Land. Wer geschichtliche Fragen behandeln wolle, trage eine große Verant wortung. V 1 e 1 e W e r t m a li s t ii b e seien heut e i וזז Wanken begriffen. Jeder Tag, jede Stunde zeige, wie allgegenwärtig die Erschütterung sei. Die Umwälzung umfasse alle Hereiche des Lebens. Die Fragen, die dem Institut gestellt seien, griffen daher auch auf alle Gebiete und. w eit nber die < '1 r e n 7 e n De u t s r h I a n d s hinaus. Bei der Gründung der neuen Abteilung habe sieh sofort dem Institut die allgemeiiic Teilnahme und die Beobachtung zugewendet. Man könne sich nicht verhehlen, daß in dieser Ä 11! 1' h־ r k 1111', •־ lö r 1t f’Ul{"‘ {!uf.'lhr 3 h£7 ״־.» W testen crli 9 ft 1 irho lr ־״%r. sch uni»• b edurfe d Vf >! i! 1 e und der 111 :cht - — auch hei dem auf ru:.M־nh -teil Gi׳; mnM: md. Was könne nun die Wissenschaft cur ir i ׳;! 1׳1 u .11 f i.u 1 I;ח. :e beitragen? I) ie W i-sensciiaft könne der 1 Kam 1 > t;1:M1 ווידוי.׳ nur auf ihren 1׳ eig enen leid. Den T r i uh /u Wi-sCll' cha ftl :!eher Forschung zu wecken, das sei am h Au!;:::he di; r n c s Instituts. Die L, r g e bnisse würden m;1 n. ho i ,nnv 11/:! ülMTI hervor! iifcii. 1) es halb sei es doppelt wie hti•/, ( 1.111 das In-t!lut im (iei-te de! ־ Y e r a 11 t w o r t 11 ti g arb tue, : Nicht- 11 ihm ferner als der Geist der Zerstö riiiij!. Auch u Sk׳ r der Wissensclia ft si die als I.omi׳'()■ das W'uri : DrütSC bland Eröffnungsrede Prof. Franks Prof. Walter F" rank erklärte u. Der Glaube an d i c j 11 d i s e 11 e Klugheit sei ebensowenig w a h r, w '1 e cs der Glau b e;1 n d i e j ü d '! sehe U n i'1 b c r - w i n d 1 i c 11 k e i t ge\vc-en sei. Die Juden seien wohl kluge Recht)er, ihre Torheit beginne aber da, wo das Unberechenbare beginne. Bücher über die Judenfrage seien nur von Juden geschrieben worden, ebenso seien Dissertationen und Fachreferate immer nur Juden übertragen worden. Ja selbst Tatsaehendokumente, die die jüdische Frage berührten, seien der wissenschaftlichen Verwendung entzogen worden. Das jüdische Problem zu ignorieren habe nichts mit wissenschaftlicher Wahrhaftigkeit zu tun. Ursache dieses I g ה o r i e r e n s sei die Ideologie des! i b e r ,ו le n Zeitalters gewesen. Zur Erkenntnis des jüdischen Problems habe der Mut ztuu persönlichen Einsatz gehört. Die radikale Wahrhaftigkeit hätte dem bürgerlichen Gelehrt inturii gefehlt. Die sogenannte Objektivität der Wissensc ha ft sei 11 i c ii t s anderes gewesen als eine Unter w 0 r f u 11!: d e s L r k e n!11 ri i s w 1 1 i e n s unter d i 1: real e n M a c 11 t v c r 11 ä 11 n i s s e. Alle Positionen hißten sich in den!fanden der Gegner befunden. Diesem Ring des z.iIhii Wide!stunde' habe eine Minderheit gegenüber en. Yei de iciisweise habe sich 1! )>3 die Wissenshi;! it in ein um St;u 1111! n b efunden wie die politische Hevolut ic > 1׳! im Ja 11 re 19». 1 )ie | 1! d 1 S.'l 1s! ־1 fr n , SO fuhr Prof. Frank fort, man wolle in 1 )eilt-, lila nd nm- I) oktal dir auch gegenub er der Wissensclia!!. Wir 1" hncu d c;n Naiionaboziali-.im 1s ferner. Man \YK> e ׳-'ehr \ voll!, d: , ß kein e 1 eistung auf B efehl von oben her 1 ■r ׳־un.'t werbt׳'! lv •nt חיי . Prof. Frank er innerte an eine Acu (le.- i»! lim!: t n Journalisten der Vorkriegszeit, Max 1 r 11 1• n, (.! i c Schuld an der 1 'ehermacht der fmk ׳»!!׳!!:׳ ׳■M: w׳n ׳ 1 eben I >t 11 f sei 11 a nüs!1K tteii vor allein hrt■ 1 > ׳::u;!v :! -e'h-t , d min ihre Politiker sei׳• n iingeistig und i! 1 r c iS'Knrt!־.)!!!;!!'■'< hi c: 1׳ im nohttsrh. Von der ׳ neuen wissen- M'ha [tbi iu־n 1 roitt ז 1U K •K'; diese Lücke, in ( lie sich damals ab emflußre bin• Ve rn!i Hier die Juden cingef 'ugt hätten, ge- 111'־< ()--(,fl \V urdun. 1 >e n n *w sollt; sich h! :■ute nicht das Sch 1 1 deו;י״>1 c יי Biwn;■ 1 rd- :-Hv i dies wiederholen: daß der Staat sem cn ״׳:wa Himm י Ja!1 die, und da ß der Geist aus der Pol! 11 k nach Nil•־. M;1 ri; י!!! 1 ehe. Die mm e Abu■ dun ■ Lr ti es Hcdchsifistituts sei keine Or- 1זו.£ balion, t be inwnim 'et worden sei utu d er Organisation willen. Vielmehr habe sie der Forschung einen gemeinsamen neuen Mittelpunkt zu bieten. Die Arbeitspläne seien dem Institut von außen her und von einzelnen zugetragen worden, und bildeten trotzdem eine Einheit. An die Spitz« des Instituts sei Professor Karl Alexander von Müller bcrufen worden. Das Institut werde seine Arbeiten leisten mit dem weiten Bück der deutschen lind universalen Bildung. Die Ci e s e h ä f i s t ii 11 r 11 n g sei Wilhelm Grau übertragen. Zu den technischen Voraussetzungen des Instituts gehöre die Gründung einer Bibliothek zur Erforschung der Judenfrage. Sie werde in München errichtet und solle, wie der Redner I1i11/uti!gfe, die größte europäische Bibliothek ri 11 f d i e s e m Gebiete werden. Das Rciclisinstitut habe die neuen Dozenten heranzubilden, die dereinst die Lehrstühle besetzen müßten. Seien einmal die geistigen Werkzeuge zur Erneuerung der Wissenschaft Bereit, so werde nichts mehr der geistigen Ausformung der Nation im Sinne des Nationalsozialismus im Wege stehen. Ein Praisans»cbr®iben Während der Feier gah Prof. Kart Alexander von Möller, wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, die Preisauf• gaben der Forsdumgsabteilung bekannt. Das Reiehsinsfitut für Geschichte des neuen Deutschlands will das Thema .,Die Geschichte des Hofjuden- Systems“ in einem wissenschaftlichen Wettbewerb hearbeiten lassen. Es stellt deshalb drei Preisaufgaben: Die erste Preisaufgabe soll das Thema der Geschichte des Hofjuden-Svstems für das Gebiet Oesterreichs behandeln, die "zweite für das Gebiet der süddeutschen Staaten und die dritte für das Gebiet der norddeutschen Staaten. Für jede dieser Aufgaben wird ein Preis vön 4000 RM. ausgesefzt. Die Arbeiten sind einzureichen spätestens am 1. November 1910. Als Preisrichter sind bestimmt: Prof. Walter Frank, Dr. Wilhelm Grau und Prof. Karl Alexander von Müller. Die preisgekrönten Arbeiten sollen vom Reichs- Institut für Geschichte des neuen Deutschlands herausgegeben werden. Die akademische Tagung Ueber «die im Anschluß an die feierliche Eröffnung abgehalfene erste akademische T agun ״ der I orschungsabteilung entnehmen wir einem in den Zeitungen veröffentlichten DNB.-Bericht: Die Tagung wurde am Donncrsfagnachmittag vom geschäftsführeiidcn Leiter der Eorschungsabtcilung Judenfrage, Dr. Wilhelm Grau, im großen Senafssaal der Universität München eröffnet. An der Sitzung nahmen die Mitglieder der Forschungsabteilung und der Sachverstäudigenbeirat des Reichsinstituts teil. Mit Zustimmung des Präsidenten des Reichsinstituts sind, wie Dr. Grau bekanntgab, folgende Gelehrte als Mitglieder der Forschungsabteilting berufen worden: Prof. Dr. Johannes Alt, Würzburg, für Literaturgeschichte; Prof. I)r. Hans Bogner, Freiburg i. Br., für alte Geschichte; Generaldirektor Dr. Rudolf Butt mann, München, für Bibliothckswesen; Dr. Hans Alfred Orunsky, München, für Philosophiegeschiehte; Prof. Dr. Johannes Hecke!, München, für Staatsrecht; Prof. Dr. Gerhard^ Kittel, Tübingen, für Religions- Wissenschaft; Prof. Dr. Franz Koch, Berlin, für Literaturgeschiehte; Dozent Dr. Karl Georg Kuhn, Tübingen, für Talmud; Pr. Otto Karl Lorenz, Berlin, für Wirtschaftsgeschichte; Prof. Dr. Herbert Meyer, Göttingen, für Rechtsgeschiehte; Dr. Wilhelm Stapel, Hamburg, für Literaturgeschiehte; Geheimrat Prtif. Dr. Philipp Leonhard, Heidclberg, für Naturwissenschaft; Prof. Dr. Rudolf Tomaschek. Dresden, fiir Naturwissenschaft; Prof. Dr. Max Wundt, Tühingen, für Philosophiegcscliichfe und Obcrregicrungsrat Dr. Ziegler, Berlin, für politische Geschichte. Zu diesen •Referenten treten noch Vertreter des Archivwesens, der Rassenkünde und Referenten fiir die romanischen Länder, die angelsächsischen Länder, Osteuropa und Rußland. Neu ist an der Zusammensetzung dieses akademischen Rates, dafi in ihm nicht nur Vertreter der einzelnen Oeistcswissenschaften, sondern auch der Naturwissenschaften sitzen. Man dacht« dabei, wie Dr. Grau erklärte, an die Möglichkeit, den in seinem Wesen durch die Naturwissenschaften bestimmten Begriff der Rasse für die ücistcswisscnschaft erarbeiten zu helfen. ln seinem Vortrag über die Entstellung des Judentums und die Entstehung der Judenfrage führte Univcrsitätsprofessor Dr. Gerhard Kittel (Tübingen) aus: Die Be- Ueberweisungen aus USA. Mit der Verschärfung der Devisenvorschriften in verschiedenen europäischen Ländern, die den Juden dieser Länder die finanzielle Mitwirkung an jüdischen llilfs- und Aufbauwerken stark einschränkt, wird die Steilung der amerikani sehen Judenheit, die noch die freie Möglichkeit des Geldsemlens besitzt, ständig wichtiger. Aber die Zahlen, die gerade jetzt vom Handelsministerium der USA. veröffentlicht werden, beweisen, daß die Juden der Vereinigten Staaten weit weniger Geld ins Ausland gesandt haben als ihre Philanthropen zu glauben scheinen. Diese Zahlen, die die Kurve in der amerikanischen Wirtschaftslage widerspiegeln, ergeben folgendes Bild: 1922 $ S 70? 009 1923 009 382 7 ״ 1926 009 573 7 ״ 1028 252 5 ״ (XX) 1030 000 122 4 ״ 1031 000 300 1 ״ 1032 009 700 ״ 1033 000 875 ״ 1031 706 2 ״ OCX! 1035 125 2 ״ OCX) Diese Zahlen stellen die nach Europa und Palästina und anderen Ländern von jüdischen Organisationen in Amerika überwiesenen Sinn men dar. Diese Statistik zeigt, daß auf dem Höhepunkt der amerikanischen Prosperität die jüdischen llilfs- und Wohlfahrts- Organisationen weniger aiifbrachtcn als zu Beginn der Nachkriegsperiode. Die größte Summe wurde 1922, die kleinste 1932 aufgebracht. Es ist interessant fest/ustellen, daß die sammelnden Organisationen in Amerika nach 1933 einen netten Auftrieb erhielten, als die jüdische Situation in Deutschland neue Anfordertingen stellte. Die Gesamtbeiträge und Ueberweisungen nach fremden Ländern, die von allen amerikanischen Wohlfahrts-, religiösen, Erziehtings- und wissenschaftlichen Organisationen ausgingen, betrugen im Jahre 1935 $ 27 930 000. Der jüdische Anteil daran betrug 8 2 125000. Die verschiedenen protestantischen Organisationen sandten $ 15 616000 ins Ausland; die katholischen Vereinigungen $ 2 293 000. Erziehungs-, wissenschaftiichc und ähnliche Körperschaften sammelten $ 6 521 OCX) und verschiedene andere Körperschaften überwiesen $ 1 375 (XX). Es ist wahrscheinlich, daß im Jahre 1936 die von den jüdischen Organisationen ins Ausland gesandten Summen größer sein werden als die des Jahres 1935. Dies ist dem wirtschaftlichen Aufschwung tind dem wesentlichen Anteil der Juden an dieser Aufivärfsbewegung zu verdanken. Aber die Steigerung in der Aufbringung des Jahres 1936 wird in keinem Verhältnis stehen zu der wirklichen Verbesserung der materiellen Lage infolge der zurückkebrendcn Prosperität. Tatsächlich könnten größere Summen für die Auslandsarbeit freigemacht werden, sei es für den Aufbau Palästinas oder für Hilfe in anderen Ländern. Die Last auf den jüdischen Gemeinden in Form gemeindlicher Verpflichtungen hat sich ln den letzten vier Jahren vermindert. Der Grund hierfür ist die Uebernahme von Verantwortlichkeiten, die früher auf den jüdischen Körperschaften lasteten, durch die Bundesregierung, die Staaten oder Städte. Zum Beispiel können jetzt mit Hilfe der Bundesregierung Synagogen mit langfristigen Anleihen gebaut werden. Die Regierung finanziert auch die jüdische Wohlfahrt, die früher allein die Aufgabe der Jüdischen Oemeinden war. Infolge des großen öffentlichen Arbeitsprogramrns stellt man jetzt nur noch wenig Anforderungen an die Reichen wegen größerer Beiträge für den Bau von Schulen und ähnlichen Institutionen. Es ist natürlich richtig, daß die Steuerlast der Besitzenden gewachsen ist, aber alle großen Spenden für Woblfahrtsrwecke können von den Steuern abgezogen werden. Diese Faktoren müßten dazu beifragen, die wohlhabenden jüdischen Menschen — und ihre Zahl ist heute handlung des geschichtlichen Problems habe dort einzusetzen, wo eindeutig und nach allgemeinem Urteil ״Judentum" vorliegt. Als solche Ausgangspunkte bezeichnete der Vortragende drei geschichtliche Tatsachen. Erstens die Bildung der jüdischen Diaspora in dem Jahrtausend nach der ersten Zerstörung Jerusalems und die damit gegebene Entwicklung jenes eigentümlichen Volkes, das — durch vielfache Rassenmiscluing wesentlich bestimmt — quer durch die Völker und durch die Jahrhunderte geht. *Seine geschichtliche Existenz ist aher dadurch charakterisiert, daß es selbst weder mit einer eigenen Heimat noch mit einem eigenen Boden •verbunden ist, noch die Kraft und den Willen zu irgendeiner eigenst,•tätlichen Bildung besitzt. Daß dieses Volk trotzdem nicht cingcschmolzcn und untergegangen ist, hängt zweitens mit der in demselben Jahrtausend sich vollziehenden Ausbildung einer t hco kr a tisch gesetzliehen Grundhaltung zusammen, die mehr und mehr die Formen des kasuistischen Denkens annimmt, und aus der heraus, im Talmud ausgesfaltet, eine der stärksten Selbstabgrcnzunuen gegen die" Umwelt sich vollzieht. Ihr wirksamstes Motiv hat aber diese Abgrenzung drittens in einer Umsetzung des alten religiös-sittlichen Erwählungsedankens in eine immer mehr sich steigernde Priviegierungs Vorstellung eines allen Völkern der Welt gegenübergestellfen ״Gottesvolkes“. Diese Grundhaltung entwickelt den Macht- und Herrschaftsanspruch dieser Theokratie über alles außerhalb liegende, der im politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben seine Aus- Wirkung findet. In diesen drei geschichtlichen Grundclementen des Jadentums entstellt beständig die Juden frage, die sich um so mehr verschärft, je mehr der Versuch einer Assimilation die Berührungen und Reibungen mit den anderen Völkern vermehrt tind je atheistischer und damit hemmungsloser jenes Machtdenken wird- Die Erscheinung, daß der Talmud im allgemeinen unverstündlich, wirr und' langweilig auf die nichtjfidischen Leser wirkt, erklärte Dr. K. G. Kuhn, Tübingen, in seinem Vortrag über ״Entstehung des ialmudischen Denkens“ in der Hauptsache durch die im Talmud angewandte, uns so t re 111 de D e 11 k m e t 11 o d e. Lr zeigt: im einzelnen, wie dieses talmudiscbc Denken in der Zeit etwa vom 5. Jahrhundert vor Christi bis ins 2. Jahrhundert nach Christi entstanden ist und sich Schritt für Schritt entwickelt hat. Als besonders charakteristische Merkmale dieses falmudischcn Denkens nannte er unter anderem das völlige Fehlen eines geschichtlichen Denkens. Ein anderes Kennzeichen dieses talmudischen Denkens sei sein Formalismus. Dadurch wird das Denken oft zur leeren Gedankenakrobatik. Die Ausbildung des kasuistischen Denkens, die vielfach zu praktisch unmögliehen und undurchführbaren Folgerungen führte, werde dadurch der Anlaß zu mancherlei Rechtskniffen. Dr. Kuhn schloß mit dein Hinweis darauf, daß man gerade im talmudischen Denken das Judentum in seiner reinsten Ausprägung kennen lerne. größer als 1929 — zu veranlassen, freigebig fiir Hilfe und Aufbau jüdischen Lebens in anderen Ländern zu spenden; aber der Sinn für eine jüdische Gesamt Verantwortung ist unier den Wohlhabenden nicht in dem Verhältnis zu d״!! Bedürfnissen und dem neu erworbenen Wohlstand gewachsen. Dafür ist eine Bewegung im Gauge, den jüdischen Spen׳ dern in Amerika die Last zu erleichtern. Etwa 60 der größeren amerikanischen Städte haben jetzt ״Ciemeinschaftskassen“, die alle Organisationen, lokale Landcsorganisationen und internationale umfassen, die Gelder in einer bestimmten Gemeinde auf bringen wollen. Es gibt nur eine Aktion im Jahr, und keine Organisation, die an den Eingängen dieser Aktion beteiligt ist, darf (ungeachtet der Dringlichkeit) einen Aufruf zu einer anderen Zeit ergehen lassen. Das Ergebnis davon ist, daß die großen Geldgeber dadurch von der Not- Wendigkeit befreit sind, einzeln große Summen an die be־ teiligten Organisationen zu geben. Der Palästin&htUsionds Wie dies System funktioniert, kann im Fall des Palästinahilfsfönds ״Mifal Bizzaron“ beobachtet werden. Ein dringender Appell wurde an Amerika gerichtet und zur gleichen Zeit wandte man sich an die anderen Länder, änderthalb Millionen Dollar für Sicherheit und Verteidigung in Palästina aulbringen zu helfen. Aber bis heute ist noch kein Schritt erfolgt, um diesem Ruf des Landes zu entsprechen. Die Gründe hierfür sind verschiedener Art, aher die Haupt Verantwortung für die Verzögerung lastet auf den (der Agency angehörenden) ״N o n - Z i o - nists“ in Amerika. Sie habet! sich geweigert, den Auftrag der Jcwish Agency zu beachten. Und obgleich noch einige andere, hier nicht zu erörternde Gründe mitspielten, war der Hauptgrund fiir ihre Weigerung die Furcht, daß die Aufbringungen für das Joint Distribution Committee und die lokalen Wohlfahrtsfonds ungünstig beeinflußt werden würden. Die amerikanische Judenheit war Ende des Sommers in der Stimmung, einem Appell für Palästina zu entsprechen; aber so vieles hat sich seither ereignet, und die regulären_Aktionen des United Palestine Appeal und des Joint Distribution Committee fiir das Jahr 1937 sind bereits so nahe gerückt, daß es unwahrscheinlich ist, daß fetzt so große Summen herangeschafft werden können, wie es bei einer früheren Aktion sicher gewesen wäre. Monatelang gab es Verhandlungen mit den Non-Zionists, endlich verständigte man sich über einen Modus operandi. Ein Non-Zionist wird die Aktion leiten, aber es soll eine (wie man es in Amerika nennt) ״stille“ Aktion sein. Es gibt keine Publizität und keine ״Sammelstimmung“, es werden Briefe mit der Aufforderung zur Beteiligung an einzelue Personen und Gemeinden gerichtet, aber es fehlt der Vorteil eines Hintergrunds der öffentlichen Aufmerksamkeit Sammtlcrgcbslne des Joint und Palestin• Appeal Die von finanziellem Standpunkt aus ratsame Trennung der Joint Distribution Committee- und Palestine Appeal-Aktioneu ist durch die Eingänge in diesem Jahre erhärtet worden. Ende dieses Jahres wird das J D. C. mindestens $ 2 750 009 aufgebracht haben, der U. P. A. ungefähr I 2 000 009 (einschließlich des Sammelergebnisses der Hadassah für die Jugend-Aliiah). 1935 erreichten das J. D. €., der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth zusammen weniger als i 2 500 000. Es war die Rede von einer Vereinigung des Joint und des Palestine Appeal ■für die Aktionen 1937, weil der Bruch während des letzten Jahres die Gemeinden tief erregte. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß eine Ver- Schmelzung der Aktionen stattfinden wird, angesichts der großen Differenzen, die zwischen den Führern der beiden Gruppen bestehen. Ueberdies ist die Stimmung einer Anzahl von Non-Zionists unfreundlicher als vor zwei oder drei Jahren. Auch hat es sich gezeigt, daß ein direkter Palästina-Appell mehr Geld ergeben kann. Die Hilfeleistungen der amerikanischen fudenheit Von unserem Korrespondenten N e w Y 0 r k, im November