Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 94 (24.11.1936)
- Date
- 1936-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2654010--29882-2691431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 94 24 Xl. 1936 JÖDISCHE RUNDSCWAO Seife 3 Revisionistische Tagung Wien, 20. November. (JTA.) Die Führertagung der ״Neuen Zionistischen Organisation“ (Revisionisten) ist geschlossen worden. Die bisherige Exekutive wurde durch den Eintritt von Dr. Wolfgang Weist und Dr. Aktzion erweitert. Dr. von Weist hat die Leitung des ״obersten Finanzrates“ der NZO., Dr. Aktzion die des politischen Departements in London übernommen. Der Präsident der NZO., Wladimir Jabotinsky, erklärte in der Schlußsitzung, es bilisierung des Weltgev Unterstützung jüdisch! Palästina zu gewinnen. Nur mit Hilfe der Kooperation der Welt könne der Kampf gegen das jüdische Massenelend erfolgreich durchgeführt werden. An der Mandatarmacht übte Jabotinsky scharfe Kritik wegen ihres Verhaltens bei den letzten Unruhen in Palästina, insbesondere wegen ihrer Weigerung, die Araber zu entwaffnen. In London, Cienf und anderen Städten solle jetzt eine Propaganda-Kampagne zur Durchsetzung des Programms der NZO. aufgenommen werden. sei notwendig, durch Moissens alle Länder für die r Einwanderung nach mmm mmmmm Nach Schluß der Konferenz fand im Hotel Imperial ein Bankett zu Ehren Jabotinskys statt, bei dem auch der amerikanische Gesandte Messersmith, die Generalkonsuln von Polen und Litauen und Vertreter der Gesandtschaften von men. Jabotinsky führte aus, durchaus friedliche Bewegung, w׳enn sie angegriffen werde. Wir Wl, Jabotinsky Folo : Archiv Italien und Rumänien teilnahder Revisionismus sei eine •die sich nur verteidige, sind die ersten, sagte die Palästina ohne Anwendung von Gewalt ko- Ionisieren wollen. Die Judennot ist eine nie endende Agonie, falls es uns nicht unter Mitwirkung aller Staaten gelingt, das große Problem der Evakuierung in kurzer Zeit zu lösen. Wir verlangen den Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan. Wir verlangen die überwiegende Mehrheit in Palästina. An die Vertreter der ausländischen Regierungen richtete Jabotinsky den Appel!, ihre Regierungen mit dem Evakuierungsplan vertraut zu machen. Zum Schluß erklärte Jabotinsky, die Neu-Z!onisten wollten nicht, daß England zur Verteidigung der Juden in Palästina Opfer bringe. Wir Juden, so rief er aus, wollen selbst die Herren unseres Schicksals sein. Die stärksten Waffen sind das Recht und das Gewissen der Welt. An dieses appellieren wir. Jabotiatkys neue Parolen Jabotinsky hielt ferner im großen Saal des Wiener Konzerthauses vor einer zahlreicher! Zuhörerschaft einen öffentlichen Vortrag über das Thema ״In zwölfter Stunde“. Im ersten Teil dieses Vortrags gab Jabotinsky eine ,Analyse der Lage“ und skizzierte die objektiven Verinderungen in der Situation der Welt seit der Balfour- Deklaration. Zur Zeit der Balfour-Deklaration war England ein absolut sicherer Partner, der das Mittelmeer uneingeschränkt beherrschte. Diese Machtverhältnisse wurden durch den Krieg in Abessinien gewaltig erschüttert. War man früher in Palästina vollständig gesichert gegen jeden Vorstoß irgendeiner Großmacht, so ist das heute nicht mehr der Fall. Bei Konflikten im Mittelmeer muß es zu einem Zusammenstoß der rivalisierenden Mächte beim Suez- Kanal kommen. Solange England das Mittelmeer allein beherrschte, brauchte man die Gefahren, die von den a r a - bischen Staaten um Palästina drohten, nicht tragisch zu nehmen. Palästina, früher eine objektive Notwendigkeit für das englische Imperium, hängt heute vom guten Willen der rivalisierenden Mächte ab. Demgemäß habe England heute für das jüdische Volk als Partner nur relativen Wert. Auch die jüdische Welt habe sich gewaltig verändert. Durch die Erschütterung der wichtigsten Positionen in der Diaspora habe auch das Judentum in den Augen der Engländer als Partner an Wert verloren; dies um so mehr, als die arabische Frage in Palästina dem Durchschnittsengüindcr als sehr kostspielige und riskante Angelegenheit erscheint. Jabotinsky wies auf die unzuverlässige und zum Teil unverständliche englische Politik in Palästina hin, wie sic sich in der Duldung der Bewaffnung der Araber und der Mobilisierung eines Sechstels der englischen Militärmacht zum Kampf mit ein paar tausend Aufständischen äußerte. Die Zionisten könnten nicht mehr bei der Romantik bleiben, sie müßten sowohl England als auch den Arabern mit einer klaren Aufrollung des F.ndzieis kommen: Schaffung eines auf jüdische Mehrheit gestützten Juden- Staates ln Palästina unter Zugrundelegung eines konkreten Zchnjahresplanes. Im zweiten Teil seines Vortrages vxariß Jabotinsky unter dem Leitwort ״Möglichkeiten“ das Maximal programm der NZO., den Zchnjahresplan und die Frage der Bündnisse. ״Evakuierung“ sei Verwirklichung der Idee Herzls. Diese Idee sei in Polen von den Juden mißverstanden worden. Aber er, Jabotinsky, lehne es ab, mit Unverständnis und schlechtem Willen zu diskutieren. In der Diaspora gebe es heute zweierlei Bestrebungen: die eine gehe dahin, jüdische Positionen zu halten und zu verteidigen, die zweite verlorene Positionen preiszugehen und auszuwandern. Das Hauptproblem der polnischen Juden sei: Wo gibt es ein Land, in das man sich retten kann? Daß die Frage der politischen ״Parität“ von Arabern und Juden in Palästina aufgeworfen wurde, bezeichnete Jabotinsky als V e r b r e c 11 e n am jüdischen Volk. Parität bedeute, daß Millionen Juden vergebens an die Tore Palästinas pochen. Gesetzgebende Körperschaft würde bedeuten, daß der Jischuv für immer von der Gnade der Araber abhängig wäre. An England könne man heute nur kurzfristige Anträge stellen; daher spiele die Frage des Tempos eine entschcidende Rolle. Und darauf stütze sich auch der Z c 1111 - jahresplan, der der Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina in kürzester Frist gilt. Unsere Bestrebungen, sagte Jabotinsky, richten sich durchaus nicht gegen England, aber wir müssen Bündnisse suchen mit allen Völkern, die guten Willens sind. In einem Plebiszit aller Juden in der Welt auf Grund eines allgemeinen geheimen Wahlrechtes und in der Schaffung eines auf diese Weise gewählten jüdischen Weltparlaments liege der einzige Weg zur Wiederherstellung der von allen Juden so ersehnten Einheit. Wir verlangen heroische Anstrengungen. « Einem weiteren Berichte unseres Wiener JR-Korrespondenten entnehmen wir noch folgende Einzelheiten: Jabotinsky .gab in seinem Vortrag vier neue Forraulicrungcn: ״Zionistischer Waximalismu s“, ״Z e h n j a h r p i a n“, ״Allianzen■‘ und ״Uebcrkon• g r e ß“ — oder die alhveitliche jüdische Nationalversammlang, die von Jabotinsky ,,senatus popuiusque Israel“ genannt wird. Einleitend machte Jabotinsky Feststellungen zu dem so heiß umstrittenen ״Evakuierungsplan“ und gab eine sprachliche Definition des Wörtchens ״tvakuation“. Es soll vor allein eine geordnete Evakuierung sein und keineswegs ein Zwang durch irgendwelche Ansied hm gs* maßnahmen, es soll ״keine Deportation eil!nasse4• bedeuten. Es handle sich auch nicht um die Evakuation de(J Juden, sondern darum, daß Juden ״gewisse Positionen evakuieren“, und zwar als einen ״Akt nationalen! Politik“. Die Not gebe der jüdischen Forderung auch( ihren Rechtstitel. ״Denn“ •— sagt Jabotinsky — ״nicht Macht allein, sondern auch Not bedeute Recht“. Palä-i stina bildet das Zentrum all dieser Evakuatioiisbestrebungen« Mit einem ״K 1 c i n z i o n i s 111 u s“, einem ״S i o n i s m e da luxe“ könne man heute nicht mehr das Auslangen finden. Was wir in zwölfter Stunde brauchen, das sei nur der ״Maximalzionismu s“. Die Forderung nach einer jüdidischen Mehrarbeit in Palästina, ״Der Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan“, diese alten revisionistischen inaxiinalistisehen Forderungen, seien heute als minimalistisch zul וי. bezeichnen. Die Beschleunigung des Tempos, die Ausarbeh tung eines Zehnjahrplanes, um in ״absehbarer Zeit“ aus der jüdischen Minderheit eine jüdische Mehrheit zu machen, sind die weiteren Gebote dieser Stunde. Hierzu müsse von Eng•« land die 11 e b e r a n t w 0 r t u n g des Kolon ialrcgi« rn e s an die Juden verlangt werden. Das sei keinesfalls als eine Parole ״Los von England“ zu verstehen, im Gegen-, teil, die Kooperation mit England gehe weiter, wenn auch nicht auf lange Sicht, da man ja nicht wisse, wie lange dieser Partner seine Position gegen die Anrainer im Mittelmeer werde halten können. Aus diesem Grunde müsse matt sich schon jetzt tun neue Bündnisse umsdiauen und A11 i י anzen schließen — und das stellt das dritte Gebot der politischen Empfehlungen Jabotm-l,vs dar. Fs sollen Allianzen geschlossen werden mit Italien, wobei sich hier hei Jabotinsky der Gedanke an die neue mens komana des Italieners regt, der vielleicht bei seinen Spaziergängen in Rom im Angesichte des T i t u s b o c i! s an eine Restauration des jüdischen Volkes denke..., alter auch mit Polen, sowie mit allen anderen Völkern, sofern sic nicht prinzipiell anti-1 jüdisch sind. (Vgl. die Bemerkungen in unserem heutige®) Leitartikel. — A. d. R.) ' Eine schwedische Spende Von unserem Berichterstatter ll.R. Stockholm. Ende Novembet? Eine anonyme Spende von 50(KM) Kronen, die zur Aus» bildung jüdischer junger Menschen aus Deutschland für Landwirtschaft dienen soll, wurde hier dieser Tage gemacht. Man hat das Gut S v a r t ו n g s t o r p in der Nähe von Kr ist ian stadt (Sudscli weilen) erworben. Die Anzahl der Schüler beträgt 15 und soll spater auf 40 erhöht werden, Jeder soll eine ISmonatige Ausbildung genießen, um später nach Palästina oder andere Lautier für Auswanderung vorbereitet zu sein. Ueber die schwedisch - palästinensischen Handelsbeziehungen des Jahres l <>35 liegen folgende Ziffern vor: hnnortieri von Palästina nach Schwedens 6! 206 kg'Grapefruit im Werte von 23 000 Kr. und 3 003 545 kg Apfelsinen iiti Werte von l 12S 704 Kr. (Fs steht somit Palästina für den schwedischen Apfelsincii-tinport an vierter Steile.) An übrigen Früchten: 10! 410 kg (Wert: 46 334 Kr.)« Schweden exportierte nach Palästina die sog. ״Primuskiiehenappar-ate“ im Werte von 373 403 Kr., größere Menget! Wcrk/eugstalil, Volvo-Automobile und landwirtschaftlich® Maschinen. * Arthur Schnabel erspielte sich im ,,Konsertförenigen* mit Beethovens Klavierkonzert Es-Dur «inen stürmischen Erfolg, dem die gesamte Stockholmer Musikkritik in höchste® Lobpreisungen beipflichtete. Das jüdische Schulschiff besucht Genua Das Jüdische Schulschiff ״Sara I“ unternahm in den letzten Wochen von seinem Heimathafen Civitavecchia (bei Rom) aus eine Kreuzfahrt durch das Mittelmeer. Bei dieser Gelegenheit besuchte es auch den Hafen von ü ettua, wo es an der Giano-Moie vor Anker ging. Die jüdische Gemeinde von Genua bereitete der Besatzung des Schiffes einen überaus herz.lichcn Empfang. Es wurde von zahlreichen Personen besichtigt. Die Mannschaft zog in geschlosscnem Zuge zum Tempel, wo der Rabbiner Pacifici die jungen jüdischen Seeleute begrüßte. Auch aus Mailand waren der Rabbiner Castelbolognesi und der Präsident der dortigen jüdischen Gemeinde, Com. Jarach, eigens henibergekomrnen, tun das Schulschiff und seine Be-I sat/.ung ktainen/ulemen. (Wir ■hatten wir einiger /eit in der ״Jüdischen Rundschau“, sielte Nr. 30 31, eine austnhrlfcha Darstellung des jüdischen Schulschiffs ,,Sara I'* und der Marineschule in Civitavecchia veröffentlicht. Hier bringet! wir zwei neuere Photos.) Öcr italienische Kapitän des jüdischen Schulschiffes ״Sara I** umringt von einer Gruppe zionistischer Jugendt Die jüdische Bemannung bei der Arbeit an Bord die dem Schifje einen Besuch abs tat täte. k״i &־n״ck.t. ^er italienische Kapitän des jüdischen Schulschiffes ״Sara F' umringt von einer Gruppe zionistischer Jugendt