Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 93 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 93, 20. XI. 1936 Rachels Gedichte Deutsche Ausgabe In den nächsten Tugen erscheint irn Verlag des Hecha• lu: in Berlin eine deutsche UÜbersetzung ausgewählter hebräischer Gedichte der palästinensischen Dichterin Rachel (Bluwsteinß. Die ergreifenden Gedichte der Rachel sind in Palästina besonders unter den Landarbeitern sehr populär. Die deutsche Uebersetzung van Ruth Ollendorff trifft den Tun gut. IV/r gehen ans dem empfehlenswerten Räch• lein, dein mich eine Biographie der Rachel beigegeben ist, das kurze Geleitwort und einige Gedichte wieder. (Red.) GELEI TWORT Warum hurt mrm Rachels Lieder mehr als andere im Land singen, warum lieben wir sie so sehr? Es gibt sicher Dichter, deren Gedankenwelt vielt..Tiger, deren Sprache kühner und reicher ist. ״Mein Her/ hängt an der Sprache der Kinder, der einfachen, schlichten“, sagt sie und ״Nur von mir selbst weiß ich 2» sinken“. Wenn wir die drei Bunde Gedichte durchblättern, so werden wir vom ersten bis nun letzten keine Entwicklung, kaum eine Veränderung spüren. Sie alle sind eigentlich Teile eines ei!1/i”cll Liedes, eines einfachen: Von der Erde, von der Liebe und vom Tod. Wer das Bild der Neiuizelinjabripen anbiiekt, das ernste Gesicht mit den scheuen Augen, der ahm, wie verletzlich diese Seele war und begreift die schmer/lidtc Civmhidite ihrer Liebe, die ihr ehe Erde hem. lie und die sie in den Tod geleitete. .,Ich liebe den, der tief ist atuli in der VVru imdiing, uii-J der an einem kleinen I rlebuis zu״! undem lu:1 kann. So gellt er gern über die Btiatu׳.“ \% eil Rnelnls l ie.Er mehr und amlcrcs sind als l.itct.iUir, durum 1:׳,־lu1t :de 1;1:h1 mo allein, nein, allen, die heule nmdc ,!er leeren Wune In die Welt hmausiausrhen. Unsere jungen S lluu 111111 auer, die hiuaus/ielicu in ein Land, das ihnen muh iw in I wt, ■u dielt diese Lieeler initnehmen, lind sic sollen ihnen hellen, die alte und die neue Heimat, die alte und die neue Sw;!ehe nu'.einandcr zu verknüpfen. Gibt nicht Kachel -elbw dmen Ten Mut dazu? Sw kam spät ins Land, muh sie kam aus enter anderen Kultur, die sie lichte und die ihr immer teuer blieb, und dennoch ist sie wie wimge md Ire/ Lue; vuuach-i!1: mit :einer Sprache, seinen (n-wnlten enwt ■and jet/t, mit :,einer 1 aadsehaft. Die seihen f ieder .1:!!;סי d!e |׳::!:;en den Alten dalo-wn. Ihnen, die nur von fern das 1 ■!■!:1!,!rer Ki-uter sehen dürfen, mir dem unverd.i>!dr:1e1t Keine■ d־ r alt-ji!•!• ,eil Sprache hiwclien k״nneu, und die I!ehe zu Rachel will ein Band mehr sein, das die ller/en hüben tt:nl drwb n verkmipit. MIT DEM MORGENROT Ihn \Va,,o:k׳ug i:1 d 1׳ r I hunl, aut der Schuhe. [!.«kr, t'p.l'en mel Kwie du den k! ern In■'lern, zum Werk! Zur Ke״ laen die Iie״;tah, Sciiutzwaeht, \’er nur die weite Mur, Urnl in mir Jugend Fnihiingsjubel! Ein Handbuch des Altertums Hans Lamer (in Verbindung mit Ernst Butt und Wilhelm Schöne): ״Wörterbuch der Antike. Mit Berücksichtigung ihres Fortwirkens.“ Alfred Kröuer-Verlag, Leipzig. 2. Aull. Das bekannte Wörterbuch erscheint soeben in etwas veränderter Gestaltung in zweiter Auflage. Wer einmal hier zu blättern anf.ingt, vermag nur schwer wieder aufzuhören. Diese Umschau auf allen Gebieten des antiken Lebens ist so fesselnd und das Gebotene so reichhaltig, daß man wohl kaum etwas Wichtiges vermissen wird. Bei 1er notwendigen lexiko:,!;iphi: rlivii Kurze de: Textes ist es freilich nicht vermeid bar, daß zuweilen per-pektivische Verzerrungen entsichen, die bei der hoinr! Qualität ries Werkes bedauerlich sind. Dies ist uns hrs mders Ihm Stichwörtern aufgcfallcn, die in einem Zusammenhang mit dein Judentum stehen. So werden etwa die 1׳ r ״ p 11 c t e u unter dem Stichwort ,,Orakel“ sehr m :'«■!יו,!,,!da h mul 1111/!:i.inglich behandelt. Der Abschnitt ״E e I 1 g 1 u n e u d e > A i t e r t u in s“ erwähnt das Judentum überhaupt nicht, ״bw״h! es doch in der aniiken Weit eine dominierende Steilung besitzt. Auch der Artikel ״Gott" Da3 sei mein Teil, Ms das Ende naht: Dein Korn, das wogt im Sonnenplanz, Und Deiner Wege Staub, mein Land. MELKEN IN DER NACHT Im Hof des Mondes Grauen, Kalt« Flammen, dumpfe Ruh*. O, rasch! Sucht Zuflucht! Zum Stallt Zur warmen, atmenden Kuh! Den großen gehörnten Kopf Streich!' ich mit leisem Beben, Tausend dunkle Fäden verweben Ihr Leben und mein Lehen. AN MEIN LAND Nicht saug ich dir, mein Land, Nicht pries ich deinen Namen Durch tapfre Ileidemateu, Durch nmiii’ge Schlaehtenbeute. Nur einen Baum — den pflanzten meine Hände An des Jordans Millen Ufern. Nur einen Pfad — den bahnten meine Füße Ueber deine Felder. Ach, sie ist sehr gering. Ich weiS «:» ja. o Mutter, Ach, sie ist sehr gering, Die Gabe deiner TmUter, Ist nur ein Juhellaut, Am Tag1, reu Licht uns strahlt, Lin Immln 11 Weinen nur Ub deiner Not. NACHBAR Ich sch’ ihn nicht. Um! flenncrch denk' ich -.ein. Ganz (e־,t gedenk’ KT. ■ein: Er ist, und er ist hier. Vor aller Angst der N’arlit beschirmet und bewacht Sein helles Lenster mich: das Viereck goldenen Lichts. Gedankten wir: er ist; O, dürften wir nur wissen: Ls ist ein l'n-Klitbarer, doch wirklich wie das Licht. Das Füllten seiner Nähe L A eine sanfte Hand, Aut aller Kuminermüdcn feuchter Stirn. ABENDSTIMMUNG Der Tag vaid finster und verglomm, Er mußte geh’ii. Den liiinmel deck! nun mattes Gold Und rings, die iluli’11. Die weiten Felder liegen schwarz Uud schweigend um mich her. Mein Pfad fuhrt abseits — öder Pfad, Von Menschen leer. Doch tro'ze ich denn Schicksal nicht, Seid hart — mit Julreisan״ Will allem ich entgegengehn. Für alles Dank! weiß nichts von der biblisclien Ausprägung des Gottesbegriffes; und wenn unter dem Stichwort ,,Polytheismus“ deT ״Monotheismus“ als eine ״Lehre der Christen und Mohammedaner“ charakterisiert wird, wahrend das Judentum als henotlieistisch dargestellt wird, weil cs angeblich andere Götter neben ״Jahwe“ zwar nicht anerkenne, aber auch nicht leugne, so scheint uns liier der Kontrast zur geschichtlichen Wahrheit etwas heftig zu werden. Auch was RI1 ^hör9 Buchhandlung Martin Salomon .EP U I I lap I .8 V iMrlin HO 43. N•«• KöW8*»f*60 ׳ 9ל A*lepH0n:.*3 2635• über die Geschichte der Juden im Altertum berichtet wird, ist seinmager und einseitig, Der Antisemitism u s der Antike wird richtig als von politischer (und später religiöser) Natur gesciiiidert. Von Palästina heißt es einmal, eine Reise durch das Land ״ist schon deswegen sehr lehrreich, weil sie die Verbundenheit der jüdischen Kultur mit der westlichen zeigt“. Zwei sehr gute Zusammenfassungen finden sich über Philo und Josephus. —nn. Jüdisdies aus Frankreich Auf der französischen Staatsbühne ״Odeon“ wird, wie unser Pariser Korrespondent berichtet, ein Stück des Renaissance-Uiclitcrs Robert Garnier ״l.es Juifs“ aufgefiilirt, das die Zerstörung Jerusalems durch Nehukadnezar schildert, Das Stück behandelt in pathetischer Weise die Zerstören!׳ der Stadt und die Leiden des jüdischen Königs Zedekias. Es schließt mit der Tröstung des Propheten an das geschlagene Volk und mit der Ankündigung des Kommens des Messias. Jean P a i n 1 e v A, der Sohn des verstorbenen franzö* sischcn Gelehrten und Staatsmannes Paul Painlcve, hat einem geladenen Publikum in Paris einen Film vorgeführt, den er von seiner Reise nach Polen mitgebracht hat. Der Film zeigt das Lehen der Kinder in 4er jüdischen Stiftung■ Wladimir Medern in Miedzcdzyn bei Warschau. Der Film schildert zuerst das eiende Leben der jüdischen Kinder iin Ghetto und ihr Erwachen zu einem neuen, gesunden Lebet! in der Anstalt. Der Film ״Nous arrivons“ wird ganz von den Kindern selbst gespielt. ״R a c h e 1“ heißt ein neues Buch von Lucas D u b r e 10 tt, das in Frankreich Aufseiten erregt. Es ist eine sehr flüssig geschriebene, historisch vorzüglich fundierte Biographie der berühmtesten Klassiker-Darstellerin der französischen Bühne und gibt neben der Schilderung der Herkunft *Rachels aus jüdisch kleinbürgerlichen Verhältnissen und ihres Aufstiegs von der Lyoner Straßensängerin zu der an den europäischen Höfen gefeierten Weltberühmtheit auch ein treffendes Bild der Zeit. Dr. Kurt Singer in die Reichsvertretung berufen. Dia Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschlaud teilt mit: ,,Das Vorstandsmitglied des Rcichsvcrbandcs der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland, Intendant Dr. Kurt Singer, ist von der Reichsvertretung in den Kreis ihrer S a c 11 b c a r b e i t e r berufen worden und wird dort die Angelegenheiten des Theaters, der Musik und der bildenden Künste 'behandeln.“ Prof. Harry Torczyncr, Jerusalem, bittet uns um Abdruck der folgenden Zeilen: ״Außerstande, den vielen, die anläßlieh meines 50. Geburtstages meiner freundschaftlich gedacht haben, einzeln zu danken, bitte ich meinen herzlichsten Dank auf diesem Wege entgegenzunehmen.“ Jüdische Tournee-Bühne. Die der Jüdischen Jtt« g e 51 d b ü h n e angeschlossene Jüdische Tournee-Bühne gastiert am 1. Dezember mit ״Ingcborg“ von Kurt Götz beim Jüdischen Kulturbund Stettin, am 5. und 6. Dezeniber finden Gastspiele beim Kulturbund der Juden in Danzig statt mit ״Grüne Felder“ und ״Was ihr wollt“. Anläßlich des Todes von Osfas Thon sei darauf hingewiesen, daß im Verlag Kodern, Charlottenburg, die ״Essays zur zionistischen Ideologie“ von O. Thon erschienen sind, Dieses Buch, welches einen Umfang von ca. 430 Seiten hat, ist anläßlich des 40. Geburtstages von Thon von seinen Freunden hc-rausgegeben worden (Preis 5 RM.). המיורה העברי• Heit 5 der Zeitschrift erscheint, wie die KiiHinabieilung der ZVfD. mitteilt, aus technischen Gründen erst am 30. November, Dramatisierung des ״Pofaz“. Georg Hirsehfeld hat Karl Emil Franzos’ Roman ״Der Pojaz“ dramatisiert. Der jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr hat diese Dramatisierung zur Uraufführung angenommen. Der bekannte Roman ist in einer Ncuausgabe in der Brandusschen Verlagsbuchhandlung, Berlin, erschienen. Die Jüdische Bach-Vereinigung bringt einen Band Erziihlungen von Jakob Picard unter dem Titel »Der Go zeichnete“ heraus. Anschluß des Anhaitischen Landesverbandes an den Preußischen Landesverband. Auf einem Verbandstag des Landesverbandes der Anhaifischen Israelitischen KuHusgemeinden, der am 15. November in Dessau stattfand, wurde einstimmig von den Vertretern der jüdischen Gemeinden Anhalts der Anscii!11 ß an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden beschlossen. Zum Vertreter der anhaltischc-n Gemeinden im Großen Rat des Preußischen Landesverbandes wurde Rechtsanwalt Dr. Somler, zt! seinem Stellvertreter Landesrabbiuer Dr. Walter gewählt. Am Abend hielt in einer stark besuchten Gemeindeversammlung Dr. Klee einen Vortrag über ״Die geschichtliche Aufgabe der jüdischen Gemeinde“, der von den Zuhörern, die besonders zahlreich auch aus den Bezirksgemcinden erschienen waren, mit großem Beifall aufgenomtnert wurde. Geh-e.X UL.׳ r.?■' JB /Autorisierte Uebersetzung von Grete Fischer 24. Fortsetzung Nachdruck verboten Und ■wie sollte dns ־weitergehen? Würde er immer für andere Leute cinspringen und sich selber in Ungelegenheiten bringen? Für den Neuen Millionär, für Scheffel den Dieb, für andere erschrockene Hasen die eigenen Leute vergessen, und immer tiefer ins Räderwerk geraten? Von Zuhause war er auf die Polizeiwache gekommen, von der Wache in Arrest, vom Arrest ins Gefängnis, vom Gefängnis in den Kerker!... Woltin weiter...? In seinen Gedanken sah er Senders leeren Stall vor sich, ohne Pferd, das Geschirr verschimmelt, die Räder rostig, das Stroh verfault, alles Brauchbare verkauft. Warum hatte er Meri nicht gefolgt und war htnausgelaufen, ans seinem Schlaf gerissen, in jener Brandnacht — um die Kuh des Netten Millionärs zu retten, und seine Ehre? Meri hatte er allein gelassen — wie hatte sie gezittert, als er sie wieder zudeckte! lltr llerz hatte ihr gesagt, daß sie ihn nicht so bald Wiedersehen würde. Er hörte Scharren, Schritte, die Tür ging krächzend auf. Die Hand, die ihm schon zweimal Wasser und Brot gereicht hatte, steckte ihm ein in Papier gehülltes Paket zu. Dann wurde wieder abgerieuelt. Pandre fand in dem Paket ein Stück gebratenes Kalbfleisch, eine duftende Gurke und ein halbes frisches Kümmelbrot. Pandre wurde das llerz warm. Er erriet, daß dos von Scheftel kam, die Iliilfte von seinem Essen. Scheitel vergaß nicht ■— er war nicht wie der Neue MillicnSr! Pandre aß. Pie durch gebratenen Knöchlein zermahlte er zwischen den starken Zahnen mit dem Fleisch. »Die Gurke knackte saftig, das Kümmelbrot ließ sich freundlich zerreißen in handliche Bissen. Er nahm das Essen ein mit allen Sinnen, den Geschmack mit dem Gaumen, die Weichheit nndl Knusprigkeit mit den 11 arten Fingern, das appetitliche Knacken mit den Ohren, Die Mäuse in den Winkern hört*B dem Knuspern und Rascheln zu, und strichen sich die vor Gier zitternden Iinrlhürcbcn mit den Vorderpfoten, in Er- Wartung der ßröeklein. Aber Pandre ließ diesmal kein Briiekehen übrig. Es war das prächtigste Essen, das er gehabt hatte, seit er von daheim weg war! Nachdem er gegessen hatte, saß er eine AVcile still und beglückt und fühlte, wie sein gesunder, ausgehungerter Körper alle Säfte des Gegessenen mit fröhlichem Zittern in sielt einsaugte. Dann stand er auf und fing an, die gezählten Schritte abzumessen, die er gehen konnte, auf, ab, gebeugt, weil die Decke zu niedrig war, um sich ganz aufzurichtcn. Ging ein paarmal hin und her, rieh sich die schwieligen Hände, wie er zu tun pflegte nach einem reichlichen Essen, daß es klang wie zwei Reibeisen, und sagte: ״Dank Gott! Das war gut!“ Das weckt« ihn: Es war der Widerhall der Worte, die er gesprochen lmtte, nachdem er zu Hause gegessen hatte, ehe er mit der Feuerwehraxt hinausgerannt war. Die Erinnerung betrübte ihn von neuem. Er kauerte wieder auf der Ziegelbank, im Dunkeln. * Aber am nächsten Morgen wurde Noah aus der Einzelzelle in den großen Saal zurückgebracht. Scheitel freute sich mit ihm, wie ein Vater mit dem verlorenen Sohn. Viele der anderen Gefangenen umringten ihn, dankbar. Pandre fühlte sich unter Freunden. Zum erstenmal, seit er nicht daheim war, umgab ihn zutrauliche Wärme. ״Der Mensch geht nicht verloren“, dachte •r, ״nicht einmal en einem schlechten Ort.“ Aber seine Freude schwand, als ihn Scheitel zu der Pritsche führte, wo Simehe zusammengekauert seinen Rausch ausschlief. Pandre ging der Mund auf, die Unterlippe hing wie bet einem Kind vor Verwunderung, dann hob sie sich und das ganze Gesicht verbreiterte sich in einem guten, hinderlichen Lächeln. Aber Simehe glotzte starr und finster. Er lag da, böse und geschwächt, und musterte den früheren Freund mit stechendem Blick. Dann sagte er gehüssig: ״Na, man trifft sich wieder!" ״Wie geht es dir?“ fragte Pandre. ״Laß mich!“ brummte Simehe bös und rückte weg, zog sich zusammen wie ein Wurm. ״Man dreht sich und dreht sich und kommt allemal zusammen! Du hast׳» nicht gewollt. Bist immer an deines Schwiegervaters Rockschüßen gehangen, zum Rabbi bist da gelaufen, zu den Chassidira. Simehe weggeianfen. Bist in den Schlächterladen gekommen, die Peitsche unterm Arm, und hast dir di« Nase zuRehalten. Konntest den Gestank nicht vertragen." Simehe machte eine Pause, um die Worte wirken zu lassen. Dann sagte er: ״Na, und nun sind wir wieder beisatnmen!“ Die Luft schien Pandre schwer zu werden. Er begriff nicht, was eigentlich Simclie gegen ihn hatte. Etwas schien ihn zu bedrücken, und zwar schon lange. Aber worüber beklagte er sich? Hatte er nicht Pnndres Stand und Haublock und Kundschaft übernommen? Die Tür ging auf, und die Gefangenen marschierten zur Arbeit, Pandre wollte sich eifrig ansc Fließen. Er wollte arbeiten! Aber der Wärter schob ihn zurück. ״Du hast zu war* ten'% sagte er. Scheitel gefiel das nicht. Aber er zeigte Pandre seine Besorgnis nicht. All e andern gingen hinaus, nur drei bliebcu zurück: Pandre, Simehe und Scheftel. ״Was ist mit dir?“ fragte Pandre. ״Ich? Ich arbeite nicht gern.“ ״So. Und wieso mußt du nicht?“ ״Genau so, wie ich Branntwein für deinen Freund da gekriegt habe.“ ״Da lebst also einen guten Tag hier, was?" ״Es geht. — Diesmal hat mir dieses Vieh Tsehurillo die Erholung verdorben. Jetzt, wo du ihm die Mucken aus״ getrieben hast, werde ich ja wohl meine Ruhe haben. Der kommt nicht hierher zurück!“ ״Meinetwegen kann er ruhig kommen“, meinte Pandre. ״Wenn er wieder Geschichten machen will — ich bin bereit!“ ״Ich sag dir, er kommt nicht. Der Wärter hat mir gesagt, man hat Angst, ihr würdet einander gegenseitig tatschlagen. Man wird ihn anderswohin stecken, wenn er aus dem Spital kommt. Aber du! Nimm dich in acht vor ihm — wenn du ihm je wieder in den Weg laufen solltest —“ ״Ich hab keine Angst vor ihm“, sagte Pandre. ״Id! sag dir, gib acht. Tsehurillo ist eine Bestie!“ Plötzlich kam der Wärter wieder, hinter ihm zwei Soldaten mit blnnken Säbeln. Er rief Pnndre, stieß Simehe von der Bank und sagte ihnen, daß sie ab heute zu arbeiten hätten. Die ärgste Arbeit, die cs gab, zur Strafe, für Pandre wegen Rauferei, für Simehe, weil er sieh betrunken lmtte: Sie hatten im Gefängnis und in allen städtischen Gebäuden außerhalb sämtliche Latrinen zu reinigen, den Dung abzufahren und außerhalb der Stadt zu vergraben. Dafür würden eie drei Kopeken den Tag bekommen, «dSet dem Essen. ״Marsch!“ Scheftel duckt« sich, als er das hörte. Er kauerte *«’ der Bank, und plötzlich fand eg »Ich allein in dom großen leeren SaaL