Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 93 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 93, 20. XI. 1936 Aus der holländischen Kammer Von unserem Berichterstatter reu verbindet, die mit ihm fahren oder nach ihm kommen sollen: ein Leben in Freiheit! Das ist es doch am allermeisten, was als Sehnsucht hinter all den logisch zu begründenden Motiven der Palästina-Wan* tlerung steht. Freiheit des schaffenden Menschen, die zugleich die einzige Form ist, unter der ein Volk leben und sich geistig und sittlich entfalten kann. Die Golah hat uns dies verweigert — nun soll Erez Israel 11ns diese Chance geben! All das andere: Wirtschaftliehe Existenz, kulturelle Regeneration, physische Er- Stärkung sind nur Teilgebiete jener einen großen, in Wahrheit der nationalen Hoffnung. Wird sie enttäuscht werden? Werden die Hoffnungen all derer, die heute und alle Tage nach Palästina fahren, eine Illusion bleiben oder zur Wirklichkeit werden? — Wir wissen, daß vieles von den äußeren Bediiigungeii abliiingt, unter denen die jüdische Arbeit im Lande sich vollzieht. Der Einfluß des Liii/elnen auf sie ist gering. Das Volk selbst aber ist der Faktor, den wir selbst oinzusetzen haben, der nach außen zu wirken vermag und dessen Eigenart wir beeinfltrssen können. Die Sehnsucht des Volkes nach Zion, dein Lande seiner Geburt und Größe, beweist, daß wir nicht zu den ״verlorenen Geschlechtern“ gehören, sondern daß noch der Funke in uns glimmt, der uns zu Höherem befähigt. Ihn zu entfachen gilt es, ihn im Lande zur Kraft zu machen, die das Volk in seinen amorphen Teilen /usamiiienfuhrt, ist der eigentliche Sinn unseres Werkes der Reu.iGr-ance! * In der Scltalibatnnclit wurde an Bord ein Kind geboren. Ein jüdisches Kind junger Einwanderer, die von diesem Ereignis auf der Reise überrascht wurden. Die Passagiere des Schiffes standen den jungen Litern hilfsbereit hei (ob die alte Sitte, daß auch die Scliifisgesdlsdi.'ift, auf deren Schiff das freudige Ereignis stattfand, sich dem arisch ließt, noch geübt wird, ist nicht bekannt geworden). Ein Symbol des Lebens, das sich allen äußeren Bedingungen zum Trotz durchsetzt, weil es eben da sein 'muß! Diesem leben fahren wir entgegen. Wir wissen, (faß das Werk des Jischuw trotz allem, was erreicht wurde, noch, klein ist i 111 Vergleich zu dem, was das jüdische Volk braucht, damit sein Nationales 1leim ihm genügen kann. Die Judemiot lesen wir von den Gesiebtem derer :111, die ins Land fahren. Nicht alle von ihnen haben voll begriffen, was sie selbst in dem großen Prozeß bedeuten, den das Volk der Juden heute durchmacht. Darum gilt unser Vertrauen den großen historischen Kräften, die aus dem Volke und aus dem Lande seiner Sehnsucht ausstrahlen. * Und wieder erleben wir das alte und immer neue und ergreifende Schauspiel. In früher Morgenstunde ist das Schiff vor Haifa (Jaffa wird wohl aus Gründen der Sicherheit vorerst nicht angelaufen) angekommen. Dort die Stadt mit dein weiten braunen und grünen Kranz des Karmel. Das Technikum auf halber Höhe, an der Landspitze das Kloster der Karmeliter. Dann der weite Bogen der Haifa-ßav mit ihren Fabriken, Oeltanks und Siedlungen. Palästina liegt vor uns, die Pforte des Landes, F.rez Israel. Kein Jude — und mag er noch so assimiliert sein — wird sich der Rührung dieses Augenblickes entziehen können. Die Landschaft mit ihren heiligen Erinnerungen und davor das Treiben der werdenden Großstadt, die Neubauten des Hafenviertels, Unser erster Blick zeigt uns: Trotz allem, was ge- Schellen ist, Wachstum und neues Leben, Entfaltung der anfhauenden Kräfte. Juden betreten das Land. Sie wollen diese Kraft 'des Aufbaues vermehren, für das Volk, das in dieses Land hineinstrebt, und für das Land selbst, das es aus Armut und Verfall zu erlösen gilt Becks Londoner Besuch Von unserem Londoner Berichterstatter J.K., London, 18. November Nach den in jüdischen Kreisen erhaltenen Informationen scheinen die in der Presse angedeuteten Unterhaltungen über die polnische Jtidcnfrage zwischen dem polnischen Außenminister Beck und dem englischen Außenminister Eden nicht stattgefnnden zu haben. Die englische Regierung scheint nur zu verstehen gegeben zu haben, daß der gegenwärtige Moment nicht geeignet sei, eine etwaige Massenauswanderung nach Palästina zu erwägen. Wie der pariamentarische Korrespondent des ״Jewish Chronicle“ hervorhebt, herrscht in maßgebenden englischen Kreisen das Gefühl, daß die polnische Regierung am besten daran täte, die antisemitische Agitation in Polen zu unterbinden und den Juden eine Teilnahme am polnischen Wirtschaftsleben zu ermöglichen. Beck erklärte einem jüdischen Pressevertreter in London,, daß mit der Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Struktur des Landes eine Losung gefunden werden müsse, mit deren Hilfe die Juden in diese Struktur eingeordnet werden könnten. Was diese Lösung sei, sei er im Moment nicht bereit anzudeuten. Er ließ aber keinen Zweifel darüber, daß das Bestreben eines großen Teiles der polnischen luden, nach Palästina auszuwandern, die Sympathie der Regierung habe. Zu den Versuchen Polens, für seine Juden die Einwandcrungsmüglichkcit nach Palästina offen zu halten, bemerkt die Wochenschrift ״Great Britain and tlie East“ vom 12. November, es sei unwahrscheinlich, daß Außenminister Beck bei der britischen Regierung eine Anerkennung seines Standpunkts durchsetzen konnte. Es sei richtig, daß Polen eine grolle Anzahl jüdischer Einwanderer nach Palästina gestellt habe. Aber dies gehe Polen noch kein Recht, die Probleme des Britischen Empire durch seine Behandlung der Judenfrage zu verschärfen, Palästina sei ein imperiales Problem und muß von diesem Standpunkt au* betrachtet werde» RL Haag, 18. November Fremdenrecht Im vorläufigen Bericht der Zweiten Kammer zum Etat des Außenministeriums wird 11. a. gesagt: ״Die Tatsache, daß vor allem in der letzten Zeit viele Fremde Zuflucht in unserem Lande suchen, gibt Veranlassung zu der Frage, ob ausreichend über das Herci 11 kommen von 11 n - erwünschten Elementen in unser Land gewacht wird, ln diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, datl «ft mit dem Begriff ״Asylrecht•“ eine weitergehende Bedeutung verbunden wird, als er in Wirklichkeit hat. Oft wird so dargestellt, als ob die Anwendung des Asylrechts jede Zulassungsweigerung oder jede Ausweisung ausschließen würde. Diese Vorstellung sei jedoch vollkommen unrichtig. Nach den Grundsätzen des Völkerrechts sei und bleibe jeder Staat, soiern er sieh in dieser Richtung nicht durch Vertrag an bestimmte Regeln gebunden habe, vollkommen frei, jederzeit selbständig zu entscheiden, ob er Fremden den Aufenthalt auf seinem Gebiet gestatten oder versagen wolle. Ferner wird in diesem Zusammenhang erinnert an das am 4. Juli dieses Jahres in Genf von verschiedenen Staaten, darunter auch Holland, unterzeichnet« vorläufige Abkommen, dessen Hauptzweck ist, daß die beteiligten Staaten sich verpflichten, an aus Deutschland ausgewanderte Personen, die nicht mehr den Schutz der Regierung ge-!ließen, Identitätspapiere zu erteilen, die ihnen das Recht geben, unter gewissen Bedingungen ln dem Lande, in das sie sich begeben haben, zu bleiben. Diesem vorläufigen Ab* kommen solle eine endgültige Regelung der Rechts• läge der Betroffenen folgen, worin auch ihr Recht auf Arbeit anerkannt werde. Es wird darauf gedrängt, daß Holland das genannte vorläufige Abkommen so schnell als möglich ratifizieren und auch an der noch zustande zu bringen den Regelung mit wirken solle. Man achte es jedenfalls für sehr wichtig, daß die erwähnten Personen aus dem unerträglichen Zustand der Rechtlosigkeit erlöst werden, in dem sie sich jetzt befinden. Die deutschen Ebsgeaetze lm Antwort-Memorandum an die Zweite Kammer erklärt der J u s t i z m i n i s t e r: ״Die über die sog. Nürnberger Ges etze erschienene holländische Jurisprudenz (über die an dieser Stelle berichtet wurde. — Red. ״J. R.“) zeigt, daß in der Behandlung der Vollziehung von Ehe- ״Günstigere Bedingungen“ Resolution der Wanderungskoniereaz Von unserem Genfer Berichterstatter y. Gent, den 17. November Die Beratungen des Ausschusses für Wanderungsfragen des Internationalen Arbeitsamtes wurden mit der Annahme einer Entschließung abgeschlossen, die als eine zwar bescheidene, aber nichtsdestoweniger interessante Einleitung für eventuelle künftige internationale Aktionen angesehen werdem kann. Die Entschließung stellt fest, daß die allgemeine Lage der Weltwirtschaft jetzt günstigere Bedingungen für die Wiederaufnahme der Wanderungsbewegungen geschaffen hat und unterstreicht die Notwendigkeit tiuer engen Zusammenarbeit der interessierten Länder. Im Hinblick auf die Tatsacke, daß das Emigrationsproblem aut die Tagesordnung der nächstjährigen Völkerbund Versammlung eingetragen wurde, empfiehlt der Ausschuß dem Internationalen Arbeitsamt, für die Völkerbundversammlung rechtzeitig ein Memorandum yorzuhcrcitcn, welches die ״durch die demographisehen und 'wirtschaftlichen Bedürfnisse gewisser Länder aufgeworfenen Probleme der Emigration und Immigration“ klar darstellen soll. Gleichzeitig sollen alle dem Arbeitsamt angehörenden Staaten befragt werden, ob sie die Einberufung einer Expertenkonfcrcnz zwecks Besprechung des Problems der kolonisatorischen Wanderungen für ratsam halfen. Der Verlauf der — vertraulich geführten — Debatte innerhalb des Ausschusses läßt vermuten, daß eine Expcrtenkonferenz vorderhand wohl nicht einberufen werden wird, daß aber das Arbeitsamt an die Ausarbeitung des vorgeschlagenen Memorandums schreiten wird. Eine sehr aktive Rolle innerhalb des Ausschusses spielte der Vertreter der polnischen Regierung, ln einer groß angelegten Ansprache und zahlreichen weiteren Interventionen wies der Vertreter der polnischen Regierung auf die besondere Bedeutung des demographischen Problems hin. Er erwälinte mit keinen! Worte die spezifischen Auswanderungsbedürfnisse der jüdischen Bevölkerung Polens und unterstrich, im Gegenteil, daß die Anregungen der polnischen Delegation während der letzten Völkcrbundversanimlung nur einen Wunsch hätten: di« Notwendigkeit einer Internationalen L5sun £ des allgemeinen demographisehen Problems in Europa vor Augen zu führen. Als Beispiel führte er die Lage in Polen an. Er wies darauf hin, daß in Polen, bei einer Landbevölkerung von 22 Millionen, viele Millionen von Bauern wegen Mangels an Boden einer normalen landwirtschaftlichen Existenz beraubt sind. 70 «;0 der polnischen Bevölkerung leben auf dem Lande, wobei 89 bia sogar 100 Landbewohner auf einen Quadratkilometer bebauten Bodens entfallen (gegenüber 40 in Frankreich, 36 in Dänemark und 33 in Deutschlaiui). Dabei sei noih zu bedenken, dafl der natürliche jährliche Zuwachs der Landbevölkerung Polens sich auf 360 000 Seelen beläuft. Die Verschließung aller Auswanderungsmöglichkeitcn für die ״Bevölkerungsüberschüsse“ habe in den übervölkerten Ländern einen dauernden demographischen Druck geschaffen, der auf dem ganzen Wirtschaftsleben schwer lastet und eine Wiederherstellung des ökonomischen Gleichgewichtes der Welt verhindert. Die Lösung des demograpliisehcn Problems in den Agrarländern könnte, so fuhr der polnische Delegierte fort, durch nachstehende Maßnahmen erreicht, werden: 1. Großzügige öffentliche Arbeiten. 2. Uebcrgang zur intensiven Land- Wirtschaft. 3. Erhöhung der Auswanderung, besonders der landwirtschaftlich tätigen Teile der Bevölkerung. Die zwei ersten Maßnahmen erfordern große Geldmittel, über welche die Agrarstaaten nicht verfügen. Eine internationale Zusammenarbeit zwecks Beschattung von Kapitalien für die Agrarländer konnte sicherlich eine Entspannung bringen. Die dritte Maßnähme — Auswanderung des Ueberscluisses der Landbevölkcrung — begegnet unüberwindbaren Hindernissen, seitdem ihre Möglichkeiten im Vergleich mit der Vorkriegszeit auf J/,0 des Bedarfes gesunken sind. In seinen Schlußfolgerungen appellierte der polnische Delegierte an das Internationale Arbeitsamt. diese« Problem auf den! Wege der internationale« Schließungen zwischen Nichfdeutschen und Deutschen hierzulande durch die genannten Gesetze keine Veränderung eingetreten ist. Diese Gesetze werden jedoch offenbar wohl zur Folge haben können, daß in Holland eine Ehe zwischen Personen deutscher Staatsangehörigkeit nicht vollzogen werden kann, wenn eine von ihnen ״Jude“ ist. Als Folge des Haager Elleabkommens wird man dies zu akzeptieren haben.“ Das Haager Landgericht hat in der Frage der Ehe- Schließung zwischen einer arischen Deutschen und einem Holländer indischer Herkunft entschieden, daß das Blutscliuf/gesetz keine Anwendung finde, da der Mann kein Jude im Sinne dieses Gesetzes sei, und daß auch § 6 der ersten Ausführungsverordnung liier nicht zutreffe, da keine die Reinhaltung des deutschen Blutes gefährdende Nachkommenschaft zu erwarten sei, so daß der Eheschließung kein Hindernis entgegenstelle. Antisemitismus Zu den Bemerkungen des Kammcrberkhts über die in zunehmendem Maße vorkommetulen, jedoch nicht bekämpften antisemitischen Aeußerungen bemerkt der Justiz minister im Antwort-Memorandum, daß es doch wohl sehr die Frage sei, ob diese wirklich für eine Straf- Verfolgung in Betracht kämen. Strafbar seien nur Acußerungen in beleidigender Form. Lange nicht alle Erscheinungen von minder wohlwollender Gesinnung bezüglich des jüdischen Volksteils genügten diesem Kriterium. Auf das bestimmteste müsse bestritten werden, daß auf seiten der Staatsanwaltschaft Verfolgungen, zu denen Anlaß hätte gegeben sein können, unterblieben wären. AeuBcrungen zur Judenirage In der sehr zum Faschismus neigenden Partei ״Nafionaal Herstel“ (Nationaler Aufbau) erklärte der Vizeadmiral Quant mit Nachdruck auf einer Versammlung, daß diese Partei nicht antisemitisch sei. ln der Monatsschrift ״Nieuw Nedcrland“ bemerkt die Redaktion zu einem berichtenden Artikel über das jüdisch• arabische Problem in Palästina: ״So wie wir als National- Sozialisten das Recht der Italiener auf Raum anerkennen, tun wir dies aucli bei den Juden. Der Zionismus, der die Aufhebung der Einseitigkeit des jüdischen Charakters fördert, weil er die Juden wieder an den Grund und Boden lind an einte eigene nationale Tradition bindet, ist eine Be• wegung, die die Sympathie Westeuropas verdient.“ Zusammenarbeit in Angriff zu nehmen, um die drei entsdiel• denden Faktoren — Boden, Kapital und Arbeitskraft — auf den Weg einer harmonischen Aktion zu führen. Wie aus dem Obigen zu ersehen ist, hat die polnische Regierung nunmehr eingesehen, daß es sich in Polen um kein s p e z i f i s c h j ii d i s c 11 e s, sondern um ein allgemeinpolnisches demographisches Problem handelt und daß das Bedürfnis für Auswanderung bei der polnischen Land• bevölkerung noch dringender ist, als das der polnischen Juden. V eningflückter ״Erlösungsmar sch* Verzweiflungskundgebung polnischer Jaden Unser polnischer Korrespondent hat in seinen letzten Be• richten von einem Projekt berichtet, die Verzweiflung der polnischen Juden in einer großen D e m onstration vor aller Weit zu demonstrieren. Dieser von dem Warschauer Rechtsanwalt W. Ryppel organisierte ״Erlösungs• marsch“ junger Leute aus Polen nach Palä• s t i n a, an dem ursprünglich tausend Mann in militärischer Disziplin teilnehmen sollten, hat am 16. November 40 km vor Warschau sein Ende gefunden. Trotz, der Warnungen aller berufenen Instanzen und der gesamten jüdischen Presse hatten am Montagmorgen 150 Mann unter Führung des Rechtsanwalts Ryppel, der einer österreichischen Offiziersfaniilie entstammt und selbst als Leutnant am Weltkriege teilnahm, den Marsch angetreten. Sie trugen cinheit• liehe K 11 a k i k 1 e i d u ת g' und führten einen Proviantwagen mit sich. Der Plan war, ohne Ausweispapiere zunächst an die Grenze Polens zu ziehen und von den einzelnen Ländern, die auf dem Wege nach Palästina zu passieren sind, unter Berufung auf die jüdische Not in Polen freien Durchzug zu verlangen. Eine Polizeiabteil ring hielt jedoch 40 km von Warschau entfernt den Zug auf und befahl den Teilnehmern, sich zu zerstreuen. Als diese trotz dreimaliger Aufforderung sich weigerten, dem Befehl Folge zu leisten, machte die Polizei vom O u m m i k n ii p p e 1 Gebrauch. Advo kat Ryppel und mehrere seiner Anhänger erlitten Verletzun* gen und wurden fesfgenommen. ,Man nimmt an, daß die Re• gierung den Zug aufhalten ließ, weil der Marsch als a n t i ■ englische Kundgebung hätte gedeutet werden können. Tags zuvor war Advokat Ryppel vom Ministerpräsidenten Skladkowski empfangen worden. Ucber den Verlaut der Audienz ist nichts bekannt. Die Anhänger Ryppels hoffen, bis zum Frühjahr eine halbe Million Jugendlicher für ihre Pläne gewinnen zu können. Sie wollen, wie sie erklären, durch ihr Unternehmen die jüdischen Finanz! eilte des Auslandes von der schweren Not der jüdischen Jugend in Polen und von der Notwendigkeit überzeugen, ihr eine Existenzmöglichkeit zu verschaffen. Auch über diese Seite der Sache wurde in der ״J. R.“ berichtet (vgl. den Artikel ״Man läuft wohin die Augen schauen“ in Nr. 90). Die Rechtsstellung der Emigranten Der Völkerbundskommissar für Auswandererfürsorge, Sir Neill Malcolm, teilt mit, daß er die Einberufung einer Zwischenstaatlichen Regicrungskonferenz vorbereitet, auf der ein internationales Abkommen über die Regelung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse aus Deutschland Ausgewanderter ausgearbeitet werden soll. Dieses neue Abkommen werde eine Ergänzung darstellen zu der im Juli von der Zwischenstaatlichen Regicrungskonferent■ in Genf angenommenen vorläufigen Konvention über die Regelung der Rechtsverhältnisse aus Deutschland ausgewan• derter Personen, die ihre Staatsangehörigkeit verloren haben. Haiipts-Sriftleiter: Dr. Robert W e 11 < e h, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigcnlriter und verantwort• 11 h für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F1 n n, Berlin W 15• Gültig Anzeigen - Preisliste S vom 1. April 1939. Verlag and Anzeigen?«•waliung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinckest». 1a Rt-Ä. Oktober SB 08.4 s>» Druckt Siegfried Schotem, Bln.-Schöneb«*׳