Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 92 (17.11.1936)
- Date
- 1936-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2654008--29848-2691395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 92.17׳. NOVEMBER 1936 LÄSTINA Die Kommission Juden aus Deuisdtland siedeln Jerusalem, 15. November. Am Freitag, dem 13. November, hat sich die Kgl. Kommission nach Sheikh el Balad begeben. Die feierliche Eröffnung der Arbeiten der Kommission am Donnerstag hat auf die palästinensische Oeffentlichkeit einen tiefen Eindruck gemacht. Die Eröffnungssitzung begann Punkt 3 Uhr nachmittags. Der High Commissioner betrat unter den Klängen der Nationalhymne, die von einer in der Vorhalle aufgestellten Militärkapelle gespielt wurde, den reich geschmückten und beflaggten Beratnngssaal. ihm folgten die Mitglieder der Kgl. Konimission, die an einem Tisch an der Stirnwand des Saales Platz nahmen. Der High Commissioner nahm rechts von den Mitgliedern der Kommission Platz.. Die Begrüßungsansprache des High Commissioner wurde ebenso wie das Dekret über die Einsetzung der Kommission, das vom Chefsekretär John Hathorn Hall verlesen wurde, in die beiden anderen offiziellen Landessprachen, Hebräisch und Arabisch, übertragen. Die Verlesung des Dekrets wurde von der Versammlung stehend angehört. Im Zuhörerraum wurde die erste Sitzreihe von den hohen Beamten der Palästina-Regierung, unter ihnen auch den arabischen Beamten, eingenommen, ln der zweiten Reihe saßen die Oberhäupter der verschiedenen Kirchen und Religionsgcmeinschaften mit Ausnahme des Mufti. Dann kamen die Mitglieder des Konsularkorps und schließlich die Mitglieder der Jewish Agency, des Waad Leumi und anderer Behörden und Organisationen. Die ganze Zeremonie dauerte 45 Minuten. Ein Zwischenfall ereignete sich während der Eröffnutigs- Sitzung der Kgl. Kommission. Der italienische OeneralkonsuT verließ den Saal einige Minuten, nachdem er ihn betreten hatte, da es sich herausstellte, daß ihm ein Platz in unmittelbarer Nahe des Konsuls von Abessinien zugewiesen worden war. Reisen am Wochenende Am Sonnabend machten Mitglieder der Kgl. Kommission eine Rundreise nach Hebron, Beer Sehe Da und ü a z a und von dort aus über Rcchowoth, wo sie mit Mr. Garrison den Tee nahmen, nach Jerusalem zurück. Die Kgl. Kommission besuchte auf ihrer Rundreise auch P e t a c h T i k w a 11 und Tel Mond, wo sie zu M ittag aß, Auf ihrem Wege nach Ramlcli besuchte sie auch Tcl-Awiw und Jaffa. Sie kehrte dann nach Jerusalem zurück. Am Donnerstagabend fand beim High Commissioner ein Empfang zu Ehren des Vorsitzenden der Kgl. Kommission, Lord Peel, statt. Die Straße zur Residenz des High Commissioncr war mit Nägeln bestreut worden, so daß die Autos vieler Gäste Reifenbeschädigun gen erlitten. Das Oberrabbi nat Palästinas veröffentlicht eine Erklärung, in der die Kgl. Kommission auf dem Boden des Heiligen Landes willkommen geheißen wird. Es wird darauf hin ge wiesen, daß Großbritannien die Aufgabe auf sich genommen hat, die Wiedererrichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina za fördern. Die Erklärung ist von den Rabbinern Jacob Meir, Frank und Webber unterzeichnet. Aufhebung des Boykotts? Jerusalem, 14. November. (Palcor.) Das Arabische Oberste Komitee scheint bemüht zu sein, den Boykott der Kgl. Kommission auf ehrenhafte Weise wieder rückgängig zu machen, da sich der gewünschte Erfolg nicht eingestellt hat. Auf der heutigen Sitzung des Komitees wurde beschlossen, bei den arabischen Königen anzulragen, ob der Boykott weitergeführt werden sollte oder nicht. Palcor erfährt, daß trotz des Beschlusses, die Kgl. Kommission zu boykottieren, eine arabische Sanimelstelle für Material unter Leitung des Mufti und Auni Abdul Hadis eifrig mit der Vorbereitung von Material für die Kommission beschäftigt ist. Einer Meldung zufolge wollen die Araberführer der Kgl, Kommission ein weiteres Memorandum unterbreiten, in welchem sie diese ersuchen, ihre Arbeit mit dem 2wisehen Hussein und MacMahon im Jahre 1915 getroffenen Abkommen zu beginnen; die Araber behaupten nämlich, daß ihnen durch dieses Abkommen bereits vor Erlaß der Balfour-Deklaration Palästina zugesagt wurde. * Das Arabische Oberste Komitee hat in einem an die Kgl. Kommission gerichteten Schreiben die Gründe für den Boykott der Kommission auseinandergesetzt. Der Abbruch des Streiks, so wird erklärt, sei im Vertrauen auf England und im Glauben, daß die jüdische Ein- Wanderung suspendiert werden würde, erfolgt, und die Erklärung des Koionienministcrs, daß die Einwanderung bestehen bleibe, habe daher äußerstes Befremden hervorgerufen. Die britische Politik sei geeignet, das Land zu cerjuden; der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Palästinas, der vor dem Kriege 7 »/״ betragen habe, sei bereits auf 3t) 0׳״ gestiegen. Die Araberführer seien zwar von der Objektivität der Kgl. Kommission überzeugt, jedoch infolge des Beschlusses der englischen Regierung nicht bereit, die Kommission zu unterstützen. | Pr. Jakob Adler Wir erhalten soeben aus Palästina die Trauerkunde, daß unser Mitarbeiter Dr, Jakob Adler im Alter von 44 Jahren gestorben ist. Dr. Adler ist den Zionisten Deutschlands wohlbekannt. Er war ein« Zcitlang in Leipzig in der Zionistischen Organisation tätig und hat die damals dort erschienene jüdische Zeitung redigiert. Dr. Adler war ein erfahrener und überaus versierter Wirtsehaftsjournalist, der durch seine Gründlichkeit und Seriosität sich eine angesehene Stellung innerhalb der damaligen Handelsjournalistik Deutschlands erwarb. Es widerstrebte ihm stets, oberflächlich zu urteilen oder Sensationsnachrichten zu verbreiten, vielmehr vertiefte er sich in jede Materie, die er behandelte, untersuchte die Hintergründe und gab mir geprüftes Material wieder. Dieselben Tugenden hat er dann im Dienste der jüdischen Sache entwickelt, als er nach Palästina übersiedelt war. Adlers Wirtschaftsberichte aus Palästina gehörten zu den verläßlichsten und einprägsamsten Darstellungen. Den Lesern der ״Jüdisehen Rundschau“ ist Dr. Adler aus zahlreichen Beiträgen bekannt. Erst vor kurzem, in der Nummer vom 6. November, veröffentlichten wir einen schon aul dem Krankenlager geschriebenen Aufsalz über die Wirkung der F rankenentwertung in Syrien auf die palästinensische Wirtschaft. Wir verlieren in dem so jung Dahingeschiedenen einen geschätzten Mitarbeiter und sprechen seinen Hinterbliebenen unser herzliches Beileid aus. Die Siedlung Kirjath Bialik Von Dr. Fritz Cahen, Vorsitzender der Siedlung Gelungene Umschichtung Ein großer Prozentsatz von Juden aus Deutschland ist bei der uebersiedlung nach Erez Israel zur 1 a n d w i r t - schaftlichen Arbeit übergegangen. Diese Menschen haben damit einen Schritt getan, der zugleich von tiefeinschneidender Bedeutung für ihr eigenes Leben ist. Als sie als Neulinge ins Land kamen, waren sie sich der Tragweite des Schrittes, den sie vollzogen, nicht immer bewußt. Sie ahnten zwar, daß sie in Zukunft ein anderes Leben zu führen hätten, als vorher. Aber wie stark das neue Leben sie ummodeln würde, war ihnen nicht klar und konnte es auch nicht sein. Umgebung, Lebenszuschnitt, Interessenkreis; alles hat sich yerändet. Trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — herrscht bei den meisten der Umschichtkr Zufriedenheit. Pie meisten waren in einem Alter, das frei ist von romantischer Schwärmerei. Zu sorgsam fast wurden seinerzeit die Siedlungsmöglichkeiten auf ihre Rentabilität uachkalkuliert. Jeder fast war sich bewußt, daß es Schwierigkeiten geben würde. Eine Reihe Juden aus Deutschland haben sich eingegliedert in bestehende Siedlungspunkte, die zum Teil geschlossene Gruppen in sich aufgenommen haben. Viele Siedlungspunkte sind neu durch die Initiative der Juden aus Deutschland entstanden. Dazu gehört das landwirtschaftliche Kirj a t h B i a 1 i k. Zwei Schlag־worte gruppieren die Siedlung und zeigen ihre Stellung iin Lande. Sie ist eine Mittelstandssiedlung und sie ist auf nationalem Boden. In den wenigen Berichten, die über die Lvridwirtschaftliehe Siedlung Kirjath Bialik geschrieben wurden, fand man häufig Verwechslungen mit unserer ״großen“ Schwester gleichen Namens: der Vorstadt Kirjath Bialik. Die I andwirtschaftliche Siedlung ist aber ein vollständig selbständiger Siedlungspunkt, der lediglich infolge der engen räumlichen Nachbarschaft bisher mit dem gleichen Namen bezeichnet wird. Die vor städtische Siedlung ist eine reine Wohnsiedlung auf •Vr~l Dunam. Jene Siedler finden ihren Erwerb in städtischen Berufen in Haifa. Die landwirtschaftlichen Siedler hingegen haben je 17 Dunam, auf denen sie eine gemischte Wirtschaft betreiben, und die ihnen den Lebensunterhalt geben sollen. Die Umschichtung kann als gut gelungen bezeichnet werden. Das beweist schon der äußere Anblick der Siedlung. Wer dabei war, wie der erste Hieb niit der Hacke gegen die einst vorhandene Unkrautwüste geführt wurde, sieht heute, init welch־׳.״ Tatkraft und Energie gearbeitet wurde. Wer sich als ungeeignet für die landwirtschaftliche Arbeit erwiesen hat, ist hier, wie auch anderswo, meist schon ausgeschieden. Das bedeutet natürlich keine menschliche Disqualifizierung, da dio Gründe manchmal berechtigt sind. Im großen und ganzen hat sich gezeigt, daß die Auslese, die zu den Anfangszeiten der Siedlung getroffen wurde, richtig war. Wurde oben gesagt, daß wir zu Anfang Neufinge waren, so sind wir inzwischen doch in die Landesverhältnisse Und in die Arbeit so eingelebt, daß wir nicht nur zurückschauend ein Urteil haben. Wir haben uns auch ein Recht zur Kritik erworben. Diese Kritik soll nicht negativ sein, aber sie darf freimütig und offen Fehler aufzeigen, um für die Zukunft Nutzen zu ziehen. Als auf nationalem Boden Angesiedelte fühlen wir uns geborgen. Wir haben des öfteren Aussprachen mit den Vertretern der jüdischen Behörden gehabt, bei denen wir im großen und ganzen, soweit die Jewish Agency in Betracht kommt, auch auf Verständnis gestoßen sind. Gerade darum braucht das Bild von der landvvirtschaftliehen Siedlung Kirjath Bialik nicht rosig übermalt zu werden, Und es darf ruhig offen gezeigt werden. Es wird ohnedies niemand glauben, daß der Aufbau einer sofehen landwirtschaftliehen Siedlung ohne jede Schwierigkeit von statten gehen könnte. Folgen der StadtnShe Das erste Hindernis auf unserem Wege war — die Stadtnähe. Die Nähe der Stadt hat uns große Nachteile gebracht Zunächst einmal eine gewaltige Verteuerung der Aufbaukosten. Die städtischen Löhne sind sehr hoch und haben uns beim Bau der Häuser und Ställe, zumal in den Zeiten der Prosperität, viel Geld gekostet. Hinzukommt, daß im Stadtgebiet, zu deni wir territorial gehören, indirekte Steuern in Form von Lizenzen und Gebühren seitens der Stadtverwaltung und Regierung ganz erhebliche Belastungen mit sich bringen. Durch die im Stadtgebiet geltenden Bauvorschriften mußte alles viel kostspieliger angelegt werden, als es erst gedacht war. Mit der Stadtnahe zusammenhängend ist auch der Umstand, daß sich die jüdischen Instanzen bisher nicht entschlossen haben, den Boden bis auf die Hausparzelle auf länger als 20 Jahre an die Siedler zu verpachten. So gesund die neuerdings verschärfte Praxis ist, die Bodenspekulation Aus der Zeit der Verteidigung - 1 “־■««■ ■ר . I Ein Flügel tles Gebäudes des aus Berlin stammenden Kinderheims Ähatea in Kirjath Bialik bei Haifa. Das Dach ist zum Schutz für die während der Unruhen dort postierten Wachen mit Sandsäcken umlegt, Foto; Loo Und•״״ auf nationalem Boden mit allen Mitteln zu unterdrücken und den Keren Kajemeth darum nicht durch langfristige Verträge zu binden, so fehlerhaft ist die Ueberspannung dieses riehtigen Prinzips in unserem Fall. Da der Boden erst durch Drainage vorbereitet werden mußte, da Brunnen und Bewässcrungsanlagcn geschaffen werden müssen, die sehr viel Geld kosten, so sind für eine kurze Laufzeit von der Siedlung sehr hohe Geldsummen aufzubringen, die natürlich auch den ein• zelnen Siedler stark finanziell belasten. Es ist nur zu hoffen, daß die Instanzen angesichts der Ernsthaftigkeit der Arbeit der Siedler sich bald zu einer Verlängerung der Pachtzcit herbeilassen. Das Lebenselement einer landwirtschaftlichen Siedlung außer dem Boden, Luft, Sonne, ist — das Wasser. Leider sind hier bei uns f ehler gemacht worden. Man fand zwar für den allernotweruligsteii Bedarf der Hofschläge die Möglichkcit eines Provisoriums durch Bezug von einer bcnach* barten Gesellschaft, aber dieses Wasser war unzureichend und zi! chlorhaltig. Die Folgen waren bitter. Die Siedler konnten nicht das für ihre Kühe erforderliche Cirünfuttcr an• bauen und waren, da sie unrentabel arbeiten mußten, ge« zwungen, einen Teil ihres Geldes auf/u/rhreii, statt es zu investieren. Jetzt ist das Problem von uns selbst energisch angefallt worden. Wir haben nach den früheren (infolge unserer Unerfahrenheit und schlechter Beratung zudem tcuc« ren) Fehlbohrungen, die;11:r einen brauchbaren Brunnen er• geben hatten, jetzt zwei neue sehr ergiebige Brunnen ei bohrt, Wasserbehälter und Rolirleittingsausbau sind lu-rzustellen be• gönnen, und eine weitere Saison werden wir nicht mehr verlieren. Da die Mittel der Siedlung und der Siedler zu diesen großen Bauten nicht reichten und außerdem noch durch die. lange Wartezeit die einzelnen Wirtschaften nicht mehr ge•!lügend Betriebskapital hatten, weil dieses zmn Teil zum Lebensunterhalt aufgozehrt werden mußte, so wandte sich die Siedlung vor einiger Zeit an die Abteilung zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland bei der Jewish Agern:'־, mit der TürkisMjLggj^ Bitte, der Siedlung und den Siedlern unter die Arme nt greifen. Auf das Ersuchen um Kredite wurde von der Jewish Ageriey eine sorgfältige und eingehende Untersuchung der Lage der Siedlung veranlaßt, die durch den bekannten Agronomen S. Dyk mit großer Gründlichkeit vorgenommen wurde. Das Ergebnis der Untersuchung war durchaus zugunsten der Siedlung. Ueberwlndung der Schwierigkeiten In den Verhandlungen der letzten Zeit ist erreicht worden, daß die Fehler der Oründungs/cit von den Instanzen eingesehen worden sind. Die Konsequenz daraus ist, daß die für die Siedlung notwendigen Gelder zur Verfügung gestellt wurden. Zwar hat man an den Summen, die von Herrn Dyk festgesetzt wurden, namhafte Kürzungen vorgenommen. Zwar sind die Bedingungen, zu denen diese Gehler zu erhalten waren, schwere. Aber die Siedlung glaub) trotzdem, mit dem Erreichten über die Hindernisse liinwcgzukonimcn. Die Siedler haben auch von sich ans nach Kräften beigetragen, die Schwierigkeiten zu überwinden. Es wäre von vornherein richtiger gewesen, die ursprünglich nur aus 25 Familien bestehende Siedlung größer aufzuziehen. Denn die allgemeinen Unkosten für Drainage, Wasser und sonstigen Aufbau steigen nicht auf das Doppelte, wen» man den Rahmen der Siedler auf 50 Familien festgesetzt hätte. Der Antrag an den Keren Kajemeth, weiteren Boden zur Ansiedlung von nochmals 25 Familien zur Verfügung zu stellen, ist leider abschlägig bcschiedet! worden. So haben die Siedler selbst auf je 3 Dunam ihres ursprünglich 21) Ptinnm betragenden Landbesitzes verzichtet und damit ermöglicht, daß zunächst 3 Vollsiedler hirizugenommen werden konnten. Auf dein restliehen Lande plant man die Errichtung von I lilfswirtsdiaften auf kleinerer Landfläche. Hierdurch wird eine Unkostensenkung für die einzelne Stelle erreicht, da nennenswerte Neuausgabe 11 für die neuen Siedler nicht erwachsen. Von den Problemen, die mit dem Aufbau der Siedlung zu« sammenhängen, sei ztim Schluß nur noch eines erwähnt, das ist die Frage der Organisation des Absatzes, Hier gab es zwei Möglichkeiten. Entweder man niufite sich eine eigene Absafzorganisafion schaffen, wozu die Nähe der Stadt vorlockte. Man versuchte auch in der allersten Zeit, diesen Weg zu gehen. Aber es zeigte sich, daß das doch nicht so einfach war, wie man es sich vorgestellt batte. Denn die entstehen« den Spesen sind hoch und die Gefahr, beim Händler Ausfälle zu erleiden, nicht klein. So zogen wir cs nach kurzem Versuch vor, uns der großen Absatzorganisation ,des Landes, der Tntiwah, anzuschließen. Diese rechnet einen festen Verwaltungsspesensatz. Milch, Milchprodukte und Eier werden in eigenen Filialen verkauft, Gemüse versteigert. Auch hier ergaben sich zunächst Un/uträgliehkeiten daraus, daß unsere Viehwirtschaft auf anderer Basis steht als die der meisten anderen Tnuwahmitglieder. Es ist jetzt gelungen, einen kleinert Interessenausgleich zustande zu bringen. Da wir unsere Milch sowieso an Ort und Stelle in der Haifa-Bay ablicfcrn und sie in Kirjath Chajim, Kirjath Mot/kin und dem vorstädtisclieit Kirjath Bialik verbraucht wird, hat sich die Tnuwah bereit• erklärt, einen Transnortkostenzuschuß?11 bewilligen, dafür, daß sie durch unsere Lieferung an Ort und Stelle die Lieferung von Haifa aus, die sie sonst vornehmen mußte, spart. So kommen wir in gewisser Weise wenigstens einmal in den Genuß eines Vorteils von unserer Stadtnahe. Oer Ver• braucher hingegen bekommt durch uns das wichtige Nahrungs• mittel in einer Frische, die sonst nicht zu erreichen wäre: ein Beweis dafür, daß die landwirtschaftliche Siedlung am Stadt■ fand existenzberechtigt ist. Trotz aller Hindernisse ist bisher von den Siedlern viel erreicht worden. Im Durchschnitt hat jeder heute zirka 2—3 Dunam Gemüse, zirka 300 bis 400 Hühner und 2 bis 3 Kühe. Jede Woche werden ansehnliche Mengen von Gemüse und Eiern mehrmals in die Stadt geschickt, während die Milch nach Tiefkühlung in der eigenen Molkerei täglich sofort zum Verbraucher geht. Die meisten Siedler sind seit Januar 1935 am Platze und haben die erste Zeit noch Außenarbeit geinacht. Seit Herbst 1035 erst war cs möglich, überhaupt mit Gemüsebau zu beginnen, weil es vor dieser Zeit an Wasser mangelte. Sehr viele Siedler haben sich ihre Stallungen, die