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Jüdische Rundschau · 1936-11-17 · Heft 92 (17.11.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 92 (17.11.1936)
Date
1936-11-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit• 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92 17. XI. 1936 Menen und mit Beifall bedachten Ausführungen. (Dr. Arthur Prinz gab eine ausgezeichnete Uebersctzung.) Zum Schiuß verlas Dr. Bacck die Kundgebung der Reichsvertretung, die wir auf der ersten Seite wiedergebe« und sprach die Hoffnung aus, daß die Vertreter der Judenheit vor der Ko tu mission die Aufrecliterhaltung der Einwan* derting und Verwirklichung der Balfour-Deklaration durchsetzen werden. Die syrische Unruhe Politisch• und wirtschaftliche Spannungen — Notruf der syrischen Juden Von unserem Berichterstatter Der Tagung 8verlauf Iin Brüdervereinshaus hatten sich am Sonntag zahlreiche Delegierte aus dem ganzen Reich und eine große Schar von Gästen zusammengefunden; man sali eine Reihe bekannter Persönlichkeiten aus allen Lagern. Die Tagung wurde durch Dr. Baeck mit der Verlesung eines Begrüßtnigstelegramms von Dr, Ruppin, Dr. Landauer und Dr. Senator eröffnet. Im Zeichen von Bizzaron und Bitaehon, so führte dann der Vorsitzende aus, sei diese Versammlung zusammengekommen. Das Wort ״Bizzaron“ komme nur einmal in der Bibel vor, und zwar beim Pro¬ ין beten Secharja, der es in einer Zeit der Heimkehr sprach. Das müsse auch unser Programm sein: Zurückkehren zum Bizzaron, zu der Gewißheit, die niemals schwankt. Gerade unsere Not ist es, die uns dies Vertrauen in jüdischem Sinne ni geben vermag. Und ebenso sei ״Bitaehon“ eine urjiidische Haltung: wir sind unlösbar verbunden mit der Hoffnung. Boi Konelet hei fit es einmal: ״Wer zum ganzen Leben erwählt ist, für den ist ״Bitaehon“ immer da,“ Wer beides besitzt, Bizzaron und Bitaehon, der begreife erst die ganze Bedeutung des Aufbaus Palästinas. Das Haupt referat ״Probleme der P a l äs 1 i n a - Politik“ hatte Dr, Robert Welf sch, der in zwtistündigen Ausführungen ein Bild von den Kräfteverhältnissen irn Mitteimeer und in der arabischen Welt gab, mit denen lullte England und damit auch der Zionismus zu rechnen hat. I )er Redner ging aus von der grundsätzlichen Umgestaltung des Weltbildes während der letzten Jahre, in welchen Verträge und Anschauungen der Nachkriegszeit zerfallen sind, so daß sich alles in einem Uebergangsstadiuiii befindet. Er zeigte die bcsnndeie Bedeutung, die Palästina gründe in der äugen bück- Indien politiwlien Konstellation für England besitzt — eint Tatsache, die von größerem Gewicht ist als juristisch»: Ausilctinmgeii einzelner I)oluunente. Eingehend legte der Redner dann die große Gegenkraft Lnglnmjs im ()rinn dar: den arabischen N' a t i o n a I i s - in us, aus dessen Wachstum dieselben Probleme entstehen, die England auch in anderen Teilen des Empire vorlindet: sollen die einzelnen Staaten völlige Unabhängigkeit erhalten und soll damit die Auflockerung des Empire fortsclireiten oder soll England (.inen neuen Kurs elnschlagen? Obwohl in England jetzt starke innere Wandlungen vor sich gehen und besonders die N'achLriegspolitik recht kritisch betrachtet wird, muH man doch annehmen, daß die englische Politik einen neuen Ausgleich zwischen der Gewährung neuer Freibeiten und neuen Bindungen an das Empire suchen wild. So ist auch für absehbare Zeit damit /n rechnen, daß die Kontlnuität der bisherigen englischen Palästinapolitik, die vom Weißbuch 1022 stets die gleiche grundsätzliche Linie verfolgt, erhalten bleibt. Der Referent wandte sich dann den psychologischeu G r u n d läge ח der Furcht der Araber zu, behandelte das Problem des binationalcn Staates und betonte, daß die Jewisli Agency offiziell den Standpunkt vertrete, daß die Juden nicht die Absicht haben, in Palästina zu herrschen, aber auch nicht beherrscht werden wollen. Es werde ein Zustand ״politischer P a r i t ä t" angestrebt, was freilich zunächst nur eine Formel ist, und obendrein eine umstrittene. 111 der letzten Zeit sind •in englischen Kreisen verschiedene Lösungsvorschläge aufgetauclit: die prozentuale Begrenzung der jüdischen Einwanderung: die Aufstellung cjnes jüdischen Bevölkcrungsmaxiimims; schließlich die Kantonisierung. Die Jewish Agency, von dem Prinzip politischer Parität ausgehend, verlangt ihrerseits freie Einwanderung im Rahmen der ökonomischen Fassungskraft des Landes, und Entwicklung der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes. Der i li d i - sehe 1) r a n g 11 a c h P a I ii s t i 11 a ist heute eine Realität ersten Ranges »1ml auch cm Faktum der Weltpolitik. Auch die Dntersucluiiigskommissioit wird mit ihm als einem der entscheidenden Faktoren zu rechnen haben. Nach diesem Referat nahm Mrs. St eff das Wort, um in englischer Sprache einen .Appell an die Konferenz zu richten. Es habe niemals eine solche Begeisterung für Palästina geherrscht, wie gerade in den letzten sechs Monaten, Mrs, Sieff gab dann (inen kurzen Abriß der Geschichte der Sa mmhinge!1 für Palästina, Bereits wahrend des Krieges wurde von Air. Israel Sirff /us;!mmen mit der Rednerin und Dr, Wcizmann tun ״V<n׳b1׳re1tung<to1uls“ geschaffen, dem dann der ,,AHi'batitoruE" ßilgic, bis es schlicä'ilidi zur Gründung des ,,Keren 1 i.1 jcs,r»,|•• kn'11. Viele I loffn 11!igelt, die damals gehegt \tunk-n <2'ג Millionen Pfuinl in fünf Jahren!), mußle1:׳ im laufe dir Jahre /ui a Je gesell rn ubt werden, t leute aber erkenne inan, daß ohne die öffentlichen 1׳ ornls der Zionistischen (Mganis.itjon mul Agencv die I ntv icklung Palästinas nicht denkbar 1-t, cl 1 c 11 a t 1 o 11 a I e 1! F o 11 d s h a b e 11 die Basis d e r I.. x i » t e n / des J יל ו c h 11 w g e s c 11;1 I f c n. Nicht um seiner selbst willen benötige heute der Jischuw die Hilfe der jüdischen Gesamtheit, sondern um der Fort- Setzung des Werkes zugunsten des ganzen jüdischem Volkes. Der jtscliuvv hat wahrend der Unruhen auBerordentliehe finanzielle Opfer gebracht. Es sei nicht nur unsere Pflicht, sondern auch im gesamtjüdischen Interesse, ihm unsere Hilfe tatkräftig angedeihen zu lassen. (Lebhafter Beifall.) Die Bedeutung der arabischen Bewegung soll niemand verkennen. Zu einer energischen Durchsetzung^ der jüdischen Ansprüche sei es aber notwendig, daß die Gesamtheit des jüdischen Volke» das Werk mit allen Mitteln unterstütze und dem Aufruf der Jewish Agency zur Teilnahme am Mifal Bizzaron folge. Die Debatte Die auf die Referate folgende Debatte wurde mit einer Rede von Rabb. Dr. H o f f m a n 11 (Frankfurt a. M.) eröffnet, der die Bedeutung Palästinas vom religiösen Standpunkt aus charakterisierte. Wir kämen nicht nur auf Grund der Baifour •Deklaration, sondern auch auf Grund unserer Btbel ins L.:!ml. Und es sei ein religiöses Verdienst, Städte und Siedhingen in Palästina zu errichten. Dr. Friedrich Bradnitz betonte, es sei gut, alle Gegenkräfte zu kennen und zu verstehen, dennoch dürfe man sich ihnen nicht beugen. Die Zeit sei jetzt da, geschlossen zusammenzustehen und das Werk zu einem guten Ende zu führen. In dieser Hinsicht gebe es keinen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzioitisten. Auch Rabb. Dr. Hahn (Essen) unterstrich die Solidarität der Nichtzionisten und stellte die Forderung auf, daß die Agency Fachleute in die einzelnen Orte schicken müsse, um die Schulunggarbeit zu fördern. Der Vorsitzende des Präsidialausschuises der Reichtvertretung, Dr. Otto Hirsch, wie» auf die Frankfurter Erklärung der Reichsvertretung hin, und führte aus, die Ein- Wanderung nach Palästina sei für die Juden in Deutschland heute eine Lebensnotwendigkeit. Aber nicht nur dies, sondern Palästina sei tief in unserem Herzen verankert und ein Stück unseres wirklichen Lebens. Und es verbindet uns mit Palästina schließlich auch der Glaube, daß dort ein K. Paris, im November Der Abschluß des französisch-syrischen Verträges, der die. Anerkennung der syrischen Unabhängigkeit in sich schließt, ist in Syrien und in den meisten anderen arabischen Ländern mit großer Freude aufgenommen worden. Allgemein wurde anerkannt, daß der Vertrag Syrien alle Konzessionen macht, die es gereclUerweise von Frankreich erwarten konnte. Die syrischen Unabhängigkeitsbestrebungen wurden erfüllt. Der Eindruck, daß der französisch-syrische Vertrag von den arabischen* Führern gut geheißen wird, wird auch durch eine interessante Unterhaltung bestätigt, die ein französischer Journalist kürzlich mit Emir Arslan, dem Generalsekretär des syrisch-palästinensischen Komitees in Genf, geführt hat und die im ״Temps“ veröffentlicht wird. Emir Arslan erklärte seit» Zustimmung zu dem neuen Vertrag. ״Die Wirkungen des Vertrages“, so sagte er u. a., ״auf die Beziehungen Frankreichs zu seinen anderen arabischen Untertanen werden ausgezeichnete sein. Keins der nordafrikanischen Länder, die von Arabern bewohnt sind, will sich jetzt von Frankreich trennen. Allerdings erwarten die Nordafrikaner eine Behandlung seitens Frankreichs, die nicht der Ausdruck einer Minderbewertung der Araber ist und die nicht nur die Eingeborenen als Material für die französische Armee und als Arbeiter für die französischen Unternehmungen ansicht,“ Emir Arslan benutzte die Gelegenheit, um sich gegen die auf ihn gerichteten Angriffe: er sei im Solde von fremden Mächten, zu verteidigen. Er gab andererseits seiner Bewunderung für Mussolini Ausdruck, ״der die arabischen Bestrebungen stets unterstützt hat und der nach der Eroberung Abessiniens der mohammedanischen Bevölkerung dort eine besonders vorteilhafte Behandlung bat zuteil werden lassen“. Der französische Journalist, Andre Ravnatid, hat außerdem mit dem früheren persischen Premierminister Ziacd-Dinc Tabatabei und dem führenden Mitglied ries syrisch-palästinensischen Kongresses, ihsaa Bcy ei Jabri, Fühlung genommen, die sich beide in einem für den französisch-syrisehen Vertrag günstigen Sinne ausspradieti. Trotz dieser zustimmenden Erklärungen von teilweise radikal-rationalistischen arabischen Führern' mehren sich aber die Meldungen aus Syrien und aus dem Libanon, die aut einen zunehmenden Unruhezustand in diesen Gebieten hinweisen, Die letzten Wochen wurden einmal durch eine S t r e ik h e w e g u 11 g gekennzeichnet, die einen großen Teil der Industrien in den Levantestaaten erfaßte, als Folge der Abwertung des französischen Franken, die eine brüske Steigerung der Lebenshaltungskosten zur Folge hatte. Auf der anderen Seite sind aber auch politische Unruhccrschciniingcn festzustellen. Hier ist vor allein die Agitation einer relativ kleinen Gruppe von nationalisti• scheu Führern gegen den neuen französisch-syrischen Vertrag zu nennen. Die von den Verhandlungen ausgeschlosseneu Führer fürchten vor allem, daß die Führer״equipe“, die den Vertrag dem Parlament vorlegcn wird, später auch die Verwaltung des unabhängigen Syriens in die Hand bekommen wird. Sie wehren sich daher gegen den Ausschluß von der Macht und versuchen die Masse der syrischen Bevölkerung durch besonders radikal« , Forderungen zu, gewinnen. Diese Forderungen: volle und sofortige Unabhängigkeit, keine Bindung an Frankreich tisw. werden auch von einem Teil der . fanatisierten Jugend in Syrien unterstützt. Trotz dieser radikalen Opposition, die in ihrer Agitation vor keinem Mittel zurückschreckt, nimmt inan aber in französischen Regierungskreisen an, daß die verständigen Elemente den Sieg davontragen und daß der Vertrag mit großer Mehrheit vom syrischen Parlament gutgeheißen werden wird. fm Augenblick ernstere sachliche Probleme werden durch die Unruhe der Minderheiten in den neuen unabhängigen Staaten aufgeworfen. Trofz der im französisch-syrischen Vertrag vorgesehenen Garantien der Minderheitsrechte sind die Widerstände der Minderheiten gegen einen Anschluß an den neuen syrischen Staat sehr lebhaft. Bereits kürzlich wurde an dieser Stelle auf die Besorgnisse der türkischen Minderheit im Sandschak von Alexandrette und auf die politischen Probleme, die durch die Intervention der Türkei aufgeworfen worden sind, hingewiesen. Aber auch die Alouitcn und die Drusen wehren sich gegen eine Eingliederung in die Bevöikerungsmehrheit im neuen syrisehen Staat. Unter Vermittlung Frankreichs sind zur Zeit Ver- Handlungen zwischen Syrien und den Führern der Minderheiten im Gange, die die Besorgnisse zerstreuen und eine Eingliederung in den neuen Staat ermöglichen sollen. Selbstverständlich soll die nationale Sonderexistenz der Minderheiten aufrechterhalten werden. Besonders gelagert ist das Minderhcitenproblcm im Libanon, wo die mohammedanische Minderheit den Anschluß an Syrien fordert. Die Unzufriedenheit der mohammedanischen Minderheit im neuen Libanonstaat ist die Ursache der schweren Unruhen, die sich kürzlich in Tripoü ereigneten und die erst nach Heranziehung von Militär niedergeschlagen werden konnten. Die jiidiach• Minderheit Wenn das Minderlicitenprohfcm bei den französischsyrisch-libanesischen Verhandlungen eine wachsende Rolle spielt, so ist von dem Schicksal einer großen und aktiven Minderheit, den syrischen Juden, bisher kaum die Rede gewesen. In Syrien leben ca. 25 000 Juden, die jetzt den Machtnabern des netten Staates ausgelicfert sind. Nach den Vorgangen in Palästina und vielleicht mehr noch nach den letzten antijüdisclien Exzessen im Irak ist die Nervosität unter den Juden in Syrien sehr groß. In der französisch-jüdischen Zeit- Schrift ״Samedi“ veröffentlicht Pierre P c r a 1 einen Mahnruf an die französishen Juden, ihre Glaubensgenossen in Syrien nicht zu vergessen. ״Die Juden, die für ihre eigene Be• freiung kämpfen, können und wollen keineswegs gegen den französisch-syrischen Vertrag und die syrische Unabhängigkeit Stellung nehmen. Aber es steht zu befürchten, daß in Syrien wieder einmal die Juden der Siindenbock für alle Schwierigkeiten werden. Schon jetzt wird in Syrien die jüdische Minderheit von der arabischen Mehrheit terrorisiert. Im Jahre 1031 zählten Damaskus und Aleppo 18 000 Juden. Heute ist die Zahl auf 8000 gesunken, da die anderen infolge des Terrors und des Boykotts abgewandert sind. Wie wird ihr Schicksal nach dem Abzug der französischen Truppen sein?“ Und Pierre Pcral veröffentlicht in diesem Zusammenhang den Brief eines ungenannten Juden aus Beirut, der — wenn die Angaben der Wirklichkeit entsprechen ׳— allerdings zu ernsten Besorgnissen für die Juden in den Levante- Staaten Anlaß geben würden. ״In Beirut wird der Boykott gegen die jüdischen Kaufleute usw. organisiert. In Hamaskus und Aleppo verlassen viele jüdische Familien die Stadt. Das jüdische Viertel in Damaskus ist in letzter Zeit mehr als zehnmal von der fanatisierten Menge angegriffen worden. Nur der bewaffneten Macht — und den Mahnungen der in Paris verhandelnden arabischen Führer, die ein Scheitern der Ver- Handlungen verhindern wollten, ist es gelungen, die Juden zu retten. 111 Sidon mußte die Polizei auf die Menge schießen, uin ein ■Pogrom zu verhindern. Zu der physischen Bedrohung tritt die psychische Demütigung und der wirtschaftliche Zu sammeiibrucli. Die Gemeinden verarmen immer mehr. Die syrischen Juden gehen dem Untergang entgegen. Die syrischen Führer werden — auch bei gutem Willen — nicht imstande sein, die fanatisierte Menge von Angriffen gegen die Juden zurückzuhalten,“ Die Lage der syrischen Juden verdient jedenfalls ernsthafte Prüfung durch die zuständigen jüdischen Instanzen. Werlt von Überzeitlichem Wert (feschaffen wird. Darum müsse die Reichsvertretung ihre Stimme erheben und ihre Mithilfe an diesem Werk bekunden. Wem wir Opfer für Palästina bringen, so sei dies nicht nur ein materieller Vorang, sondern die Bekundung einer Gesinnung, ie alle zu einigen vermag. Darum sei es notwendig, daß der Einzelne nicht etwa infolge anderer Ansprüche sein Opfer halbiere, sondern es verdoppele. Es sprachen sodann eine Reibe von Rednern im Namen von Landesverbänden und Gemeinden mit Einhelligkeit die Sympathie der durch sie vertretenen Körperschaften für das Palast inawerk aus und versprachen die tätige Mit wirkun g an der Mifal-Bizzaron-Aktion und den vollen Einsatz aller Kräfte. Die Redner waren: Kainmergcriehtsrat a. D. Wolff für den Preußischen Landesverband, Prof. Stein (Karlsruhe) für die süddeutschen Landesverbände Bayern, Baden, Württemberg, Herr Schocken (Dresden) für den sächsischen Landesverband, Herr Hugo Hecht für die Getneindc Frankfurt a. M., Rechtsanwalt David für die Gemcinde Hamburg, Herr Hodes für die Gemeinde Leipzig und Herr Markowitz für die Gemeinde Breslau. Für die Berliner Jüdische Gemeinde, die durch Amtsgerichtsrat a. L). Kurt Tuchler und Herrn Adolf Schoyer vertreten war, gab Herr Schoyer beim Teeahend eine Erkiärting namens des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde ab, in der er sich den Erklärungen der Landesverbände und Gemeinden anschloß. Zum Schluß der Debatte appellierte Im Namen der ZVfl). Dr. Hans Friedenthal an die nichtzionistischen Freunde, nicht bei der Bekundung ihrer Sympathien stehenzubleiben, sondern diese Haltung im täglichen Leben in die Tat umzusetzen. Die Nichtzionisten müßten den Beweis erbringen, daß eine Mobilisation der gesamtest Judenheit möglieh ist und daß wir Vertrauen zu unserer eigenen Sache haben, dann werden auch die Unterschiede zwischen den Parteien verschwinden. Palästina sei ein Prüfstein für die Kraft, die noch in uns vorhanden ist. Die Versammlung nahm sodann die auf der ersten Seite abgedruckte Resolution an. Auf Vorschlag von Dr. B a e c k wurde ein Telegramm an Dr. Weiz mann gerichtet, das gleichfalls auf der ersten Seite wiedergegeben ist. Sodann wurde die Konferenz mit Dankesworten Dr. Baecks geschlossen. Festlicher Aaiklang Aus der nüchternen Arbeitsatmoäphäre der Tagung führte ein von den Mitgliedern der Jewish Agency, des Keren Hajessod und der ZVfD. veranstalteter Teeabend am Sonntag in, eine Atmosphäre der Feierlichkeit und der Ergriffenheit. Die Säle des Brüdervereinshauses waren überfüllt von einer erwartungsvoll gestimmten, festlich gekleideten Menge, die die Reden dieses Abends mit ebensoviel Aufmerksamkeit wie Beifall hinnahmen, Wieder leitete Dr. Leo Baeck das Zusammensein mit einer Rede ein, in der er die Aktivität des Jischmv in Palästina als eine Verpflichtung für uns ausdeutete und verlangte, daß das, was in Palästina geschehen ist, für uns kein bloßes Schauspiel bleiben dürfe, sondern uns zur Aktivität des Opfers veranlassen müsse. Die Stintmung dieses Abends dürfe kein bloßes Gefühl bleiben. ״Was nützt Musik ohne gute Werke“, habe bereits Konfutse gefragt, jeder müsse nach seinem Können leisten, was das jüdische Volk von ihm erwartet. Es wurden dann eine Reihe von Ansprachen gehalten. Rabb. Dr. Jakob H o f f m .1! ו: ד (Frankfurt a. M ) erklärte, die Leistungen des Jischuw während der letzten sech» Monate bedeuten für die Golaii die Verpflichtung, den Jischuw moralisch und finanziell zu siüt/cn. Vor aller Welt aber müssen wir kundtun, daß wir dem Geist unserer Geschichte treu geblichen sind und Hindernisse 1111s nicht lähmen können. Alsdann sprach wieder die unermüdliche, stets vom Feuer der Begeisterung erfüllte Mrs. S i eff, die mit besonderer Eindringlichkeit das Bild der jüdischen Haltung während der Unruhen zeichnete. Die innere Kraft Palästinas hat die Krise, die mit dem abcssinischcn Krieg hcraufzuzichcn drohte, abzuwehren vermocht und aus eigenen Mitteln alle Schwierigkeiten überwunden. Wozu also dann die Aktion de» Mifal Bizzaron? — werde man fragen. Die Antwort ist: weil Palästinas Aufbau ein historischer Pro zeit des jüdischen Volkes ist. Mrs. Sieff schloß ihre Ausführungen mit dem Bekenntnis, daß der Wille des jiidisehen Volkes zur Verteidigung des Landes und zum weiteren Ausbau unserer Positionen unerschütterlich sei. Dr. Friedrieh Brodnitz wandte sich in seiner Rede gegen die Schabionisierung der Begriffe ״Zionisten“ und ״Nicht/ionisten“ und wies auf die vieler, Gemeinsamkeiten in dir Arbeit hin. Auch er forderte ein sichtbares Bekenntnis di- Herzens und der Tat zu Palästina. Dr. Max Grünewald (Mannheim) sprach über unser Verhältnis zu den Arabern und zu den Engländern, wobei et vor allem die Notwendigkeit einer Verständigung mit den Arabern betonte. Palästina sei für uns Juden eine geschichtliche Wahrheitsprobe, du: um unserer Existenz willen erbracht werden müsse und vor die heute jeder Jude gestellt sei. Den Abschluß des Abend* bildeten Ausführungen von Dr. Hans Friedenthal, i” denen eine wirtschaftliche und politische Bilanz des letzten Jahres und insbesondere der vergangenen sechs Monate in Palästina gezogen wurde, ferner dargclegt wurde, wie der Jischuw den Anforderungen dieser Zeit zu entsprechen vermochte und in denen zum Schluß die ökonomischen und politischen Grundlagen der Mifal-Bizzaron-Aktion präzisiert wurden. Musik gab diesem Abend ein besonderes Gepräge. Das Kulturbundorchester unter Leitung von Dr. Kurt Singer spielte eingangs das ״Lied aus Dybuk“ von Joel Engel und zur Einleitung des zweiten Teils des Abends den 4. Satz aus der Schottischen Symphonie von Mendelssohn-Barthold'■ Als die Versammlung zum Abschluß des Abends die Hatikwan sang, klang «s wie ein feierliches Gelöbnis zu Mut, Vertrauen und verstärkter Einsatzbereitschaft für das jüdische Volk. _

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