Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 92 (17.11.1936)
- Date
- 1936-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92» 17. XI.!936 Auswanderung^ - Hille Der ,,Council for German Jewry“ berichtet Emigranten, das Werk der Jewish Agency in Pa* lästina sowie die Erfahrungen der jewish Colonization Association und der I licein. In den Schlußfolgerungen empfiehlt der Bericht dem Ausschuß: 1. Die Durchführung einer allgemeinen Aus* spräche über das Problem der kolonisatorischen Wände* rungeii; 2. die Prüfung der Zweckmäßigkeit eventueller weiter c r Studienreisen nach anderen Ländern; 3. die Veranstaltung einer Rundfrage der Experten in verschie* denen Ländern auf schriftlichem Wege und 4. die Prüfung der Frage, ob es zweckmäßig wäre, eine Expertenkonferenz aller interessierten Länder cinzubcrufcn und, für diesen Fall, die Festsetzung der Tagesordnung für eine solche Konferenz, zwecks Durchbesprechung sei es aller, sei es gewisser in dem Bericht aufgeworfener Fragen. Wie• wir erfahren, wird der Vertreter der polnischen Regierung in diesem Ausschuß über die demographisehen Probleme Polens, mit besonderer Berücksichtigung der Auswandeiungsbedurfiiisse der jüdischen Bevölkerung, sprechen und darauf dringen, daß eine Expertenkonferenz schon irr! Frühjahr 1937 Zusammentritt, damit der Völkerbund- Versammlung im September 1937 schon ein entsprechend konkretes Material in diesen Fragen vor}׳elegt werden kann. Wie erinnerlich, wurde einem polnischen Antrag zufolge auf der letzten VöJkerhtindversaminlung beschlossen, das Probien! der Emigration auf die Tagesordnung der Vöikerlnmdversammlung im Jahre 1937 ciiuutragen. Kurt Blumeitfeld in Wien Auftakt zur , ,Bizzaron“ - Aktion Von unserem Berichterstatter j. R, Wien, 15, November Seit voriger Woche weilt Kurt Blumenfehl iti Wien, um hier ehe ״Bi/zaron-!1. Bitachoii-Aktion“ cin/uleiten. Für die Aktion hat rieh, ähnlich wie in anderen I.ändern, ein spezielles Komitee gebildet, das unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt l)r, Herbert Schutz m a n ri die bedeutendsten Repräsent:!ulen lind 1 ׳ersou'i.'hfeiten des geistigen, Wissenschaftliehen 111-,cl politischen Lebens des Wiener Judentums vereinig(. So gehören ihm unter anderen an: Richard Beer- H o t 111 a!1 11, I’roles-or SK.gntumf 1׳ r e u d, Adolf Böhm, Bundeskiiiut! rat Hotrat F r;1!1 k f u r t e r, Präsident der Kultusgemeinde Staaurat l)r. F r i e d m a 11 n, Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Fi h r I i c 11, der trübere Präsident der «Anwaltskammer J)r. Siegfried Kantor, und zahlreiche jüdische Lnivcrsitiitsprofessoren. Das Komitee hat sich mit einem warmen Appell, der von s;t!ntiiehen Mitgliedern unterzeichnet ist, an das jüdische Wien gewandt, diese Aktion nach Kräften ZU lmterstüt/1!1. Den Auftakt der Aktion bildete ein vom Bizz.iron-Komitce einbernferur allgemeiner Presse- L in p f a!1 g im Hotel «Metropoie, zu dem die bedeiitemKjen Wiener Tagesblatter (einschließlich der amtlichen ״Wiener Zeitung“) ihre Vertreter entsandt hatten. In einer überaus charmanten, vor! geistreichen Apercus gewürzten Art, die von den zahlreich erschienenen Journalisten mit großem Beifall atifgenommen wurde, machte Blumciifild sehr interessante und insbesondere für die Vertrefer der nichtjüdischen allgemeinen!,resse aufschlußreiche «Mitteilungen über die gegenwärtige politische Situation in Palästina und die Anstrengungen, "die jetzt int Rahmen der ,,Bi/zan!«“-Aktion in .aller Welt zur Stützung des jüdischen Aufbauwerkes gemacht werden. Li׳• gesam.e Wiener Presse brachte in größerem Rahmen Referate über die Mitteilungen Kurt Blumenfelds, wohei auch vielfach auf die interessante‘ Persönlichkeit Bhtmenfeids hingewiesen wurde. Der Vortrag BlumenfeUis ״Schicksal und Oestaltun?״ int vollbesetzten <>ffetihachsaal bedeutete ein Ereignis im jüdisch-geistigen!.dien dieser Stadt. Dem Vortrag, der als erde öffentliche Veranstaltung des «Mita! Bizzaron galt, wohnten zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen jüdisdieu!.eben bei. Der 111-tnnkiT und Sozidoge Binmenfeld gab eine tiefschürfende Analyse des Schicksals des indischen «Menschen in den letzten lahrliumlcrten, wohei er besonders die Epoche der t m;m/ipaban mit ihren vielfältigen, ins Lehen der Juden < hischiieälenden Verästelungen beleuchtete, tun, ohne im entfenitcdcn je bei den /ulnir• ru den Eindruck der Propagandarede auikomiiien zu lassen, aut das Lutsche■■!!ende unserer Taue, auf das Bekcmitiiis zur eigenen Fienreiu schaff, zum tigcuiii I t bciisr.uiin׳■. zur eigenen schopfcri-dicn Arbeit in Pal!stiu,ו zu sprechen zu kutnmen. Der Redner schloß seine go ,״r1 :•0!«:ge I ).111!■ ning 111;! der Vision vom Werden einer neuen W! 1* in Palästina, wo cm Volk geboren wird. Das Pub'iikiuii ■dank!..• mit situ׳n11'cln׳n1 Beifall. ln rin! m (. lespräch mit den•! Wiener j T «V - Vertreter .äußege sich Bhiuient'eld bögcmlcnnaßen über die politische Lage im Z11-an1nu1!׳hat!g mit de» l/'nruheil in Palästina: ,.Die 1'nnihcn in Palästina sind nicht durch das Wachstum der judiseiu ח Nedlun;; und durch zionistische Aspiradunen ve: tu-a. ht. Die a r;1 h 1 ■י c 11!־ W e 11 strebt völlige Souvei.niitat an, und düs ist die Lrsadie fortwährender Uliruhen in aiPu arah!selten Gebieten. Bezeichnend hierfür ist der letzte Staatsstreich iin Irak, der a!H ihr iti sehe Tendenz, zeigt. Die polnischen Aussichten des Zioirismil‘: haben sich dadurch wesentlich verbessert, daß im arabischen Lager die Extremisten wieder die Oberhand bekommen haben, während die Jewish Agent v den Weg loyaler Politik geht. Palä״ stina hat wahrend der t hirutieii ei : ׳ war : .“׳ß'ire pol i t i s c h c Reife und wirtschaftliche Widerstandskraft bewiesen. Auch Nilik A. Hartbrodi, Berlin C2, König5fr. 79 I W Uhren / Gold־ u. Silberwaren | in dieser Zeit sind 22 O'ti) jüdische Einwanderer neu absorbiert worden. Die ZabI der Arbeitslosen betrug vor den Lnnihett 7000 und am 1. Oktober 1936 kaum 3000, obwohl inzwischen IS000 neue Bewerber um Arbeitsplätze aus den Reihen der Einwanderer hiu/ugekornmen sind. Sämtliche jü* dischen Positionen, auch vorgeschobene Siedlungen, konnten gehalten werden. Der engere Ausschuß des Zionistischen Aktions-Conotes hat mit votier Deutlichkeit jede Unter- <1 r ü c k n n g s p o 1 i t i k g egen ü her den Arabern abgelehnt. Politische Parität in nationalen Fraget! wird von ihm verlangt und zugesichert.“ Zürn Schluß sagte Blumen leid noch einiges über die Aktion des Mifal Bizzaron. An ihrer Spitze stünden in England neben Wei/mann noch Lord Bearsted, Lady Reading, Lord Mdclutt und Sir Herbert Samuel. In Amerika hat sich Oberrichter Louis R r a n (I e i s mit einem Betrag von 35 000 Dollar in di!• Reihen der ersten Spender gestellt.־ Angesichts der bevorstehenden politischem Verhandlungen sei die finanziehe Stützung des Jischuw־ für den Erfolg der Jewish Agency von höchster Bedeutung. London, 12. November. (JTA.) In einem soeben veröffentliehtcn Zwischenbericht der englischen Abteilung des Council for German Jewry wird mitgeteilt, daß durch dicseH Abteilung bis ztun 30. Oktober 1936 719 512 Pfund für konstruktive Aufgaben aufgebracht worden sind. 319 610 Pfund wurden vom Council bereits für die Durchführung einer Reihe von Projekten verausgabt. Unter den Auswanderung»• und Berufs um• schichtungsplänen, die vom Council gefördert werden, ,befindet sich zunächst ein Plan der Jewish Agency, nach dem 1500 Jugendliche aus Deutschland mit einem Kostenaufwand von 150(100 Pfund in bestehenden Siedlungen in Palästina untergebracht werden sollen. Weitere tausend Auswanderer seilen in Palästina landwirtschaftlich ansgebildet und angesiedelt werden. Vierhundert Familien sollen mit einem Kostenaufwand von 100000 Pfund als Handwerker angesiedelt werden. Zur Verwirklichung dieser Projekte trügt der Council 1/5 000 Pfund bei. In dem Bericht wird festgestejlt, daß im ersten Halbjahr 1936 etwa 3000 Juden aus Deutschland sich in Palästina niedergelassen haben. Ein zweiter Plan, zu dessen Verwirklichung der Council mithelfen will, ist van den maßgebenden jüdischen Stellen in Deutschland selbst ausgearbeitet worden. Er betrifft die direkte A 11 s w a n d e r 11!1 g von J u d e n aus 1 Deutschland in überseeische Länder, die Rückwanderung in Deutschland ansässiger ausländischer Juden in ihre Heimat und die Schulung und Umschulung in handwerklichen Berufs/weigen im Hinblick auf künftige Auswanderung. Die Berufsschulnng und Umschulung soll sich auf 5000 junge Leute im Alter Von IS bis 35 Jahren und auf 5000 schulentlassene Knaben und Zum BeschäStiguitgsverbot arischer Hausgehilfinnen Privathaushalt und gswerUicher Betrieb Die ״Deutsche Justiz“ vom 13. November 1<)36 veröffentlicht den Wortlaut des zu diesem Rechtsgchict ergangenen, in der »Jüdischen Rundschau“ vom 21. Juli 1936 bereits erwähnten Urteils des Landgerichts Hämin vorn 8. Juni 1936. Angeklagt war rin Jude, der in seinem Hause einen gewerbsmäßigen Mittagstisch betrieb, der hauptsächlich von Juden, aber auch von deutschen Gästen besucht wurde. F'ür diesen Betrieb und seinen privaten Haushalt hatte er zwei arische Hausgehilfinnen, die mit Rücksicht auf das Verbot des Blutschutzgesetzes entlassen wurden. Eine von ihnen, die die Steile am 31־, Dezember 1935 verlassen hatte, kehrte am 3. Januar 1930 zurück, um sich noch Sachen und das Zeugnis ab/uholcii, und vereinbarte hierbei mit dem An geklagten, daß sie für den bisherigen Lohn von 25 RM. monatlieh wieder tätig werdet! sollte, aber nur für den gewerblichen Betrieb bis 4 Uhr nachmittags. Als diese Hausangestellte, die Zeugin D., darauf hinwies, daß ihr 50 Pf. täglich Eahrkosteu entstehen würden, wenn sie nach 4 Uhr nach Hause fahre, erlaubte ihr der Angeklagte, das von ihr früher bewohnte Mnusarden/inuncr wieder zu benützen. — Die Zeugin hatte das Eßzimmer für die Gäste und die Küche in Ordnung zu halten und das Essen zuzubereiten und aufzutragen. Die Küche diente gleichzeitig dem Gewerbebetrieb lind den! privaten Haushalt des Angeklagten. Um 16 Uhr verließ die Zeugin immer das Haus und kehrte abends rurück. Am 11. Januar 1936 wurde sie von der Polizei zum Verlasse!! der Dienststelle veranlaßt. Der Angeklagte berief sich darauf, daß die Zeugin ausschließlich für de n G ew er bebetrie b eingestellt worden sei und nur für diesen Arbeiten verrichtet habe. Fr habe sie auch sechs- bis siebenmal darauf hingewiesen, daß sie keine Hausarbeiten für seinen privaten Haushalt verrieb- Ehrungen für BrandeSs Der Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Louis Dcinbitz B r a n d e i s, war anläßlich seines SO. Geburtstages arn 13. November Gegenstand vielfacher Ehrungen durch die führenden Persönlichkeiten aller Gebiete des amerikanischen öffentlichen Lebens. Präsident Roosev e 11 hat an Brandeis ein herzliches Glückwunschschreiben gerichtet. Vizepräsident John N. Ganter, die Mitglieder des amerikanischen Kabinetts und die Gouverneure der anierikaniüchen Bundesstaaten brachten Brandeis ilire Huldigung und die Anerkennung für die hervorragenden Dienste dar, die er in jahrzehntelanger Arbeit der Nation geleistet hat. Die gesamt(־ Presse beschäftigt sich eingehend mit dem Jubiläum und rühmt Brandeis als ״großen Amerikaner und groß e n J u d e 11“. Jerusalem, 13. November. (Palcor) Aus Anlaß des 80. Geburtstages von Louis Brandeis fand am 13. d. M. in! Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem eine Feier statt, der sämtliche prominente Persönlichkeiten des jischuw und Vertreter aller Parteien beiwohnten. Ussischkin, der den Vorsitz führte, schilderte in einer beredten Anspräche die Persönlichkeit und Seeieugröße des Jubilars; er erzählte, wie Brandeis zum Zionismus kam, und erklärte die Bedeutung seiner einzigartigen Stellung innerhalb der Bewcgung; ferner erwähnte Ussischkin seine Zusammenkünfte mit Br and eis in Amerika. Zum Schluß drückte er die herzlichen Glückwünsche des Jischuw an Brandeis ans. Der nächste Redner, Dr. Magnes, schilderte Brandeis’ Platz im Leben Amerikas. Emmanuel Neu mann gab eine Uebersicht des amerikanischen Zionismus vor Brandeis und nach seinem Eintritt in die Bewegung; er wies darauf hin, daß Jahre vergehen mußten, bevor die Zionisten Brandeis verstehen lernten; jetzt aber seien seine einstigen Gegner in Anhänger und Schiller umgcwandelt worden. Danach sprach eit* Vertreter der Siedlung ״Kfar Brandeis“ bei Gliedert!, der die Glückwünsche der Siedler zum Ausdruck brachte. Zum Schluß sprach Ben Gurion, der sagte, daß Brandeis wahrscheinlich der einzige Jude sei, der in die (ie* schichte von zwei Völkern, des amerikanischen und des jüdischen, eingehen wird. Nur wenige wissen von der grollen Rolle, die Brandeis in der zionistischen Bewegung spielt. Wenn ein frommer Jude in Palästina ankomme, so sei sein erster Gang zur Klagemauer; wenn er, Ben Ourion, in Amerika eintreffe, so gelte sein erster Besuch Louis Brandeis. In schweren Zeiten bedeute es den verantwortlichen Führern der Bewegung sehr viel, zu wissen, daß in jenem großen Lande dieser große Mann lebt, der nie aufhört, an den Vorgärigen in der zionistischen Welt engsten Anteil zu nehmen. Der Vorsitzende verlas ein (i 1 ü c k w t! n s c 111 e i egramm, das namens der Versammlung an Brandeis abgesandt wurde. Mädchen erstrecken. Der Council will im Einvernehmen mit dem Joint Distribution Committee die in den letzten Jahren für diese Zwecke geleisteten Zuschüsse aufrechterhalten und außerdem weitere 30 000 Pfund für den Ausbau dieser Arbeit aufbringen. I in weiteres vom Council gefördertes Atiswanderungs- Projekt ist das Hias-Ica Emigration Association (Hiccm). ln den ersten sechs Monaten des Jahres ist monat* lieh 125 Personen Auswaiidcrungsliilfe geleistet worden. Nachdem aber in den «Monaten Juli und August das Programm mit Hilfe des Council in vollem Umfang verwirklicht werden konnte, ist die Zahl derjenigen, denen Auswanderungshilfe zuteil wurde, im Juli auf 1622, im August auf 1706 gestiegen. Die G e s a m t k o s t e n des Auswamleningsplaiies betragen eine halbe Million Pfund. Mit dieser Summe glaubt man, im Jahre 1936 die Auswanderung von insgesamt 25 000 Personen teils unmittelbar aus Deutschland, teils aus den zu vorübergehender Niederlassung gewählten Nachbarländern hewerkstelligen zu können. 40 000 Pfund sollen zur Unterstützung aus Deutschland ausgewanderter Juden verwendet werden, die sich in England aufhalten. Die Ica (Jewish Colonisation Association) leistet, wie in den! Bericht weiter inifgeteilt wird, zu diesen Arbeiten einen Beitrag von 65 000 Pfund. Vom Joint Distribution Committee erwartet mau einen Beitrag Von 200 000 Pfund; 40 000 Pfund davon sollen für Hilfeleistung an Auswanderer in Amerika verwendet werden. Zum Schluß wird betont, daß es dringend notwendig erscheint, das Ziel der Sammelaktion zu erreichen, das in der Aufbringung von einer Million Pfund in England und anderen europäischen Ländern besteht. ter» dürfe. Sie sei auch nicht in die Hausgemeinschaft aufgeliommen worden und das Mansurdenzimmer habe er ihr nur aus Gefälligkeit zur Verfügung gestellt. Das Berufungsgericht ist diesen Ausführungen des Angeklagten nicht gefolgt und hat die vom Schöffengericht ausgesprochene Bestrafung; a 11 f r e c h t e r 11 a 11 e n. Das Gericht nahm an, daß eine Aufnahme in die Hausgemeinschaft vorlag, zumal die Verhältnisse, unter denen die Zeugin sich vorn 3. bis 11. Januar 1936 in dem Hause des Angeklagter, befand, sich insoweit nicht wesentlich von denen ihrer früheren Beschäftigung bis zum 31. Dezember 1935 unterschieden. Weiter stellt das Urteil fest, daß die Zeitgin nicht lediglich für den gewerblichen B e t r i e b a 11 e i n tätig gewesen sei. Eine reinliche Scheidung zwischen dem privaten Haushalt und dem gewerblichen Betriebe, mag sie auch in der kurzen Zeit von acht Tagen bis zu einem gewissen Grade durchgeführt worden sein, sei hei dein geringen Umfange des Gewerbebetriebes auf die Dauer gar nicht möglich. In diesem Zusammenhänge heißt es in den Urteilsgründen u. a.t ״Das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der dcutsehen Ehre u;11cua״t ehe Be-cliii l'iigung von dcubelim Hau-angcstellen, ■weil es schon die M!1 gl i c h k c i t. «!er s i t t1 i c 1! e n G e f;« h r d u n g ׳k׳r«ell«!'n verUmlem will K-. wüi.lr«!ן!■!!! Grund« gedanken des tieset zgebers und d«׳m na: 1<«n:1bnzi;1li'.1 G'hen Grund- «.a'.z der Rassereinhei! svidersprrrlaoi. \voliu■ man die Vor«rhnft der §§ 3. 5 Absatz 3 und 7 des Gesetzes zum Selmtzc des dcutseiien lilmes und der deutschen Flire vom 15, September 1935, die einen reinen Gefühl!InngUntliosland l>e:n!'f!, nicht :null auf einen Fall der vorliegenden Art anwenden, wo cs sie!! ebenfalls um eine ״Bescliüftigtmg von T lausange-tcUton‘• im •Sinne die-cr Bestimmung handelt und eine rler Sachlage innewohnende Gefahr der Itlnlmischuny vorliegt. Diese Gofiilirdiing war hier hei der zwang;.,läufigen Vermischung des privalen }!au-hals mit dem < Icv.-mbcln׳!rieh genau so gegeben, als wenn cs *ich lediglich um einen Privathaushalt gehandelt hat!!:,“ Französisch-libanesischer V ertrag: Von unserem Pariser Berichterstatter K., Paris,!וזו November Der französisch-libanesische Vertrag ist nach längeren Verhandlungen, die auf französischer Seite von dem Hochkommissar de Marte! auf libanesischer Seite von einer Delegation, die sich aus den Parteiführern der Republik zusammensetzte, in Bcyrouth unterzeichnet. Es handelt sich vorläufig nur um einen Vorvertrag, der erst von einem neu zu wählenden libanesischen Parlament ratifiziert werden muß. Es ist beabsichtigt, die Wahl e 11 im L i b ,1 n o n am 1. Dezenther abzuhalten. Der neue Vertrag schließt sich eng an den französisch-syrischen Allianzvertrag, der bekanntlich vor einiger Zeit in Paris unterzeichnet wurde, an. Fr stellt die Un* abhängigkeit und die Souveränität der libanesischen Republik fest, unterwirft aber das neue Regime einer U e 1! e r g a n g s - Periode von 3 Jahren, nach deren Verlauf Frankreich das Mandat aufgeben wird. Nach dieser Periode wird Frankreich die Aufnahme des neuen Libanonstaates den Völkerbund Vorschlägen und an die Steile des ,Mandates tritt der Allianzvertrag zwischen Frankreich und dem Libanon. Auch im Libanon werden französische Truppen weiter stationiert bleiben, um die für Frankreich wichtigen strafegischen Punkte zu sichern. Diese Truppen werden aber in die inneren Verhältnisse des Libanon nicht eingreife«. Es ist die Schaffung eines libanesischen Heeres unter französischer Kontrolle beabsichtigt. Der neue Vertrag sieht gleichfalls Garantien für die ethnischen und religiösen Minderheiten in der neuen Republik vor. Der Abschluß des Vertrages ist in Beyrouth mit großen Freudenkundgebungen aufgenommen worden. (Siehe auch Seite 4.) Vergehen gegen das Nürnberger Gesetz. In Stendal wurde laut Presseberichten ein Mann, der jüdischer Abstanimung und 1928 zum christlichen Glauben nbergetreten ist, zu einem Monat Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe '׳erurteilt, weil er vom April bis September 1935 ein 23jahrigcs arisches Mädchen in seinem Haushalt beschäftigt hatte. Der Angeklagte versicherte, in Unkenntnis des Gesetzes gehandelt zu haben. Hauptschriftleiters Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich füi die Aulnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15 Anzcigcnleiter and verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin \'.15 ׳• Gültig Anzeigen - Preisliste 6 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenveiwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinekestrlft D.-A. Oktober 35 064, Druck: Siegfried Scholcm, Bla.-Schöitcberg.