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Jüdische Rundschau · 1936-11-17 · Heft 92 (17.11.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 92 (17.11.1936)
Date
1936-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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13.11.1536 Jir«92 /,Jahrgang 41 Preis 25 Rpi. JÜDISCHE RUNDSCHAD S(hrUtl«itn1ftg,Verl*s a. Anzeigenvcrwaltangt Berlin W 15, M»KB«k«1tr>lD 6 Ftrursfi SammciUNainmer Jl (Blsmardk) 9031, — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung R.M 1,88 bzw. RM 539. — Postscheck Konten der Vertriebs - Abteilung? Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dianitag and Freitag. BERLIN ג׳ כסלו תרצ״ז DIENSTAG, 17. NOVEMBER 1936 Gflltfgi AnzeigenprelaHite Nr. 5. Die 12 gespaltene mm •Zeile XI Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»- anzcigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Kerün 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. AnnahmeschluB für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr* (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Wichtige Kundgebung der Palästina-Konferenz der Juden in Deutschland Das letzte Woehenende der Juden Berlins stand im Zeichen der Aktion für Festigung und Sicherung (״Bizzaron u’vvilaehon“) der jüdischen Positionen in Palästina. Während die von der englischen Regierung entsandte Königliche Kommission ihre Arbeit an Ort und Stelle beginnt, hat eine repräsentative Versammlung der Juden in Deutschland, alle jüdischen Gruppen umfassend, unter Führung cleT Reiehsv ertretung, ihre Stimme erhoben, um ihre Solidarität mit dem Jisehuw und dem Paliistina-WeTk zum Ausdruck zu bringen und zugleich den Anspruch der Judenheit in Deutschland auf Einwanderung nach Palästina zu verkünden. Die aus allen Teilen des Reiches beschickte Palästina - Konferenz am Sonntag in Berlin, über deren Verlauf‘ wir im Innern der heutigen Ausgabe berichten, hat einstim• mig unter großem Beifall nachstehende Resolution ungenommen: ״Die Palästina-Konferenz der Juden in Deutschland, die am Sonntag, dem 15. November 1936, in Berlin unter Beteiligung der Heiehsvertretung der Juden in Deutschland, der jüdischen Landesverbände und Gemeinden, der großen Organisationen sowie zahlreicher Delegierter aus vielen Städten des Reiches zusammengekommen ist, begrüßt die Resolution, die Präsidial-Aussehuß und Rat der Reichsvcrtretung der Juden in Deutschland auf ihrer Sitzung in Frankfurt am Main am 2. November 1936 gefaßt haben. Die Konferenz bekennt sich zu der Leberzeugung, daß es die Pflicht der Judenheit In Deutschland ist, durch solidarischen Einsatz aller ihrer Kräfte den Anspruch zu erhärten, den sie, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinschaft in allen Ländern, auf unbeschränkte Fortsetzung des Aufbau -Werkes in Palästina erhebt. Das zionistische Aktions-Comite in Zürich und das Administrative Committee der Jewish Agency for Palestine in London haben das jüdische Volk aufgerufen, zur Sicherung, Festigung und Erweiterung des Palästina-Werks über das normale, zur Fortführung der regelmäßigen Aufbauarbeit bestimmte Jahresbudget hinaus in kürzester Frist einen Sonderfonds ,,MIFAL BIZZAR0N U’WITACIION“ von £ 360 000 zu schaffen. In Deutschland wird die diesjährige Arbeit des Keren Hajessod für Ansicdlung von Juden in Palästina mit dem ״Mifal Bizzaron u’witachon“ verbunden werden. Die Palästina - Konferenz der Juden in Deutschland ist gewiß, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland in entschciclungsvollcr Stunde einmütig und geschlossen dem an sie ergangenen Rufe folgen wird.“ Die in Frankfurt angenommene Resolution der Reichs- Vertretung, auf die in der vorstehenden Kundgebung Bezug genommen wird, Int folgenden Wortlaut: ״Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland als Oesamtvertretung der Juden in Deutschland erneuert im Einklang mit der in ihrer programmatischen Kundgebung vom 22. September 1935 abgegebenen Erklärung ihr Bekenntnis zum Palästina-Aufbau und zu den Pflichten, die das große Werk jüdischer Erneuerung im Lande der Väter allen jüdischen Gemeinschaften auferlegt. Das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel ha( der schweren Belastung, die Streik und Terror sechs Monate lang ihm auferlegt haben, ungeachtet aller schweren Opfer mit bewundernswerter Disziplin und Zurückhaltung standgehalten. Jetzt, da unsere Brüder und Schwestern zuin friedlichen Werke des Pflanzens und Bauens zurückkehren, tritt die Auseinandersetzung um unser Recht auf die Nationale Heim- Lloyd George zur Jadenfrage Von unserem Londoner Berichterstatter J. K. Land o 11, 13. November Lloyd George sprach kürzlich in Manchester in Siner großen Versammlung des von ihm begründeten ״Council ot Action“ (Organisation für Ausarbeitung von Plänen für Arbeitsbeschaffung). Der Vorsitzende des Abends verlas einen Begrüßungsbrief eines Manchester Rabbiners und sprach den Wunsch aus, daß das Judentum frei sein müsse, in Palästina, England und allen anderen Ländern seinen besonderen Beitrag zur Mensdiheits/ivilisation zu liefern. Lloyd George selbst kam im V'crlauf seiner Rede auf die Judenfrage zu sprechen: Er sei Gegner jeder Art von Unterdnk'kting, von welcher Seite sie auch immer kann׳, ob Vt>n Rasse, Religion oder Klasse. Vorher hatte Lloyd George af> den Rabbiner, der an der Versammlung nicht teilnehmen konnte, da sie an einem Freitagabend .stattfand, einen Brief gesandt, in dem es u. a. heißt: ..Ich bedatire, daß die Versammlung zu einer Zeit stattfindet, zu der es Ihnen und Ihren Freunden nicht möglich 1sk teil/nnehmen. Ich hatte meine jüdischen Freunde gorne zugegen gehabt, da ich immer ein energischer Ver- Ireter des ,fair play‘ für diese große Rasse gewesen bin, mul ebenso energisch jede Hintansetzung, die sie zu leiden hatte, bekämpft habe ... Ich habe niemals diese meine Geinlilc einer alten und verchrungswürdigen Rasse, der die Zivilisation eine so große D a n k e s p f I i c 111 schuldet, geändert.“ Stätte in Erez Israel in einen neuen Abschnitt ein. V'or der ״Royal Commission“ wird die Leitung der Jewish Agency for Palestine den Anspruch vertreten, den B a 1 f o u r - Deklaration und Völkerbundsmandat feierlich anerkannt haben. Für 35 000 Juden aus Deutschland ist Palästina zur neuen Heimat geworden, weitere Tausende rüsten zum Aufbruch. Gestützt auf ihre Verbundenheit mit der werdenden Nationalcn Heimstätte in Palästina, auf ihre hierfür bereits vollbrachten Leistungen und auf die Zukunftshoffnungen, die sie an den Fortschritt der jüdischen Aufbauarbeit in Pafästina knüpft, spricht die jüdische Gemeinschaft in Deutschland durch die Reichsvertretung die Erwartung aus, daß das Ergebnis der Untersuchung der Royal Commission der Mandatsregierung die uneingeschränkte Fortsetzung von Einwanderung und Aufbau und die volle Verwirklichung der Balfour-Deklaration und des Palästina-Mandats ermöglichen wird.“ Italien und die Judenfrage London, 13. November. (J. T. A.) Von einem hohen italienischen Staatsbeamten wurde in einem Gespräch mit einem Vertreter der Jüdischen TeJcgraphen-Agentur entschieden in Abrede gestellt, daß die italienische Regierung, wie dies von dem sowjetrussischen Blatt ״Isfw-cstja“ behauptet worden ist, eine Aenderung ihrer bisherigen Haitung gegenüber den Juden und einen judenfeindliehen Kurs einzuführen beabsichtige. Die Meldung der ״lswestja“, erklärte der Gewährsmann, sei so I Scherlieh, daß die italienische Regierung es nicht für erforderlieh gehalten habe, sie zu dementieren. In Italien werde zwischen den Bürgern kein Unterschied gemacht, welcher Rasse oder welchem Glauben immer sie angehören mögen. Keine , ,Ghetto-Bänke“ Warschau, 13. November. (JTA.) Der Rektor der Universität Lemberg hat es abge lehnt, die Forderung der nationaldcmokratischen Studenten nach Einführung von ״ü!1 c 11 o - ß ä n k e n“ für die Juden zu berücksichtigen. Einer Abordnung der nationaldcmokratischen Studentenschaft, die ihm diese Forderung überbrachtc, erklärte der Rektor: ,,Wir werden nicht zum 12. Jahrhundert zurückkehren.“ Da ehe Abordnung daraufhin erklärte, keine Gewähr für die Atifre.׳hierhaltmig von Ruhe und Ordnung übernehmen zu können, veriüglen die I loehschulbehörden die Scliiic- II 11 11 g der Universität und, der Technischen Hochschule für unbestimmte Zeit Welzmann an die Juden in Deutschland Der Präsident der Jewish Agency, Dr. Weizmann, hat an die für den 15. d. M. nach Berlin einberufene Konferenz, die der Eröffnung der ״Mifal Bi/zaroiT'-Aktion galt, ein Schreiben gerichtet, das der Präsident der Konferenz, Dr. B a c c k, bei der Konferenz, imd bei der vorangegangenen Soniiabcnd-Abend-Kiindgcbuiig zur Vorlesung brachte. Dr. Weizmann schreibt: Liebe Freunde! Die Mitteilung von Ihrer Tagung erreicht mich auf der Reise nach Erez Israel. Was ich im allgemeinen zur jüdischen Oeffcntlichkeit sagen kann und sagen soll, habe ich in diesen Tagen zu Schweizer Juden gesprochen, die sich im Zeichen des ״Mifal Bizzaron“ zusammengefunden haben. Was ich im Namen der Zionistischen Organisation, der Jewish Agency, des jüdischen Volkes zur nichtjüdischen Welt — an die Adresse der Mandatarmacht und der Araber — zu sagen habe, werde ich vor der Königlichen Untcrsuchungskommission aussprechen. Aber Ihnen, den Juden in Deutschland, kann und soll ich vielleicht ein besonderes Wort sagen, nicht um Sie zu stärken und zu ermutigen, nicht um zu beruhigen oder zu mahnen. Sie alle sind von dem unüberhörbaren Ruf der Geschichte zu Bewußtsein und Wachsein, zum Hören und zum Tun geweckt worden. Wenn ich zu den Juden in Deutschland spreche, will ich nur eines sagen: Wenn ihr verlangt, daß das jüdische Volk eurer gedenkt in euren schweren Stunden, gedenket des jüdischen V n I - k e s, wenn es sich zu bewähren iiat. Durch die Quantität und durch die Qualität seiner Leistung vermag der Jude in Deutschland die Waagschale zu senken, in dem jüdisches Geschick gewogen wird, ich gehe auch in eurem Namen an eine schwere Aufgabe. Helft mir, sie zu erfüllen: es ist auch euer Schicksal, eure Zukunft, um die wir kämpfen, für die wir arbeiten und eintreten. Ich grüße alle Juden, die in eurer Tagung vertreten sind. (gez.) Ch. Weizmann Die Konferenz hat daraufhin beschlossen, nachstehendes Telegramm an Dr. Weizmann abzusemjen: ״Die Palästina-Konferenz der Juden in Deutschland, auf der die Reichsvertretung, Landesverbände, zahlreiche Gemeinden und alle zentralen jüdischen Organisationen vertreten sind, entbietet Ihnen und der Exekutive der_ Jewish Agency ihre brüderlichen Grüße. Sie versichert Sie ihres Vollen Vertrauens und bittet Sie, auch die Stimme der Judenheit in Deutschland bei der Verteidigung der Rechte des jüdischen Volkes auf Ein w anderung und friedlichen Aufbau Erez Israels zu Gehör zu bringen. Die Erfüllung der feierlichen Versprechungen der Baifour-Deklaration und des Palästina-Mandats sind auch für uns Juden in Deutschland eine Lebensfrage, an der eine von Gerechtigkeit geleitete Untersuchung nicht Vorbeigehen darf.“ ״Kolonisierende Wanderung“ Eine Studic-iikonferenz in Genf Von unserem Berichterstatter y. Genf, 15. November Am 16. November trat der Ständige Ausschuß für Wanderungsfragen (Uonuni-sion l'ermancnle des Migration«) zu einer zweitägigen Sitzung zusammen. Wie bereits berichtet, hat sich dieser Ausschuß, der ein Beratimgsorgan des luternationalen Arbeitsamtes ist, mit dem Problem der knlonisatorischen Wanderungen zu beschäftigen. Außer je vier Vertreten! der A r b e i t g e b c!׳ - und Arbeit!! e 11 m c 1׳ g r 11 j> - pe des Verwaltungsratcs des Internationalen Arbeitsamtes nehmen an den Beratungen dieses Ausschusses die Vertreter der französischen, japanischen, argentinischen und polnischen Regierung teil. Als B e r a t u 11 g s in .11 e r i a I liegt dem Ausschuß eine allgemeine theoretische Studie des Internationalen Arbeitsamtes über das Problem der kolonisatorischen Wanderungen und ein Bericht des stellvertretenden Direktors des Arbeitsamtes Mau rette, begleitet von einem zweiten Beamten des Arbeitsamtes, Dr. Siexvers, über ihre Studienreise nach einigen südamerikanischen Ländern vor. Diese Berichte gehen ein zusammenfassendes Bild der jetzigen .Möglichkeiten auf dem Gebiete der kolonisatorischen Wanderungen und Ansiedliingeii. Sie weisen darauf hin, daß unter den gegebenen Umständen wohl keine M ö g 1 i c 11 k e i t e n städtischer, in gcwissen Ländern aber *Möglichkeiten land Wirtschaft• lieber Kolonisation vorhanden sind. Als Emigranten für diese landwirtschaftliche Kolonisation kommen jedoch nur Auswanderer mit einem Minimum von Vermögen — dessen Höhe je nach den verschiedenen lokalen Verhältnissen der Ansiedlungsländer variiert — in Frage. Die Finanzierung der landwirtschaftlichen Kolonisation in einem größeren Maßstabe erfordert jedoch, neben der individuellen und privaten Initiative, die staatliche Unterstützung der Emigranten sowohl seitens der Auswanderung*- als auch seitens der Einwanderungsländer. Der Bericht des Arbeitsamtes zitiert vielfach, als Beispiel einer zielbewußten Tätigkeit auf dem Gebiete der Vorbercitung, Schulung, Auswahl, Ansiedlung und Unterstützung der

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