Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 91 (13.11.1936)
- Date
- 1936-11-13
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 KINDER-RUNDSCHAU Nr. 21 muß mich aus dem Staube machen und kann den Sack da nicht mitschleppen, so sollst du ihn in deinem Hause verwahren!“ Josua rief, mit den Händen heftig abwehrend: ״Das verhüte Gott, daß ich geraubtes Gut im Hause halte!“ Als der Räuber sah, daß kein Bitten und kein Fordern half, packte er den Sack auf, wandte sich zum Gehen und schrie, indem er die Tür aufriß: ״Das sollst du mir büßen!“ und verließ wütend das Haus. Frau Täubchen hatte die ganze Zeit über zitternd dagesessen; kein Wort war über ihre Lippen gekommen, denn sie fürchtete sich vor diesem unheimlichen Gesellen. Sie beruhigte sich auch nicht, als sie wieder mit ihrem Manne allein war. Immer sah sie in Gedanken den Räuber vor Josua stehen, und sie wußte genau, daß Hannes bald wiederkommen werde, um Rache zu nehmen. Es war ein paar Tage danach. Der Fährmann und seine Frau waren zu Bett gegangen; die Mitternacht kam heran. Da plötzlich wurden sie von einem polternden Geräusch aus dem Schlaf geweckt. Entsetzt fuhren sie in die Höhe. In der Tür standen, wie aus dem Erdboden gewachsen, drei finstere Gestalten. ״Allmächtiger Gott — Hannes!“ entfuhr es Josua. Schon aber stand Hannes vor ihnen, zerrte Josua aus dem Bett in die Wohnstube, zog einen Dolch und drang auf den Wehrlosen ein. Schon war der Arm zum Stoß erhoben, das Gesicht des Räubers glühte wild, der Fährmann schrie verzweifelt um Hilfe und suchte sich den Griffen des Verbrechers zu entwinden. Da hielt Hannes, wie von einem Zauberstabe angerührt, jählings inne. Er erbleichte und erstarrte, und Entsetzen lähmte den zum tödlichen Streich erhobenen Arm. Der Schein des glimmenden Ofenfeuers war auf einmal heller und heller geworden, und die Stube erstrahlte in blutigrotem Lichte. Die beiden Löwe n, an denen Josua am Abend geschnitzt hatte, und die in einer Ecke standen, wurden auf einmal zu wirklichen Tieren. Sie wuchsen und wuchsen und regten die Glieder und erhoben ein Gebrüll, das allen durch Mark und Bein ging. Dann setzten sie sich in Bewegung, unheimlieh knurrend und unverwandt die Räuber mit feurigen Augen anblickend. Eine wahnsinnige Angst überfiel die drei Gesellen. Hannes׳ Kumpane, die in der Tür stehengeblieben waren, flohen in die finstere Nacht hinaus. Hannes versuchte, das Freie zu erreichen, aber einer der Löwen schlug seine Pranke tief in des Räubers Arm, daß das Blut mächtig herausströmte und Hannes laut aufschrie. Mit knapper Not erreichte er die Straße. Die beiden Löwen aber, als das Werk getan war, traten wieder in die Ecke zurück, in der sie vorher gestanden hatten, wurden kleiner und kleiner, und in wenigen Sekunden war alles Leben aus ihnen gewichen; sie waren tot und hölzern wie zuvor. Josua und Frau Täubchen konnten kein Wort sprechen. Erst nach einer langen Weile kam ihnen die Sprache wieder; sie dankten Goti für Schutz und Rettung und blieben bis zum Morgengrauen betend und das Geschehene in Scheu und Verwunderung beredend in der Stube sitzen. Die drei Burschen wurden bald von ihrem Geschick ereilt. Die Spießgesellen des Räubers fanden in der dunklen Nacht den Weg nicht, und an einer abschüssigen Stelle des Auf ihn herab schaulen zum ersten Male seine Löwen Rheinufers stürzten sie in die Fluten. Fischer brachten am anderen Morgen ihre Leichname ans Land. — Hannes verlor aut der Flucht so viel Blut, daß er bald nicht mehr weiterkonnte und ohnmächtig zu Boden fiel. Bauern fanden ihn in der Frühe wie leblos auf der Erde liegen und fuhren ihn mit einem Leiterwagen nach Köln. Er wurde nach ein aar Wochen vors Gericht gestellt und mußte seine Verrechen mit dem Tode büßen. Josua aber ging mit seinem Weibe am Schabbat, der der grausigen Nacht folgte, nach Deutz in die Synagoge. Er ließ sich zur Thora aufrufen und sprach das Dankgebet für Rettung aus Todesgefahr. Und auf ihn herab schauten zum erstenmal seine Löwen, die er mit liebender Hand gefertigt hatte. Das Häuschen, in dem der Fährmann Josua und seine Frau Täubchen noch viele Jahre zusammenlebten, ward hinfort das Haus zu den zwei Löwen genannt. Nach einer Sage erzählt von Siegfried Braun Meine schönsten Bücher Mein schönstes Buch heißt ״Die drei Nationen״ von Herzberg. Der Inhalt ist folgender: Ein Indianer, ein Pole und ein Jude treffen sich im amerikanischen Urwald in einer Höhle und tauschen ihre Erlebnisse aus. Zu meinen schönsten Büchern gehört auch ״Sigismund Rüstig“ und ״Robinson Crusoe“. Rafael Neuberger, Köln (11 Jahre) x Wir haben eine große Zahl von Zuschriften zu diesem Thema veröffentlicht, und es wird euch gewiß interessieren, welche Bücher unter den genannten die meisten Stimmen erhalten haben, ohne daß wir damit die Aussprache schon abschließen wollen. Wir haben auf Grund der bisher verpffentlichten Zuschriften eine Zusammenstellung über die genannten Bücher gemacht. Es wurden genannt: Dreizehnmal: Land der Jugend. Elfmal: Der Retter von Chula. Siebenmal: Tom Sawyer; Huckleberry Finn. Sechsmal: Die Jungen vom Gusch; Helden der Kwuzah. Fünfmal: Emil und die Detektive. Viermal: Gisel •und Ursel. Dreimal: Nesthäkchen; Professors Zwillinge; Das fliegende Klassenzimmer; Pünktchen und Anton; Heidi; Der Born Judas. Zweimal: Der blau-rote Methusalem; Kai aus der Kiste; Das Lichterhaus im Walde; Der 35. Mai; Münchhausens Schwanke; Die Familie Aguillar; Perez׳ Erzählungen; Aus dem Nahen Osten. Einmal: Nils Holgersons wunderbare Reise mit den Wildgänsen; Mutter Natur erzählt; Märchenfäden; Dr. Dolittle; Rübezahl; Till Eulenspiegel; Die drei Nationen; Siegismund Rüstig; Robinsohn Crusoe; Rosenresli; Vom This, der doch etwas wird; Stauffermiihle; Wahb; Domino Reinhard; Fahnenschwanz; Pu, der Bär; Monddistel; Träumereien an französischen Kaminen; Sepp und Annele; Mädel im Boot; Stadtkinder fahren aufs Land; Babette bindet Bücher; Erika, Jan und Trine laden ein; Die lustigen Neun; Gretel und die Quinta; Das verschlossene Buch; Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt; Das lustige Buch fürs jüdische Kind; Bat Hamelech Wehabigen; Hatarnegol Hagibor; Chanan Haganan; Agadot Harakeweth; Die vier von Kinnereth; Schmulche Leben; Erzählungen aus Midrasch und Hagadda; Deutsche Heldensagen; 1001 Nacht; Der Waldteufe!; Lederstrumpf; Feiertagsmärchen; Traudl kommt zum Rundfunk; Der große bunte Ball; Kindheit im Exil; Bialik; Mendele Mocher Sforim; Geschichten der Bibel; Drei Jungen am Seil; Das Kleeblatt von Sankt Florian; Eine Geschichte der Juden; Gian Caprez; Der Kiliniandjaroflug; Der Abessinienflug; Monika fährt nach Madagaskar; Die Langerudkinder; Wir ziehen ins Landschulheim; Aus Urvätertagen; Bingo und andere Tiergeschichten; T’nach; Altneuland; Ostjüdischer Humor (Chajim Bloch); Tyras; Auf dem Jahnshof; Astrid; Die Einhartskinder; Rackerchen; Der kleine Johannes; Michael Arpad und sein Diener; Hiob (Roth); Biene Maja; Israel; Volk und Land; Wie sie groß und reich wurden; Olympia 32; Moses (Fl eg). _ Wir gratulieren zur Bar-Mizwah Egon Fürstenberg, Köln. — Gottschalk Goldschmidt, Frankfurt am Main. — Werner Hirsch, Allenstein (Ostpreußen). — Samuel Kahn, Köln. —- Paul und Uri Schönbach, Tel-Aww. — Hardy Selitzky, Berlin-Wilmersdorf. — Erich Stiebei, M.-Gladbach. DU h&thsU Jähdei-RuHtUckau erscheint am Freitag, dem 27. November. Redaktionuschluß hierfür Donnerstag, den 19. November