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Jüdische Rundschau · 1936-11-13 · Heft 91 (13.11.1936) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 91 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 91, 13. XI. 1936 jüdisch!־ Rundschau Seite 17 Briefmarken devisenrechtlich Die ״fehlende spanische Apfelsine“ Zum neuen Runderlall über Briefmarken und Antwortscheine Die Bestimmungen, die bisher über die Verwendung von Briefmarken und internationalen Antwortscheinen im Verkehr mit dem Ausland bestanden, sind durch einen neuen Runderlaß der Reichsstellc für Deviscnbewirtschaftung ab geändert worden. Die Versendting von Briefmarken ins Ausland, der Briefmarkentausch, die Benutzung der Antwortscheinc haben eine Neuregelung erfahren, deren wesentlicher Inhalt beachtet werden muß. Zunächst wird festgestellt, daß Briefmarken jeder Art, oh es sieh um gebrauchte oder ungebrauchte handelt, als Ware und nicht als Zahlungsmittel im Sinne des [)evisengesei/es aiizusehen sind. Doch werden ungestempeltc Briefmarken dann als Zahlungsmittel angesehen, wenn sie kursfähig sind und dazu dienen sollen, Zahlungen ins Ausland zu leisten. Die Versendung von Briefmarken ins Ausland kann ohne Genehmigung erfolgen, wenn sie im Rahmen der Freigrenze, die zur Zeit 10 RM. monatlich für die paßfähige Person beträgt, erfolgen. Für die Versendung deutscher Briefmarken ais Zahlungsmittel gilt die Freigrenze jedoch nicht. Briefmarkensendungen ins Ausland, die über der Freigrenze liegen, bedürfen einer Genehmigung, jedoch soll eine solche Genehmigung in der Praxis nicht erteilt werden, wenn Zahlungen damit geleistet werden sollen. Wegen der Verwendung der Internationalen Antwortscheine wird in dem Erlaß darauf hingewiesen, daß sie dazu dienen sollten, ausländischen Empfängern einer Postsendung die Gebühr für die Antwort oder Rücksendung zur Verfügung zu stellen. Gegen eine Verwendung zu diesem Der Palästina-Pavillon auf der Weltausstellung in Johannesbürg (Südafrika) Foto: 11*0■ Pinn, TepUe* Ein Jubilar. Wie uns aus Krakau geschrieben wird, wird dort am 14. November der 60. Geburtstag von Dr. VV1 a i m Hilfst ein, dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive für Westgalizien und Polnisch-Schlesien, zugleich mit dem Jubiläum seiner 40jährigen zionistischen Tätigkeit feierlich begangen werden. Dr. Hilfstein hat schon im Jahre 1S98 den ersten zionistischen Studentenverein in Krakau gegründet lind an allen Arbeiten der Bewegung lebhaften Anteil genommen. Er hat sich um die Ausbreitung des Zionismus in Krakau, das stets als Hochburg der Assimilation galt, große Verdienste erworben. Insbesondere liegt ihm die jüdische Kulturarbeit am Herzen. Er gehört zu den Gründern einer ganzen Reihe von kulturellen Institutionen; die hebräische Schule in Krakau und die Handwerkeischule verdanken ihm ihr Entstehen. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, den Vorzug gehabt hat, von Dr. Hilfstein durch verschiedene jüdische Schulen in Krakau und insbesondere durch das imposante, heute über 60() Schüler erfassende und vorzüglich geleitete Gymnasium geführt zu werden, der wird ohne weiteres begriffen haben, was die Tätigkeit von Dr. Hilfstein für das Krakauer Judentum bedeutet. Ist doch die Aufbringung der Gelder für dieses Gymnasium, das heute trotz aller finanziellen Schwierigkeiten mit allen notwendigen Lehrmitteln gut ausgestattet ist und neben der allgemeinen Bildung, deren Unterrichtssprache polnisch ist, eine umlassende jüdische und hebräische Bildung vermittelt und sich ständig, auch baulich, erweitert, den Bemühungen Dr. Hilf- Steins zu danken. Die Zionistische Organisation Westgaliziens bereitet, wie uns mitgeteilt wird, für den Jubilar verschiedene Ehrungen und ein Eestbankett vor. Doch über den Kreis seines engeren Wirkungsgebietes hinaus verdient dieser Mann die Gratulation der zionistischen Welt. W. 7m Wie Proi. Löwi seine Entdeckung machte Die schwedische Zeitung ״Svcnska Dagbladct“ berichtet, wie unser Stockholmer H. R.-Korrespondent uns schreibt, folgende nette Anekdote: Atn 30. Oktober d. J. erzählte Prof. Löwi während einer Vorlesung seinen Studenten, daß er am Ostermorgen 1921 seine preisgekrönte Idee auf folgende Art bekam: ״Ich las am Abend vorher einen Roman, schlief allmählich ein und erwachte plötzlich 3 Uhr nachts. Schläfrig und halbwach knipste ich die Nachttischlampe an und ergriff ein Stück Papier. Es war ein dünnes Blatt und, auf die flache Hand gestützt, schrieb ich ein paar Zeilen nieder und schlief sogleich wieder ein. Am nächsten Morgen konnte ich nicht mehr lesen, was ich geschrieben hatte, auch war mir mein Traum entfallen,... Den ganzen Tag hatte ich das unruhige Gefühl, daß cs etwas sehr Wichtiges gewesen sein müsse, versuchte jedoch vergebens mich zu erinnern. Die folgende Nacht erwachte ich wieder um 3 Uhr, es kam mir sofort mm Bewußtsein, was ich vor 21 Stunden aufgezeichnet hatte. Es war die Lösung meines Problems über den Mechanismus der Nervenreizting, an dem ich später eifrig arbeitete. Ich sPrang auf, kleidete mich an und ging hinunter ins Laboratorium der Universität; ich machte ein Experiment, wobei ich das Herz und den Vagusnerv eines Frosches herauspräparierte. Der Versuch wurde dreimal wiederholt und war jedesmal von Erfolg gekrönt. Ich eilte zu meinem Assistenten, den ich aus dem Schlaf rüttelte; schließlich bekam ldl ihn dazu, mir ins Laboratorium zu folgen; wir wieder- Bolten den Versuch gemeinsam, und er rief aus; ,Herr Pro- •vssor, das bedeutet den Nobelpreis!' Und heute, nach 15 Jahren! ist diese Voraussage erfüllt worden ...“ Zwecke bestehen keine dcvisernrechtlichen Bedenken. Insbesondere ist die Verwendung zu diesem Zweck nicht genehmigungspflichtig. Doch gilt von ihnen dasselbe wie von Briefmarken, sie dürfen nicht für andere Zwecke, vor allem nicht zur Leistung von Zahlungen benutzt werden. Ausführliche Bestimmungen gelten für den Briefmarkentausch, sowohl für Briefmarkcnlkindler wie auch für Sammler. Gewerbsmäßige Tauschgeschäfte von Briefmarkenhändlcrn sind stets genehmigungspflichtig. Genehmigungen werden in Uebereinstimmung mit der Ucberwachungsstelle für Papier erteilt. Brief markenhändlern können allgemeine Tauschgenehmigungen mit einem angemessenen monatlichen Höchstbetrag erteilt werden. Die Händler müssen aber der Devisenstelle monatliche Aufstcllungen über die getätigten Geschäfte regelmäßig verlegen. Briefmarkensammler können, wenn sie keine allgemeine Tauschgenehmigung besitzen, Einzelgenehmigungen erhalten. Diese Genehmigungen werden wie private Vcrrcchnungsgeschäfte behandelt. Besondere Erleichterungen gelten für Tauschgeschäfte, die wertmäßig unter 100 Reichsmark liegen. Schließlich sind noch Bestimmungen über die Be- Zahlung der Einfuhr von Briefmarken erlassen worden. Anträge auf Begleichung von Verbindlichkeiten, die aus der Einfuhr von Briefmarken entstanden sind, müssen bei der Ueberwachungsstelle für Papier eingereicht werden. Für die Erledigung solcher Anträge gelten die allgemeinen Vor- Schriften. Dr. E. Roth Kundgebungen in Rumänien Die am 8. November in Bukarest abgehaltene Massen- Kundgebung der '(antisemitischen) Vereinigten Christlichnationalen Partei, bei der der frühere Innenminister Octavian Ooga über Probleme der Innen- und Außenpolitik Rumäniens sprach, ist dank den umfassenden Sicherungsvorkehrungen der Behörden ohne Zwischenfall verlaufen. Die hauptsächlich von Juden bewohnten Stadtviertel, auf die Ucberfälle befürchtet worden waren, standen unter starker Bewachung von Polizei und Gendarmerie. Aus verschiedenen Teilen des Landes werden Aussch reit ungen gemeldet, die die von der sonntägigen Kundgebung in Bukarest zurückkehrenden Cuzistcn gegen Juden verübt haben. Ernste Unruhen haben sich in Pascani, Barlad und Vaslui ereignet. Zu ihrer Unterdrückung mußten Polizeiverstärkungen aus anderen Städten herangezogen werden. Ehrung ernes jüdischen Gelehrten. Der bekannte Kunst- Wissenschaftler Geheimrat Professor Dr. Adolph G old- Schmidt, geboren 1863 in Hamburg, früher Ordinarius für Kunstgeschichte an der Berliner Universität, wurde anläßlich der Dreihundert-Jahr-Feier der Harvard University mit dem Titel eines Ehrendoktors ausgezeichnet. Der Circolo musicale letterario in Mailand (Direktion: Hans Baer) hat in der Via Pasqtiirolo 12 seine neuen Räume eröffnet. Der Eröffnungsabend brachte ein Konzert, bei dem Anna Valle (Sopran), Hans Baer (Klavier) und eine Tänzerin der Mailänder Scala!nitwirkten. Erfolg und Besuch waren sehr stark. Interessant war ein Vortragsabend des Schauspielers Carl Gerdo-Griincbaum, ehemals Deutsches Theater Berlin; ebenso erfolgreich gestaltete sich ein Vortrag über ״Seelisch-nervöse Leiden der Gegenwart“ des früheren Chefarztes des Sanatoriums ״Schloß Rheinsburg“ bei Schaffhausen, Dr. Wilhelm Niederland. Gegenwärtig findet eine Gemäldeausstellung der italienischen Malerin Teresa B a z z i statt. Die JQdische Buchvereinigung hat für das kommende Jahr interessante Veröffentlichungen vorgesehen. So z. B. ein Band ״Jüdische Welt“, in dem die schönsten Erzählungen jüdischer ausländischer Dichter gesammelt erscheinen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt nur RM. 3.25 für ein Vierteljahr, wofür ein in Leinen gebundenes, gut ausgestattetes Buch ebolen wird. Hinzu kommen die .,Blätter der jüdischen uch-Vereinigung“, eine Zeitschrift, die in zwangloser Folge erscheint. Aus Barcelona wird uns berichtet: Die Londoner Zeitschrift ״Great Britain and the Eeast“ brachte kürzlich eine Zeichnung, die einen Juden und einen Araber in Palästina auf Apfelsinenkisten sitzend und das ״Loblied auf die fehlende spanische Orange“ singend zeigt. Es dürfte jedoch noch etwas v e r f r ii h t sein, diesen Gesang anzustimmen. Denn die spanische Ernte, die auf ungefähr 1,1 Millionen Tonnen geschätzt wird, verspricht mengenmäßig und qualitativ mindestens eine gute Durehschnittsernte zu werden. Valencia und die übrigen Mittelrncerprovinzen, die die wichtigsten spanischen Orangenproduzenten sind, haben bisher nicht unter den direkten Auswirkungen des Bürgerkrieges gelitten. Und es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen den Unruhen in Palästina und in Spanien: Man kämpft hier trotz aller Erbitterung nur gegen Menschen, nicht auch gegen B it! me. Keine Partei hat Interesse daran, die Produktionsquellen des Landes zu zerstören. Die noch nicht gelöste Frage der neuen Saison ist die Organisation des Absatzes. Lieber 90 "» der spanischen Zitrusprodukfiou liegt im gegenwärtigen Machtbereich der alten Regierung, in Provinzen, die sich jetzt in einen! Uehergangsprozcß zum Kollektivismus befinden und heftigen wirtschaftlichen Erschütterungen ausgesetzt sind, ln zahlreichen Orten dieser Provinzen haben sich lokale Komitees der Gewerkschaften gebildet, die das Grundeigentum mit Ausnahme des Kleinbesii/es enteignet haben. Ls wurden ״Apfdsinenkooperativen•‘ gebildet, in die aile Landarbeiter, Pächler und Kleineigentümer cintreten!missen. Die Koopera״ tiven erstreben Ausschaltung des Zwischenhandels, der bisher im spanischen Export eine bedeutende Rolle gespielt hat. Eine einheitliche Zusammenfassung der lokalen Kooperativen und Komitees timi eine /usaniuuHassende Organisation des Absatzes ist bisher nicht erfolgt. Die Großhändler und Exporteure, deren Betriebe ebenfalls teilweise kollektivisiert sind, haben vorläufig keinen klaren Ueherblick über den Verlauf der Lutwicklung und halten sich vor Ah- Schlüssen zurück. Die Abwertung der Pesett um etwa '3י die schon vor dem Stur/ der Goldbloekvalutcn als Folge der inneren Wirren erfolgte, begünstigt die spanisch(; Apfelsine in ihrem Konkurrenzkampf gegen die Jaffa-Orange. Der Wettbewerb besonders auf dem englischen, "holländischer! und skandinavischen .Markt wird möglicherweise zu gedrückteil Preisen als Folgen der Abwertung fuhren, Brief aus Norwegen Oslo, 5. Novembei Die Aufführung des ״Kaufmann von Venedig“ am hiesiger! ״Neuen Theater“ gab Anlaß zu einer interessanten Behändlung des Shylock-I’roblems durch führende Persönlichkeiten der hiesigen Kunst- und I iteraturkritik. (ieitieinsam war ihnen allen die Erkenntnis, daß in der Auffassung von Shylock eine bedeutsame Wandlung zutage getreten sei. Man sei heute eher in der Lage, diesem Typus, der ein Produkt des Mittelalters sei, Gerechtigkeit angedeihen zu lassen und den Aufschrei seines Stammes zu vernehmen. Arthur R u b i n s I e i 11 gab am 4. November sein erstes diesjähriges Konzert in Oslo, wo er eine große begeisterte Gemeinde besitzt. Bei Publikum und Presse fand der große Künstler Bewunderung. Wir finden auch in der norwegischen Provinzpresse intercssierte Berichte über die Vorträge, die der populäre Schriftsteiler und Sekretär im Außenministerium Harald Jucll über Palästina gehalten hat. Am 1. November sprach Herr Jucll in der Folksakademie in der bekannten Badestadt Larvik. Herr Jucll hat sechs Jahre im Orient gelebt und das Palästinaproblem mit besonderer Einfühlungsgabe beliandclt, Etwa 100 Lichtbilder illustrierten den schönen und interessanten Vortrag. ״Oestlandspostcn“ und insbesondere ״Agderposten“ in Jtiells Heimatstadt Arcndal haben besonders eingehend über jliells Vortrag berichtet. Mitte November gibt Nathan Milstein Konzerte, der von seinem Freunde, dem früher liier beamteten Dirigenten Prof. Issav Dobrowen im Vorjahre hier eingeführt wurde und das Osloer Musikpuhlikum im Sturm gewann. Am 1. November wurde ein .,Jüdisches Altersheim“ mit einer schlichten Leier eingeweiht. Neben (fern hier bestehen•־ den ״Jüdischen Kinderheim“ (Waisenhaus) legt auch diese N’eugri'mdung Zeugnis für den sozialen Sinn, der zahlenmäßig unbedeutenden juderiheit Norwegens ah. Rabbiner Julius Samuel Preisgekröntes Bild eines jüdischen Malers psc? 1*St.. •‘,״yUöW•'• * ׳#g| ־.־ Der Maler Leon Krall, ein gebürtiger Amerikaner, erhielt im vorigen Monat für das (hier wiedergegebene) Bild ״Die Straße an der Bucht“ den ersten Preis bei der Internationalen Carnegie-Ausstellung moderner Maler in Pitlsburg 1036. Die Entscheidung lag in der Hand einer aus bedeutenden amerikanischen, französischen und britischen Malern zusammengesetzten Jury. Kroll hat schon 1931 einen 1. Preis erhalten. Bei der diesjährigen Ausstellung bewarben sich 276 Künstler verschiedener Nationalitäten, Foto: km. Uofar«* I 4

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