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Jüdische Rundschau · 1936-11-13 · Heft 91 (13.11.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 91 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nf. 913 .ו XI 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 BEIM BRÜCKENBAU Die Brüche auf der Chaussee Tel-Awiw -Belach Tikwah, die nur jeweils in einer Kehlung zu passieren war, wird durch eine neue 17 Meter breite Brücke ersetzt. Die Arbeiten werden nur von Juden ausgefiihrt. Foto : Lat»r Düane* Sin 266, aus d&n Attond yesdMUlt Nein, so einfach war das nicht, wie das jetzt aussieht hier in Tel-Awiw; überall steckt viel Arbeit dahinter, viel Fehler wurden gemacht, viel Geld wurde verbaut und sehr viel Liebe. Wenn man heute durch die Stadt fährt mit dem herrlich funktionierenden Autobus über die gut asphaltierten Straßen, an schönen Läden vorbei, an großen Bankgebäuden , .....;*V. «84 יי ־'«••? ־'.< . süv- %:$־' .. *jp * »*-**. ♦.'CT■ *'׳״; ־ :i ׳ ׳azellen int Zoo von Tel-Awiiv und Kinopalästen, durch helle W'ohnstraßen mit blühenden Vorgärten, und wenn neben dir jemand sitzt, der die Stadt schon kannte vor ■I oder 6 oder 12 Jahren und dir davon erzählt, daun wird man ein wenig nachdenklich und stolz und traurig, daß man so spät kam. Aber einen Zoo gab es noch nicht in dieser schönen Stadt am Meer mit den vielen kleinen Kindern. Da kam ein Mann und hat den Zoo aus dem Aermel geschüttelt? Nein, da kam ein Mann, der war sehr tierlieb und sehr kinderlieb und der schuf einen Zoo, einen richtigen kleinen Zoologischen Garten. Diesen Mann habe ich heute besucht. Er war gerade nicht da, und so zeigte mir seine Tochter voller Freude den Zoo von Tel-Awiw. Es ist ein Grundstück in der Yarfcon- Straße, dicht am Meer, und im ganzen 20 rn lang und 20 m breit, richtiger palästinensischer Sandboden, braunrot, und darauf stehen ein Holzschuppen und ein kleines 2-Zinmier-Haus mit Veranda (in einem davon wohnt so• gar der Zoodirektor persönlich). Und das ist alles, nicht mehr. Aber was es da an Tieren gibt, ist ganz erstaunlich: 12 Affen, 4 Gazellen, 2 Schakale, eine Rieseneidechse, Meerschweinchen, weiße Mäuse, Kaninchen, sehr viele Aquarien mit exotischen Fischen, eine Hecke mit über 300 Vögeln in den schillerndsten Farben,' ein Taubenschlag _ und 7 Papageien. Einer von diesen Vögeln ist der Stolz des Direk* tors, der erste Papagei der W’elt, der nur iwrith spricht, und das hat er in 6 Wochen gelernt, das soll ihm mal ein Mensch nach• machen. Ich war den ganzen Nachmittag da, im Zoo, und es war wirk• lieh nett. Fs kamen sehr viele Kinder, allein cxler mit ihrer Mutter, und es war ein richtiger Betrieb. Wenn die Kinder kamen, gingen sie zuerst zu der Tochter und bezahlten ihren Eintritts• preis -- '2 Piaster pro Kind —•, eine Kasse gibt es nicht, aber die Kinder wissen schon alle, was es kostet, und sie wissen auch, daß von diesem Geld das Futter für die Tiere bezahlt wird, und das kostet allein pro Tag! 2 palästinensisches Pfund; gar nicht zu reden von den sonstigen Spesen und der Miete für das Grundstück. Aber ich habe selten so frohe Kinderaugen gesellen wie hier im Zoo — und in Palästina sieht man eigentlich nur strahlende Kin-der* gesichter. Und ich glaube sicher, es wird gar nicht lange dauern, dann wird aus diesem kleinen Zoo in Tel-Awiw׳ ein richtiger großer Zoologischer Garten werden; dafür werden die Kinder schon sorgen. Ob jeh Recht behalte? Walter Michael S c 11 w a T 8 Foto; Walter Mich«!«! Schw*r*. Tel-A^i Ein Ausflug ins Hühnerland Juden aus Deutschland als Bauern Von Werner Bloch, Tel-Awiw Wenn man fast täglich das Lastauto von Ramot Ha-;chawim in den Straßen Tel-Awiws sieht, bekommt man Lust, wieder einmal hinauszufahren. Man ist in 45 Minuten sn dem Sandweg, der von der Chaussee Petach Tikwah—Klar Saba hinter Ramatajim in einigen hundert Metern nach Ramot Haschawim hineinführt. Man stapft durch den guten alten Sand unserer breiten Meeresküste zur Dorfstraße. Hübsche, moderne Häuser mit freundlichen Ziegeldächern säumen die Straße ein, an den kleinen Gittertüren der Vorgärten Hausnummern, daneben Namensschilder mit auffallend vielen Doktortileln. Bauern und deren Kinder reiten auf Eselchen an dir vorbei, — du bist in einem fertigen friedlichen Dorf, das dich von allen Seiten her mit dem Gegacker der Hühner begrüßt, ln Ramot Ha• schavvim leben 30(KW Hühner und —- 240 Menschen. Um das Wohl und Wehe der Hühner kreist das L.ebensinteresse der Siedler. Sie — die hübschen weißen Leghorn -— sind der Lebensnerv von Ramot Haschawim. Vom Brutei bis zur alten, ausgedienten Henne verlangen diese Lebewesen die Arbeit, Pflege, Sorgfalt und Liebe derjenigen Juden aus Deutschland, die im Jahre 1033 den Plan faßten, eine landwirtschaftliche Siedlung in l.rez. Israel zu begründen, deren fundamentaler Wirtschaftszweig die Hühnerzucht sein sollte. Es war eine Gruppe jüdischer Akademiker aus Deutschland, die sich im April 1033 mit Davis Trietsch über Ansiedlungsmögliclikeiten in Palästina beriet. Unter tatkräftiger Mithilfe von Erich Moses (einem langjährigen Siedler in Ramatajim) erwarb ein Initiativkomitee in der Nähe von Ramatajim 100 Dunam Boden von Kolonisten aus Petach Tikwah und erhielt zusätzlich 6S Dunam vom Keren Kajemeth Lejisrael gegen eine gewisse Abfindung an die ehemaligen Pächter. Im Dezember 1933 gingen die ersten sieben Siedler auf den Boden, errichteten Baracken, in denen sie provisorisch wohnten, begannen mit dem Bau der Hühnerstälie, dann der Wohnhäuser und nahmen den Boden in Arbeit, der der intensiven Gemüsekultur dienen sollte. Im Sommer 1934 wurden noch weitere 90 Dunam dazugekauft, und etwas später erhielten 31 Siedler je 475 Legehühner, die von verschiedenen Hühnerfarmen des Landes ausgewählt worden waren. Anfang 1934 wurde die Genossenschaft ״El-Al1' (Aufwärts) gegründet. Dies« Kooperative sorgt für den Ein- und Verkauf aller Produkte der landwirtschaftlichen Siedler. Nur für den täglichen Bedarf und für kleine ״Luxusartikel“ (Schokolade, Zigaretten, Seife usw׳.) sorgt der Kaufmannsladen des Dorfes. Ende 1934 wurde die Aufzuchtsiedlung von Ramot Haschawim geschaffen. Sieben Siedler, zu einer Genossenscliaft unter Beteiligung von ״EI-AI“ vereinigt, betreuen zwei Inkubatoren mit einer Kapazität von 36000 Eiern und hegen und pflegen die den Eiern entschlüpften Küken bis zu ihrem legefähigen Alter, d. h. bis zur Vollendung des sechsten Monats. Nach dieser ״halbjährigen Hachscharah" begeben sich die Hühner zu ihrer produktiven Arbeit in die Ställe der Siedler. Die ״Deutsche Abteilung*' der Jewisli Agency hat jedem Siedler £P 50 zur Verfügung gestellt und eine einmalige Beihilfe von CP 100 geleistet, die für die Instruktion verwandt worden ist. Ferner wurde den Siedlern unter den üblichen Bedingungen eine Wasseranteihe von •CP 1600 gewährt. Heute leben in Ramot Haschawim 42 Siedler mit ihren Familien, ferner sieben Siedler in der Aufzuchtsiedlung, und außerdem wohnen zehn Familien dort. Den Ankömmling begrüßen ״vier Hügel der Heimkehrer“, zu einem einheitlichen Bilde durch die gleichen Häuser und durch die gleichmäßige Anlage der Hühnerstälie neben dem Bauernhaus zusammengehalten. Nur auf einer Höhe stehen einige größere ״Villen“, die das ״Millionärsviertel'‘ der Siediung darstellen. Dort haben sich einige Familien niedergelassen, die im Hühnerland wohnen, ohne den Hühnern zu gehorchen, die als Rentiers ein Dorflcben dem lauten Großstadtlcben Tel-Awiws vorziehen. Dieses palästinensische Dorf wurde von Juden des Mittel- Standes geschaffen, die aus einem bürgerlichen Leben einer deutschen Großstadt herausgerissen wurden und hier einen beachtlichen Beitrag zur Realisierung der Berufsumschichtng von ca. 40— 50jährigen geliefert haben. Von den 49 Siedlern waren in Deutschland 20 Aerzte bzw. Zahnärzte, 1 Apotheker, 5 Rechtsanwälte, 1 Nationalökononi und die rcstliehen Siedler Kaufleute. Der größte Teil dieser Siedler ist nun zwei Jahre in Raniot Haschawim. Es ist interessant, daß von den Kolonisten, die in Ramot Haschawim begonnen haben, nur ein einziger die Siedlung verlassen hat. Ich traf dort eine Familie wieder, deren Familienvater über 60 Jahre alt ist und ein großer Kaufmann des Berliner Westens war. Dort führte diese Familie ein großes bürgerliches Haus. Jetzt traf ich die Familienmitglieder bei der Arbeit im Hühnerhof und Garten. Die Familie hat eine normale Siedlerstelle in Ramot Haschawim, das heißt: ein Grundstück von zwei Dunam, auf dem das Ftaus, die Hühnerstalle und das Futtermagazin stehen und wo dann noch Platz für einen kleinen Garten um das Wohnhaus bleibt. Ferner verfügt ein solcher Siedler über zwei Dunam bewässerten Boden für Gernüsekultnrcn. Je nach der Größe des Wohnhauscs, das der Siedler sich gebaut hat, hat die Ansicdlung eine Kapitalinvestition zwischen .CP 1030 und 1300 erfordert. Es gibt eine Anzahl von Siedlern, die als zweiten Wirtschaftszweig neben der Hühnerzucht anstatt des Gemüseanbaus eine kleine Orangenplantagc angelegt haben. Einige Siedler haben auch noch mit Bienenzucht begonnen. Das Gelingen der Kooperative ״EI-AI“' ist darauf zurückzuführen, daß sich unter den Siedlern in Ramot Haschawim Menschen gefunden haben, die die Kenntnisse ihres früheren bürgerlich-städtischen Berufes nutzbringend verwertet haben. Nicht nur der Nationalökonom, der Jurist und der Kaufmann, die die Genossenschaft ״EI-AI“ betreuen, leisten wichtige Arbeit für alle, sondern z. B. hat ein Siedler, der anerkannter Zoologe ist, einen kleinen Musterhühnerstall eingerichtet, um ihn für Versuche und Untersuchungen der Hühneraufzucht und zur Bekämpfung von Krankheiten zu benutzen. Der Umsatz der Genossenschaft betrug vom 1. Oktober 1934 bis 30. September 1935 32P 17 000, vom 1. Oktober 1935 bis 30. September 1936 fast CP 30000. 42 Siedler, in eieren Ställen je 600 Hühner ״an der Arbeit sind", haben im letzten Jahre etwa 4 000 000 Eier geliefert. Das frische Trinkei von Ramot Haschawim hat sich dank seiner vorzüglichen Qualität einen guten Namen verschafft und dadurch auch einen giinstigen Preis erzielt. Die gesamte Produktion geht nach Tel- Awiw. Ich habe mir mehrere Siedlorstellen angesehen, die Zentrale der Genossenschaft besucht, das kleine Dorfhotel besichtig( und machte einen Spaziergang von etwa 20 Minuten, den ״Türkenweg“ entlang, zur Aufzuchtsiedlung. Am Türkenweg war der türkische Schützengraben während des Krieges, und noch heute stolpert man über verrosteten Stacheldraht. In der Aufzuchtsiedlung werden im November die diesjährigen Bruteier in die Inkubatoren gelegt, und nach 21 Tagen wird das Gequieke der kleinen Küken diesem Teil von Ramot Haschawim sein wahres Gesicht gehen. Jeder Siedler dort hat mehrere Hühnerstälie, die besonders für die Kükenaufzucht konstruiert sind, und verfügt ebenfalls über zwei Dunam Land *ur den Anbau von Gemüse. Ramot Haschawim ist eine wichtige Errungenschaft in der Entwicklung privatwirtschaftlicher Siedlung in Palästina. Während bis jetzt privates Kapital in der Landwirtschaft fast ausschließlich in die Orangenwirtschaft floß und durch Lohnarbeit und Export gekennzeichnet war, hat hier eine Gruppe Juden aus Lfeutschland in Selbstarbcit für die Marktversorgung des Jischuw eine Siedlung geschaffen. Dieser Ort ist nicht ohne schwere körperliche Mühen der Siedler, nicht ohne Sorgen und nicht ohne Bangen uni die wirtschaftliche Existenz gewachsen. Aue'., heute ist es noch zu früh, ein abschließendes Urteil über Rarnot Haschawim abzugeben. Die Berufs- Umschichtung niittelständischcr Juden kann aber bereits heute als gelungen bezeichnet werden. Ob der Beweis für die landwirtschaftliche Ansiedlung einer Familie auf vier Dunam Boden als erbracht gelten kan«, — wer kann cs sagen? Es gibt Faktoren der Unsicherheit. Aber seien wir gerecht: Nur durch Experimente und durch Pionierleistungen in allen Zweigen der hiesigen Landwirtschaft haben wir einerseits Erfahrungen gesammelt und andererseits Erfolge erzielt, die uns kein noch so gebildeter und welterfahrener Agronom jemals hätte prophezeien wollen und können. Die Haltung des Jemen Der Tel-Awiwer ״Haarcz“ erfährt aus arabischer Quelle, daB Imam J a h j a h vom Jemen bis zum heutigen Tag den von den arabischen Fürsten erlassenen ״Aufruf an das arabische Volk Palästinas“ nicht unterzeichnet hat. Die in Haifa erscheinende arabische Wochenschrift ״AI Chamis“ schreibt hierzu, daß der Imam dem Obersten Arabischen Komitee überhaupt nicht geantwortet habe. Eine europäische Macht (die Redaktion des ״Haarez“ meint, cs handle sich um Italien) habe den Imam bewogen, von einer Einmischung in die palästinensischen Verhältnisse ab• zusehen. Ein Beamter des Außenministeriums dieser Macht habe den Imam in Sana besucht und ihm klargemacht, daß die Vermittlungsaktion der arabischen Könige auf Wunsch und im Interesse Englands erfolge. EVer Jemen habe keinen Grund, England zu dienen. Die Reise des neuen Iraker Außenministers zu Ibn Saud soll mit dieser Haltung des Imam Zusammenhängen. Es heißt, daß eine gemeinsame Abordnung von Ibn Saud und König Ghazi den Imam be• suchen werde. t

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