Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-11-13 · Heft 91 (13.11.1936) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 91 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2654007--29820-2691366
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 13. XI. 1936 Englands jüdische Kriegsteilnehmer Gelallenenleier in London Die Judeofrage in Ungarn ״Schicksalsfrage des Kabinetts Daranyi?“ Eine Reihe deutscher Zeitungen veröffentlicht einen Bericht über die politische Lage in Ungarn nach dem Tod von Oönihös, worin es u. a. heißt: ״Pa- J u 1׳ f n t u nt I1.it d־׳n Tir-1 des Min[-rcr|)1H^i1fenl1*n ftftmböi tum Anlaß (hier großen Ot:c11־ive geg(.-a den bisherigen Regierungokm:, und 1Ü1 dis Wiedererrichtung des ״liberalen Z <• i t a 1 t < r .״ "י<■ luöcn, l״l׳c1,1U׳ und Li git ״m-ten haben sich zur l.rmVhung (|1״׳! י01ו-öm?!1-1״mmr-ngelr!n, und der frühere langjaiiiigt Mim-u-rpr.i-ültr.i (.hat Stefan li e t h 1 e ת hat sieh zum jepra-mUihvcti \Y״t1!uhtcr die-er Ittweyung gem.u hu .... I»t> Iitu׳r;1!-ji1di < hen Iil:'s!׳cr vc: kii1:!lct1. d.ilj jeU! die Epoche 1V1111׳׳» « iedet kiüiie, die Zeit, in der Ix-lianmlieh das Judentum *n Ungar n eeinc I Io. bk׳ ccuckuir (״!״;.!:״ 1 *er neue ]'חיח',:!"";"!!! de. Judentum., i-.t a lierciing. n io h t ohne Antwort geblichen. Die R<־gien1üg-bk11u;r und vor altem der na!ionalvulkLchu ״Lj Magyar sag״ reagier tu iu ■sduitaUui Ton und »teilen oben und 11 11!1 m w n n d c n 1! i c I u!1 e n f 1' a <4 e zur 1 י e b;1 t e, Die ungarische J’r* »e s|>ie11״t heute den groüen. zweifellos ent. .״.chuileinlei! «dt.n! -! lernlii hen Kampf wider, der sich, wenn atirli nur ,-e!1r 1:111g ■am, l׳״me 110,1111'!!״ vollzieht. 1'., i-t kein /wvisvl, (laß die Juh-hh.nye ddi inener nnl!r zu-puzi. dal.'• -ie zur *Schick, aalsfrage d e s K a b i tu׳ t t - D a r a 11 y i werden kann. 1 hie nationalen (..egenktattt■ :.:egen da» Judentum sind heute noch zer- -splittert utid "eilig einheiilidi. ln der Regierung;parle! gehören von 185 Abgeordneten etwa «5 Almvoidnetc der radikalen Rcrhtsgnippe an. Leiter die zuktinliigv I l.tltung <)et Regierung zur Judenfrage liegen bi ,!er ne-e|! keine Aiuci! h v ti vor. Zweitclios ist da, K.i'.ih■!! .!׳in:,'.;!!-',, 1׳, ׳i m d! hi ist lieh■ konservativ und in der Weitaus*:״ ״urg a״!'h ן u 11c ti f c 1 n 11 lieb einge-tellt t H> die Regierung aber die Kraft und Iin1.>1-|da>»enhv1t finden wtrd, sich an die b! ,ze dei!nt;i11!׳,d• ti l!.-we״ung zu Mellen und da-, große national(; Ketot!:.werk von < lomb j - m -einem t> da• e. duichzuiuhren, muß a b e w artet « etilen," fn deniselhcrr Artikel wird auch gegen die Berichterstaltung der ungarifdieii Presse über Deutschland Stellung genommeti. Budapester Brief Von uusereni Berichterstatter Budapest, 10. November Stadenlennnruhen fiestern und heute kam es an den Budapest er H o c h s c h ti 1 e 11 wieder zu -den -. im November fast .schon zur periodischen FicbercPwheilHüig gewordenen — Atisschrcitungen. Am ersten Fagc konnte nachgcwiescn werden, daß es außerhalb dir 1 'nivcroit.it stellende Elemente waren, die die Fenster de« Chemischen Instituts entwarfen, in manche Hör- Stile der philosophischen Fakultät cimlrangen, heim Erscheinen des Dekans aber die Vorgärten und Korridore verließen. Heute randalierten verschiedene (Truppen von Hochscliülcrn, hielten judi-che Studenten an und zwangen sic /ur Aus- Weisung; /!! ״roheren i »einonstrationen kam es infolge Linschreiten* der Ptdi/ci nicht, tilciclueitig veröffentlichten die Leiter der führenden Studentenverbindungen einmütige Er- Klärungen, daß sie allen Ruliestürungen icriistelien und sie verurteilen. Die katholische ״E m c r 1 c a 11 a“ äußert sich in ähnlichem Sinne. ״Wir verurteilen nicht nur die Gewalttätigkeiten, wir werden dieselben auch, sollten sie sich fortsetzen, kraft unserer eigenen Organisation niederbrechen und die Ordnung an den Hochschulen sichern.'' Zionismus in Budapest Mit besonderer polizeilicher Erlaubnis hielt die Budapesfer Muttervereinigung des Zionistischen Landesverbandes im Her/i-Saal ihre diesjährige Generalversammlung ab. ,,Noch nie hat der ungarische Zionismus mit berechtigterer Klage auf das abgelaufene Jahr ׳/urückblickcn können, wie dieses Mal." Mit diesen, wenig ermunternden Worten begann der Vorsitzende, Dr. Julius Miklös, seine Eröffnungsrede, in der er mit Hinweis auf den kur/lieh erschienenen Jahresbericht, — dessen pessimistischen Tenor wir schon damals auffallend fanden —. die Schwierigkeiten skizzierte, mit denen die Bewegung 711 k.impfen habt־. Insbesondere zeigten sich dieselben im Laufe der Verhandlungen mit der Bester Kidfusgememde, die anliiIjlieli des Wahikomproir.isses ihre Ein- Schaltung in die l'ul.Mim-Aibeit zugesagt hatte. Doch wie die Gemeinde dies atis/ufuhren gedenkt, wäre dem Geiste nach eine \X'ohlta(i,:k1״t»aklion alten Stils, der form nach aber cm K!>11ku-mmmtcnichuien gegen die ivttiunalen Lands. Nach solchen Liittäiisciiung cn 11u1.־-se die Leitung desto iritransigeiiter bei ihrer Forderung der W a h I r e c h t sr e f o r!11 verharren, damit nicht einige ״< iro'i-Juilen“ die Gemeinde beherrschen, ileicn basten von tten Zehntausemleii .,kleinen Maiuicrn" getragen weiden. Der l-’ctlner zollte dann der hingebungsvollen '1 .,üigkeit tler Wi/o, sowie der Jugendverbünde vt>lle Aneiktttmini׳, nur dürften sich weder tler wnlildis/fplinit/rtc rechte i'iügel, noch die titcli links gerielitoten Gruppen der Jugend mit Berufung auf ihre Mcnlaiitat der < Uu-r.-iufsiclit dir?eilt ralleitung ent/i dien. Zum Schluß begrüßte Dr, Miklös in einigen herzlichen Worten den anwesenden Direktor des Keren f lajts.-od, Dr, Arthur Hantkc, der als Dank uiid Erwiderung von der uiierschiitterlichen Festigkeit uml Selbstsicherlicit des palästincnsischen Jiscliuw erzählte, die wohl manchen Judenheiten in der Gallith, vielleicht auch in Budapest, /tun Vorbild dienen könnte. Nach seinen mit großem Bciiall mitgenommenen Worten referierte brau Dr. Nissan Kaltau über die Tätigkeit der Wizo, die in r 11t Ortsgruppen und mittels wöchentlicher Zusammenkünfte in der Hauptstadt schon viel Verständnis und Interesse für die Sache Palästinas in den besten Kreisen der Gesellschaft geweckt habe. In der Debatte wurde bemängelt, daß sich die Wirkung der zionistischen Propagantla nicht tief genug in den Massen verankere, daß für die Provinz und die llachscliarah nicht genug geleistet werde, daß auch die Parteipresse nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe stehe. Trotzdem verdiene die Arbeitsfreude und Arbeitsleistung der jetzigen Leitung unbeschränkte Anerkennung und Würdigung, die denn auen in geheimer Abstimmung neuerdings an die Spitze der Budapester Vereinigung gewählt wurde, Aua 4«a Gemeind•» In Buda (Ofen), der Nachbargemcinde Pests, sollten dieser Tage die Wahlen in den Vorstand und Ausschuß der jüdischen Gemeinde stattfinden, denen im ganzen lande mit größtem Interesse entgegengesehen wurde, litt Wahlkampf sollten sich nämlich die sog. ״Autonomisten“, die den selbständigen Weiterbestand der SOüjährigen Gemeinde wünschten, mit den ״IJnioitisten“ messen, die im Interesse einheitlicher Kraftentfaltung eine Vereinigung mit der Bester Gemeinde anstrebten. Im letzten Augenblick verbot ein von der Israelitischen l.andcskanzlci initiierter Erlaß des Kultusministers die Abhaltung jeglicher üemeindewahlen auf drei Monate, da die von der diesjährigen Landesversamntlang geschaffenen neuen Gemeindestatuten bisher die Gcneh* London, d, November. (JTA.) Feldmarschall Lord M i I n e hielt im Anschluß an die Gefallenengedenkfeier der jüdischen Kriegsteilnehmer Englands, bei der er dem Vorbeimarsch von 8509 jüdischen Frontsoldaten abgenommen hatte, in der Albert Hall eine Ansprache, in der er die versammelten jüdischen Kriegsteilnehmer als ״Kameraden im Dienste des Königs“ begrüßte. Wer die Ehre gehabt habe, des Königs Rock zu tragen und wem die große und stolze Auszeichnung zuteil geworden sei, im Weltkrieg zu dienen, müsse auch der heutigen Armee als Kamerad gelten. Lord Milne brachte seine Anerkennung über die stramme militärische Haltung der jüdischen Kriegsveteranen bei der Parade zum Ausdruck und erklärte: ״Als ehemalige Soldaten!mißt ihr sehr stolz darauf sein, was ihr auf den Ruf der Pflicht für dieses Land und das Reich getan habt. Zieht man den Prozentsatz eurer GI a 11 b e tisgenossen in dies e in L a 11 11 e in Betracht, so ist es eine wundervolle Leistung. Ich glaube, ihr habt euer Licht zu sehr unter den Scheffel gestellt,“ Von Disraeli sprach der Redner als ״einem unserer größten Staatsmänner, einem großen Mann und einem großen Juden, der im Unterhause erklärt hat, die Macht Englands hänge von dem Frieden der Welt ab“. So sei die Lage in diesem Augenblick, Geeinigt würden die Briten ihr standhalten können, entzweit würden nicht nur sie, sondern die ganze Welt in Asche und Vernichtung sinken. Der Marquis of Reading (früher Lord Erleigh) gedachte der 50 000 Juden des Britischen Reichs, die vor zwanzig Jahren ebenso wie Millionen ihrer Mitbürger stolz, darauf waren, des Königs Uniform zu tragen. Denjenigen, die auch heute von dem leidenschaftlichen Begehren erfüllt seien, eine Uniform zu tragen, stehe dieselbe wie damals zur Verfügung. Es würde ihnen besser anstehen, in der Uniform des Königs den Frieden des Reiches zu schützen, als im Fast End den Frieden zu stören. Auf dem Soldatenfriedmigung nicht erhalten haben. Die hier ausgedrückte Hoffnung auf baldige Legalisierung der Kongreflbeschlüsse erweckfc• große Befriedigung. Literariscltes Frau John Földes, die mit ihrem Roman: ״Die Gasse der fischenden Katze“ — wie gemeldet — den großen internationalen Preis der Londoner Parker-Firma gewonnen hat, stand als Jüdin bald im Kreuzfeuer der Huldigungen und Angriffe. Nun erklärt sie in einer jüdischen Zeitung, sie sei mit sechs Jahren reformiert getauft worden, könne also höchstens rassisch dein Judentum zugezählt werden - oder dadurch, daß sie ״sich stets auf seiten der Unterdrückten stelle“ , . . Johann Kosztoldnyi, einer der begabtesten ungarisehen Dichter, ist im 51. Lebensjahre gestorben. Dieser christliche Dichter interessierte sich für hebräische Dichtung, die er natürlich nur aus modernen Uebersetzungen kannte: er hat 7. B. Juda Halivis Zionide formvollendet ins Ungarische übertragen. _ Dr. A. F. Churer Prozeß am 9« Dezember Die Hauptverhandlung im Mordprozeß David Frankf u r t c r vor dem Kantonsgericht Graubünden beginnt am 9• Dezember im Saale des Großen Rates im Staatsgebäude in Chur. Sie dürfte etwa drei Tage dauern. Das ״D cutsche Nachrichtenbüro“ berichtet zu der vorstehenden Meldung: ..Dir«־ Mclilimg audir Schwt’iz gibt mm endlich über den X erhaiHÜuiigsti-niiiu ״egen den (öistloif-Murder, David J'rankfuitor, (’׳ewjishrit. Man rechnete bekanntlich »dum im September mit einer X erhandltmg, die dann alter wegen de» Ablebens des zuständigen K״i!,v. euer Staat »amvali: v:! -!!׳werden mußte. Die Anklage wird nunmehr der Amlsklager Friedrich Buigger vertreten. Als Präsident de- Uciii.lu» wird Pr, Ganzem! genannt. Eilte weitere Verschiebung (!es Vetl,:mdl111!{1׳.!e11mn-i trat dadurch ein, daß man annabin, das (ie- 1 m!11 -.gi!!'!nde "״!nie Im.״' dem zu iTwanendeit Andrang nicht, genügen. Fs wurde daher gewartet, bis der Sitzungssaal des (!roßen Rates zur Verhandlung frei wurde. Pie.-e Maßnahme beweist, das große 1 ה t e r t י s c. da» man nicht nur in Deutschland und der Schweiz, .sondern in der ganzen Welt diesem l'rozeß tim gegenbringt Es liegen dem Selm״ izer Geliebt bereits zahlreiche Anträge austiindi- ,-!־her |!!m״u!i-!(1״ :ml Teihudmu; an den Sitzungen vor. Wem! in der Meldung der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß der Prozeß nur wenige Tage in An-prtieh nehmen wiid. so ist diese Annahme iaiuJgc des klaren Taibestandes der Kinjordung berechtigt. Kerscheint aber ii3g!i!l>, ob in so '»׳1׳/••! Zeit auch die Frage der Hintergründe der Tat und der I i iitterntanner de; Taters mit der Ausführlichkeit erörtert werden kann, die ein Attentat vor! so hochpoHtiseber lied« titring wie die Mordtat von Davos erfordert. Die von der deuisrlien l're»sc und auch einigen Schweizer Zeitungen in den letz'en Tagen angeprangerteü Versuche de; internationalen Judentums io aller Welt, dem Mörder lultieich zur Seite zu stehen und seim׳ Vertu *eihing zu liintntn ihen. fassen erkennen, daß der M״rder melit a!!1i״ sieht. Es wäre auch zu klären, ob er noch andere Morihdien beabsichtigt h.ß. \ oratifsetrung fiir eine schnelle Abwicklung de; Prozesses durfte ferner die II esc 11 rank u 11 g der Verteidigung; maßnahmen für den Mörder auf dn.5 eigentliche Verhandlung», t hem a *ein. Zahlreiche jüdische Pr«sseäußerungen lassen erkennen, daß man von jüdischer Seite plant, die Verhandlung zu politischen Angritlen g׳*i׳er1 die deutsche Heimat des Ermordeten und die liitionaLsotiali-t iwtlte Hewegcmg tu mißbrauchen. Man wird für diesen Teil eingehende deutsche Erwiderungen um so wertiger zurück»״ isen können, als ja nach der Mordtat von srhwei. zerischcr Seite die Auflösung der Lande.sgruppe Schweiz der NSDAP, aus Gründen verfügt wurde, wie sie auch in dem Pressefeblzug gegen Gustloff eine Rolle spielten. Mit der Einreichung der Beweisanträge von deutscher Seile ist in den nächsten Tagen zu rechnen. \ orati •irhtiii h wird auch die Witwe des Ermordeten. Trau Hedwig Gtistlott', persönlich über die Mordhetze gegen ihren Alarm und die Ereignis-״.' am Mordt.ige vernommen werden.“ Wir haben schon in der vorigen Nummer der ״J, R,“ darauf hingewiesen, daß von maßgebender jüdischer Seite der Mord von Davos verurteilt worden ist. Wir glauben nicht, daß ein ernstes politisches Thema wie die Juticnfrage, das gewaltige historische und soziologische Verzweigungen hat, durch eine Hineinziehung׳ in eine Gerichtsverhandlung, die von ganz anderen juristischen und psychologischen Tatbeständen ausgehen muß, der Lösung nähergebracht werden kann. hof auf dem Sk opus-Berg in Jerusalem seien Christen, Juden und Mohammedaner zu ewiger Kameradschaft gebettet. Stamm gegen Stamm, Religion gegen Religion zu hetzen, heiße das gemeinsame Andenken an diese Toten entehren. Der Leiter des Kanteradschaftsabends, Hauptmann Neville Laski, verlas ein Hukiigungstelcgramm an König Eduard VIII. uml die darauf eingetroffene Grußbotschaft des Königs. Es sprachen noch der Oberrabbincr des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, Leon Giuckstcin für die Abteilungen aus der Provinz und der Schatzmeister der British Legion, Major J. Brune! Cohen, der den Toast auf den Vorsitzenden ausbrachte. Dein Feld gottesdien st und der Parade auf dem Horse Guard's Field hatten 30000 Menschen beigew'ohnt Unter Vorantritt des Musikkorps der Kgl. Schottischen Garde zogen sodann unter dem Kommando des Oberstleutnants L. H. Levev die jüdischen Frontsoldaten in Achterreihen zum Grabmal des Unbekannten Soldaten. Die einzelnen Bataillone wurden von Oberst M. C■ Joseph, Oberstleutnant J. S. Marks, Kapitänleutnant R. Goldrich und Oberstleutnant Stanley S. Cohen, die Offizierskompagnie von Oberst R. H. Josephs geführt. Die Kranzabordnung stand unter dem Kommando von Major J. B. Brunei Cohen. Die inhalier des Viktoria-Kreuzes, Leutnant Leonard Keysor und Infanterist Jacques White, leg-ten den Lorbeerkranz, in dessen Mitte sich ein Magen David aus Mohnblüten befand und dessen Schleife die Inschrift trug: ״Dem Andenken der jüdischen Kriegsgefallenen, die ihr Lehen im Weltkrieg hingegeben haben“, an dem Sockel des Grabmals des Unbekannten Soldaten nieder. Der bei der Parade von Oberrabbiner Dr. Hertz und dem obersten jüdischen Feldkaplan Gollo.n geleitete Feldgottesdienst wurde vom englischen Rundfunk übertragen. Die Hymne Adon Olam wurde von einer Musikkapelle des schottischen Garderegiments gespielt. Reichsangehörigkeit und Reichsbürgerrecht Wie die ״Frankfurter Ztg.“ vom 12. Nov. berichtet, halte da« Reichsarbeitsgericht kürzlich eine Entscheidung darüber zu treffen, ob unter der Reich sangehörigkeit eines Oefolgschaftsmitglicdcs die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Rcichsbürgcrscliaft zu verstehen sei. Nach einem als Tarifordnung in Geltung gebliebenen Tarifvertrag ans früherer Zeit konnte bestimmten Angestellten nur aus wichtigen Gründen gekündigt werden. Nur diejenigen Gcfolgschaftsmitglicder waren von dieser günstigen Regelung ausgenommen, die wegen des Nichtbesitzes der Reichsangehörigkeit nicht als ruhegeldberechtigt galten. Einem nichtarischen Angestellten gegenüber hat das Reichsarbeitsgericht jetzt festgcsteilt, daß als Voraus- Setzung für diesen Vertrag die deutsche Staatsangehßrigkeit genüge. In der Begründung dieser Entsdheidüng sagt das Reichsarbeitsgericht unter anderem: Darüber, daß der nichtarische Kläger deutscher Staatsangehöriger im' Sinne der Gesetze sei, herrsche kein Streit. Die fraglichen TarJfbesfimmungen stammten aus einer Zeit, die den Beg ri f f s u n t e r s c h i e d Staatsangehörigkeit und Reichsbürgerschaft noch nicht gekannt habe. Nach detn Stand der damaligen Gesetzgebung hätten Nichtdeutsche, also Ausländer oder Staatenlose, vom Ruhegeldbezug ausgeschlossen werden sollen, denn die Fürsorge für derartige Angestellte hätte int Falle des Ruhestandes anderen Stellen, namentlich ihrem Heimatstaat, überlassen hlcibcn sollen. Da aber das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und die Verordnungen zum Reichsbitrgergesetz den davon Betroffenen bei ihrem Ausscheiden aus ihrem Dienst das ihnen ־zustehende Ruhegeld nicht versagten, so sei auch bei dem Kläger ein Ruhegeldanspruch gegeben. Sein Dienst- Verhältnis sei daher nur, da die sonstigen Voraussetzungen erfüllt seien, aus wichtigen Gründen kündbar. Bad Alilbeck gegen Juden Wie einem Bericht der ״Potnmerschen Zeitung“ vom 2. November zu entnehmen ist, kam auf einer Gemeindesitzung im Seebad A hl heck auch die Judenfrage zur Sprache. Es heißt in dem Bericht darüber: ״Im vergangenen Sommer war es den Juden erstmalig ver. boten, den A h I b e <! k e r Strand * u betreten. An der Ostgrenze Ahlbecks befindet sieh leider ein Pensionshruis, das einen! Juden gehört und der natürlich Juden aufnimmt Diese urterwünschten Gäste tummelten sich nun außerhalb des Ahlberker Strandes. al»o am Strande hinter dem Simnendorf»• nach Kwinemiinde zu und IteliDiiglen die Gii.-te des Sonnindoiie;. l'm Dir die Zukunft den luden auch den Slramhcil hinter dein Sonneiidorf nach Swinemünde zu versperren, hat die Gemeinde Heim H,׳!fcn!ut;aml beantragt, ihr die polizeiliche Auidcht über den Strand bis halb nach Swinemünde zu übertragen. Dazu ist die Hafenbaubehönle bereit, 11nd es werden nunmehr entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Schön wäre es, wenn Swinemiinde über die andere Hälfte des Strandes ebenfalls die Polizeiimfacht übernehmen würde, damit sich dann am Strande des ״Dreigestirni“ (Swinemünde—Ahlbeck—lleringsdorl) kein Jude mehr blicken lassen kann.“ Die Leistungen jüdischer Juristen. Zahlreiche h 01! ä n dische Professoren der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftsfehre haben sich veraniaBt gesehen, einen Aufruf an die holländischen Studenten zu erlassen, in dem auf die Leistungen weltbekannter holländischjüdischer Juristen hingewiesen wird. Unter anderen jüdischen Rcchtsgelehrtcn werden in diesem Aufruf erwähnt: der verstorbene Staatsrat und Nobelpreisträger l>r. T. MX. Asser, der verstorbene Justizminister Dr. M. Godfroi, der verstorbene berühmte Dichter und Jurist Dr. Jacob Israel de Haan, der verstorbene Staatsrat Dr. D. Josephus Jitta, die Rcchtsgelehrten Professor Dr. J. Oppenheim, Prof. Dr. D. Simons, Prof. Dr. L. de Hartogh, Dr. A- A. de Pinto und Dr, J. Hamburger. JETZT SCIIKAllCE ■f AUEBAi■ *mvasen Robert Buche & co RB I ■ I iB U n m w B1% l%iRw ■ mm IR 1 neben Cef* Berlin« an der fSedächtnlskSreM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.