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Jüdische Rundschau · 1936-11-10 · Heft 90 (10.11.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 90 (10.11.1936)
Date
1936-11-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 10 JODISC'IE RUNDSCHAO Nr <50 10 XI 1936 Das Neueste in Kürze Der wirtschaftliche Boykott Von unserem Berichterstatter Kl. Jerusalem, 3. November Die Wiederherstellung der Ruhe im Lande, die durch die bevorstehende Hcimsendung eines Teiles der Truppen so demonstrativ unterstrichen wird, kann durchaus noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Es gibt sehr weite (jebiete im Land, in die zu reisen für Juden alles andere als ratsam wäre, und am Sitz der Regie• rung selbst, in Jerusalem, ist es bisher den jüdischen Oeschäftsleuten in der Bazarstraße der Altstadt nicht möglich gewesen, ihre Läden zu öffnen, da der ״Schuk“ (Markt) völlig von terroristischen Elementen der Boykott• Propaganda beherrscht wird. Ernster ist, daß der arabische Boykott sich in sehr energischer Weise auf die jüdischen Importeure aus• zudehnen beginnt. Schon während des Streikes ist in ausländischen Liefcrantenkreiscn — z. B. der Automobilbranche ־־־־ die Frage ventiliert worden, ob es nicht nötig sein werde, getrennte Agenturen für die jüdische und die arabische Kundschaft in Palästina cinzuricliten, resp. diese Agenturen weder Juden, noch Arabern, sondern einem dritten, neutralen Element anzuvertrauen. I>a die arabischen Kreise im allgemeinen nicht kapitalkräftig genug sind, um selbst die entsprechenden l.agerfinan/ierungcn vorzunehnum, sind sie zur Zeit stark auf der Suche nach europäischen Firmen im Lande, die sie mit den bisher von Juden bezogenen Importwaren versorgen können. _ Man wird jüdischorseits all dem auf die Dauer nicht untätig 711.sehen können. So wenig hier die Neigung zu einem VC'irtsdiaftskampf bestellt, so wenig kann man erwarten, daß die jüdische Kaufmannschaft sich widerstandslos das Wasser abgrahci! läßt. Man. wird daran denken müssen, eine straffe Organi-atUm aller am Wirtschaftsverkehr mit den Ara- Fern itnerewierten Kreise lierbci/ufiihren und, von dieser gestützt, eine Bereinigung der Verhältnisse herbei zuführen. Nebenerscheinungen des Boykotts Im Leitartikel des ״Bustcnai“ wird ausgeführt: Es sind jetzt politisch und wirtschaftlich unsichere Zeiten, Es ist kein Krieg und auch kein Frieden, cs sind keine Unruhen, aber 1יי ist auch keine Sicherheit. Wenige gehet! an n e u e 1' 111 e r ti e h 111 u n g e 11 und wenige v agen es, Bcstehendes zu erweitern, Besonders unklar ist aber der politische Zustand. I)je ganze englische Presse spricht von Konzc-Miuien, die wir 1n:u.heil müssen, und niemand von uns weiß, w c I c 11 e r Art diese Konzessionen sein sollen. Und aut die wirtschaftliche Lage wirkt wieder die Scheidewand, die zwischen uns und unserem Nachbarvolk errichtet worden ist. Auf einem tiehiete weisen sie uns ab, auf dem anderen weisen wir sie ab. Ihre halhwüchsiRe Jugend hält den Araber mit Gewalt vom jüdisehen Laden lern, und unsere halbwüchsige Jugend vertreibt den Fellachen, der uns sein Gemüse anbieten will. Die olitische Unsicherheit kann nicht behoben werden. Die Kgl. ommission ist eine Sphinx und ihre Aufgabe ist sehr weit und elastisch,... I)ic wirtschaftlichen Zustände erfordern eine sofortige Klärung und es liegt in unserer Macht, sie zu vollziehen. Vor allem dürfen wir nicht in verlogener Weise mit Worten spielen. Das Ideal der ״jüdischen Produktion“ ist eine heilige Sache, weil seine Bedeutung ist, unser Volk produktiv und selbständig zu machen. Aber gerade deswegen darf man es nicht miBbrauchcn, besonders n:eht für persönliche Vorteile. Wir alle sind Zeugen der plötzlichen Pr e i s s c n k u n g auf dem Gemüse• markt. Der Grund ist kein Geheimnis, er liegt in der Beendigung des Streiks. Die Fellachen b־achten große Mengen von Gemüse auf den Markt und das beeinflußte sofort den Preis. Ob diese Erscheinung erwünscht ist oder nicht — das ist eine Angelegenheit für sich. Sicher ist nur, daß Gemüsebauer, die hofften, 40 aus einem Dtinam Tomaten zu lösen, sieh getauscht sehen. Viele von uns halten Kaufe beim Araber für verboten, manche freiwillig, manche unter dem Druck von hiferern. Andererseits fuhrt der heutige Zustand zu Mißbräuchen. Das Gemüse wird billig vom Fellachen gekauft u n d teuer a n d e n jüdischen Konsumenten als jüdisches w e i t e r v e r k a u f t. Was soll uns solche Komödie? Die Losung: ״jüdische Produkte“ bedarf in vielen Punkten ihrer Klärung, und die Leiter der Propaganda taten gut daran, jeder Klage aus dem Publikum Beachtung zu schenken und sich nicht damit zu begnügen, blind Verordnungen über es zu verhängen, Was ging im ״Kleinert A.-C.״ vor? Zur Diskussion Ober ״politische Parität" Zu der Diskussion, die vor kurzem im ״Kleinen Aktions• Comite“ in j e r u s .1 1 c m über das Prinzip der ״p o I i t i - sehen Pa r 11 a t“ von Juden und Arabern in Palästina stattgefunden hat, wird der JTA. von der ״J 11 <1 e n s t a at s - Partei“ in Polen folgendes mitgeteilt: ,.Im Verlauf der Beratungen des Kleinen Aktions- Coinitcs bat der Vertreter der Zionistischen Exekutive die Annahme eines zustimnmiden Beschlusses zur Frage der politischer! Parität gefordert; damit sollte der Resolution des Prager Kongresses, welche besagt, daß die Juden in Palästina nicht herrschen, aber auch nicht beherrscht sein wollen, eine klare und deutliche Def j n i t i o 11 gegeben werden. Die politische Parität müsse die klare Antwort auf die Frage sein, wie sich die Juden das künftige Regime in Palästina varstcllen. Nach dem Referat gaben die Vertreter der verschiedenen Fraktionen ihre Erklärungen zu diesem Vorschlag ab, Die Arbeitergruppe sprach siel! für politische Parität aus. M. M. Ussischkin, der Misrachi, die Allgemeinen Zionisten der Gruppe B und die Jud e 11 s 1 a at s p a r t e i bekämpften den Vorschlag heftig. Bei den Allgemeinen Zionisten der Gruppe A hat sich die Mehrheit nach leidenschaftlicher Debatte gegen die Parität. ausgesprochen. Zum Schluß haben die Allgemeinen Zionisten der (Truppe A ihren Vertretern im Aktions-Comitc freie H ,1 11 d für die Abstimmung gelassen. Der Vorschlag der Exekutive wurde im Kleinen 'Aktions-Comitc mit einer aus den Vertretern des Misrachi, der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten und den Herren M. JM. Ussischkin, M. Großman und Suchowit/ky bestehenden Mehrheit abgelehnt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Exekutive zur FTnbemfung einer Sitzung des Kleinen Aktions-Comitds für den fs. November aulzufordern.“ Diese Darstellung scheint insofern ungenau zu sein, als nach der früheren (auch von uns in Nr. 87 abgedruckten) Meldung der Vorschlag der Exekutive nicht abgelehnt, sondern angenommen wurde, worauf die Vertreter der überstimmten Gruppen bei der Exekutive Protest (kein ״Ultimatum״, wie versichert wurde) erhoben. Trotzdem ist die Wie aus Meldungen aus allen Teilen des Landes hervorgeht, sind die Terroristen weiterhin aktiv. Bewaffnete Banden dringen in arabische Dörfer ein und zwingen die Bewohner zur Herausgabe von Geldern. Auf die Wächter von Ejn Hachoresch bei Nazareth wurde nachts geschossen; das Feuer wurde erwidert, worauf die Täter sieh zur Flucht wandten. Auch auf Kwuzath Mischmaroth bei Karkur wurden Schüsse abgegeben. Eine bewaffnete Bande verübte einen Ueberfall auf das arabische Dorf Safiriya bei Jaffa, raubte alles Geld, dessen sie habhaft werden konnte, und brachte einer Frau Verletzungen bei. In Jaffa wurde ein Araber verhaftet, der beschuldigl wird, am 20. April den jemenitischen Juden Simantov ermordet zu haben. Er wurde vom Sohn des Ermordeten wiedererkannt. Izchak Kasher, der bei einem Ueberfall auf eine Gruppe von Arbeitern bei K f a r W i t k i n schw er verwundet wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Der Verstorbene war Mitglied der ersten Siedlergruppe, die sich in Kfar Witkin niederließ. Er war verheiratet und Vater von zwei Kindern, Auf ein arabisches Dorf in der Nähe von Sichren- Jakob wurde durch neun bewaffnete arabische Terroristen ein Ueberfall verübt. Die Terroristen forderten die Uebergabe von Geld und Wertgegenständen; Dorfbewohner, die sich ihnen widersetzten, ־wurden mißhandelt und durch Ätesserstiche verwundet. Ein 25jährigcr Bauer wurde erschossen. Eine Gruppe bewaffneter A raber überfiel einen jüdischen Wächter in einer Plantage hei Petach Tikwah und versuchte, ihm das Gewehr zu entwinden. Die Angreifer wandten sich zur Flucht, als der Wächter Schüsse abfeuerte; es gelang ihm jedoch, zwei von ihnen festzunehmen. Eine Abordnung der Einwohner Dschenins hat sich nach Jerusalem begeben, um bei den Behörden und dem Obersten Arabischen Komitee gegen die Aufrechterhaitung des Mitteilung der ״Judenstaatspartei" insofern interessant, als inan daraus erfährt, wie die Haltung der Parteien ist. Nach all dem läßt sich wohl bezweifeln, ob die Erfindung dieses ״Kleinen A.-C,“ eine sehr fruchtbare Idee gewesen ist. Arbeitsprogramm der Kommission Wie Palcor aus Jerusalem meldet, wird die Kgl. Kornmission im Gebäude des ehemaligen Hotel Palace tagen, in dem jetzt die Rcgierungsämtcr untergehracht sind. Die erste Sitzung (voraussichtlich am 12. November) wird vom H i g h C o m missioner c r ö ff n e t werden, der die Mitglieder der Kommission dem aus Vertretern der verscliicdcncn Bcvölkcrungstcilc und Journalisten bestehenden Publikum vorstcllen wird; danach wird der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, eitle Ansprache halten. Nach Palcor stimmt es nicht, daß die Kommission gleich nach der Eröffnungssitzung eine ausgedehnte Rundreise im Lande antreten wird; vielmehr bestellt die Absicht, erst nach Entgegennahme der Aussagen der Regierung die Sitzungen zum Zwecke einer Rundreise für kurze Zeit zu unterbrechen. Die Zionistische Exekutive bat für Dienstag eine Sitzung des Kleinen A k t i o n s C o m i t ö s einbertifen, an der auch Vertreter der jüdischen Institutionen Palästinas teiinchmen werden, 11 in über Fragen im Zusammenhang mit dem Erscheinen jüdischer Vertreter vor der Königl. Konimission zu beraten. ״Islamia“ meldet, daß der neue Minister des Auswärtigen vom Irak, NadsTii al Asil, den König Ghazi vor der Kgl. Untersucliungskommission in Jerusalem vertreten wird. (Ob auch nach dem Boykottbeschluß der Araber gegen die Kgl. Kommission dieser Plan weiterbesteht, muß wohl noch abgewartet werden. — A. d. R.) Schach in Palästina - Zernink (Jerusalem) Landesmeister Das große schachliche Ereignis Palästinas bildete das erste Turnier um die Landesmeisterschaft, das apfangs Oktober in Tcl-Awiw ausgetragen wurde. Es beteiligten sich daran 11 Spieler; 7 Vertreter von Tcl-Awiw, 3 Spieler von Jerusalem und Foerdcr (Ramnt-Hnschawim). Dem Jerusalemer Stadtincister Zcrniak gelang es, mit 7 Gewinnen und 3 Remisen aus 10 Partien mit einem ganz klaren Vorsprung von 2 Punkten die Landesmeisterschaft zu erringen. Der Sieg Zerniaks ist als verdient zu bezeichnen. Schon nach den ersten Runden war sein Endsieg wahrscheinlieh. U. a. gelang es ihm, seine beiden Hauptkonkiirrenten, Blaß und V o e r d e r, zu schlagen. Foerdcr machte in seiner Partie gegen Zcrniak einen groben Schnitzer, der nach wenigen Zügen zum Verlust führte. Immerhin langte es noch zur Teilung des zweiten und dritten Preises mit Blaß, dem Sieger der Makkabiade lind diesjährigen Zweiten aus der Tel-Awiwer Stadtmcistcrschaft. Der vierte und fünfte Preis wurde geteilt zwischen Dr, Labunski (T.-A.) und Kleinstein (Jerusalem). Kleinslein, Jerusalems Dritter, bildete damit eine angenehme Ueberrasdning. Einen halben Zähler zurück landete Dobkin, der somit ohne Preis ausging. Mocht (ehemaliger litauischer Mc-istcr) kam auf P ä Punkte. 3!) Punkte errang Mendelcwitz, 3 Rauch. Der Tel-Awiwer Stadtmeister Weil und Jerusalems Zweiter, Dr. Rosenbaum, enttäuschten, da sie es nur aut 3!/; b7w. 1*/״ Punkte brachten. Der Endstand: 1. Zerniak 8*4; 2. und 3. Foerdcr und Blaß 61•;« י■ und 5. Kleinstem und Dr. Labunski 6; (1. Dobkin 5';; 7. Mocht 48;2'י. und 9. Mendelcwitz und Weil 31 j; 10. Rauch 3; 11. Dr. Rosenbauin D,2, ln Jerusalem wird neuerdings eine Schachmonats• schrift in hebräischer Sprache herausgegeben. Es ist dies der dritte Versuch zur Schaffung einer Schachzeitschrift im Lande. Herausgeber ist Zerniak. In Jerusalem besteht seit kurzem ein neuer Schachverein. Es gibt in Jerusalem — wie in ganz Palästina Ober- Haupt — eine sehr große Zahl begabter Schachspieler. Was aber itn Lande noch fehlt, ist die Organisierung des Schachs. Die in den verschiedenen Stadtteilen Jerusalems vorhandenen Schachkreise zu erfassen und sie in einem Schachklub, der auch weniger Bemittelten den Beitritt ermöglicht, zu organisieren, war der Gedanke, der einige Chawerim der H!stadruth veranlaßte, in Jerusalem einen neuen Schachverein zu gründen. (Bisher gab es nur die Schachabteilung des Menorahklubs.' Der Verein umfaßt bereits eine stattliebe Zahl von Mitgliedern. In Kürze soll mit dem ersten Winterturnier begonnen werden. Spielabende sind regelmäßig Dienstag und Schabbat ab 8 Uhr abends im Klub Hapkidim, Binjan Kupath-Milwe, Ben-Jehudastr. Kurt Ermann Ausnahmezustandes in ihrer Stadt seit sechs Tagen Protest einzulegen. Wie erinnerlich, wurde der Atisnahmezustand über Dschenin verhängt, nachdem ein arabischer Polizeioffizier sowie ein Passant auf offener Straße ermordet wurden. Nach einer Meldung Im ,,Felestin״ ist der Terroristenführer K a u k j i in Bagdad e i 11 g e t r o f f e n, wo ihm ein warmer Empfang zuteil wurde. Einer späteren Nachricht zufolge soll er jtiduch von der Polizei in Rcube auf der Grenze zwischen Irak und Syrien verhaftet worden sein. Die hebräische Presse erhebt Anschuldigungen gegen die Direktoren des Haifaer Hafens, die versuchen, die Juden zu zwingen, zum Jaffaer Hafen zuriiekzukehren. In Haifa liegen drei Schiffe vor Anker mit einer Ladung von 2S0 Wagenladungen Kistenholz, die jedoch wegen A r b e i t c r m a n g c 1 s nicht gelöscht werden konnten; jüdische Arbeiter haben zwar ihre Dienste angeboten, wurden jedoch zurückgewiesen. Der Keren Kajemeth hat eine Bodenfläche von 840 Dunani für die Ansiedlung von Einwanderern aus Deutschland erworben, ferner in der Nähe von Kfar Jona eine Flache von 200 Dunani, auf der eine nach Jean Fischer benannte Arbeitersiedlung gegründet werden soll. Auf der Generalversammlung des Verbandes der Stu« deuten an der H cbräischen Universität Jerusalcm wurde beschlossen, Studenten, die kommunistischer Gesinnung verdächtig sind, aus den! Verbände aus zu• schließen. Aus Anlaß des 80. Geburtstages von Louis Brandeis wird am 12. November im Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem eine Feier stattfinden. Der Direktor des Hebräischen Lehrerseminars in Jerusalem, David Y e 11 i n, der bisher auch Dozent für hebräische Sprache an der Universität war, ist zum Professor der Hebräischen Universität ernannt worden. Arbeiterinnen beim Chausseebau ״Dwar Hapoeleth“ gibt einen Ueberblick über die Rolle der Frau beim Chausseebau, einem Arbeitszweige, der in letzter Zeit wieder größere Bedeutung für sie gewonnen hat: ״Als vor 16 Jahren nach Ende des Weltkriegs die dritte Alijah ins Land kam, wollten alle zur Landwirtschaft Aber nachdem sie die wahren Bedingungen des Landes kennengelernt hatten, sahen sich viele genötigt, zum Chausseebau zu gehen, der gerade damals aussichtsreich war, da viele Verbindungen erschlossen wurden. Freilich waren die Arbeits- und Lebcnsbedingungeii dort schwer, und man kam sogar oft noch nicht einmal auf seine Rechnung. Vielfach wurde die Meinung vertreten, daß die Frauenarbeit die Unternehmen unrentabel machten, und man versuchte, die Mädchen von der Arbeit auszuschließen. Bis heute hat sich noch dieses Vorurteil erhalten. Aber die Arbeiterin hat damals um ihre Rechte auf Arbeit gekämpft und konnte sich behaupten, da sie nachweiscn konnte, daß ihre Leistung gleichwertig war. Ihr Fach war besonders die Käesherstellung. Aber das war mehr ein Zufall, denn auch bei anderen Chausscearbeiten bewährten sich Mädchen in gleicher Weise, sobald sie nur Zugang zu ihnen fanden. Inzwischen aber sind 16 Jahre vergangen, und während dieser Zeit hatte die Arbeiterin auf allen möglichen Arbeitsgebieten Fuß gefaßt, aus der Chaussee• arbeit aber war sie mehr und mehr verdrängt worden. Erst in letzter Zeit durch die Krise und die politischen Ereignisse wurden Anstrengungen gemacht, den Mädchen ihren Platz in der Chausscearbeit zurückzugewinnen, um sie vor Arbeits• losigkeit zu bewahren. Man plante, 200 Mädchen! dort unterzubringen, aber fürs erste ist der Umfang der Chaussee• arbeiten noch nicht der geplante und nur 120 Mädchen konnten die Arbeit dort antreten. In nächster Zeit aber hofft man weitere hundert und vielleicht mehr eingliedern zu können. Die Kieshersteilung, die früher ihre Hnuptbeschäftigung war, wird allerdings jetzt meist maschinell betrieben, aber es gelang trotzdem, auch hier sich in einzelnen Fällen mit Handarbeit durchzusetzen, wenn man auch im allgemeinen mit der Maschine nicht konkurrieren kann. Andere Arbeiten an der Chaussee, wie Kiesverstreuen und Teeren, machten sich besser bezahlt. Mail hat erreicht, daß sie zum Monopol für die Arbeiterinnen erklärt und. ihnen von den Unternehmern reserviert wurden. Der Verdienst beim Chausseebau ist zufriedenstellend: eine geübte Arbeiterin kann es auf 400 Mil am Tage bringen. Die Hauptschwierigkeit war die Anpassung an die physischen Anforderungen der Arbeit, und diese war natürlich individuell sehr verschieden. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Mädchen aus den Kihhnzim sich besser eingevüiintcn als die städtischen Arbeiterinnen, die an körperliche Arbeit weniger gewöhnt sind.“ Angebliche Aeußerung Wauchopes Die arabische Zeitung ״AI-Liwa“ berichtet über eine Unterhaltung, die zwischen dem High Conimissicmer und dem libanesischen Schriftsteller Ein in Rihani, der vorige Woche Palästina besuchte, stattgefunden haben soll. Sir Arthur Wauchope soll angeblich erklärt haben, daß er mit der Palästinapolitik des Kolonienministers nicht einverstanden sei und die IJeberzcugiyig hege, daß diese mit einem Mißerfolg enden werde. Er werde der Untersuchungskommission Informationen erteilen und glaube, daß seine Aussagen schwer ins Gewicht fallen werden. Zum Schluß soll der High Comniissioner gesagt haben, daß die Empfehlungen der Kommission zweifellos die Araber befriedigen werden. — Die Meldung muß, wie ״Palcor“ dazu bemerkt, mit Vorsicht aufgenommen werden. Mufti und KlrchenfOrsten Wie die Palcor erfährt, bat der Mufti in letzter Zeit häufig bei führenden Persönlichkeiten der christlichen Gemeinden vorgesprochen, um sie dazu zu bewegen, vor der Kgl. Kommission zu erscheinen und für die Araber günstige Aussagen zu machen. Oer Multi hat Donnerstag den anglikanischen Bischof in diesem Zusammenhänge auf• gesucht, Einschränkung arabischer Weberei-Betriebe. Da die arabische Textilindustrie in Palästina unter einer Stockung d« Absatzes ihrer Produkte zu leiden hat, wurde der Arbeitslohn der Weberei-Arbeiter von 7 Piaster auf 5y־ Piaster taglieh herabgesetzt. Hundert arabische Arbeiter sind in den Streik getreten. Zahlreiche arabische Kaufleute aus Nablus und anderen Städten sind nach Jaffa übersiedelt, wo sie Läden gemietet haben, die von den seither weggezogenen jüdischen Kauileuten besetzt waren. f

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