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Jüdische Rundschau · 1936-11-10 · Heft 90 (10.11.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 90 (10.11.1936)
Date
1936-11-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 90,10. NOVEMBER 1936 Auf der Suche nach Lösungen Von J. Tarsc!lisch (Hcchaluz) Im Verlauf der Diskussion über die gegenwärtigen politischen Probleme Palästinas, in der wir nach Tunlichkeit ein Bild der innerhalb des Zionismus vorhandenen Mcinungen geben wellen und demgemäß individuelle Acußerungen ohne Rücksicht auf unsere eigene Meinung abdrucken, bringen wir (gekürzt) noch den Artikel eines jetzt in Deutschland befindlichen Palästinensers. — Red. Unser Oedankengang seit 1929 Seit 1929 haben wir viel Selbstkritik geübt. Wir haben manchen neuen Weg in der Politik gesucht, um die Be- Ziehungen zwischen Arabern und Engländern zu ändern. Wie war nun di« Entwicklung in diesen Jahren? Trotz unseren Bemühungen blieb die englische Beamtenschaft in Erez Israel uns feindlich gesinnt, weil nicht ihre Sympathie oder Antipathie die Beziehungen zu uns bestimmten, sondern eine klare politische Linie. Was die arabischen Massen betrifft, so hat die Prosperity und das Einströmen jüdischen Kapitals den Fellachen, Arbeitern und Kaufleuten großen sozialen Vorteil, einen Ueberfluß an Arbeit und Verdienst gebracht. Der Lebensstandard des arabischen Arbeiters stieg. Es gab auch Versuche, den arabischen Arbeiter zu organisieren. Es ist unmöglich, zu behaupten, daß die Araber diesen sozialen Vorteil nicht gespürt hätten oder nicht wußten, daß er den Juden zu verdanken war. Und doch hat das alles im entscheidenden Augenblick nicht viel genutzt. Unter denen, die uns Angriffen und überfielen, waren Hunderte, die Vorteil aus dein jüdischen Werk gezogen hatten. Viele arabische Arbeiter, die durch uns organisiert worden waren, nahmen am Streik gegen uns teil und auch an den Terrorakten, Brandstiftungen und Eisenbahnüberfäflen. Es ist eine der sonderbarsten Erscheinungen der letzten Zeit, daß auch d i e Araber, die kein Interesse an der Sperrung der Alijafi und den Umständen nach keinen Grund zur Verbitterung gegen die Juden haben können, uns unter dem Druck eines inneren Terrors entgegenarbeiten. Der soziale Faktor spielte keine ausschlaggebende Rolle m den letzten Ereignissen. Der nationale Faktor, der religiöse Fanatismus, die Verhetzung und insbesondere der innere Terror beherrschen die arabischen Massen und haben ihre Beziehungen zum jüdischen Werk im Lande bestimmt. Unter den primitiven arabischen Volksmassen, ■die an ein Kriegs- und Waffenleben gewöhnt sind, ist der Haß gegen den Fremden ganz besonders stark. Der Gedanke der arabischen Föderation Man war der Ansicht, daß die Lösung des jüdischarabischen Problems in der Verwirklichung einer arabischen Föderation liege, innerhalb derer Erez Israel einen jüdischen Sektor darstellen würde. Noch heute sind viele dieser Meiiiung. Aber die andere Seite, von der wir sprechen, hat ihr eigenes Entwicklungsgesetz, und ihren eigenen politischen Willen. Wenn wir vor einer arabischen Föderation als einer vollendeten Tatsache stünden, müßten wir vielleicht Wege suchen, um unser Werk auch in diesem Raum zu sichern. Aber die Föderation, die sich einige arabische Politiker er- <; träumen, ist noch weit entfernt von ihrer Verwirklichung. Auf keinen Fall können wir zu ihrer Förderung, geschweige denn Errichtung beitragen. Heute befindet sich Syrien im Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich und hat seine eigenen inneren Sorgen; Aegypten kämpft um seine Selbständigkeit unter Englands Schutz; außerdem gibt es noch selbständige arabische Staaten: Transjordanien, Irak, Saudia. Wenn der Fall einfräte, daß die arabischen Länder ihre nationalen, geographischen und völkischen Schwierigkeiten überwänden und sich zu einem großen arabischen Reich von imperialistischem Charakter vereinigten, könnten wir uns dann in diesem Reiche entwickeln? Müßten wir dann nicht einen noch stärkeren, verzweifelteren Kampf um die Verwirklichung des Zionismus führen? Sogar jetzt, da die Interessen der arabischen Länder so gegensätzlich sind, machen sie den Versuch, sich in Erez Israel einzumischen. Würden die palästinensischen Araber in einer arabischen Föderation darauf verzichten, ihre Juden zu beherrschen, so wie der Irak und Syrien über ihre Minderheiten herrschen? Ich nehme an, daß dies heute allen Juden klargeworden ist und es nicht mehr viele geben wird, die etwas von einer politischen Linie wisseii wollen, die zu einer arabischen Föderation führt. Ich will jedoch mit dieser Feststellung keine unumstößlichen Prinzipien aufsteilen. Die politischen Situationen ändern sich, und mit ihnen kann sich auch unsere Politik jeweils ändern. Es kann eine Situation «intreten, in der die arabische [7Öderation uns nützlich ist, wie es 1911) der Fall zu sein schien. Unsere Politik hat nur ein klares Ziel. Die Wege zu diesem Ziel sind verschicden und vielfältig wie die Aenderungen der politischen Konstellationen. DI0 Orientierung nach England Manche sagen: Unsere Orientierung muß sich auf die britischen Bestrebungen im Vorderen Orient stützen. Die englisclie Politik in Palästina hat viele Schwankungen durchgemacht, weil sie immer den arabischen Faktor in Betracht ziehen mußte. Sie darf sich dfe Araber nicht zu Feinden machen. * Aber angesichts der vielen Gegensätze innerhalb der arabischen Länder karm sich England zu einem schnellen Aufbau des jüdischen Palästina entschließen. Zu diesem Zweck müssen wir ihm treue Bundesgenossen sein und alle Verpflichtungen, die aus einem solchen Bunde erwachsen, auf uns nehmen. Unsere Politik muß sich in voller Loyalität Und Unterstützung seiner Interessen an England anlchnen, Es ist möglich, daß die Menschen, die sich so orientiert haben, sich noch nicht klar darüber sind, wo die Grenze dieser Loyalität England gegenüber liegt. Was werden unsere Verpflichtungen im Krieg und im Frieden sein? Wo ist die Grenze unserer Möglichkeiten? Mir scheint, daß auch diese Orientierung ihren Grund in der Verwirrung dieser Tage hat. Oer Schlüssel zur Erschließung des Handels, zur Entwickjung des Jischuw und des jüdischen Aufbauwerkes liegt — insbesondere während der letzten Jahre — nicht zum ge- Ängsten Teil in den Händen Englands. Die Loyalität der jüdischen Bevölkerung im Lande ist bekannt. Trotzdem berücksichtigte die englische Regierung in dieser ganzen Zeit die Araber in höherem Maße als uns. Während aller Un- ™hen, di« bisher in Palästina waren, arbeitete die englische Politik uns entgegen. Darum ist es nicht unrichtig zu sagen, daß das englische Kolonialregime in Erez Israel gemein- 5ame Sach« mit den arabischen Effendis macht. Auch diese sind wirtschaftlich nicht an einer vollständigen Drosselung der Alijah interessiert. Sie wollen sich nur die politische rK'rrschaft sichern. Den gleichen Zweck verfolgt aber auch das englische Regime. Die jüdische Einwanderung soll be- '׳'hränkt werden, damit die Juden nicht zum entscheidenden Um den Hafen in Jaffa Zu diesem Problem schreibt der ״Bustenai“: Sicher sind die Klagen der Araber über unsere Weigerung, den Jaffacr Hafen wieder zu benutzen, in mancher Hinsicht lächerlich. Wir haben ja nicht den Jaffacr Hafen boykottiert, obwohl wir dazu manchen Grund gehabt hätten, sondern wir sind von denen, die sich als seine Eigentümer aufspielen, aus ihm vertrieben worden. Die Bootsleute von Jaffa kennen wir schon aus der Türkenzeit. Damals waren sie es, die uns halfen, das Einwanderungsverbot der Türken zu umgehen und die Juden in Kisten und Bettzeug ans Land schmuggelten. Ihre Beziehungen zu uns waren gute, es waren Handelsbcziehurtgen, die auf gegenseitigem Nutzen aufgebaut waren. AIS das Gerücht auftauchte, daß die Regierung nach Ausbau des Haifaer Hafens die ganze Einwanderung nach Haifa lenken wollte, baten die Jaffaer Bootsleute um die Vermittlung der jüdischen Institutionen und beriefen sich dabei ausdrücklich auf die Verdienste ihrer Väter um die Einwanderung zur Türkenzeit. Und sie errichten, was sie wollten. Der Großteil der Einwanderung ging nach wie vor über Jaffa, obgleich der Ort gerade für den Neueinwanderer nicht angenehm war. Er kam dort allzu plötzlich in eine ganz neue Welt. Alles war dort arabisch: die Bootsleutc, die Lastträger, die Polizisten. Der Einwanderer verstand ihre Sprache nicht und Verwandte, die ihn abholen wollten, konnten ihm nicht helfen, denn sie hatten keinen Zutritt zum Hafengelände. Und ebenso schwierig war Jaffa für die Importeurc. Zu all dem schwieg man um des lieben Friedens willen. Als wir aber in diesem Jahr von Jaffa abgesperrt wurden, erkannten wir die Gefahr. Wir waren den arabischen Bootsleuten und Lastträgern auf Qcdeih und Verderb ausgeliefert gewesen. Der Ent- Schluß, in Tel-Awiw einen eigenen Hafen zu bauen, war keine Komödie, wie die arabische Presse schreibt, sondern eine Tragödie. 200000 Seelen waren in Gefahr, von der Welt abgeschnitten zu werden. Die Eisenbahnverbindung mit Haifa und Aegypten war dauernd gestört. Wir begannen einen eigenen Hafen zu bauen, nicht um irgend jemand zu ärgern, sondern urn uns selbst zu schützen. Und wir können unter keinen Umständen nach Jaffa zurückkehren, wenn uns nicht unser Anteil am Hafen von Jaffa völlig gesichert ist. Der ״Hapoel Hazair“ schreibt: Dem Verzicht auf Jaffa stellen sich manche Schwierigkeiten entgegen. 1. Die Leistungsfähigkeit des Scestegs in Tel-Awiw ist begrenzt. 2. Der Haifaer Hafen ist weit und der Bahntransport verteuert die Waren. Dazu kommt nocli der Mangel an Güterwagen, die auch dureli das Heer in Anspruch genommen sind. Zudem muß man mit einer Tariferhöhung rechnen, denn der verbilligte Tarif der letzten Monate war den Juden nur zugestanden, weil eine objektive Unmöglichkeit bestand, den Jaffaer Hafen zu benutzen. Jetzt aber ist die Regicrung zweifellos daran interessiert, daß die Juden nach Jaffa z 11 r ü c k g e h e 11, und sie will durch das Mittel der Tariferhöhung einen Druck auf sie ausüben. Man muß jetzt die Juden selbst dazu bringen, trotz aller Schwierigkeiten bei ihrer Weigerung zu bleiben und die Regierung, davon abzustehen, die Rückkehr nach Jaffa auf Umwegen erzwingen zu wollen. Natürlich wollen wir keinen Boykott. Die Regierung wird unsere Haltung zweifellos so interpretieren und uns deshalb jede Unterstützung verweigern. Derngegenüber aber müssen wir betonen, daß unsere Rückkehr nach Jaffa solange unmöglich ist, wie Jaffa ein arabischer Hafen ist, in dem wir nur geduldet sind. Die Regierung will uns freilich Schutz lind jüdischen Arbcitsantcil in Jaffa garantieren, aber wir wollen nicht an einen Ort gehen, wo wir eines besonderen Schutzes und besonderer Konzessionen bedürfen. Anders wurde die Sache für uns aussehen, wenn uns die Araber selbst die Beteiligung am Hafen antriigcn und erklärferi, da fl Jaffa als der gemeinsame Hafen der Juden und Araber zu betrachten sei. Darüber ließe sich reden. Wir sind stets zur Kooperation m i t d e n Arabern bereit, aber nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung. Faktor in Palästina werden. Unsere Auseinandersetzung mit England geht um die Auffassung des Zionismus. Um es in eine kurze Formel zu bringen: England faßt den Begriff des Zionismus im Rahmen seines politischen Systems, mit den arabischen Ländern in freundschaftlicher Verbindung zu bleiben, als die Schaffung einer jüdisch-nationalen Heim- Stätte auf, die den Herrsehaftsbestrebungen der arabischpalästinensischen Führer entspricht, oder — in die Sprache des englischen Politikjargons übersetzt — ais eine nationale Heimstätte, die die ״Araber nicht in Schrecken versetzt“. Werden wir — nach dieser Ansicht — die Engländer durch einen Bund mit ihnen zu einer Aenderung ihrer Politik zwingen, oder können wir überhaupt den Engländern «ine Kräftekonzentration versprechen, die in ihrem Ausmaß ein Aequivalent für den Bund mit den arabischen Ländern darstellt, den der englische Imperialismus anstrebt und auf den sich seine Politik gründet? Wenn zu Beginn der Unruhen noch Zweifel über die Linie der englischen Politik in Palästina bestanden haben, so hat sich jetzt die Einstellung der Regierung deutlich gezeigt. Es wird zwar in England auch Elemente geben, die das jüdische Nationallleim anders sehen. Es ist auch möglich, daß die englische Politik von diesen Strömungen, die ein jüdischcs Palästina erträumten, beeinflußt wird. Aber in der Geschichte des englischen Regimes in Palästina gibt es drei Epochen von Unruhen, für die wir die Mandats-Regierung verantwortlich machen müssen. Zu unserem Glück ist die englische Politik, besonders die weitgreifende Politik, in bezug auf die palästinensische Frage nicht einheitlich. Wir stützen uns auf diejenigen Kräfte in England, die nicht Gegner unserer Arbeit sind. Die Haup’sactie ist unsere Innere Festigkeit In dem gleichen Maße, in dem wir unsere innere Festigkeit entwickelten und Angriffen standhalten kannten, fanden wir hei den englischen Kreisen ein Ohr für unsere Forderungen. Umgekehrt kann uns eine riickhaltlose politische Orientierung auf England derartig von England abhängig machen, daß wir uns in der heutigen Situation den arabischen Bestrebungen Unterwerfen müßten. Im Laufe unseres Kampfes urn unser Recht in Erez Israel kam daher diese exklusive Orientierung auf England ebensowenig in Betracht wie andere Orientierungen. Unsere Orientierung muß stets darauf gerichtet sein, alle politischen Faktoren auszunutzen, die unsere Entwicklung im Lande fördern können. Es ist möglich, daß die Unruhen das englische Regime einiges gelehrt haben und daß man jetzt versteht, daß ״das Spiel mit dein Feuer“ — wie englische Zeitungen es bczcichnctcn — sehr gefährlich war und schwerwiegende Konsequenzen für die englische Politik in Palästina nach sich ziehen Wird. Aber auch wir müssen aus diesen Tagen etwas lernen. Wir müssen — ebenso wie im wirtschaftlichen Leben — auch in der Politik das höchste Maß an Selbständigk e i t anstreben, das uns unter diesen Bedingungen zu er- Bürgermeister Rokadi Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Israel llokach, der vom High Commissioner ernannt worden ist, nachdem früher mit einer Mehrheit von einer Stimme Mosche Chelouche von der Stadlverwaltung gewählt worden war. Sowohl Rohach wie CheloUche sind gebürtige Palästinenser, Foto : L«t*r Puna» reichen möglich ist. Wir müssen uns als politischen Faktor erkennen und unsere Kräfte entwickeln. So werden wir unserem Verhältnis zu den Arabern und zu England gerecht. Wo ist der Ausweg zum Frieden? Wenn man die Lage unter der Perspektive der Entwick• hing befrachtet, so muß man sagen, daß es im arabischen Volk Kräfte gibt, die Frieden und Verständigung mit uns wollen. Bis jetzt hat die arabische Führerschaft noch nicht die Möglichkeit eines Zusammenlebens mit 11ns auf Grund dc-r Anerkennung unseres Rechtes auf Erez Israel in Erwägung gezogen. Es bestand immer die feste Absicht, unseren politischen Willen zu brechen, sei es durch Unruhen, durch arabischen Einfluß oder mit Hilfe des englischen Regimes. Aber die arabische Führung ist heute voller politischer Gegensätze. Die künstliche Einheit im palästinensisch-arabischen Volk unter einer kleinen Anzahl von Effendis, die sich gegenseitig den Rang ה blauten und die die englische Herrschaft unter einen Hut gebracht bat, muß sich auflösen. Es wird eine 3ndcre soziale und politische Spaltung im arabischen Volk entstehen. Wenn man verstanden hat, daß Erez Israel und der jüdische Jiscluiw sich immer weiter entwickeln werden, so ist das der erste Schritt zu einer Verständigung, die nicht den Preis unseres Verzichtes auf unser Recht im Lande fordert. Dies ist auch der erste Schritt zu einer wahren politischen Gleichheit, die nicht durch das englische Regime erzwungen wurde. Diese Gleichheit wird durch eine Entwicklung von unten entstehen und nicht auf Grund einer politischen Kombination: auf Grund einer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des arabischen Volkes. Aus dieser Entwicklung wird sich auch die Organisierung der arabischen Massen ergeben. Das soll nicht heißen, daß wir eine Gelegenheit, mit den Arabern — besonders der arabischen Führerschaft -- in Verhandlungen ein zu treten, ablehnen sollen. Das war ja auch bisher nicht der Fäll. Unsere Politik muß im Augenblick einerseits darauf gerichtet sein, einen Druck auf die englische Regierung aus/tmben, ihre Politik in Palästina auf Grund der Anerkennung unseres Rechts zu ändern, und andererseits mit den Arabern in Verhandlungen ein zutret cn, die uns unser Recht auf Erez Israel zngestehen. Im Kern kann sich unsere Politik auf die Programme beschränken, die sich mit dem Verhältnis der beiden Yoikcrgriippen untereinander befassen und die ihren Ausdruck fanden in den Bc- Schlüssen und verschiedenen Eormulierungen gegenüber den Arabern: Innehaltung der Maiidatsverplliehtimgcn, Agrarreforineii zugunsten der f eilachen, munizipale Selbstverwaltung, nationale Autonomie. Dieses Programm ist nicht neu, aber es ist das einzig mögliche, uin die verwickelten Probleme lösen zu können. Andere Lösungen kommen für uns nicht in Betracht, weil sic die Möglichkeit des Verzichtes auf unsere Arbeit und im wesentlichen auch auf den Zionismus als historische Lösung der Juden frage enthalten. Wir!eben in einer Zeit der Krise. Der Zionismus hat viele Krisen durchgemaeht. Der politische Zionismus erlebte seine erste Krise in dem Uganda-Vorschlag. Später kamen andere Krisen, politische mul wirtschaftliche. Die heutige Krise besteht in dem politischen Konflikt mit einer anderen nationalen Bewegung. Unsere Antwort auf diese Krise mutt auch politisch sein. Wir können nicht andere Wege suchen. Wir müssen alle unsere polnischen Kräfte vereinigen, um eine Anerkennung durch die entscheidendsten Faktoren der Welt herbeizuführen. Ein Vortrag von Bentwich Professor Norman Bentwich, der sich gegenwärtig in Palästina auf hält, sprach im ״Rotary Club“ in Jerusalem über seine Erfahrungen in der Emigrantenfürsorge. Er gab eine lebendige Schilderung der Lage der jüdischen Emigranten aus Deutschland in verschiedenen europäischen Ländern und bescliäftigtc sich ausführlich mit dem Problem der Wieder• ansiedlung und U m s c h i c h 111 n g. Er wies besonders auf Palästina hin, das Land, das 35 000 Auswanderer aus Deutschland erfolgreich absorbiert habe und das die größte Hoffnung der Juden Deutschlands bleibe, insbesondere für die Jugend, die ein neues Leben beginnen will. Unter den Anwesenden befanden sich der High Commissioner und der amerikanische Generalkonsul.

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