Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Wie gestalte ieli den Sclialibat? Für Schabbat, 14. November Wochenabschnitt ״Toldot“ (I. B. M. Kap. 25, 19 — 28, 10) Wir bringen im Anschluß an die vorwöchentlichen Ausführungen ״lieber die Richter“ die berühmte Stelle über die Bedeutung des I n d i v i d u u m s, wie sic im ״Mischne Thora“ des jMaimonidcs sich findet, Sie kommt noch klarer /um Ausdruck in der 5. .Mischna des 4. Perek des Traktats ״Sanhcdrin״. Wir empfehlen das Studium dieser *Mischna für den Onef Schabhat und regen an, an Hand des Misclma- Traktates weitere beachtliche Unterschiede in der Prozeß- Ordnung heraus/uarbeifen, die sich beim Vergleich der Pro- /esse um Geld und Leben finden. Wie richtet man Pro/csse, bei denen cs ums Leben geht? — Wenn Zeugen vor Gericht kommen und sagen: ,,Wir haben diesen jene Oeset/esiibersdn citung begehen sehen“, dann sagt man ihnen: ״Kennt ihr ihn? Habt ihr ihn verwarnt?“ Wenn sie sagen: ״Wir kennen ihr» nicht׳‘ oder: ״Es ist uns zweifelhaft gcworden“, oder: ״Wir haben ihn nicht verwarnt", dann wird er freigesprochen. Sagen jedoch die Zeugen: ״Er wurde verwarnt und wir erkennen ihn wieder“, dann versetzt das Gericht die Zeugen in Angst. Und wie versetzt man sic in Angst bei Prozessen, in denen es ums Leben gebt'? Man sagt den Zeugen: ״Vielleicht sagt ihr aus aus Schlitzung, oder vom Hörensagen, oder ein Zeuge vom Munde des anderen׳‘, oder sagt: ״Wir'haben es Von einem glaub« uidigvii .NU-iuchen gehurt“. Oder vielleicht wißt ihr nicht, dal! wir euch am Ende ins Kreuzverhör nehmen? ״Ihr sollt wissen, dal'■ es nicht wie bei Prozessen um (jeld bei Prozes-en 11111- Letten ist. Bei Prozessen um Geld kann man ■las Geld (um das man durch falsche Z.Ctigcnsci'iatt jemanden geschädigt hat) zum, kgeben und jener verzeiht ihm; hei Prozessen ums!.eben hangt an ihm (dein falschen Zeugen) sein Blut und das Bim seiner Nachkommen- Schaft bis aus! nde der Welt. 1 )en 11 so heißt cs bei Kain: ״Horch, die Blute deines Bruders schreien“ (der Plural bedeutet: ,sen Blut und das Blut seiner Nachkommenschaft“). ״Oer Mcn-eh ist de-halb n I i c i!! geschaffen worden*), um zu lehren, 11:11! jedem, der eine Seele von der Welt vernichtet, <־■, angerieluiet wird, als hatte er eine ganze Welf vermeldet. I 'nd jedem, der eine Seele an! Leben erhalt, wird cs äuge;reimet, als hatte er eine ganze Welt erhalten.״... I )0<hr, I b kann jeder sagen: ״Meinetwegen ist die Welt geschallen v. orileii." Wollt ihr jetzt uvllciclit sagen: ״Was soll uns diese Not?“ (und wollt nicht aiissageii). Es heißt schon: ״Und er ist ein Zeugt׳, oder hat c> gesehen, oder erfahren — wenn er’s nicht sagt, tiagt er seine Selm Id." t )der wollt ihr jetzt sagen: ״Was sollen wir schuld auf uns nehmen durch den Tori dieses Menschen?!“ — Ls heißt .schon: ,,Und der Untergang der Frevler ist Uebel.“ Bleiben sie bei ihrer Aussage, so nimmt man sic in ein Kreuzverhör, I. £, Die Halachah bis zum AbschluB der Mischna (II) Einer der bedeutendsten Fortsetzer der halachah und Deuter des Gesetzes nach liitlel ist Rabban ü u nt 1 i e I I., der in den falmudisehen guellen oft als der ״Aelteste“ b •־zeichnet wird. Er gehört zu den Tannaiten der ersten Generation und genoß große Verehrung, Er war ein Enkel Hillels und sein Nachfolger im Patriarchat als Vorsitzender im Synhcdrion. Neben einer Reihe von Rechtsbestimmungen, sogenannten Takkanot, die den Umstanden der Zeit zu entsprechen hatten, sind von ihm noch einige halaehische Lehrsit/e tiberliefert. Nach der Apostelgeschichte 22, i soll Gamüel der Lehrer des Apostel Paulus gewesen sein. Diese Tatsache weist auf die iialien Beruhrung-punkie der urchristlichci! Gemeinde mit dem damaligen Judentum bin. R. Gambe! selbst scheint dem UrchriMeiifimi gegenüber nicht in schroffer Ablehnung gestanden zu haben, zumal er in den ersten töfjristen. eine elcr vielen mem-ianocheu Bewegungen, an denen die damalige *) 1 nt Scliöpfung-divriclit wird immer vom Erschaffen der ganzen Gattung der Lebewesen berichtet: Gott schuf die Fische, das Getingtl, da־. Vieh, in vielen Exemplaren. Er schuf aber nur e 1 n e 11 Menschen. Zeit reich war, sah. (Zur näheren Erläuterung ziehe man noch die Stelle in Apostelgeschichte 5,34 ff. heran.) — Ucber den tiefen Eindruck, den der Tod dieses hervorragenden Meisters auf seine Zeitgenossen hinterließ, belehrt uns die Mischna (Sota 9,15): ״Seit dem Tode R. Gamliels hörte die Ehrfurcht vor dem Gesetze auf und es starben Reinheit und Enthaltsamkeit“. Als R. Gamlicl starb, stand der Tempel noch und das Volk saß noch in seinem Lande. Aber sein jüngerer Zeitgenösse R. J o c 11 a n a n b. Sakkai erlebte die schwere Katastrophe des römischen Krieges und den Untergang des juridischen Staates. Einst ein Schüler Hillels, gehörte R. Jocha-!tan auch der ersten Generation der Tannain! an und stand sowohl wegen seiner großen Gelehrsamkeit wie wegen seiner aufterorclentüchen Charaktereigenschaften im hoben Ansehen, Sein Lehrhaiis in Jerusalem war weit bekannt, und auch er erließ verschiedene■ Verordnungen und Takkanot, die die \a<* h«t<*11 Freitag: Kilidcr-RiimlscliaH veränderten Lebensumstände besonders nach der Tempel- Zerstörung verlangt haben. Seine Bedeutung für die Erhaltung des Judentums kommt erst eigentlich durch die Errichtung des Lehrhauses in Jawne, unweit von Jaffa, zum Ausdruck, Eine talmudische Legende erzählt, daß während der Belagcrung Jerusalems ciurch Vespasian R. Jochanan durch eine List die Stadt verlassen habe, um das große geistige Erbe des Volkes zu erhalten. Er soll, vor Vespasian gebracht, ihm seine bevorstehende Ausrufung zum Kaiser Roms prophezeit haben, wodurch er sich die Gunst des späteren Herrschers erwarb und die Erlaubnis zur Errichtung eines Lehrhauses durchsetzte. Neben seiner Frömmigkeit wurden R. Jochanan seine Milde und Bescheidenheit nachgerühmt. Eine knappe Sentenz der Mischna (Sota 9,15) legt hierüber Zeugnis ab. Es heißt, dal! mit seinem Tode der Glanz, der Weisheit für immer ein Ende nahm. Literatur: Jüd. Lexikon; Enc. Jud.; Dubriow Bd. HI. _ J. M. Postschlüsse nach Uebersee vom 10. November bis 17. November (Abkürzungen: PA. Postamt; BPA. Bahnpostamt; Flh. ־= Flughafen) Palästina. Schiff: 10. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 19) 19 Uhr; 11. 11. München (BPA. 1) 9 Uhr; 13. II. Hamburg (PA. 1) 15 Uhr; 15. 11. München (BPA. 1) 9 Uhr; 17. 11. l'rankfurt a. M. (BPA. 19) 19 Uhr. — Bahn: 12. 11.; 14. 11,; 16. 11. München (BPA. 1) 9 Uhr (Leitverinerk: ״via Belgrad—Aleppo“). — Luft: 10. 11,; 12. 11; 13. 11.; 14. 11. München (BPA. 1) 18 Uhr; 11. 11,; 14. 11. Berlin (PA. C 2) 6 Uhr; 12. 11.; 15. 11. Berlin (PA. C2) 10 Uhr. Vereinigte Staaten von Nordamerika. Schiff: 12. 11. Hambürg (PA. 1) 19 Uhr; 13. 11. Berlin (PA. C2) 8 Uhr zu ״Bremen“ 14. 11. Cherbourg. — 16. 11. Hamburg (PA. 1) 19 Uhr; 17. 11. Berlin (PA. C 2) 8 Uhr zu ״Normandie“ 18. 11. Le Havre. — 17. 11. Hamburg (PA. 1) 17 Uhr; 15. 11. Berlin (PA. C2) 8 Uhr zu ״Manhattan“ 19. 11. Le Havre. — Luft: Fahrten des Luftschiffes ״Hindenbttrg“ und Nachbringefliige von Köln zum Dampfer finden bis auf weiteres nicht statt. Südamerika. Schiff: 11. 11. Berlin (PA. C2) 18 Uhr; 11. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 19) 21 Uhr zu ״Neptunia“ 13. 11. Neapel. — 12. 11. Berlin (PA. C2) 20 Uhr; 13. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 19) 8 Uhr zu ״Alcantara" 14. 11. Gherbaurg. — 17. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 19)!9 Uhr; 17. 11. Berlin (PA. C 2) 20 Wir zu ״Augustus“ K). 11. Neapel. — Luft: 11. 11. Berlin (PA. C2) 11 Uhr; II. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 19 oder Flh.) 18 Uhr mit Luftschiff ״Graf Zeppelin“ (Leitverinerk: ״Mit Luftschiff nach Südamerika“). — 14. 11. Berlin (PA. C2) 9 Uhr; 14. 11. Frankfurt a. M. (BPA. 19 oder Flh.) 13 Uhr Air France. Südafrika. Schiff: 11. 11. Köln (BPA. 10) 21 Uhr zu ״Edinbaurg Castle“ 13. 11. Southampton nach Kapstadt, Johannesborg und Pretoria. — 17. 11. Hamburg (PA. 1) 19 Uhr; 17. 11. Köln (BPA. 10) 21 Uhr zu ״Ubena“ 19. 11. Soutbampton nach Walfischbai und Lüderitzhucht. — Luft: 10. 11.; 11. 11.; 17, 11. Berlin (PA. C 2) 22 Uhr und Mündien (BPA. 1) 24 Uhr. Nr. 90, 10. XI. 1936 Mrs. Rebecca Sie ff rot»: Antür Palästina-Konferenz in Berlin Wie bereits mitgeteilt, haben die Jewish Agency, das Präsidium des Keren Hajessod und die Zionistische Vereinigung für Deutschland für Sonntag, de! 15. November, eine zentrale Palästina-Konferenz nach Berlin einbertifen, bei der Mrs. Rebecca Sieff, London, die Exekutive der Jewish Agency for Palestine vertrete* wird. Die Tagesordnung der Konferenz ist Folgende: Vormittagssifzung, Beginn 10 Uhr. Eröffnungsansprache: Dr. Leo Baeck. Probleme der Palästinapolitik.• Dr. Robert Weltscl», Unser Recht auf Ercz Israel: Mrs. Rebecca Sieff, London, Mittagspause. Nachmittagssitzung, Beginii 15.30 Uh.r. Bilanz der Unruhen —Rückblick und Ausblick: I)r. Michael Traut», Erklärungen zu Mifai Bi/zaron u’Bitachort. Resolutionen. Die Tagung findet im Bnidcrvereirishatis, Kurfürstet»• Straße 116-116 statt. Den Abschluß der Tagung wird ein repräsentativer Tceabend im gleichen Saal bilden, bei dem, nach Eröffnung durch Herrn Rabbiner Dr. Leo Baeck, Frau Rebecca Sieff, London, und die Herren Dr. Friedrich Brodnitz, Berlin, Rabbiner Dr. Max Griitiewald, Mannheim, Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt am Main, Dr. Michael Traub, Berlin, das Wort ergreifen werden. Die Ansprachen werden von Darbietungen des Orchesters des Jüdischen Kulturbundes Berlin, unter Leitung von Herrn Intendant Dr. Kurt Singer, umrahmt. Für die Palästina-Konferenz stehen Gastkarten in beschränkter Anzahl zur Verfügung. Anfragen sind an das Präsidium des Keren Hajessod, Berlin W 15, Meineke* Straße 10 (Bismarck J 1 9031, Apparat 65) zu richten. Die ״Jüdische Rundschau“ hat ihren Redakteur, Hem Kurt Loewenstein, nach Palästina entsandt, um über die Lage im Lande beim Eintreffen der Untersuchungskoni• rnission zu berichten. Kurt Loewcnstein ist in der vergangenen Woehe mit dem Dampfer ״Gcrusalemtne“ (Lloyd Triestino) von Triest abgcreist. Druckfehlerberichtigung. In der Rubrik ״Antworten der Redaktion“ in der vorigen Nummer muß es statt ״opponing“ judge richtig heißen: ״opposing“. SALMAN SCHN EUR •Autorisierte Uebersctzung von Grete Fischer II. Fortsetzung KfiUidrurk verboten Aber kein Mensch glaubte die Geschichte, die vor dreißig Jahren passiert sein sollte. Kuselike Brand kam knapp mit dem Lclicn davon, denn einer ergriff ein schweres Stück Zaumzeug und war eben dabei, cs nach ihm zu sollleiulcrn, — Aber plötzlich fiel ihnen allen Pnndrc ein.!’andre war Senders Schwiegersohn, und sie durften sieh nicht in seine Soeben mischen. Also sagten sie nur: ״Wart! Wirst schon sehen, bis Pnntlre aus dem GefSngnis kommt! Er wird dir das heiinzahlcn!“ Weder die Geheimnisse der Chassidim noch Kuschkcs Verleumdungen verringerten isn mindesten die Ehren, die Sender im Tode erwiesen wurden. Rabbi Mendel, der .Sohn Und Nachfolger des alten Rabbi, hielt die Leichenrede. Er gebrauchte das Gleichnis vorn schwarzen und vom weißen Stoff, das irgendwie nicht zu der Moral paßte, die er daraus halle ziehen wollen. Als Rabbi Mendel das merkte, griff er nach einem anderen Faden und entsetzte die Ge• meinde, indem er ihr die Worte entgegenschleuderte: ״Hie Gerechten werden sterben, auf daß sie das kommende Unheil nicht sehen!“ * Das Geld, das Sender an seinem Todestage für Djirka gelöst hatte, fand man unversehrt in seiner Brustlasche. Der Gürtei hatte die Weste Icstgchalt.cn, und das Oclluch, das ihm als Brieftasche diente, hatte die Scheine vor Nässe geschützt. Und auch dieses Blutgeld floß in die Tasche de# Advokaten in Mobile«׳. Aber er bewahrte Pandre nicht vor dom Gefängnis. Er erwirkte ihm nur eine kürzere Strafzeit. Ein paar mutige Leute, die sich durch den Stadthauptmann nicht hatten cinschüchtcrn lassen, sagten eidlich aus, daß der Stadtlinuplmann nusgeglittcn war, als er auf dem Brandplatz erschien, und auf der Brücke überm Graben hingefallen, und daß er dabei seinen Knopf verloren hatte. Auch einige Feuerwehrleute traten auf und beschworen, daß Pandre wenige Augenblicke vor der Ankunft des Stadthauptmanns sein Leben gewagt hätte, um die Kuh aus dem brennenden Stall z.u ziehen. Dann verlas man Akten über Pandres Vorleben. Wie er halbnackte Menschen durch die Straßen geschleppt hatte, Mann und Frau, und sie dem Kreisrabbiner auf die Tür* schwelle gelegt. Man beschuldigte Pandre, daß er immer angeheitert Skandal gemacht, Unruhe und Schlägereien angestiftet hätte, in besoffenem Zustande Wasser auf die Straße geschüttet, vor den Häusern ehrbarer Leute niederträchtige Lieder gesungen. Man hatte Pandres Vergangenheit gut nachgeforscht. Dafür erinnerten zwei Fuhrleute an Pandres Heldentat, wie er sich mit den Wölfen im Walde gebalgt hätte. Eine Wölfin hatte er getötet und seinem Schwiegervater das Leben gerettet. Und sic bezeugten, daß er nach seiner Verheiratung gut und fromm geworden sei, ein musterhafter junger Mensch, den alle liebten, und den man gar nicht genug loben konnte. Rede und Gegenrede gingen hin und her, bis der Staatsanwalt aufstnnd und verlangte, das Gericht möge sich nicht mit Nebensachen aufhalten. Die Frage wäre nicht, ob der Angeklagte gute oder schlechte Eigenschaften hätte, sondern der Gerichtshof sollte entscheiden, oh der genannte F.involiner von Schklow, genannt Noah Pandre, 24 Jahre alt, V\ iderstand gegen die Amtsgewalt geleistet hätte oder nicht. Darauf traten die beiden Polizisten auf, sie trugen ihre neuen Röcke und sagten aus, daß Pandre sie beide zu Boden geschlagen hätte, als sic Hand arf ihn legten, um ihn auf Anordnung Seiner Exzellenz des Herrn Stadthauptmanns zur Wache zu bringen. Das war klar und deutlich. * Pandre fühlte sich sehr niedergeschlagen, nach sechs Monaten Untersuchungshaft und dem Warten auf die Ver- Handlung, und er bebt« noch unter dem Schlag von Senders l od, und er war voller Sorge um Meri, di« mit der armen Mutter so schrecklich allein im Hause saß, kurz vor der Entbindung, zwischen schimmelndem Zaumzeug, ohne Pferd« und ohne Verdienst. Er hörte also nur mit halbem Ohr zu, und er verstand auch nicht alles, weil es in Petersburger Russisch gesprechen wurde. Der Anwalt, den man für ihn bezahlt hatte, beugte sich manchmal über seine Schulter und fragte etwas oder erklärte etwas. Die Ausführlichkeit, mit der die Richter und Beisitzer und alle die Zeugen dem Gezänke um ihn zuhürlen — um einen jüdischen Kutscher aus einem kleinen Nest — machte Pandre übel. Es war ein heißer Sommertag, und der Gerichtssaal von Mohilew war stickig. Pandres mächtiger Körper war schlapp geworden von monatelangem Nichtstun, und geschwächt von Heimweh, Gram und schlechtem Essen. Und alle Augen starrten ihn an und spießten ihn, in seinem Hirn stand Verwirrung. Gott im Himmel, wann hörte das auf? Die trockene Stimme des Vorsitz,enden weckte ihn. ,Was hatte der Angeklagte zu sagen gegen die Zeugen, die Polizisten, die beschworen hatten, daß er sie niedergeschlagen hatte?‘ M as hatte er zu sagen? Was konnte er ausdrücken mit den paar armseligen weißrussischen Bauernwörtern, inmitben von so viel geschraubtem Petersburger Russisch? Er konnte nur sagen, daß, als der Stadthauplmnnn befohlen hatte, ihn zu arretieren, er gar nicht begriffen hatte, was los war. Er war noch betäubt von dem Brande und den Stößen, die die Kuh ihm versetzt hatte, als er sie herausholte. Der brennende Stall war fast Über ihm zusammengestürzt. Er hatte die Polizisten nicht niedergeschlagen — er hatte nur eine Wendung gemacht, und seine Bewegung hatte sie umgeschmissen. Er hatte seine eigene Kraft nicht berechnet. Aber nachher war er ruhig mit zur Wache gegangen, wie es der Stadthauptmann befohlen harte. F.r hatte nicht mit einem Wort widersprochen, und er hatte den Stadthauptmann nicht angeröhrt. Wie käme er denn dazu, so etwas za tun! Er wollte nur den allen Mann nicht ins Gesicht schlagen lassen. Seinen Kunden — er hatte ihn eben erst von der Station in Orscha heimgebrnebt. Er hatte also nur die Iland ausgestreckt, zwischen die Hand des Sladthauptrnanns und das Gesicht des Neuen Millionärs, so daß der Stadthauptmann ihn nicht schlagen konnte. ״Schlagen?“ sprang da der Stadthauptmann in heiligem Zorn daz.wischen. Was sagte der Kerl da? Beschuldigte ihn, den Stadthauptmann, daß er Leute schlug? Kein wahres Wort daran! Er hatte nur den Stalleigentümer streng ausgefragt, um zu erfahren, wie das Feuer angefangen hätte. Pandres Anwalt forderte, daß man den Neuen Millionär zum Zeugen rufen solle, ob es nicht wahr wäre, daß der Stadthauptmann die Hand zum Schlage gegen ihn erhoben hätte. Der Neue Millionär kam in die Zeugenbank, sehr verschüchtert und mit eingefallenen Backen, und sagt« mit zitternden Uppen, aber sehr langsam und überlegt: Er könne sich nicht erinnern. Wirklich, er erinnerte sich nicht! Seine Exzellenz, der flerr Stadthauptmann, hätte die Hand aufgehoben — um ihn zu schlagen? Ach. Er elaube nicht. Da war der Brand, Pratices K Tächter 3pfel-Ve In ein ,15 70jähri| ihres Lebe ien Welt, len Weg Üese Kral .rworben jenkt, wie .ion im Wirkungen Dtidu, die n1it einem Pastor \vc von religi Stimmung zu die“ Jüd 1 des Bucht Bild seine ihres Gal zahlen wi der Paste seine Sch und eine and Wah .falten g rührung. ״Sohn de Literatu ru sah Du dt jahrhunde tragen י schleppte! scheint f turne noc wenn wii isl gerade kommen, schaftsan Francis l Vor von Hac [)er Vorl Heinrich und ausf Stoffes, in seinen zwei in letzte Fr; mit einer ihm f riit meistert! verschlun formten; heitert sc Zeit her Spanien tAftland!or::!en Josef M Univer und er ו Nein, er Pan So 1 östliche czauber ge Blich diese L; den zart Welt; ui der treu manchen erdnaher Wesen s so ge«1) gesagt h gewiß \ gewiß, 1 und desl Abe Überhau! in der den Eig Dan brachte der Gut glaubigt einmal, für and ״Dii kann al zu m#( Hand, ■ Leben durchge erinnert blick si tragen nur um hiermit geboren Der Gunstet verurtei angerec ln hatte, 1 gewöhn schien kam, ■u *a nch . v» der, di anziche Diese zu wa