Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 90 10. XI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Abfall und Umkehr Eine Rede Martin Bubers Leo Prochownick Der Mahr Arthur Segal schreibt uns aus L ob« d 0 n: ,Jch bin von Spanien geflüchtet and hier erreicht mich die Nachricht, daß mein lieber Freund, der Maler Leo Prochownick, gestorben ist. Es ist mir ein Be• dürfnis, über meinen verstorbenen Freund hoch etwas zu sagen." — Wir kommen dem Wunsch des Einsenders um so lieber nach, als gerade in Berlin in einer Aussiellang, über die wir berichtet haben, seine Werke zu sehen sind. - Red. Leo Prochownick ist tot. Es fallt mir schwer, diesen Oedanken zu fassen. Er war mein ältester Studienkollege und mein guter Freund 44 Jahre lang.!802 waren wir zusammen aut der Kunstschule in der Klosterstraße. Wer Leo Prochownick war — das wissen nur wenige. Es ist nicht seine Schuld, daß wenige sein Werk kennen. Nun ist er tot und er nahm mit ins Grab die Bitterkeit des Nichtverstandenen und Niditerkanntcn. Was bedeutet denn das bißchen Anerkennung, das ihm ein kleiner Kreis entgegenbrachte im Vergleich zu der künstlerischen und menschlichen Leistung seines Lehens? Ein wesentlicher Künstler und ein wesentlicher Mensch hat gelebt und gewirkt — nun ist er am Ende. Und ich, der ihn kannte, der sein Werk erlebte in allen Phasen — ich möchte ihm ein unvergängliches Denkmal setzen. Ein ltnvergängliehes^ Denkmal der Inbrunst und Reinheit des kirnstkrischen Strebens und Ringens. Genau so schwer ist es für den Künstler, seine kflnstlerische Reinheit zu bewahren, wenn er von Erfolgen überschüttet ist, wie es für den Künstler schwer ist, seiner Kunst treu zu bleiben, wenn er von Mißerfolgen überschüttet wird. Wenige berühmte Künstler konnten ihre Reinheit bewahren, wenige unberühmte Künstler ebenfalls. Leo Prochownick ist ein Genie der künstlerischen Reinlichkeit — einer der grüßten. Leo Prochownick ist die Inkarnation der stärksten Inbrunst, der stärksten Liebe, des stärksten Glaubens für die Kunst. In den letzten Jahren zog er sielt mit seiner Kunst ganz in die Einsamkeit zurück, als ob Cr seine Arbeit, seine Kunst, von jeder äußeren Berührung bewahren wollte. Er trug rulug und gelassen sein schweres Schicksal. Aus der Bitterkeit wurde gütige Nachsicht. Kein böses Wort mehr über die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfuhren. Er gab den äußeren Kampf auf, um sich nocli intensiver und inniger seiner Kunst zu widmen. Und starb als ein Heiliger — ein Sichopfernder. Leo Prochownick ist ein inbrünstiger Heiliger. Seine Kunst? Sie ist wesentlich und bedeutend. Ich habe sie sehr geschätzt. Ich denke jetzt au verschiedene seiner Arbeiten, die ich als stärkste künstlerische Leistungen betrachte. Ich will aber liier nicht davon sprechen. Es gibt manchmal Wesentlicheres und Wichtigeres als höchste Kunst. Und hier scheint es mir, dal! der Hinweis auf das Symbol seines Opfers wichtiger ist, als auf höchste Kuustleistungcn hinzuweis ea. Und was mir hier außerdem wichtig erscheint, Ist die Mahnung, die das Symbol Leo Prochownick an die Mensehen richtet: ״Werdet dem Werke des anderen gerecht, wenn ihr wollt, daß man auch eurem Werke gerecht werde". Der Frau Leo Prochownicks, die ihm in treuester Hingäbe verstehend zur Seite stand: meine größte Bewunderung und Liebe, London, November 1936. Arthur Segal Hervorhebung jüdischer Abstammung. Die Wiener ״Reichsost“ ist darüber ungehalten, daß einige Wiener Blätter ei Veröffentlichung der Zuteilung des Nobelpreises an Prof. Otto Löwi seine jüdische Abstammung hervorgehoben lind 11 in zu gefügt haben, daß von den sieben österreichischen Nobelpreisträgern vier Juden sind. ״Wenn es sich tun minder erfreuliche Vorkommnisse handelt“, so schreibt die ״Reichspost“, ״legen diese Blätter nicht nur kein Gewicht auf die Hervorhebung der Abstammung, sondern beklagen solche Indiskretionen als grausame, zu Verallgemeinerungen verleitende Ungerechtigkeit.“ — Es ist nicht recht zu erklären, warum die ״Reichspost“ die Feststellung der Zugehörigkeit des Gelehrten zum Judentum stört. Wenn, wie cs ja in der letzten Zeit überaus häutig geschieht, bei jedem kleinsten Gauner, der Jude ist, in allen Zeitungen das Jüdische unterstrichen ist, während es niemandem einfällt, bei einem nicht jüdischen Gauner dessen Zugehörigkeit zu irgendeiner Ucmeinscliaft auch nur zu erwähnen, dann ist es Unverstandlieh, wie man verlangen kann, daß in Fällen, wo es sich um große Leistungen oder besondere Ehrungen handelt, das Judentum des Beteiligten verschwiegen werden solHe, Kennzeichnung arischer Geschäfte in Speyer. Die Kreis- Icitung der NSDAP. Speyer gibt in der ״Neuen Abendzeitung“ Ludwigshafen bekannt, daß zur Kennzeichnung der arischen Geschäfte die Reichsleifung der Deutschen Arbeitsfront ein Abzicliplakat hcrausgcgcbcn bat, das bei der Geschäftsstelle der DAF. in Speyer kostenlos abgegeben wird. ״Die im Kreis Speyer wohnhaften arischen Inhaber von Gaststätten und Ladengeschäften werden wiederholt ersucht, ein solches Plakat an den Eingangstüren bzw. •Schaufenstern sichtbar anzubringert. Gewerbetreibende, welche der heutigen Aufforderung nicht nachkommen, stellen sich außerhalb der Volksgemeinschaft und bringen damit zum Ausdruck, daß sie künftig als nichtarische Geschäfte beliandelt werden wollen. Die seither üblichen Schilder mit der Aufschrift ,Deutsches Geschäft‘ sind damit hinfällig geworden und zu entfernen.“ Die jüdische Jugend in Deutschland. In dem Führerorgan der nationalsozialistischen Jugend ״Wille und Macht“ legt Gottfried Ncesse anläßlich des fünfjährigen Gedenktages der Hitlerjugend den Weg dar, der zur Einigung der deutsehen Jugend beschritten wurde, itn Zusammenhang mit der Erörterung über die Eingliederung der konfessionellen Jugendorganisationen in die 1IJ. heißt es in dem Aufsatz, was die i üd is c h e Jugend angehe, so nehme das Judentum in seiner Jugend heute schon jene abgeschlossene und in sich ungebundene Sonderstellung ein, die einmal das Judentum im deutschen Staate und der deutschen Wirtschaft erhalten werde und zum guten Teil bereits erhalten habe. Ungarische Juden gegen Bolschewismus. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Israelitischen Landeskanzlei, der obersten Behörde des neologen (religiös-liberalen) Juden* tu ms Ungarns, Hofrat Samuel Stern, und des Präsidenten der orthodoxen Zentralkanziei, Samuel Kahan-Frankl, fand eine Beratung der Führer der ungarischen Judcnheit statt, bei der Hofrat Stern darauf hinwies, daß bereits vor Jahren auf einer Konferenz jüdischer Persönlichkeiten die Zusammenfassung der verseil :denen konfessionellen Behörden zum Kampf gegen die Gefahr bolschewistischer Ström ungen auf Grund von Religion und Moral gefordert wurde. Landeskanzlei und Gemeinden würden auch in Zu- ״unft an der Abwehr der bolschewistischen Gefahr initwirken. Im Namen der ngarländischen jüdischen Orthodoxie schloß sich Präsident Kahan-Frankl den Erklärungen des Präsidenten btem in allen Belangen an. Zehnfahrfeter des Stuttgarter Lehrhauses Von unserem Berichterstatter Das jüdische Lehrhaus in Stuttgart nahm die Tatsache seines zehnjährigen Bestehens zum Anlaß, seine Winterarbeit mit einem Festakt einzuleiten, an dem, sich, vertreten durch Dr. Otto Hirsch, die Reiclisvertretung und in der Person Prof. Martin Bubers die Mittelstelle für jüdisch« Erwachsenenbildung beteiligten. Außerdem bekundete Dr. I’. T ä n z e r die täfige Anteilnahme des Oberrats und der Gemeinde an der Arbeit des Lebrliauses, und Karl Adler mit dem vorzüglich geschulten Chor und Orchester seiner Kunstgemein• Schaft gab dein Ganzen das Gepräge einer echten Feier. Da der Abend den Auftakt zu einer Reihe von Oeschichtsvoriesungen unter dem Blickpunkte ״Zerfall und Sammlung“ geben sollte, legte Otto Hirsch den durch diese zwei Pole bezeiehnefen Maßstab auch an unsere Gegenwart und an die Arbeit des von ihm mitbegründeten Lelirhauses. Ob wir heute, so führte er aus, im Zustand des Zerfalls oder der Sammlung begriffen sind, diese Frage zu beantworten, ist uns nicht gegeben. Aber die Verantwortung, die sie uns auferlegt, muß all unser Handeln bestimmen, wie auch das Lehrhaus, in einer Zeit offenbaren Zerfalls entstanden, um der Sammlung, um des Heirafindens der Versprengten willen gegründet worden war. Der Strom freilich, der nach der Hoffnung seiner Gründer von diesem Lehrhaus hätte ausgehen sollen, ist ein dünnes Rinnsal geblieben, aber versickert ist es nicht. Martin Buber zeigte in seiner Rede — wie schon vorher am Nachmittag in einer mit Lehrern und Jugendführern abgehaltenen Arbeitsgemeinschaft — wie zwischen den Polen ״Zerfall1‘ mul ״Sammlung“ alles Leben kreist, in jeder Geburt Tod und in jedem Sterben Ncngcburt ist. Auch das Leben der Völker spielt sich so ab, aber nicht ihre gelebte Gegenwart, sondern die Geschichte entscheidet, was _ Sammlung war und was Zerfall. Ein für alle Zeit gültiges Urbild des Zerfalls im Gewand vermeintlicher Sammlung stellt die Schrift auf in der Erzählung vom Turmbau zu Babel. Es war ein Aufbau üoit zum Trotz, in profaner Sprache ausgedriiekt, ein nach außen gerichtetes Machtstreben ohne bollere Bindüngen, ohne inneren Halt, In der Geschichte Israels vollzieht sich jene Spannung beispielhaft. Hier stellt sich jeder Zerfall als Abfall, als Gott-Entfremdung, als Hin- IN ALLER KURZE Die hei den amerikanischen Wahlen (wie schon gemeldet) ins Repräsentantenhaus gewählten zehn Juden sind: H. P. Koppleman und L. Cilron aus Connecticut, A. J. Sabath aus Illinois, I. Bacharach aus New Jersey, S. Dickstein, E. Celler, Ellenbogen, W. I. Sirovich, Th. Peyser und Joe Bloom aus New York. — In das Hauptgericht von New York City (Court of General Sessions) wurden u. a. die Juden Saul Streit und Richter Morris Koenig gewählt. Gouverneur Herbert H. Lehman hat im Staate New York eine Mehrheit von 64(1000 Stimmen erlangt, Gouverneur Henry Horner in Illinois eine Mehrheit von 300 000 Stimmen, Der polnische Botschafter in Washington, Graf Pofocki, hat am 5. November eine A!)Ordnung des Verbandes der polnischen Juden in Amerika zu einer Rücksprache über die Lage der Juden in Polen empfangen. Der polnische Ministerpräsident Slawof-Sklad* k o w׳ s k i hat das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Jizchak Grün bäum, in Audienz empfangen. Es wurden Fragen der jüdischen Auswanderung aus Pole« nach Palästina und der allgemeinen Einstellung Polens zu dem jüdisclien Aufbauwerk besprochen. Am 12. November, einen Tag nachdem dem neuen Marse Ivail von Polen, General Rydz-Smigly, der Marschallstab überreicht werden wird, soll eine Abordnung des iiidischen Parlamenfsklubs gemeinsam mit Vertretern des labbinats dem Marschall eine ausführlich begründete Petition unterbreiten, in der er gebeten wird, das Inkrafttreten des neuen Sch lacht 11 ngsgesetzes, durch das die Schechita stark eingeschränkt wird, um zwei Jahre, bis zum 1. Januar 1939, h inauszusc hieben. Als Vorschuß auf das Einfuhrkontingent für die laufeiule Saison bat die polnische Regierung die Oenehmiginig zur Einfuhr von 4300 Tonnen Zitrusfrüchte (Apfelsinen und Grape Fruits) aus Paläsfina erteilt. Die Bewilligung dieses Einfuhrvorschusses ist hauptsächlich auf die Bemühungen der polnisch-palästinensischen Handelskammer zurück- Zufuhren. Die Universität Lyon hat dem Vorsitzenden der jiidisehen Gemeinde Lissabon, Prof. Moses Ben Sabat Am* zalak, das Ehrendoktorat verliehen. Die 4. Große Strafkammer in Königsberg verurteilte laut ״Weichsel-Zeitung“ einen 32jährigen Arier wegen Rassenschände zu einem Jahr Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Jahren, weil er mit einer Volljüdin, die von ihrem arischen Mann getrennt lebte, rassenschanderischen und ehebrecherischen Verkehr getrieben. Der Rcichscrzichungsminister hat allgemeine Richtlinien erlassen, nach denen eine Genehmigung zur Erteilung von Privatunterricht und zur Führung von Privatschulen ausgesprochen oder verweigert werden soll. Frühere Erlasse sind aufgehoben worden. Nach der neuen Regelung darf eine Erlaubnis nur erteil! werden, wenn der Antragsteller für sich und gegebenenfalls für seine Ehefrau den Nachweis der rein arischen Abstammung erbringen kann. Das Kaufhaus Lehmann, Saalfeld, und die Firma J. Naw׳- rawnv, Johannisbtirg, sind in arischen Besitz übergegangen. Aus einem Aufruf der Jüdischen Winterhilfe in Köln gellt hervor, daß in Köln 2300 Menschen von der Winterliilfe gekleidet und vorsorgt werden sollen, "!מאסף לחנוכו" Sammlung von Stoffen zur Veranstaltung von Chamtkkah-Aufführuiigeit in Schulen und Jitgcndbünden, in hebräischer Sprache, herausgegehen vom Tarbuth-Dezernat der ZVfD. (Redaktion Dr. Kaleko). Aus dem Inhalt: Lebende Bilder (״Neroth Chanukkah“, ״Chanukklah“, ״Cbanah w’scliivv’ath Baneha“), ״Orcaeh bilti-zafuj“ (Aufführung für die Kleinen), ״Mered Hamakabim“ (Einakter), ״Maoth schel Chanukkah“ (drei Bilder nach Schalom Alcjchem), Gedichte von Bas, Tschernichowskl, Karfiwner. Preis (einschl. Porto) 0,50 RM., bei Abnahme von mehr als 5 Exemplaren 0,40 RM. Erhältlich im Tarbuth-Dezemat der ZVfD-, Berlin W15. Meinekestr. 10. Wendung zu fremder Art und fremden Göttern dar — aber jeder Abfall trägt auch den Keim der Umkehr in sich. Zer- [allzeit ist in der biblischen Sprache, w׳enn Gott sein Recht in die Hände der Widersacher legt. Schreit aber sein Volk zu ihm Jn großer Not, so weckt er ihm einen Helfer. So schafft in der Frühzeit der Richter den Urnkcfirenden Recht vor Gott und läßt so das dem Feinde verliehene Recht zum Unrecht werden. Der Gefahr des späteren Königtums, daß Sammlung und Zerfall zu rein politischen Begriffen werden, im Sinn von Machterweitcrung und Machteinbuße, treten die Propheten entgegen, die König und Volk zur Umkehr rufen. Auf unserem Weg durch die Jahrtausende ist dieselbe Spannung das tragende Element allen jüdischen Lebens, bis ganz zuletzt ein Geschlecht kam, das sie nicht mehr kannte, weif ihm andere Sorgen, Tagesnöte — weil ihm die Sorgen der anderen zu den seinigen geworden waren. Wenn diese Zeit, deren Erbe wir heule sind, eine Zeit des Zerfalls nt» Judentum war, wo sind die Keime der Umkehr, wo wirkliche Sammlung? Mit der nur politischen Ern euerung ist es nicht getan: sie trägt die Gefahren des Turmbaus in sich — Keim des Zerfalls im Gewand vermeintlicher Sammlung. Unsere Geschichte ist «ine unbestechliche Lclirmcisteria. In den Ländern der Zerstreuung so gut wie drüben in Erez Israel liegt die Entscheidung in der Hand jüdischer Mensehen, in der Hand des Volkes, ob die Sammlung, in deren Zeichen unsere Zeit steilt, eine echte sein werde oder eine falsche, Umkehr oder neue Abkehr. Nicht wie einst in den Zeiten des Anfangs wird die Lade vor 1ms hergetragen, sichtbares Sinnbild des Oottcsrufs zur Sammlung, auf den zu antworten mit dem rechten Tun sie eine immer gegenwärtige Mahnung war. Nichts, was der Bundesladc gliche, ist uns geblieben. Nur wir selber sind da, mit der Wirklichkeit unseres Lehens uns zu bewahren — oder zu versagen —. An uns ist es, den Spateren zu zeigen, ob aucli jetzt noch ״Gott in unserer Mitte wohin“. Der Abend!unterließ hei der zahlreichen Hörerschaft, die die Synagoge bis auf den letzten Platz füllte, «inen starken Eindruck. Die damit cingeleitctc Winterarbeit des Lehrhauses umfaßt Kurse über jüdische Gegenstände, für die u. a. Dr. A. Schlesinger-Bucha« sich zur Verfügung Bestellt hat, zahlreiche Kurse in Hebräisch und in neuen Sprachen, ferner Unterweisung in Krankenpflege, Stenographie und Werkarbeit, schließlich verschiedene Jugcmlktirse. I tir die Weiterführung der Folge der (icsehichtscorträge haben sich 11. a. die Herren Dres. Baerk, Dineniann, Tsehelbacher, Feuchtwangcr, Schorck und Eduard'Straus zur Verfügung gestellt. L. M. ״Mifal Bizzaron“ Jugoslawien. Unser J.-H.-Berichterstatter schreibt aus Beograd: Die Aktion Mifa! bizzaron uwitachon wird in Jugo* slawien bereits seit einigen Wochen mit außerordentlichen» Plan betrieben. In alle« Städten werden große spezielle Versammlungen vcranstailet. Die besten zionistischen Redner im Lande stellen sich überall dieser Aktion zur Verfügung. So wurde die Aktion in Beograd mit einer grofiangelcgtcn Rede des Präsidenten des jugoslawischen Zionistenverbandes, Dr. Alexander l icht, eingeleitet, Dr. Licht, der das letz.tenial vor drei Jahren in Beograd sprach, zog eine große. Menschenmenge an und es ist zu hoffen, daß die nachhaltende' Wirkung seiner Rede auch irr der Aktion zn!m Ausdruck kommen wird. Auch aus den anderen Städten Jugoslawiens treffen Nachrichten ein filier den außerordentlichen Erfolg der Aktion, so hat Zagreb allein bis heute bereits über 200 000 Dinar aufgebracht. Aus Bulgarien wird uns berichtet: Unter dem Vorsitz des Präsidenten der bulgarischen Zionistischen. Organisation des I lerrn Albert Romano (PhilippopeD fand ain 29. Oktober in Sofia ein Empfangsabend für die Vertreter aller jüdischen Organisationen in Bulgarien statt. In dieser Voranstaltung wurde die Mifal-Afdion in Bulgarien eröffnet. Dem großen Komitee für die Aktion gehören Vertreter des Konsistoritims der bulgarischen jüdischen Gemeinden, die zio« nistischen Landesorganis.ition, der Ponle Zion, des Landes* verbandes der Vizo, des Makkabi, der Logen, des Frontkänipferverb,■indes und der Jugendorganisationen an. Die Aktion findet in der jüdischen Bevölkerung vollen Anklang, Her palästinensische Arbeiterführer Perl K.af z n e i s o n, Cdicfredakteur des ״Dawar“, sprach in Paris im Rahmen des Mifal bizzaron uwitaclion über die Lage in Palästina. Jüdische Lehrerfortbildung im Winter 1936 IT. Der Prea* Bisch« Landesverband jüdischer Gemeinden beabsichtigt gemeinsam mit der Reichsveitret'.ing im Wintersemester 1936 37 vier p ä d a g o g i s c 11 e A r b c i t s t a g 11 n g e 11 durclmiführen. Die erste soll in der /weiten Hälfte November in Stettin für die Lehrer aus Pommern lind den angrenzenden Gebieten sfattfinden. Fmk■ November soll in Berlin eine Tagung veranstaltet werden, die, wie die letzte Berliner Arbeitstagung, aus vier I .elu'prohcn mit anschließenden Besprcchtmgen bestehen und :mssehüeßlieh den!Tagen des Hebräischen gewidmet sein soll. — bür den Schluß der Weiliiiaclitsferien ist eine Tagung in Köln für den rheinisch* westfälischen Bezirk in Aussicht genommen, die gleichfalls Lelirproben bieten soll. Schließlich ist geplant, im Laufe des Januar in Königsberg eine Tagung für die ostpreußische Lehrerschaft durchzuführeii. — Daneben soll die Lehrerfortbiidung unter Verwertung der bisher gesammelten Erfah* nmgen weitergeführt werden. — In Frankfurt 3. M, sollen die lautenden Kurse für die Lchrcrfortbikiuiig fort• gesetzt werden. — In Breslau finden Kurse statt, die Fragen der jüdischen und biblischen Geschichte behandeln. Von der Gemeinde Breslau. Im dritten Vierteljahr 1936 verminderte sich die Mifglieder/ahi der jüdischen Gemeinde in Breslau durch Fort/ug, Auswanderung, Tod und Ueber• tritt um 576 Personen. Ilinziigekommen sind durch Zuzug, Geburt, lieber- und Rücktritt 235 Personen, Die jüdische Bevölkerung in Breslau verminderte sich somit um 321 Seelen. Ihr ßestanef am 30. Juni mit 18 011 senkte sich auf 17 72Q am 30. September. (30. September 1935 noch 18 652 Seelen.) Einführung eines Prcivinzialrabbiners. Am 1. November fand in Marburg die Einführung des Rabliners Peritz (bisher Schönlanke) unter Bcitciligung zahlreicher Vertreter der Gemeinden des Bezirkes statt. Nachdem der Vorsitzende des Vorsteheramtes und Amtsvorgiinger, Rrovinzialrabbiner i. R. Dr. Cohn, den Kollegen in sein Amt cirgefiihrt hatte, begrüßte Rabbiner Dr. Julius Ga Diner (Berlin) namens des Preußischen Landesverbandes den neuen Rrovinzialrabbiner. Provinzialrabbincr Dr. C a h n (Fulda) iibcrbraclite die Grüße des Narhbarrabbinats. Der Vorsitzende der Gemeinde Marbürg, Herr Höxter, begrüßte den neuen Rabbiner herzlich, ln seiner Antrittspredigt rimriß der neue Provinziafrabbiner seine Auffassung vom Sinn des gegenwärtigen Geschehens und von den Aufgaben eines Rabbiners.