Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 10. XI. 1936 Aus Deutschland nach Ecuador Die jetzige Zeit fuhrt Juten aus Deutschland in alte Teile der Welt. Eine Mcnschcnldasse, die an ctrj ruhig-bürgerliches Leben gewöhnt war, hat Schicksale, die oft ans Abenteuerliche grenzen. Die in Deutschland verblichenen Jaden ver• folgen jeden Einzel fall mit großem Interesse. Von einem Freunde der ״Jüdischen Rundschau“ erhalten wir die Ab* Schrift des Briefes eines Juden, der vor 1',’s Jahren ans Deutschland nach Ecuador, dem Land am Aequator, ausgewandert ist und dort landwirtschaftlich tätig ist. Wir wollen den Brief, der gerade durch seine ״trockene'• Sach• lichkeit interessant ist, unseren Lesern nicht vorenthallen, können aber selbstverständlich keinerlei Verantwortung für die dort gemachten Angaben übernehmen, (Red.) ... Ich will versuchen, Ihnen Ihre Fragen wahrheits• getreu zu beantworten, docli fürchte ich, daß Sie sich trotzdem kein rechtes Bild von dem Lande werden machen können. Klima: Nach den Erfahrungen, die ich seit 14 Monaten hier gesammelt habe, besteht für den Europäer gesundheitlieh keine Gefahr. Seit 30 Jahren ist hier ttt der Gegend kein Fall von Malaria vorgekommen. Die Regenzeit dauert von Mitte November bis Mitte Mai. Moskitonetze sind nicht notwendig. Die Landschaft ist subtropisch, sehr interessant irnd von klaren Bächen und Flüssen durchzogen. Mein Land liegt 1350 Meter über dem Meeresspiegel. Durchschnittliche Tagestemperatur 22—28 Grad Celsius. Laufe den ganzen Tag in Hemd, Reithose, laugen Stiefeln und Panainahut herum. Gegen 6 Uhr abends, wenn die Sonne untergegangen ist, muß ich eine Strickjacke anzielien und nachts wird es sehr kühl. Denken Sie sich einen schönen Maimonat in Europa. An hau: Der I lauplanbau und brotbringendste Zweig sind Zuckerrohr und Bananen. Erstcres braucht zwei Jahre bis zur Reife, Bananen U/s Jahre. Zwischen diesen beiden Haupt- Produkten wird Mais gesät, der nach sechs Monaten geerntet und zur Schweinemast verfüttert wird. Dann folgt Juca, eine Wurzelpflanze, die zur Gewinnung von Stärke und als Ersatz für Kartoffeln ziir Ernährung von Menschen und Tieren Verwendung findet. Als Nebenprodukte werden Ananas, Zitronen, Naranjillas, Bohnen, Tabak und Kaffee angebaut. Nutzen: Bezüglich des Nutzens bitte ich meine Auskunft nur relativ zu befrachten, da ich ja außer Mais bis- 11er noch keine Ernte gehabt habe. Nach den Berichten der Eingeborenen bringt Zuckerrohr bei Herstellung von Rohzucker oder Sprit einen Gewinn von 80—100 ״> des intestierten Kapitals. Meiner Berechnung nach ergibt sich dieser Nutzen erst im Laufe voit ca. 3—3Vs Jahren, bei der ersten Ernte aber bringt der Anbau schon die Unkosten. Die Zuckerrohrpflanze trägt 10—15 Jahre. Es ist also nicht wie bei einem Getreidefeld, daß, wenn es abgeerntet, neu angebaut werden muß, sondern die Zuckerrohrpflanze wächst ständig nach und die abgeschnitfenen Spitzen werden als Saat für neu anzubauende Quadre verwandt. Bananen: Die Wurzel bringt 20—25 Jahre nach jeweils b> Jahren einen Baum mit einer Staude und 3—4 Ablegem, die auf neuen Boden versetzt werden. Die Kultur gibt bei der ersten Ernte das Kapital wieder und auf die Dauer der genannten Zeit 100 */» Verdienst. Juca ist nach neun Monaten reif, um zur Ernährung Verwendung zu finden, lieber den Nutzen der Stärkebereitung kann ich vorläufig keine Auskunft geben. Preis für den Boden: Das Quadre =6400 ־ qm kostet in hiesiger Gegend Sucre 30—35 netto sofortige Kasse. Heutiger Tageskurs 10.50 Sucre 1 <=־ USA.•Dollar. Viehzucht: Großvieh sowie Federvieh wird fm großen Maßstabe von den Eingeborenen nicht betrieben. Die Leute halten sich dieses nur 7um eigenen Gebrauch, Schweinemast wird von einer Hacienda hier etwas größer betrieben (zirka 300 Schweine). Ich seihst habe 10 Schweine, 3 Ziegen, 10 Stück Federvieh (Hühner, Puten, Gänse, Enten, Tauben) und gedeiht alles gut. Bin Selbstversorger mit Geflügel und Eiern. Meine Schweine habe inzwischen mit gutem Nutzen verkauft. Nehme wieder welche zur Mast zur nächsten Maisernte, d. h. also im März 1037. W e g e v e r 11 ä 11 n i s s e: Zwischen Quito und Calacali besteht eine Auto-Omnibusvcrbindung. Fahrpreis 0.80 Sucre, Fahrzeit ID—2 Stunden, Entfernung 33 Kilometer. La Playa erreicht man in einer Entfernung von 40 Kilometern von Calacali aus zu Fuß auf sehr schlechtem Weg. Die Emgeborenen schaffen diesen in 8—9 Stunden, während ich ohne Training 12 Stunden benötige. Die Produkte werden mit Ochsen transportiert und sind in Calacali sowie Quito ohne Schwierigkeit zu verkaufen. Die Regierung hat 45 000 Sucre zur Verfügung gestellt und man arbeitet seit dem 1. Juli an der Ausbesserung־ des Weges. Dann ist meine Hacienda zu Pferde ohne große Anstrengung in 6 Stunden zu er• reichen. Siedlungsmöglichkeiten: Iclt kann diese in meiner Gegend nur befürworten. Schwierigkeiten sind auch hier, wie ja schließlich _ bei jedem Unternehmen, zu über• winden. Ich habe bis jetzt einen Aiisgabenetat von zirka 1! 000 Sucre gehabt. Meine Erfahrungen haben mich aber gelehrt, daß ein Aufbau auch mit weniger Kapital zu schaffen ist und ein Ansiedler bei einem Bodenbesitz von 10—15 Quadre sein gutes Auskommen haben kann. Ein Ansiedler müßte also für den Aufbau der Wirtschaft und die Lebens• Unterhaltungskosten in den ersten Jahr.en über ein Mindest• kapital von 1500 USA.-Dollar verfügen, doch glaube ich, daß bei einer kommunalen Vereinigung das Kapital für den einzelnen Siedler bedeutend geringer sein kann. Die ganze Umgebung hier ist Privatbesitz und von den Leuten zu kaufen Es könnten sieh hier Zehntausende von Familien eine neu« Existenz aufbauen. Persönliches: Der Ort, in dem ich wohne, heißt La Playa. In meiner nächsten Nachbarschaft, d. h. im Umkreis von 1,4—1 Stunde Fußweg, leben 12 eingeborene Familien (Mischlinge). Ich hin der einzige europäi s c h e Ansiedler hier. Es haben sieh noch nicht mehr Menschen gefunden, die die Plantageiiwirtschaft betreiben wollen. Eine Bewässerung oder Düngung des Bodens ist nicht notwendig, di die Erde sehr fruchtbar ist, ca. 35 cm Humus. Ich habe 250 Hektar Land, kein Urwald, sondern größtenteils Buschwerk. Mein Inventar besteht aus Machetta, Spaten, Axt, Hacke; später eine Zuckmohrpresse; falls ich Sprit fabrizieren sollte, eine Destillationsanlage, alles in Quito zu kaufen. Mein Verbrauch für Lebensmittel und Arbeitslöhne ist ca. 200 Sucre per Monat. Ich arbeite mit 2—3 Peonen (Tagelöhnern), die Kerls sind schwer zur Arbeit zu bekommen. Die Leute haben ja auch nicht nötig zu arbeiten, da das wenige, was sie zum heizen brauchen, ihnen so zuwächst (Bananen, etwas gerösteten Mais, und damit sind sie zufrieden). Andere Plätze: In Quito sind m der Zelt von Juli 1035 bis April 1Q36 zirka 100 Familien neu ein gewandert Größtenteils polnische Juden, die einige Jahre in Belgien gelebt haben. Beschäftigen sich mit Hausieren und haben auch kleine Läden mit Strickwaren in Quito aufgemadit Große Konkurrenz, da in der Bevölkerung, die zu 80״/« aus Mischlingen und Indianern besteht, kein Bedarf vorhanden ist. Auch Ln Gitajaqui! sowie in den kleineren Städten wie Riobainba, Ambato, Tukan gibt es einige jüdische Familien, die kleinere Geschäfte haben. Die größeren Geschäfte sind in den Händen von Syriern, die schon lange im Lande leben und Geld verdient haben sollen. Europäische Hand• werker können gegen die hiesigen Handwerker nicht konkurrieren. Ein Europäer hat andere Lcbcaisbedingungen und ist dadurch gezwungen, teurer mit seim-em Lohn zu sein. Die frühere österreichische Kolonie hier ist zu* gründe gegangen, weil kein Geld da war und im Urwald angcsicdelt wurde. Nach Nord-West von meiner Hacianda bcfindet sich ein Dorf (Cliafapamba), in dem zirka 600 Menschen leben und auch eine Dorfschule tat. Nach Osten von mir ein Dorf (Carjacu), in dem zirka 200 Menschen leben (Mischlinge). Diese Bauern haben alle einen Landbesitz von zirka 20—30 Quadre; davon angebaut zirka 5—7, trotzdem sie schon 30—40 Jahre darauf leben. Erstens brairdien die Leute nicht mehr anzubauen für ihren Lebensunterhalt und zweitens sind sie zu faul. Es gibt in Ecuador viel Land, das «nenfgeltlkfl zu erwerben ist, auf dein aber für Europäer alle Lebens• Bedingungen fehlen. Das Land liier braucht Menschen, die wirklich arbeiten wollen. Um Irrtiimcr zu vermeiden, betone ich, daß sich diese Auskunft nur auf die Gegend bezieht, in der ich mich niedergelassen habe. möchte, um aus dem furchtbaren Albdruck herauszukommen, — er ist der Schatten des ganzen jüdischen Volkes! Er läßt mir keine Ruhe, weil er keine Ausnahme, kein Mensch mit besonders zerrütteten Nerven ist, sondern der normale Typus des polnischen Juden, ein Baro• meter des geistig«! Zustandes der Juden in Polen. Wir wollen nur ein paar Tatsachen bringen, die den Boden, auf dem s(»leite Verzweiflungs-Rinne und -Typen sich entwickeln können, in klarem Licht erscheinen lassen. Ein jüdisches Mädchen wartet auf ein ״Zertifikat“, um nach Palästina hin eingelassen zu werden. Ihre Ellern sind schon seit ein paar Jahren dort. Sie hat in Warschau die Hochschule absolviert, aber au Veniienstinöglichkeiten hier denkt sie gar nicht. Durch die traurige tägliche Erfahrung bclehrt, versucht ein jüdischer Intelligenzler nicht inehr, irgendeine Arbeit zu find«1. Dieses Mädchen hat nur noch die eine Hoffnung — sie gebt Tag für Tag in das Palästina-Amt, um nach dem begehrten ,,Zertifikat" zu fragen. Endlich kommt das große Gluck! I )ns Amt läßt sie rufen und sie erfährt, daß sie fahren kann. Und plötzlich fängt das Mädchen vor versammeltem Publikum im Warschauer Büro zu tanzen und zu singen an, immer lauter zu singet! und immer heftiger zu tanzen! — Sie inullte in eine Anstalt eingeliefcrt werden. Ein anderer Fall in Lemberg. 1:i!1 armer jüdischer Junge aus einer Arbeiterfamilie ging aut ״Haclischarali“, lernte, bereitete sieh vor, träumte vom ״Zertifikat“. Aber es kommt keines. Von hundeit solchen, die bereit sind, die schwerste Arbeit zu tun, werden kaum fünf oder sechs beglückt. Man geht und geht ins Palästina-Amt, bis die Nerven es nicht mehr aushalten. Der jungt־ Mann verübte Selbstmord, indem er vom sechsten Stückwerk heruntersprang — dies ist die radi* kalste Lösung aus der Verwirrung, die man ״jüdische Frage“ nennt. An der polnisrli-rii'-sischen Grenze w׳urde eine Bande festgenoinmen, die judi-che junge Leute nach Sowjet-Rußland herüberschmuggelte und ihnen versprach, sie nach Biro- Bidschan 7u bringen. Die Bande der Schmuggler bestand aus elf Mann und lut es fertiggebracht, 70 Juden zu berauben. Das heif;t. dali nun es von 70 genau weiß,' von wievielen aber weiß man es nicht; Diese Banditen der Wilnaer Gegend sind, scheinbar, anständige Banditen und weichherzige Schmuggler. Ihre Kollegen ans B e s -■ a r a t>i e ח behandeln die jüdischen ( »pfer ganz anders. Sie beraubten nicht die Emigranten, die nach Rußland v,■ollen, sondern sie föf׳-n sie und'’ werfen sie in den Fluß Dnjestr, so daß sie sowie.-״ alles erben, was von diesen jüdischen jungen Lunten und Mädchen, die sich mch Biro- Bidschan retten wollen, bleibt. Wir könnten solefur Tatsachen aus der jüdische 11 Wirk- 1 i c h k e i t s - P a t h <׳> I o g i e noch mehr auf/ahleti. Alle diese Tatsachen geben ein Bild: Sic erzählen von den Tausenden, du־ in ihrem Herzen nur den einen Wunsch hegen —: F a h reu! A u swaml t rn! Fluchten! Lau• f e n i, w o h in di c A 11 g c n s c 11;1 »1 e n I Die Welt ist bis jetzt nicht erschüttert worden. Der Zustand des jiidi-dien Volkes geht sie recht wenig an. Da aber unsere Wirklichkeit derart pathologisch ist, ist unser Erfinder der ״Verzvv«flungs-Aktion“, des ,,nationalen Terrors“ und des An-die-Grenze-Wandcrns kein einsamer Verrückter; er ist nur ein Kind seiner Zeit — ein Echo des Leidens, das an alle Grenzen, an alle Ecken der Welt jagt. Verletzung des Arbeitseinsatz-Gesetzes Die ״Berliner Börsenzeitung“ berichtet von einer Ver• handlang vor der Uerufungsstrafk .immer in Moabit. Ein junger jüdischer Ingenieur, der nach Palästina a u s w a n dem wollte, war im November 1935 aus Tilsit nach Berlin gekommen und hatte liier bei einem jüdischen Installateur in Wilmersdorf eine Beschäftigung als Praktikant gefunden. Die erforderliche Zustimmung des Arbeitsamtes zur Ein- Stellung, die auf Cirund des Gesetzes zur Regelung des Arbeitseinsatzes für alle nach dein 18. Mai 1934 am Orte ihrer Einstellung nirlit wohnhaften Arbeitnehmer mit bestimmten Ausnahmen erforderlich i st, war abgclchnt worden, weil der Ingrineiir praktisch and! außerhalb Berlins arbeiten konnte und er Berliner Juden, die für die Auswanderung gleichfalls den N;u!im eis einer liaibjäIlligen praktischen Tätigkeit bimuiigten, nur den Arbeitsplatz, wegnahm. Unmittelbar nach L ingang des /weiten ablehnenden Bescheides schloß der Ingenieur mit dein Installateur eitlen ״Solidaritalsvcrtrag“ ab, in dem der Ingy nieiir ais stiller Teilhaber i;1 das Installationygesrh.iff aufgun>m1!1tn wurde. Das Amtsgericht batte heule Angeklagte \! ■n der Verletzung des Arbeitsdn-atz-Gesetzefrei g e spruch e n. Wegen dieser Entscheidung hatte che Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, da es sich nach ihrer Ansicht hier tun einen typischen Sc heilt vertrag handele, der zur Umgehung des Gesetzes geschlossen worden sei. Wenn man solche• 1 mgebungsmanöver durchlassen wollte, würde das Beispiel der Angeklagten Schule machen. Es wurde dadurch das Arbeitseinsatz-Gesetz praktisch außer Kraft gesetzt werden. Die Berufungskammer schloß sich den Ausführungen und dem Strafantrag des Staatsanwaltes an und erkannte gegen den Installateur auf 359 KM. und den Ingenieur auf 150 RM. Geldstrafe. Rassenschutz Irrt neuen Strafrecht. Die Grundgedanken des in zweiter Lesung endgültig fertiggestellten Entwurfes der amtlichen Strafrechts kam m i s s i on werden in einer von Reiehsjustuniintater Dr. Gürtncr und Staatssekretar Dr. Leisler herausgegebenen Denkschrift ,,Das neue Strafrecht, grundsätzliche Gedanken zum Geleit“ dargestellt. Der Strafrechtsentwurf lut danach das Verbot der E 11 e s c h I i e - ßung und des außerehelichen Geschlechtsverkehrs mit J tt den, wie es in •dem Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre geltendes י Recht geworden ist. übernommen. Der Entwurf stellt weiterhin jede böswillige Sabotage von Maßnahmen zur Abwehr der Rassegefährdung unter Strafe. So wird derjenige mit Strafe bedroht, der öffentlich Maßnahmen des Reichs zur Erb- und Rassenpflege verächtlich macht, oder der öffentlich dazu auffordert und anreizt, sich gegen solche Maßnahmen aufzulehncn, oder wer sonst öffentlich den Grundgedanken der staatlichen Erb- und Rassenpflege böswillig entgegenwirkt. Als Strafen hierfür sind Gefängnis und in besonders schweren Fällen Zuchthaus voreschen. Zum Schulz der Rassenchr« bestimmt das kommende trafrecht, daß eine deutsche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes und ein Jude, die öffentlich in einer gegen das geschlechtliche Schamgefühl gröblich ver. stoßenden Weise Verkehr miteinander pflegen und dadurch den Rassestolz des deutschen Volkes verletzen, mit Ge• fangnis bestraft werden. Ueber die Entmannung gefährlieber Sittlichkeitsverbrechet hinaus wird bestimmt, daß ein Täter, der bereits einmal wegen Rassenschande, einerlei wie hoch, verurteilt worden ist, Sicherungsmaßnahmen 7u gewärtigen hat, da aus der Tatsache der wiederholten Begehung dieses Verbrechens sich die Befürchtung zwingend ergibt, daß er auch in Zukunft sich in gleicher Weise vergehen wird. Vor dem Prozeß Frankfurter Das ״Deutsche Nachrichten-Büro“ verbreitet einen Bericht aus Bern, der vom. ״Völkischen Beobachter״־ und anderen Zeitungen veröffentlicht wird. Darin heißt es: ״Der bevorstehende Mordprozeß gegen den Juden David Frankfurter hat bekanntlich die jüdische Presse in aller Welt zu Sympathk-crklärungen für den Mörder und zu Verherrlichungen seiner Tat veranlaßt. Vor allem hat das Organ der jüdischen Wellliga zur Abwehr des Antisemitismus, die sich bewußt hinter dt-r! Mörder und seine Tat stellt, sogar die Person des Führers im Zusammenhang mit der Mordtat in det widerlichsten Weise angegriffen. Dieser unverfrorene Versuch jüdischer Kreise, die Gerichts Verhandlung in Chur zu einem Forum für alljüdische Propaganda zu «lachen, ist sogar den in dieser Beziehung sonst sehr duldsamen Schweizern auf die Nerven gefallen. Iler liboale .,Berner Bund“ bringt in einem soeben ei^hienrncn Artikel ״V 0 ז neuen J11 (I engesetzen in Deutschland“, nach llimvei-en auf die letzte Sportpalaslrede von Rcäciisminiiter Dr. Goebbels. Beispiele von der jüdischen Fntla.stungsoffcnsive fiir den Mörder David Frankfurter und erklärt es bei der deutschen Umstellung: zur Judenfrnge für begreiflich, wenn deutscherseits auf derailige 1 letze in entsprechender Torrn geantwortet würde. F*s wird auf die möglichen Wirkungen eines solchen ״Fxzesses eines unverantwortlichen Literatentums“ hingewiesen. U. a. hat» sich auch der Emigrant Emil Ludwig-Cohn durch ein Buch fiir den Mörder eingesetzt. Andererseits nimmt der Artikel darauf Bezug, daß sogar der G io ßrabbiner von Paris sich gegen die Verherrlichung des Mörders durch judtarhe Kreise gewandt halte. Wes« Veröffentlichung des Schweizer Blattes darf ah Zeichen dafür gewertet werden, daß die Schweiz ein Interesse daran hat, *ich im Zusammenhang mit dem Mordprozeß Frankfurter nicht von jüdischer Seite gegen Deutschland mißbrauchen zu lassen.“ Lieber denselben Gegenstand berichtet die ״Frankfurter Zeitung“ aus Zürich ebenfalls, dal) die Schweizer presse gegen eine Verherrlichung der Tat Frankfurters Stellung nimmt. Dazu schreibt der Korrespondent: ״Vor allem hat das von dem jüdischen Schriftsteller Emil Ludwig kürzlich in einem Amsterdam« Verlag heraitsgcgrbene Buch ״Mord in Davos“ schweizerische Proteste aijsgc-lö-t Der Verlasser, der vor einigen Jahren das «chweizerische Bürgerrecht erworben hat. glaubt sich in diesem Buch;lätnlirfi berufen und bererl!. tigt, um die Tat des jti׳liv׳l1en Studenten f'rauklurlrr cit.c GDiiole politischen Heldentums zu spinnen. Die ״Neue Zürcher Zeitaug“ widmet dem auch in jüdischen Kreisen b'geschüttelten Buch einen Leitartikel, in «lern sie festst eilt, daß cs wahrhaftig nicht von rechtlichem Denken licschivcrt sei.... Wohl um nicht in den Verdacht einer Parteinahme fiir den National- Sozialismus zu kommen, greift: das Blatt irr der gleichen Ausgabe 011 ch das in Deutschland erschienene Bneli von Wolfgnng Dicwcrge ,.Der 1 •'all Gnstloff“ an.... In einem Berliner Belicht behandelt der Horner ״ii 11 n <!“ die Frage, ob neue Judengeselze in Deutschland zu erwartet! seien; er kommt unter Hinweis auf die Keile von Rr-iehsminister Dr. Goebbels im Sportpalast zu der Fest• Stellung, daß das Verhallen der jüdischen Bevölkerung in Deutsch- Lind an .sich keinen Anlaß fiir eine abermalige Verschärfung der ar/i• .somitisehen Stimmung gegeben habe. Dagegen habe nach den Intorrnntionen des Korrespondenten in maßgeblichen Kreisen die unverhohlone Verherrlichung des Mordes an Gnstloff größte Empörung ausgelöst. Der Bericht erinnert daran, daß die Ernennung Frankfurter* zum Ehrenpräsidenten einer ״Weltliga zur Abwehr des Anti- «ml!ismus“ in mUionalsozinlbt!sehen Kreisen als eine Kampfansage bewertet werde, wenn auch die deutschen Zeitungen in der Sache des Gnstloff.Prozesses große Zurückhaltung übten. Durch Exzesse, wie sie kürzlich in dem Pariser Organ der obengenannten Weltliga gestanden hätten, werde der I.age der 400 000 noch in Deutschland lebenden Juden keinesfalls gedient. Die Wirkung werde auch nicht dadurch vermindert, daß kürzlich von hoher jüdischer Stelle, näm• lieh vom Pariser Großrabbiner Julien Weil!» vor der Glorifizierung des Mörders Frankfurter durch jüdische Kreise öffentlich gewarnt und dagegen protestiert worden sei.“ Zu diesen Berichten wäre ergänzend zu sagen, daß nicht nur der Großrabbiner von Paris, sondern viele maßgebende Organe der jüdischen öffentlichen Meinung sich gegen jede Verherrlichung von Mordtaten gewandt haben. Das Gebot ״Du sollst nicht töten“ ist eines der obersten Sittengesetze des Judentums, und wer im Namen des Judentums sprechen will, darf dies niemals vergessen. Die sogenannte ״Weltliga zur Abwehr des Antisemitismus“ ist ein in weitesten Kreisen unbekannter privater Verein in Paris, der sich seinen Namen selbst geg<m־n hat und dessen Methodert von verantwortlicher jüdischer Seite nicht erst seit heute mißbilligt werden. Was das Buch von Emil Ludwig betrifft, so muß es sich hier, nach den vom ״Schwarzen Korps“ veröffentlichten Stichproben, in der Tat um ein bedatterliehes und jüdisch nicht zu rechtfertigendes Produkt handeln.