Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 10. XI. 1936 ״Die Tore Palästinas bleiben geöffnet“ Erklärungen von Sir Herbert Samuel und Dr. Chain! Weizmann du hebräische ״Schehechejami״. Richard Beer-Hofmann «rar Gegenstand einer herzlichen Ovation. Während der Fahrt von der Kultusgemeinde zum Klubhaus de* ״Ringes“ durch die Straßen der Inneren Stadt wurden Sttitsrat Dr. Friedmann von einer vielhundcriköpflgen Menge *türmische Ovationen bereitet. Dm österreichische Regieruagsorgan su den Kultuswahlen Die amtliche ״Wiener Zeit ung“, das offizielle Organ der österreichischen Bundesregierung, veröffentlicht in seiner heutigen Ausgabe einen Artikel zu den Kultuswahlen, in dem es u. *. heißt: ״Die Zionisten wollen die Kultusgemeinde zu einer wahren V o I k s g e m e i r: d e machen, was die Unionisten energisch ahlchnen, da sie den Bestand einer jüdischen Nation als eine ״Fiktion“ ans eben, Die Zionisten berufen sielt darauf, daß die Jugend fast zur Oänze in ihrem Lager steht, was sie eben der Fürsorge für den Nachwuchs \ erdanken. Die Vertrauensinäimerwahlcn werden neben prinzipieilen Grundfragen auch beeinflußt von der Stellung des Weltjudentums und seiner hervorragendsten Repräsentanten zura zionistischen Palästina.,..“ ״Zusammenfassend“—-schließt der Artikel — ״kann man nach Abschluß der Auseinander- Setzungen zwischen den Pnionisten und den Zionisten, die weit über den Kreis der unmittelbar Beteiligten Aufmerksamkeit erregten, sagen, daß auf Seite der Union ein großer Teil jener Wähler steht, die aus der alten liberalen Aera stammen und jahrzehntelang ihre Führer in die (jemeiiidestube entsandten, WO sie einst die Majorität hatten. Auf Seite der Zionisten sind die Jünger Theodor 11 erzis die Vollstrecker der Resolutionen zahlreicher Zionistenkongresse und, was vielleicht das Wichtlgste in dienern grundsätzlichen Kampfe ist — die Jugend, die bei allen Völkern die Zukunft bedeutet.“ Professor Neumann akklamiert Wir erhalten noch folgenden Bericht über eine interessante Episode des Wahlkampfes: Der berühmte Ohr- und Kehlkopf- Spezialist, Professor H e i n r i e h Ne u m a ת n, der den König von England bei dessen letzten Aufenthalt in Wien behandelt hat und von diesen! zu Vorlesungen in England eingeladen worden ist, nahm in der vorigen Woche an einer zionistischen Wahletvcrsamtulmtg in Wien teil, um seine Sympathie für den Zionismus zu zeigen. Professor Neumann war Gegenstand einer herzlichen Ovation und wurde aufgefordert, auf dein Podmnr Platz zu nehmen, Kultuspräsiiient Dr. Frkdnianu richtet« an ihn eine Begrüßungsansprache. Feier für Dr. Moses Gaster London, 6. November. (!TA.) Anläßlich des SO. Gcburtstages des sephardisrheri Obcrrabbiners von London und bedeutenden jüdischen und rumänischen Folkloristen, Dr. Moses Gaster, wurde dem Jubilar im Rahmen eines Festaktes ein von Dr. Bruno Schindler und Dr. A. Marmorstein heraus־ gegebener Sammelband von Studien über semitische Philologie und Literatur, jüdische Geschichte und Philosophie und die Folklore vieler Länder überreicht. Die Sammlung trägt den Titel ״Orient und Okzident‘‘. Sir Herbert Samuel sprach Dr. Gaster den Dank für ״-.eine Leistungen auf wissenschaftlichem und jüdisch-politische nt Gebiet aus. Fr erinnerte an die Pionierarbeit, die Dr. Gaster für die Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina geleistet hat. in seinem Hause sei er während des Krieges oft mit Weizmann, Sokolaw und Sir Mark Sykes als Vertreter der Regierung zusammengekommeii und es seien Beschlüsse gefaßt worden, die für die späteren Ereignisse von größter Bedeutung waren. Dr. Gaster habe sich die Hochachtung und Verehrung nicht mir der Judenheit, sondern aller Gebildeten der Weit gesichert. Für die R 11 m ä n i s c 11 c Akademie der W i s s c n - schalten, deren Mitglied Dr. Gaster ist, sprach der Legat iousrat der Londoner Gesandtschaft 1), N. Ciotori. Der Präsident der Rumänischen Akademie habe in dem Schreiben, in dem er den Legationsrat mit der Vertretung der Akademie betraute, auf die grundlegende Bedeutung der Werke Dr, Uastcrs für das Studium der rumänischen Literatur hingewiesen. Dr, Gaster habe ein halbes Jahrhundert lang die Kenntnis rumänischen Lebens und riimäni• scher Literatur, Folklore und Sage in England verbreitet. Weitere Ansprachen hielten Prof. S. II Iiooke und Mr. Coats-Lake im Namen der (icscllscliaft für Folklore, Gustave Tuek im Namen der jüdisch-historischen Gesellschaft, Prof. N. D. Jopson im Namen der Gesellschaft für Volkskunde der Zigeuner, Prof. Dr, 1). S. Margoliotifli, Präsident der Royal Asiatin Society, und Arthur de Uas-ercs, der an die Ausweisung |>r, üasters aus Rumänien und die bald darauf in Anerkennung -einer wissenschaftlichen Bedeutung erfolgte Einladung zur Ruckkehr s(,wie auf seine Mitarbeit in der jüdischen Kulturbestcgmiig und in! Zionismus liinwies. Dr, Gaster dankte ergriffen für die ihm erwiesene Ehrung. Er sprach von der! psychologischen Voraussetzungen seiner jtidcnlumskuiHlliclien und i'01kluri;.f 1-chert Arbeit, erwähnte seine Verbindung mit dem Historiker Graetz und erklärte zum Schluß, das jüdische Voik dürfe nicht zu Fried• hofsruhe verurteilt sein, sondern müsse an dem Gang der Ge• schichte lebendig Anteil nehmen und seinen Beitrag leisten zu dem großen Tempel, der dem Frieden und der Mensch• iichkeit errichtet werden soll. Nette französische Kolon ialpolitik Von unserem Pariser Berichterstatter K. Paris, im November In Paris hat vor einigen Tagen eine neue Konferenz der Generalgouverneure der französischen Kolonien stattgefunden, die unter dem Vorsitz des französischen Kolonialministers Moutet stand, Zu Beginn der Tagung hielt der Kolonialminister eine Ansprache, in der er sich bemühte, die neuen Ziele der französischen Koionialpolitik zu defi• nieren. Der Minister führte u. a. aus: ״Frankreich muß mit der egoistischen Politik der kolonialen Beherrschung brechen und muß eine altruistische Politik verfolgen. Diese Politik muß sich auf die Massen der kolonialen Völker stützen. Die Konferenz hat nicht mir von «len Gestcliungs• kosten der kolonialen Produkte zu sprechen, sondern muß sich vor allem auch mit den Lebensbedingungen ihrer Produzenten beschäftigen. Die wichtigsten Probleme, die die Kon• ferenz der Generalgouverijctire z.u untersuchen hat, sind daher: das Steuerregime, die Erhöhung der Kaufkraft der Eingeborenen, die Lage der eingeborenen Landwirte, die Reform der Kolonialvcrwnltnng, die öffentlichen Arbeiten, die Schaffung eines kolonialen Aufbatifonds und die Uebernalime verschiedener Ausgaben der Kolonien durch das Mutterland.“ An den Besprechungen nahm u. 1. auch Ministerpräsident Ldon Blum teil, durch dessen Anwesenheit die Bedeutung dieser Tagung unterstrichen wurde. Für die Universität Jerusalem London, 6. November. (JTA.) Sir Herbert Samuel, der erste High Conunissioner für Palästina, und der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim weizmann, haben unmittelbar nach der Abreise der Kgl. Kommission nach Palästina und der Bekanntgabe vier Einwanderungsschedulc für das laufende Halbjahr zu der nunmehr geschaffenen Lage Stellung genommen. Ihre Erklärungcn gaben sie anläßlich einer am Donnerstagabend in London abgehaltenen Versammlung des Verbandes der Freunde der Hebräischen Universität ab. Sir Herbert Samuel führte ti. a. aus: Es gibt keine Feindschaft zwischen Arabern und J 11 - den in Palästina. Wirkliche Gegensätze wirtschaftlicher oder sonstiger I11teres,-en bestehen nicht. Staatsmännische Klugheit kann unbedingt einen Weg finden, um vorhandene Schwierig* keiten zu überwinden. Sir Herbert erklärte weiter, cs gebe keinen Widerspruch zwischen dem, was im Weltkrieg einerseits den Juden und dem, was andererseits den Arabern versprochen worden sei. Es sei unrichtig, daß diese Zusagen sich nicht miteinander vereinbaren und in Einklang bringen lassen. Zum Schluß sprach Sir Herbert die Hoffnung aus, daß die jetzt nach Palästina abgereiste Kgl. Kommission eine autoritative Meinungsäußerung darüber geben werde, in welcher Weise diese Zusagen miteinander in Uebereinstimmung gebracht werden sollen. Die Juden müßten angesichts der gegenwärtigen Lage einen optimistischen Standpunkt einneluneii. Dr. Chaim Weizmann erklärte u. a.: Es ist unmöglich zu glauben, daß unsere Arbeit in Palästina eingestellt werden sollte. Wir haben einen schweren Kampf zu führen, einen Kampf, der uns nicht schreckt. Wir freuen uns, daß die Tore Palästinas nicht geschlossen wurden, sondern für Juden weiter geöffnet bleiben, obwohl viel geschohen ist, um uns diese Tore zu verriegeln. Wohl ist es richtig, daß wir eine nur kleine Zahl von Zertifikaten erhalten haben, aber die Tore Palästinas bleiben weiter offen. Es gibt keinen Grund, optimistisch zu sein, aber es gibl auch keinen Orund zu Pessimismus. Beide Redner setzten sich für die Förderung der Unf* versität Jerusalem ein, deren Budget von £ SO000 aufgebracht werden nyiß. Norman Bentwicn habe sich nach Die Politik des neuen Irak In einer Unterredung, die der irakische Außenminister Nadschi AI Asii mit dem Vertreter der ״Times“ hatte und in der er die Gründe der Umwälzung im Irak darlegte, kam er auch, wie aus dem Bericht in der ״Times“ vom 7. November ersiciitlich ist, auf die künftige Politik des Irak zu sprechen und erklärte, daß die Innenpolitik von dem Grundsatz bestimmt sein würde, daß gleiche Rechte und gleiche Pflichten für alle Ira* ker beständen, ob sie Moslems, Juden oder Christen seien, unabhängig von ihrer Abstammung — arabisch, kurdisch oder türkisch. Die Außenpolitik solle die freundschaftlichen Beziehun* gen und engste Zusammenarbeit mit England aufrechterhalten, und man hoffe auch die Freundschaftsbande mit der Türkei zu stärken, die siel! in den letzten Jahren dem Irak besonders hilfreich und freundschaftlich gezeigt habe. Es soll ferner eine endgültige Regelung der bestehenden Differenzen mit Iran (Persien) herbeigeführt werden, so daß man zu einer neuen Freundschaft und wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit kommen könne. Mit Bezug auf Saudi-Arabien erklärte der Minister, daß er sich am Sonnabend mit dem ratifizierten Freundschaftsvertrag zwischen dem Irak und dem Wahabitenkönig nach Riad (der Haupt* stadt ihn Sauds) begeben werde. Er hoffe* daß dieser Vertrag engere Be׳iel1m1ge11 schaffen und alle denkbaren Störungs* Ursachen beseitigen werde. Zum Schluß erklärte der Minister, daß das irakische Volk stark interessiert an der Zukunft Palästinas sei. ln dieser Beziehung betrachte das neue Kabinett als seinen Ausgangspunkt das Telegramm König Gltazis an das Oberste Arabische Komitee in Jerusalem. Man wünsche, daß den Arabern Palästinas Gerechtigkeit widerfahre, ohne daß irgend jemand anderem Unrecht geschehe. Der Irak hege auch die freundschaftlichen Gefühle für Syrien und hoffe, daß cs in dem neuen Vertrag mit Frankreich Frieden und Wohlfahrt finden möge. Im allgemeinen wünsche der Irak eine Quelle der Kraft und der Hilfe für alle arabischen Länder zu werden. Das neue Kabinett habe es als das beste Mittel für dieses Ziel erachtet, den Irak in einen starken selbständigen Staat umzubauen. ״Gefahr Sür Europa“ Unser holländischer HL.-Korrespondent berichtet: In dem katholischen ״Residentiebode“ behandelt M. van Polt ausführlich unter dem Titel ״Der Halbmond im Aut stieg?“ die jüngste Entwicklung des Wiederauflebens der Staatenwelt des Nahen Ostens und weist dann auf Grund einer Darstellung der Grundsätze der Lehre Mohammeds darauf hin, daß eine Machtcntfaltung des Islam ipso facto eine gewaltige Gefahr für Europa bedeute: denn der Islam sei auf Grund seines innersten Wesens, wie die Geschichte aller Zeiten seit seinem Bestehen beweise, außer einer Religion eine erobernde, politische Macht, ״in diesem Lichte gesehen, bekommt mm das Streben nach dem Staaten* bund im Nahen Osten eine sehr besondere Bedeutung. Dieser Staatcnhuml möge eine noch weit entfernte Gefahr für Europa sein; das Streben danach weist in die Richtung eines möglichen neuen Aufmarsches des Islam gegen Europa. Wenn es zu einem neuen Konflikt zwischen europäischen Staaten würde kommen müssen, wäre ein ge* waltiges Autflammen des alten islamischen Gedankens, daß der Islam zur Herrschaft über die ganze Welt berufen sei, keineswegs undenkbar. Die gesamte Konstellation würde dann dazu führen können, daß die islamischen Staaten des Nahen Ostens an dem Konflikt beteiligt, und, wenn sie Mitsieger werden würden, zu einer vorherrschenden Position gegenüber dem gemarterten Europa gelangen würden,.. Das Auflcben der Macht des Islam scheint noch weit ent* fernt. Aber es gärt unter den 215 000 000 Anhängern des Islam. Es wird systematisch unteT ihnen gearbeitet. Der Lauf der Ereignisse ist darauf berechnet, in ihren Herzen die lange unterdrückte Erwartung zu wecken, daß die Ent- Wicklung der Macht des Christentums ihrem Ende nahe ist und der lange erwartete Augenblick der Ausbreitung der Macht des Islam über die ganze Welt gekommen ist. Palästina begeben, um die finanziellen Bedürfnisse der Universität festzustcllen. _Sir Herbert sagte, in England müßten £ 10 000 für die Universität aufgebracht werden. Sic Philip Hartog sagte, die Universität müsse zu einem Organ der jüdisch-arabischen Verständigung werden, indem sie Araber als gleichberechtigte Studenten aufnimmt. Sir Herbert Samuel wurde zum Präsidenten der Ge* Seilschaft der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem wiedergewählt. Wenn Balfour heute lebte . . . Ansprache von Mrs. Dugdale in London London, 6. November. (JTA.) Bei einer Feier, die im Londoner East End anläßlich des Jahrestages der Balfour-Deklaration stattfand, hielt die Nichte und Biographin Lord Baliours, Mrs. Dugdale, eine Ansprache, in der sie die sittlichen und politischen Grundlagen des Paktes zwischen England und dem jüdischen Volk zur Erriefitung des Jüdischen Nationallleims in Palästina erörterte. Es sei, erklärte die Rednerin, heute ein Wort der W a rnung nötig, das Lord Balfour selbst gesprochen haben V'tirde, wenn er heute am Leben wäre. Niemand dürfe dem Irrtum verfallen, den Anteil Lord Balfours an der Politik der englischen Regierung zur Errichtung des Nationalheims zu überschätzen. Dieses sei auf weit festeren und breiteren Grundlagen begründet worden, als auf dem Verständnis einiger englischer Staatsmänner, mit deren Tod auch ihr Einfluß geschwunden ist. Das Nationalhcim beruhe auf dem verpfändeten Wort der englischen Regierung. Dieses Wort könne nicht ohne äußerste Schande und Entehrung gebrochen werden. Dessen müsse man eingedenk sein. Mrs. Dugdale nahm auf die Abreise der Kgl. Kommission nacli Palästina Bezug und erklärte: Die Kgl. Kommission setzt sich, wie ich glaube, aus ehrenhaften unparteiischen Männern zusammen, und ich bin überzeugt, daß sie von der Regierung in dem ehrlichen Wunsche entsendet wurde, ihre Versprechungen gegenüber Juden und Arabern zu erfüllen. Ich weiß, daß hohes Staatsmann isc 11 es Verständnis in den nächsten Monaten von den Juden und vom englischen Volk gefordert werden wird, wenn diese höchst schwierige Aufgabe in befriedigender Weise gelöst werden soll. Zu den Vorgängen im East End Die London Federation of Bov's Clubs (Vereinigung der in England sehr verbreiteten Jugend-Klubs) richtet eine Zuschrift an die ״Times“ vom 5. d. M., worin es mit Bezug auf die jüngsten Vorkommnisse im Londoner East End und die beklagenswerten Versuche, die englische Bevölkerung gegen die Juden aufzureizen, heißt: ״Unsere Vereinigung, die mit Politik nichts zu tun hat, zählt mehrere jüdische Klubs zu Ihren Mitgliedern, die zur Verwirklichung der Ziele und Ideale der Vereinigung nicht wenig beigetragen haben. Wir glauben, daß eine nur in guten Tagen bezeugte Freundschaft unvereinbar ist mit dem Geist der Zusammenarbeit und Kameradschalt, der die tiefste Wurzel unserer Organisation in England bildet, und wünschen daher, so öffentlich wie möglich unsere echte Sympathie mit unseren jüdischen Mitgliedern auszudrücken in dem Kampf gegen Gewalttaten und Verleumdungen, der ihrer Gemeinschaft auf gezwungen worden ist.“ Im englischen Unterhaus befaßte sich der Abgeordnete D. Frankel, der Jude ist, mit der Ankündigung des Gesetzes zur Wahrung der öffentlichen Ruhe. Er schilderte eindringlich die Verstärkung der judenfeindlichen Stirn m u n gen im Londoner East End und sprach die Hoffmm״ aus, daß die angekündigten gesetzlichen Maßnahmen die Handhabe zu wirksamer Bekämpfung dieser Erscheinungen bieten würden. Der Konservative Sir Joseph L a m b erklärt^ cs handele sich liier nicht nur um ein jüdisches Problem. Wenn auch von den Ereignissen viele Juden betroffen seien, so sei darüber hinaus die Angelegenheit eine Gefahr für die gesamte Nation. Erklärungen Ormsby- Gores Im Anschluß an seine Erklärung über die neue Eiawanderungsschedulc, die mit der Feststellung schloß, daß für dieses Halbjahr eine wesentlich niedrigere Ges a 1111 e i n w a n d e r u 1! g als im vorangegangener] Halbjahr zu erwarten sei, beantwortete Kolonienminister Ormsby-Gore eine Reihe von Fragen und begründete in diesem Zusammenhang die Niedrigkeit der jetzt festgesetzten Einwanderung«- quotc mit wirtschaftlichen Erwägungen. Kolonicnminister Ormsby-Gore hatte darauf hingewiesen, daß die früheren Sciicdulen im April 1*135 8000, im Oktober 1935 3230 und im April!930 4500 Zertifikate umfaßt hatten, 111 der neuen Schedule von 1800 Zertifikaten sei eine besondere Zuwendung von 300 Zertifikaten für die Registrierung von Juden aus Deutschland enthalten, die zwar ein Kapital von mindestens 1000 Pfund besitzen, es aber innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 12 Monaten noch nicht nach Palästina transferieren konnten. Die Gesamtzunahme der jüdischen Bevölkerung aut Grund dieser Schedule werde daher 1500 nicht überschreiten. Doch müsse in Betracht gezogen werden, daß die Einwanderung sicli nicht auf Personen neschränkt, die Zertifikate auf Grund der Arbcitereinwanderungs-Sclicdulc erhalten, auch unter Berücksichtigung der übrigen Einwanderer-Kategorien werde die Gcsamteinwanderang in diesem Halbjahr wesentlich niedriger sein als in den früheren. Der Abgeordnete Williams fragte daraufhin, ob die zurückhaltende Schätzung der Aufnahmefähigkeit des Landes für einen kurzen Zeitraum Geltung haben solle, oder ob man sie für die Dauer der Arbeiten der Kgl. Kommission gelten lassen wolle. Minister Ormsby-Gore: während der Arbeiten der Kgl. Kommission, der Prüfung ihres Berichtes durch die Regierung Sr. Majestät und der Veröffentlichung der Richtlinien für ihre künftige Einwanderungspol itik. Sir Archibald Sinclair (Führer der Liberalen): Kann der Kolonicnminister Fiekanntgebcn, welche ungünstige Entwicklung der Wirtschaftslage die Einschränkutig der Einwanderung um 50 und 75 Prozent rechtfertigt? Der Kolonicnminister: Die allgemeinen Störungen im Lande und die Unterbrechung in Industrie und Handel. Haupuctiriftteilen Dr. Robert W e 1t s c h, Berlin - Charlottenburg l (auch vtrantwoitlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter. Kurt I. oewenstetn. Berlin W 15 Anzc igcnlciter und verantwort׳ heb für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F 1 n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste $ vom 1. April 1836. Verlag und Anzeigenvetwalmngt Füdiscbe Rundschau, Berlin W15, Meinekcstr. t°■ D.-A. Oktober 35 064. — Drtte!: Siegfried Scholem, Bin.-Schöneberg.