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Jüdische Rundschau · 1936-11-03 · Heft 88 (3.11.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 88 (3.11.1936)
Date
1936-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife קו JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88 3. XI. 1936 Das Neueste in Kürze von imperial Preference (Zoll-VorzugsStellung), wie sie jede Kronkolonie genießt, fast alle Sorgen der Palästinavirtschaft mit einem Schlag beheben wurde; Imperial Preference ist ein Ziel, das man ansfreben kann, aber für die Sorgen des Augenblicks hat es nur den Wert einer fata morgana. So bleibt als Sperling in der I!and trotz, aber Eitiscliraiiktnigen, die gemacht v, enien müssen, der liilniid-unarkt. Blättert man in ״[,aliiews W'irtschaftsjahrhuch für Palästina“ den höchst instruktiver! Aufsatz von Michaelis über ״Die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas“ nach, so erfährt man, daß 1033 von dem Gcsamtlndarf Palästina«? an imlustrieileii Fertigwaren in I lt!he von k 21 Millionen fast M) r« durch Import gedeckt w'orden sind. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß viele ״Fertigwaren“ in Wirklichkeit Halbfabrikate für die Palästina-Industrie sind, so daß der wirkliche Produktionsantcil der inländischen Urzeugung an der Versorgung des Inlandsmarkfes vermutlich nur 20 beträgt und demnach noch erhebliche Stoigeriingsmögliclik eiten in sich schließt, in diesem Sinn war der ״T o z e r e t h - H a a ז e z“ - P 3 v i 1 - Ion der Levante-Messe zweifellos ein starker Erfolg, dessen Ausprägung freilich einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Aber immer weitere Kreise der 1 )etailkaufmannschaft schließen sielt der Bewegung an, in der richtigen Erkenntnis, daß sie damit ihre eigene Kundschaft unterstützen. So ist es erst vor kurzem der l.ederwarenindustrie und der neu eriebteten Bierbrauerei in Kisdion-Ie-Zion gelungen, die Verbände der Kaufhäuser und der Uaststättenbesitzcr zu veranlassen, daß sie künftig auf den Vertrieb von konkurrierender Importware verzichten. Eine solche Selbsthilfe: ist um so notwendiger, als auf eine wirksame Unterstützung seitens der englischen Maudatsverwaltung nicht gerechnet werden kann. Palästina ist das klassi-clie fh1mpi1:gh1־mi für alle Industrien der Welt. IndustriefSrderung als Aufgabe Aber die Tozcreth-Uaarez-Bewegung ist nur der Anfang zu einer ziclbcwuliten ludustrieiurderung aus eigener Kraft. Hier fehlt es noch weit. Der durchschnittliche jüdische Ein- Wanderer aus ( Mviiropa ist als (icschattsinann Individualist und im Ocspj.iUi mit ihm hört man immer wieder, daß mir ein frisches ',Vagen gegen alle angeblichen Zwangsläufigkeiten sich 1l11rc!1sct/t und nieht die bürokratische Aeng-ilidikeit des aus Deutschland kommenden Juden, der jeden S ־hritt sorgfähig nach allen Sehen sichern will, bevor er ihn unternimmt. Au dieser Auitw-im;; eh -ehr viel Rk htiges; sie verkennt nur, dal» eine :!!!nuh'e dl -eh au-dtsdVre:1/1cre1Hle Wirt-ihnft eine andere Wirtschaftsgesiunung verlangt, als es die heroische Primitivität der Pioniere eines unendlich schwierigen indiistriellen Aniamrs /ugebeu will. ״Proeluktion-gehide, die hohe Kapita'un estitiuiieii. komplizierte technische Probleme umi Hi (un/ielumg von Experten und Facharbeitern wie sonstige Vorbereitung',1! beiten umta--e!1der Art erforderlich wachen, übersteigen häufig die Initiative um! Kraft cin/chier Unteruehnicr. Die uiioigauisk rt individualistische Ba-is der imlu- Stiteilen Tätigkeit ist andererseits geeignet, auf den leichter zugänglichen (1ebi1 tni zu Konkurreuzgrimdungen zu fuhren, die besonders bei der I!:ge des palästinensischen -Marktes zu ungesunden Marklvvrh.dtnissen und Kanitalvcrhisten füllren müssen.“ Man wird diesen Hatzen von Michaelis die Zustimmung nicht versagen können. Tut man das, dann muß man auch seiner Folgerung bei pflichten, daß die organisatorische Inangriffnahme einer aktiven Förderung und Regulierung der industriellen Entwicklung des Landes eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft sein wird. In einer ökonomischen Welt, die sich täglich mehr Planwirtschaftlieh kristallisiert, kann eine Oase des Manchestertums nicht lebensfähig bleiben. Fs gibt kein erfolgreiches Industrieland, in dem die Fragen der Iiulustriefinan/icnmg, der Fxportförderung, der Ausfüllung von Prodiiktionslucken, der tech-!tischen und koinmer/icTlen Standardisierung und der Heranbildung des Nachwuchses, um nur einige der wichtigsten anzuführen, nicht svsfematiscli geregelt wären. Im vollen BevvuBtsein dessen, daß noch so gut organisierte Selbsthilfe mangelnde Staatsliilfc nie ganz und gar ersetzen kann, muß sie in Anwendung gebracht werden, wo sie erforderlich ist. Ein vorübergehendes Nachlassen der Einwanderung kann sich günstig auswirken, wenn die Atempause zur Stärkun j׳ Und w i r t s c!1 a f 11 i 1:11 e r u n (1 industrieller Positionen genutzt wird; versiegte der Zustrom von Mensehen und Kapital Völlig, so wurde ein solcher Ausbau sinnlos sein. Deshalb muß die Judensehaft aller Länder den Kampf vor der Rnval Commission mit atemloser Anteilnahme verfolgen: es ist ein Kampf um die Fxi-tcuz. Keine Anstrengung darf groß genug sein, die unsere I iände mul Herzen stark macht, ihn zu bestehen. Keine Koailtionskrise Pak'or drahtet aus Jerusalem: ״Die Meldungen über angebliche Enthüllungen im ,Hniardcn‘ über das Kleine Aktions- Comite und ein angeblich vom Misraehi und dem Wcltvcrband Allgemeiner Zionisten der Exekutive gestelltes Ultimatum entbehren jeder Ci r u n d 1 a g c.“ Es handeil «1.11 hier <**ienlur um ein D e tn e 11 t i der auch von 1ms 111 der vorigen Nummer ahgednickjeii JTA.-Meldüng, wonach die liier ״ernannten (inippcn wegen des BfgchhtsMos des Klelnu! A.-G. über die ״Parität‘‘ mit ihren! Austritt aus ihr Kwjhtioi! gedroht bähen. Zu deitisilbcn (iegenstand bringt die JTA. jetzt folgende Meldung aus Jerusalem: Die Zentialkomitees des Misraehi und der Allgemeinen Zionisten (iruppe B bestätigen in einer der JTA. übergebenen Erklärung, daß sie nach der Aussprache iiber die Frage der ״politischen Parität“, die in der letzten Sitzung des Kleinen Aktioru-Cornites stattgefunden hat, eine Abordnung zur Exekutive der Jewish Agency entsandt haben, um ihren von dein der Mehrheit abweichenden Standpunkt in dieser Frage nnehinals darzulegcn und von der Exekutive zu verlangen, daß die Vertretung der jüdischen Ansprüche vor der Kgl. Kommission nicht auf der Grundlage der Formel von der politischen oder nationalen Paritat erfolge. Die Unterredung mit der Exekutive habe jedoch nicht den C h a - ra k t e r eines Ultimatums getragen, und es sei nicht mit Ausscheiden aus der Koalition gedroht worden. Angebliche Vorschläge an die Kommission Jerusalem, 30. Oktober. (Palcor.) Die arabische Zeltung ״AI Dlfaa“ berichtet, daß zwei Vorschläge seitens britischer Staatsmänner der Königlichen Kommission unterbreitet werden würden. Ein Vorschlag würde dahin gehen, Palästina In Kjantone zu teilen, die zweite, die jüdische Immigration einzuschränken, um eine dauernde arabische Majorität in Palästina zu sichern. Das arabische Propagandabüro in London hat der Kommission einen Vorschlag unterbreitet zugunsten einer Föderation *rablecher Staaten, in die Palästina eingeschlossen werden soll Wirtschaft Amtlich wird bekanntgegeben, daß im Monat September 1931) 5695 Einwanderer nach Palästina gekommen sind. Von diesen gehörten 173 der Kategorie A (Einwanderer mit einem Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund) an. Die ״Palestine Gazette“ veröffentlicht einen Notenwechsel zwischen der ägyptischen und der palästineus i s c 111־ n Regierung, durch den ein Abkommen zur Förderung und Erleichterung der H a n d c 1 s b e z i e 11 11 n g e n zwischen den beiden Ländern auf die Dauer von einem Jahre geschlossen wird. Zur Intensivierung des Handels sollen im beiderseitigen Interesse die Zolltarife herabgesetzt werden, wobei für Seife, Zitrus, Melonen uml Gernüse ein bestimmtes Zoll-Maximum festgesetzt wird. Laut den! soeben veröffentlichten Finanzbericht der!'a i;« s f i 1; ח - V e r vv a I t u n g für das Halbjahr April- Oktober 1036 betrug das Defizit" trotz Unruhen, Verlusten und Kosten der Verteidigung nur C 25 000. Die Einnahmen beliefen sieh auf £ 1 015 56-1, die Ausgaben auf £ 1970 612; der Ueberschuß beträgt £ 6 240 000. In J erusalcm sind die Einnahmen der Stadt- Verwaltung für die Erteilung von Bauerlatibnisseu im ersten Halbjahr 1936 gegenüber dem ersten Halb'ahr 1035 von 3675 Pfund auf 1861 Pfund gesunken. Die Einnahmen aus der Erteilung von Transportlizenzen sind in dem gleichen Zeitraum von •4089 auf 1181 Pfund gefallen. Bemerkenswert ist der Rückgang der Grundsteuern von 16900 Pfund auf 6300 Pfund. Die Palestine Electric Corporation will demnächst mit dem Bau einer neuen Kraftstation in der Nähe von P et ach Tikwa beginnen. Sie soll innerhalb eines Jahres fertiggesteilt werden. Ihre höchste Leislutigsfähigkeit wird 24 000 Kilowattstunden betragen. Bei dem Litt- Schluß der PEC. soll vor allem die Tatsache mitsprechen, daß die Stromversorgung des südlichen Teils Palästinas, einschließlich Tel-Awiws, nicht genügend für den Fall gesichert erscheint, daß die aus dem Norden kommende Elektrizitäts- Zuführung aus irgendeinem Grunde gestört wird. Jüdische Kauflcutc von Jerusalem haben eine Vcrsammhing abgehaiten, in der beschlossen wurde, künftig nur noch den H a f e n von T e! - A w i \v zu benutzen. Die ,,Frankfurter Zeitung“ vom 1. November veröffentlich! im Handelsteil einen ausführlichen Bericht über den ״d cuts c 11 - p a I ä s t i 11 e 11 s i s c 11 e n T r a n s f e r“, worin die exportfördernde Wirkung auf den deutschen Außenhandel hervorgehobeo wird. Aus der Statistik ergibt sich, daß der Warentransfer 1936 bis jetzt höher ist als 1935, eine angesiclits der Unruhen bemerkenswerte Tatsache. Politik Das Jerusalemer Streik-Komitee besteht weiter, und zwar in zwei Gruppen: das Komitee der Mufti- Partei und das Komitee der Nashashibi-Partei. Ersterc beschloß, am 2. November bei der Regierung gegen die B a 1 f o 11 r - D e k 1 a r a t i o n Protest ein/ulcgen und deren Beseitigung zu fordern. Ferner hat das Komitee die Araber aufgerufen, am 2. November ihre Häuser mit schwarzen Fahnen zu beflaggen. Das Oberste Arabische Komitee hat ein Büro für Statistik und I 11 f 0 r m a t i o n eröffnet, das Material für die Untersucluingskoinniission vorbereiten soll. Das Büro steht unter der Leitung von Auni fiay Abduladi, Dscltemal Husseini und Luad Saba. Arabische Zeitungen teilen (gemäß einer Jerusalemer JTA.-Meldung) mit, daß Max Nurok, der jüdische Stell- Vertreter des Chefsekretärs der Palästinaregierung, von seinem Posten zurücktreten werde. Nurok, der sich zur Zeit in London befindet, werde von seinem Urlaub nicht mehr zurückkehren. Zahlreiche Araber aus Syrien, die sich während der Unruhen in Palästina den Banden angcschlossen harten, kehren jetzt nach Syrien zurück. Die syrische Gendarmerie hat Befehl erhalten, die palästinensische Grenze, streng zu überwachen. Vor dem Regierungsgebäude in Jaffa karrt es letzten Donnerstag zu einer Ansammlung von Bootsleuten, Schlägerei in Tel-Awiw Tel-Awiw, 28. Oktober. (JTA.) Am Mittwoch nachmittag fanden in Tel-Awiw zwei Kundgebungen für die Förderung des Absatzes einheimischer Produkte (Tozereth Haare/) statt. Die eine war von der jüdischen Arbeiterjugend, die zweite vom ״Bctar“ (Revisionistische Jugend) veranstaltet worden. Es kam zu Zusammen- Stößen, die zur Verhaftung eines Betari, der eine Fahne trug, und von acht Angehörigen der Arbeiterjugend, führten. Trotz der Intervention des Vi/ebürgermcisters Dov I tos wurden die Verhafteten in das Gefängnis von Jaffa gebracht. * Es ist höchst bedauerlich, daß es sogar bei solchen Aktionen, die — wie die Tozercth-i laarcz-Propaganda — mir aus dein Geist nationaler Solidarität Und Z 11 s s ni m e 11 a r b e 11 erfolgen können, zu Schlägereien kommt. Wenn dieser inneren Selbst/erfleischung nicht energisch Einhalt geboten wird, dann kann das Jüdische Nationalheim noch sehr schwere Erschütterungen erleben. Antijüdischer Boykott Jerusalem, 29. Oktober. (Palcor.) Die Propaganda für einen antij üdischen Boykott unter den Arabern nimmt täglich an Intensität zu. Die Zeitung ״Al Difaa“ veröffentlicht die Namen von Arabern, die den Boykott durchbrechen. Der Großmufti von Jerusalem, Hadsch Emir Husseini, hat die Muftis des ganzen Landes aufgefordert, in ihren Predigten von den Gläubigen zu verlangen, daß sie sich dem antijüdischen Boykott anschließen. Die Verlustziffern Der englische Kolonienminister Ornisby-Oore gab währena der Fragezeit im Unterhaus die Verlustliste des Aufstaruies in Palästina bekannt. Bis zum 15. Oktober beliefen sich die von den einzelnen Bevölkerungsgruppen Und den beteiligten Truppen erlittenen Verluste auf: Zivilbevölkerung: 955 Mohammedaner, davon 187 Tote; 388 Juden, davon SO Tote, 65 Christen, davon 10 Tote. Militär: Englische Flotte und Flugstreukräfte: 125 Offiziere und Mannschaften, davon 2! Tote: Palästinapolizei und Transjordainscher Grenzschutz; 46 Engländer, davon 7 Tote, 49 Araber, davon 1 Toter. die Beschwerde führten iiber ihre schwierige Lage, hervorgerufen durch die Weigerung der Juden, wieder den Jaff aer Hafen zu benutzen. Sie forderten von der Regierung, Maßnahmen gegen die Tel-Awiwer Mole zu ergreifen. Die Demonstranten gingen dann ruhig auseinander. Der arabische Polizei-Inspektor Mahmoud H a b i b wurde in Dschenin auf der Straße erschossen. Anscheinend handelt es sich um einen Racheakt der Terroristen. Auch der Chauffeur des Getöteten sowie ein Fußgänger wurden durch die Schüsse verwundet. Die Mufti-Partei steht im Begriff, die arabische Jugend in faschistischen Gruppen zu organisieren, die tnilitarisch aufgebaut und von Dschema! ״Husseini angeführt werden sollen. Die Gruppen werden den Namen ״Eiserne Garde“ erhalten. Wie ״Palcor“ berichtet, hat die militärische Durchsuchung der Hügel hei Nablus und Dschenin zur Festnahme mehrere Mukhtars geführt, die sich geweigert hatten, anzugeben, wo die Waffen der Terroristen versteckt liegen. Die Waffen wurden später in der Umgegend der Dörfer gefunden. Ferner wurden an einer Stelle die Ueber* reste eines Feldlagers, sowie eine Falschmünzerei entdeckt. Damen der arabischen Gesellschaftskreise haben einen Fonds für die ärztliche Versorgung der in den Kämpfen mit englischen Truppen verwundeten arabischen Terroristen gegründet. Unter den Juden Haifas sind (laut JTA.) Restrebungen aufgetaucht, sich aus Gründen der Sicherheit auf bestimmte Teüe der Stadt zu konzentrieren. Es hat sich eine Kommission gebildet, um für diese mehr als 1300 jüdischen Familien, die in arabischen Häusern wohnen, Wohnungen in den rein jüdischen Vierteln der Stadt zu beschaffen. Man erwartet von dieser Aktion auch einen Auf- Schwung der jüdischen Bautätigkeit. In Jaffa haben die Araber eine Propaganda-Aktion begönnen, um zu erreichen, daß Araber, die in Häusern jüdischer Eigentümer wohnen, dort ihre Wohnungen aufgeben. Die Regierung hat die Inhaber von Waffenpässen aufgefordert, nicht bewaffnet 1 in Lande herumzureisen, da sie sonst Gefahr laufen, für Angehörige arabischer Terrorbanden gehalten zu werden. Die besonderen Polizeiwachen an der Küste sind auf Anordnung der Regierung aufgelöst worden. Vermischtes Im Zusammenhang mit der Auflösung der letzten Fliicht- Iingslager in Tel-Awiw gellt das Komitee ״Esra uwizaron“ daran, für 300 F! üc I! 11 i n g s f a m i 1 i e 1! Häuser in der Nähe der Kolonien Rischon-le-Zion, Nachlat-Jehuda, Kfar Aron, Tel Ascher usw, zu bauen. Der Keren Kajemeth stellt hierfür 350 Duuam zur Verfügung. Zur Durchführung des Planes sind 50 000 Pfund erforderlich. Der in Tel-Awiw amtierende polnische Generalk o n s u 1 ftir Palästina, Stanislaw Lukaszewicz, ist im Alter von 44 Jahren gestorben. Er hat sich um die Hebung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Polen und Palästina sehr verdient gemacht. Die älteste hebräische Tageszeitung Palästinas, ״Doar H a j o m“, die bereits mehrere Monate nicht erscheint, soll in ein Wochenblatt um ge wandelt werden. Die Postvcrwaltung plant, in den Straßen von Tel- Awiw öffentliche Fernsprechzellen aufzustellen. Dem in Tel-Awiw lebenden hebräischen Dichter Abraham Sch Ions ki wurde dieser Tage die seinerzeit Sokolow gewidmete goldene Feder seinem letzten Willen gemäß durch Sokolows Tochter, Frau Rac/kawski-Sokolow in Jerusalem, überreicht. Schlonski Fiat eine Reihe von Veröffentlichungen in der jüdischen Presse ins Hebräische übertragen. Das Jaffa er Bezirksgericht verurteilte neun Kommunisten zu je sechs Monaten Gefängnis und Landesverweisung. Soldaten des schottischen Seaforth-Hochländcr-Rcgimentes waren in Beth Alpha zu Fußball-Spiel und Abendbrot geladen. Die Soldaten gaben schottische. nationale Tänze zum Besten, woraufhin die Siedler Horra' tanzten. ״Nehmt auf den Neueinwanderer Rücksicht I“ Unter dieser Ucbcrschrift veröffentlicht, wie uns aus Tel- Awiw geschrieben wird, der ״Dawar“ folgendes Eingesandt: Wer in den letzten .Monaten eingewandert ist, wußte um die ökonomische und politische Lage Palästinas. Die Auslandspresse hat ausführlich über alle Schwierigkeiten berichtot, und wer trotzdem kam, mußte auf alles gefaßt sein. Aber nicht die Schüsse schreckten die Neueinwanderer und nicht die Schwierigkeit, in solcher Zeit wirtschaftlich Fuß zu fassen — die Enttäuschung kam von einer ganz anderen Seite, sie kam durch das Verhalten palästinensi* Selter Juden zum Neueinwanderer. Im Ausland hatte er sich vorgcstellt, daß ihn! in Palästina ein freundschaftlicher, brüderlicher Empfang zuteil werden würde. Schon die jiidischen Beamten, die die ersten sind, mit denen er es, wenn er vom Schiff kommt, zu tun hat, enttäuschen ihn. Sie geben mit lauter Stimme Be feilte, sie sind kurz angebunden. Vielleicht ist ein solches Verhalten im Interesse der Regierung, die sie vertreten, aber es wirkt nicht gut auf den Neuein- Wanderer, der verwirrt ist, und bei jedem Schritt der U n - ter Weisung bedarf. Aber es sind nicht nur die Beamten; auch das Publikum bezieht sich häufig nicht sehr freundlich zu ihm. Es genügt, daß er sich über seine schwierige Lage beklagt, damit er die Antwort erhält: Weun.es dir bei uns «icht gefällt, so tätest du besser, zurückzufahren. Durch wieviel Qualen ist der Einwanderer hindurchgegangen, bis er nach Palästina kam! Und wie schwer muß ihn deshalb eine solche Bemerkung treffen! Der Grund einer solchen Beziehung zum Neueinwanderer liegt sicher in der Erinnerung an die vergangenen Zeiten, als der jetzt Ansässige selbst neu ins Land gekommen war, als seine Füße im Sand versanken, als es weder Schatten noch Wasser, noch irgendeine Existenzmöglichkeit hier gab. So blickt der Ansässige mit Neid auf den Neuankömmling, der schon alles vorfindet: Häuser mit allen Bequemlichkeiten, Chausseen usw. Wir Neuankömmlinge wissen von den Leiden jener vergangenen Zeiten, aber warum sollen uns jene überwundenen Schwierigkeiten zum Schweigen über die gegenwärtigen verurteilen? Auch wir sind entschlossen, um jeden Preis und unter allen Bedingungen hier zu bleiben. Wir verlangen mir eines von unseren Vorgängern, daß sie sich weniger gleichgültig zu uns verhalten, daß sie uns mehr ermutigen und uns freundlich begegnen, bis wir in jedem Polizisten, in jedem Beamten, in jedem Einwohner den Freund und Bruder erkennen.

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