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Jüdische Rundschau · 1936-10-30 · Heft 87 (30.10.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 87 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seife 16 J001SCHPRUNDSCHAU Nr. 87, 30.X. 1936 Was nun? Im ״Hapiti■! 1 la/air‘!».׳wertet I. L u f b a n die Vorgänge, be /ur Beendigung de־ Streiks geführt habe״, in folgender Ä7eise: Man spricht von der ״Einmischung der arabischen Herrscher“ und manche sehet! darin eine wichtige politische Chance für die arabischen Führer, In erster Linie wird diese A»si<ht in der arabischen!,resse vertreten, aber auch die jüdische!,resse ist von dieser Meinung beeinflußt. Es kann jatiirlich richtig sein, aber es kann ebenso gut ganz unrichtig;ent. Lin politisches Faktum ist hier nicht geschaffen worden. Vorhanden i-t nur eine anfechtbare Hypothese. Wer Jen Aufruf der arabischen Herrscher liest und seinen Inhalt abwiigt, intili /u dem Sehlufl kommen, daß kein politisches Bankhaus der Welt auf einer] solchen Wechsel einen Pfennig vorscltiellen würde. Bei kolonialen Streitigkeiten, besonders in Indien, haben sich die En!.;!ander oft ihrer Vasallen, der Maharadschas und Könige, zu ähnlichen Zwecken bedient, ohne daß das irgendeine reife politische Konsequenz hatte. Audi wir selbst haben schon einmal eine Einmischung von Koui״tu1 erlebt. Her König Hussein versuchte sich einzumischen und veröffentlichte einmal ein Telegramm, an dessen Inhalt sieh jetzt keiner von uns mehr erinnert. Nicht viel später wurde derselbe König auf ein englisches Kriegsschiff gebrach!, das ihn für den Rest seines Lebens ins Exil nach typ ein führte, und sein großes Reich wurde einem andern übergeben. Ls kam! sein, daß die Einmischung mit Zustimmutig Englands erfolgte, und es kann sogar sein, daß der Aufruf der Könige nicht auf der arabischen Halbinsel, sondern auf der bntunuNehen Insel verfaßt wurde. Aber all dieses würde nichts besagen und Englands zukünftige Haltung nicht bestimm eil. Leber unsere künftige Araberpolitik schreibt M, Qra* bowskt 111 tleisciheii Nummer folgendes: Heute kamt man sich nicht mehr mit der fot ineli! itten Parole begnügen, daß wir 711 ein׳ m Modi!־ vi\ e.udi mit den Arabern kommen müssen. Diese 1׳o!me! e•Jstiert schon seit dem /woifieit Kuilgreif und sie hat uns in 1111׳־ r!1!)e/ieiitiitgeu zu den Arabern nicht einen Schritt vornan־ gebi',1 hl. Sn'angc die zionistische Bewegung keiiuprekükab.c pod.:־. he Laming für die Beziehungen zvviseilen den baden Vo'ket a wahrend der Ucb1׳rgang׳.pcn״de und daruber Innau־ für die Zeit, um wir die Mehrheit iii Palästina bilden «eitlen, linjei, >0 lange muß man befurchten, daß solch blutige Lnig11i־־c die uns >>, v.ele Opfer an Leben und Besitz geht:'tet hat,eil. uieht die letzten waten. In den Archiven gibt es alle in׳,,;heben! ornutii׳ nmgen und Beschlüsse' zu dieser! ruga aber '-!־׳ -iml bloßes- Äktenma'erial und nur in der Stunde der Not werden ־ic lirrv<>rgeholt wie ein Amulett, das —■»BMBUIHnmHH—B——————— Aus Brasilien zurtirk Herbert Frankenstein Wirtschaftsberater für Brasilien, Berlin-Säo-Paulo Berlin-CharloitenfaurjJ / Schlülerstr.33 / C 1 Stcänpl.3357 Sprechstunden mir nach telefonischer Voranmeldung uns besdiiuneii soll, um, sobald die Gefahr vorüber ist, wieder i!1 den Akten zu verschwinden. Die Bewegung muß in dieser schweren Präge ihre Entscheidung treffen, und diese EnKcheidung muß zu einem Icsti'ti Grundsatz der ״;tii/en zionisti<c!1en Bewegung Wertteil, ohne Rücksicht au? die Groß- Sprecher eien des politischen Maxiniatis.nus. Lassen wir diese Ereignisse nicht wie ein notwendiges Uehe! au uns vorübergehen! Setien wir sie in ihrer ganzen Furchtbarkeit und sehöpfett wir daraus die Erkenntnis, daß nur eine Verstand!- gung zwischen den beiden Völkern ihre Wiederkehr verhütdem kann! Die Wirtschaft nach dem Streik Jerusalem, Oktober. (JTA.) Der Abbruch des Araberstreiks 11.1t in Palästina als erste Folge des Anfangs der Wie de 1k ehr normaler Verhältnisse eine Senkung der L e b e n s tu i 11 e i p r e i ־ e gebracht. Die größten Transport- Schwierigkeiten sind behoben und Innduirt>ehaft'ie!1c Erzeug* 11 isse sind von Ambern wieder auf die Markte gebracht worden. Man er«artet jetzt eine Belebung der Baubewegung, 1!ame11tlich durch Aultrage־ der ölfcnUictien Hand, zumal auch die heimischen Füllstoffe für die Bautätigkeit wegen (ier besseren Verkehr ־Verhältnisse billiger geworden sind. Allerdings vast auch in Zukunft da־ Transportproblem fnr die p.1 Latin m־isehe Wirtsciiatt eine bedeutemlr Polle .spielen. Das wird gegenuartig bei Beginn der ( )!st!.!״־10:11 ,׳» tu uuii!•s lß11־U';1r. I...111 großer!סי! ,!er < >r,111gen wird 11b״r H.LL1 oder Port '־aid a 11 s ׳.,׳,׳ f :11 ו י ן werden 11:10־• n! 1,1!in• s;ן a g ׳la:! Tet-Auiw und 11.11 kt 1:1־ zum \ ölte« I.iiiset/en der Au'tuiir noch nicht teitigge-tclll sein dürft 1g wi!d der ”rollte Teil der Ti .iiisporf e mit der Eisenbahn erliegen, die den an sie gestellten Auto! dmingei! sich bisher 1>׳V!it ge wm. Ilsen gezeigt hat. 11־ in stehen in den KrciMn der ('ra11ge!!e\;:one!1re Ifefurchtungai, dal) eine große Meng׳* der Fruchte auf der! Stationen verderben wird. Das zukünftige B a u p r o g r a m in wird umfangreiche Sfr,ו!?eiiliaiiteii enthalten: außerdem soilcn Gebäude für die Flüchtlinge ans den gemisihten Städten, deren 1 l.iuser während der Vnruhen za stört wurden, errichtet werden, in der Umgcgetld der judisclii'11 Kolonien haben die jüdischen Institutionen berate begönne:!, <11.* Bauarbeiten auf/tmehme!1. Die führenden Banken haben den Kaufleuteii zugesagt, sic bei der Deckung fälliger Wechsel zu unterstützen und in diesem Zusammenhang insbesondere für die Deckung von Wechseln für ausländische f irmen zu sorgen. Nach dein Abbruch des Streiks scheinen in arabischen Wiftschaftskrcisen die Bestrebungen wieder atiigenomnsen worden m sein, die eine planmäßige Konzentration des arabischen Wirtschaft s s e k t o r s fördern sollen. Man will Werlumgstimßnahmcn für arabische Erzeugnisse durchführen, den Einfluß niditarnhischer Wirtschaftskreise in arabischen Unternehmungen ausschalten -und nicht zuletzt die Beziehungen zu der Wirtschaft der arabischen Staaten ausgestalten. Neue arabische Wirtschaftsorganisationen und Finaiiziiistitute sollen errichtet werden. (Ilmolil bereit11 ־ Tage seit Abbruch des Streiks verflössen sind, ist der Betrieb i in Jaffaer Hafen immer noch äußerst gering. Ein Personenverkehr ist lau nt vorhanden; seit dem 12! Oktober sind nur 8 arabische Passagiere an I and gegangen, wahrem! frittier allmonatlich Tausende von Immigranten und Touristen in Jaffa landeten. Die Schiffe des Uovd ׳Triestin״ legen nicht in Jaffa an, sondern konzetitiieren sich auf Haifa. Die Jaffaer' Bootsleute sandten eine Abordnung an das Oberste Arabische Komitee. Wieder zwei Todesopfer im Irak Jerusalem, 2b. Oktober. (JTA.) Aus Bagdad wird gemeldet, (laß dort wieder zwei’Juden, diesmal bekannte, angesehene Persönlichkeiten, dem Terror der arabischen Nationalisten zum Opfer gefallen sind. Einer von ihnen ist der Vorsitzende des Bagdader Strafgerichts, jcchcskiel Marad, der rindere ein jüdischer Graßkaufmann namens Menasche Bur die. Die amtliche Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus. Vor 100 Jahren Aus Tel-Awiw wird ttns geschrieben: Im ״Da war‘* veröffenflicht Schoschana L e 11׳ i einen Brief aus Safed aus dem Jahre 1838. Der Verfasser ist ein englischer Jude Dr. Dieser Leivi, der später in nahen Beziehungen zu Sir Moses Montefiore stand. Der Brief, dessen Inhalt wir gekürzt wiedergeben, hat angesichts der gegenwärtigen Ereignisse ein besonderes Interesse: Ich hörte, daß die Wege unsicher seien und mau riet mir, einige Tage in Akko zu bleiben, da' ich I, 1 Beglciter nach Safed finden würde. Denn im Jahre 15; alten die Mohammedaner dort die Juden überfallen 1111:׳ attsgeplündert, viele getötet und den Rest, der sich geredet hatte, vier Wochen lang im Palast des Joseph beit Gorion belagert unter dauernden Rufen: ״Juden, gebt Geld!“ Dabei waren Frauen geschändet und andere Greueltaten begangen worden . . . Mit mir reiste der Bruder des Stadtoberhauptes mit einigen hundert Soldaten nach Safed, die zum Kampf gegen die Drusen ausgesandt waren. Er beruhigte mich, daß strenger Befehl gegeben sei, die Stadt zu verteidigen. Ich hatte beabsichtigt, die Stadt zu verlassen, denn die Mohammedaner redeten davon, daß in einigen Tagen die ganze Halte der Juden ihnen gehören würde. Die Juden waren sehr erschrocken über diese Gerüchte, hielten Rat und beschlossen, die Straßen in den Nächten durch drei jüdische Wächter bewachen zu lassen, ln diesen Tagen stahlen die Mohammedaner das Pferd eines Juden, das draußen stand. Die bedrohlichen Gerüchte verstärkten sich und die Juden wagten nachts nicht mehr zu schlafen. Am 5. Aw wurden verdächtige Gestalten in den Straßen gesehen, und ich wurde zum Rabbiner gerufen. Er bat mich, einen Bittbrief an den Stadtobersten zu schreiben, daß er die Juden beschützen möge, wie sein Bruder es zugesagt hatte. Ich erfüllte die Bitte des Rabbiners, und der Stadtoberste antwortete mir nach arabischer Art, er schwöre bei seinem Haupte und seinem Auge, daß er die Stadt nicht verlassen würde. Doch wußten wir alle, daß auf seinen Schwur kein Verlaß sei, Es war still um uns. Nur von ferne hörte man Schüsse. Da wurde ich zum zweitenmal zum Rabbiner gerufen mit dein Schreckensruf: ״Die Drusen kommen!“ Aul diese Nachricht hin steckte ich mein Geld zu mir, das icii vergraben wollte, meinen Besitz und meine Handschriften ließ ich in meinem Zimmer, denn ich wollte kein Aufsehen machen. Denn schon in diesein Augenblick sali ich, wie man eine alte Frau mit dem Schwerte durchbohrte. Die Mohammedaner machten mit den Eindringlingen gemeinsame Sache, so daß wir alle Hoffnung fahren ließen. Ich wollte nach Ejn Sejtun Hielten, aber Steinwürfe und Fliiitesikugdn machten es mir unmöglich. Am nächsten Tage kehrte ich in mein Zimmer zurück. All meine Kieider und mein Besitz waren geraubt, aber darum war mir nicht!cid, sondern nur wegen der elf Handschriften, die ich selbst kopiert hatte, und die druckfertig waren. Sie waren zum Teil verbrannt, zum Teil in kleine Stücke zerrissen, die ich nicht mehr zusamnieiifügeti konnte. Die Drusen verließen die Stadt und die mohammedanische Verivaltimg kehrte zurück. Sie zwang die Juden, ihr ein Zeugnis auszustellen, daß sie die Juden gegen die Drusen beschützt hätte; falls die Juden sieh weigerten, diese Lüge zu bestätigen, würden sie die Araber der Umgebung gegen sie aufhetzen. Ais ich noch mit ihnen verhandelte, kam ein Araber und brachte dein Rabbiner alles Bargeld, das er bei sich trug, als Geschenk für die Gemeinde, denn er war eilt Freund der Juden und hatte auch versucht, für sie den Drusen einige tausend Piaster Lösegeld zu zahlen, aber es war ihm nicht gelungert, weil es den Drusen zu wenig war. Wauchope bei der Eröffnung des neuen Kupat Cholim-Spitals Das neue Krankenhaus der Kupat Cholim bei Petach T i k w a h wurde in Gegenwart des I ligh Commissioners, hoher Regierungsbeamter,'Vertreter der jüdischen Institutionen und Tausender von Gästen feierlich eingeweiht. Die Eröffnuiigsrede hielt Moses Beilin soll 11, der das Andenken der, Opfer der Unruhen und aller derer, die bei der Verteidigung gefallen sind, ehrte. Der High Commissioiier dankte in seiner Ansprache für die den gefallenen Soldaten und Polizisten, die im Kampf um die Wiederherstellung der Ruhe den Tod fanden, erwiesene Ehrung. Er dückte seine Bewunderung aus über das große Werk, das von der 50 003 Mitglieder zählenden Kupat Cholim vollbracht worden ist, und versicherte, daß die Regierung bereit sei, für derartige Werke Unterstützung zu gewähren. Die übrigen Redner waren: Perl son, Leiter der Kupat Cholim; Dr. Katznelson vom Waad Leumi; Oberst Her 0 11, Leiter des Gesundheits-Departements der Regierung; St am ח er, Vorsitzender des Kolonierates von Petach Tikwah; M e r e 111 i n s k y, Mitglied der Histadruth-Exekutive, und Mosche Schcrtok im Namen der Jewish Agency, der erklärte, das jüdische Volk leide an der ״Oaluth-fCrankheit“ und suche Heilung in Erez Israel; er betonte, daß die Juden das Land nicht nur von körperlichen Krankheiten befreien müßteil, sondern aucli von Haß und Unwissenheit. Chaluz- Bewegung unter der palästinensischen Jugend Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: In diesen Tagen sind zehn Jahre verflossen, seit es eine organisieHe Chaluzbewegung unter der in Palästina geborenen oder erzogenen Jugend gibt. Diesem Anlaß hat der ״Dawar“ mehrere Artikel gewidmet. Wir entnehmen ihnen folgende Ausführungen, die sich mit der Charakteristik der palästinensischen Jugend und der Rolle, die die Chaluibewegung in ihrem Leben spielt, befassen: Man kann über unsere Bewegung nicht sprechen, ohne sich den Charakter der palästinensischen Jugend zu vergegenwärtigen. Der Weg der Bewegung liegt nicht in der Zahl ihrer Anhänger, sondern in der erzieherischen Aufgabe, die sie in Palästina erfüllt. Die palästinensische Jugend — ich spreche hier von der Jugend des Mittelstandes, die nicht zu harter körperlicher Arbeit gezwungen ist — steht eigentlich dem Zionismus fern. Obwohl sie im Anblick des Aufbauwerks groß geworden ist, hieit sie sieh immer abseits, und nur einzelne nahmen au der Verwirklichung zionistischer Ideale teil. Eine organisierte Beteiligung gab es nicht, unsere Bewegung ״H a m a c h a n o t h 11 a o 1 i 111“ war die erste. Gerade die Tatsache, daß diese Jugend hier aufgewachsen ist, beraubte sic des Hauptantriebs zur Clialuziutli. Sie hat nie das Dasein des Galutli-Judenfunis kennen gelernt, seine wirtschaftliche und kulturelle Verelendung. Sie lebte in der Illusion, daß alle Lebensordiuiiigen völlig sicher und unerschütterlich seien. Auch fehlte jede Erziehung zur Chain ziutli. Die zionistische allgemeine Schule erzog sie zum zionistischen Gefühl, zuweilen auch zur zionistischen Ideologie, aher niemals zur zionistischen Verwirklichung. Eltern und Lehrer waren gute Zionisten, aber der Zionismus hatte für sic nur die Einwanderung nach Palästina bedeutet, nicht aber die Umwälzung all ihrer Lebensordnungen. Das Vorbild der (öhulnzim wirkte nicht auf die Jugend. Sie lebte ja in Städten, abgetrennt vom Lande, w0׳ der lebendige Puls chaltizischen Lebens schlägt. Jedenfalls ist es Tatsache, daß noch heute die meisten Absolventen der Mittelschulen zur weiteren Ausbildung ins Ausland gehen. Sie kehren zurück als lngenieure, Aerzte und Rechtsanwälte und finden meist hier schwer ihr Brot. Viele von ihnen werden Beamte und Angestellte. Abgesehen von den geringen Aussichten auf Fortkommen, befriedigt ein solches Leben die meisten seelisch nicht. Wenige nur haben ein tieferes Fachinteresse und andererseits hat diese Jugend, so wenig man sie als idcalistisch bezeichnen kann, doch auch kein Streben nach einer ״Karriere“. Auf diesen wirtschaftlichen und seelischen Bc- «Tilgungen einerseits und auf der Tatsache, daß wir hier eine jüdische Jugend besonderer Art, nämlich die palästinensische, die hebräische, vor uns hatten, erwuchs unsere Bewegung. Von zwei Strömen wurde unsere Bewegung gespeist; von der jüdischen Pfadfinderbewegung, die in den Pfadfinder-Idealen kein Genüge fand und sidi den Idealen des Kibbuz und der Clialnziufh zuwandte, und von den ״Cliugim*‘, der Organisation von Mittelschülern i!1 Tel-Awiw, die die Leere des Stadtlebens empfanden. Diese übersprangen gleichsam die Stufe des Pfadfindertums und wandten sich unmittelbar den Idealen des Gemeinschaftslebens zu. Diese ״Chugim“ bilden den Kerntrupp unserer Bewegung, die jetzt Hunderte von Menschen umfaßt und sich immer mehr unter der heranwachsenden palästinensischen Jugend Anhänger wirbt. Die Verbreitung hebräischen Schrifttums Der hebräische Dichter David Schimonowitz befaßte sien in einem Vortrag mit dem Verhältnis zwischen dem hebräischen Autor und seinen Lesern. In diesem Verhältnis hat jeder der beiden Teilhaber Pflichten und Rechte. Sind sie ihnen gerecht geworden? Der hebräische Autor hat seine Aufgabe mit rührender Hingabe erfüllt. Schinionowitz beruft sich auf das Beispiel, das hebräische Dichter aus der Zeit der flaskalah wie Micha Josef L e b i 11 s o!1 n uml J. L. Gordon durch ihr Leben und Wirken gegeben haben. Dieselbe Hingabe zeichnet auch die Dichter und Schriftsteller der neuen Zeit aus, wie Gnessin, Juda Steinberg und Brenner. Man kann den hebräischen Schriftsteller wirklieh nicht der Vernachlässigung seiner Aufgabe beschuldigen. Anders steht es um den Leser. Eins von beiden ist nur möglich: entweder die jüdische Renaissance ist eine schöne Phrase oder sie ist eine große und schwere Aufgabe, bei deren Erfüllung man niemals ermüden darf. Und diese Aufgäbe kann ohne das Entstehen einer hebräischen Literatur nicht gelöst werden. Statt •dessen begegnet man auf diesem Gebiete den vielfältigsten Ausflüchten. Einer sagt, daß seine Einkünfte nicht ausreichten, um das hebräische Buch zu kaufen oder die hebräische Zeitschrift zu abonnieren, ein anderer meint, daß beide, Buch und Zeitschrift, seinen kulturellen Ansprüchen nicht genügen. Dabei hat der erste noch Geld für häufigen Besuch des Tonfilms und häufig auch noch für eine Reise ins Ausland; der zweite aber hat die hebräisehen Zeitschriften auch dann nicht abonniert, als sie auf beachtenswerter Höhe standen, den ״Hador“ Frisclimaiins, den ״Haschilaach“ Achad Haatns und Klausners. So hatte der ״Hador‘1 im zweiten Jahre seines Erscheinens kaum einen einzigen Abonnenten. Sobald sieh der Leser für sein Schrifttum mehr interessieren wird, wird es von selbst ein höheres Niveau erreichen. Selbst wenn wir zugehen, daß das Niveau der hebräischen Literatur nicht hoch ist, sie ist doch unsere Literatur und wir haben keine bessere. Es muß für uns eine Sache unseres Prestiges sein, unser Schrifttum za stützen und an seiner Vervollkommnung zu arbeiten. Jerusalemer Kunstbericht In dem (zu Ausstcllungszwecken leider denkbar ungeeigneten) Raum der Buchhandlung Divan zeigt •die Pariser Malerin Edith Auerbach die künstlerische Ernte der sechs Monate, die sie in Erez Israel zuhrachte. Quantitativ eine spärliche Ernte, kaum ein Dutzend Bilder — Landschaften und Porträts — (freilich tragen auch die Unruhen daran schuld, die der Künstlerin das Reisen im Lande unmöglich machten) legt Edith Auerbach vor, aher der innere Reichtum dieser Ernte steht in wohltuendem Gegensatz zur Zahl der Bilder. Dem Zwange der äußeren Verhältnisse folgend, hat die Künstlerin sich auf Jerusalem und Sichron Moscheh heschränkt, und auch in dies tun engen Rahmen vermied sie das Herkömmliche, Uebiiche. Sie malt nicht die Omar- Moschee und Klagemauer-Motive: sie sieht Jerusalem neu unu ursprünglich, ohne Sentiments ״rein“ rnalerisch. Es stehen keine vorgefaßten Meinungen hinter diesen Bildern. Edith Auerbach malt nicht — wie so viele jüdische Kunstler — innere Gesichte, die nur scheinbar auf eine äußere Realität projiziert sind. Alles löst sich ihr auf in Farbe und Licht, das Formbewußtsein tritt dabei stark in den Hintergrund. Eine besondere Gabe ist ihr geschenkt: das Unbeachtete zu sehen. Zwischen dem lebendig atmenden Geäst knorriger Bäume (Edith Auerbach ist eine besondere Meisterin der Bäume!) lugt das schottische Hospiz hervor. Ich habe diese unendlich anmutige Jerusalemer Landschaftspartie noch nie gemalt gesehen. Das liegt einzig daran, daß die meisten unserer Jerusalem-Maler das Jeruschalajim schel maalah (himmlisches Jerusalem) im Jeruschalajim schel matah (irdiseben Jerusalem) suchen.., und da paßt eben das schottische Hospiz keineswegs herein. Die Nur-Malerin Edith Auerbach aber entdeckt mit der echten Naivität des Augenmenschen die feinen Reize dieses Ausschnittes im Stadtbild Jerusalems und gibt cs mit reifer Könnerschalt wieder. Das wolilgehmgcnste Bild der kleinen Schau ist der Gemüsehändler von Sichron Moscheh, scherzhaft ״Sehlomoh harne• lech“ genannt. Was ist das für ein prächtig lachender, zwerg״ haft-drolliger Kauz! Keine Spur von der üblichen Wehmut des Jemeniten lebt in diesen! fleißig-lebendigen Kerlchen. Es hat etwas Befreiendes, dieses Unschablonennalte der Kunstlerin, die eine ganz eigene, ursprüngliche und hochkultivierte Schilder in Palästinas mit diesen Bildern wurde, Schalom Ben-Chorifl Bar Mizwah-Termine Am 21. November (7. KUIcw): Paul und Uri Schönbach. Sohne von A. Schönbach, Tel-Awi«׳, Keren Ilakajemeth Boulevard 8י־* (Schluß des Palüstlna-Tell»)

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