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Jüdische Rundschau · 1936-10-30 · Heft 87 (30.10.1936) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 87 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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JODISCHF. RUNDSCHAU NR. 87, 30. OKTOBER 1936 Jugend im Theater Jüdische Kunst zur Zeit des Biedermeier Im Kulturbund sprach Prof. Franz Landsberger überr ,Jüdische Kunst zur Zeit des Biedermeier. Bis zur Emanzi• oation hat es kaum jüdische Maler gegeben, aber gerade in icr ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts arbeiten bereits eine große Zahl jüdischer (oft getaufter) ,Maler. Diese Reihe oeginnt mit Philipp Veit, dem Sohne der Dorothea Mendelseoim und ihrem Gatten aus erster Ehe, dem Bankier Veit. Mit seinem Stiefvater Schlegel kam er nach Paris und dann nach Rom. Dort kam er in den Kreis der sogenannten Naza• rener, denen Bartholdy in seiner Villa ״Casa Bartholdy“ Oe- Kgenheit zu den Fresken gab. Philipp Veit wählte sich die Josefs-Geschichte. Sein Selbstbildnis ist noch ganz im Stil der Nazarener, scharfe Vordergrund-Malerei und heller Hintergrund; aber das Porträt seines Bruders Johannes mit seinem Freund, dem Maier Overbeck, ist schon ein Beitrag zum Porträt der Biedermeierzeit und zugleich zum jüdischen Porträt; denn sein Bruder Johannes ist ein zarter geistiger Typ, psychologisch gut gesehen und dargestellt. Prof. Landsberger zeigte auch Veits ״Die Aussetzung Mosis“, durchaus im idealisierten Geschmack der Zeit, aber mit einer Hinwendüng zur natürlichen Geste. Von B ende mann, ursprünglich Bendix, in Berlin geboren und Schadow-Schiiicr. später Haupt- Vertreter der älteren Düsseldorfer Schule, sahen wir das Oemälde ״Die trauernden Juden im Exil“. Die Porträts des eigentlichen Biedermeier, also nach den Freiheitskriegen bis 1848 und in die 50er Jahre hinein, schufen Eduard Magnus, die vier Brüder H e 11 s c h e I lind Moritz. Oppenheim. Landsberger zeigt« an den Biedermeier-Porträts, die noch ohne Licht und Schattenwirkung waren, sowie an den späteren und den Genrebildern die allmähliche Entwicklung iin Werke dieser Vorläufer, wie z. B. bei Moritz Oppenheim, ohne die Josef Israels’ und Liebernumns vertiefte jüdische Kunst Einzelwerke ohne, vorherige Grundlage gewesen wären. Von dem viel 'otschäftigten Biedermeier-Maler Eduard Magnus sahen wir 11. a, sein Selbstbildnis und ein reizvolles Damen-Pyrträt. Die vier Brüder Henschcl kamen aus Schlesien, aus Trachenberg, und sie interessieren besonders durch; flie Ursprünglichkeit und Natürlichkeit ihrer Auffassung. Der begabteste ist Wilhelm Henschcl. Neben seinem Selbsjpörträt und dem ״Heinke״-Portr,1t gefällt noch heute der bei allem Emst humorvolle, scharf gezeichnete Kopf <&s Vorbeters Wohlfahrt. Auch seine Frau entspricht in 'der herzlichen Einfachheit und Schlichtheit dem Bild der geruhigen damaligen Zeit. Das Bildnis des Vaters Henschcl mit der Pelzmütze und dem scharfen Profil und ein reizvolles Kinderbild bester Biederincicr-Kunst konnten wir ebenfalls im Lichtbild sehen. Mit Moritz David Oppenheim, als Maler der Rothschilds charakterisiert, beginnt so etwas wie die Vorgeschichte des jüdischen Sujets in der Kunst. Auch «r verbrachte Studienjahre in Rom, doch ist seine ״Verstoßung der Hagar“ noch ganz unpersönlich und belanglos fiir seinen Stil. Er entwickelte sich bei der Darstellung seiner Zeitgenossen. Bekannt ist das schöne Börne-Porträt, das im Besitz des Museums ist. Autler diesem sahen wir «in Frauen-Porträt und neben dem berühmten Bild der Rückkehr des jüdischen Freiwilligen noch andere Bilder aus dem Familienleben, u. a. die Trauung, die vor der Synagoge im Freien stattfindet und das besonders schöne ״Schabbatruhe ror der Tür“. Diese Gemälde wurden als Photos vervi-clfältigt. Zuerst 6 im Jahre 1866 und im Jahre 1883 waren «s 20 verschiedene Bilder. Ebenso frisch und lebendig wirkt von Oppenheims Familienbildern ein ״Freitagabend“. Die Detail- Wirkung, die Oppenheim trotz der holländischen Schulung der Raumtiefe und der Beherrschung von Licht und Schatten immer noch von der modernen Auffassung trennt, wurde klar durch das daneben gezeigte Israels-Gemälde, ebenfalls eine Trauung, aber in verinnerlichter Art und g'cichnishaft durch die wenigen Personen. Als Weg durch die Entwicklung eines Jahrhunderts werdender jüdischer Kunst war der Vortrag von großem Interesse, und gleichzeitig auch als Einführung für die kommende Ausstellung im Museum. Hanna Schlesinger (Ruth Morold) Das Wintersemester des Rabbiner-Seminars eröffnete Rektor Dr. Weinberg mit einem Vortrag über ״Onkelos und sc-in Verhältnis zur Massora und Halacha“. Anschließend würdigte Dr. Weinberg die Persönlichkeit Dr. Freimanns als Vorbild des Thoragelehrten und Wissenschaftlers und sprach namens des Seminars die besten Wünsche für das weitere Wirken des Jubilars aus. ״Was ihr wollt" in der Jugendbühne Die Berliner jüdische Jugend hat eine Jugcndbühuc. Von welch weittragender Bedeutung diese Tatsache ist, konnten wir am letzten Dienstag bei der ersten Premiere der Jugend* bühne in diesem Winter erleben, als ein vielhundertköpfiges jugendliches Auditorium gebannt und begeistert fast drei Stunden hindurch auf die Miniaturbiihne des Sdiunianii-Saalcs blickte und mit klopfendem Herzen verfolgte, wie das lustige Verwechslungsspid Shakespeares ״Was ihr wollt“ sich Szene tun Szene abrollte. Die Jtigeiidbiihne begann im vorigen Winter mit Molieres ״Eingebildetem Kranken“, einer glänzenden Aufführung, die so voller Leben war, daß sie uns heute noch nicht aus dem Gedächtnis geschwunden ist. Auch von dem Start in diesem Winter darf man wohl sagen, daß die Erwartungen nicht enttäuscht, ja zum Teil sogar übertroflen wurden. Es begann freilich etwas matt; die zarten Liebesszenen des ersten Aktes vermochten nicht so recht das Interesse der jungen Zuschauer zu erwecken, denen die Lyrik Shakespeares noch etwas fremd ist, wie überhaupt die lyrischen Stellen der Darstellung nicht immer die stärksten waren. 10/1 wiits nach rechts: Olivia (ileria Heiss). — Maria (Erna Cohn). —• Viola (Steffi Rosenbaum) Foto : J. Abnhim Die Aufführung steigerte sich von Akt zu Akt, was besonders der geschickten Zurechtinachung des Lustspiels auf die Rüpelszenen hin zuzuschreiben ist, die sprühendes Leben atmeten und des Beifalls der Zuschauer sicher sein konnten. Sehr hübsche Rcgieeinfälle gab es zuweilen, so etwa in der merkwürdigem Szene, in der sieh das ״Vcrschwörer-Klecbialt“ vor dem Gefängnis des armen, gefoppten Malvolio einfindet und der Narr zugleich einen Pfarrer spielt und mit Hilfe eines langen Bartes sich selber bei seinen Dialogen das Vorhandensein der zweiten Figur vortäuscht. Die grandiose Scheinwelt Shakespeares erlebte in dm lustigen Teilen des Stückes eine fröhliche Auferstehung. Die betrunkenen gutmütigen Grobheiten des Junkers Tobias von Riilp, dem Hugo Schuster ein bonvivantinäßiges Aussehen gab, die Einfältigkeit des Junkers Andreas, die Werner Hi uzetm a n n großartig vorzustellcn wußte, die tollen Schelmereien des Kammermädchens Maria, die Erna Cohn mit ihrem gewohnten sprudelnden Temperament sicher auf die Bühne stellte, und die spritzigen Weisheiten des Narren, der in Alfred Lichtenstein einen wirkungsvollen Darsteller fand, — all dies erregte und bewegte die Jungen und Mädchen tief. Aber auch die übrigen Personen des Stückes konnten sieh sehen lassen. Da ist vor allem die anmutige Steffie Rosenbaum zu nennen, die der wichtigen und führenden Rolle der Viola nichts schuldig blich und sowohl durch ihre Erscheinung als auch durch ihr reizendes Spiel das Entzücken ihrer aufnahmewilligen Zuhörer liervorrief. Ihre Partnerin Olivia alias Hertha Reiß war freilich etwas steif und ging erst zum Schluß stärker aus sich heraus. Die ziemlich undankbare Rolle des Orsino hatte Simon S a i 11 s k y, der versuchte, als schmachtender Liebhaber Lebenswirklichkeit zu erreichen, ein nicht lcid**-s Beginnen. Vor allem aber ist die hervorragende Leistung Georg Jacob« sohns als Malvolio zu nennen, der es ausgezeichnet verstand, den tragischen Humor dieser Rolle in sein Spiel einzubeziehen, und besonders seinen Abgang so zu gestalten wußte, daß geradezu eine Pause beklommenen Schweigens ob soviel menschlichen Unglücks entstand. Die übrigen Mitwirkenden können nur noch summarisch genannt werden; auch ihr Spiel trug wesentlich zum Gelingen des Abends bei: Fritz Wolfsbcrg, Hans Heinz Aliens fein, Kurt Süßmann, Arthur L e vv i n und Fritz B I u tu. Der Regie Ernst Rosen bau ms war dies flotte Spiel und gute Zusanunenspiel hi danken. Die musikalische Umrahmtmg stand unter der Leitung von Gerhard G 0 I d s c h 1a g. Wir dürfen uns über das Bestellen dieser Jugendbühne freuen. Sie ist ein Aktivum (oder kann es sein) im Leben unserer Jugend; sie kann unseren Kindern frohe und utibeschwerte Stunden bereiten, sie mit guten Werken der Weltlitcratur bekanntmachen, ilire Phantasie beflügeln und sie zti Kunstverständnis erziehen. Hier ist eine große Chance, und cs wäre zu wünschen, daß recht viele Schüler ein Abonnement dieser Jtigeiidbiihne erwerben, um sie so i!1 ihrer Existenz ru stützen. Der jüdischen Jugend Berlins können wir nur sagen: geht hin und schaut. Denn hier habt ihr — was ihr wollt. _ Dr. N. Zur Festaufführung der ״Gastspieloper“ Die Fcstauffiihrung der Dittcrsdorfselien Spieloper ״Dok״ tor und Apotheker“ durch die G a s t s p i e Io p er des Reichsverbände* der Jüdischen Kulturbünde und der Jüdischen Künstlerhilfe gibt Anlaß, die bisherige Entwicklung dieses Opernensfnibles atif/u/cigen. Die Idee, unbesebäftigte Kunstler der Ensemblekunst wieder zuzuführen, vcranlafite vor zwei Jahren die Jüdische Knnsticriuife, Kapellmeister Ernst Ewald fiebert mit der Gründung einer Operngcnieinschaft zu beauftragen. Die ersten Versuche gluckten, und die Aufführung des ״Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius wurde bereits zu einem Erfolg, der mit seinen 30 Aufführungen im Reich und einer vielversprechenden Presse günstige Ausblicke für die Zukunft eröffnete. i )ieser Erfolg wie der der weiteren Aufführungen eines ״Offcnbaeh-Abcnds“, einer ״Julius Cäsar“־ Aufführung von Händel gründete sich auf die intensive, disziplinierte Arbeit Geberts. Einer Reihe von Künstlern der damals unter dem Namen einer ״Operngemeinschaft der Kiinstlerhilfc“ agierenden Gruppe haben diese Aufführungen einen entsprechenden Wirkungskreis gesichert und die Wege in die Oeffentlichkcit geebnet. Die Hauptaufgabe der Gastspiclopcr liegt jedoch in der Vermittlung guter Opernkunst in den Gemeinden des Reichs, denen die Erhaltung einer eigenen Bühne nicht möglich ist. Ein solches Reisetheater kommt nicht nur einem brennenden kulturellen Bedürfnis der kleineren Gemeinden entgegen, sondern bringt ihnen auch erwünschte Abwechslung und Anregungen, die sie mit Dankbarkeit aufnehmen. Es ist klar, daß hei der Auswahl der Stücke eine Beschränkung im Aufwand der Mittel, wie Dekoration, Orchester, Chor usf. beobachtet werden muß. Die Wahl der Spieloper ״Doktor und Apotheker“ von Dittersdorf ist nach dieser Richtung sehr glücklich getroffen. Heiter und lebensspriihcud im Sujet, von musikalischer Akkuratesse ist sie noch heute nach 20n Jahren eine beliebte Repertoiremimmer vieler Bühnen. Daß /len Bestrebungen der (iastspieloper unser ständiges Interesse gehört, ist selbstverständlich, und so dürfte sich das auch in einem starken Zuspruch des Publikums hei der Ecstvorstclhing der Künstler- Hilfe äußern, die in Gemeinschaft mit der Wirtschaftshilfe am 17. November im Bachsaal unter Leitung Geberts zugunsten notleidender jüdischer Aerzte die diesjährige Opernsaison eröffnet. -rg. Familien - Nachrichten Um Apotheker Fink 11n׳l Frau. Her 1 in -1 f .ticiw-c, Johann-Georg- StraS'w 9, Fe;n'hen am 31. (1><נ-ג יH>t1־ ne 1F><i!zmt- Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV Donnerstag BZV-Hcim, <Joltzstr. 21 Betirke Schdncberg a. WiUtnbtrgpi, 5. Novcmb-, 20.30 Uhr Eröffnung des neuen Heims Ansprachen; Benno Cohn, S. Tschertok Einlaß nur gegen Einladung׳. Anfragen an die BZV, Memeke־* straße 10, J 1 9031, Apparat 79 Sonnabend BZV-Heim, Neukölln, Jayerstr. 6 Htrmannplat* 7. Novemb.,20.30 Uhr Dr. S. KaJekoJ Die kulturelle Krise der Juden in Deutschland. Chor des Haichomer Harair u BAR KOCHBA- HAKOAH SONNABEND, 31. OKTOBER, 20.30 UHR LOGENHAU 3, KLEISTSTR. 1« 3KAPELLKN OSCHITZKI . WEIMTRAUB MIT IHREN SOLISTEN AUS □EM PROGRAMM SUSANNE LOEWENSTEIN GEORG JACOBSOHN WILHELM SÄ U L ER / TOMBOLA Hauptgewinn: Ein• Schiffer•!•• nach Pallstln« Gestiftet vom PafntlnB A Orient Lloyd Ein• e tAgfga Wintersport-Rais• na«»1 SplndfermOhla Gastlftat von dar Iwrit - Bank Eintrittskarten |m Vorverkauf RM 8.-« an der Abondka••• RM 2.80 Club-Sekretariat, Berlin WI5. Weinekesfr. 10 / Ftrnspr.: J! Bism, 1936 Palästina £ Orianf Uoyd, Berlin W15, Meinakestr. 2 / GtbrOder Mandalbäum, Barlln W8, JSgarslr. 17 / Max Srebnik, Berlin C 25, Kaistr-Wlihalrn- *&® 34 z־־׳ Iwria-Bank, Berlin C 25, Dircksonstr. 26/27 u. Bln,-Char;bg״ rasanenstr. 1B ✓ Stoffhaus Eng linder, Barlin N 54» Alte Schönhausar Sb*. 2 Pianos Radio KurfQrstBndamm 20S / J1 Bism. 3716 N E U N A N N «UM RÄUCHERFISCH Inhabar: ERNST NEIMANN «j» Muclaerwaron * Salate WilmoridorferStr. 128 * Koionnenstr.BI Gr.FnnkfurterStr.146 ■ ßutbürgorllcher ■ 1 Mittagu. Abendtisch I An der Spandausr Brücke 4 5, I. Etq. ■ F.iny. Dirckscnstraße. Tel.: Dl 7779. M Grnffnet 1 8—י U., Sonntag* bis 5 LJ. B Iah. A Layaar, M. d. J. G- | Ihr Cafehaus und Restaurant ist Caf6 Wittelsbach, BayerischerPlatz 2 Prinzeß-Cafe, Kurfürstendamm 214 Inhaber: Oscar Aberbach mirs כשר mittao- und mwumi Kur fürsten dumm 22, Nahe Zo Ausrichtung von Festllchknltan. / J 1 Bism. 2245 Aufsicht Knschr.-Komm. Jüdische Gemeinde Berlin maiamuth’s Pension und mmagsüscii (früh.r in Bad Flinifterg) unter AdaB Jlnrori, CiiitiMMWr Str. II, am Bahnhof Tiergarten, empfiehlt sied, bestens,.וu.־h 1 Ausrichten von Festlichkeiten. Ah 1. November schöne s1״ß״ Komlort-iimmer mit Pension frei. 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