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Jüdische Rundschau · 1936-10-30 · Heft 87 (30.10.1936) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 87 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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4ו י*•־•? JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 30. X. 1936 Das Lehrlingswesen in Palästina Fehlende Ordnung l> a s L t• h r I i 11 gs w e s e n ist in Palästina in keiner W e i s e geordnet. Es gibt hierülrer keine Staatliehen Bestimmungen, keine Regelung durch Innungen oder iiininigs.iitige Verbünde, nicht einmal eine ordnende Tradition. Audi du׳ Arbeiterorganisation, die an so vielen Stellen des Arlreitswe.scns die fehl ende staatliche Regelung durch Verein- Iwriingcn ersetzte, fangt erst an, sich mit der Lehrlingsfrage ein feh.end zu beschäftigen. Der Grund für ihre zögernde Haltung war ein dreifacher: 1. Die palästinensische Arbeiter- Schaft ergänzt sieh im allgemeinen starker durch Neueinwandertmg als durch eigenen Nachwuchs. 2. Der führende Teil der palästinensischen Arbeiterschaft kommt nicht aus einem traditionsgebundenen Handwerkertum und überhaupt nicht aus einer geordneten Lehre; er schützt darum allgemeine Arbcitsfähigkeit und schnelle Anpassungsfähigkeit höher als vertiefte Kenntnisse jn einem bestimmten Fach. 3. Feste Lehr- Verträge, zu deren Wesen ein geringes und langsam ansteigendes Lehrlingsentgclt gehört und die eine langjährige Bindung an eine bestimmte Arbeitsstätte verlangen, steheil im Widerspruch zu der allgemeinen Tendenz der Histadruth, dem Arbeitenden hohe Arbeitslöhne und freie Beweglichkeit zu siche! 11. Auf der andern Seite zeigte sich kraß der Schaden tfes fehlenden L e 11 1 I i 11 g ,s w e s e n s. Zunächst b e i der J u g e 1' d s e 1 b s i. Die e u r o p ä i s c 11 e J u g e 11 d hat einen festgelegten, bestimmte Ci,uiidkeiintnis, und Fälligkeiten entwickelnden Lehrgang!״ den Schulen durchlaufen, die sie in «he Beiufsiuebilduiig ciutntt. Dabei hat sie ein ungefähres Bild ihrer besonderen Fähigkeiten und Neigungen gewinnen können: I elirer 11ml Berufsberater unterstützen die Berufswähl. Selhstvi!Mündlich gibt rauch hier Fehlgriffe und Hemmungen bei der I11 ullting des Ucnif.swunschcs. Immerhin tritt ein erheblicher Teil dieser Jugend in bewußter Wahl oder vernünftig geleitet in euu-n seinen Fähigkeiten ent- .sprechenden Berti) ein. Dort begignet er einer starken, oft jahiluinilerle alten Berufst! ndilion mit Pflichten, Rechten, Handfertigkeiten, Gualitälsbcgritfen, in die er hineinwäclist. f )11• p a I .1 s t 1 11 e 11 s i s c 11 e J 11 g t■ ״;! bildet dagegen einen bnmer; Wirrwarr von Eingeborenen und Fingewandcrteil. ( >1 irütalen und luiropaern, Kindern und Halberwachsenen, (iciuidcteu und Analphabeten. Da der Sdml/wung fehlt und die c ei sclinsieiisten Scluilsvste,■11e nebeneinander bestehen, ist selbst Isri denen, die eine Schule besuchten, der Bilduiigssland eui völlig \ e! ״■. hieden er. Die Litern, in fremde, schwere Buiinguugen hineingcsct/f, sind meist schlecht 1׳ Berater. Die I 1!1 rer, soweit sie seihst einen Einfluß gewinnen könnten, sind m den (>beiK!as-«׳u der Volksschulen durch die Stoffaiihaufung und durch cm überkommenes Sestern von Prüfungen 11he1!astet, dazu lw.rufshcia;erist!1 und volkswirtschaftlich 1mg (,schult. I me eigentliche Berufsberatung war bis vor kurzem ein fremder begriff. Keine Berutsideale! )iese vielfältige und ungeordnete Jugend nimmt in der Masse der Falle zufällig, ohne bestimmtes Berufsideal und deutliches Beruf-ziel und darum auJi ohne e:1! Verpfiichtungsgefülil für den gewählten Beruf, einen Arbeitsplatz an. Fast nur die Jugend der Jugendorganisationen, die unter dem EinfluB einer idealistischen Erziehung zur Landwirtschaft übergeht, hat den Vorzug, an den Wert des eigenen Berufs zu glauben. In den Städten gehen die Jugendlichen nur dann nicht von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle, wenn der Lehrherr durch persönlii lien Einfluß und eigene Hingabe an den Beruf die Bcrufstrcue erweckt, oder wenn .spezielle Eigenschaften den I ernenden an den Beruf binden. Für die Masse würde die berufliche und charakterliche Entwicklung sehr viel günstiger sein, wenn es ein ausgebikletes Eehrlingswcseii gäbe. Es handelt sich hier aber auch um eine wichtige w i rt s c h a f 1 l i c h e Frage. Die sich entwickelnde paiästini'iisische Indu-trie baut sich auf einer engen Rohstoffbasis auf. Tim־ wesentliche Voraussetzung für ihren Erfolg liegt in den ihr zur Verfügung stehenden Arbeitskraftm. Der Jude, besonderder europäische Jude, wird nie ein sehr billiger Arbeiter sein, er kann aber, seiner Natur noch, ein hochquälilinerter Arbeiter werden. Die Voraussetzung ist seine' systematische S. lmUmg. I 1er E a e h a r b c i i e r, der sein Fach von ( iruml aut beherrscht und fähig i-h augenauer Kenntms des I ierköinmik heil heran- Schw ierigkeiten zu überwinden und neue Anregungen aiiszuiuhren, der so auch den schlechter aitsgibildeten Arbeiter aiileiten und voll nutzbar machen kann, ist ein unentbehrlicher Faktor der Wirtschaft. (Nicht umseilst ei iiwercu mdil-t I! e! I ln k h eil t w i ekelte lande:' die Ans- Wanderung der .:nea'd'izwrtwi Fachleute.) Beeinflussung der Jugend 1bleibt aber fragil, h, ob es i!1 Pahi-tina in absehbarer 7eit überhaupt gt hm:eil kann, ein geordnetes Lehrlingswe-ep. auf/ufenirn. Wie ist zinuJi-t die Jugend zu beriuflii-sen? In Kn.-.uzt 1te!1 wird der fug,, ad'i die 11 i - fit abgeneigt sein, einen ihn -.!eherralrn Arbeitsplatz als l.efirling au/uuehtiieii; in Zeiten der Id!operbv sfr .nibt er -ich dagegen, bei einem Meister geling In zahlt ebenso schw er zu arb1״!r!1 wie sein Kamerad, der .1*- urig! lernter Arbeiter gut veidien!. Dieser ZufalPfaktor ist n!e ganz aii-zti-efiaIteil. Man kann aber beobachten, daß dm Schüler von Faehv huleii, du* auf ein bestinirnfes Berufs- 71e| 11 mg!wie-! 1׳ werden, davon wenig berührt sind. Es muß möglich sein, dasselbe in der freie» Wirtschaft zu erreichen, wenn die Jugendlichen sieh in ihrer Entwicklung von der Oeftenfliehkeit beoba! Iitet wissen und fühlen, daI) eint* hohe Bern(slei-tung einen von der (}eine!״Schaft anerkannte*» Wert bildet. Dies ist vorbereitend durch B e r u f s vo r t r ä g e und V e ז k s t a 1 t - B c - ו c 11 t i g!!!! g e!1 mit den Schillern der Oberklnsscn uml den Jugendorganisationen, später durch eine Ueherwachuiif der Lehrtätigkeit tu erreichert. Die Fortschritte des!.ernenden sind nach bestimmten Permden fest/ustcüeii, es müssen Ausstellungen und Prämiierungen von Sch ü I c r a r h eite n stattfinden, es sind abschließende Zeugnisse zu geben, und durch theoretische Kurse ist die praktische Factiaushildung zu vertiefen und ihr Wert lebendiger zu machen. Man kann dabei nicht übersehen, daß ein nicht unerheblieber Teil der Jugend so verelendet ist, daß die Mahnung 711 sorgfältiger Ausbildung sinnlos bleiben wird. In Einzelfallen können Wohhaliitsiinterstiitzungen und Stipendien helfen (und cs ist unbedingt nötig, dabisher bei der Alliance fsrächte bestehende S t i ק e n d i e n w e s e n auszubauen), afx'r eine allgemeine Lösung wird dies kaum bringen, Fs wäre jedoch abwegig, sein Interesse bei der Lehrlingsfrage wesentlieh nuf diesen vcrelctule-ten Teil der Bevölkerung zu richten, da der Kreis der ausbildiuigsfähigen, aber bisher ungeleitetcn Jugend sefir groß ist. Diese unter der Jugend tu leistenden Aufgaben (allgemeine Beeinflussung vor der Berufswahl, Be- Schaffung geeigneter Lehrstellen, Hilfe hei der richtigen Berufswahl, Ueberwachung der Lehrstellen, Arrangierung von Lchrlingsausstellungen, Einrichtung von Erganzungskursen, Ausbau des Stipenäicnwesens usw.) verlangen zentrale, arbeitsfähige Steilen, die sich dieser Arbeit speziell annchmen. Ihre Verbindung mit psychotechnisch en Beratungsstellen — wie sie in den drei Hauptstädten im Ausbau sind — wird dabei wichtiger als bei Berufsberatungsämtern in Europa sein; denn wenn dort dem Berater eine normalisierte, unschwer zu verstehende lügend gegenübersteht, bei der nur kl Einzelfallen spezielle Berufsmethoden angewandt werden müssen, so gibt die psychoteehnische Prüfung in Palästina dem Berufsberater sehr häufig allein den ersten Anhalt zur Beurteilung einer vielsprachigen und aus den verschiedensten Kulturkreisen kommenden Jugend. Die psychoteehnische Beratung selbst steht dabei vor der schwierigen und interessanten Aufgabe, neue Prüfungsmethoden zu (imden und neue Bewertungsmaßstäbe aufzustellen. Di« Frage der Lehrmeister Die Arbeit unter der Jugend bedeutet aber nur den einen leichter zu bewältigenden Teil der Aufgabe. Denn die weitere Frage lautet: Gibt es im Lande überhaupt die Betriebe, in denen jugendliche ein Fach richtig erlernen können, gibt es für lernbereite Lehrlinge die Meister? Da es kein geordnetes Lchrlingswesen, keine feste Tradition der Ausbildung gab, versteht es sich von selbst, daß es keine Meister im Sinn der deutschen Innungen geben kann, — es sei denn, daß sie (und dies sind Vereinzelte) ins Land kamen. Die Frage nach dem ״Meister“ in Palästina kann nur die nach den fähigen Lehrmeistern sein, die bereit und gewillt sind, ein gutes Wissen an junge Menschen weiterzugeben. Hier ist das Resultat einer Zählung günstiger; unter den äiteren Palästinensern sind nicht wenige, die sich durch Berufsliebe, Klugheit und Zähigkeit trotz unvollkommener Vorbildung gute Fachkenntnisse erworben haben, und ebenso gibt es unter den Neueinwanderern ans allen Ländern neben viel Halbwissen auch solides Können und starken Berufsstolz. Mobilisiert man alle vorhandenen Kräfte, stärkt man durch Zusammenfassung und fachliche Kontrolle das Lehl Interesse, organisiert man das Lchrlingswesen nach einheitlichen und allgemein annehmbaren Richtlinien, so kann sich aut der vorhandenen Grundlage ein geordnetes Ausbildungswesen aufbauen. Handwerkerschulen Vielfach glaubt man die Lehrlingsfrage durch die Errichturig von Handwerkerschulen zu lösen. Es gibt im Lande eine Reihe derartiger Institute; jedoch ist ihre Zahl, ihr Umfang und die Art ihres Aufbaus noch unzureichend. Es ist aber auch strittig, ob eine Handwerkerschule überhaupt eine praktische Handwerkslehre ersetzen kann. Der Vorzug der systematischerem Ausbildung wird im allgemeinen durch die geringere Verantwortung gegenüber der Arbeit, vor allem gegenüber dem Tempo derselben, aufgewogen. Es scheint, daß die Bedeutung der Handwerkerschuk-n mehr in der Ergän/ung des praktischen Wissens, der Erweiterung und Systeinatisierung desselben, als in der alleinigen Ausbildung liegen kann. Als Abwandlung der Handwerkersclmlc ist die Einrichtung von Handwerker-Lehrwerkstätten vor geschlagen worden. Ihr Sinn wäre, die wenigen im Lande vorhandenen hervorragenden Handwerksmeister durch öffentliche Zuschüsse fähig zu machen, innerhalb ihres praktisch arbeitenden Betriebes eine weit größere Zahl von Lehrlingen auszubilden, als dies privatwirtschaftlich tragbar wäre, liier fielen Nachteile des Schulwesens fort: der Lehrling wird unmittelbarer mit der Wirtschaft verbunden als der Schüler der Handwerkerschule; auch sind die erforderlichen Zuschüsse weit geringer. Aber der in Schulen und Lehrwerkstätten unterzubringende Kreis wird immer gering bleiben müssen; der Versuch, das Lelmvcseri im Lande zu ordnen, wird sich darum wesentlich mit der privaten Wirtschaft zu beschäftigen haben. Aufgaben der Berufsberatung Die Frage lautet uun: Was kann eine systematisch arbeitende Berufsberatungsstelle tun, um — über das hinaus, was die Wirtschaft ohne fremden Antrieb regelt — den Jugendlichen zu guten Lehrstellen zu ver 11 elfe 11? Es!rändelt .sich <la zunächst um die Schaffung einer zentralen lind von der Wirtschaft anerkannt e n Vermittlungsstelle, die einen Ueberblick über Mandatsverwaltung und palästinensisches Schulwesen Von (iymnasiaklirektor L)r. Erich K1 i ba n s k y - Köln In der palästinensischen Presse werden aus dem Berieht der britischen Mandatsvcrwaltung an de» Völkerbund eine Reihe von statistischen Angaben über das gesamte palästinensische Schulwesen veröffentlicht, die um so größeres Interesse verdienen, als aus ihnen deutlieh hervorgeht, in welchem Umfange die palästinensischen Araber, insbesondere auf kulturellem Gebiet, aus dem raschen Aufschwung des Landes Nutzen ziehen. Es befanden sich im Jahre 1935 in Regierungsschulen für Araber 36 005, in sonstigen mohammedanischen Schulen 11788, in christlichen Schulen 17 851, insgesamt also in für Araber bestimmten Schulen 65 617 Schüler und Schülerinnen. Demgegenüber waren nur 34 jüdische Schüler in Regierungsschulen, vornehmlich wohl in der von dem Bagdader Juden Kadoorie gestifteten landwirtschaftlichen Schule am Tabor. Insgesamt besuchten 51 311 Schüler die verschiedenartigen jüdischen Schulen des Landes, darunter 34 071 solche Schulen, die der Knesset!! Israel angeschlossen sind und von ihr mit unterhalten werden. Sehr aufschlußreich ist auch die Aufgliederung der Schülerzahlen nach der religiösen Zusammensetzung. Es besuchten: arabische Knaben Schalen Mädchen jDdiicfti insgesamt | Knaben 6 Schulen Mädchen insgesamt 36315 9 564 - ן 45875 _. 15 jüdisch 314 427 671 26 ן 741 24643 51 514 dtrisUich 9408 8 757 18163 1 — - 10 Hier fällt vor allem die verhältnismäßig große Zahl jiidischer Kinder in arabischen Schulen auf, die sich vornehmlich aus jemenitischen und anderen orientalischen Juden zusammensetzen dürften, die aber im Laufe der letzten Monate wohl auch ausnahmslos in jüdische Schulen übergegangen sind, falls sie bei der großen Schulnot überhaupt dort Aufnahme linden konnten. die Besonderheit der einzelnen Betriebe hat und von diesen über jeden verfügbaren Platz informiert wird. Mit dieser Arbeit und mit der früher behandelten Arbeit unter der Jugend selbst ist in anderen Ländern die Aufgabe einer Berufs- Beratungsstelle ungefähr umrissen. ln Palästina muß anderes hinzutreten. Es gibt ja — wie wiederholt gesagt — hier keim: feste Tradition der Ausbildung. Fragt man einen älteren palästinensischen Handwerker: ,,Wie lang« muß der Jung« in deinem Fach lernen?“ so bekommt man regelmäßig diel Antwort: ״Das kann ich doch nicht wissen; einer lernt es in | einem halben Jahr, und ein anderer kann nach drei Jahren noch nichts.“ Nun hat diese Antwort ihre Berechtigung, ganz besonders in einem Land, in dem die ungleichartigst begabte und ausgebildete Jugend zusammenkommt, wo also die allgemeinen menschlichen Abweichungen in der Auffassungsgäbe, Handgeschicklichkeit und Ausdauer durch die Eigen« tümlichkeiten der einzelnen Landsmannschaften und die un* gleiche Schulbildung wesentlich gesteigert werden. Auch die sorgfältigste Berufsberatung wird diese Unterschiede nur teilweise ausgleichen können. Ein schematisches, starres Vorgehen bei der Festsetzung von Lehrzeiten, Lehrlingslöhnen usw. hat also sein Bedenken. Trotzdem wird sich für die Ausbildung in jedem Fach eine gewisse Norm aufstellen lassen, durch die eine Ordnung in den Lehrgang gebracht wird, die den Lehrling und den Lehrherrn bindet und «ine Ueberwachung ermöglicht. Mit andern Worten: durch die Aufstellung von variablen, aber doch in ihrer Grundlage einheitlichen Lehr- Verträgen für die einzelnen Fächer ist eine größere Sicherheit in die Ausbildung zu bringen. Die Aufstellung 1*011 Lehrverträgen wird aber nie von der Berufsberatungsstelle selbst ausgehen können, sondern nur von Fachgruppen, die sich aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern der verschiedenen Berufszweige zusamuiensetze״. Noch mehr gilt dies für die Ueberwachung der Lehrlingsausbildung, durch die ja allein der Vertrag sinnvoll wird; denn nur die Ueberwachung der Ausbildungsart und ihres Fortgangs durch verantwortliche Fachleiste verbürgt, daß die vertragliche Bindung nicht zur Ausniitzung, sondern tatsächlich zur Ausbildung führt. Fehlt sie, so ist die Versuchung für den Arbeitgeber übergroß, den Lehrling einige rasch erlernte Handgriffe lernen zu lassen und ihn als unterbezahltcn Arbeiter zu verwenden. Andererseits wird der Lehrling selbst und der fachkundige Berufsberater nie übersehen können, welche Wiederholungen notwendig sind, damit das Verstandene zur Fähigkeit wird, und welche Hilfsarbeiten der Meister berechtigterweise als Entgelt für seine Mühe fordern kann. Nur ein Ausschuß aus Arbeitgebern und Arbeitern * des betreffenden Faches kann hier gerecht abwägen, Richtlinien autstellen und Einfluß gewinnen. Ebenso wird mir er die Einrichtung und Leitung von ergänzenden theoretischen Fachkursen in die Hand nehmen können. Eine palästinensische Berufsberatungsstelle wird damit vor eine ihr anderwärts fremde Aufgabe gestellt: sie hat Fachgruppen zu organisieren, die dem umgrenzenden Ziel der Lehrlingsausbildung in dem betreffenden Fach dienen. Die Arbeitnehmer sind z.iemlich umfassend in der Histadruth Haovvdim zusammengefaßt. Bejaht diese jetzt den Aufbau eines ausgebauten Lelirlingswerks (und die bisherigen Anfange der Arbeit scheinen dies zu beweisen), so wird sie die geeigneten Kräfte in die Fachgruppen delegieren und die Bildung der Gruppen fördern. Schwerer ist die Erfassung der Arbeitgebervertreter, denn der bestehende Industriellen- Verband umfaßt nur die größeren Betriebe, Trotzdem wäre die Alitwirkung des Verbandes eine wichtige Hilfe; daneben sind einzelne interessierte Arbeitgeber heranzuziehen. Die Frage bleibt offen: wer bildet den eigent״ liehen Träger der Berufsberatungsstelle? ln Tel-Awiw ist eine solche Stelle beim Noar-Haowcd im Aufbau. In Haifa hat sich eine Vereinigung verschiedener sozialer Organisationen als Träger gebildet. In Jerusalem ist unter Mitwirkung der Jugend wohl fall rtss teile bei der sozialen Abteilung des Waad-Leutni ein Kreis gebildet worden, der sich zunächst die Aufgabe gestellt hat, bei der bestehenden Vermiftlurrgsstelle des Noar-Haowed eine Berufsberatungsstelle eiuzurichteir. Diese Mitwirkung der sozialen Abteilung des Waad- Letimi kann bedeutsam werden. Nähme sic sich zentral und nähmen die Gemeinden sich lokal der Arbeit an, so wäre die neutrale Stelle geschaffen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer für dieses Gebiet der Jugendwohlfahrt »isammenzufassen, Lehrverträge, eine Lchrlingsübcrwachung und -Weiterbildung cinfiihren, eine umfassende Einwirkung auf die Jugend in Schulen und Jugendbüriden ausüben kann. Der Waad-Leunü könnte damit auf diesem für die Jugend und für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes so wichtigen Gebiet die ihm ztikommende staatsartige Regelung übernehmen. M a r g. Turnowsky-Pinner Die Gesamtzahl der schulfreien Kinder — eine Schulpflicht besteht bekanntlich nicht in Ercz Israel — belauft sich dabei auf 2)7 631 arabische und 5b 672 jüdische Kinder. Diese Zahlen sind nicht nur deshalb von Bedeutung, weil mau aus ihnen entnehmen kann, welch unvergleichlich größeren Wert der Jisrhuw auf die Erziehung seiner Kinder legt. Sie haben vor allem eine sehr ernste praktische Aus- Wirkung, da die Mandatsverwaltung bei ihrer Subventionierung des Schulwesens nicht etwa die tatsächlichen Schiller-Istzahlen von Juden und Arabern zugrunde legt, sondern eben diese ״möglichen“ Selüilerzählen der beiden IDwöikerungsteile, so daß die arabischen Schufen mit LP 168193 im Berichtsjahr unterstützt wurden, während jüdische Schulen nur ■CP 33 958 erhalten haben. Dieses Mißverhältnis wird aber noch erheblich verstärkt, wenn man aus dem gleichzeitig vom Waad Lcumi an den Völkerbund erstatteten Bericht erfährt, daß die Mandatsverwaltung im selben Jahre für arabische Schulbauten weitere CP!33 000 Subventionen ausgeworfen hat, während entsprechende jüdische Bauten überhatipt keine Zuschüsse erhalten konnten. Insgesamt erforderte das jüdische Schulwesen im Lande im Berichtsjahre ,CP 249 837. Hiervon steuerte neben der erwähnten Regieruttgssubvenfion die Jewish Agency £P 20 030 bei, die Pica CP 4555, während der Jischuw den ganzen Rest aus eigener Kraft aufbringen mußte. Bemerkenswert sind auch die Angaben über den Umfang des sonstigen Schulwesens im Lande, das vornehmlich von M i ss i o n s a n st a 11 e 11 getragen wird, 38 französische Schulen werden von 5173 Schülern besucht, 20 englische von 2231 Schülern, 5 amerikanische von 443 Schülern, I schwedische von 222 Schülern, 20 deutsche von 2137 Schülern. Von den italienischen Schulen lagen irn Berichtsjahre keine Angaben vor; im Vorjahre zählte man 14 italienische Schulen mit 1739 Schülern. Endlich wird auch die H ebräische Universität in Jerusalem mit ihrem Etat von £P 68 (XX) im Bericht rühmend hcryorgehoben; allerdings leistet die Mandatsregierung selbst hierzu nur den minimalen Beitrag von CP 506, und auch diese sind noch auf einen Sonderzweck (Malariaforschung und Bekärjpfung von Tierkrankheiten) beschränkt. Schmuck *Uhre n * Gold * Silber Jahren 1,Juwelier Uelmünte!,

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