Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 87 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2654003--29747-2691289- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 4× ep/1047930
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 87, 30. OKTOBER 1936 m W-ifßiif; L; ׳ '• .׳ ־: ‘:'Mp/ß, Sills,■ Mosche Chelouche der neue Bürgermeister von Tel-Awiw Die Wahl von Che* louche (Slusch) wurde von dem sog. ״Zentrumsblock‘•, der den Vizebürgerm eist er Rokach kandidierte, mit einer Kampfansage heantwortet. Die Regieruug, die den neuen Bürgermeister noch nicht bestätigt hat, vorsucht zu vermitteln. Foto: H. WmliftDitein, Trl.Awi'W Die Kommission London, 29. Oktober. (JTA.) Kolonienminister 0 rmsby-Go re hat in der heute abgehaltenen Eröffnungs- Sitzung des englischen Unterhauses angekündigt, daß die Kgl. Untersuchungskommission Ende dieser Woche nach Palästina a b r e i s e n werde. Audi in der Königlichen Thronrede am kommenden Dienstag wird voraussichtlich von der Absendung der Koniinissiou die Rede sein. Das Kabinett hat sich in zwei Sitzungen u. a. mit der Palästinafrage beschäftigt. * Die ״M or 11 i n g p o s t“ bringt einen längeren Artikel über die Aufgaben und Arbeiten der Kgl. Kommission, in dem verlangt wird, daß dem Besuch der Kommission in Palästina der Charakter eines bedeutsamen Staatsaktes gegeben werde. Der zeremoniellen Aufmachung solle dabei größtes Augenmerk zugewandt werden. Den Arabern müsse der Eindruck vermittelt werden, daß die Kgl. Kommission die größte Bedeutung für die Zukunft Palästinas haben wird. Die Ueberfahrt der Kommission solle von Marseille ans an Bord eines englischen Panzerschiffes erfolgen. Ihre Ankunft in Haifa solle unter besonders feierlichen Zeremonien vor sich ״eben. Ebenso solle der Empfang der Kommission in Jcrusaletn Anlaß zur Entfaltung von zeremoniellem Pomp bieten. Die ״Times“ erklärt in ihrer Ausgabe vom 27. Oktober, die Verhältnisse in Palästina seien so zufriedenstellend, daß alle Hoffnung bestehe, der König werde in seiner Ansprache anläßlich der Wiedereröffnung des Parlaments die unverziigliehe Entsendung der Kgl. Kommission nach Palästina ankündigen. Das englische Kabinett vertraue darauf, daß man k׳i einer Situation angelangt ist, die der Kgl. Kommission freie Bewegung im Lande ermöglicht. Während des größten Teils ihres Aufenthalts in Palästina werde die Kommission in Jerusalem tagen, es seien aber auch kurze Besuche in Haifa und anderen Zentren des Landes vorgesehen. Die Unabhängige Arbeiterpartei Englands hat der Kornmission eine Denkschrift übersandt, in der die Schaffung einer politischen und gewerkschaftlichen Bewegung, die beide Volksstäinme Palästinas umfassen und sowohl von zionistischer als von arabisch-feudaler Führung frei sein soll, sowie die Aiii'i ccluerhaltung freier Ein wänderung gefordert wird. Aut einer außerordentlichen Sitzung des Kleinen A k t i o ti s - C o in i t e s in Jerusalem standen die im Zusammenhang mit der Roval Commission zu treffenden Vorbereitungen zur Diskussion. Nach einer Ansprache Ben (iurions folgte eine längere Debatte, an der sieh Ussischkin, Ru pp in u. a. beteiligten. Das O b erste A r a b i s c h e K 0 mite e trat wiederum zusammen, um nochmals die arabische liaitung gegenüber der Kg!. Untersuchungs-Kommission zu besprechen. Das Komitee beschloß, einen Teil der restlichen Streik-Bonds an die Bootsiminner, Kaufleute und Chauffeure, die sieli in großer Not befinden, zur Verteilung zu bringen. Die Palästina-Regierung hat der arabischen und hebräischen Presse verb o t e n, für eine Boykottierung der Kommission Propaganda zu machen oder auch nur die Möglichkeit eines solchen Boykotts zu erörtern. Für die Ver- Ictzung dieser Vorschrift werden strengste Strafmaßnah men in Aussicht gestellt. Zionistische Koalitionskrise? Kleines Aktions - Comitö für ״nationale Parität" Jerusalem, 19. Oktober. (JTA.) Das kleine A.-C. hat sich mit 12 gegen 9 Stimmen für den Grundsatz ״nationaler Parität“ in Palästina ausgesprochen. Die 9 Stimmen der Opposition sind von den Vertretern des Misrachi, des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten (Gruppe B) und der Judenstaatspartei abgegeben worden. Die diesen Fraktionen angehörenden Mitglieder des A.-C. haben ihr Ausscheiden aus der auf dem Lu- *cm er Kongreß geschaffenen Koalition für den Fall angedroht, daß die Exekutive sich die Paritätsforderung zu eigen machen sollte. Eine weitere Sitzung des Kleinen A.-C. wird nächste Woche stattfinden. Flugdienst Polen-Palästina Haifa, 28. Oktober. (JTA.) Am Mittwoch ist in Haifa das polnische Flug z. e u g ״l) o u g 1 a s“ eingetrof feil, das den ersten direkten Probeflug zwischen Polen und Raidrtina gemacht hat. Das Flugzeug hat 100 000 Briefe und Postsendungen mitgebracht, die von Juden aus ganz Dolen an Angehörige und Freunde in Palästina gesandt worden snitl. Die mitgeführten jüdischen Zeitungen aus Warschau wurden noch am selben Tage in Tel-Awiw verkauft. Auf den Zwischeustationen in Lemberg, Bukarest, Saloniki und Athen waren jüdische Abordnungen zur Begrüßung des Fliegers erschienen. Kaukji geflohen ״Glückliche Lösung" Aus zuverlässiger Quelle wird gemeldet, daß der Bandenführer Kaukji mit seinen aus den benachbarten Ländern stammenden Leuten nach Transjordanien geflüchtet ist, und daß in Nablus, Dschenin und Beisan seine gelungene Flucht bereits gefeiert wird. Der Jerusalemer Korrespondent der ״Times“ vom 27. Oktober gibt der Ansicht Ausdruck, daII L a 11 z i s Flucht nach T r a n 5 j o r d a n i e!1 am 25. Oktober eine Erleichterung sowohl für die Regierung wie für die -Araber sei — für die Regierung, weil es notwendig war, das Land von diesem fremden Agitator zu befreien, seine (jefangen־ nähme aber Aufregung he! vorgerufen hätte; für die Araber, weil 1 au/.i auf diese W eise seine Laufbahn in Palästina ehrenvoll und ohne Nachgeben beendet hat. So wird seine Flucht als eine g Dickliche Lösung einer schwierige)! Lage betrachtet. Die arabische Presse wendet sieh heftig gegen das Vorgehen der Regierung gegen F'au/i lind betrachtet es als einen ״herausfordernden Vertrauensbruch gegenüber den Arabern“ nach der erfolgreichen Beendigung des Streiks mul der Einstellung der Gewalttaten. Dem gegenüber meint der Berichterstatter, daß eine noch länger anhaltende Verfolgung lauzis Ursache neuer Unruhen hätte werden können. Glücklicherweise scheine es, daß iin Augenblick, da das Militär ihn und seine ausländischen Helfer entscheidend umzingelt hatte, ihm Gelegenheit gegeben wurde, über den Jordan zu entkommen, da dies eine bessere Lösung war als die (iefangennahme. Die arabische Presse bringt Einzelheiten von der flucht Kaukjis nach T r a n s j o r d a n i e n. Vor dem Verlassen des Landes wurde eine große Absfliiedsversammhing abgehalten, an der sich Araber aus den Bezirken Nablus und Dschenin massenhaft beteiligten. Eine große Anzahl der Anwesenden begleitete Kaukji bis zum Punkt, wo er den Jordan überquerte, um auf transjordanischen Boden zu gelangen, mul bildete auf beiden Ufern des Flusses Spalier, um nach Verfolgern Ausschau zu halten. Ferner wird berichtet, daß Kaukji wenige Tage vor seiner l.aiuiesflucht die Omar-Moschcc in Jerusalem besuchte und auf den Koran schwur, Palästina nicht eher zu verlassen, als bis die arabischen Forderungen durchgesetzt sein werden. Die Behörden begannen nach Kaukji zu suchen, nachdem sie vor! seinem Besuch in Jerusalem erfahren hatten. Die arabische Presse meldet, daß der Gehilfe des Distriktskommissars für Dschenin einer arabischen Delegation, die gegen die Durchsuchungen protestierte, mitteilte, die Regierung habe nicht versprochen, das Fortbestehen Bewaffneter Banden in den Bergen zu dulden; eine der Banden habe Truppen angegriffen, was zu Durchsuchungen geführt habe; das Militär habe jedoch Weisungen erhalten, weder Waffensiichtingen in den Häusern vor/unehinen noch die Dorfbewohner zu belästigen. Die arabische Presse berichtet, daß Kaukji in Trans• jordanien mit Ehren aufgenommen wurde. Fahndung nach Freischärlern Die arafrische Presse bringt weitere Einzelheiten über die in drei arabischen Dörfern in der Gegend von Jenin und Beisan durchgeführten Durchsuchungen. Zahlreiche Lastkraftwagen mit Militär waren zur Stelle; es wurde nicht nach Waffen gesucht, sondern nach Kaukji, dem Führer der Terroristen, der, wie die Regierung erfahren hat, sieh dort verborgen halten soll. Die arabische Presse fordert das Oberste Arabische Komitee auf, von der Regierung die Ein- Stellung dieser Durchsuchungen zu verlangen. Aus arabischer Quelle wird gemeldet, daß infolge der Erregung der Bevölkerung über die vom Militär durebgeführten Durchsuchungen, der 1 )istrikt.-kouimosar für Tulkcrcm den Mukhtars mitgeteilt habe, daß die Regierung /war nicht versprechen könne, die Banditen nicht mehr zu verfolgen, daß sie aber 12 Tage Gnadenfrist gewahre, binnen derer die Banden sich auflo.-eu 0110-1.71; eine Verlängerung der Frist käme nicht in trage und die Regierung sei ent-ehlosscii, das Fortbestehen bewaffneter Bimden nicht zu dulden. ״AI Difaa“, das Organ der Istiklal-I'artei, meldet aus Dschenin, daß eine Abordnung vornehmer Burger dieser Stadt von dem Krei.skommiss.1r empfangen wurde. Die Ab- Ordnung habe gegen die Verfolgung dm arabischen Banden durch Militär protestiert. Das Blatt behauptet, der Kreiskommissar halte es in Abrede gc-delH, daß eine Verfolgung der Banden statt finde‘. Das Militär sei im < ieg enteil an gewiesen worden, keinerlei I)ureh-mhungeii mehr vor/unelimcn. Zum Schluß wird in der von der ״AI Difaa" veioFfenflichlen Meldung erklärt, der Kreiskoni!11 i״-ar habe versprochen, die Forderungen der Abordnung dir Regierung zu unterbreiten. Das Neueste in Kürze Professor Dr. Hugo Berg m a n n, der im vorigen Jahr als erster gewählter Rektor der Hebräischen Universität das Amt übernahm, ist nunmehr für ein zweites Jahr wiederg c w ä h 11 worden. Die Palästinaregiening hat das Erzieh ungsbudget des Waad Leunii für das kommende Jahr bestätigt, ln dem Budget ist auch ein Regierungszuseludi von 42000 Pfund vorgesehen. Somit ist die Regierung von ihrer vor einiger Zeit geäußerten Absicht, das jüdische Schulbudget um 3000 Pfund zu kürzen, wieder abgekommen. Der Ausnahmezustand in Jaffa und Jerusalem ist völlig aufgehoben worden. Die hebräische Presse berichtet, daß in letzter Zeit wieder eine beträchtliche Anzahl von Arabern aus dem Ha uran durch Transjordanien nach Palästina gekommen ist. Die Zeitungen fordern, daß die Regierung dieser illegaien Einwanderung ein Ende bereite, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, daß die ersten Morde in Jaffa bei Ausbruch der Unruhen von lluuranern begangen worden waren. Weitere 26 Araber, die im Konzentrationslager in Sarafend interniert waren, sind entlassen worden. Es befinden sieli noch 201) Personen im Lager, die im Zusammenhang mit den Ereignissen interniert worden sind. Einer Meldung der arabischen Tageszeitung ״Felestin“ zufolge, wurde in einer längeren Unterredung zwischen dem Ueneralinspektor der Palästinapolizei, Spie er, und dem 111111!!11111111!1111111!1111!11!11111!1111111111111m!1m111111!1111111!11111m11111!n111111m11!MMU11!!1!1!11m111!1111111111n11111m111!1m111111 Vom Tel-Awiwer Hafen Tel-Awiw, 27. Oktober. (JTA.) Der vom Hafenausschuß in Tel-Awiw beauftragte Sachverständige Backton von einer englischen I lafenhaufirma hat seinen Bericht über den Ausbau des Hafens von Tel-Awiw erstattet. Der Sachverständige hält den Plan, die Audselia-Miindung aits/tibaggern, für unpraktisch. Es soll zu diesem Punkte das Gutachten eines weiteren Sachverständigen eingeholt werden. Demnächst wird die Zahl der Ladekrane im Hafen auf vier erhöh( werden. Südlich der Lamlungsbnickc wird ein Bootshafen von 10 000 qm Fläche für 50 bis 00 Boote gcschsaffen werden. Er soll einen Kai mit einem Lagerhaus für Zitrusfrüchte erhalten. Die l.andimgsbrücke wird vor Beendigung des Winters nicht verlängert werden. Mail will airwarten, in welcher Weise die Witterung auf die bestehenden Bauten im Hafen cinwirkt, Die neue Gleisanlage litt llajen Tel-Awiw fot!!: La״״ lh״״״״ Ti Chefsekretär der Palästinaregierinig, J. H. Hall, die Auflösung des Konzentrationslagers m S a r a f e n d besprochen« Nach einer Meldung im ״Dawar“ befindet sich unter den in Sarafend internierten Arabern eine beträchtliche Anzahl von Lehrern, die ari Regierungssehulen nngestelit sind, jedocl! trotz ihrer Internierung nicht entlassen worden sind, und sogar während ihrer Haft ihre Gehälter bezogen haben. Sämtliche arabische 11 i 1 f s p o I i / i s t r 11, die nach dem Ausbruch der Unruhen im Distrikt von Jaffa in Dienst gestellt worden sind, sind jetzt von der Regierung entlassen worden. In der Nähe von Kalkilieh wurde die Leiche eines Arabers gefunden, der, wie angenommen wird, von Arabern im Laufe eines Streites gelotet worden ist. Polizeiliche Untersuchungen sind im Gange. Der Araber Aliriam Ibrahim, der auf Truppen geschossen hatte, wurde von dem Kriminalgericht in Haifa zum Tode verurteilt. Der Angeklagte war am 21. August während eines Gefechts zwischen Truppen und einer bewaffneten Bande in Wadyara in Samaria gefangen genommen worden. Richter Copland erklärte nach der Urteilsverkündüng, daß Personen, die auf Truppen schießen, keine Gnade verdienen. Hei einem Unfall in der Nahe von Jerusalem wurden sichen englische Soldaten, darunter zwei schwer, verletzt. Der Lastwagen, in dem sie fuiircn, uberschliig sich mitten in de,׳ Eahi't. General Dill, der < )bcikominandicrcinlc der englischen Truppen, stattete in Bcgicimng von Stabsoffizieren einen Besuch an der Klagemauer ah. Nach dem Elovd Triestino haben nun auch 1110 M e s s agef i es Maritimes ln>d1:o-״c11, ihre Schilfe nicht mehr in Jaffa, sondern nur noch, in Haifa landen zu 1,1-scn. Aut traditionelle!! Jahrestage de- 'Todes der Stammutter Rabel besuchten zahlreiche Juden /um erstenmal seit dem Ausbruch der Unruhen wieder Rubels (nah. Die Leiter der O 11 o 111 a ti - 1! a 11 k und der Banca dl Roma erklärten ihren Austritt aus der arabischen Handelskanmier in Jerusalem, die mit der Organisierung des antijüdischen Boykotts beschäftigt ist. Damit ist keine einzige ausländische Bank in der Handelskammer mehr vertreten. Eine arabische Bande veranstaltete einen Ueherfall auf ein arabisches Dorf bei R a tu Ich und plünderte Lebensmitte! und Geld. Die Zensur, der bisher die Verbreitung auswärtiger Zcihingen in Palästina unterlegen hat, ist nunmehr aufgehoben worden. Die Eisenbahnstation in Ra tu leb, die vor längerer Zeit wegen der dort wiederholt verübten Anschläge au! Fisenbal!11/üge und '!'nippen geschlossen worden war, ist wieder geöffnet worden. ״Chadasehot achronot“ crlahrcn, daß die arabischen Streikkomitees weiter tätig sind und 11. a. beschlossen haben, bis April einen neuen Streikfonds in Hohe von SO (KM) Pfund atif/ubriiigeii. .Mit den arabischen Plantagenbesitzen־! wurde ein Abkommen getroffen, wonach diese für jede exportierte Kiste Orangen eine Beisteuer zum Streikfonds leisten; auf diese Meise sollen die S0O0Ö Pfund zu* sainmenkommcn. Das Lager für jüdische 1' I ii e 11 f i i n g e in LI a i f a ist geschlossen worden. Sämtliche Flüchtlinge sind mit Woltnungen versorgt worden und haben ihre normale Tätigkeit wieder aufgenommen. Die Polizeistation in Schafraam ist von arabischen Freiscliarlern beschossen worden. Die Polizei erwiderte das Feuer und vertrieb die Angreifer. Von der Palizeirnannschat't wurde niemand verletzt. i