Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 87 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 jüdische Rundschau Nr. 87, 30. X. 1936 Aus der Rechtsprechung werden, muß man es einmal wagen, auch in der Oe ff entliehkeit über die Methode des hebräischen Unter• richts an sehr vielen jüdischen Schulen Berlins einige Worte zu sagen. In den meisten Schulen wurde es zuerst seit 1933 theoretisch anerkannt, dali man das Hebräische (dort genannt ״Neuhebraisch“) nach den Prinzipien der liioderncn Fremdsprachen unterrichten soll. Wie sieht aber die Wirklichkeit aus? Der gesamte Unterricht wird «ach wie vor in den meisten Schulen nach der unzulänglichen alten Methode aufgebaut, d. h. rnan übersetzt ״ausgewälilfe“, also zusammenhanglose Sätze aus T’nach und Siddur, ohne dali der Schüler das geringste sprachliche Verständnis fiir den gelesenen Text besitzt, da jede systematische sprachliche Vorbereitung fehlt. Um aber nun dem Unterricht den Anschein zu geben, als würde er nach moderner Spraehmethodik erteilt, werden seit einiger Zeit einige hebräische Brocken in die Stunden hineingeworfen. Der Religionslehrer kann also den ״althcbraischen" Unterricht durch Worte wie ,,Stehe auf, mein Sohn״ oder ,,Welchen Makel findest du an meinem Vorschlag?׳‘ (wo spricht man mit Kindem in solchen Redewendungen?) in (;inen ,,perfekten neuhebräischen“ Unterricht verwandeln. Da dieses Büchlein nicht nur־ die Schwierigkeit des gegenwärtigen hebräischen Utiterrichts nicht lösen hilft, sondern sie sogar verschleiern kann, muß jeder, denn es mit dem hebräischen Unterricht in den Schulen ernst ist, dieses Hilfsmittel abUhnen. i:s ist hedautrlieh, daß ein hebräischer Schriftsteller und langjähriger Vorkämpfer des Hebräischen sich für solche ,.Hilfe“ zur Verfügung stellte, die von dem eigentlicher! Ziel nur abluhrt. Lehrern, die eine solche primitive Hilfe!״rauchen, kann man die Kurse der Hebräischen Lehranstalt der Berliner jüdischen Gemeinde und der Berliner Zionistischen Vereinigung empfehlen, wo sie in den ersten I—(> Wochen diese Redewendungen sich arteignen können, l ur den Lehrer, der wirklich Hebräisch unterrichtet, kann das Abrabiimsdu• Heit kein Hilfsmittel sein. Vor einigen Tagen erlebte ich irr einer Berliner Bndihandlung einen Vorfall, der zur Illustration heran:! t׳z<)g«l werden mag. Irin 1 L- I Ijalirige- Mulchen, .Schülerin einer Volksschule der Jüdischen Gemeinde, verlangte die erste•!! Propheten und ,.(jiljonot", Heft i. das Aggadoi aus Talmud und Midrasch enthalt und nur mit tortigescliritteiien Schillern gelesen werden k.um. I )er Hudihaiuller - Inder Annahme, daß das Mädchen tif n*r gewi* se hebräische Vorkcmitnisse v erfuge ~~ fragte es aut Hebt :lisch; ״Wie lange lernst du Hebräisch?“ Als er keim• Antwort bekam, wiederholte er die Frage in einer noch leichteren Bonn. Das Mädchen gab die Antwort: ״Wir .spricben nicht hebräisch, an dem neuhtbräischen Nachmittagsunterricht nehme ich nicht teil.״ Dm in diesen unzulänglichen Verhältnissen endlich Wandel zu schaffen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens di e t a g liehe 11 e b r ü i * c he St u 11 d e, zweitens — was noch wcsentlj. her ist ׳ radikale Abkehr v oft den bisher! 1; c 11 U 11 t e r r i c 11 t s 111 o t h o d c n, die Schilfbruch erlitten haben. Ebenso Verhängnis( 0)1 wirkt ach die Trennung von Alt- und Nenhcbrabch aus,!!je spracbmcthoilisfli in keiner Weise zu rechtfertigen ist und in keinem Schultyp des Ostens bekannt ist. Daß man auch in I )eut.schl.1ml unter den oben festgestelltew Unterrichtsvoraus setzungin fruchtbare Arbeit Kisten kann, zeiipt z. B. der hebräische Unterricht der Theodor Herzl-Schule in Berlin, die auf eine läjahrige Praxis zuruckblicken kann. Um dem Uebei abzul ulfen, tu tili mit der II er an - und Fortbi Id U n g der h e b r ä i s e ii e n I. e 11 r 1׳ r s c h ,1 f t emllktl Ernst gemacht werden. Worte genügen liier nicht, wenn sic auch ehrlich gemeint sein mögen. Auf einer hebräischen Konferenz der Lehrer der Berliner jüdischen Gemeinde «rklärte ein zionistischer Gemeimlevertrefer in der Begrüßung*• rede, daß das Ziel des hebräischen Unterrichts u. a. sei, daß das moderne Hebräisch in Wort 1nul Schrift von den Kindem beherrscht wurde. Auf derselbe« Konferenz aber haben die meisten Lehrer, die doch die Kinder zu einen! solchen Ziel fuhren sollen, dem einzigen 1’n hebräischer Sprache gehaltenen Referat nicht folgen können. Wie ist dies in Einklang zu bringen? Die Acnderung des bestehenden Zustandes kann natürlich nicht allein von der Lehrerschaft ausgehen. Den Lehrern (mußten durch Studienurlaub, und wenn dies nicht möglich ist, durch herabgesetzte Stundenzahl bei voller Be- Zahlung, die Möglichkeit gegeben werden, sich der hebräischen Fortbildung intensiv zu widmen, 111 Kursen, deren Teilnahme obligatorisch sein müßte. Die Mittel dafür!mißten gefunden werden. Auch die vorhandenen Lehrerbildungsanstalten genügen diesen Anforderungen in keiner Weise teils m methodischer, teils in sprachlicher u n «I methodischer Hinsicht. Fs ist daher dringend zu wünschen, daß sich die verantwörtlichen jüdischen Instanzen mit diesem Fragenkomplex: erneut beschäftigen. _ Josef Jak o b s o 11 n Budapester Brief Budapest, 24. Oktober In seiner Antrittsrede, die Ministerpräsident Koluman von D a 1 ä 11 y 1 im AU^vurdnUen- und im ()hvrhause hielt, wiedetholte er kurz, seinen in der Finlieitspart a an.gekündigtcn Programmpunkt von ״L 1 i e d e u 1! d E in I r a t 11 t / w i s c h en den Konfessionen“, wobei -״״ nie- ״Ujs.ig“ kritisch bemerkt — es noch fraglich otu, ob dari!!der nicht allein die christlichen Kur,iessioneii zu verstehen »eien. In der Provinz scheint mau hier und dort den Text in diesen! Sinne zu lesen. So mehlen die Zeitungen an ein und demselben Tage von Demonstrationen an der S / e g e 11 e r Universität, die sich aber — da die jüdischen Studeiilen, vorher gewarnt, zu den Vorlesungen nicht erschienen --- gegen eine Gruppe Budapester Mittelschüler richteten, die einen Ausflug nach Szeged unternommen hatten. In Debrecen, wo es in den letzten Monaten stiller geworden war, wurden die elf jiidischen Hörer der Landwirtschaftlichen Hochschule aus den Hörsälen hinaus komplimentiert. Auf ihre Beschwerde begab sich Direktor Ludwig Julius nach Budapest ins Ministerium. Erfreulicher ist die Nachricht aus der Grenzstadt Sopro« (Oedenbiirg), wo sieh in jüngster Zeit die Presseangrilie gegen die von Rabbiner Dr. Simon Posen g־cleitete Jesehiwah mehrten. In der Komitulskongregation wurde diesbezüglich auch eine aus 6 Punkten bestehende Interpellation eingebracht. Der zuständige ikinil Inspektor, Oberstudienrat Karl S e h 1 e g e I, antwortete min in der letzten Sitzung u, a.; Eine Ministerinlentscheidüng aus dem Jahre 1 SST sichert dem orthodoxen Judentum das Recht zu, seine Söhne ungestört und unbelästigt in den talmudischen Wissenschäften und im □eiste der religiösen Tradition zu den Lehren reiner Sittlichkeit, zu Staats- und Vaterlandstreue erziehen zu lassen.“ Nachdem der Redner die Organisation der Jeschiwoth besprochen hatte, fuhr er fort: ״Schließlich muß ich noch bemerken, daß laut Feststellungen der obersten Aufsichtsbehörde die in den Talmtidscbulcn erzogenen Bach»- rim zu frommen, gottes- und gesctzcsfiirehtigen, allen Extremen fernstehenden Staatsbürgern werden. Jede revohrtio- Weiterbeschäftigung eines jüdischen städtischen Angestellten Die ״Arhcitsreäits-Sainmlung“ vom 15. Oktober eeröffentlieht ein Urteil des Landesarbeits!renchts Köln vom 0. August 1930, das die Frage, ob ein städtischer Angestellter wegen seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse fristlos entlassen werden kann, verneint. Der betreffende jüdische Kläger, ein Frontkämpfer, war 1919 als Hilfsangestcllter bei der’ Stadtverwaltung Bonn eingetreten und 1924 durch schriftlichen Vertrag als Verwaltungsgehilfe in das Daucrangestelltenverhaltnis übernommen worden. Aut Grund einer Bestimmung dieses Vertrages, die der Beklagten im Falle eines wichtigen Grundes das Recht zur fristlosen Kündigung gab, hat die Beklagte den Kläger fristlos entlassen, weil ihr als Behörde die Weiterbeschäftigung eines Juden nicht zugemutet werden könne. Der Klage auf Zahlung von Ruhegehalt, die das Arbeitsgericht Bonn abgewiesen hatte, gab das erwähnte Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln statt. Nicht zugestimnit wird darin der Ansicht des Klägers, er sei den jüdischen Beamten, die als Frontkämpfer nach der 1. Vü. zum Reichsbiirgcrgesefz aus dem Dienst schieden, insofern gleichzustcllen, als ihm wie diesen bis zur Erreichung der Altersgrenze die vollen Bezüge zustünclcn. Der Kläger ist, wie das Gericht ausspricht, nicht dadurch, daß seine Bezüge auf Grund seines privatrechtlichen Dienstverlrages den Bezügen und Versorgttngsansprüchen der Beamten angeglichen worden sind, zürn Beamten geworden. Für den Kläger hatte eine berechtigte fristlose Entlassting zur Folge, dali er des Rechtes auf Ruhegeld verlustig ging, während im Falle der ordnungsmäßigen Kimdigung des Vertrages der Rechtsanspruch des Klägers auf Ruhegeld bestehen blieb. Bei der Entscheidung, ob die fristlose Entlassung wegen eines wichtigen Grundes berechtigt sei, führt das Landesarbcitsgericht Köhl in den Gründen 11. a. aus: ,,Hei der Prüfung iIh'-cv für der! Klüger ivu’h den vertvagiiohm Bt'.-tiimmmjjcn hr-onder.׳, I'nlgcn-chwm'n l׳ü agc mulj au.-gegangm werden von der Talxaehe. daß der Klager sei!. vier nalionalen Krhelning unangefoehnui Kd der Heklagtcn tätig geblichen in und daß die Heklagie in den vergangenen drei Jahren trotz der voränderten Kinstellung, die der nationale Sinnt und das Volk den Juden gegenüber (innimml. keinen Anlaß genommen 11:11. auf (;rund der Tnisuche, daß der Klager fude sei 1111 < i daß sein Weiterverbleiben im Dienst doshalf) unniüglieh sei, weil die allen Nalionabozialislen es ablelmten. mit dem Klager Z(1snmmen:׳unr!>pi1en. dem Klager da, .I!ien-ävcrl1ä1!nix zu kündigen oder ihn gar )!istlos zu entlassen. Legen die behauptung, ,!iß die weitaus übe!- wiegende Mehrzahl seiner bi-.!1e1׳ igen licauskidtegoit eine Weiterarbeit mit dem Kläger ahlelme und daß de-lulb die fristlose Lntlassung geboten .sei, spricht die Tatsache, daß die lierutbkollegen des Klägers die-eni zum 5t, ( mhu!!singe am 22. LI. 193a zugleirh mit einer Hlumenspende in einer schriftlichen kiin-alerisrheri Widmung ihre (;liiekwün.sehe ausgesprochen haben. VT-nii zwei jüngere Angestellte der Jleklagien, von denen der eine wegen :schwerer Yeriehhmgen iiw.wischcn entlassen worden ist, ihrer Abneigung gegen den jüdischen Kläger die Zügel haben schießen lassen, und den Kläger dauernd belli-ligt haben, so kam! dies Verhallen der beiden Angestellten noch ni.-lit als Beweis dafür angesehen werden, daß näre Gesinnung sei ihnen fremd, da diese mit den Vorschritten ihrer Lehre in Widerspruch stehen.“ Anläßlich des bereits gemeldeten Ablebens des Oberhausmitglicdes Adolf Frankl widmete ihm der Präsident des Hauses, Graf Bcrthold Szdchcnyi, folgenden Nachruf: ״Der orthodoxe Rabbiner Adolf F'ranW war eine hochgeschätzte Gestalt der ungarischen Orthodoxie, deren Zentralkanzlci er Jahrzehnte hindurch mit vvohlbegründeter Autorität leitete. Sein Tod bedeutet auch für die kulturellen und humanitären Anstalten seiner Konfession, die er mit größtem Eifer unterstützte, einen schweren Verlust." Das Begräbnis dieses seltenen Mannes gestaltete sich zu einer ganz einzigartigen Trauerkundgebung. Da der Verewigte sich letztwillig jede besondere Ehrung, jede Trailerzeremonie und Trauerrede verbeten hatte, verlas der Budapester Rabbinatsverwescr V. S u I) 111 a n ת vor einer stillbcwegten Trauergemeinde, unter der sich Vertreter aller hauptstädtischen jüdischen Institutionen, an hundert Rabbiner und Gemeinde- Vorsteher aus der Provinz, auch Deputationen des Kultusministeriums und des Parlaments befanden, das Testament des Dahingegangeneit, dessen Worte, da er jedem seiner Bekannten Abbitte leistete, tiefe Rührung hervorriefen. Die Zionistische Landcsorgnnisntion, die derzeit öffentliche Versammlungen nicht abhaiten darf, begatin ihre Winterarbeit mit einem Klubabend. Nachdem I)r. Lantos eine Revue über die jüngsten Ereignisse in Erez Israel abgehalten hatte, sprach Frau Dr. Edith Ringwald aus Basel über die zionistische Bewegung in der Schweiz, Frau Dr. W a! d m a 11 1t plauderte anregend über das Lehen im Jischuw. — Der neugebildete B i 1 1. a r o n - Ausschuß hat seine Tätigkeit aufgenommen, erwartet Dr. Hantke zu Besuch und wird demnächst über seine Erfolge referieren. Dr. A. F. Juden im sozialen Leben der Völker. H1 ״Wille und Macht“ (15. Oktober), dein Organ der Reichsjugendfiilirung, schreibt Klaus Schickert in einem Aufsatz über ״Der Jude in den sozialen Spannungen der Völker“, daß es heute um die Auseinandersetzung zwischen zwei Welten gehe: ״Der Niliilismus, die Veniichtungswut und Zerstörungswut des ewigen Juden tritt ein in den Endkampf um die Weltherrschaft mit allen Kräften, die blutsgebunden, rassisch, völkisch und nationalistisch sind — wie ihr Name auch sein möge“. Am Beispiel von Marx, Friedrich Julius Stahl und Disraeli wird dargetan, daß die Juden die sozialen Spannungen innerhalb der Völker gefördert hätten. ״Uebcrlegen wir uns einmal, wie das jüngste Zeitalter ohne Juden, ohne Judenemanzipation ausgcschen hätte. Es wäre kapitalistisch gewesen, denn der Kapitalismus ist keine rein jüdische Erfindung. Durch die Juden wurde er zu einem teuflischen Mittel der Ausbeutung der Völker! Das Zeitalter wäre nicht marxistlisch geworden und hätte nicht den Bolschewismus geboren. Alle Spannungen in den Völkern und zwischen den Völkern wären zusammengeschrumpft, wenn der Jttde nicht als Spaltpilz, dazwischen gesessen hätte.“ — Wir Juden glauben freilich,_ daß die Welt- «Schichte von andern Kräften gestaltet wird und daß die Juden häufig genug nicht die Nutznießer, sondern die Opfer der sozialen Spannungen und Umwälzungen sind. die weitaus giüßere Mehrzahl der Angestellten ebenso denke Und die fristlose Lntlassung des Klagers (ordert1.'1 In der Entscheidung berücksichtigt das Gericht auch die wirtschaftlichen Folgen tl e r Kündigung und bemerkt, es ginge nicht an, nur einseitig die Interessen des Dienstbereehtigten zu erwägen. Sodann heißt es in den Entscheidungsgründen tt.a. weiter: ..Ls ist mm der!!zldagten ohne weiteres zuzugeben, daß ihr :111( die Dauer die WciurbcscKifiigting eines Juden angesichts der mit der nationalen Levelmion zum J )urrhbnich gekommenen Anseliaiiung gegenüber dm! Jmlenium nicht ziemiimicn ist, und daß cs dalier durchaus versi iirid lieh , ra hcinl, weim sie das Vertragsverluhnis linier Einhaltung der viulraglich (e.ogeseizien Kündigungshist zu loses! surlü. Dies!' Art der Aull״n;r!g des Dirmstveiliäitnixsef hätte der bi-hcrigen f.iii-lelltir.g der Beklagten zum Klüger eiltspräche״, der im!z seines Judenunna bi,her von der Beklagten im Dienst bei.;dien worden Dt, und zwar doch wohl auch hauptsächlich «US dem Drumle, weil der Klüger während seiner lSjiibrigen Dienstzeit sich ui( Ins hat zu,rln1I<Ie11 kommen lassen, sondern .seinen Dienst stets zur /uliiedeiilieii der Beklag!en verseilen hat. Die fristgemäße Kündigung hülle aber imeh dem (.',eist und Sinn des Vertrages ent- .sprochen, da dieser Vertrug dein Kiiigcr im!׳';die der Kündigung einen Atispiuoh auf Rulnwckl zusicheit. Diesem (!eist und Sinn des Vertrages entsp׳jeht es nicht, wenn die Beklagte jetzt plötzlich das Judentum des Klagers rurn Anlaß nimmt, ihn fristlos unter Berufung auf s 828 Ii(HL ans dein Dicmae zu entlassen, um auf diese XV ui-i.*;•,ich ihrer vertrag! lüilJigen Yerpiüehnintr zur Zahluhfj des ver• einhat!ea Ruhryelik‘-, zu entziehen.“ Schadensersatzklage eines jüdischen Notars Die ״Juristische Wochenschrift“ vom '24. Oktober veröf« fenflicht ein Urteil des Reichsgerichts vom 6. Mat 493b, nach welchem die auf <]rund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstcllung des Berufsbcaintcntums vom 7, April 1933 getroffenen Entscheidungen politischer Natur und deshalb ihrem Wesen nach ungeeignet für eine Nachprüfung im ordentlichen Rechtsweg sind. ln dem entschiedenen Falle hatte ein jüdischer No• f a r, der Frontkämpfer i S. des § 3, aber wegen politischer Unzuverlässigkeit nach § 4 des angef. Gesetzes im September 1933 entlassen worden war, Ersatz des ilttn durch die Entlassttng aus dem Amte des Notars entstandenen Schadens int Wege der Klage vordem ordentlichen Gericht verlangt. Vor seiner Entlassung war der Kläger, der von Oktober 4926 bis Dezember 1928 der Sozialdemokratischen Partei angehört hatte, zu einer Erklärung darüber aufgefordert worden, ob er aktiver Zionist sei und sich in besonderem Maße als Verteidiger linksgerichteter Personen in politischen Prozessen hervorgetan habe. Er hatte darauf sein Bekenntnis zum Zionismus nicht in Abrede gestellt, jedoch bestritten, sich in dem angegebenen Sinn als Verteidiger betätigt zu haben. Die Entlassiiiigsverfiigimg enthielt die zur Entlassung fi'threnden Gründe nicht, deren Mitteilung auch später dem Kläger abgeschlagen wurde, weil eine gesetzliche Verpflichtung zur Bekanntgabe nicht bestehe. Die Klage wurde in allen Instanzen wegen Unzulässig• keit des Rechtsweges ab ge wiesen. Judenfrage und Religionsunterricht Der ״Westdeutsche Beobachter“ veröffentlicht die Zu- Schrift eines Lesers, in der die Zeitung aufgefordert wird, die Erzieher der Kinder darüber aufzuklären, wie sie sich verhalten sollen, wenn Kinder nach dem Besuch der Rcligionsst unde Fragen stellen, die einen inneren Konflikt infolge des im Religionsunterricht über Juden Gehörten und der von ihren Eltern den Juden gegenüber geforderten Ein- Stellung verraten. Es wird der Fall eines kleinen Mädchens angeführt, das erzählte: ״Wenn icii mit Mutti in die Stadt gehe, dann dürfen wir riie bei Juden kaufen. Der Religions« lehret׳ aber hat uns erzählt, daß Gott dein Moses den Auftrag gegeben habe, zehn Gebote für die Atensclien zu verkünden, Moses war aber doch ein Jude!“ Hierzu bemerkt die Schriftleitung, daß sie zunächst die Zuschriften von Eltern abwarten wolle, deren Kinder von ähnlichem Zwiespalt zu berichten wissen. Sie glaube, daß die Eltern an erster Stelle berufen sind, eiu/ugreifen und auch in religiösen Dingen einen für das Kind kompromißlos geraden Weg aufzuzeigen, wenn sie merken, daß ihr Kind Gefahr läuft, verstandesmäßig und seelisch in Verwirrung zu geraten, __ Juden in dermedizInischenFachpresse litt ״Aerzteblatt für Berlin“ wird ein Vortrag wiedergegeben, den Prof. Dr. Kurt Klar e auf der Tagung der medizinischen Fachpresse am 20. Oktober 1936 in Berlin gehalten hat. Er berichtet darin von der Ausschaltung der jüdischen Mitarbeiter von der medi/itiischcn Fachpresse. Mit dieser Ausschaltung sei zugleich eine Um* Stellung der ganzen Richtung vieler medizinischer Zeitsehrif• ten verbunden gewesen, die davon überzeugt werden mußten, daß Wissenschaft nicht Theoretisiercn um des Theoretisierens willen sei, sondern daß Wissenschaft, und gerade medizinische Wissenschaft, volksverbunden sein, d. h. daß sie aus Blut und Boden kommen müsse. Prof. Klare sagte sodann vt. a.: ״Bei den Buchbesprechungen ist erfreulicherweise die Kritik üblich, ja, ich möchte sagen, daß sie manchmal sogar über das Ziel hinausgellt. Hier möchte ich bitten, alles I'ersönlictie zu vermeiden, denn ״Haussfreitigkeiten“ machen immer einen schlechten Eindruck und erhöhen anrtt nicht unser Anselten im Ausland. Den Büchern jüdischer Autoren gegenüber, die ia meist über Oesterreich oder die Schweiz nereinkoinnien, bitte ich weniger objektiv zu sein, als wir das in der letzten Zeit lieobachten konnten. Handelt es sich um außergewöhnliche Ergebnisse bei den Veröffentlichungen, so werden wir selbstverständlich die letzten sein, die diesen Fortschritten der Wissenschaft unsere Anerkennung ver• «gen.־‘ ________ Die ״Allgetneinc Rundschau'1, Nürnberg-Zirndorf, vom 22. Gkt. meldet aus Sulrbach-Rosenberg: ,,Die vorige Woche verließ der Viehhändler David Prager Sulzbach-Rosenberg, um nach Amerika auszmvandern. Mit Prager hat der letzte Jude Sulz hach- Rasenberg verlassen, der der einzige Jude noch int Kreis war.“ tl.d.ZO Fabrik Primentfr!8« 46 Etk® S^baMianrtrnSe F«nkfurt*f All*• 804 m der GubfUbcrg^ritr. (NNImerutorfer Str.W ta der ÖUm*rck«traS« Bctlfdern-Betten*Jnlette-Bettwäsdie-Stfj4pu־.l)au11en<le(tefn Bcttsf<?llen-Matratzcn;,PRA־KLAPP-Patent-Sch1afialK»9l lZ®N «