Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 86 (27.10.1936)
- Date
- 1936-10-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 86 27 X. 1936 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Die Hetze im Irak Ist ״politische Parität“ möglich? Die vom ״Britischen Palästina-Komitee“ in London titrausgegebcne Zeitschrift ״Palcstiue•‘ äußert sich in ihrem letzten Leitartikel zur Frage des künftigen Verhältnisses stwisehen Juden und Araber in Palästina und schreibt u. a. dazu: ״Ein Vorschlag geht dahin, daß Juden und Araber sich auf politischer Parität einigen sollen; ein anderer Vorschlag, daß die Juden sich verpflichten, daß ihre Z a h I nietnals die der Araber in Palästina überschreiten soll. Keiner dieser Vorschläge aber scheint in dieser Form praktisch durchführbar. Was den ersten betrifft, so würde er zwar den künftigen politischen Einfluß der Juden beschränken, für viele jetzt folgende Jahre aber würde er ihnen einen größeren politischen Einfluß geben, als sie sonst hätten. Wir haben kein Vertrauen zu der Dauerhaf tigkeit irgendeines Systems künstlicher Gleichheit. Noch stärker sind die Limvände gegen eine künstliche Oieichheit der Ziffern. Es wäre unmöglich, dies auf die Datier aufrecht zu erhalten; aber sogar wenn es möglich wäre, könnte cs leicht für die Zukunft ein I lindeniis im Fortschritt des Landes werden. Politische Pläne, so geistvoll lind ehrlich sie auch sein mögen, können nicht die Umstände veransschen, die in zehn oder zwanzig Jahren eintreten werden, noch weniger für fünfzig Jahre und unbegrenzt. So sehr sich auch eine' solche Vercinbarung aus politischen Gründen für die nächste Zukunft empfehlen könnte, es käme eine Zeit, wo sie doch veraltet wäre. Die materielle und moralische (iröße eines Landes kann nicht in schroff festgesetzten Oren/.en gehalten werden. Eine andere Frage ist, ob irgendeine dieser Formeln für eine b»c g r e n z f e Zeit gelten könnte. Das wahre Ziel aber ist die Schaffung eines neuen palä- 'st i n e n si sch e n Patriotismus und eines Staatsbürgertums, das sieh über die nationalen Differenzen hinwegsetzt. Wenn eine Organisation in diesem (feiste gegründet werden könnte, dann würde später die Statistik der Volks/uge' ödgkeit in einem palästinensischen Parlament nicht mehr Bedeutung haben als die Feststellung des ethnischen Ursprungs (keltisch, sächsisch oder däuisoi) bei den Mitgliedern des briiisdien Parlaments. Jede künstliche Be- Schränkung der Mitglieder einer Volkszugehörigkeit im Lande mag eine vorübergehende Bequemlichkeit sein, würde aber ihre Bedeutung verlieren, je mehr es gelingt, diese neue Nationalität zu schaffen. Vielleicht, so schließt der Artikel, sollteil die Juden jetzt, nachdem die Kommission ihre Arbeit t>eginnt, ihre Gedanken in diese Ridiluug lenken.“ Zu den Ausführungen der Zeitschrift, die von einer Gruppe von Zionisten herausgegeben wird und deren Leitartikel meist der christliche Zionistenfreund S i d e b o 111 ,ו in schreibt, wäre freilich einzuwendeii, daß Juden und Araber in Palästina heute nicht bloß verschiedene Nationalitätengnippen sind, sondern auch Gruppen mit verschiedenen politisehen Zielen, in einem sehr fort geschrittenen Stadium der Entwicklung des modernen Nationalismus. Die Ueberwindung beider Nationalismen zugunsten eines gemeinschaftlichen Landcspatriotisnuis erscheint unter diesem Gesichtspunkt heilte noch eine größere Utopie als die Formel der politischen Parität“. Rückblick und Ausblick!tn ״Ilapoel hazair“ gibt J. Luf ban folgende Zusammenfassung der Ereignisse und ihrer Konsequenzen für die Zukunft: Die Tatsache, daß in dem vergangenen Jahre 5M6 dessen erste Hälfte 1ms infolge des italieiiisch-abcssinisclicn Krieges oder richtiger infolge der italienisch-englischen Spanmingen eine Wirtschaftskrise brachte und dessen zweite Hälfte von jenen blutigen politischen Ereignissen ausgefüllt war, die (noch jetzt nicht abgeschlossen sind, die Tatsache, daß in eben diesem Jahre, 42 060 Juden neu c i 11 g c w ändert sind und in die Wirtschaft eingegliedert wurden und daß wir jetzt nicht nur ans politischen, sondern in erster Linie aus wirtschaftlichen örüiiden eine neue Einwanderung brauchen, diese Tatsache war unsere Hauptstütze im politischen Kamp! um die Einwanderung, und sie wird uns auch wieder zur Seite stehen, wenn sich dieser Kampf morgen vor der Königlichen Kommission erneuern wird. Wir stehen jetzt vor der Bereinigung der blutigen Ereignisse der letzten Monate. Wir müssen uns auf die neue Lage und auf neue Entwicklungslinien vorbereiten. Nicht nur aullenpolitisdie Pläne warten unserer, sondern schwere innenpolitische Aufgabe n. Die jüdische Arbeit, die sich jetzt an vielen Orten in der Pflan/.ungs/.one voll und ganz durch gesetzt hat — ein Beispiel dafür ist P c t a c 11 - T i k w a!1 — muß sich dort halten und befestigen. Wir müssen unseren Anteil am Staatsdienste fordem und erlangen. Im Hafendienst, bei der Eisenbahn, im Postdienst, in der Beamtenschaft und bei öffentlichen Arbeiten müssen wir in ausreichender Anzahl vertreten sein. Besonders wichtig aber wird unser Anteil am Sicherheitsdienst sein. Es muß dafür gesorgt werden, daß der Poüzeidicnst als chahizische Aufgabe betrachtet wird mul nicht als eine Arbeit wie jede andere, die leichten Herzens aufgegeben wird, sobald sich eine passendere findet. Wir müssen auf jeden Fall unsere heutige Position im Polizeidienst zu halten trachten. Dies sind mir die wichtigsten Sonderaufgaben, die sich aus der politisehen Lage unmittelbar ergeben. Die mittelbaren Konsequen- , zen für das Siedhuigswerk und die allgemeine Aufbauarbeit sollen hier nicht behandelt werden. Die Eisenbahnverhältnisse In den Monaten der Unruhen, die eine starke Befundening des Kraftwagen Verkehrs bedeuteten, hat es sich gezeigt, daß die palästinensischen Eisenbahnen den Transportbedürfnissen des Landes nicht in entsprechendem Maße gewachsen sind. Schon in den vorangegangenen Jahren waren an die Mandatsrcgiening Forderungen nach Modernisierung und Verbesserung der Eisenbahn gerichtet warden, die die Ansprüche, die insbesondere der Zitrusexport an sie stellte, in den in frage kommenden Saison-Monaten nicht erfüllen konnte. Sachverständige hatten bereits mehrere Pcforinvorschlägc ausgearbeitet, durcligeführt worden sind sic jedoch noch nicht. Es wurden nur einige neue Lokomotiven und Waggons angeschafft und vor allem Waggons von der ägyptischen Eisenbahn nusgeliehen. Eine notwendige Vericgmig der Bahnverbindungen aus bevölkerungsarmen in verkehrswichtige Gebiete, eine Normalisierung des jetzt zeitmuhenden und kostspieligen Umsteige- und Umladcvcrkehrs durch Schaffung direkter Verbindungen, ein zweigleisiger Ausbau des Schienennet/es wurden nicht vorgenommen. Auch dat man keine neuen Laderampen und Güterschuppen ernchtet und die Erneuerung und Vervollständigung des Wagen- und Lokomotivparkcs hinausgeschoben. fn der Unruhczeit haben sich diese Mängel hesonders bemerkbar gemacht. Die palästinensische [*resse hat wiederholt auf die Unzuträglichkeiten hingewiesen, die sich durch eine Erhöhung der normalen Reisedauer auf •das Doppelte und die bis zum äußersten überfüllten Personen- ™Sie und Güterwagen ergeben haben. Güterwagen auf der Strecke nach Jerusalem waren in den letzten Wochen für Je!1 privaten Verkehr überhaupt nicht zu erlangen, weil das <esamte rollende Material für Militärtransporte notwendig war. Die in den letzten Monaten mehrfach vorgenommenen ■ arifscnkimgcn für Gütertransporte von Haifa nach Jerusalem 1״d Jaffa-Tcl-Awiw sind durch dm Mangel an Güterwagen Jnd die sonstigen Unzulänglichkeiten praktisch gegenstamlsos geblieben. Irakische Regierung gegen Judenhetze Die Ausschreitungen in den letzten Wochen, bei denen mehrere Juden den Tod gefunden linken, haben die irakische Regierung zu einer Kundgebung veranlaßt, in der es heißt: ״Gewisse Unruhestifter haben aus der Lage in Palästina Vorteil gezogen und versucht, selbst 11*111 der Beendigung des Generalstreiks den E r i e d e n 11 11 d d 1 c E i!1 t r a c ii t z vv i - s c 11 c n vers c 11 i e d e n e n T eile :1 d c r B c v ö I k c r u 11 g durch gewisse M i 11 e I u 11 d ü e r ü c 111 e z u s t ö r e n. Angesichts dieser verahsclieuenswiinligeil Versuche versichert die Regierung der ()Öffentlichkeit, dal) sie alle Maßnahm •n ergriffen hat, um die Uebeltäter zu bestrafen und die öffenthelle Sicherheit zu schützen und 11-iB sie zu diesem Zweck IJ n t e r s 11 c 11 11 11 g e n e i!1 g e I e i t e t hat gegen Personen, die den Frieden zu stören versuchten.'‘ Zwei weitere Todesopfer Trotz der Erklärung der Irak Re;!'c־ung, daß sie für die persönliche Sicherheit (7er Juden sorgen werde, sind zwei weitere Juden, und zwar ein Regiariingskeamter in einem Dorfe bei Basrah und ein Krankenhaus-Gehilfe in Bagdad, ermordet worden. Aus Bagdad wird berichtet, daß im Laufe der vergangenen Woche noch weitere Morde begangen worden sind; Einzelheiten sind in Jerusalem noch nicht bekannt. Die antijüdische Agitation nimmt täglich an Umfang und Intensität zu. Vor einigen Tagen sind Flugblätter verteilt worden, die mit der Unterschrift ״Terroristen-Organisation“ versehen waren und die Mohammedaner zur Ermordung der Juden und Plünderung ihrer Habe aufriefen. Unter den Juden des Irak herrscht große Erbitterung darüber, daß dieser gefährlichen Propaganda nicht mit genügender Ein Reisebericht Im ״Haarez.“ berichtet ein palästinensischer Lehrer und Forscher unter dem Pseudonym C 11 a r a w i über seine Reise zu den Juden des Kurdistan und des Irak. Wir entnehmen dem Bericht folgende Mitteilungen, die sich auf die Juden eines kleinen Städtchens in der Nähe des alten Ur Kasdim im alten Babylonien beziehen: Von der arabischen Poli/cistation ging ich am Abend des Simchath-Thora-Fcstes in das strahlende Haus des jüdischen Gemeindevorstehers. Dort war alles versammelt, Kinder und Enkel, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter in den verschiedensten Lebensaltern. Jüdische und nichtjüdische Dienstleute umstanden uns und bedienten lins bei Tisch. Das Haus war nicht schön von außen, von innen aber barg es eine Menge Zimmer rund um einen Hof, Veranden, die von allen Seiten der Luft Zugang boten, mit europäischen Betten als SclFafgdegeuheiten. Ich aß nur wenig ,und fand auch nicht viel Schlaf. Am folgenden Tage wurde ich mit meinen Gastgebern vertrauter. Einer der jungen Leute war des Englischen mliehfig, ein anderer war in Palästina gewesen tmd sprach hebräisch. Der Hauptbesitz der Familie ist ein Palmenwald, der mehrere tausend Bäume ׳zählt, auch besaßen sie Wohnhäuser in der Stadt. In der Stadt leben 120 jüdische Familien unter mehreren tausend fanatischen Schiiten. Der Aufstand der Schiiten war in der Stadt nicht merkbar, da die Regierung hier sehr stark ist und bald mit ihm fertig wurde. Auch Haß gegen die Juden macht sich nicht bemerkbar. Einmal im Jahre 1 935 bestand die Gefahr eines Ueberfalls auf die Synagoge am Jom Kippur, aber die Regierung vereitelte diesen Plan. Die Juden unterscheiden sieb wenig von den übrigen Einwohnern, sie sprechen arabisch und kleiden sich wie die Bevölkerung, auch sind sie meist arm und einflußlos, Trotzdem sind sie in dieser schiiti- Wirtschaftsnachrichten fn der letzten Ausgabe des amtlichen Commercial Bulletin wird mitgcteilt, daß in Haifa im ersten Halbialir 1036 1011 t Rohöl aus der Irak-Petrolciim-I.eitimg im Werte Werte von SO!) 033 Pfund verschifft wurden. Davon gingen 736,170 t nach Frankreich, 171,317 t nach England, 02,515 t in andere Lander. Wie sich herausstellt, bietet die Td-Awiwcr Mole EiTcichterung für Fischfang in den Tel-Awiwer Gewässern, infolgedessen können die Juden nunmehr sei bst gefangene Fische aut den dortigen Markt bringen. Die E i 11 f 11 11 r v o n K raff w;1 g e 11 nach Palästina ist im ersten Halbjahr 10)0 um mehr als zwei Drittel gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres /iirückgeg.iiigen. Nur 560 Wagen wurden importiert. Im ersten Halbjahr 1035 waren es 17077. Die Einfuhr v1,<־ K״aftr.;1d an ging vo'1 '291 auf 50 zurück. <0e Einfuhr v11״ Gummireifen und Kraftwagen/ubehö tulcn uin ־'a t die Hälfte. Jugendalijah bei der Arbeit Aus Tcl-Awiw wird uns geschrieben: In einer Beilage des ״Dawar“, die den palästinensischen Jugendgruppen gewidmet ist, schreibt ein Mitglied der J 11 g e u d a I i i a 11: Wir kamen nach Tel Josef und hatten noch nicht gearbeitet, kannten nicht das!.eben im Kibbuz, wir kamen aus einem ganz anderen Klima nach Palästina. Der Uebcgang war so schnell, daß einem die Reise nach Palästina wie eine Ferienreise verkam. Und so ging es uns auch mit der Arbeit. Anfangs arbeiteten wir bei der Maisernte. Zuerst ging alles ganz glatt, es schien uns leicht wie ein Sport, wir sangen und arbeiteten um die Wette und die Sonne brannte uns braun. Das dauerte aber nicht lange. NX'ir spürten bald Langeweile, wir waren nicht daran gewöhnt, Tag für Tag dasselbe zu arbeiten. Wir waren zu einer sehr licißeu Zeit, im August, nach Palästina gekommen und das erschwerte die Sache. Viele wurden krank, manche bekamen Furunkulose und Wunden. Zuweilen gingen von 40 mir 6 zur Arbeit. Das waren die schweren Uebergangserscheimmgeii bei der Eingewöhnung. Bald horten wir auf, alle dasselbe zu arbeiten. Eine neue Frage tauchte auf: die Fachbildung der ein- /einen. Bei der Besprechung, die der Neuordnung vorausging, wurde klar, daß viele von uns nicht Landarbeiter werden wollten, sondern Handwerker. Die Jugend, die noch keine Beziehung zum Kibbuz, gefunden hatte, wollte sieh nicht an diese Lebensform binden; es war ja auch eine städtische Jugend, ohne Verbindung mit dem Landleben, und so wollte sie sich einen Ausweg lassen und ein Fach wählen, das die Möglichkeit gab, in die Stadt zurückzukebren. Noch eine interessante Erscheinung trat hervor: die Neigung zur S c luv c r a r 1) e i t, man nannte das ״Radikalismus". Fächer wie Gemüse- und Gartenbau lockten nicht. Weil es aber unmögßrh war, alle diese Wünsche zu hef-iedigen,?0 wurden viele 'Wirtschaftszweigen zugeteilt, die sie nicht erlernen Energie entgegengetreten wird. Fs wird darauf hingewiesen, daß die Juden des link, als das englische Mandat aufgehoben wurde, und der Irak als selbständiger Staat dem Völkerbund beitrat, freiwillig auf die ihnen z.ustehenden Rechte einer nationalen und kulturellen Minderheit verzichteten. Damals hatte der Irak-Vertreter im Völkerbund vor aller Welt erklärt, die Rcgierung werde von sieh aus die Gleichberechtigung der jüdisehen Minderheit garantieren und ihre nationalen und kulturellen Belange wahniehinen. Die Irak-Regierung, so wird von jüdischcr Seite erklärt, habe keines dieser Versprechen gehalten. Seit Jahren wird die jüdische ku turellc Tätigkeit eingeschränkt, sogar religiöse Bücher in. hebräischer Sprache dürfen in das Land nicht eingciülirt werden. Die Juden dürfen auch keine Zeitung hcrausgebrn, so daß sie nicht in der Lage sind, ihre Beschwerden vor der Oefteilt icliked vorzutragen und die Verleumditngen ihrer Gegner /iirückzmveiscn. Die Irak-Presse schweigt geflissentlich die Falle antiiüdischen Terrors tot und beteiligt sich vielfach au der judenfeindlichen Hetze. Jede prozionistische Tätigkeit ist im Irak verboten. Solange König heisal lebte, wurde der anti jüdischen und antizirm ist Ischen Propaganda noch einigermaßen Einhalt geboten, zionistische Arbeit war in beschränktem Maße möglich. Die arabische Zeitung ״Al-Diia“ Feuchtet, daß eine Kornmission, bestehend aus vier (jesandten, die die arabischen Staaten vertreten, in B a g d a d eingerichtet werden soft, um den Standpunkt der Araber in Palästina zu unterstützen. J e r 11 s a I e m, 21. Oktober (J'TA.j Im Zusammenhang mit der arabischen antijüilischen Agitation im Irak hat sich auch die Lage der Juden in ehr nunmehr ungegliederten im Norden des Landes gelegenen Provinz K 11 r d i d a n erheb i 11׳ vc׳rschlechtert. Die dortigen Juden haben wonnig ich noch mehr zu leiden als ihre Brüder im eigentlichen Irak. Häufig werden sic durch kurdische Banditen ausgeplündcn, kiirdi-n he Feudale lassen mitunter jüdische Mädchen für ihre Harems einfaiigeii. Die kurdischen Juden gelten geradezu als Freiwild. sehen Gegend keineswegs sicher, obgleich sie dort seit den Tagen des bahvlonisclien Exils wohnen. Auch ist der Widerhall des Hasses der palästinen-ischen A.aber groß. Freilich sind die Schiiten von den Arabern Palästinas durch die Religiot! geschieden, aber der Multi von Jerusalem weiß diese Differenzen geschickt zu umgehen. In seinen Aufrufen erwähnt er niemals die Omar-Moschee (die Schiiten sind erbitterte Gegner des Kalifen l )mar. Red ), sondern die Moschee Al-Aksa, die schon im Koran erwähnt ist. In der Sviingoge fand ich Juden in verschiedensten Trachten. 1 iic alt er e Generation kleidet sich wie die Fellachen und Beduinen clor Umgehung. Die langem Bärte gehen ihnen ein windiges Aussehen. Sicher hat das Festhalten an dieser Tracht ,auch wirtschaftliche Grunde, denn in solcher Kleidung ist es leichter in den Dörfern der Umgehung Handel zu treiben. Männer mittleren Alters tragen den türkischen Fez und europäische Kleidung oder zum mindesten das europäische Jackett und orientalische Hosen. Es ist interessant, daß die Juden an dem hergcbrachten Fez mehr festhaiten als die Araber, bei denen die Gebildeten ihn nach dem Beispiel der Türken mit dem europäisehen Flut vertauscht haben. Die jüngere Generation trägt zu europäischer Tradit die Feisulia, die Mütze der irakischen Nationalisten. Die Vorschriften der Religion werden vielfach von den jüngeren Leuten nicht mehr gehalten, aber die schönen Synagogenbräuchc sind bestehen geblieben. So bleibt am Simchnth Thora die Thorarolle auf der Estrade und die Gemeinde macht die Umzüge um die Estrade herum ohne 1 horarolle. Während der Umzüge werden außer Bibelversen auch kabbalistische Gebete gesprochen. Es gibt aber am Ort keine Kenner der Kabbala mehr und auch in Bagdad sind ihrer nur wenige. Das Fiersagen solcher unverstandener Gebete trägt sicher viel dazu bei, das Verhältnis zur Religion zu lockern. Jede weltliche nationale Tätigkeit ist den Juden dort strengstens untersagt. wollten. Meiner z\nsieht nach war das ein großer Fehler, junge Menschen, die noch kein Verhältnis zur Arbeit hatten, zu einer Arbeit zu /wingen, die sie ablelinten.! )enn dadurch konnte man das gan/e Verhältnis dieser Menschen zur Arbeit für die Zukunft zerstören. Nach einem Jahre bekamen wir alle feste Arbeitsplätze. Wir kamen in festgeordncTe Arbcitsvcrliailnisse, die bis heute ainlaueiu. Zuweilen, wenn Not an Arbeitski äften war, arbeiteten wir auch ganztägig und das Lernen fiel aus. jetzt fiel uns auch die ganztägige Arbeit nicht schwer, wir!!allen eben inzwischen arbeiten gelernt, wir batten ein persönliches Verhältnis zur Arbeit gewonnen, und wir sind jetzt zum Daseinskämpfe gerüstrt Umschichtungskursus in Mikweh-Israel. Uns wird geschrieben: Unter den Olim, die in den letzten Jahren ins Land kamen und noch kommen, bciimlen sich viele, besonders auch Menschen mit Kapital, die Geh ansiedein wollen. Die meisten von ihnen kommen aus städti-chen Berufen, waren Angestellte, Kaufleute oder Rechtsanwälte, so daß sich vorerst die Notwendigkeit ergab, diese zukünftigen Siedler auf Flachscharah 711 schicken. Aber solche Ausbildungsplätze gibt es wenige und nicht alle sind geeignet. Fs war ein besonders guter Gedanke der Hitacliduth Ol ei Germania, durch das Entgegenkommen von 1 )ir. K r a u s e, in M i kweh• Isra cl, der bekannten landwirtschaftlichen Schule, während der Ferien der Schüler einen vicrwöchcntlichen Kursus zu veranstalten. Hei Kursus umfaßte vier Abteilungen der Schule, nämlich Kulistall, Gemüsegarten, llulmerstai! und Obstbaumzucht, Zirka '20 Teilnehmer versammelten sich zu Beginn des Kursus und wurden während einer Führung durch das weite Gelände der Schule (2600 I >unam) mit den einzelnen Zweigen vertraut gemacht. Ein von Schülern gewählter Waad verteilte die Teilnehmer in den verschiedenen Arbeitszweigen, nach Neigung und Wunsch eines jeden. Morgens um 6 Uhr begann die Arbeit, in Gruppen ging es auf die Felder und in die Ställe. Bis 711m Mittag wurde gearbeitet, dann traf man sich zum gemeinsamen Essen, Der Kursus war ein voller Erfolg. Hatte der eine oder andere geglaubt, in so kurzer Zeit nicht viel lernen zu können, so wurden seine Erwartungen bei weitem iibertroffen. üearheiiet wurde bis zum Mittag, wiihreiul der Nachmittag atisgetüllt war mit Unterrichtsstunden, in denen die Lehrer der einzelnen Zweige die Schüler in all die Dinge einweihten, die man sonst mir während eines Jahres lernt. Z B. Kraftfnttcrmischung für Kühe und Hühner, Veredclungssortcn für Obstbäume; Anbauzeiten; Wässerungs-, Diingungs- und Sclindlingsvertilgungsarten für Oemüse 11. a. m. Außer den vier angeführten Gruppen liefen noch zwei Kurse über Weinanbau und Tierkrankheiten. Alle Teilnehmer versammelten sich nach Schluß des Kursus zu einer kleinert Feier, in welcher sie ihren Dank denen zum Ausdruck brachten, die diese Ausbildung ermöglicht hatten. Hervorzuheben ist noch, daß alle Einrichtungen des Instituts den Praktikanten unentgeltlich zur Verfügung standen, wie über- Haupt, außer den Vcrpflegungskosten, keine sonstigen Ausgaben für die Teilnehmer entstanden. P.inchas Brand ו 1 k fi 1 I f ' t H ן 1 ‘ 1 ’ t;V