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Jüdische Rundschau · 1936-10-27 · Heft 86 (27.10.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 86 (27.10.1936)
Date
1936-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 86, 27. X. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 ,,Die Europäisierimgr des Orients“ Dieser Tage erschien in London (Verlag Roulledge) und in Amerika die englische Ausgabe des Buches ״Die Europäisierung des Orients‘‘ von Hans K 0 11 n, dessen deutsche Ausgabe vor einiger Zeit im Schockcn-Verlag in Berlin iierauskam. Dies lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf dieses Werk, das durch die Ereignisse der letzten Zeit besonders aktuell geworden ist. Gibt cs uns doch einen Einblick in die umwälzenden Vorgänge, die sich im Orient nach dem Kriege abgespielt haben, und ohne deren Kenntnis die Lage, in die (besonders im Verlaufe des letzten Jahres) Palästina hineingezogen wurde, gar nicht zu verstehen lind richtig zu bewerten ist. In den letzten 18 Jahren ist die Entwicklung einem Zustand entgegengereift, wo sich das neue Antlitz dieser Völker deutlich zeigt, da die junge Generation, erzogen in den neuen Vorstellungen und Ideen, maßgebenden Einfluß gewinnt. Hans Kolm war einer der ersten, der die Tragweite dieses weltgeschichtlichen Prozesses erkannt und in drei großen Werken und vielen kleinen Schriften eingehend dargestellt hat. Das letzte Buch gibt, gewissermaßen als einen Abschluß dieser Reihe, ein zusammenfassendes Bild der aufstehenden konfliktreichen Welt des Orients in politischer, wirtschaftlicher, und kultureller Beziehung. Kohn begnügt sich nicht damit, Einzelheiten und Beobachtungen aneinanderziircihen, er stellt vielmehr diese Wandlungen in ein geschichtliches Zeitgemälde, das seinen Hintergrund in der großen hellenistischeil Kultur der Antike hat und dessen oft weit zuriiekweisende Elemente und Motive der Verfasser ans Licht zieht. In seiner Darstellung durchdringen sich geschichtliche und geographische Ausgangspunkte, Zeit und Raum. Der Nahe Orient hat schon einmal, im Gegensatz etwa zum Fernen Osten, auf den gleichen geistigen und sozialen Grundlagen gelebt wie Europa. Diese Gemeinschaft der Miltelmcerkulturen ist dann zerfallen; Europa ist seit der Renaissance rapid seinen eigenem Weg gegangen, während der Orient in einen Zustand der Ruhe zurücksank. In unseren Tagen vollzieht sich nun das gran-!Lose Schauspiel einer E 11 r o p ä i s i e r n n g des Orients, die wieder die Völker von Orient und Okzident auf die gleiche Lehensstufe lieht, Hans Kolm schildert nun die Art und Weise, in der die Europäisierung sich vollzieht. Es ist eine geistige, wirtschaftlich-soziale und psychologische Wandlung, die eine neue Denkungsart und Aktivität mit sich bringt. Imme; kennzeichnet sie die Loslösung: von feudaler und religiöser Bindung; und den Uebergang zu kritischer Geistes- Faltung, moderner Organisation und Sclbstandigkeitsbewußtsein. Die Europäisierung kann (unvollkommen) von außen an die Völker hcrangef ragen werden (in der Form des Impcrialisnius), sic kann aber auch von den Völkern selbst ausgehen in der Form des Nationalismus, und in dieser letztere! Form ist sie viel wirksamer, sie berührt nicht, wie im ersten Fall, nur die Oberfläche, sondern sie schafft ein neues Volk, das mit den Mitteln seiner eigenen t:1!־׳׳wiisierttng Europa als herrschende Macht ans dem Lende vertreibt. Die Grundlagen des orientalischen Nationalismus sind also seiir komplexer Art. Es ist notwendig, die äußeren Bedingimgeii, die Eigentümlichkeit der Wirtschaft und der Geographie, die Verkehrsverhältnisse, die Entwicklung der Technik und schließlich die politischen Verhältnisse nach dem Kriege zu berücksichtigen. Als weitest fortgeschrittener Typ der Europäisierung wird die Türkei ausführlich behandelt. Andere Staaten, wie Irak, Iran, Afghanistan, folgen ihrem Vorbild. Die Rolle der Sowjet-Union, die Lage der Mindertietten, Luft- und Bahnverbindungen, imperialistische Ten-!lenzen der großen Mächte, alles dies wird in seinen Zusainmeuhängen bei der Gestaltung der neuen Weit des 1 irients dargesteilt. Heute würde das Buch einer Ergänzung bedürfen, da insbesondere die Rolle des aufstrebenden Faktors Italien, der seine Interessen im Orient immer stärker anmeldet und auch direkt in die politischen Geschicke eingreift, noch nicht genügend berücksichtigt ist. Pa- I ä s t i n a wird in dem Buche nicht als besonderes Land behandelt, obwohl auch die jüdische Einwanderung in Palästina zweifellos ein bemerkenswerter Faktor im Prozeß der Europäisierunpi des Orients darstellt. Der Autor hat sich das Ziel gesetzt, vor allem diejenigen Kräfte zu behandeln, die von dem Nationalismus der neuen oder erneuerten orientalischen Völker nach dem Weltkriege ausgingen. Durch Jen Siegcs/ug des Nationalismus, der heute das formende Prinzip für alle Länder ist, sind wir in eine Situation geraten, die keiner früheren vergleichbar ist, so daß sich ״das Gefühl einer die ganze Erde umfassenden Zeitenwende allen Völkern ohne Ausnahme mitteilt, den einen in beinahe überheiler, schmerzlicher Bewußtheit, den anderen in dunklen Ahnungen“. Das Erwachen der uralten Völker des Orients, die die ältesten Kulturträger der Menschheit gewesen sind, ist für den Autor ein Symbol dieser neu anbrechenden Epoche, die, wenn das vorstürmende Leben nicht in Chaos ausarten soll, der Unterordnung unter eine neue geistige Ordnung bedarf. So endet dieses Buch mit geistigen Perspektiven, die über den begrenzten Gegenstand hinatisgehen. Es ist zu erwarten, daß auch die englische Ausgabe als eine willkommene Einführung in Probleme, die in englisch sprechenden Länder״ als besonders dringlich empfunden werden, begrüßt werden wird. Wer die jetzige Lage Palästinas, •bis durch die letzten Vorgänge in die BcZiehungssphäre der anderen arabischen Länder geraten ist, würdigen will, muß ocii mit den in dem glänzend geschriebenen Buch dargestellten Tatsachen vertraut machen. Wieder ein Berufstod eines jüdischen Röntgenologen. Unser Wiener j. R.-Berichterstatter schreibt uns: Wieder ist innerhalb we:.: ,er Monate ein bedeutender jüdischer Rönt- L'cuoiogc ein Opfer seines Berufes geworden. Dozent Dr. Fritz Eisler, Primarius am Wiedener Krankenhaus, wohin er vor 1״ehr als anderthalb Jahrzehnten zum Vorstand des Röntgenbistitutes dieses Krankenhauses berufen wurde, ist im Älter von nur 53 Jahren plötzlich gestorben. Der Tod, als dessen unmittelbare Ursache ein Verschluß der Herzkranz-Gefäße angegeben wird, ereilte den in Wien sehr bekannten Rönt-?enologcn am Volant seines Autos auf der Fahrt in seine Wohnung. Von ärztlicher Seite wird dieser plötzliche Tod »d die schon seit langem anhaltende Allgemein- > c 11 ä d i g u!1 g d u r e h die R ö ntgenstrahlc n des Do- «Uten Eisler zuriickgefülirt, der gleich den ihm im Tod ‘Oraiigcgangeneii zahlreichen Pionieren der Röntgenologie >n Röntgenverbrcnmingcn der Hände litt. Ucbcrdies wird er *E Opfer seiner außergewöhnlichen Gründlichkeit hei Rönt-?enuntersuchungcn bezeichnet. Galt doch der Verstorbene ds der bedeutendste Röntgendiagnostiker Oesterreichs. Noch {»letzt auf dem jüngst in Wien;!!!gehaltenen ersten Rönt-?enologcn-Kongrcd ♦rat Dozent Eisler mit einem viel be- 'diteten ReW-at über ״Diagnose der Knochen- und Gelenkfkrankungen“ hervor. Dozent Eisler, der aus Boskowitz in fahren stammt, genoß nicht nur als Forscher und Diaguosti- <fr, sondern auch als Lehrer außerordentlichen Ruf. Die " ׳ener Rönlgeusclmle beklagt in dem Verstorbenen, der wh stets als Jude bekannte — er war der Bruder des wka'iitcn Kunsthistorikers Universitätsprofessor Dr. Max 1 ב s 1 e r —, einen ihrer besten Repräsentanten. Polnischer Hochschul •Antisemitismus Wa r s c 11 a u, 23. Oktober. (JT A.) Die Fi andclshoc 11schule in Warsch a u, die nach schweren juderiteiiullichen Ausschreitungen nation;!:demokratischer Studenten geschlossen werden mußte, ist wieder geöffnet worden. Nach der Wiedercröffmmg kam es nur zu einigen unbedeutenden Zwischenfällen. Dagegen wurden an den! Polytechnikum jüdische Hörer mißhandelt, die nicht auf abgesonderten Bänken Platz nehmen wollten, in einigen Fällen wurden die Forderungen der nationaldemokratiseben Studenten auch von Mitgliedern des Lehrkörpers unterstützt. An der Universität wurde in yvvei Fällen durch Aimmden einer speziell hergcrichtcten Masse übelriechende Rauchentwicklung hervorgerufeu. Die Zwischenfälle sind auf die Agitation der iiationaklemokratischen Studenten zurück- «!führen, die immer wieder Flugblätter verteilen, in denen zu Gewalttaten gegen die Juden aufgefordert wird. Gesteigert wurde die Erregung der nationaideniokrntisclien Studentenscliaft dadurch,!laß die Leitung der bisher von Nationaldemokraten verwalteten studentischen Organisation für gegenseitige Hilfe an die im Regierungslager stellende akademische Jugend iibergegangen ist. And! die Haltung des Rektors Professor M i k 1 a s z e w s k i, der jedem Versuch, die Ruhe und Ordinnig an der Hochschule zu stören, energisch enfgegeiitritt, inißfallt den antisemitischen Nationaldemokratcii. Diese sind ferner darüber aufgebracht, daß dem sogenannten ״Wirtschaftskreis“, der unter dem Deckmantel Wirtschaft*!!issenschädlicher Betätigung den Nationa'dcmokraten als Agitation*- Zentrum diente, von eien Uni!ersiiätsbcliörden das Lokal an de! Hochschule entzogen wurde. An den übrigen Hochschulen, der Hochschule für politische Wissenschaft, an der Landwirtschaftliche« Hochschule, der Volksuniversität, der Kunstakademie und anderen Hochschulen herrscht vollkommene Ruhe. Im Zusammenhang mit den letzten antisemitischen Exzesseil an der Warschauer Handelshochschule, dem Polytechnikum und der medizinischen Fakultät der Josef Pilsudski-Utiiversitat sprach der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs, Dr. S o m 111 e r s t e i 11, heim Vizekultusminister Prof. A ti j e j s k i vor und ersuchte ihn, die Rechte und die Sicherheit des Lelu'iis der jüdischen Studenten zu schützen. Das gleiche Ersuchen stellte Dr. Soinnierstein all den Warst׳flauer Regicrimgskoimnissar. An der medizinischen Fakultät der W j| 11 a e r U 11 i v c r - s i f ä t ordnete Prof. .M a s / y n s k i an, daß die fünf jüdischen Studenten in seinem Hörsaal eine ״Ghettobank“ cinnchmcn. In Lodz drang eine Gruppe in das von armen Juden bewohnte Balut-Viertel ein und mißhandelte zahlreiche jüdische Passanten. Zwei Juden, Schlomo Rosenkranz und Henoch Auerbach, wurden erheblich verletzt. Hochschul• Krawalle in Lemberg Lemberg, 25. Oktober, (JTA.) Die Universität ima die Technische Hochschule in Lemberg sind wegen schwerer j 11 denfeind lieber Ausschrcitun ge 11 der nationa!demokratischen Studenten geschlossen worden. Die Exzesse liegannen mit einer Kundgebung gegen Professor Bartel, den früheren Ministerpräsidenten, der einen natianaldemokratischen Stundcntcn wegen einer antisemitisehen Rede aus dem Iförsaal gewiesen hatte. Vor der Technischen, Hochschule hielten die Natioiialdemokraten eine Ver- Sammlung ab. Nachher wurden in jüdischen Geschäften die Schaufenster zertrümmert. Zwanzig jüdische Studenten sind verwundet worden, fünf von ihnen und ein christlicher Student, der sie zu schützen versucht hatte, so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Di« polnische ״Staatsorganisation‘‘ Warschau, 23. Oktober. (JTA.) Die Gerüchte, daß Juden von der neuen jiolnischcn Staatsorgan Nation, die unter dem Namen ״Lager der staatlichen Aktion׳‘ durch Oberst Adam Koc gebildet wird, ausgeschlossen sein sollen, bestiitigeu sich nicht. So meidet jetzt die national-radikale antisemitische Zeitung ״AB(:״, daß einer der Programmpunkte der neuen Formation uiigelähr folgendermaßen lauten wird: ״Wir!vollen alle unters c h i e d Io s mobilisieren: Arbeiter, Bauern, intellektuelle, Gewerbetreibende, Juden, Ukrainer, einen jeden, gleichgültig, ab er zu dieser oder jener Partei gehört.“ Unter dem Hinweis auf die Zulassung der Juden zu der neuen Staatsorganisatiou deutet!las Blatt an, daß die radikal-iiationalistisriien Kreise sich ihr wohl fern halten dürften. Eine Aeußerung von maßgebender Steile zu diesen Mitteilungen ist bisher noch nicht erfolgt. Politische Repräsentanz der Juden in Polen Warschau, 23. Oktober. (JTA.) ln einer Sitzung des Zionistischen Zentralkomitees für Polen, an der auch der Ehrenvorsitzende des Komitees, J. Grün ha uni, Mitglied der Exekutive der Jcwisli Agency, sowie die Mandatare des Nationalen Blocks in Repräsentanz und Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde teiinahmen, wurden außer der Lage in Palästina und in der zionistisclien Bewegung auch Probleme der jüdischen l'olitik in Polen und der Gemeindearbeit besprochen. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige politische Lage des polnischen Jinlenttinis wurde beschlossen, die Bildung einer p o I i t 1 s c 11 e 11 (!es a in t v 0 r t r e 111 n g der Juden in Pole n an/ustrehen. Diese Repräsentanz, soll ans den in Polen ansässigen Mitgliedern der Instanzen des Jüdischen Weltkongresses bestehen, wobei die Bereit- Willigkeit ausgesprochen wird, in diese Virtretung auch Vertreter derjenigen jüdischen ()rganisationcn auf/unehnien, die sich an dem Weltkongreß nicht beteiligt haben. in Bezug auf die G e in e 1 11 d e politik i 11 W a r s c h a tt wurde nach längerer Ausqn aelie beschlossen, daß cs die Aufgabe des Nationalen Blocks sein müsse, eine Zusammenarbeit aller drei gleich starken Gruppen in der Gemein de, der Zionisten, Agtuli-ten und BumlMen, herbei/iiführen. Hiescr ein stimmig gefaßte Besch hiß wird einer in den nächsten Tagen emzuhemfenden Versammlung des Nationalen Blocks vorgelegt werden. Erörterung des Auswanderungsproblems Das ״Berliner Tageblatt״ bringt eine Meldung seines Warschauer Korrespondenten, wonach der polnische Außenminister Oberst Beek von der englischen Regierung zu einem offiziellen Besuch nach London eingehden worden sei. Unter den Gesprächsthemen, über die verhandelt werden soll, nennt der Korrespondent auch die A u s w a ntlcrungs- und Judenfrage in Polen. Oberst Beck!!־erde kurz vor seiner Abreise jn der ersten Häifte des November eine zionistische Abordnung in dieser Angelegenheit empfangen. Pariser Brief Von unserem Berichterstatter Dr. Hantke in Paris K. Paris, 25. Oktober Der Direktor des Keren Hajessod, Dr. Arthur Hantke, hält sich z.ur Zeit in Paris auf, um die in Frankreich begonnene Kampagne für Mifal Bizzaron zu unterstützen. Dr. Hantke wird in einer Versammlung der Zionisten aus Deutschland sowie der Wizo über die augenblickliche Lage in Palästina und die Aufgaben der Gallith spreche». Die Aussichten der Kampagne für den Mifal in Frankreich werden günstig beurteilt. Wenn sich die eingesessenen französischen Juden auch bisher zurückhaltend gezeigt haben, so hat die Zeiclintmgskantpagnc unter den anderen jüdischen Gruppen gute Erlolge zu verzeichnen. Man hofft datier, daß die Zeichnungen bis nahe an das für Frankreich festgesetzte Kontingent (1s Million fres) herankommen werden. Diese günstigen Zcichmtngsergehnisse zeigen das trotz der Unruhen in Palästina wachsende Interesse der jüdischen Gruppen in Frankreich für den Palästina-Aufbau. Für eine jüdisch-arabische Verständigung In den französiselien Kolonien in Nordafrika sind zur Zeit Bestrebungen int Gange, um eine Ahsclnviiclmng des bedrohlichen Rassenhasses herhej/uführen. Auf dem museimanischen Kongreß, der vor kurzem jn Algier stattfand, wandten sich verschiedene arabische Redner gegen die Agitatoren, die durch ihre aufreizende Propajpiiula den Frieden zwischen den verschiedenen in Nordafrika lebenden Bcvölkertnigsgruppen stören. Die Redner forderten die Eingeborenen zu ז Einigkeit und zum Frieden auf. In Dran kam es nach einer Mitteilung des ״Droit de Viere“ zu einer Verhnidcnmgsku ndgebung zwischen der arabischen und der jüdischen Bcvölkcrung. Anläßlich des mohammedanischen I esttages Ouadda zog ein aus Tausenden von städtischen und ländlichen Eingeborenen bestellender Zug, der unter der Führung des ik'lteichs von Ouazzan stand, vor die Synagoge der Stadt Oran. Der Präsident des Konsistoriums von Oran, Albert Sin ad ja, sowie der Großrabbiner David Askcnui, traten aus dem Tempel heraus und begrünten den Scheich. Es wurden Reden gehalten, in denen der Friedenswunsch beider Bevöikerungsteile betont wurde. Trotz dieser Friedenszeichen darf man aber nicht verkennen, daß die aktive antisemitische Propaganda fortgesetzt wird. Bei dieser Gelegenheit sei auf die Neugründung einer französiselien Kolonialzwtuug ״I a Voix de la France d'Öutre-Mer“ hingewiesen, die sich für eine soziale Politik in den französischen Kolonien sowie für!‘ine Verstäudigimg zwischen den Bcvölkertingsgrtippen cinsetzeii wird. In ihrer ersten Nummer kündigt das Blatt den Beginn einer ausführlichen Enquete über das palästinensische Problem an. Jüdische Musik an der Schola Cantorum Im November wird an der Pariser Schola Cantorum ein Kurs über die jüdische Musik beginnen. Der Kurs wird von Leon Algazi geleitet und in der Eröffnungsvorlcsung wird Edinond F 1 e g das Wort ergreifen. Lf-011 Algazi wird in 24 Vorlesungen das gesamte Gebiet der jüdischen Musik, die kultische Musik, das Volkslied, die moderne jüdische Musik tistv. behandeln. Im Rahmen des Vorlesungszyklus werden mehrere kommentierte Konzerte Jüdischer Musik stattfinden. Demonstration gegen Prof. Kelsen Der ״Volk. Beobachter“ vom 23, Okt. meldet aus Prag: ״Die Prager Deutsche Studentenschaft demonstrierte heute in würdiger Weise gegen die Lrnemiung des jüdischen Emigrauten I)r. Hans Kelsen zum ordentlichen Professor für Völkerrecht an der Prager Deutschen Hochschule. Kelsen war bis Id33 Professor a;1 der lhiiveisitat Köln. Die letzten drei Jahre lebte er als jüdischer Emigrant in der Schweiz und in Amerika. Seine En1enn1m.11 zum ordentlichen Professor am Karolincum der Deutschen Prager Hochschule wurde im Frühiahr d, J. durch den Staatspräsidenten Beneseh vollzogen. Kelsen sollte heute seine Antrittsvorlesung 11.11teil. Als er zu sprechen begann, erhob sich die Studentenscliaft und verließ geschlossen den Hörsaal, in dem nur einige Juden zurueKblicben. Die Kundgebung!־erlief in voller Ruhe und Disziplin. Lediglich einige indische Stil- Ti denfett, die zu provozieren versuchten, wurdeti zurechtgcwiesen. Zu Tätlichkeiten ist es jedoch nicht gekommen. Trotzdem bauscht die jüdische Presse die Vorfälle ungemein auf und verlangt, das Unterrichtsministerium möge schärfstens durchgreifend‘ Prof. Kelsen, ein Vertreter der sog. ״reinen" Staatstheorie im neukantianischen Sinne, ist unseres Wissens aus dem Judentum ausgetreten. Das Unterrichtsministerium hat nach einer DNB.-Meldung an den Rektor und den Dekan der juridischen Fakultät der Prager Deutschen U11ivcrsit.it sowie an ihre gesamte Hörerschaff eine ״letzte Warnung" gerichtet. Darin wird angedroht, daß der Unterriclitsmiuisier im lalle einer Wiederholung der Unruhen die juridische Fakultät sofort schließen werde. Gleichzeitig behalte sich das Unterrichtsministerium neue legislative Eingriffe vor, die diesen Unruhen steuern würden. Bei der zweiten Vorlesung Prot. Kelsens am 23. Oktohet kam 1s erneut zu Zwischenfällen. Hierüber berichtet die ״Frankfurter Zeitung“ vom 21. Oktober: ״Vor lind nach der heutigen Vorlesung, die im übrigen durchgeführt werden konnte, kam es wiederum zu Demonsfratioueii, diesmal auch zu Gegendemonstrationen der linksgerichteten deutschen Studenten, die dabei von linksgerichteten tschechischen Studenten unterstützt wurden. Auch der Präsident des tschechoslowakischen Senats, Dr. S o n k u p, ein führendes Mitglied der tschechischen Sozialdemokraten, wollte die Vorlesung Kelsens in off.trhar demonstrativer Absicht besuchen, wurde aber nicht eingelassen, weil angeordnet war, daß nur die bei der juristischen Fakultät eingeschriebenen Studeuten zum Zutritt berechtigt seien.“ Hierauf hat auf Anweisung des tschechoslowakischen Uri* tcrrirhtsministcriums der Dekan der juristischen Fakultät der Prager Deutsche!! Universität den Vorlesungsbetrieb an der juristischen Fakultät bis auf weiteres gesperrt An! S. November findet auf den! Horse <!11.111K’ Paradefcld in London die diesjährige Gefallenengedenkfeier der jüdischen Kriegsteilnehmer Englands statt, Feldmarschall Ford Mil ne soll den Vorbeimarsch der jüdischen Kriegstcjlnchmer abnehmen.

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