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Jüdische Rundschau · 1936-10-27 · Heft 86 (27.10.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 86 (27.10.1936)
Date
1936-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Italien wehrt sich nach was man hier als die ״Hegemonie outiiuicii Mittelmeer“ und ״Linkreisungspoiitik" 11 d das, was an dieser Stelle besonders interzu machen. — Mas zeichnend für eine auf lange Sieht ge. Kräften gegen da:-, Lnglaitds u;s bezeichnet. I cssiert: es wird dadurch gewollt oder ungewollt in eine;iiiti/ionietische und /um Teil geradezu antisemitische krönt gedrängt. I me 1 iiiutdlung, die um so bedauerlicher ist, als sie allen bisherigen Aenliermigeu •Mussolinis und auch dem praktischen Verhalten der italienischen Regierung in der jüdischen klage wiuer-.p1ici1t. Zwei Dinge macht man heute in Italien den Juden /um Vorwurf: den Zionismus, in dem man einen der wichtigsten Verbündeten Englands im östlichen Mittelmeer erblickt und der! man damit ohne weiteres antiitalienischer Sympathien Rußkiiul, de Beschlüssen Eingreifen i ntcer al’mjh diese Iktti um sielt!!! lliseiiismt.s Ausdtuck k wer 11 ci!. Ls das leider 11 Tendenzen verdachticd, (iruml ist uiwcrc.s zu;;eilen in m w JllileUt d e r Z 1 1 A u t b a in dt;1 es sein Ucfahr Mittihmtr uiiti den beiden (in nur für das Au in den k.mdg und ihre angeblichen den Sozialismus bzw. Kommunismus und für 1 Bündnis mit der Türkei zumal nach den Konferenz um Montreux und dessen jüngstes eii Sp,ä;11 e-iik!mflikt den Italienern im .Mittel- 1;:iswiipnthnch zu werden beginnt. Man muß ule keimen und diese /us.iinmenliange sehen, u.is Warum der bmiicr in Italien und im :1! spiiiii.iien und jetzt immer häufiger zum '•'.eUtieii amisemitischeti Tendenzen klar zu auch kt;neu /.weck, diese Entwicklung, wie .!i-chcii Kreise.׳! so vielfach geschieht, einfach 1 igitoi icras zu wollen, 1 raditens richtiger, den mul beizeiten Vorsorge .Mittdineerbindern und dir an einem ruhige 1 1*;1 1 a s t i n a iiiteres-ier I Dingen auf den zu treffen. Das gar!/ besonders II und steten ist, sind gewiß ht weltpolitischen kragen neutral. Sie müssen .ich A!a» Ausdruck bringen, da sonst die daß d 1c anglo-italienische Spannung im ein etwaig,er bewaffneter Konflikt zwischen kn.teilte•]! vtm schwerwiegenden Folgen nicht uuverk in krez Israel und für das Judentum bieten de Mitte! me er es, sondern eile der jüdischen üemeinschaft darüber begleitet hinaus für grolle wäre. Die wohlverstandenen Interessen des Judentums, seine Selbstbehauptung und Selbstverteidigung verpflichten auch den einzelnen Juden in seinen politischen Kundgebungen 7ur S v 1 h s f b e s c h r ä n k 11 n g 11 n d R e s e r v e mul vor allem zur äußersten Neutralität. Einer Neutralität, die nicht mit Interesselosigkeit und Sterilität zu verwechseln ist, sondern die lediglich einem Gebot der Stunde entspricht, das heute das gesamte Judentum zur Selbstbesinnung und Selbstverteidigung auf 111 ft. Liberale Partei Englands gegen e-5 WS9 C39 Angriffe auf Juden L o 11 d o n, lalen Partei kn Mini-terpr.isith. zuge-andt wur Ehe 1' \t '׳.u vor der Karn;•, fische Burger : org.mi-it r!t1,׳ A ruhiut 11b-׳r!1; 25. Oktober!teil 1' (JTA.) Die Exekutive der Eibe- :ol.;c11de Reuoiutitm gefaßt, die dem 111 und dem Iniierinuniuter SimoU i V e ■Olt n 1k droht. 1! ' aut, mim gniiene V׳' Tat In :: 1;t, litt! llltll'C SCilll'/e;! tes Maliini katoriut lie! im 11; 11 Ai;1 \ rra 11 Bukarest, 25. Verbände* ■der rui'1,1 aus den Mitgliedern und Abraham h a I i k über die gegenwärtig der rumänischen sind auch van afa Judenheit zu informieren. Die beiden Herren dem Ministerpräsidenten (ilicorge Tata- Jüdischer Wahlkampf in Wien;r.'tlci! Partei bringt ihren AbseheU s. Iiucliterung un.l der gegen engukens in tkc-em kaittie gerichtete!) Am-dnick. Sie i-t crn-t.ich beuninnen von < unva 11 meihoden, wie!eil 111 der letzten Z.cit, 'neuimders i-;iru,. k kamen, die einem großen 1,1 veruruat, Ilten und. falls sie 1111■ werden, 1111-01־c demokratischen Pc ie- und Verwininkuiig-freiiicit tive luttlert daher die Regierung inu'iniiiiister dein Parlaitient ge- .,:icheit, daß der 1׳a־-et/iirhe Appai'di-rht heiifall■■ ver-tarkt werden wird, eu vor Verlcuiinlungin und Angriffe zu nieiitier Wahrung de- \'er>ammiur1gsreeh- :!en, um Aufmärsche offenkundig provozu 1 erbieten. Der Antisemitismus in Rumänien ()!;toi'ur. (JTA.) Eine Abordnung des ir-diui Juden in Amerika, l'K: aU; he ml der Vcrbumlsleitung Herman Speie r 1ut 111 Bukarest eingettoffcn, um sich politische und wirtscfiaftiiche Lage res cu empfangen worden. Der Ministerpräsident erklärte, die gegenwärtig im Lande herrschende j 11 d e n f <׳ i 1! d! i c 11 e S t i m 111״ n g werde von der Mehrheit der Bevölkerung nicht geteilt. Die judenfeindliche Bewegung jn Rumänien werde nicht von Dauer sein. Die Regierung, so versicherte der Ministerpräsident, werde für den Schutz der Interessen der jüdischen Bürger Rumäniens Sorge tragen. im Rahmen ihrer ■Mission hat die Abordnung der rumimischen Juden Amerikas auch mit einer Reihe anderer rumänischer Staatsmänner, darunter mit dem Vorsitzenden der Rumäni'clicn Vollmpartci und Führer der rumänischen Armee im Weltkriege, I ddniarscliail Avercscu, Rückspräche gepflogen. Dm bereit* wiederholt angesagte Massenkundgebung der Vereinigten (.hri-tlichmitionalen Partei C 11 z a s und Oogas ist bis zum S. November verschoben worden. Der Aufmarsch, au dem sich nach den Erwartungen der Parteileitung etwa 250 000 Menschen beteiligen werden, fallt mit der Feier des s>0. (iebuitstage» des Aiiiisemitenfubrers Prof. A. C. Cu za zusammen. Trotz der von verschiedenen Seiten geäußerten Bedenken hat der Innenminister die Kundgebung unter der Bedingung gestattet, dal! die Veranstalter Gewähr dafür leisten, daß es bei dieser Gelegenheit nicht zu judenfeindlichen Ausschreitungen in Bukarest kommt. Vor den Kultus wählen Von unserem Berichterstatter J.R., Wien, 25. Oktober Endlich ist man so weit, 14 Tage vor den Wahlen in den Wiener Kultusvorstand, daß man klar sieht, wie der Aufmarsch der Parteien vor sich gehen wird. Die Parteien haben ihre Fronten bezogen und sich in Form von Wahlaufrufen den Wäldern präsentiert. Sie sind auch sonst bemüht, soweit es die gegebenen schwierigen Bedingungen, die das allgemeine Versammlungsverbot ihnen auferlegt, zulassen, einen Kontakt mit den Wählern herzustelien. Leider ist in Presse und Flugblättern, die die verbotene Vcrsanimlungsagitation zu ersetzen haben, ein überaus heftiger aggressiver Kampfton gemeinsam, der mitunter das in Wahlkämpfen übliche Maß an Gehässigkeit übersteigt und auch vor Verunglimpfung und persönlicher Beschimpfung gegenseitiger führender jüdischer Persönlichkeiten nicht zurückscheut. Dem objektiven Betrachtet obliegt es festzustellen, daß diese Kampfmethoden jenseits jeder ideologischen Auseinandersetzung, dem jüdisehen Empfinden von der Respektierung des Gegners auch im Kampfe, gänzlich fremd und zuwider, von einer geradezu erschreckenden Verwilderung und Intoleranz zeugen. Einige Zahlen Die Wahlen finden am 8, November statt. Insgesamt gelangen 36 Vorstandssitze zur Vergebung. Oie Wahlen erstrecken sich auch aut die künftige Zusammensetzung des ״Vertreterkollegiums‘' (in Berlin Vorstand, A.d.Red.), sowie der Bezirkskommissionen der Jüdischen Gemeinde. Insgesamt sind es rund 45 OüU Männer und Frauen, die aut ürund des Kultuswahlregulativs das aktive Wahlrecht besitzen. Diese Zahl, die bei einer gesamtjüdischen Einwohnerschaft von 17(! 000 Köpfen kaum ein Viertel der jüdischen Bevölkerung Wiens umfaßt, ist um 000(1 weniger gegenüber den 54 000 Kultuswählern bei den letzten Kultuswahlen Im Jahre 1034. Dieser Rückgang hängt einerseits mit dem stetigen Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Wien in den letzten Jahren zusammen, der wieder sowoltl durch die Vergräsung der jüdischen Bevölkerung und der damit verbundenen 11 o 11 e n S t c r b 1 i c 11 k e i t s z i i f e r, der eine unheimlieb niedrige Geburtenziffer gegenübersteht (in den letzten HS Jahren hat die jüdische Bevölkerung um 25 000 Köpfe abgenotnmen. Das letzte Jahr hat die stärkste Stcrbliclikeitsziffer seit 1018 erreicht), als auch durcli eine gewisse Abwanderung von Juden (sei cs Rückwanderung von Ost juden oder aber auch Auswanderung nach Palästina und anderen Ucberseestaaten) begründet ist. Schließlich darf in diesem Zusammenhänge nicht der wichtige Umstand der fortschreitenden Verarmung der jüdischen Bevölkerung übersehen werden, die einen empfindlichen Abstrich an Ktdtussteuerzalihmgen gerade in den letzten Krisenjahren notwendig machte. Einige wenige Zahlen demonstrieren am de 111 liebsten diesen Prozeß <lcr Verarmung des jüdischen Mittelstandes, der es mit sich gebracht hat, daß die Zahl der Steuerzahler seit Beginn des Jahres 1020 von 60 000 aut die heutige Ziffer von 45 000 gesunken ist. Allein in der Gruppe der Bankbeamten hat die Jüdische Gemeinde etwa 400□ Steuerzahler eingebüßt. Die Zahl der Steuerzahler in der Gruppe der Banken und der 'Börse war vor einem Jahre aut rund 325 gesunken. Etwa 25 000 Zensitcn — der größte Prozentsatz aller Kultusstcucrzah’er — rekrutieren sich aus den Vertretern des Handels, der Industrie und des Gewerbes. Die freien Berufe stellen 4293 Steuerzahler. All diese Umstände zusammen genommen sind für die Verkleinerung der Kultuswählerschaft bei den diesmaligen Wahlen mehr als ausreichend. DI« Parteien Um die 36 Vorsteher-Mandate bewerben sich insgesamt wohl 6 Listen, die aber nach ideologischer oder weltanschaulieber Richtung hin schließlich zwei Kamptparteien bilden, die sielt auf dem offenen Kampffelde gegenüberstehen. Folgende l isten haben ihre Kandidaturen angemeldet: ״Z i o n i s t i - sehe Liste“, ״Soziale Arbeitsgemeinschaft — Liste des Arbeit e n den P a I ä s 1 i n a“, ״Liste der Union deutsch österreichischer Juden“, ,,Liste des A d o 1 f - S t a n d - K! u h“ und schließlich eine ״Liste der jüdischen Jugend“, Die 0. Liste ״Für Einigkeit und wifklicke Gleichberechtigung“ (Listenführer der bekannte Laryngologe Universitätsprofessor Dr. Max Hayek) soll, wie verlautet, zurückgezogen werden. Die ,,Zionistische Liste“, umfassend die B-O tuppc ■der Allgemeinen Zionistc-n (Landeskoniitee), Judenstaatspartei, Radikale, Revisiotiisten und Misrachi, repräsentiert die gegenwärtige zionistische Majorität des Wiener Kuitusvorstandes, Diesem zionistischen offiziellen Block steht von zionistischer Seite die Liste des Arbeitenden Palästina, sowie der Adcrlf-Stand-Klub und die Liste der jüdischen Jugend gegenüber, die sich aus ehunaligeii unzufriedenen Jugendbünde!! des zionistischen L.miesverhaiuies 7usammensctzt und somit erstmalig als eine Jugendgruppc mit selbständiger Kandidatur in den Kultus- Wahlkampf eingreift. Der eigentliche grundsätzliche Kampf spielt sich aber nach wie vor in’der Hauptsache zwischen den zionistischen Parteien und der ,,Union“, die nach jahrzehntelanger Herrschaft in der Wiener Kultusstube im Jahre 1032 die Majoritat eiubüßte und die Führung an die Zionisten abgeben mußte. Die ״Union" war im letzten Vorstand {׳-- Reprisentantenvcrsammlung — A. d. R.) nur mehr durch 11 Männer (nncfulcm 4 Vertreter der sogenannten ״Werktätigen Juden“, ebenso wie die 4 Vertreter der ״Poale Zion“ durch die Fehruar-Erctgnissc des Jahres 193! aus dem Kultusvorstand haben ansscheiden müssen und der Vorstand nunmehr auf 23 Mitglieder reduziert wurde) gegenüber 17 Zionisten vertreten. Zu Beginn dieses Jahres haben die Vertreter der ״Union“ aus Protest gegen gewisse Personal-Entscheidungen der zionistischen Majorität ihre Mandate im Vorstand niedergelebt, in der Erwartung, den Vorstand beschlußunfähig zu machen. Die Vorgeschichte des Kampfes Dieser erbitterte innerjüdisclte Kampf wurde durch folgentfes Ereignis ausgclöst: Der langjährige zionistische Vize- Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwenherz, der ein Jahrzehnt lang diese Funktion ausübte, und seit der zionistischcn Führung auch das Finanzreferat innehatte, hatte eines Tages diese beiden Aemtcr zurückgelegt und sich um die durcli den im vorigen Sonuticr erfolgten Tod des Amtsdirektors Fuchsgelb freigewordcitc Stelle eines ersten Sekretärs und Amtsdirektors der Gemeinde beworben. Der zionistische Klut) hatte diese Kandidatur als sachlich begründet bezeichnet und beschlossen, sie unter allen Umständen durchzuführen. Ein einziger zionistischer Mandatar, der Vertreter der Radikalctt, Dr. Leopold Plaschkes, war aus prinzipiellen Erwägungen gegen diese Kandidatur eines gewählten Funktionärs. Diesen Standpunkt hatte die unionistische Minderheit im Vorstand schon vorher anläßlich der Ernennung des zionistischen Kultusvorstehers Prof. Moses Rath zum Direktor der Kultusgemeindebibliothck mit größter Erbitterung vertreten. Der in den letzten anderthalb Jahren mühevoll zustandegebrachte Burgfrieden zwischen den jüdischen Parteien hatte auf einmal einen empfindlichen Riß bekommen. Die ״Union“, deren Einfluß im Wiener jüdischer! Leben in den letzten Jahren starke Einbuße erfahren hatte, fand jetzt ein überaus wirksames Kampfmittel, um gegen die ״Personalnoütik“ der Majorität Sturm zu laufen. Und der kleine Kiiltusstcuerträger zeigte zweifellos diesen konsequent geführten Argumentationeu der ״Union“ ein geneigtes Ohr. Vergessen schien auf einmal die für die gesandt׳ Wiener jüdische Bevölkerung geleistete dreijährige wirklich großartige Arbeit, die seit der Installierung der zionistischen!Majorität in der Seitenstetten- . .. auf Bewilligung eines Biidgctprovisorimns am 30. Dezember vorigen Jahres haben die- Unionisteii gegen gestimmt, wie überhaupt diese letzte Budgetdebatte des Jahres, die noch vom gesamten Vorstand beschickt war, die Minderheit in einer nicht gerade imponierenden Rolle gesehen, ihre Sprecher konnten der damaligen gediegenen programmatischen Rede des zionistischen Kiiibobinanttes und spateren Vizepräsilenten I)r. Jakob Ehrlich, der in einer von hohem Niveau getragenen grundsätzlichen Analyse den Unterschied zwischen zionistischer Weltanschauung und der der ״Union“ aufwies, nichts erwidern. Der programmatische, ideologische Kampf hatte an jenem Abend begonnen. Leider ist all das, was in der Folge geschehen ist, weit von einem ideologischen Kampf entfernt. Die ״Union“ hatte sich nicht mit ihren Protestschritten innerhalb der Gemeinde begnügt, sie scheute vielmehr auch nicht vor solchen bei der! nicht-jüdischen Behörden zurück. Ihre Eingaben wurden bis nun vom Wiener Bürgermeister und dein Magistrat abgewiesen. Eine Verhandlung vor dem Obersten Gerichtsliof steht noch bevor. Diese klare Entscheidung der nicht-jüdischen Behörde 111 einer rein jüdischen Angelegenheit bedeutete natürlich für die Kreise der ״Union“ einen recht schweren Schlag. Denn inzwischen harte der rein zionistische Kultusvorstand die reibungslose Fortführung der Gtmeindegeschäfte ermöglicht, ein ordentliches Millionenbudget zeitgerecht verabschiedet, und, wie die Entscheidung der Aufsichtsbehörde ausfuhrt, alle verfassungsmäßigen Voraussetzungen erfüllt. Trotz dieser schweren Schlappe hat sich die ״Union“ auch in der Folge überaus ungeschickt in Szene gesetzt, indem sie durch Aufrollung der Ostjude nfragc einen Keil in die Wiener Judenschaft hineiiizutragen versuchte, gar nicht zu reden von anderen unerquicklichen Dingen, die da vom Stapel gelassen wurden, und die die jüdische Solidarität jenseits aller ideologischen und weltanschaulichen Differenzen aufs schwerste beeinträchtigen mußten. Begreiflich, daß dies auf zionistischer Seite eine entsprechende _ Reaktion auslöste. Dali die Hitze des Wahlkampfes bisweilen Kamplformon mit sich bringt, die es den Kampfparteien nicht erlauben, objektiv den Wert der sich bekämpfenden Persönlichkeiten und Gruppen abzuschätzen, ist wohl bekannt. Aber, und das ist etwas, was über die Wahlkampfzcit hinaus von Bedeutung ist: die Zionisten haben eine andere Tradition in ihrem Kampf der inner jüdischen Auseinandersetzung. Und schließlich haben die Zionisten es nicht notwendig, sich Kampf inethoden ihrer Gegner aufoktroyieren zu lassen. Der Zionismus hat auf ' soviel Positives auch in den engen Grenzen der Wiener Jüdischen Gemeinde hinzuweisen, daß dies« seine Leistung allein, seinem Kampf Rückgrat zu geben vermag und keiner persönlichen Aggressivität bedarf, die nur dem großen Ziel, dem er dient, Abbruch tun kann. Denn schon hat sich die antisemitische Presse dieses innerjüdisehen Kampfes bemächtigt und weist mit unverkennbarem Wohlbeilagen auf die gegenseitigen schweren Anwürfe hin. Die zionistische Verwaltung der Wiener Jüdischen Gemeinde hat in ihrer vierjährigen Tätigkeit mehr als die bloße Feuerprobe bestanden. Sie kann auf außerordentliche Leistungen, die den objektivsten Kritiken standzuhalten vermögen, zurückblicken. Leider ist der Zionismus in Wien durch die große Kraftaufwcndimg der Zionisten in der Kultusstube, der Absorption aller wertvollen zionistischen Energien für die Aufgaben und Interessen der Jüdischen Gemeinde, gänzlich vernachlässigt worden. Wenn man also gegen die zionistische Majorität in der Wiener Kultusgemeinde einen Vorwurf erheben rollte, müßte dieser gerade von zionistischer Seite aus geschehen. Von der Mandatskommission Von unserem Berichterstatter Genf, 25. Oktober. Am 27. Oktober beginnt die XXX. ordentliche Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes. Auf der Tagesordnung dieser Session stellt die Prüfung־׳ der Jahresberichte der Mandatarmächte in Französisch- und Britisch- Togo und Kamerun, Taaganvika, Ruanda-Urundi (belgisches Mandat) und den Inseln im Stillen Ozean unter japanischem Mandat. Gleichzeitig wird die Kommission eine Anzahl von Petitionen und verschiedenen Mandatgebieten prüfen. Die Kommission wird andererseits die Erklärungen zur Kenntnis nehmen, die der Vertreter Großbritanniens in den letzten Tagungen des Völkerbundsrates und der politischen Kommission der Völkerbutulversatumlung bezüglich Palästin as abgegeben fiat. Die darin dargelegte Stellungnahme der britischen Regierung macht, wie bekannt, eine Prüfung der Palästinaprohlemc durcli die Mandatskommission während ihrcr am 27. Oktober beginnenden Tagung unmöglich. Es ist noch nicht bekannt, ob der italienische Vorsitzende der Mandatskommission, Graf Theodoli, an dieser Tagung teilnehmen wird. Trotz, der Nichtteilnahmo Italiens an den Arbeiten des Völkerbundes hat Graf Theodoli an den Arheilen der Mandatskommission im Juni teilgcnommcn. Die Mitglieder der Mandatskommission sind ad »ersonam vom Völkerbundrat ernannte Experten und nicht Delegierte der Regierungen ihrer Herkunftsländer. Genf, 24. Oktober. (Palcor.) Auf der Tagesordnung der Sitzung figurieren auch 16 teils arabische, teils jüdis c ne Petitionen im Zusammenhang mit Palästina, datierend von März bis Juni!9 io. Die jüdischen Petitionen stammen meistens von Revisionisten. Angesichts der bekatmten ablehnenden Haltung der Mandatarmacht gegen eine Prüfung des Palästina-Problems durch die Mandatskommission vor Ergebnis der Prüfung: der Royal Commission ist eine eingehende Behandlung dieser Petitionen während der jetztgen Tagung unwahrscheinlich. Hanptachriftldterj Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter« Kurt Loewenstein, Berlin W 15. AnxeiKenleiter and verantwort, lieh für den Inhalt der Anreger!« Hermann F i n n, Berlin VV 15. Gültig Anzeigen Preisliste 6 ron 1. April 1930.!'erlag und Anreigenveiwahung! Jüdische Rundschau, Berlin VV 15, Memekestr. 10. D.-A. September 35 112. — Dtuck: S. Schoicm, Berlin - Schöneberg.

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