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Jüdische Rundschau · 1936-10-23 · Heft 85 (23.10.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 85 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 23. X 1936 Line H’jssonsdinftlichc Misdina-Arbeit Line außerordentliche Förderung der wissenschaftlichen Bearbeit׳m!; der MFdinn bedeutet die kurzli.li in Upsala (Schweden) erschienene Arbeit von l)r. A. Btodv ״Der M i s c h n a Tr a k t ה t 1' a 1 m i d“. Der Verfasser gibt darin den vollständiger! Text dieses Misdina-1 raktates sowie die deutsche Ueberset/mu; und versieht diese mit einem außerordentVii s״rgf;i'tig bearbei:e eit um1',vigreiebcn textkritischen und sachlichen Kommentar, der diese Arbeit zu einem Stattdarduerk erst«! Ranges macht, in der Fin'oitung gibt Dr. Brodv fine I ).irstcllung der ein/cliicii Handschriften, aut tlic *r stell bei seiner Arbeit ge-tiitzt hat, sowie eine Auseinander- Setzung nut den bisherigen Bearbeitungen und Ausgaben, Den Traktat Talniid hat er für seine Arbeit gewählt, weil sich dieser, wie er schreibt, ״an und für sich' grollen Ansehens und lebhafter Aufmerksamkeit der ’wissenschaftlichen Welt erfreut, so daß die Semitistik, die die Notwendigkeit der Herstellung eines den kritischen Anforderungen der modernen Wissenschaft genügenden Misehnatextes längst erkannt hat,darin eine Aufgabe «dien muH, die Ausgabe dieses Traktates zu besorgen, ziirttal die Anzahl und der Wert der vorhandenen Handschriften m diesem Traktat weder kleiner noch geringer ist als zu anderen Traktaten um! zumal den Handschriften dieses Traktats viel Material für die Einteilung in Gruppen abgewonnen werden kann'‘. Das Werk ist wohl keine Lektüre für den wissenschaftlichen Laien, in der gelehrten Welt aber wird es gewiß mit großer Befriedigung aulgenommen werden. l-ine A bralmin - Novelle Ernst Fürstenthal: ״Abraham“. Jüdische Buchvereinigung. ״Nugae Nabbinorum" .- Phantasien der Rabbincn — nannte ein früheres Geschlecht vtrachliich den reichen Kranz von Midraschiin sind Aggadoth, mit dem unsere Väter jedes Wort und H'tii'S Seli• 1 tt/vuTum der Bibel umwanden. Heute liest in:!!; alle diese Midraschim mit;indem .Augen; wir (inden 111 ihnen einen reichen Schatz von volkstümlicher Dichtun״, du mitunter auch dem spateren Geschlecht unmHtelbar ans Heiz greifen kann. So ging es einem jungen jüdisehen Schi 1 fIstrTher unserer Tage, der von ganz andern Bezirkin her kau! und sieh auf st mein Wege zum lebendigen Judentum in die Welt der Midra-eli- und 1 laggadah-l iteratur, diese beul,;vtninuT hecken indische! Volksdichtung, versenkte. So ׳,ntst.iml slitses Buch: eine Novelle, deren 1 leid unser Vater Abraham, seilte Vorfahren und seine Widersacher, seine Gebnrt und seine Erwählung geworden ixt. Es ist ein -etisaim-s < ieheimnis um die Entstehung dieser altmdinhei! Sagen. ״Geburt der Sage aus dem turnte des Wortes" konnte man ihre Entstehung mit einem schwachen Anklange an ein berühmtes Buch nennen, jedes Wort lind jeder laut 1111 Bibeltevt steiit fest, darf nicht \erruekt werden; aber in da-, Wort iiineiimisteigen, jeden Buchstaben darin zu begründen und neu /!! vertiefen — das ist altgelieiligte Sitte der Baak* Apgadah. Lin Buchstabe eines Namens wird im Text verluden — wie etwa hei josna, der aus Hosea umgenannt wild ׳ gleich ist die Aggadah mit einer Sage bei der Hand, Solche Midraschim sind in unseren Tagen in sehr ven! 1er1st\״!len Sammlungen zusammengefügt worden (vor allem von Rawnit/ky und Bialik im Seier Haggadah, dann ,von Bin Gorion, (iinsherg 11.;1.). Zunächst in reiner VX iuiergahe 11 er alten Duellen; immer aber liegt mm auch dem Schriftsteller die Versuchung nahe, aus diesem kostbaren Gut altneue Erzählung zu tonnen, wie es Furslenthai in diesem Buche getan hat. Keine wissenschaftliche Abhandlung in poetischer Form wollte er hier gehen — obwohl er sich seine Arbeit nicht leicht gemacht hat, und die Aitmerktingen und Nachweise zeigen, dal) er sich nicht auf das Studium der (,hiellen aus zweiter Hand beschränkte, sondern aus 1km Originalen seihst schöpfte. Als Ausdruck eines Herzens, das zu der Welt der Väter heraufstieg, um sich von dort Trost und Stolz, zu in 1km, will das Buch genommen werden. Und in dieser kidinmg wird es auch den Leser beeinflussen. Kann sein, dal) manchmal dm sprachliche Ausdruck nicht ganz einheitlich gegluckt ist: vielleicht auch dringt hier und da ein Element moderner Gefuhlsseiigkcit hinein, die in dieser uralten wilden Weit der Berge und Wüsten, der Tyrannen und Got/en als ein ״frennb'r Tropfen in 1 Blute"' erscheint. Aber das Gan/e war ein schönes, ernstes Buch, das wohl geeignet Et, aut uns vEvn;סס Wnkumt au-zmibea, die der Verfasser selbst seiner Ik -iheftignm; mit den alten Midraschim verdankt: uns Trust 11:1d Aufrichtung, Stolz und Erbauung zu spenden, I ):!bei ist es so lebendig und abwechslungsreich geschrieben, 11,11! es neben den Grüßen auch reifere Kituler mit [retiden k>en werden. —SS. I in hebräisihes \S iVrterhud» M. A. Wiehert: ״Neues H״hrSisch-l)cuf«d1es Wörterbuch“. Vci lag Beil;1:11:11 Ibir/, W en, Jernvilem 1'Bb. In.!י nun׳ hebr.::-.; l.-dcilt-i lie \V!.! tu;׳ buch wird hestimmt tune vorhandene Lucke in der hebräischen lexikaio1: 0' .׳ I : 11 ׳1;;'1 ,־׳ a!1 -;;׳חי״״ Die bereit י״ Vorhand! ne!! hebräischdeutsiIo 1: Eis lu'iiwortirbueber reiche״ insofern nicht ganz aus, a!s su: t ut weder die neuen Wortbildungen noch nicht enthalten, ml. - das biblische und nuchbiblische Schrifttum mir s, br um . d'-t.uiuip IwruckskTitignt. I'roi. \\ Ksen, Lehrer am hehl ,dseheil Pädagogium in Wien, 111:1b u: es m:T1 zur Aufgabe, den Wortschatz, der heute in i1,׳ .istma beim Schreiben und Sprechen benutzt wird, we•:! •111 c•ml heianzu/ieheii. So wurden zum erstell Male die Wörterbücher des ועד הלש1ן und die neuen Wort- Bildungen von Bialik (zirka Wb) in einem hebräisch-deutsehen VörtcBtirh verarbeitet. Um «Tis Erlernen zu erlekhlern, ist dem Wörterbiirh t:'11׳ ,griomtalischer Anhang beigegeben, in vve'rhcm die Deklinafioii und Konjugation der schweren Forrrten anuofiihrt wird. Zu begrüßen ist es auch, daß der Verfasser den קמץ קטן durch ein besonderes Zeidien kenntlich gemacht hat, um auf diese Weise zu einer korrekten Aussprache zu verhelfen. Au Der dem grammatischen Anhang ist eine Zusammen- Stellung und I!crichtigung der häufigsten Fehler, die beim Schreiben und Sprechen sielt eingebürgert haben, beigegeben. Mit einem kleinen Verzeichnis der häufigsten Ähbrcviatuten (ראשי תבות) schließt das Wörterbuch. Die Ausstattung ist gut, der Druck sehr klar Zum SchltiII soll hier noch auf einige kleine Mängel hin• gewirben werden. Das Verzeichnis der Abbreviaturen ist unvollständig und sollte bei einer neuen Auflage erweitert werden. Auch einige Druckfehler sind zu verzeichnen. Es muß heißen א^וה'(Tanne) und nicht אחשזירפן׳ א1#ח und nicht אחשדרפן (Satrap). Warum der Verfasser אטליז (Fleischladen) und nicht אטליז vokalisiert, ist nicht einleuchtend, da diese Form אטליז sich durchgesdzt hat und auch in der talrnudischen Literatur איטליז zu finden ist, woraus ja hervorgeh♦, daß schon zur taimudischcn Zeit אטליז gelesen wurde. Ich würde יעלה (weibl. Steinbock) der Lesart יעלה v«־ziehen (s, Esra 2, 56). Trotz dieser geringfügigen Fehler kann dern Wörterbuch weite Verbreitung gewünscht werden. J. ben I. Blick in Das Land des Weihrauchs The Southern Gates of Arabia. A Journev In the Hadhramaut. Bv Freya Stark. Verlag John Murray. Dem jüdischen Publikum, das mit größerem Interesse denn je die Literatur über Arabien und die Araber verfolgt, dart das neue Huch von Miß Freya Stark besonders empfohlen werden. Miß Stark ist die erste Frau, die es versucht hat, ohne jede männliche europäische Begleitung ein Ziel zu erreichen, bis zu dem noch kein ok/identalischer Reisender vorgedrungen ist: Shabwah, heute ein kleines Dorf, in dessen unmittelbarer Nähe aber die Stätte des alten Sabota (Pünitis) liegt, der ״Hauptstadt des Weihrauchs“. Seitdem im Jahre 18 IT als erster Europäer v. Wrede Hadramaut besucht hat, ist das Land des Weihrauchs und ,die von ihm nach Norden führenden Straßen, auf denen das begehrte Vegetabil bis zu den Altären Jerusalems nicht nur, sondern auch Roms und Griechenlands gebracht wurde, verschieden♦- lieh der Gegenstand kühner Forschung gewesen, die durch die Fremdenfeindlichkeit der Bewohner dieser Gegenden bis in die allerletzte Zeit mit Gefahr verbunden war. Unser besonderes Interesse an diesem Teil Arabiens ist schon dadurch gegeben, daß unter den wenigen Europäern, die ihn in vergangenen Jahrzehnten betreten haben, nicht weniger als drei jüdische Eorschungsreisende sich befanden: Josenh H a 1 e v y, der berühmte Entdecker der Fallasehas, Eduard Glaser und — als jüngster — Leo Hirsch, dessen ,,Reise in SiUlarabicn, Mahra-Land und Hadramaut“ 1897 erschien, dessen Name aber seltsamerweise in keiner einzigen der verschiedenen ״Jüdischen Eneyclopädicn“ zu fiitden ist. Der Name ״Hadramaut“ soll Zusammenhängen mit dem biblischen ״Chazarmawct“ (I. B. M., X 26), dessen Bewohnerschuft als direkte Nachkommen des Sem genannt werden. Vielleicht rührt die poetische Bezeichnung ״Vorhof des Todes“ daher, daß der schmale, mehr oder weniger fruchtbare Küstcustreifen des Hadramaut der großen arabibischen Binnemviiste vorgelagert ist, die bis auf den heutigen Tag von den Karawanen zahlreiche Todesopfer an Menschen und Tieren fordert. Der Kontrast muß in alten Zeiten um so größer gewesen sein, als Hadramaut nicht nur selbst eines der Haupterzeugungsländer des Weihrauchs war, sondern auch der gesamte Weihrauch des angrenzenden Dhufar und des jenseits der Blicht von Aden gelegenen Somalilandcs ausschließlich über seine Hauptstadt Sabota in die vorderasiatischen und europäischen Konsitniliincler gelangen konnte. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, daß das Monopol aut diesen Duftstoff einmal einem Lande eine Wirtschaftliehe Vorherrschaft sicherte, die man ohne Ucbertrcibung mit dem heutigen Besitz von Petroleurnquellen vergleichen kann. Aber wenn wir lesen, daß Rantses Ul. in dreißig Jahren nicht weniger als zwei Millionen Stück Weihrauch den Göttern opferte und daß, wie Herodot berichtet, bei einem einzigen Fest des Bai nicht weniger als 60 000 kg Weihrauch verFirannt wurden, so gibt das einen Maßstab dafür, welcher Reichtum in diesen Teil der ״Arabia Felix“ strömen mußte aus einer Welt, die von Griechenland bis Indien bei jedem Opfer, bei jedem Begräbnis und fast bei jedem Mahl Weihrauch verwendete. Von all dem ist heute nichts mehr iibriggebliebcti, und das alte Sabota, durch dessen Nordtor all dieser Weihrauch in die Welt strömte, hat das Geheimnis seiner ״sechzig Tempel“ bisher noch keinem europäischen Auge enthüllt. Der Deutsche H e 11 f r i t z, der ihm zur gleichen Zeit wie Miß Stark zustrebte, mußte an seiner Grenze unverrichteter Sa-che umkehren, und sie selbst, vor der Romane Philip Gibbs: ״Zwischen Ja und Nein.“ Deutsche Ueber- Setzung von Wolfgang v. Einsiedel. Universitas, Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin 193h, Von Ph. Gibbs, dem englischen Romancier, liegt wieder ein Buch in deutscher Sprache vor, nachdem vor einiger Zeit sein Roman ״Ewiges Suchen“ in Deutsch erschienen ist. Das neue Buch führt uns zurück in die Zeit des Nachkriegseuropas, und Gibbs packt uns durch seine große Oestaltungskunst, die uns ein Bild der damaligen Wirrnisse, besonders in England, Irland und Rußland gibt. Ein junger englischer Offizier erleidet in seiner Ehe Schiffbrucn, da er sich der tiefen Problematik jener Zeit bewußt wird lind um Lösungen kämpft, dadurch mit seiner Frau in Konflikt gerät, die mir sich selbst hingegeben und dem äußeren Leben lebt. Er muß sich vo!1 ihr trennen und unternimmt als Journalist eine Reise, die ihn zuerst nach Irland tührt, wo er in die Kämpfe der irischen Freiheitsbewegung hineingerät. Von dort kommt er über Frankreich lind Deutschland nach Rußland. Er sieht die Hungerdistriktc, eine unvorstellbare Verelendung der Menschen. Nach seiner langen Wanderung kommt er wieder nach Berlin zurück, wo er sich mit seiner Frau vereinigt, die endlich zu ihm zurückgefunden hat, eine Rückkehr zu seiner ganzen Persönlichkeit, ohne Vorbehalte und nach einer Wandlung ihrer selbst. Man liest alle Kapitel des Buches mit Spannung. Johannes V. Jensen: ״Dr. Renaults Versuchung.“ Roman. Bermami-L Leiter Verlag. Wien 1036. Wenn man nicht wüßte, daß dieser Roman von Johannes V. Jensen, dem bekannten dänischen Schriftsteller, stammt, würde mau sieh fragen, oh es überhaupt notwendig ist, das kurze W i r k! i c h k e i t s Schicksal seines Helden, Dr. Rcnault, und sein Traumleben bis zum Schluß des Buch« mitzuerlebcn. Aber in dem Augenblick, in dem man das Buch enttäuscht ztikiappen möchte, erinnert man sich Jenseits früherer Arbeiten, und man versucht, 71! diesem Buch einen Weg zu finden. Leider sind die Motive nicht nur alt und reichlich abgenutzt, sie stehen auch zu dem Stil des Buches, der versucht, mit unserer Zeit mitztrgeheti, in einem merkwürdigen Gegensatz. Ein bekannter Arzt stirbt und bekommt nach seinem Tod durch Verschreibung seiner ״Personlichkeit“ an eine Gestalt aus dem Fegefeuer noch weitete elf Jahre Leben geschenkt. Er fängt das neue Leben an dem Punkte an, wo er cs durch seinen natürlichen Tot! verloren hat, und man findet ihn an Bord eines Luxusdampfers. Er macht eine Weltreise und erlebt auf diesem Schiff sein neues Leben. Er begegnet einer _ 19jährigen Rekordsrlnviminerin, einem schönen, jungen Mädchen, in der er die vollkommene Schönheit der Frau findet, und ein starkes Gefühl bindet ihn an sie. Aber er wird von ihr übersehen, da säe sich für einen ״Jüngeren“ entscheidet, während unser Held Gelegenheit zu Beobachtungen über die menschliche Seele und Gesellschaft und zu allerlei Diskussioticn darüber hat, und nun häufen sich die Katastrophen, Die Schiffsbesatrung revoltiert, das Mädchen stirbt an cüiem Eingriff, den ein von Morphiumsucht befallener Arzt an ihr vornimmt, und last not least versinkt das Schilf, außer 17 Insassen, die sich auf eine Südseeinsel retten können, Aber der Held der Erzählung befindet sich nicht unter den Geretteten, er ist ertrunken. Sein zweiter Tod genügt ihm immer noch nicht, wieder die Welt sieh kein Hindernis mehr aufzutürmen schien, erkrankte im benachbarten Shiharn und mußte von britischen Fliegern nach Aden gebracht werden. So wurde ihr Buch, wie sic selbst es bescheiden nennt, der ״Bericht über eine» Mißerfolg“. Das Buch selbst aber wird ein großer und verdienter Erfolg werden. Denn wenn in ihm auch keine wesentlichen neuen Tatsachen verzeichnet stehen, so gibt es doch eine Schilderung von Gegenden, die nur wenige Europäer besucht haben, eines Stückes von Arabien, in dem der westliche Einfluß noch wenig spürbar ist. Und da sie nicht nur eine Gelehrte, sondern aticli eine Schriftstellerin von Rang ist, so ist die Lektüre ihres Buches nient nur ein wissenschaftlicher Gewinn, sondern auch ein literarischer Genuß. Die zahlreichen vorzüglichen Aufnahmen, insbesondere von der eigenartigen ״Wolkenkratzer-Arehitektur“, des Hadramaut, seiner Landschaft und seinen Menschen, bilden ein Stück wertvoller Arabienkunde Ln sich. Der jüdisehe Leser, dem daran liegt, ursprüngliches Arabertum kcnncnzulernen, wird dieses Buch mit besonderem Gewinn lesen. C. Z, Klötzel, Jerusalem China A. Gervais: ״Ein Arzt erlebt China“. —- Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig. Wir haben vor einiger Zeit (״Jüd. Rundschau“ Nr. 53 vom 3. Juli 1Ö36) das wunderschöne Chinabuch des französischeit Arztes Gervais: ״Malven auf weißer Seide“ besprochen, das nicht nur eine anmutige und reizende Er- Zahlung ist, sondern auch tief in das Leben in den inneren Provinzen Chinas cinfiihrt. Schon früher hat Gervais ein Buch unter dem Titel ,,Ein Arzt erlebt China“ geschrieben, aut das an dieser Stelle hingewiesen werden soll. Er schildert dann seine Erlebnisse in einer Provinzial-Hauptstadt iin Innern Westchinas, die Menschen, die Sitten, den geistigen Inhalt ihres Lebens und baut vor uns eine Welt auf, die in ihrer Eigenart dem westlichen Geist wohl ewig unverständlich bleiben muß, obwohl andererseits die nt e n s c h I i c h e n Züge so manchen Anknüpfungspunkt geben. Die Verbundenheit des Chinesen mit seiner gesellschaftlichen Gruppe, der Familie, sein Eingebettetsein in ein System von Normen mutet uns Juden seltsam vertraut an. — n. Brasilien als Siedlungsgebiet Felix Moeschlin: ״Großsiedlung in Brasilien“. — Montana- Verlag A.-G., Horw-Luzern. Eine Broschüre über Siedlungsfragen muß unser Interesse erregen, besonders wenn es sich um Brasilien und speziell das Gebiet von Para 11 ü handelt, das ja bekanntlich auch unter dem Gesichtspunkt jüdischer Ansiedlung eine Rolle spielt. Der Verfasser, der selbst in Brasilien war, glaubt, daß eine Zusammenarbeit zwischen der Schweiz, und Paranü auf dem Gebiete der Siedlung möglich ist, und schildert in seiner Broschüre die Probleme, die mit einer solchen Siedh»Hf_ verbunden sind. Er hat bei seinem Aufenthalt in Brasilien ein Abkommen mit der Regierung von Parana getroffen und von dieser eine Fläche von 500 000 Hektar für Kolonisationszwecke reserviert erhalten. So sehr naturgemäß die Bedingungen einer Kolonisation für Schweizer Siedler von den Voraussetzungen jüdischer Arbeit abweichen, so interessant ist es doch zu selten, welche Gedankengänge von dieser Seite her auftauchen. oe. tritt im Fegefeuer der Höllenmcnseh vor ihn, und nach einigen Diskussionen unterschreibt Renault einen zweiten Vertrag, worin ihm ein neues Leben an der Seite jenes Mädchens zugesichert wird. Die Liebersetzung von Julia Koppel ist lebend zu erwähnen. Ch. F. Jonas Frankels Gottfried Keller-Ausgabe. Jonas Fr ank e i, der berühmte Berner Literaturhistoriker, Herausgeber Goethescher Briefe und Heinescher Gedichte und von Dichtungen der Romantik, gibt bekanntlich seit 1921 eine kritische Gottfried Keller-Ausgabe heraus. Von dieser Ausgabe (Verlag Bentcli A.-G. in Bern), die mit Unter- Stützung des Kantons Zürich erscheint, ist soeben der 14. Band f3fc ii #* h r Buchhandlung Martin Salomon WM Vll VI I Btrllp NO 43, Nau• Kdnig*U־aÖ• 76 / T*|»jphonr E 3 2636 heransgekommen, der den zweiten Teil der frühen Gedichte Gottfried Kellers enthält, jenes Büchlein, das im Jahre 18K> unter Kellers Namen erschienen ist, obwohl sein Inhalt nicht mit dem übereinstiunnte, was Keller selbst, der damals zwischen Malerei und Dichtkunst heftig schwankte, geschricben hatte. Die meisten dieser Gedichte sind in der jetzigen Textgestalt noch niemals gedruckt worden, und Frankel weist in der Einleitung auf die Tragik der Entstehung des ersten Druckes hin, an dem nicht allein Keller, sondern August Adolf Ludwig Folien ״mifgearbeitet“ hat, als er diese Gedichte in ein Taschenbuch seines Verlages aufnahm. Frankel berichtet in der Einleitung zu dieser Ausgabe über die Verheerungen, die Follens ״Verbesserungen“ in dem Kclicrschen Manuskript anrichteten. Für Keller war Heines Vers Maß und Vorbild, während für Folien Heine ein Greuel war und er für den Klang Heincschcr Verse taub sdtien. So hat er denn auch in Kellers Verse eingegriffen, um sie zu strecken oder zu kappen. Die Wiedercrweckung des Kclicrschen Wortlauts, die auf mühsame Weise nunmehr von Frankel vorgenommen wurde, ist daher besonders zu be״riißet1, finden sich doch unter diesen frühen Kindern der Kclicrschen Muse zahlreiche Perlen der Romantischen Poesie. oe. Henri Pourrat! ״Die alten Papiermühlen In der Auvergne“. — Herbert Reichner Verlag, Zürich. Im Herbert Reichner-Verlag, der durch seine bibüophilert Interessen bekannt ist, ist diese Broschüre m Uebersetzung aus dem Französischen erschienen, die auf ein Kapitel der Papiererzetigttng im Abendlande Lieht wirft. Es heißt, daß drei Kreuzfahrer, die mit Ludwig dein Heiligen in Palästina gefangen wurden und in einer Papiermühle arbeiten mußten, die Kunst der Papiererzeugung in die Auvergne gebracht haben. Der Druck und die Illustrationen, die von Fritz Kredel stammen, sind bibliophil vollendet. u. 0. Langenschetdts Englisli Monthly Magazine eröffnet mit dem soeben erschienenen Oktoberheft den '2. Jahrgang, Ein hervorstechender Zug dieser zur Pflege und Förderung eng• lischer Sprachkenntmsse bestimmten Zeitschrift ist die Vielscitigkcit ihres Inhaltes. Der Verlag hat jetzt auch mit der Herausgabe einer gleichartigen französischen Zeitschrift begonnen, die die gleichen Vorzüge aufweist.

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