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Jüdische Rundschau · 1936-10-23 · Heft 85 (23.10.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 85 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 4 p JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85 23. X. 1934 Jüdische Gesamt Vertretung in Wien Budapester Brief Von unserem Berichterstatter B u d a ון e s t, 20. Oktober 1936. Die ricuern,■trinte ungarische Regierung hat ihr Regicrutigs- Programm vorläufig nur dem Plemim׳ der Einheitspartei vorgelegt. Darin heißt es 11. a.: ״De״ konfessionellen F' ricde 11 wollen wir jeder/.eit erhalten und befestigen. Sollten wir irgend welche Anzeichen bemerken, die auf eine Störung desselben;!'vielen, so werden wir im Interesse der Sicherung der offentlichen Kühe denselben mit aller Energie entgegentreten.“ Die Ungarische Zionistische Landesorga־ nisation, die ihre Generalversammlung zurzeit wegen des Versnininluugsverbotes nicht abhalten kann, legt ihren dicsjiihrigen Tätigkeitsbericht in Druck vor. Nach einer Uehersicht über die zionistische Veitlage kommt der Bericht auf ״Das Los der ungarischen Juden“ zu sprechen, indem er ausführt: ,.Die in Ungarn lebende, •DO (KM) Seelen starke Judenheit bat sich bis heute in die jüdische Renaissancebewegung nicht in dem Malte eingeschaltet, wie es ihre Anzahl und die Verhältnisse erforderten. Die Judenheit Ungarns lebt sich in den mehr minderhedeutetulen Angelegenheiten des (kmeindebetriebes aus, ohne jene mächtige Wandlung 7.u bemerken, die unsere (1egenwart von dem Zeitalter der Emanzipation trennt. Dabei ist der politische, wirtschaftliche, kulturelle Raumvcrlust des Judentums eine Weiter•;eheinuiig, die aber von den hiesigen Juden nur als vorübergehende Erscheinung gedeutet wird. — Zu einer Zeit, da das sogenannte amtliche Organ der reologen JiuieiiM'liaft von der Dcberfiussigheil einer geistigen Um- Schichtung schreibt, durch die die P r o I e t a r i s i e r u n g־ d e r Massen weiter um sich greift und die Zukunft der Jugend ganz 3t!S'iclH'!0■; erscheint, scheint auch jeder wohlgemeinte Versuch, die MentaUtät dieser Menschen dem neuen Judentum naluvuhi iiigcn, amsjehtsios. fine Besserung können und. dürfei! wir nur von der jungen < ieneration erwarten.“ Der Berieht skiz/ict t dann die 1 ähgkeit der Verband-Teilung, vor allem in der Rc['1 a ■en!,.;!/ der Pc• tcr i-raeli .isehen (ienieinde, in d.e dieses J:1 h 1־ zum 1 rsteii Male Zionisten mittels Wahlhonipromtfl gewählt wuide'i. im I icr/l-Saai des Verbandes fanden 23 größere \'ortr:1ge und US seminaristische l.ehrknrse statt, die Arbeiten I in den Acktioiinn stagnierten /um Ted infolge der paliistinensi'cheit i'innlicii, nur die Einnahmen des Kercit Kajemeth steigerten sich tun 1 1 Prozent. Eine in’cics .;inte prinzipielle Entscheidung wurde durch ein Budajv-ier Ile/ii k-gericht in Angelegenheit jener (iarant i t s 1 11 ci 11 e g e i ,1 i! I, die vom englischen Konsulat als Siclieistedimg tu!• palustineiisis!he Tom .stenvisen bisher glatt augcnoninicn wuiden. Da von diesen Auswanderern manche nicht /iirii./kkchi ten, kiagle das englische Paßamt die (iaranten auf i'tfuliuiig ihrer Ptlicliten, mul gewann auch den Prozeß. Jungst;,(],.י!׳!',,Ute! in Ein/elrichter in ähnlichem balle ein abweisende-; l'ruil mit!1er Begründung: ״Da die Eorilemng, daß der Toim-t muh einer gewissen Zeit licunkelire, aui gerielitlie'neni Me.:!• nicht erzwungen werden könne, sei auch eine Strafe für diese* Handlung nicht einzutreiben. Im übrigen sei es;111 g cm ein bekannt,!laß jene jungen, armen Juden, die mit diesen! Visum nach. Palästina reisen, nicht zum Vergnügen hinfahren, sondern behufs Niederlassung. Dies wisse auch der Kläger, deshalb entbehre sein Vorgehen des guten ülaubcns.“ * Die Bester Ghewra k a d i s c h a, die jetzt in das 150. Jahr ihres Bestehens tritt, wählte dieser Tage ihren neuen Vertretungskorper. Von thrn;!!!gehaltenen 3(MK> Stimmen entfielen der überwiegende Teil auf die bisherige Leitung. Vor dem greisen Präses, Oberregierungsrat Max Kramer, erschien als erste Deputation die Abordnung des am gleichen Tage in lludanest abgehalteiien Vili. Trontkäinpfertages, deren Redner den Verein ersuchte, für die Verewigung des Andenkens der gefallenen jüdischen Soldaten Sorge zu tragen. Das Hcldendenkinal soll in Kurze errichtet werden. * Der Ophtalmolog-Primarius des jüdischen Hospitals, Dr. Julius E e h e r, sowie der gew esc ne Kultusvorsteher der Fester (iemeimle, liofrnt Dr. Böla j a e o I) i, langjähriger Vorsitzender des VT. IdidriktgerUhte;, sind in Budapest gestorben. * Aas den Theatern Das fudcnproblem liegt in der Luft׳. Von den zehn Theatern IhidapoN e!öhfneien zwei diese Saison mit Stucken, in de!ei! Mittelpunkt ein Jude, der Jude stellt. Einen .,Veitlitcratur-Aklii'״ verspricht!las neue ״Kimstlerthcatcr“ und beiz!11 nt d eime 1 f 11 n mit dem niemals zu linde gehenden Dr.ima 111 - ״Kauimaiui von Venedig". Schon Wochen vorher lautete ei;:!•- der \!ein hni'-ten Tagesblafter die \ orrtcllmig mit einem l!;.-!u!!-. h-p>vcbu!og1selt tiefsthurfemlen Leitartikel: ,S h \ 100 k' ein, dir Voll!der ZritloMgkeit tles Anti.!•mitoiiuis II a 11!1! 11. I;;1ek1nu1 und Regie trachteten wohl danach, durch Beton!.11g der kominlienlniften l.lemente in den I.iebesgeschi! Ilten, dnu!1 opentbalte Aiifinachung tmd 1 mpi e.iMonistL-wbe L)ekora!i1 min di!• Tendenz ah/iiscfiwaclien, wodurch Shvlock —- wie K1׳~prüngli! h bei Shakespeare ■•־ fast zur Episodenfigur wur׳.le. 1.'!• n 11 o! 11 belicnnclite seine < icwtalt, in deren kimstfenb. iuni I )aiwtcilung der junge judiwhe Schauspieler und Sehr 11;• tidler Indwig 11 e 11 e r t freilich eher di n Olietfojudeii als «Ir•״ stol/Ii! wußten Sepharden Italiens hervorkehrte, ׳< on .Anfang Ins idid!• die S/ene. Einzelne Regiceinfalle, wie 7. B., daß t!fr um die geraubte Tochter svenklagende Shvlock imverniittelt ins (iesviihl und Gejoltle des venelianisehen Knrn! vnls hineingerät, erhoben seinen menschlichen Schmerz zur Tragik des Erhabenen. Schwächer gelang die Selbstverteidigung Shylorks. Die große Szene vor dem Tribunal aber weckte mehr Seit rufen freude und Verachtung im Zuschauer als (!efuhle des Mitleids. (Vir brachten kürzlieh einen Bericht über die große Shvloek-Diskussion Palastinas und werden im Anschluß daran demnächst einen größeren Essay veröffentlichen, der die Gestalt des Shvlock unter neuen Gesichtspunkten beleuchtet. Amn. d. Red.) Ebenso umstritten ward hier Eottis Napoleon 1'a r - kerr. ,.Disraeli״, das auf englischen und amerikanischen Bühner: sowie im Eilm hunderte Aufführungen erlebt Baben soll. Mit dem in Deutschland vor Jahren gespielten gleichnamigen Drama von Arthur R u ti d t soll es wohl verwandt, alier nicht identisch sein. Es ist ein ,,schönes Stuck“, ein fine phy, wie der Ueberset/cr und Dramaturg Dr. Alexander llevesi es in einer Voranzeige nennt. Lord Bcaconsfield, der allmächtige Premierminister Englands, hat den Zenith seiner an Hindernissen und Enttäuschungen nicht baren Laufbahn erreicht, wird von seiner Umgebung bewundert, von den Trauen verzärtelt. Jetzt ist er im Begriff, seine größte Leistung, seine i.ieblingsidee durchzttfuhren: die Aktien des S 11 c / k a n a! s 7u erwerben, so den Weg nach Indien zu sichern. .Manche Widerstände stellen sieh ihm in den Weg. Die selhslgemigsame, satte englische Gesellschaft, deren Ruhe durch da« t!ackernde ״orientalische“ Temperament Disraelis gestört wird — in diesem kalt-vornehmen Kreise fällt ein einziges Mn! das Wort Jude —, die Phantasielosigknit der Bankweit, die seinem staatsmä!wischen Denken in Weltteilen nicht folgen kann, vor allem die Aktionen seines großen Gegenspielers Bismarck, die seinen Geldgeber Meyers (lies: Rothschild) zu Falle bringen. Doch Lord Beaconsfield siegt und kann in einem stark abfallenden letzten Akt Die vom Bunde jüdischer Frontsoldaten eingeleiteten Verhandlungen zur Schaffung einer Einheitsfront aller Juden Oesterreichs haben zur Vereinbarung von Riehtiinien geführt, die in einem Schreiben des Präsidenten der Wiener Kulfusguncinde an den Bundesfiihrer der üidischen Frontsoldaten nicdergelegt wurden. Sie haben folgenden Wortlaut: 1״. Es besteht Einverständnis darüber, daß «in gemein sanier Ausschuß (Vollzugsausschuß) zum Zwecke der Wahrung der Interessen der österreichischen Judenschaft ehestens geschaffen werden soll. 2. E)er Beitritt ist grundsätzlich allen zahlenmäßig beachtlichen jüdischen Gruppen offen/uhalten, die nach ihrem Wirkungskreise an den öffentlichen Vorgängen Oesterreichs teilnehmen, sieh zu dem Gedanken der Solidarität und Schicksalsverbundenhcit aller Juden rückhaltlos bekennen und die Verpflichtung übernehmen, in allen Angelegenheiten, welche in die Kompetenz des zu bildenden Vollzugsausschusses fallen, selbständige Aktionen zu unterlassen. Von dem Beitritt aus- Nichtigkeit einer Mischehe Der überaus seltene Fall, dafi der Staatsanwalt Klage erhebt, eine sogenannte vernichtbare Ehe für nichtig zu erklären, kam vor dem Landgericht Berlin vor. Der Generalstaatsanwalt hatte gegen einen jüdischen Schneider und dessen christliche Ehefrau den Antrag gestellt, die zwischen den beiden im Jahre 1025 vor einem Rabbiner in Bodenbach (Tschechoslowakei) geschlossene Ehe für nichtig zu erklären. Da nach polnischem Recht — der Mann ist Pole — die Eheschließung zwischen Juden und Christen verboten ist, und nach den deutschen Vorschriften für die Ehe- Schließung «las polnische Recht hätte angewandt werden müssen, bestand ein E h e h i n d e r 11 i s, das die Schließung der Ehe in Deutschland unmöglich machte. Die Beklagten ließen sich nunmehr am 24. Dezember 1925 in Bodenbach nach jüdischem Ritus trauen. Bei Untersuchung dieser Mischehe hat sich der Gencralstaatsamvalf auf den Standpunkt gcstellt, daß die Ehe nichtig ist, da sie unter Verletzung der Formvorschriften des tschechoslowakischen Rechts geschlossen worden sei. Elin Aufgebot der Ehe ist nicht erfolgt. Der Rabbiner als Kirchenorgan sei nach Meinung des Staatsainvaltes zur Eheschließung unzuständig gewesen. Der Kammer des Landgerichts lag ein Gutachten der juristischen Fakultät an der Deutschen Universität in Prag vor, nach dem das mangelnde Aufgebot die Nichtigkeit einer Ehe nach tschechoslowakischem Recht noch nicht begründe, da das Aufcbot keine zwingende Vorschrift des tschechoslowakischen echts sei. Die Verhandlung vor dem Landgericht wurde vertagt. Dem (lencralstaatsamvalt soll Gelegenheit gegeben werden, zu diesem Gutachten Stellung ru nehmen. Vor kurzem wurde schon in einem Aufsatz der ״Juristisehen Wochenschau“ mitgeteilt, daß eine große Anzahl in Deutschland lebender staatenloser oder ausländischer Juden Ehen vor Rabbinern in der Tschechoslowakei geschlossen haben. Auch in diesem Aufsatz wurde die Frage aufgeworfen, ob diese Ehen gültig seien. Nichtarie*• und Gewerbefreiheit Das ״R ei c h s v e r w a 11 u 11 g s b I a 1t“ vom 17. Oktober veröffentlicht zu diesem Thema eine Abhandlung von Dr. Werner Spohr, Kiel. Diese Ausführungen gelangen, auch durch seine zärtlich geliebte schwerkranke Gattin der Herr- Seherin die indische Kaiserkrone zu Füßen legen lassen. Die Handlung zeigt wohl manche Naivitäten und Unebenheiten, aber die Rolle des Hauptheklen, der fast ständig auf der Biilum agiert, überschattet alle Schwächen. Eugen T ö r z s, einer der ersten der vortrefflichen Schauspielergardc Ungarns, ein guter Jude, hat dem in vielen Farben schillernden Wesen Disraelis eine einheitliche Gestaltung gegeben, der Würde und Treue, Geist und Großzügigkeit ihr Gepräge gehen. Es sei hinzugefügt, daß die Tagespresse aller Richtungen das Stück ablehnte. * Dr. A. F. Die Vorfälle im Londoner East End London, 21. Oktober. (JTA.) Der Board of Deputies of British J e \v s, die offizielle Vertretung des engtischen Judentums, befaßte sich in seiner am!7. Oktober abgehaltenen Sitzung eingehend mit d«1 V o r f ä i 1 en im L o n dotier East End. In scharfer Weise wurde gegen die Bemühungen p r o t e s f i e r *, in der Vorstellung der ()dientlichkeit den Eindruck zu erwecken, daß die Juden mit einer politischen Gruppe oder Richtung identisch seien. An die jüdische Bevölkerung des East End wurde der Appell gerichtet, sich den Unruhen femzuhalten und es dadurch zu verhindern, «laß die Taktik der Unruhestifter ihnen den gewünschten Erfolg bringe. Dem Antrag der Kommission für Reclitsangelegciibciten und parlamentarischen Fragen gemäß wurde festgestelit, daß der Board keine politischen Bindungen besitzt, noch besitzen kann. Seine Abwehrmaßnilimen seien ausschließlich gegen den Antisemitismus und die Versuche gerichtet, die Vorstellung von der Identität der jüdischen Gemeinschaft mit irgendeiner politischen Körperschaft zu erwecken. Die Ita erfährt: Es sind in der am Mittwoch abgchaltenen Sitzung des englischen Kabinetts keine endgültigen Beschlüsse im Zusammenhang mit der judenfeindliehen Propaganda der englischen Faschisten gefaßt worden. Die ״M orning P o s t“ weiß in ihrer Nummer vom 22. Oktoher zu melden, daß bereits eine Entscheidung über gesetzliehe Maßnahmen getroffen sei. Die zur Behandlung dieser Frage eingesetzte Unterkommission soll in der nächster! Sitzung des Kabinetts hekanntgehen, weicher Art die vorgeschlagenen gesetzlichen Maßnahmen sind. Londoner Kirchenkonferenz gegen Judenhaß London, 20. Oktober (J. T. A.) Mit Genehmigung des Bisciiofs von London werden auf der am 26. Oktober in London stattfindenden D 1 ö 7. e s a 11 k o n f e r e n z der Vikar von St. Thomas, M. W. C u t h b e 1׳ t, und der Vikar der Christ Church, St. J. B. G r o s e r, folgende Entschließung zur Abstimmung ohne Debatte vorlegen: ״frn vollen Bewußtsein der Schwierigkeiten, die das Vorhandensein einer zahlreichen Bevölkerung anderen Glaubens und amlerer gesellschaftlicher Gewohnheiten in bestimmten Distrikten liervarrufcn muß, stellt die Konferenz fest, daß die Juden und die Christen In gleicher Weise Kinder Gottes sind; sie fordert daher alle Christen auf, jedem Versuch, Antisemitismus zu politischen oder sonstigen Zwecken hervor* zurufen, mit Festigkeit entgegenzutreten.״ geschlossen sind solche Organisationen, die lediglich gesellschaftliche, berufliche, charitaiive oder ähnliche Zwecke verfolgen, lieber die Aufnahme von Organisationen nach der Konstituierung des Vollzugsausschusses entscheidet das einzusetzende Exekutivkomitee. 3. Grundsätzlich soll jeder beigetretenen Gruppe ohne Rücksicht auf die Zahl ihrer Vertreter nur eine Stimme zustehen. 4. Der Vollzugsausschuß wählt eine Exekutive, die zu bestehen bat: a) aus 2 Vertretern der zionistischen Gruppen; b) aus 2 Vertretern des Bundes jüdischer Frontsoldaten; c) aus 2 Vertretern niehtzionistiseber Gruppen und d) dem jeweiligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, der den Vorsitz im Exekutivkomitee führt. 5. Den Wirkungskreis des Vollzugsaus- Schusses bildet die Stellungnahme zu allen öffentlichen, die Interessen der Judenschaft Oesterreichs berührenden Angclegenheitcn. 6. Die Konstituierung tles Vollzugsaus־ Schusses soll tunlichst bis Ende 1936 erfolgen.“ soweit die Rechtslage seit Geltung der Nürnberger Gesetze in Frage steht, zu dem Ergebnis, daß der Grundsatz der Gew erbefrei 11 eit genau so ivie für Arier auch für Nichtarier gilt. Hierzu heißt es zusammenfassend in dem Artikel: ..Mit anderen Worten: für Niehtarier gelten keine anderen Ein« schninkungcn des G:und«*ntzes der (irwcrbcircihtii, als sie der Gesetzgeher allgemein cingcüihr?. hat, die aUo auch für arische Gewerbet reihende gelten, In*bc.־>orulerc kann aus der rassischen Eigen- *schalt a!1 N i< Uta! icr nicht g! und-.,!! z lu h aul einen Manuel der Zuverlässigkeit g('^chlo--*en wei den, veiche die Gew e! beurJ nung und die anderen Gesetze, in denen Verhältnisse des Gewerbes geregelt sind, als Erfouiemis der KonzesMoincrn-ilung oder Konzesstonserhalhing au Ist eilen. Soweit aÜenlings aun! rii ־׳kliuh in einzelnen Gesetzen Utsehränkungeu der Hctiitigungdieihcit der Juden vorgenannten sind, sind sie anzuwenden.“ Behandlung bei jüdischen Aerzten Das ״Hamburger Tageblatt“ veröffentlicht eine Reihe von Namen von Staatsangestelllen und Beamten, von denen gesagt wird, sic hätten bis in die letzte Zeit hinein einen jüdischen Arzt regelmäßig konsultiert, der als Frontkämpfer zur kassenärztlichen Praxis zugelassen ist. Dieses Verhalten stelle einen scharfen Verstoß gegen die selbstverständlichen Pflichten gegenüber dem Volksganzen dar. Die Genannten hätten sich selbst ihr Urteil gesprochen und gezeigt, daß sie den selbstverständlichen Geboten, die der deutsche Staat seinen Dienern auferlegcn müsse, nicht Folge leisten wollten, _ Kennzeichnung der arischen Geschäfte in Berlin Auf einer Sitzung der Ortsgruppen-, Kreis- und Gauamtsleiter des Gaues Berlin, die in Wilmersdorf stattfand, teilte Gauorganisationsleiter Schach 11. a. mit, daß in Berlin die arischen Geschäfte durch Anbringung eines Schilr des, das auf die Mitgliedschaft in der Arbeitsfront himveist! gekennzeichnet würden. Da nur arische Gcschäftsleiter dies Schild erhalten, werde so die auf diesem Gebiete dringend notwendige Klärung geschaffen. Eine notwendige Bemerkung Anläßlich der Wiederaufnahme der sportlichen Beziehuneil zwischen der Sportgruppe des Reiehcbinules jüdischer rontsoldatcn und dem Makkabi veröffentlicht das Organ des Frontbundes ״Der Schild“ einen Aufsatz, in dem u. a. auch die Unterschiede der beiden Sportorganisationen unterstrichen werden. Das ist sein gutes Recht. Wenn aber in diesem Zusammenhang als der wesentlichste Unterschied betont wird, für den Sportbund sei es ebenso wie fiir den Frontbund oberste Richtlinie, sich ,,aus allen internationalen Bindungen und politischen Verflechtungen f e r 11 z 1! h a 11 e n“, so muß gegen diese Formulierung Ein- Spruch erhoben werden. Denn bei dem odiosen Klang, den die hier gebrauchten Worte im heutigen politischen Sprachgebrauch haben, ist zu befürchten, daB durch diese Bemerkungen des Fronfbuntles die Tendenzen seines ״Gegners“, des Makkabi, verdächtigt werden könnten. Darum äst es notwendig festzustellen, daß gerade der Makkabi nichts mit sogenanntem ״internationalen Geist“ zu tun bat, sondern eine riationale Organisation ist. die, sofern das Wort ״politische Verflechtungcn“ liier überhaupt am Platze ist, nur in einer Beziehtmg festgelegt ist, nämlich in dein Willen zur Unterstützung der Regeneration«! csj&dischcnVoIkes durch Aufbau seines Nationallleims in Palästina. Gerade durch diese Betonung des nationalen Gedankens ist der Makkabi der einem national wurzellosen Judentum immer drohenden seelischeu Gefahr enthoben. Sollte der Frontbund mit dem Wort ״internationale Bindungen“ die Beziehungen zu anderen jüdisehen Gemeinschaften meinen, dann wäre darauf hinzuweisen, daß wahrscheinlich auch die Mitglieder des Frontbundes die Hilfe ausländischer Juden, zum Beispiel bei der Auswanderung von Juden aus Deutschland, keineswegs zurückweisen. Es ist unverständlich und vom innerjüdisdien Gesichtspunkt gewiß peinlich, warum in dem hier erwähnten Aufsatz gerade dieses Argument in Fettdruck hervorgehoben wurde. Das Judenproblem Sn der Slowakei Die ״Berliner Börsen-Zeitung“ meldet aus Preß bürg (Bratislava): ln dem neueröffneten Hause der ״Slovenska Liga“ in Preßburg fand eine Versammlung statt, bei der besonders die fudentrage behandelt wurde. Es sprachen Kanonikus Dr. Körper und Rechtsanwalt Dr. Turcanskv, einer der ersten Mitarbeiter Pater Hlinkas. Beide Redner sind Mitglieder der Katholischen Slowakischen Volksjiartei. Dr. Körper erklärte u. a., daß die Slowaken großen Wert auf di« Feststellung ihrer Selbständigkeit als Volk legen. Diese Selbständigkeit erkennen sie auch dem Judentum zu. Von den Juden werde nicht verlangt, daß sie an der slowakischen Kultur mitbauen. Die slowakische Kultur müsse unverfälscht slowakisch bleiben. Gegen eine Wirtschaftliehe Betätigung der Juden sei nur dann nichts einzuwenden, wenn sie sich auf den Anteil der Volkswirtschaft beschränken, der ihnen nach dem Bcvölkcrungsverhältnis zusteht. Die Versammlung faßte nach lebhafter Aussprache eine Entschließung, in der für die Tschechoslowakei ein be-!anderes ö eset z zur Regelung der Rechts- und Lebens- Verhältnisse der Juden gefordert wurde. I

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