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Jüdische Rundschau · 1936-10-20 · Heft 84 (20.10.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 84 (20.10.1936)
Date
1936-10-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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80»« n Nr. 84. 20. X. 1936 JODISCHI RUNDSCHAU liI!IS€UAD Religiöses Leben / 1>r• Bamberger Um die Klagenmuer Die Westmauer ist seit Beginn der Un• ruhtn von den Juden verlassen: keiner der täglichen Besucher erscheint mehr zum Gebet, am 9. Aw fiel der traditionelle Zug der Huriderfe aus, die sonst um die Mitternacht an den uralten Steinen vorüberwanderten. Auch das Grab der Mutter Rach c 1 wird von ihren Söhnen nicht mehr aufgesuclit. Im Aw fanden sich dort noch einige Unentwegte ein, aber im Elul, 1n dem früher die meisten Pilger dort erschienen, wollte die Polizei den Schutz nicht tibernehmen, und so blichen sie aus. Als Rabbi Kuk 1929 gefragt wurde, ob die Juden um des Friedens willen ihren Besitzanspruch auf die Klagemauer freiwillig au!- geben wollten, erklärte er: ״Ein heiliger Ort steht über den Begriffen irdischen Besitzrechts", d. h. der Anspruch auf eine solche Stätte ist nicht geldlich oder juristisch zu erhärten oder ab/ugeben. Aber sicherlich muß ein solcher Anspruch durch Benutzung dauernd bekräftigt werden. Und darum haben wir etwas verloren, was wir auch nach dem Ende der gegenwärtigen Unruhen ,nicht so leicht wieder zurückgewinnen werden. Ls ist nämlich anzunehmen, daß viele der aligewamlertcn Bewohner der Jerusalemer Altstadt nicht wieder dorthin zurückkehren werden. Und s<> werden jene täglich erscheinenden Beter an Zahl .sehr gering sein und das Schicksal der \X e-tmauer kann dem der Ghurwah gteidiwenlen, die infolge der Abwanderung von Juden aus der Altstadt ihre Bedeutung als centrale Svnagoge verloren hat. (Ihn die (ioltesilienstc aufrecht zu erhalten, mib'cn Bewohner der Neustadt irrt Turnus aufgehoten werden.) Unser eigentlicher Anspruch auf die Klagemauer ist natunuh jene geistige Verbindung, die hcrgestcllt wird durch die Gebete aller Nahen und Fernen, die von allen Bilden der Welt her ihr Gedieht dieser Stätte /uwenden. Aber wie wir das h!-tnn«ri1c Besitzeedu aut Palästina durch den AuIIkui des Lande-, d. h. durch unsere Anwe-enheit darin in \V1!Michkeit uberfuhren wollen, so bedarf auch ein Anspruch auf eine heilige Stätte der leiblichen Bekräftigung. ׳ Was es bedeutet, wenn Juden an der Klagemauer nicht erscheinen, i»t in den letzten Tagen besonders klar geworden durch eine neue Verletzung des Status quo von seiten der Araber, die eine neue eiserne Tür angcbracht haben. Nun gibt es wieder Proteste und Erregungen tun jene schmale Gasse, von der 1920 die Unruhen ausgingen und die also im fünften Monat des Aufstandes berufen zu sein scheint, die Flammen des Hasses noch höher schlagen zu lassen. ln der Notzeit Wie haben die Ereignisse der letzten Monate auf das religiöse Leben des Landes gewirkt? Diese Frage wird oft gehört und eine Antwort auf sie ist schwer zu geben. Aus der Geschkhte ist bekannt, daß in Zeiten der Not tiefe religiöse Bewegungen aus dem jüdischen Volk hervorgingen. FH es war nicht nur eine seelische Reaktion, sondern auch gewissermaßen eine Waffe, die einzige Waffe. Die palästinensische jüdische Gemeinschaft kämpft mit Waffen irdischer Gewalt, soweit sie dir zur Vertilgung stehen, aber auch in dieser Lage ist religiöse Vertiefung oder Erneuerung zu erwarten. An Lin/elaktiuiien in dieser Richtung' hat es nicht gefehlt: In den Strallei! von Jerusalem, Tiberias, Safed, Td-Awiw u. a. klebten allerhand Zettel, in denen .,Aufruttler“ (so nennen sie sich) zu Bulii tateii und zur Nachdenklichkeit aufrufeii. Zu einer Massenbewegung, die das Leben des 1 andc», irgendwie berührt, haben diele Aufrufe alle nicht geführt, iöagcgen i-t es zu heftigen Süciiigkciteii in Angelegenheiter, der religiösen! Praxi-, gekommen, an deren hitziger i empuatur die gegen'.vm tig, 11 Ereignis-« ihren Anteil haben, < iegui Schabbatcnhveibungeu, wo sic vurkimieü, wurde nnt besonderer fiartn.u kigkeit 41 un-ni.-truTt. In Tei-Awiw, Pct.jch- I ikw ah und anderen ()neu ist es zu einem Kampf um die Verkeilung des Fleischers von Fieren gekommen, deren Schlachtung fehlerhaft veilauft und die darum als Newelan betrachtet werden. Früher nurden solche Stucke offiziell an Araber vorkauft, wobei keine Kontrolle ausgeübt wurde, ob nicht auch Juden dieses Fleisch erwarben. Mit dem Ausbruch der Unruhen blieb der arabische Käufer aus und trotzdem ging der Verkauf diese« rituell unerlaubten Fleisches weiter. Das Rabbinat griff nach vielen Ver* handlangen und Kundgebungen zu dem scharfen Mittel, jedes Fleisch als trefa zu erklären, bis die Angelegenheit erledigt sei. In den meisten Fällen ist sic auch geordnet worden, indem das unbrauchbar gewordene Fleisch verbrannt wird. Aber vor allem in Tei-Awiw ist sie nicht zur Ruhe gekommen. Als das von jüdischer Seite gelieferte Trefa-Fleisch ausblieb, gingen Käufer dazu über, von Nichtjaden Fleisch 21! kaufen; daran sind auch solche Kreise, selbst Kibbuzim, beteiligt, die sonst den Grundsatz jüdischer Arbeit und jüdischer Produkte als unumstößlich vertreten. Der Stadtrat von Tei-Awiw kam dem Rabfcinat zu Hilfe und verbot den sogenannten ״Trefe-Metzgern“ {von denen es in der grollen Stadt sechs gibt) die Benutzung des städtischen Schlachthauses, aber es fand sielt ein Anwalt, der eine solche Verfügung prozessual anficht. Hier kann sich wiederholen, was vor Jahren mit dem Schabbatgesctz geschah. Die getvälilten Vertreter der Stadt hatten es beschlossen und durch Berufung aut den Toleranzgrundsatz des Mandats wurde das Gesetz angefochten und verworfen. Angesichts solcher Kämpfe wird in einem Teil der Presse und im Publikum oft gefragt: ״Sind diese Zeiten dazu angetan, innere Strcitigkeiten aufzurühren?“ Bei den geschilderten Vorgängen liegt der Fall jedoch so, daß der Grund zu ihnen durch die besonderen 1/111• Stände des arabischen Streiks gegeben worden ist. Daß im allgemeinen der religiöse Eifer erwacht ist, der sich aktiv gegen Mißstände wendet, ist auch ein innerer Vorgang. Solche schweren Ereignisse wie die gegenwärtigen wirken auf den fromm en Juden in einem Sinn, daß er sich einer Gewissensschuld bewußt wird und glaubt, areiigiösen Erscheinungen mit größtem Nachdruck entgegentreten zu müssen. Die Wahlen zum Oberrabbinat haben nicht im Monat Ijar, wie Ursprunglieh geplant, stattgeiunden, und sind aut unbestimmte Zeit, bis zum Eintritt ruhigerer Verhjltni-.se, verschoben worden. Dies führte im inneren Betrieb zu schweren Unzuträglichkeilen, insbesondere bet den rabbmischen Geriahten. Ein besonderer Nachteil kann auch für die kommenden Verhandlungen der Royal Commission erwachsen. Dort wird sicher wiederum das religiöse Argument von der bedrohten Omar-Moschee eine Rolle spielen, und es ist bedauerlich, wenn zur Widerlegung dieser Argumente die Judenheit kein religiöses Oberhaupt besitzt. Andererseits sind die im Frühjahr getroffetten Vorbereitungen nicht ohne Ergebnis geblieben. Es wurde Klarheit darüber geschaffen, wer von den palästinensischen Rabbinern skh zur Knesset!! Jisrael bekennt. Vorher war der unmögliche Zustand möglich, daß ein Rabbiner Mitglied einer Behörde der Knesset!! war und gleichzeitig seinen Austritt aus der Knessetli erklärte. Nach dem neuen W'ahlreglemcnt war der Waad Leumi verpflichtet, sich an aile, die dem achtziggliedrigen Wahlausschuß für das Oberrabbinat angehören oder Einfluß auf dessen Zusammensetzung haben wollten, mit der Aufforderung um Eintritt oder Bestätigung ihrer Mitgliedschaft zu wenden. Dies hatte zur Folge, daß in vielen Fidlen bisher Abseitsstehende ihren Eintritt vollzogen; unter ander cm auch die Persönlichkeit, deren Kandldatur als künftiger Oberrabbiner im Vordergrund stellt. Manche der Ncueingetretenen!.:Bubten sich rechtfertigen zu müssen, indem sie erklärten, daß sie nach vollzogener Wahl vc ieder austreten würden. Das wäre nach dem 27, Ijar möglich gewesen (Ijar ist der sögenannte Austrittsmonat), durch die Verschiebung dir Wahl konnten diese angeblich geplanten Vv kcleraiistritte nicht stattfinden. Als Kandidaten für das Oberrabbinat werden nur zwei Persönlichkeiten genannt, deren Bedentung als Talntide Chadtamim und honiines rcligiosi feststeht. Der eine gehört einer int Lande seit Generationen verwurzelten Familie an und verspricht als Schüler von Kuk dessen Linie (ortzusetzen, neigt wie sein Meister zur Kabbala. Demgegenüber stellt ein Mann der ütilali, der besonders auf dem Gebiet des jüdischen Recht׳« bedeutende Arbeiten veröfientlichtc; daher erwartet die Seite, die für ihn einlritt, daß er in die richterliche Tätigkeit des Rabbinat* System bringen wird. Diese Persönlichkeit aber ist Träger mehrerer akadänischer Doktorgrade. Und liier setzt di« Kritik seiner Gegner «in. Im Osten Europas steht bis heute die orthodoxe Masse von vorn• herein jedem Akademiker mit Mißtrauen gegenüber. Eine Einstellung dieser Art hat bei der vorjährigen Wahl zum Tel-Awiwer Rabbinat den Ausschlag zugunsten des Nichtakademikers gegeben. Bei der nun bevorstehenden Eint- Scheidung wird gegen diese Einstellung euergisch Front gemacht, insbesondere in Kreisen religiöser Netieinwatiderer, die eine andere Vorstellung vom Rabbiner mitgebracht haben. Sie glauben bei aller Verehrung für die Werte, die der alte Typus in sich schließt, daß dieser nicht mehr geeignet ist, die Probleme des neuen palästinensischen Lebens zu meistern und insbesondere der jungen Generation nicht die geistige Führung geben kann, die sie braucht. Die Waid wird also, wenn sie slattfindet, nicht bbfl eine prinzipielle Auseinander- Setzung von Generationen, sondern auch von verschiedenen Schichten der palästinensischen Judenheit darstellen. Hebräische Literatur l Israel K01!«n Aus dem Keller der Welt Im Verlag ״f>,nvar" ist eine Sammlung von Erzählungen unter dem Titel ״Aus dem Keller der Welt“ von Schraga Kadaii erschienen. Der erste Teil enthält unter dem Namen: ״bn Gerichtssaal“ sichen kurze Erzählungen, der zweite ״Verteidigung“ fünf, darunter eine aus «lern Leben der Kwuzalt. Der Autor ist ein junger Schriftsteller, der bisher seine Erzählungen in der literarischen Beilage des ״Dawar“ publiziert hat. Seine Schreibweise benutzt die originclle Methode^ den Ablauf der Ereignisse sich vor dem Richter entfalten zu lassen, vor dem der Angeklagte, der Ankläger und der Verteidiger erscheinen. Klage und Verteidigung entrollen vor uns mannigfache Bilder des ״Kellers der Welt“. Das sind junge Männer und Frauen, deren Wesen durch die herrschende Gesellschaft verzerrt wurde, da diese ihren Mitgliedern nicht die entsprechende Enlwickiungsmöglichkeit gibt, sondern sie vom rechten Wege abbringt und später vor Gericht schleppt. In den Argumenten der Angeklagten spüren wir ihre Aufrichtigkeit und ihren guten Charakter. Das Verfahren des Gerichts und die beschränkten Begriffe der Richter, die vor sich nur das trockene Gesetzbuch sehen und sieh nach Formalitäten richten, werden vor uns aufgerolit und verlangen ihre Reform. Der Stil des Autors ist lebendig und flüssig wie in einer Reportage und erhält an verseiltedenen Stellen ein beachtliches künstlerisches Niveau. Cin Werk über Gregor Mendel Von Dr. Zwi Rudi, einem hebräischen Forscher und Schriftsteller, ist der erste Band eines Buches übeT ״Gregor Mendel, sein Lehen und seine Lehre״ erschienen. Das Werk «nthält reiches und interessantes Material, da» in Kürze zusammengefaßt ist. Der Verfasser untersucht verschiedene Annahmen über die Herkunft des Namens ״Mendel“, den viele für einen jüdischen gehalten haben. Der zweite Band wird die Entdeckungen und Lehren von Mendel behandeln. Das Buch ist illustriert. Galath und Assimilation Fine Gruppe von Freunden hat mit der Herausgabe von J a b o t i ״ s k y s Schriften begönnen. Sie sollen 10—12 Bände umfassen, von denen jetzt der erste Unter dem Titel ״Gallith und Assimilation“ in einem großen, gut ausgestatteten Bande erschienen ist. Er enthält eine Autobiographie von Jabotinsky und 27 Artikel aus dem Jahren 1903—10110. Der Koran in hebräischer Uebersetzung Im Verlag ״Dwir“ ist das erste Heft einer Koranübeisetzung aus dem Arabischen ins Hebräischc von Joseph Joel R i w 11 n ersehneneu. In der Einleitung bemerkt der Uebcrsetzer: Als ich vor 20 Jahren mit dieser Arbeit begann, war ich mir der Verantwortung bewußt, die ich damit übernahm. Aber ich ging aus einem inneren Bedürfnis an die Sache heran. Ich ging zum Studium nach Europa und lern(e bei arabischen Gelehrten ihre Auffassung des Korans. Hann traf ich Cii. N. Bialik und er interessierte sich sehr für die Uebersetzung und unternahm es, das Buch in! ״Dwir“ herauszubringen. ... Ich beschloß, den Koran ganz, im tanachisclien Stil zu übersetzen und ihn unserer klassischen Literatur des Mittelalters atmigleicheri, Zugleich bemühte ich mich, den großen alten Wortschatz, vor Abschluß der Mischnah zu benutzen.“ Der Verfasser weist weiter darauf hin, daß der Koran bereits aus dem Lateinischen ins Hebräische übersetzt wurde, und zwar von Raw Jaakov Ben Israel Halcvy aus Venedig, dessen Uebersetzung im Manuskript erhalt«1 ist. Außerdem existiert eine Uebersetzung des Rabbiners Zwi Chatm Hermann Rekendorf aus Leipzig, die im Jahre 5617 (1857) gedruckt wurde. Die neue Koraniibcrsetzung erfüllt ohne Frage ein Bedürfnis, und zwar rächt nur vom wissenschaftlichen, sondern auch vom politischkulturellen Aspekt aus. Haifa in Vergangenheit und Gegenwart Die Gesellschaft zur Erforschung Palästinas und seiner Altertümer hat das Buch von Wil« nai über ״Haifa in Vergangenheit und Gegenwart“ herausgegeben. Das Werk zerfällt in drei Teile: I. Haifa rn der Vergangenheit, 2. Haifa in der Gegenwart, 3. einen Anhang, der Zahlenmaterial, Bilder usw. enthält. Der Verfasser, der im l ande aufwuchs und erzogen wurde, sagt in der Einleitung: ״In Haifa ver• lebte ich den besten Teil meiner Knaben- und Jiingiingsjahre. Ich kannte es als einen ärmliehen kleiner! Ort mit einer vielfach gemischten Einwohnerschaft, darunter einige wenige Juden, die aus fernen Ländern kamen und verschiedene Sprachen redeten. ... Dieses kleine und ärmliehe Haifa wuchs vor meinen Augen zu einer großen und wichtigen Stadt heran, zum Zentrum des Nordens Palästinas und einer Hafenstadt des Nahen Ostens. Aus einer zerstreuten Gruppe von Juden, die in den arabischen Höfen, in den winkligen Gassen verstreut lebton, erwuchs eine große Gemeinde, die schöne neue Viertel erbaute. Im Angesicht dieser Veränderungen, des schnellen Wechsels und Wandels erwachte in mir der Wunsch, die Geschichte der Stadt Haifa fesfztihalten, die bisher nicht geschrieben worden ist.“ Der Verfasser des Buches ist ein Junger Forscher, der sich nach seiner Schulzeit in Palästina, in England atisbildete und bereits zwei Bände ״Die Geschichte der Araber und der Moslems in Palästina“, ,.Palästinensische Sagen“ und einen ״Führer durch Palästina“ hcratisgegeben hat. Einige seiner Schriften wurden ins Englische übersetzt ״Die Stimme Israels in Jerusalem" Von Jizchak B c n - Z w i, dem Forscher und Politiker, sind jetzt unter dem obigen Titel zwei kleine Blinde erschienen; sie enthalten eine wissenschaftliche und zugleich lebendige Darstellung ■der verschiedenen in Jerusalem seit Jahrhunderten ansässigen Juden gemeinden. Er nennt sie die ״Stämme Israels“, obwohl es mehr sind ais die zwölf, aus denen sich das jüdische Volk zu Beginn seiner Geschichte zusammensetzte. Ben-Zwi gibt Schilderungen der einzelnen Gemeinden mit einer umfassenden Kenntnis und aus der persönlichen Berülirting mit ihren Mitgliedern. Er umreißt ihren Charakter, ihre Lebensformen, ihre Feste, schildert die Unterschiede in ihren religiösen Gebräuchen, zeigt ihre Erwerbsquellen auf und ihren Anteil an der jüdischen Renaissancebewegung. Die Bilder der Mitglieder der verschiedenen Gemeinden, sowohl Wärmer י״י« Frauen, geben einen guten Begriff von den verschiedenen Typen. Trotz aller Unterschiede des Wesens, des Ursprungs, der Erziehung und Bildung, die die einzelnen Gruppen tren« neu, ist bei allen eine einheitliche Tendenz spürbar. Das gilt insbesondere fiir die verschiedenen Jugendgruppen und ihre Organisationen, die die Unterschiede der Vergangenheit verwaschen und zu einer Verschmelzung innerhalb der im Lande neu entstehenden Nation führen. ״Qualen der Zeit" Jecheskiel Kaufmann hat unter dem obigen Titel ein Buch im Dwir-Verlag herausgebracht, in dem Untersuchungen und Artikci über aktuelle Fragen zusammengefaßt werden. Wir zitieren aus der Einleitung: ״Alle folgenden Artikel sind aut den einen zentralen Gedanken angeschnitten, daß die Teilung in Nationen ein grundlegender Faktor im Leben des Menschen ist, ohne vom Klassenfaktor abhängig zu sein. Dazu kommt die Idee, daß die sozialen IJebel, sowohl die nationalen wie die klassenmäßigen, auf keinem anderen Wege als dem der langsamen stufeinveisen Reform beseitigt werden können.“ Daraus ergibt sich, daß auch die jüdische nationale Frage nicht durch eine nahe bevorstehende Revolution gelöst werden kann. Sie ist ein Teil der allgemeinen nationalen Frage, hat aber ihre besonderen Wurzeln, ihren speziellen Charakter, ihr Schicksal und ihre besonderen Jdstorischcn Forderungen und verlangt daher ihre besondere Lösung. Wir besitzen von demselben Autor vier Bände unter dem Namen ״Gallith und Fremde“, die vor einigen Jahren erschieneu, in denen der Gang der jüdischen (jeschichte und die Lösungsversuche der Judenfrage in der Galuth bis heute untersucht werden. Religion und Erziehung Unter der Uebcrschrift ״\X׳o ist der Ausweg?“ veröffent- Hebt J. Persitz im ,,Bastei!ai“ eine Antwort aut Smilanskis Aufsatz über religiöse Erziehung, dessen Inhalt seinerzeit auch in der ״Rundschau“ mitgctci't wurde: Es ist eine altneue Frage: Hat die Religion Bedeutung iür die Erziehung? Die Orthodoxen haben sie selbstverständiieh bejaht. Aber unsere Aufklärer und Freidenker waren anderer Meinung. Es gab Zeilen, da man ein großes Verdienst darin sah, die Ansichten der Orthodoxie in dieser Frage zu bekämpfen. Dann wieder hielt man jeden Kampf für unnötig, da man meinte, die orthodoxe Weltanschauung ehe so und so ihrem Untergänge entgegen. Wir hingegen atten uns ein Erziehungssystein aufgebaut, das von jeder Beziehung zu den Geboten der Religion ganz frei war. Wir dachten, daß die Renaissance des Volkes, des Landes und der Sprache genug Inhalt böte, uni an die Stelle der Religion zu treten. Es scheint aber, daß dieses System zusammen gebrochen ist. Man fühlt, daß dieser 'freien nationale!! Erziehung etwas fehlt, vielleicht ist cs gar die Hauptsache. Unser Schulkind hat mehr nützliche Kenntnisse »11 das Kind aus dem Cheder, aber seine Seele ist leer. Es fehlt das religiöse Mysterium, das die zarte Seele de* Kindes in besonderer W eise aufnimmt, es fehlt, um mit Smilanski zu reden, ״die Melodie“. Viele quälen skh durch solche Gedanken, viele fühlet! die Notwendigkeit, der Erziehuns einen neu«! Inhalt zu geben. Aber welchen Inhalt? Religio!en Inhalt? Es scheint, daß wir keinen anderen Inhalt haben, daß gerade dieser uns fehlt. Aber —- Religion ist keine Ware, sie kann nicht dem Schüler überliefert werden ohne lebendigen Olauben im Herzen des Erziehers, einen einfachen, naiven Glauben, wie cs den vergangenen Generationen eigen war, und wie er vielleicht auch noch heute in den Herzen der Orthodoxen lebt. Aber ohne diesen Glauben gibt es keine Erfüllung der Gebote. Der Schüler würde das als erster fühlen. So sind wir in einem Zauberkreis gefangen: Keine religiöse Erziehung ohne Olauben und keine gläubige Jugend ohne religiöse Erziehung. Dabei wissen wir: diese junge Generation, die jetzt ohne Olauben aufwächst, wird unglücklich sein. Denn auch jene, die uns das prophezeiten, haben recht behalten. Vielleicht sind wir klüger als unsere Väter, aber nicht glücklicher, nein wir sind unglücklicher als sie. Die palästinensischen Arbeiter fühlten da! Mange! in der Erziehung und sie versuchten ihm abzuhelfen und eine ״Religion der Arbeit“ an die Stelle der Religion zu setzen. Aber wie groß der Wert einer Erziehung zur Arbeit auch ist, vom Fluche der CMauhemlosigkeit vermag sie die Seele des Menschen nkht zu erlösen. Die Arbeit erlöst nicht, sie gibt nur eine Erleichterung, ein Vergessen. — Ich bekenne: ich seihst gehöre m des vielen, dtk den Glauben verloren haben. Ich weiß nichts zu raten, aber ich wünsche Bel eh rung von jenen, die unserer Jugend ״die Melodie" wieder zurüekgeben wollen. Wie kommen wir zu ihr zurück, wie kommt der Jude zurück in das Paradies des Glaubens, aus de in er vertrieben wurde? ״Bcth Jacob״-Konzert in Jerusalem. Der Kreis der Freunde der religiösen Kindergärten in Jerusalem, Tei-Awiw und Haifa veranstaltete am Tage vor Hoschanah Rabbah in den Räumen des Hotels Amdnrsky einen gutbesuchten Konzert- und Rezitations-Nachmittag, der in jeder Hinsicht als besonders gelungen annispreclien ist. — Die Geigerin Marianne Jareckl-Imberg und der Pianist Gerhard Jarecki boten gepflegte Kammermusik (Bach und Händel), der Leiter des Jerusalemer Rundfunks, Karl Salomon, sang mit schöner Baritonstimmc Bach und Mozart in hebräischer Textiibertragnng, der Tel-Awiwer Rezitator und Theaterkritiker Manfred Geis rezitierte voll tiefer Einfühlungsgabe die drei ersten Kapitel des biblischen Buches Kohelet, der Sukkoth-Megiilah und Frau J. Neuberger-Rosenh«im sprach Verse des Aufbruchs und der Umkehr von Karl Wolfskehl. Sch. Bea-Chorin (Schlaft d«1 PallsttnaWle)

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